Skip to main content

Full text of "Grundzüge der Bibliothekslehre mit bibliographischen Anmerkungen"

See other formats


Grundzüge der 

Bibliotheksie... 
mit 

bibliographis... 
Anmerkungen 



Arnim Gräsel, 
Julius Petzholdt 





» 



) 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



bcr 



mit 

ö iblxogr afr^i fdj en unir erläutcrnöcn Inmtrhanoro. 



Slcubear&eihuio 

Dr. Julius ^Ptilmlte Katrifonius irr $iblhitljrkriilr!;ii v 

üon 

Dr. 3lrmm (ßräfel, 

€ufto§ au ber Äöniflt. Unhxrfität? SMbliotf)c! 51t- $alle a. b. 3. 



2Tltf 33 in bett 3rxt gcbrudiicn 2C(föifbnmjctt nnb II ^djrifftnfefn. 



$erlag3bucf)i)anbhtng Don ^. 3- SMcOcv 



ISMO 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



Bortoort 

bcm Unterjetdjnctcn feiten* ber 2$crtag$l)anblung 
bie Neubearbeitung üon ^Ijolbtö ÄatcdjiSmuö 
ber 93ibliotf)efenlel)re übertragen mürbe, beffen 1877 
crfd)tenene toenig ücränbcrtc brittc Sluftage im tuefent« 
liefen nod) gang bem ©taube unferer SBiffenfdjaft ent- 
fpraef), toie berfelbe Dor ungefähr einem ÜDienfdjenalter 
5itr $t\t ber erften 3tbfaffung be3 93ud)e£ fid) barfteHte, 
unb baljer einer grünblidjen Umtuanblung beburftc, ba 
mar fcor altem ein doppelte* im 2tugc 3U behalten. 
Ginmal nämlid) galt c$, burd) bie altgemeinoerftänblidje 
9trt ber Sarftellung bas 53ud) nrie bisher ben »eiteren 
Greifen ber 3Mblioff)ef3freunbe jugängig ju erhalten, 
auf ber anberen Seite Ijanbelte e3 fid) in Ermangelung 
eines? neueren tüiffenfdjafttidjen ,£anbbud)e3 ber 93ibtio* 
tfjefölefyre barum, aud) ben SJcbürfniffcn foldjer Sefer 
entgegensufommen, toeidjc fid) nid)t nur auf bem ©e&ietc 
ber felbftänbigen bibliottyefötedjnifcfjcn £ittcratur im 
allgemeinen 311 orientieren, fonbern aud) eine genauere 
Äenntni3 Don ben tpätjrenb ber legten Sejennicu inner- 
Ijalb unferer 2ßiffenfd)aft jutage getretenen öeftrebungen 
auf @runb umfaffenber litterarifdjer Ginjclnadjtoeifc 
311 erwerben nninfd)ten. 



Digitized by Google 



VI 



Sßormort. 



$ur (Erreichung bc3 erftgenannten ßwecfeä fonnte 
cö bielleidjt tatfam erfdjeinen, bic biäfje* beliebte 
Äatecf)t£mu£form beizubehalten. Sinen U)iffenf<^aftlict)en 
©egcnftanb in 3 ra 8 e unb Slntmort bcfjanbeln, ift 
jebenfallä eine leidste, jebermann uerftänbltd^e 2Irt. @£ 
gehört aber baju, bafc grage unb SlntWort aud) in 
fnapper f5 a ff un 9 ra f^ toec^felnb aufeinanberfolgen. 2Bo 
aber bie Beantwortung firf) ju einer langen tfjeoretifdjen 
31u$einanberfe§ung erweitert unb ba£ St)ema in au£= 
. f üf)rlid)er ©tieberung wiffenfdjaftlid) erörtert Wirb, ba 
verliert jene 2)arftellung$form tfjre eigentliche Bc* 
beutung unb bie Vorteile berfelben treten mehr unb 
mef)r priief. ®a e£ nun ohnehin au£ ben im Se^te 
entwtdclten ©rünben angejeigt erfd)tcn, aud) bie ganje 
bisherige ©lieberung beä @toffe£ nad) ben beiben 
§auptgeficf)t£punften ber Einrichtung»- unb ber 93er* 
u>altung§lef)re für unfere $wede fallen ju laffen, fo 
lag e$ bei ber fdjon ^ierburd) bebingten Dollftänbigen 
Umarbeitung be$ Budje3 um fo näher, gletdjjeitig 
auf bic bisherige fatcdjifierenbe 3>arftellung3art ju 
Derjidjten. ®a£ Aufgeben ber früheren Einteilung 
^atte namentlid) auch ben Borteil, bafc nunmehr eine 
einheitlichere Bef)anblung 5ufammengehörigen Stoffel 
ftattfinben fonnte. Senn Wenn beifpieläWeife im 
$atcd)i$muS bie 2ef)re Dom Bibliot()ef3gebäube in ben 
fragen 9—12, 38, 45, biejenige Don ben Beamten 
in ben 3 ra 9 en 4—6, 36, biejenige Don ben ^onbS 
in ben 3™!?™ 13, 39, 46 beljanbelt würbe, fo 
fonnte biefe ßerfplitterung ä u erörternben 

©egenftanbe» ber Überfidjtlidjfeit ebenfowenig förber* 
lieh \ cm f biejelbe anberfeite fortwährenbe SSieber- 
holungen Don bereite ©cfagtem $ur notwenbigen 
^olgc haben muffte. 



V 



Digitized by 



SSorroort. VII 

Unjere jtoeitc 3lbfid)t, aud) ben 33ünfd)cn berjcnigcn 
Sefer nad) SUJöglic^fcit (Genüge ju tf)un, benen cä barauf 
anfommt, ba$ ©ebict be3 93i61iott)efött)cfen^ inäbefonbere 
aud) auf ©runb ber oorfyanbenen Schriften cingeljenber 
fennen lernen, fugten tpir einerfett* burd) bic im 
$e£tc eingefügte allgemeine fritifd)e Übcrfidjt ber roid)* 
tigeren bie 93ibliotf)ef£lef)rc betreffenben £>anbbüd)er unb 
s $eriobifa, womit sugleidj einem SDtangel Don früher l)cr 
abgesoffen Würbe, anberfeit* burd) bic beigegebenen 
3(nmerfungen ju erreichen, worin namentlid) auf bie in 
ßeitfdjriften, befonber£ ben btbHotl)cf3Wiffcnfcfyaftlid)en 
gadjjournalen beö 3n- unb 91u£lanbe3 crfd)ienencn 
2tuffäfee auögiebig 9iücffi<±>t genommen ift. Snner* 
tjalb biefer Slnmerfungen fjaben aud) einjelnc widjtigcre 
fragen be£ 93ibliotf)cf£wcfen» in oerfd)iebenen ©jfurfen 
iljre ausführlichere (Srörterung gefunben. 

©aneben ift oor allem aber aud) ber Scjt fclbft, 
bem eingangs erwähnten SBcbürfittffc entfprcdjcnb unb 
in fteter 9iütffid)t auf ben ßwetf leidjtüerftänblidjer, 
glatter 2)arftellung, einer gänjltc^cn Umgeftaltung unb 
äum Jeile einer oollftänbigcn ©rneuerung unterworfen 
worben. @3 würben l)ictt)on, um nur einige Seifpiele 
anjufüf)ren, befonberä bie 2ef)rcn oom 23ibliotfjcte= 
gebäube, oom Seamtenpcrfonatc, oon ben einjelnen 
Katalogen, oon ber ?(ufftellung unb Sewafjrung ber 
23üd)er, fcon ben 3ugang$0eräeid)mffen u. f. w. betroffen. 
@6 fei bei biefer ©clegcnljeit allen benjenigen an 
betreff enber Stelle genannten Herren, weldje unä in 
ber Stefdjreibung neuer 93ibltotl)cteanlagen fo bereit- 
willig unterftüftt, fowic benjenigen ocrel)rtcn 33ibliotI)ef3* 
oorftänben, weldje unfere Seftrcbungen burd) freunblkfje 
(Erfüllung unfercr littcrarifdjen SSimfdjc fo entgegen- 
fommenb beförbert ^aben, aufrichtiger, ergebener 2)anf 



Digitized by Google 



1 



VIN SSortoort. 

hierburd) auägefprodjcn. SEßurbe nun bemnad) ben 2ln* 
forberungen ber ©egentoart burdjgängig in ausgiebiger 
SBeife SRedjnung 5U tragen üerfud)t, fo fonnten baneben 
manche trefflidje 2lu3führungen Don früher t)tx, ttne 
biejenigen über bcn Sibliothefar unb bie Sataloge im 
allgemeinen, über bie verriebenen Birten unb ben Sin* 
banb ber SSüd^er, über bie ©nfdfjaltung be$ 3 ultjac ^f c ^r 
namcntfid) aud) foldje au£ bem Sapitel über bie 23e= 
mtfemtg ber SBibliotljef mit Derhältniämäfeig geringeren 
Säuberungen ober gufätsen i n bie Neubearbeitung herüber* 
genommen Serben. Um ba§ 3lufftnben ber im Se^te 
hrie in ben Sfnmerfungen beljanbelten ©egenftänbe unb 
angeführten ©Triften ju erleichtern, ift neben ber 
Snhcittäüberftdjt ein afyt)abetifd)e§ SWcgifter angefertigt 
toorben, toeldjeS hoffentlich feinem ßwetfc genügen wirb. 

3Jiöd)te ba£ in biefer SBeife umgearbeitete unb aud) 
feiten^ ber geehrten 93erläg$hanblung fo vortrefflich 
neuau§geftattetc Sud) in biefer feiner gegenwärtigen 
©eftalt fich red)t jahlrcidjc greunbe erwerben; möchte 
baSfetbe im ftanbe fein, 5ur §ebung beS 23erftänbniffe£ 
für bie Slufgabcn unb Qkk ber 33ibliotl)efen fottnc 5ur 
gerechten SBürbigung unb toünfchen&oerten görberung 
ber bibliothefarifdjen SBcftrebungen fein bcfdjcibcneS Seil 
beijutragen. 

jgüllf a. Ii. 3., im (September 1890. 



Dr. i*tmm rträfef. 



Digitized by Google 



* 



©tnlcttung. ^ 

(Srfto 3lbfc$nitt. ©«griff bcr «ibliotye! 3 

3»etter Hbf c^nitt. #on ber 33ibttot$ef$ttriffenfä)aft im 

allgemeinen 7 

dritter «bWnitt. 5Bon ber ©ibliotfcWle^re inSbefonbere . 9 

Vierter gbftnitt. ©Triften über bie «ibliot$e!8le$re . . 10 

€*ftcr Ceti. 

SJon btm ©rtäube, bat Stammt unb «Kitteln 

ber öiMtotörf. 

(Srftea Kapitel. 

Srfter Sfbfdjnitt. Allgemeine STnforberungen an ba$ ©iblio* 

tyetegebaube 26 

3»eiter KSfönitt. Eaulidje (Sinric&tung be* «ibliot$et$* 

gebäube«. — »lief in bie $rart« 31 

dritter Abfa)nitt. innere »uflftattung be8 mixot^ 

gebäubeS 69 

Vierter 2lbf<$nitt. (Spaltung unb Erweiterung be« «iblto* 

t$ef$geb5ube$ 86 

3*on best Beamten ber 3fti6ffot^f 

Grfier Abfc^nitt. 2>er ©ibliot^etar im allgemeinen ... 90 
3meiter 9tbfa?nitt. 2)ie einzelnen ©ibliotyefSbeamten in«* 
befonbere 98 



Digitized by Google 



x 3n$alt&>erjetrf»i& 

Seite 

£on ben pUtefn ber 3&i0ftot0eft . . . 107 

groeiter Ceti. 

SBom SBiidjerfdja^ 

Viertes Eapitel. 
#ott ber ginridjtiutg bes BMicrfdmfKs. 

(Srfier Slbfc^nitt. $on ber SBegrünbung beSfelben . . . . 111 

3tt>eiter Slbfcfynitt. 9?on ber Skrgeia^nung beSfetßen ... 127 
dritter 2lbfa)nitt. $on ber 2(uf|Mung unb Numerierung 

bewerten 215 

Vierter 2I6f$nitt. 33on ber 8en>a$rung beSfetfcen . . . . 238 

t 

j?on ber ^erme^ruttö bes gsüdjerfdjafjeö. 



(Srfter 2l6fa?nitt. $on ber $erme§rung im allgemeinen unb 

i^ren toerfdjiebenen Slrten 249 

3n>etter Hbfdjnitt. 3$on ben 3 u 9 a «9Öt>er3eic§niiien . . . 270 

dritter «bfänitt' $om «inben ber Siiajer 279 

Vierter Slbfa^nitt. $on ber ßinöerleibung be8 neuen 3 Us 

loac^feö in bie $3ü$erfceftänbe 291 

"§on ber ^enu^ung bes ;23wdjcrfdmfics. 

örfter Sl&fdjmtt. SBon ber SBemujung im angemeinen unb 

bem 93enufcung8reglement 299 

3meiter 2l6fa)nitt. $on ber «enu^ung innerhalb be§ 8ibtio* 

t^efßgebäubeg 30S 

dritter Slbfdjnitt 55on ber Sßenutwng außerhalb beö 53ibüo- 

t^efSgebäubeö 319 

Mnmerfmigcit 344 

Madjträgc yi beu Wnmerfungcn 411 

Gegiftet 4M 



Digitized by Google 



ttenetdjms ber äbMtöuiigen. 



»ta. 


Seite 




35 


2. £ic ftcrtiottcbe ftof= unb ©taatsbibfiotbcf ju iüiiincben . 37 


4. (Srunbriffc bei ^öniqlidbcu £of= unb iStaatöbibtiotbcf 




üu 2)?unc^cn 38 


39 


5. ©üdjerfaar ber SBibliotbcf bc$ Peabody Institute ju 






42 


6. ©nmbrifc bcr $3ibliotr;cf be8 Peabody Institute ju 


43 


©altimore 


7. ^oolcö ^lan eine« ©ibliotbetSa.cbäubeS 


45 


8. 3)a8 SBritifcbc 2Mufcum $u Bonbon 


48 


9. ©runbrif? be8 ^ritifeben SHufcumS au Jonbon . . . 


49 


10. 3)ie tföniaücbc UmocrfitätÖbtMiotbcf \n A>aüe o. b. (5. . 52 


11 — 13. ©runbriffe ber Äöniflticbcn Untocrfitä'tSbibliottyef au 




£aHe a. b. © 53 


—55 


14. Sölicf in bie Mcbermaoaune bcr ftöniaUcbcn Unfocrfttatg« 




bibliotbcf gu §aUt a. b. © 56 


. «"> 1 


15. 2>ie Äbniajtcbe öffentliche söibliothef $u Stuttgart . . 


61 


16. 3)ie neue £cr$oa,licbe SMblietbef ju Heißenbüttel . . . 


64 


17. Xu neue Umüerfitat^biblictbef 511 i'ci^ia. 67 


18. ©runbrife ber neuen llnioerfitatöbibliotbef su £eipua, . . 


68 


19—22. ©tcthiuq ber s Jcepofitorien 72 


—74 


23. (Stellung bcr 9fepofitoricn im Äictcr M^ernuiaa^m . . 


75 


24. 2>ref?barc 9Wafcbtne für ©iftauftiiife 


S4 




26. tfataloflfapfcl bcr UniocifitatSbibliotbcf p (Siefjen . . 


197 


27. 9?epofttormm für ben ^cttelfatalofl bcr UntoerfitaW* 




bibliotbef ut A>aöe a. b. S 


19> 



oogle 



XII $era«id)niS bcr Slbbtlbungen unb bcr S^rifttafcln. 



5ig. Seite 

28. 29. groben ber $3ü<$erauffleaung 225 

30. 3Büc$er&alter <w8 &tfenbtec$ 226 

31. (Sin 3«tfd)riftenf($ran! 276 

32. SBu^einbanb mit ^etallbefölägen 289 

33. ^ßrobe einer aufgewogenen Sanbtartc 291 



flencidinis ber ,8d)rifttqfdn. 



Xaf. BdU 

1. -Probe oon £itelQ6f^ni|ten auf 3^etit .... . . 131 

2. ^robe eines tüiff cnf ct>af tlict)en ÄatalogS mit ftmngenben 
Hummern 167 

3. $robe eines ©tonbortgtototoaS 169 

4. ^3ro6e eines atpf)abettfc^en ^Qnbfataloflg 173 

5. Sjjrobe fron 3nfunabelnbefri)reibungen 201 

6. groben jjöjj £anbfii)riftenbefdjreibungen -Oft 

7. ^gtobe eines ^ecefftonSionrnalS . . 271 

8. jjtobe eines jjetteis auS ber Rortfctumggtifte .... 278 

9. tyrobe eines ffufobinberjournalS . 2S1 

10. s j3tobe i?on (Sinpiangfcfreinen 335 

- 11. yrobe eines glusteibeiourna» 33 s 



d by Google 



inwtyiige kt pitotljftaleljte. 



< 



i 

r 

Digitized by Google 



(Httfetfuitä 



flecjriflf irr fiiblwtljek. 

33ibliothef, betanntlich ein SBort griedjifcfjen UrfprungS 
(bonro ßißÄiovurib&Tjxfj) unb gleicf)bebeutenb mitbemauS 
bem Sateinifchen ftammenben bereiteten Siberei, f^ißt auf 
3)eutfch genau fo biet als 93ücf)erei, eine früher nid^t un- 
gern öijnlid)e, bodt) gleichfalls außer ©ebrauch gefommene 
Benennung, bie man neuerbingS bergeblid) mieber ju Cfljren 
5U bringen gefudtjt t)at. 3m ftrengften Sinne beS SBorteS 
bezeichnet Sibliot^ef jroar nur ein ©üdjerbeljäftnte, bodt) ^at 
man fich, mit Übertragung beS ^Begriffes bom Staunte auf 
ben famtlidjen 3nf)alt, gleich bon Anfang an baran getoöfjnt, - 
unter Sibliothef aud) bie 93ücf)er fd&ft, «ne gan^e (Sammlung 
bon ^Büchern $u berfteljen, maS unter anberm auS Pompejus 
Festus, De verborum significatione erhellt, fco eS ty\$t: 
„Bibliothecae et apud Graecos, et apud Latinos tarn librorum 
magnus per se numerus, quam locus ipse, in quo libri 
collocati sunt, appellantur 1U . 2)aj$ bie eigentliche ^Begriffs* 
erflörung nicht fo leicht fei, bürfte barauS fyxtioxQttyn, baß 
bis jefct faft fämÜiche2et)rerber93ibIiothe!§miffenfchaftmehr 
ober meniger bon einanber abmeidtjenbe ©rflärungen gegeben 
haben, fo baß bon einer allfeitig anerfannten Definition noch 
immer nicht gefprodf)en werben fann. SereitS bor mefjr als 

i* 



Digitized by Google 



4 



(Einfettung. 



200 ga^rcn ftettte Job. Ge. Zihn respondente Ad. Gruber 
in feiner Disputatio de bibliothecis (Lipsiae 1678, 4°) 
folgenbe Definition auf: „Bibliotheca significat nobis uiag- 
num librorum numerum, et est thesaurus literarius, in quo 
optimorum auetorum libri reconduntur, universae reipublicae 
et privatorum incommodis inserviens". $lbgefeljen jebod(j 
babon, baß ber Segriff ber befferen ©Triften je nach bem 
3eitgeifte unb ber 3eitridjtung immer ein fc^monfenber bleiben 
nrirb, f o bürfte ficf)erlich niemanb einer größeren Sammlung 
Don Süchern ben tarnen 93ibIiotc)ef abfprecfjen motten, auch 
roenn biefelbe toirflich bie unbraudjbarften, fcfjlechteften unb 
feicfjteften SBerfe ber unbebeutenbften ©chriftftetter in fidE) 
Dereinigte. Die ljier befonberS betonte große 3 ö h* 
Sucher r)ebt auch ©djrettinger in feinem roeiter unten 5U 
ermä^nenben SBerfe herbor, mennerfagt: „@ine 93i6Uott)ef ift 
eine bcträd)tttd)e Sammlung bon Süd)ern, beren Einrichtung 
jjeben SBißbegierigen in ben ©tanb fe£t, jebe barin enthaltene 
Slbljanbtung, ohne unnötigen 3eitberluft, nach feinem Sebürf* 
niffejubenüfcen". -Wad) QolUxä erfter, in ber „Stbliotfjef* 
ttriffenfd)aft im Umriffe" gegebenen GErflärung gehört jum 
Segriffe ber Sibliotfjef fogar nur bie Sorauäfefcung einer 
großen Südhermenge. Unb bod) fann e§ feinem Steife! unter* 
liegen, baß bie fjofje Slnjaf)! ber Südjer für ben Segriff gleich* 
gültig ift. ©3 ^at red)t Keine, unfeheinbare unb bod) überaus 
roertDoffe Sücherfammlungen gegeben, benen man ben üftamen 
einer Sibliotjjet jeberjeit augefprodfjen t)at. Db ferner, 
worauf ©djretiinger ©eroicht legt, ein Such mit größerem 
ober geringerem Sritaufroanbe in ber Sibliotfjef aufeufinben 
ift, bleibt lebtglidE) für bie Beurteilung ber Einrichtung ber* 
fetben bon SEBerte, für eine SegriffSerflärung bagegen gän$ltch 
unroefentlich unb belanglos. SBenn ©chrettinger außerbem 
in ben (Erläuterungen $u feiner Definition ben Segriff ber 
3roecfmäßigen Einrichtung noch befonber§ betont, fo liegt 
auef) eine berartige nähere Sefttmmung, mie fd)on ein gleich* 
3ettiger Sritifer Ijerbodjob, burchauS nicr)t Don vornherein 
in bem Sprachgebrauch be£ 2Borte3 begrünbet. ©leichtoof)! 



Digitized by Google 



SBecirijf ber »IMIotfcf. 



5 



polten Eonftanttn in feinem 2ehrbud)e unb namentlich auch 
SRaumann* anberfelbenfeft: „$er Segriff ber foftematifdjen 
unb planmäßigen Einrichtung unb Serroaltung\ fagt lefcterer 
in feiner Sefpredjung Don QoUtxä Umriffe, „fdjeint mir in 
ber SBiffenfcfjaft (etmaS anbereS ift e3, toenn mir im atttäg* 
liehen Seben toon Sibliotljefen reben) notroenbig. Eben 
meif öon bem Segriffe ber Sibliotljef ba§ geiftige Element 
nidjt $u trennen ift unb bie Süd)er felbft ihrem mefentlichen 
Seftanbteilc nach Erjeugniffe be§ ©eifteä finb , bat nur ber, 
melier geiftige 3tt>ecfe bamit erreichen miß, an feiner Sudler* 
fammlung eine Sibliothef, mätjrenb ber Antiquar nur ein 
Südjerlager, eine Süchernieberlage hot, tt>eil ihm bie Südjer 
blofj SBare ober ^anbelSartifel finb. hierin fdjeint un§ aud) 
ber $auptbegriff einer Sibliothef, mie fie ©egenftanb toiffen* 
fdjaftlidjer Setraihtung tuirb, ju liegen, bafe fie irgenbtoeldjen 
geiftigen 3mecfen, Silbung^mecfen unb ber görberung 
geiftiger Seftrebungen bient, unb bemgemäß eingerichtet ift, 
gcorbnet unb bertoaltet mirb". Unb bocf), fo läßt fid) gegen 
9?aumann§ Ausführungen einmenben, toiü man eine SegriffS* 
erflärung geben, fo muß man ba£ SBort in allen feinen 
©ebraucf)§anmenbungen nehmen, roenn jene nicht einfeitig 
Serben foH. Naumann befiniert au§fd)ließlich ben Segriff 
einer ftreng ttriffenfcf)aftlichen Sibliothef. 

demgegenüber betonte 3uliu§ ^JJe^f) olb t fcon jeher — 
unb fo auch * n ^ en früheren Auflagen be£ $atccf)i£mu§ ber 
Sibliotfjefenlehre — ben Segriff be§ ©ammelnS , roenn er 
fagte: ,,©o geroiß man auch jebenfallä baran toofjl tljun toirb, 
mit bem üflamen einer Sibliotfjef nicht jeben beliebigen uu- 
georbneten ©überhäufen 3U beaeichnen, fonbern bamit immer 
mehr ober weniger ben Segriff einer roohlgeorbneten unb nid^t 
gan$ unbeträchtlichen Süd)erfammlung $u öerbinben, fo toirb 
gIeid)toohl ba§ feftjufjalten fein, baß bie Segriffe öon ©röße 
unb Drbnung jur Seftimmung, roa§ eine Sibliotfjef fei, 
nicf)t roefentlid) gehören, fonbern unter einer Sibliothef an 
fich jebe jum ßroeefe ber Aufbewahrung unb Senufcung ber= 
anftaltete Sammlung toon Süd)ern $u toerftehen ift. 9?ur 



Digitized by Google 



6 



©inlettmtfl 



unter geftfjaltung be§ Begriffes be§ ©ammeln§ jum Qtvtde 
ber StufbeiPQ^rung unb 93enu£ung, unb menn man babon 
abfielt, lebigtid^ größere unb georbnete SBüdfjermaffen mit 
bem -Kamen toon Sibliotfjelen $u belegen, ift man einesteils 
imftanbe, eine ©ibliotfjef toon bem Südfyerlager eineS $8ufy 
I)änbter§ unb Don anberen Südjeröorräten bem ©egriffe nad) 
gehörig $u trennen, unb anbernteitö nidjt genötigt, f 0 mancher 
entroeber Heineren ober nidjt georbneten SBüdjerfammlung 
ben iljr mit Sug unb9tetf)t auftefjenben Sitel einer 53ibliotl)ef 
abfpred&en $u muffen", ©an£ richtig toenbet inbeffen 8o^r 
gegen bie einfeitige Setonung be§ ©ammelng ein, baß ba8 
bammeln audj gmecf be§ Antiquars fei. 2öa§ ferner ben 
ßmecf bauernber ^lufbetoafjrung anlangt, fo Verfolgen biefen 
nur öffentliche Sibliothefen, bei ben $riöatbibltotf)efen fällt 
jener ©runb be$ @ammeln§ meiftenteilS fort. 3 oller 3 felbft 
§at barum fpäter im ©erapeum noch eine §meite Definition 
aufgeteilt, toomit fidf) nach feiner Meinung alle Parteien 
jufriebengeben fönnten; biefelbe lautet: „Die 33ibltothef ift 
eine SBütfjerfammlung, bie nic^tjumerfantilifc^en unb anberen 
3ttetfen, fonbern jur görberung ber SBilbung unb gelehrten 
©tubien Einzelner ober größerer Sreife errietet roorben ift; 
biefe (Sammlungen erhielten ben tarnen $8ibliotf)efen Don 
bem $lufbemal)rung§orte berfelben". 5lber biefe ffirflärung 
franft nrieberum baran, baß bie lebiglicf) ber Unter* 
Haltung bienenben SBibliotljefen in berfelben unberücffidjtigt 
geblieben finb. 

SBenn nun toeber bie Segriffe ber ©üte unb ©röße nod) bie 
ber tyftematiftfjen Drbnung unb ber tt)iffenfcf)aftltchen3iele in 
ber (Mlärung beä 2Borte§ Aufnahme finben bürfen, fo totrb 
fidf) bie $egriff£beftimmung barauf bef dfjränfen müffen, baß fie 
unter einer SBibliotfjet lebiglicf) eine %um Qwedt öffent* 
lieber ober priöater Senu^ung aufgeftellte ©amm* 
lung öon Sudler n berftefjt 4 . fott natürlich baburef), 
baß jene begriffe ferngehalten werben, bem $lnfetjen unb SSerte 
ber SMbliothefcn in feiner SBeife 5lbbrudE) gefdEjeljen, fonbern 
man toirb immer. baS im $luge 5U behalten haben, baß jebe 



Digitized by 



fßon ber ©ibltotljeratüiffcnfdjQft im allgemeinen. 



7 



SMbliotljef, falls fic ihrem Speele entfpredjen, b. h- alfo 
bewahrt bleiben unb für bie SBenufcung bereit gegolten »erben 
foC, niäjt blofc georbnet, fonbern unb toorjüglicf) auch um 
beSwillen möglichft groß fein mufj, weil man nur Don einer 
etwas umfänglichen (Sammlung für ben allgemeinen ©ebraud) 
einigen duften erwarten barf. 

» 

3tt>ciler 2Ctifd)ntlt. 

Hütt örr ßtbliotl)fk6U)t([fitrd)aft im allgemeinen. 

$)ie auf eine SBibltotljef bezüglichen theoretifdjen gragen 
fowohl wie bie ©efc^id^te be§ £Hbliothef£wefen§ überhaupt 
unb ber einzelnen SBücherfammlungen inäbefonbere bilben 
ben ©egenftanb einer eigenen Sötffenfchaft, ber 93ibliothef§s 
wiffenfehaft. SSie eine jebc SSiffenfcfjaft ein au§ ber gefamten 
menfehlichen ©rfenntniS abgefonberteä unb nach fßrinjipien 
georbneteS @anze§ gleichartiger ©rfenntniffe bilbet, fo ift bie 
fflibliothefömiffenfchaft (eine ^Bezeichnung, Welche ©djrettinger 
Zuerft eingeführt §at) ber tyftematifch georbnete Snbcgriff 
oller unmittelbar auf bie SBibliothef bezüglichen ffienntniffe, 
unb jerfäUt als folcher in bie 93ibliotf)ef3lehre unb bie 
35ibliothef§funbe, toon benen bie erftere bie SMbliothef, fofern 
barunter eine Südjerfammlung überhaupt berftanben wirb, 
im allgemeinen betrautet, unb bie lefctere, fofern barunter 
beftimmte, b. h- frühere fotooljl al§ nod) beftefjenbe $8üd)er* 
fammlungen gebaut werben, im befonberen in8 $luge faßt. $)ie 
S8ibliothef£lehre unb bie 33ibliotf)ef§funbe finb 5tt)ei einanber 
gleichftehenbe foorbinierte Seile ber SöibltothefSwiffenfchaft. 
Auffälliger SBeife ^at man gegen biefe burcf)au§ flare unb 
toerftänbüche Einteilung ©infpruch erhoben, bor allem 
3oller 5 . 3h"t ift, wie borbem (Sbert unb ättolbed), bie 
SBibliothefSwiffenfchaft nicht mehr unb nicht weniger al§ bie 
Sehre fcon ber (Einrichtung unb Verwaltung ber SMbliotljefen, 
bie ßufammenftellung ber au§ ber ^JrajiS ber Derfchiebenen 
93ibliotf)efen gewonnenen (SrfahrungSfäfce. (£§ entfpricht bie§ 



Digitized by 



8 



Einleitung, 



im toefentüdfjen bem, ma3 toir unter 93ibliotf)eföIeljre ber* 
ftonben roiffen »offen. SDte 93ibliottjefölefjre nämlidfj, ober, 
mie man fic früher rooljl audE) genannt §at, bie 23ibliotljef3* 
tedjnif , unb toomit ber fpäter üblicf) geworbene , jefct aucf) 
feltenereäuSbrucf Sibtiottjefonomie burcfjauS gleicf)bebeutenb 
ift, ljat, toie ermähnt, bie Sibltotfjef überhaupt jum ©egen* 
ftanbe, unb ift ber georbnete Inbegriff aller jur biblio* 
t^efarifd^en ©efcfjäftSfiifjrung erforberlid&en Senntniffe, bie 
foroofjl auf bem SBege tfjeoretifdfjer ©etradfjtung gewonnen, 
al§ au<$ unb borjügli^ burd^ bie Erfahrung erfoorben toorben 
finb unb burdj praftifcfje Slnfcenbung i§re 93eftötigung erhalten 
|aben. 3)af$ unfere ©nteilung burd()au§ geredf)tfertigt ift, 
$eigt fidfj, fobalb man nadf) ber Stellung fragt, toeldfje QoUex 
ber 83ibliotljef£funbe anmei§t. „Hilter unb Umfang ber 
Stbtiotljeföfunbe'', fagt er, „fönnen biefer fein 9iecf)t auf ben 
Xitel 5Bibliotfjef§tt)iffenfdE)aft geben unb toir »offen erftere 
ber festeren meber unterorbnen nod§ fie bloft al£ Üßeben* 
beftanbteil beljanbetn. <Sie ljat if)re eigene SBefjanblung auf 
einem eigenen Statte $u forbem unb al§ SJetoeife fönnen 
einzelne 33eifpiele für bie 23ibliott>ef§ttriffenfcf)aft au§ ifjr 
entlehnt »erben." Söäljrenb auf biefe SBeife bie »ibliotfjefä* 
funbe bort au§ bem SRafjmen einer bag 93ibliotf)ef§mefen al§ 
©anje§ umfaffenben 8Biffenfdf)aft boffftänbig IjerauSfäfft unb 
5U einer eigenen, befonberen SBiffenfcfyaft erhoben »irb, oljne 
baß ein jtoingenber ©runb hierfür toorfjanben toäre, gilt fie 
un§ 5»ar ebenfalls als ein burcfjaug felbftänbiger Sßiffen* 
fd^aft§5»eig, aber al§ 93eftanbteU einer gemeinfamen, beibe 
2)i§äiplinen umfaffenben SSiffenfcfjaft, b « SiMiotfjeBtoiffen* 
fcfjaft, ganj ttie man in ber $edf)t§roiffenfcf)aft, $rieg§* 
tt)iffenfdf)aft, SRaturttriffenfcf)aft bie 5fted)t§funbe, ®rieg§funbe, 
Sßaturfunbe Don ber 9fecf)t§Iefjre, SriegSlefjre, üftaturleljre 
gefd)ieben ljat. 3)ie 93ibIiotfjef3funbe bttbet ben empirif($en 
(Jjiftorifcfjen), bie SKbliotfjefMefjre ben aprioriftifcfyen £eil 
ber SBibliot^efötDiffenf c^aft « 



Digitized by 



2>on ber 93UUiotI)d-Mctnc trSbqonbcre. 



9 



Friller 2CefdjniH. 

Von irr ißibliotljfkölfljre inebtfonöere. 

3Mon ^ot fid(j feit Ebert baron getoöfnit — unb e§ ift 
bieg bisher audE) im $ated)i§mu3 gefeiten — , bic SJibliothefS* 
lehre in jicei ftreng Don einanbcr gef onberte Seile 5« fcfjeiben, 
in bie Seljre toon ber Einrichtung unb biejenige Don ber 33er* 
maltung ber SBibliothefen. fynt h at e£ fcanadh mit ber 
®rünbung ber SMbliothef, ber 9htfcf)affung ber ba$u erforber* 
liehen 93üd)er unb ber SJerjeic^nung unb äuffteHung berfelben 
5U ttjun, ruährenb bie 83ertt>altung$lehre mit einem S3or* 
abfefntitt über ba$ 93eamtenperfonal beginnenb t>on ber 
SBetoahrung ber 33ibIiotf)eF, bon ihrer Untergattung unb Don 
ihrer 93enu|jung hnnbelt 7 . Entfpridjt jebodj biefe Einteilung 
auch in aßen ©tücfen ber SBirflic^f eit , beeft fie fich mit ber 
«ßrajiS? „3n ber SßrayiS", fo mußten bie Anhänger geftehen, 
„luerben fid) freiließ bie (Einrichtung unb bie S3ertt>altung 
einer 93ibliotl)ef nicht fo gar ftreng Don einanber trennen 
laffen, unfc beibc immer mehr ober meniger in einanber ein* 
greifenb gefunben werben, toeil in ber SSirflicfjfeit ba, too 
bie SSermaltung einer SMMiotfjef bereits beginnen mujj, nidf)t 
immer bie (Einrichtung berfelben fcf)on boflfommen beenbigt 
fein lann, biefe im ©egenteile eigentlich niemals ganj aufhört, 
fonbem bie SBerroaltung ohnehin aumtcil nur eine $rt 
fortgefe^te Einrichtung ift. ES roirb in ber 23irHicf)feit tooty 
nur fehr wenige 23ibliotf)efen geben, bie ben 3^itpunft ihrer 
fcoflftänbigen Drganifation erft ruhig abwarten, ehe fie fich 
regen unb unter ber £anb beS SermalterS in S^ätigfeit 
treten." Sßenn bemnad) jugeftanbenermafeen eine Trennung 
ber beiben #auptteile eigentlid) nicf)t möglich $ un b nur bie 
5t^eorie bieS thun foK, inteilmeifemSBiberfpruchjur^ßrayiS, 
ber e§ auSbrücflich Vorbehalten bleibt, toa§ bie SBertoaltung 
Don ber Einrichtung unb umgefeljrt biefe öon jener braucht, 
an betreffenber (Stelle 5m: $lntoenbung ju bringen, foerfcheint 
eS geratener, biefelbe ganj beifeite $u laffen. 2>enn in ber 



Digitized by 



10 



(JintettuitG. 



%f)at tritt bie Sßerroaltung gtetd^^eittg mit ber erfolgten 
©rünbung ber Sibliothef ein unb bauert fort, mäfjrenb biefe 
eingerichtet unb georbnet mirb. 2lHe attafcnahmen ber ©in* 
ridjtung, roie ^Bezeichnung, Slufftetfung, Numerierung, finb 
eben fo ©adje ber SBerroaltung mie ba§ $lu§lethegefchäft unb 
bie Sermehrung, unb umgefeljrt fällt biefe le&tere bei einer 
neugegrünbeten Söibliotljef Döttig in ba§ Kapitel toon ber 
©inric^tung f)iuein. 

Sn einer frühem Einteilung, bie fid) im jmeiten Sahr* 
gange be§ ©crapeum§ 8 finbet, ^atte benn auch 3uliu§ 
5ße^hoIbt jroei anbere £auptteile ber 93iOItot^cl^e^re auf* 
geftellt : bie 2ef)re fcon ber Söücherfammlung unb öom 33üd)er* 
ort, auf beren erftere er bie Einrichtung^ unb SBerroaltungS* 
le^re anroenbete. 2)a bie ermähnten Söebenfen gegen bicfe 
lefctere ©Reibung aber auch hi er & c * befteljen bleiben, fo fehen 
mir t>on biefer smeiten Einteilung ebenfalls ab unb gliebern 
bie 93ibliothef§lehre Dielmehr einerfeite in bieSefjre toon bem 
©ebäube, ben Beamten unb Mitteln al£ ben unentbehrlichen 
SJorbebingungen unb ©runblagen einer jebeu 93üd)erfammlung, 
anberfeitö in bie 2cf)re t>on bem $8üd)erfcha£e felbft unb jmar 
in breifacfjer §inficf)t : auf feine 93egrünbung, feine Einrichtung 
unb feine Söenu^ung 9 . E£ mirb fich aeigen, baß ficf) inbiefe§, 
burcf) bie t^atfäd)ttd)en Serhältniffe gerechtfertigte ©cf)ema 
f ämtliche bie 5öibliothcf§lehre betreffenben gragen eben fo leicht 
tüie ungefünftelt einfügen unb 3U einer einheitlichen $)arftellung 
bereinigen laffen, ohne baß ein SBiberfprucf) 5mifd)en Rfyeovit 
unb SßrayiS ftattfinbet. 33eöor mir jeboch ba^u übergehen, 
merfen mir noch e » l c« Slicf auf bic mistigere hierher 
gehörige Sitteratur. 

Vierter 21t>fcf)nW. 

Sdjrtften über bie ßibliotljekeUlirf. 

Eine georbnete fritifdje Überficht über bie aiemlid) umfang* 
reiche fiitteratur ber $8ibliothef3lef)re fucfjen mir bei ben 
früheren Bearbeitern biefer 2Siffenfct)aft vergeblich; felbft ber 



Digitized by Google 



©Triften über bie 33ibliotf)e!3lc$re. 



fonft fo brauchbare SRolbedE) macht nur in gelegentlichen 
Slnmerfungen auf mancherlei Bücher aufmerffam, ohne irgenb- 
ttie Sottftänbigfeit ju beanfpruchen. ©in ausführlicheres 
Schriftenverzeichnis finbet fi<h juerft bei <5cf)mibt in beffen 
1840 erfchienenen ^anbbuch ber SibliothetSmiffenfchaft, ber 
Sitteratur* unb Büdjerfunbe. $)er erfte, ber eS unternahm, 
bie Sitteraturgefchichte ber BibliothefSlehre in methobifd)er 
SBeife ju fdjreiben, mar ©bmunb Roller in feinem 1846 
erfchienenen Vortrefflichen 23erfcf)en $)ic Bibliothefroiffen* 
fchaft im Umriffe 10 , worin er mit befonnenem Urteil bie 
ihm befannt geworbenen bibliothefSwiffenfd)aftlichen (Schriften 
cinjetn befprodjen hat. 3°^ er h a * b° nn einige 3 a h rc fpätcr 
in einer imSerapeum 11 erfchienenen 3lrtifelferie angefangen, 
eine noch VoUftänbigere unb bie einzelnen Tutoren auSführ* 
licher behanbelnbe $arftellung 511 geben, ohne jebodf) bebauer* 
licher SBeife über baS Saljr 1635 binauSgefommen 5U fein. 
33ie Verhältnismäßig geringen Bruchftütfe bleiben gleichwohl 
äußerft wertvoll unb finb noch immer in f)oh em ®wbe lefenS«* 
wert, gaft sroanjig Saljre fpäter lieferte ber Slltmeifter ber 
beutfehen Bibliographie, 3 U ^ U ^ ^ßc^^olbt, im 9feuen 
Sinniger für Bibliographie unb Bibfiothefwiffenfchaft 12 
Vorläufige SWaterialien ju einer fr itifchen „Bibliothecabiblio- 
thecaria", welche bis jum %a1)xc 1863 heraufreichen, oder* 
bingS erft mit Einfang beS Vorigen 3ahrf)unbertS beginnenb. 
2Bie berfelbe bort gefteht, 1)attc er f^ 0 " bei ber Verausgabe 
beS $ated)iSmuS ber Bibliothefenlef)re ben $lan, in ber 
(Einleitung eine3ufammenftellung ber über biefen ©egenftanb 
bereits Vorfjanbenen Schriften mit fu^er Bezeichnung if)reS 
SSerteS &u geben , fanb eS aber bei reiflicher Überlegung an* 
gemeffen, mit ber Veröffentlichung einer folgen 3ufantmen* 
ftellung noch 3U warten, unb jwar auS bem ©runbe, weil er 
5U Verhüten wünfehte, baß bie fritifche Überficht bafelbft 
möglicherweife als eine 2lrt Verftecfter Empfehlung fetner 
eignen Sirbett hätte angefehen werben fönnen. ©S ift aber 
nicht ju leugnen, baß ber vodftänbige TOangel an Sitteratur* 
angaben eine ßücfe im Katechismus bebeutete, bie in 



Digitized by Google 



12 



Einleitung. 



fcortiegenber Neubearbeitung auszufüllen al§ eine um fo 
bringlidjere Aufgabe erfd)eint, al§ jene bon ^ßefcljolbt au3* 
gefprocf)ene Befürchtung nunmehr gegenftanb§lo§ geworben 
ift. 3Snbem mir bafjer im üfladf)folgenben, jumteit an ber 
§anb jener beiben funbigen güfyrer, eine fritif cf)e Sitteratur* 
überfielt ju geben berfucfjen, befdjränfen mir un§ an biefer 
©teile, ben gezogenen ©renjen gemäß, barauf, nur bie 
mistigeren ©Triften in cfyronologifdijer Reihenfolge furj $u 
befprecfyen; meitere litterarifdje §inroeife nebft allerlei auf 
ben Seyt bezüglichen Ergänzungen unb Erläuterungen fotten 
in ben Slnmerfungen ju ben einzelnen Kapiteln niebergelegt 
merben 13 . 

1. Sftidjarb be 33urt)§ 14 ungefähr um bie SDfttte be§ 
14. Sa fjrfjunbertS gefd)riebene§ unb juerft 1473 in ®öln 
gebrucfteS Philobiblon mirb bereits toon (Schelborn in beffen 
Anleitung für Sibliotljefare al§ bie ältefte un3 erhaltene 
©dfjrift, meldte Dom SBerte ber SBibliottjefen unb ifjrer $ln* 
orbnung gefcfyrieben roorben fei, rüljmenb hervorgehoben. 
3)erfelbe finbet bie 53emerfungen über bie Senntniffe unb 
gäl)igfeiten, bie bem gef durften 33üd)erfammler unb fomit 
bem SSorftefjer ber 33üd)erfammlungen eigen fein müffen, in 
fRürfftdjt auf bie 3?it, iu melier ber SSerf affer gelebt unb 
gefcfjrieben fjabe, „beträcfjtlid) genug". QoUqx erblicft in ber 
©cfjrift ba§ 3 eu 9 n ^ f° ebler 93ücf)erticbe, fo tiefen SSerftänb^ 
niffe§ be§ 33ibliotl)ef£tt>efen§ , ba§ er if)r fogar bie erfte 
SBegrünbung ber Söibliotfjefonomie toinbijieren zu müffen 
glaubt. 3luf äffe Salle toerbient ba§ ef)rtt)ürbige 93üd)lein 
bie Slnerfennung , meiere man if)m gefpenbet fyat, mag auef) 
bie Serfafferftfjaft be§ SifdjofS fcon SDurfjam in Stottfd 
gezogen morben fein. 

2. 2113 ©tubent ber SKebi^in im bitter Don 25—26 Safjren, 
ftmfyrenb er bie ©ibliotfjef be§ Sßräftbenten SfteSme Ver- 
zeichnete, fdjrieb ©abriet Staube (Naubäuä) 1 ^ fein bortreff* 
tid)c§ SSerfdjen über 33ibliotl)ef§tedjnif Advis pour dresser 
une bibliotheque ($ari§ 1 627, 8<>), beffen ©runbfäfce er fpäter 
al§ 33ibIiott)efar ber Bibliotheque Mazarine §ur praftifdjen 



Digitized by Google 



Schriften ü&er bie »tbliotf)cr*lc$K. 



13 



©ettung ju bringen Gelegenheit fanb. 1876 nach berjweiten 
tßarifer SluSgabe öom gahre 1644 neu gebrucft unb fo 
wieber einem größeren Seferfreife leicht jugönglic^ gemalt, 
foHte bie in ihren ©runbjügen nod) feinet weg8 veraltete 
fleine ©dt)rift, welche 3U ben bafjnbrechenben Suchern über 
SSibliotljefötefjre gehört, auch ^eute noch öon feinem Singer 
unferer SBiffenfchaft ungelefen bleiben. 

3. 2)ie hauptfäcf)lichften weiteren ©Triften über öibl iothefö* 
lehre — unb mehr noch über 93ibUotf)ef8funbe — au§ bem 16. 
u. 17. Sa^r^unbert finb mieberabgebrueft in jmei ©ammel* 
Werfen, nämlich De bibliothecis atque archivis virorum 
clari8simorum libelli et commentationes. Cum praefatione 
de scriptis et bibliothecis autediluvianis antehac edidit 
Joachim us Joan. Madcrus (Helmstadi 1666, 4°), secundara 
editionem curavit J[o]. A[ndreas] Sjchmidt] (Helmstadi 
1702, 4°), nebft jroei weiteren 1703 unb 1705 erfcfjienenen 
Accessiones unb in ber Sylloge aliquot scriptorum de bene 
ordinanda et ornanda bibliotheca studio et Opera Jo. Davidis 
Koeleri 16 (Fraucofurti 1728, 4°). 8luf einige berfelben 
werben mir weiter unten im Staphel über ben miffenfdjaft- 
liehen ffatalog noch aurücfyufommen haben, !)ier fei nur auf 
ba§ jubor bereits in mehreren felbftänbigen Auflagen 
erfd^ienene — im mefentlichen freilich aud) mehr ber 
93ibliothef§funbe ftugefjörige — SSerf oon Joh. Lomeier, 
De bibliothecis Uber singularis (5uerft Zutphaniae 1669 
in 12° ^erouggefornmen) fur$ ^ingewiefen. 

4. 3Wit Übergebung toon 3. ©. ©chelf)orn3 Anleitung 
für SHbliotljefare unb 2lrcf)toare, welche au8fd)lief$lid) in bie 
Sefjre bon ber Kenntnis ber 93üd^er hineinfällt, bie eigentliche 
23tbtiotl)ef£leljre inbeS faum ftreift 17 , nennen wir fogleid) 
Wibrecht ©h r ^°P^ a 9 f er » Über bie Manipulation bei ber 
(Einrichtung einer 33ibliott)ef unb ber SSerfertigung ber Südtjer* 
öer^eidhniffe (Satyreuth 1790, 8°). 2>a£ Sob biefer bon 
<£bert als flaffifcf) gepriefenen ©cf)rift, welche nach beffen 
Urteile in ber £anb eine§ jeben 33ibliothefar§ 5U fein ber* 
biente, ift in neuerer $tit, namentlich auc § öon ^e^holbt 



Digitized by Google 



14 



Einleitung. 



imb goffer — unb ^mar, tote un§ fcfjeinen mitt, nid£>t untoer* 
bienter SSSeife — erheblich eingefdEjräntt morben. 

5. Wogegen mirb griebrid) Slbolpf) @bertö 18 <£rftüng§^ 
fdjrift Über öffentliche Sibliotljefen befonberS beutfd)e Uni* 
fcerfttätSbibliothefen, unb 33orfd}läge einer jmecEmäfjigert 
@nrid)tung berfetben (greiberg 181 l r 8°) r mit melier er 
„nidfjt mit anmafjenbem ©elbftoertrauen, fonbern mit an* 
fprudf)§lofer ©chüd^ternheit" ^eröortrat, immer §u bett 
jStanbarbmerfen 4 ber SBtbliot^ef^le^re geregnet merben, 
ein ©ud), ba§ mir nicf)t beffer $u rühmen müfjten atö mit 
^e^olbt§ treffenben Korten: „(Sin gor f cf)ä&bare§ 3Berfcf)en, 
morin fief) mit Slarfjeit unb einer ben bamatö erft jman^ig; 
Sa^re alten SSerfaffer fe^r e^renben $Befcfjeibent)ett eine 
SKenge SRatfchläge unb Sbeen fcon praftifd)er SBic^tigfeit 
auSgefprochen unb angebeutet finben, bie nicht nur bamafö 
toottfommen neu roaren, fonbern auch noch gegenwärtig bem 
benfenben SBibliotljefare neue Anregung jur Steröottfommnung. 
fetner S33tffeitfdf)oft barbieten". 

6. $)a§ erfte bor ©bert bereite begonnene, aber erft toeit 
fpäter fcoHenbete Sehrbuch im eigentlichen ©inne be§ 2öorte& 
mit tyftematifcher ©Ueberung ift äRartin ©chrettingerS «»• 
SBerfucf) eine§ DoHftänbigen SefjrbudjeS ber $ibliotfjef*2Siffen* 
fd^aft. »b. I II (SRünchen 1808 — 1829, 8<>), ein SBert 
met<he3 in einer überaus meitfcf)tt>eifigen gorm unb nicht 
of)ne innere 2Biberfprüdf)e, bie fid) atterbingS au§ ber langen 
Seitbauer be§ (£rfd)einen3 jur ©enüge erflären laffen,. 
gearbeitet ift. Überfid)tlicf)er unb faßlicher, be^alb für ben 
Anfänger empfehlenswerter ift beSfelben SSerfaffer^ #anbbud) 
ber 93ibliot^ef*SBiffenfcf)aft, befonberS junt ©ebraudje ber 
9ßid()t'93ibliotf)efare, meiere ihre $ßritoat*58üdf)erfammlungeit 
felbft einrichten motten. $lud) a(§ ßeitfaben $u Sßorlefungen 
über SibliothetSBiffenfchaft ju gebrauten (3ßienl834, 8<>). 

7. ^riftian 2Kotbed)§ 1829 in bänifdjer ©pradf)e 
erfdjieneneS unb fcier Sa^rc fpäter in ba§ 2)eutfd)e über* 
fefcteS Sßerf Über »ibtiothefSmiffenfchaft ober ©inrid)tung 
unb Sermaltung öffentlicher ©ibliothefen. Stad) ber jmeiteit 



Digitized by Google 



8ct)riften über bic Sibliotfcfftlefrc 



15 



SfuSgabe beS bänifchen Originals überfefot V. föatjen 
(Scipjtg 1833, 8») f)at fiel) mit SRec^t ben 9hif eine« tüchtigen 
mit gefunbem Urteil unb erfahrenem Slicf — 2ttolbed) mar 
bei bem (Erfreuten ber erften Auflage gerabe fünfunbjtüan^ig 
Sfahre im Dienfte ber ff openljagener SBibliotfjef — bearbeiteten 
2ehrbucf)eS erroorben, baS aufjerbem in bem ffieler Untere 
bibliotljefar SRatjen einen fadjVerftänbigen Überfefoer gefunben 
hat 20. 

8. $)em ermähnten gebiegenen Sßerfe nidjt vergleichbar, 
nnffenfchaftlicf) fogar Völlig belanglos ift2.$l. ©onftantinS 
Bibliothäconomie (SßariS 1839 r 2. edition 1840, 8°), in baS 
®eutfd}e überfefct unter bem Sitel Sibliothefonomie ober 
Se^re Von ber Slnorbnung, ©eroahrung unb Sermaltung ber 
»ibliothefen (Seipjig 1840, 2. Slufl. 1842) 21. $aS Such 
fottte ein bibaftifdjer Seitfaben fein, melier in granfreich 
einem ©ebürfniffe abzuhelfen beftimmt mar, ba eS bort an 
einer $)arfteflung ber SöibliothefSlehre noch t)oUftänbig gebrach. 
3)af$ eS biefen $xt)td nid)t gänjlicf) Verfehlte, betoeiSt bie 
ttueberljolte 8tuflage. Sur ben Anfänger beftimmt, roirb 
biefer mand^e ^Belehrung auS bemfelbenfchöpfenfönnen, menn 
baSfelbe auch, roorauf eS übrigens felbft feinen $lnfprud> 
erhebt, ben befferen beutfehen $ompenbien gegenüber nicht 
©tanb ju holten Vermag. 

9. 3oh- &ug. Sriebr. © d) m i b 1 3 $anbbuch ber SBibliotfjefS* 
»iffenfehaft, ber 2iteratur* unb 93üd)erfunbe. (Sine gebrängte 
Überftcht ber $anbfd)riftenfunbe, ber ©efchichte ber Such* 
brueferfunft unb beS 33ucf)hanbelS, ber SBücherfenntniS (93iblio* 
graphie) im engern ©inne, ber SBibliotljefenfunbe unb 
Sibliothefonomte unb ber literärhifiorifd)en unb biblio* 
graphifcf)en ©Triften (Sßeimar 1840, 8°) gehört, roie fchon 
auS bem Sitel hervorgeht, nur jumteil hierher, ^efcholbt 
nennt eS eine Kompilation Von ziemlich untergeorbnetem 
Söerte unb hat barin Vom rein tuiffenfchaftlichen ©tanbpunfte 
auS fidher VoHfommen recht; Sollet feinerfeitS fchäfctanbem* 
felben bie ©djriftenaufaählung, auf roelche mir bereits hin* 
gemiefen haben, $ur atigemeinen Orientierung in ben auf 



Digitized by Google 



16 



«trrfeituitfl. 



bem Zxtei genannten ©ebteten ift ba£ für Stubierenbe urtb 
greunbe ber ßitteratur überhaupt unb für Sibliothefare, 93ud)* 
fyinbfer, Antiquare unb 93ud)brucfer inSbefonberegefcfjriebene 
Ü8uch (ebenfalls noch immer brauchbar, für ein nur einiger- 
maften eingef)enbere£ ©tubium ber SBibliothefölehre, bie nur 
in wenigen Paragraphen abgehanbelt wirb, jebod) nic^t 
auäreicfjenb. 

10. 93on wiffenfchaftlicher ©ebeutung waren bie Qiüe, 
Welche fid) bie jwar Heine, aber um fo inhaltreichere Schrift 
t)on (Sbmunb QolUx 22 , $ie SBibliothefmiffenfchaft im Um* 
riffe (Stuttgart 1846, 8°)ftetfte, nämlich biefiefer Dom fiad) 
auf bie einzelnen, noch fdjwach bearbeiteten Seile berSöiffen* 
fcf)aft ber ©ibliothefölehre ^injulenfen unb baburef) SRono* 
grapsen ju erzielen, aug melden fid) überhaupt erft bie ganje 
2Biffenfdjaft aufbauen foüte. Shif bem engen SRaume Pon 
72 Seiten hat ber Sfcrfaffer eine Sülle t>on ebenfo anregenben 
wie belehrenben ©emerfungen niebergelegt unb bie 21bficf)t, 
ben angefjenben ßögling ber $8ibliothef£wiffenfchaft mit einem 
SSlicfe bie grofie Salm überbauen 5U laffen, bie fein Sufe 
jum erftenäKale betritt, unb if)m ju jeigen, wo er fid) weiter 
9Rate3 über baä bort nur furj ^ngebeutete 31t erholen 
habe, ift mit großem ©efe^ief für bie bamalige &it burd)- 
geljenbä erreicht, fo bafc wir *ße$holbt£ Urteile nur burd^ 
au§ beipflichten fönnen, wenn er ba£ ©üchlein „eine ber 
bebeutenbften (£rf djeinungen auf bem (Gebiete ber 93ibliothef§- 
le^re" genannt fyat. Seiber ift ba3 Söuc^ gegenwärtig Poll* 
ftänbig »ergriffen. 

11. 3efm %a$u nach ftotta erfchien ber fiatedjtemuä 
ber Sibliothelenlehre. Anleitung ^ur Einrichtung unb Ser* 
waltnng Pon Sßibliothefen. S3on Dr. 3uliu£ 9Je£h°lbt 23 
ffieipjig 1856, 8 ( >), ber nicht nur benen, meldte ihre eigenen 
Sudler ja mmfangen ju orbnen unb im ftanbe ju h°lten 
wünfehen, fonbern auch allen überhaupt, welche bei bet @in~ 
richtung unb SSermaltung ber SBibliothefen anberer beschäftigt 
finb unb bie ba^u gehörigen gertigfetten unb Senntniffe noch 
nicht Dottftänbig erlangt haben, bie nötigen Fingerzeige unb 



Digitized by Google 



3 <t) rinnt äb« &te 9tMioc&ctete$rt. 



Slnweifungen $u geben benimmt war. Xerfelbe foüte im 
l>>egenia§e manchen früheren Arbeiten ben $egenftanb 
einmal erfchöpfenb unb zugleid) in fo überiidjtlidjer Seife 
georbnet jur Xarfteflung bringen, baß man au£ ihm über 
jebe einfc^lagige Jrage augenblüftich bie erforberliche $lnt= 
©ort entnehmen im ftanbe wäre. 2er &ated)i£mu3 fanb 
oerbienten ©eifaü unb erlebte 1S71 bie zweite, 1S77 bie 
brüte Auflage. Xie gemaltigen Sortfchritte, welche ba$ 
Sibliotheföwefen in ben legten ^^brjebnten aufzuweiten hat, 
erheifchten jebod) immer bringenber bie in ben neuen Auflagen 
Derabfäumte eingetjenbere $erücfiichtigung f wenn nicht ba» 
Shid) gän^lic^ Deralten feilte, Au* biejem ©mnbe ift ba*; 
felbe gegenwärtig einer DcUftänbigen Umarbeitung planmäßig 
unterzogen worben. bei meiner außer ber bisherigen, oben im 
brüten Abfchnitte befprodjenen Anorbnung aud) bie fafedjetiicfje 
^ehanbiungäweife, bie bei bem beträchtlichen Umfange zahl- 
reicher Kapitel fid) ohnebin mehr al* eine rein auserli^e 
2eforation ohne prüttifeben $wed er wie*, unb einer ftreng 
fpftematifchen ^arfteüung ef)er binberlich als forberlid) war. 
fallengelaffen , ber J>nhalt bagegen burchgetjenbs perriefr 
würbe. 

12. 3Kü Übergebung oon S^b^nn ®eorg Seizingers 
3Mbliott)efctethnif ^Seipyg 1S55, S '-'), welche ba* oon ber 
Stritit gefprodjene tyxbt Urteil im großen unb ganzen 
öerbient \)at-\ nennen wir iogleid) bt*felbeit $crfa»er? 
2h^orie unb $rari$ ber öibliotbefswiffenicbaft. i$runfc 
ünien ber Archiüwiifenichaft Bresben lst>3, worin ba* 
oorerwälmte $uch eine bebeutenb erweiterte unb, wie wir 
hinzufügen bürfen, wesentlich oerbefferte Umarbeitung erfahren 
hat 2er 3n>ecf bes Sertev, unierc ffitifeniduft nach ihrem 
ganjen Umfange unb ihrem inneren 3uiammeubange — unter 
^lufjählung unb (httroideluiig ber wesentlichen (^runbfäpe 
unb Siegeln, wie in f chieflicher Skrbinbung oon Jbeorie unb 
$rari£ — barzufteüen, wäre noch beffer erreicht worben, 
wenn bie Stabführung nicht eine aU^u ungleichmäßige 
^e^anbtun^ ber einzelnen Kapitel aufwieie. wobei namentlich 



Digitized by Google 



18 



etnleitung. 



bcr Slbfdjnitt über ba£ bibliographische ©tyftem — ©ei^inger 
ftettt fein eigenes auf — bie übrigen förmlich überwuchert hat. 

13. ÜJlad) ben genannten SBerfen mögen hier noch einige 
Schriften (Srtüähnungfinben, welche teils als furjeßeitfabenber 
SibliotljefSlehre überhaupt, teils als SBegWeifer für beftimmte 
Birten fcon Sibliothefen, namentlich S3olfS* unb ijugenb* 
bibliothefen ju bienen beftimmt finb. 3 U ben erfteren gehören 

93enebict 9Hd)ter, ffurje Anleitung eine SMbliothef $u 
orbnen unb in ber Drbnung ju erhalten (SlugSburg 1836, 8 U ), 
worin auf44©eiten erhielt werben fofl, „ben Anfänger ohne 
langwierige Vorbereitung unb öieleS mühfame ©tubium ber 
SftanipulationSfenntniS auS bem Sabtyrinthe herauszuführen 
waS freilich in fehr unzulänglicher SBeife geflieht, ferner 

Subwig ©ottfrieb Stfeumann, $)er Jfleine Sibliothefar. 
Shtrse Anleitung jur SibliothefS^unbe (SSien 1857, 8°), 
Welcher auf 39 ©eiten jebem improbifierten 93ibliothefar 
eines SßribatmanneS ober einer Sehranftalt bie widjtigften 
Seile ber SHbliothefSfunbe (fott heißen 93ibliothefSlef)re) 
befanntgeben will. 

gür Einrichtung ber S3oUSbibliothefen beftimmt unb ju 
ihrer 3ett nicht ohne -ftufcen unb 2Bert waren bie populär 
gehaltenen ©Triften beS Stönigl. ©ächfifchen SftentamtmannS 
unb langjährigen SeiterS ber ©tabtbtbliotfjef ju ©rofcenhain 

ffiarl SßreuSfer Über öffentliche, Vereins* unb <ßrtoat* 
Sßibliothefen fo wie anbere ©ammlungen, Sefejirfel unb Der* 
wanbte ©egenftänbe mit ^ücfficht auf ben Söürgerftanb 
£eft I a. u. b. £. : Über ©tabtbibliothefen für ben öürger* 

ftanb 

£eftll „ „ „ „: Über Vereint ©chu(*,^or^ unb ^Jriöat* 

Sibliothefen 

mit Nachtrag $ie $orf*93ibliothef (Seip$ig 1839, 40, 43, 8°), 
fowie beSfelben Bürger* Söibliothefcn unb anbere, für 
befonbere Seferflaffen erforberliche $8olfS=93ib(iothefen :c. 
(SRei&en 1850, 8"). 

(£S gebricht jebod) bem Verfaffer im allgemeinen $u fehr 
an fixerer 2)fethobe. 



Digitized by Google 



Sdjviftcn über Die ®ibliotf)c!Me$re. 



19 



Die @chulbibliotf)efen-;» hatte im Slugc 

Ernft görftemann, Über Einrichtung unb Serroaltung 
bon ©chulbibliotf)efen («florbhaufen 1865, 8°), ein Büchlein, 
ioelcheS jur Drbnung unb Bezeichnung ber genannten 
Bibliotfjeten in fo flarer unb überfichtlidjer SBeife Anleitung 
giebt, bog e$ nicht nur biefen, fonbern aud) Heineren 
Sibliothefen überhaupt empfohlen werben fonn. 

$lu3 ber urfprünglichen 2lbfid)t, eine Sammlung ber auf 
bie BibliothefSbermaltung bezüglichen öfterreichiföen ©efe&e 
ju geben — roorin ber befonbere SBert ber Arbeit auch 
noch liegt — , entftanb 

gerbinanb ©raf fauer$' 2,i £anbbud) für öfterreichifthe 
HniberfitätS* unb ©tubien*Bibliotf)elen, foroie für BolfS-, 
äftittelfchul* unb Se^irf^fiehrerbibliothefen. SRit einer 
Sammlung bon ©efe^en, a. h. Entziehungen, Berorbnungen, 
Erläffen, Steten unb Stctenau^ügen (SSien 1883, 8«»). 

inbem ber Berfaffer, um ba§ Buch gerabe für bie fleineren 
Sibliothefen, beren Serroaltung nicht bon Bibliotheföbeamten, 
fonbern bon Sehrem unb <ßrofefforen beforgt mirb, brauch* 
barer 51t machen, einen $lbfd)nitt über bie innere Einrichtung 
fleinerer Sibliothefen, ferner eine furje 3 u fammenftellung 
bon ^auptmerfen au§ ber fiitteratur ber Bibliographien, 
Biographien unb Sitterärgefchichten einfchaltete fomie brittenS 
bie Elemente ber Sefchreibung ber SibliothefSbeftänbe in 
einem befonberen $bfchnitte behanbelte. 3)er Qtoed be& 
Suchet ift bamit öoüftänbig erreicht toorben. 

5luch ©eorg SRettigS, UnterbibliothefarS in Sern, Seit; 
faben ber Bibliothefbermaltung, ^auptfädhtt^ für Sugenb- 
unb SolfSbibliothefen bearbeitet (Sern 1883, 8«) ift ein 
bur d)au3 brauchbares Büchlein, meines in bef graniten ©renken 
ba£ für ©dml* unb Solf§bibliotf)efen 2Biffen§mertefte bietet 
unb mit Stecht eine gute Aufnahme gefunben hat. 

14. 3m SHnfchluffe an ba§ Sorhergefjenbe unb ber Soll* 
ftönbigfeit halber mögen im golgenben nod) einige auSlänbifche 
SBerfe über bie SibliothefSlefjre Ermahnung finben, ba bi§* 
her, menigftenS au§ ber fiitteratur biefeS Sahrfjunbertä, nur 

2* 



Digitized by Google 



20 



Sittleitung. 



biejenigen fremblänbifdjen ©Triften namljaft gemacht finb, 
roeldje eine Überfefcung in§ ^eutfdje erfahren tyaben. 

3fa Belgien fd^ricb ber $ibliotf)erar ber Untoerfität 
Soeroen P. Naraur einen Manuel du bibliothecaire 
(Bruxellesl834, 8°), roeltfjer SInerfennung gefunben Ijat. Sn 
granfretd) erfcfyien nad) ©onftantut ein bem ©raffauerfdjen 
toerroanbte§, jebod^ bor biefem t>eröffcntlid^te§ 93udj non bem 
UntoerfttätöbibUotljefar in $)ouat 

Jules Cousin, De l'organisation et de Tadministration 
des bibliotheques publiques et privees, manuel the'orique 
et pratique du bibliothdcaire. Ouvrage suivi d'un appen- 
dice contenant les arrete's, reglements, circulaires et 
instructions ministe'riels relatifs aux bibliotheques uni- 
versitaires, aux bibliotheques circulantes et aux biblio- 
theques populaires, et accompagne de figures (Paris 
1882, 8°). 

3>n ©nglanb bearbeitete Edward Edwards 27 bie 
3Mbliott)et$lel)re in feinen Memoirs of Libraries; including 
a Handbook of Library-Economy (London 1859, 2 vol., 8°), 
f oroie bie Einrichtung ber 33olf§bibliotf)efen in feinem befannten 
SSerfe Free Town Libraries, their Formation, Management 
and History in Britain, France, Germany and America 
(London 1869, 8°). 

Sn 9torbamerifa enblid) §at ba£ Bureau ofEducation 
in ben Public Libraries in the U. S. of America; their 
History, Condition and Management. Special Report, [ed. by 
S. R. Warren and S. N. Clark] (Washington 187 6, 8°), ein 
monumentale^ Duetfenroerf in SJe^ug auf ba§ $8ibliotf)efö* 
roefen in ben bereinigten (Staaten fjerauSgegeben, tueld)e§ 
äufjerft mertootte Seiträge amerifanifcfjer 93i6Iiotr)efare 5ur 
<8tb(iotf)efglef)re ent^äft. 

15. ©oroeit bie felbftänbigen ©driften über bie Sibliot^efS* 
leljre 28 . Ilm nun unfere Sitteraturüberfidjt in roünfcfyenS* 
roerter SSetfe $u einem möglid)ft abgerunbeten Silbe 511 ner* 
uoUftänbigen, fei jum ©cfyluffe noef) ben mistigeren btbliotl)ef^ 
roiffenfdjaftlidjen 3^it f rif ten, meiere 5U einer reiben 



Digitized by Google 



e Triften über bic «iMlotftcWeftrf. 



21 



gunbgrube unferer SSiffenfc^aft gemorben finb, eine furje 
93efpred)ung geroibmet. $iefelben finb toerhältntemäfjig 
jungen 2>atum§. 9tfod) in ben breifciger Sauren biefeS 3at»> 
hunbertS gab e§ in 3)eutfd)lanb fein pcriobifd)e§ Organ, 
toelcheä, mie ^J5e^olbt bie Aufgabe eines foldjen befiniert, 
„über bie litterarifchen S3orfommniffe auf bem bibliothefS- 
roiffenfd)afttichen ©ebiete fortlaufend Söcric^t erftattet unb 
bie ttjeitöer^ttjeigten 3"tereffen ber für bie görberung Hüffen* 
fchaftlidjer Seftrebungen fo mistigen ^nftitute, ber Söiblio* 
tiefen, jur ©prad)e gebraut hätte". G§ ift baS* bleibenbe 
33erbienft jmeier SKänner, faft $u gleicher Qeit nad) einer 
5tt>eifad)en 9üd)tung i)in $lbf)Ufe gefdjaffen ju ^aben. 
Dr. SRobert Naumann, orbentlicher Sefjrer am ©tjmnafium 
ju ©t. Nicolai unb ©tabtbibliotf)efar 5U 2eip$ig, entfanbte 
im ©eptember 1839 an bie beutfdjen Söibliottjefare unb 
an anbere mit ber öibliothetett>iffenfd)aft ober einzelnen 
Seilen berfelben öertraute Männer einen ^ßrofpeft, roorin 
bie Segrünbung einer 53ibtiothef§5eitfd)nft borgefcfylagen 
mürbe. 3)ie Aufgabe berfelben foöte fein, barauf aufs 
merffam 5U machen, mag bie einjelnen (öffentlichen unb nad) 
Skfinben aud) *J3rtoat=0 Öibliothefen an feltenen unb nod) 
nid)t anbermärtS befdjriebenen £anbfd)riften unb $)rutf* 
merfen aufeuroeifen hätten; atle§ $u veröffentlichen, roa§ 
jur ©efd)id)te ber einzelnen 93ibliotl)efen gehöre, mie$öerid)te 
über bie (jährlichen) 9(cquifitionen, ^ßerfonalöeränberungen :c, 
fomie fchüefelich afljährtich ein S8er5eid)ni§ ber fämtlid)en 
beutfdjen SMbliothefSbcamten 5U geben. £er $lan erlangte 
fefte ©eftalt unb fo trat am 15. Januar 18-10 — bem 
Söhre be§ bierf)unbertjährigen Jubiläums ber ©rfinbung 
ber 99ud)bruderfunft — ba§ erfte beutfehe bibliothefömiffen* 
fchaftlidje gad)journal in£ Seben, al§ 

©erapeum 29 . 3eitfd)rift für Sibliothcfmiffenfchaft, £anb= 
fd)riftenfunbe unb ältere Sitteratur, herausgegeben Don 
Dr. Robert Naumann (Seip^ig 1840, 8°) mit einer Beilage 
Snteüigen5b(att, enthaItenb$8ibliotf)ef3orbnungen, neuefte in* 
unb au§länbifd)e Sitteratur, antiquarifdje 93üd)er :c. ($S 



Digitized by Google 



22 



Einleitung 



erfcf)ienen bis 1870 3 1 Jahrgänge, rei(f| an IttterärgcfcJ)td^t= 
lidjen Unterfiidjungen unb Beiträgen $ur £anbfchriftenfunbe, 
arm aber an eigentlichen Sluffäfcen über bie SibliothefS* 
miffenfd)aft felbft. (SS fehlte bie unentbehrliche Mithilfe 
möglid)ft zahlreicher Sadjgenoffen. ©o ging bie 3eitfd)rift 
in bem genannten 3> a h re ein, auS SKangel an Teilnahme, 
materieller foroof)! als tt>iffenfcf)aftücher, roie ber £erauS* 
geber felbft in feinem 3lbfcf)iebSmorte tjerborgefjoben ^at. 

3u berfelben Seit mährenb ber auf bem ©ebtete beS anti* 
quarifchen 93udhhanbel§ befannte unb angefehene 33ud)hänbler 
S. D. SSeigel in Seipzig baS ©erapeum in feinen Serlag 
nahm, fyatte Dr. Julius ^e^olbt, $3ibliotf)efar ber 
SiMiothef ber ^ßrinjlichen ©ecunbogenitur §u Bresben, bie 
£erau§gabe bon Igahrbüchern ^ er SibliothefSmiffenfchaft^ 0 
geplant unb angefünbigt, ftanb aber , „roeil bie bon ihm 
gewonnene girma ftdt) ber SSeigelfchen nicht im entfernteften 
ebenbürtig an bie©eite ftetten fonnte", in ber Öolge hierbon 
ab unb begrünbete an beren ©tatt ben 

Sinniger für Siteratur ber Stbliothefroiffenfd)aft, 1840 
bis 44, ber SBibliothefroiffenfchaft, 1845—49, für SMblio* 
graphie unb 93ibliothefroiffenfdhaft, 1850 — 55 (juerft bei 
Arnolb in SDreSben, bann bei ©tf)mibt in $atte), feit 1856 
9?euer Anzeiger für ^Bibliographie unb Stbliothefroiffenfchaft 
(3)reSben bei ©djönfelb). 45 gaf)re lang führte ^Je^^olbt in 
unermübIidher,aufopfernberSBeifebie9^ebaftionbiefernaments 
lieh in bibliographifcfjer ^inficht wichtigen unb öerbienftboöen 
ßeitfehrift, beren herborragenbfter unb tl)ätigfter Mitarbeiter 
Don Anfang an er felbft mar. 1884 trat ^efcholbt, burch 
junehmenbeS Hilter gelungen, bon ber Seitung jurüi, morauf 
baS Journal unter ber 9tebaftion bon Sofeph Sürfdjner an 
bie girma SS. ©pemann in Stuttgart unb ^Berlin überging, 
ieboch bereite nach jmei Saferen (1886) erlofdj. 

£)aS ©nbe beS SlnjeigerS mar befchleunigt morben burch 
bie Ausführung eineS neuen Unternehmens auf biefem ©ebiete, 
meines in 9*ücfficf)t auf bie ftattlid)e Anzahl fachmännifdher 



Digitized by 



Sctjriften über bfe ©ibtuitftcrMe&re. 



23 



Mitarbeiter, bie ihre ©eiljilfe im öorau$ jugefiehert Ratten, 
unb unterftüfet bon feiten beS Sgl. «ßreu&ifchen ffuituS* 
minifteriumS, Don Slnfang an gegrünbete 8u8fid)t bot, bie 
an ben Tanten ber neuen 3eitfc^rift gefnüpften ©rioartungen 
nad) jeber Dichtung hin $u erfüllen. 3m ^Berlage öon Otto 
Jparrafforoifc infieipjig erfdjien nämlich feit 1884 in monat* 
liefen heften ba$ 

©entralblatt^ 1 für 33ibtiothef8roefen, herausgegeben unter 
ftänbiger SRitttrirfung ja^trei^er gachgenoffen be8 3fn* 
2lu§lanbe§ Don Dr. D. Hartwig, Oberbibliothefar in $atte, 
unb Dr. ©c^ulj, 9Jeid)3gericht3bibliothefar in Seipjig, 
welches, feit bem brüten S^tgange &on bem ©rftgenannten 
allein rebigiert, fid) einer ftetig toachfenben 2efer$ahl erfreut 
unb fid) bie tt>erftfjätige Teilnahme be§ fad)männifcben 
^JublifumS ungefd)tt>äd)t 511 erhalten Derftanben Ijat. 3 n ben 
feit 1888 nad) JöebürfniS erfdjeinenben Söeifjeften 3um 
Sentralblatt finben größere Slbhanblungen , meiere fid) im 
£auptblatt nid)t unterbringen laffen, bie gettmnfdjte Untere 
fünft unb ifjre felbftänbige Verbreitung. 

©inen biefen 93cif)eften üernmnbten 3^ccf üerfolgt bie in 
»erlin bei Slffjer & Go. feit 1887 »erlegte 

©ammlung bibliothef3miffenfd)aftlicher Arbeiten. $erau8* 
gegeben Don Sari ^Djia^fo, 0. ö. Sßrofeffor ber 93ibliotf)ef§* 
I)ülf3roiffenfd)aften unb Oberbibliothefar ber UntoerTität 
(Böttingen, meiere fid) $ur Aufgabe ftellte, ttnffenfd)aftliche 
Arbeiten philologifd)er, litterärgef^idjtlic^er fomietec^nifc^er 
2(rt au£ bem ©ebiete ber bibliotljefarifdjen SterufSthätigfeit 
aufzunehmen unb namentlich bie jufammenhängenbe, mono* 
grapfjifd)e SJefjanblung größerer ©toffe 5U förbern. 

Söährenb f omit$)eutfchlanb auf bem ©ebiete ber bibliotfjefö* 
triff enfcf)aftlichen periobifdjen Sitteratur in neuerer ßeit gut 
vertreten mar, finb auch & e i ^ en übrigen heröorragenben 
SMturnationen in^mtfehen gadjiournale entftanben, welche 
ben 3roecfen be§ SibliotheföroefenS ju bienen beftimmt finb. 



Digitized by Google 



24 



Einleitung. 



93kh r nod^ atlerbing§ für bie SMbliotfjeföfunbe al§ bie 
93ibltotf)ef3lef)re bon Sebeutung ift ba§ mit Unterftüfcung ber 
f ranjöfif d>cn :i2 ^Regierung feit 1884 herausgegebene 

Bulletin des bibliotheques et des archives publie sous 
les auspices du Ministere de Instruction publique (Paris 
bei H. Champion), toeld)e§ in feinen nierteljährlich er fcfjeinen* 
ben ^peften namentlich eingehenbe unb jubertäffige Nachrichten 
über ba§ fran^öfifche 33ibliothef§roefen im allgemeinen unb 
bie einjetnen ©ibliothefen granfreich§ bringt. 

3n Spanien entftanb 1881 ein 

Anuario 3:i del cuerpo facultativo de archiveros, biblio- 
tecarios y anticuarios, roeld)e§ fich jur Aufgabe fe^te, über 
bie fpanifchen 33ibliotf)efen auf ba§ au§führlid)fte Bericht 51t 
erftatten. 

3n Italien gab EugenioBianchi^ bereit 1867 ben 
erften Jahrgang cme§ aüerbing§ früh ertöfchenben 

Giornale delle Biblioteche fyxau$ unb neuerbing§ h at *> er 
©ibliothefar ber SWaruceüiana in Slorenj, Dr. Guido Biagi, 
bie Rivista 35 delle Biblioteche. Periodico di biblioteconomia 
e di bibliografia (Firenze), neu begrünbet, met^e eine fehr 
beifällige Aufnahme gefunben ^at. 

5U§ Organ ber norbamerifanifchen unb in ben erften 
Jahrgängen auch ^ er englifchen bibliothefarifchen 25er* 
einigung ^at ba§ in Nem gor f feit 1876 er fdjctnenbe Library 
Journal. Official Organ of the American Library Association, 
hr§g. non E. 8. (£ u 1 1 e r , SBibliothefar be3 Boston Athenaeum, 
bi^r fomoht für bie 93ibtiothef§lehre nach i e ^ er Dichtung 
hin, roie auch für bie Sunbe be£ amerifanifchen 93ibliothef§* 
roefen§ anerfannt 33or5Üglicf)fte§ geleiftet. 

$>ie englifchen 93ibliotf)efare gaben behufs Scrichterftattung 
über ihre monatlichen SSerfammlungen feit 1880 felbftänbig 
bie Monthly Notes herauf, tt)ährcnb über bie Serhanblungen 

ber 3 a h re ^ üer f amm ^ un 9 cn * n ^ en Transactions and Pro- 
ceedings of the .... Annual Meeting of the Library Asso- 
ciation of the United Kingdom berietet tuirb. 



Digitized by 



I 



Triften über Me ©ibliot^r?tcfjvc. 



25 



3$r tt>iffenfd)aftlidje§ gadjorgon bübete feit 1884 The 
Library Chronicle 36 . A Journal of Librarianship and 
Bibliography (London bei J. Davy & Sons), unb feit 1889 
The Library 37 : a Magazine of Bibliography and Literature 
(London bei Elliot Stock), ^ublifationen, meldte mit SRed)t 
über bie ©renjen be8 Bereinigten ffönigreidjS tjinau§ bie 
Seadjtung ber Sibliotfjefare gefunben Ijaben 38 . 



- 



Digitized by Google 



Don beut ©ebihtbe, ben Beamten unb Ütitteln 

ber ßtbltotljck. 



Som Sibliotljcfeflcbäube. 

'gKITgemetne ^nforteruna,en an 6as ^t6fiot(jefea,e6du5e. 

$)ie S^öqc nacf) ber beften ^frt ber $lufberoa!jrung be3 
S3üdjerfcf)ake$ ift für eine jebe Sibliotfjef Don tief ein* 
fcfjneibenber Sebeutung, ba ntc^t nur iljre ©rfjattung unb 
93eroafjrung fonbern aucf) ifjre ausgiebige unb bequeme 
83enu£ung ganj roefentlid) baüon abhängig ift. 3)ie Söfung 
berfelben gehört ber bibliotfjefarifdfjen $Ird)iteftonif ober ber 
©ibliotfjeföbaufunft an :j9 . ©adje be§ 53ibliot!)efar§ ift e§ 
inbeffen, bem 9lrd)iteften bei Aufarbeitung be3 SBauplaneS 
ratenb jur (Seite ju ftef)en, ba eben nur er aße Sebürfniffe 
ber il)m unterböten Anftalt genau fennt unb berpfltdjtet ift, 
für beren 93erücffid)tigung ©orge 5U tragen. 

(Sine ber erften Sorberungen an benjenigen, ber bie 
3Mbltotf)ef bauen fott, ift geroife bie, baft er fein ^aupfc* 
augenmerf auf bie fünftige ©id)erf)eit be3 (SebäubeS fcor 
3euer3gefaf)r eines unb anbern £eüe§ öor geudjtigfeit ju 
rieten ljabe: beibeS fann burcf) bie Sßatjf eine§ Pafceä, auf 
ben ba§ ©ebäube Don feuergefährlicher ^iad^barjc^aft, toie 



Digitized by Google 



Grftcs Äarttel. «om »ibliotficf^cbaub«. 



27 



befonberS gabrifen, entfernt unb überhaupt mögtidjft ifoliert 40 
toomöglid) audj nid)t in Döttig gleichem ÜRiDeau mit ben um* 
gebenben Sofalitäten, fonbern etroaS Ijöljer ju ftefjen fommt, 
am beften erreicht werben, tiefer Sßlaft muß ferner in üolfS- 
teilen unb fef)r lebhaften Orten Don bem ©etümmet unb 
©eräufdje ber ©trogen fo Diel als möglich abgelegen fein 
unb bod) audf) roieber eine Sage Ijaben , meiere für ba3 
*ßublifum, ju beffen ©ebraucfye bie 3)ibtiotf)ef beftimmt ift, 
l)inftd)tlicf} be$ $8efud)e§ unb ber ©enufcung berfelben nid)t 
oüjugroße Unbequemlichkeiten biete. $lud) muß bie ©rroägung, 
ob ber ju roäfjlenbe ^Sta^ in fpäterer &it eine ©rroeiterung 
be§ ©ebäubeä erforberlicfyen Sollet julaffe, mit Doranftetjen, 
weil bie ©rfaljrung gelehrt Ijat, bog ein Don £au§ au§ fefyr 
äWecfmäßigeä ©ebäube, wenn bei bereintretenben^otroenbig* 
feit einer ©rroeiterung ber $lafc felbft feinen 9taum ba$u 
f)ergiebt, bann leidjt ju einem feljr unjroecf mäßigen umgeftaltet, 
oft gerabeju Derunftaltet toerben muß 41 . 

SSie bei ber SBafjl be3 $lafce§, fo ift aud) bei bem (üfrtt* 
Wurfe be3 $lane3 Dor allem auf bie möglid)fte Sicherung 
be$ ©ebäubeS Dor ber ©efafjr ton geuer unb 9täffe 93ebad}t 
^u netjmen. Slußerbem finb bie größte ©eräumigfeit unb 
93equemlid)feit, fomie bie befte Beleuchtung be£ ©ebäubeS 
biejenigen ©eficf)t§punfte, welche Don bem, ber mit bem ßnt* 
würfe be3$lane§ beauftragt ift, unbebingt im$luge behalten 
werben muffen. 

3ur Sicherung be3 @ebäube$ gegen bie geud^tigfeit Ijaben 
33itruD 42 unb alle, bie iljm lange 3eit gefolgt finb unb nad)* 
gebetet fjaben, unb benen bie $lf)nung einer anbern ©efaf)i\ 
nämüd) ber ©efaljr be§ geuerS, Doßftänbig fremb geblieben 
$u fein fdjeint, nichts weiter $u raten gemußt, al§ baß ba$ 
©ebäube nad) borgen tjin gerichtet werben fotle. $lber bie§ 
reid^t bei weitem nidjt au§. $)ie beften Littel gegen bie 
pfiffe finb 5aljlreicf)e Sanfter, bie freiließ aud) fleißig jur 
ßüftung 43 geöffnet werben muffen, fdjüeßbare 2uft$üge in 
ben UmfaffungSmauern; jum ©djufce gegen bie geudjttgfeit 
Dom ©oben au§ muß ba§ ©ebäube, jumal wo e§ olmefjin 



Digitized by Google 



28 



(Srfter Seil, ©ebäube, SJeamte, SWittcl. 



nid^t auf einer (Erhöhung gelegen ift, auf einen etmaä erhöhten 
Unterbau gegrünbet werben. 

SBiber geuerSgefaljr bagegen toirb, nrie Seger richtig an* 
giebt, ba§ ©ebäube, meld)e§ am amecfmäßigften mit einem 
Stopfer* ober 3infbache 5U berfeljen ift, burd) maffibe $luf* 
führung ber UmfaffungSmauern, burd) womöglich fteinerne 
$)ecfen ber einzelnen 9?äume unb fteinernen Unterbau beä 
gußbobenS, foroie baburd) gefd)ü&t, baß alle ©inheijungS* 
räume nur Don außen 5ugänglid) ftnb, bie Sftaucfyrötjren nic^t 
burch bie SBibtiothefSräume geführt werben, unb bie im -Kot* 
falle burdjgefüfjrten 9taucf)röhren bon bidem, mit großer 
SSorfid^t aufgeführtem Sftauermerfe befteljen. Sfteuerbing§ 
^aben fid) forgfältig eingerichtete 3entralf)ei5ungen, welche 
ben 23ibüotf)ef3räumen bie erttmrmte Suft juführen, gut 
bemährt. $)iefelben geben nid)t nur eine angenehme, leidet 
$u regulierenbe Temperatur, fonbern bieten auch baburdj, baß 
fie gleich5eitig bie SBüdjerfäle bi§ $u einem geroiffen ©rabe 
mit ermärmen, einen guten ©d)u£ gegen geuchtigfeit. ©egen 
©emitterfchäben mögen foXd>e ©ebäube, bie mitSöli&ableitern 
berfeljen, unb überhaupt in nicht affju großer |)öf)e, nid)t 
biel über jmei ©torfroerfe hoch, aufgeführt finb, ziemlich hin* 
reichenb gefchü^t fein, gür ben gall ber geuerSgefafjr felbft 
aber, beren 9Wöglid)feit, trofc ber bortrefflid)ften unb forg* 
fältigften 3?orfid)t3maßregeln , gleid)roof)l immer gegeben 
bleibt, roerben ficf> ba§ SBorhanbenfein bon Söfchgerät, too* 
möglich SSafferleitung im ©ebäube felbft, minbeftenS ein 
Sörunnen ober fließenbeS SBaffer in ber Sftähe, unb bie ©in* 
richtung, baß bon ben 23ibliotl)ef3beamten roenigfteng einige 
in ber nächften Umgebung mohnen, erfafjrungSmäßig fe^r 
amecfbienlid) ermeifen. 

Sn $lnfel)ung ber D?äumlidf)feit unb 23equemlichfeit be§ 
©ebäube§ muß als ©runbfa^ ftet£ ba§ feftgehalten roerben, 
baß baäfelbe ba$u beftimmt fei, bie möglich 9 r öß* e ^Injahl 
bon Büchern auf bie, tro£ äußerfter SlitSnüfcung be§9laume§, 
für ben ©ebraud) bequemfte $lrt in fid) aufjunehmen unb 
außubemahren. ©3 leuchtet ein, baß man ba, mo biefem 



Digitized by Google 



Srftc« ftapitef. »om ©i&Uot&etSgebäubc. 29 



©runbfafc nic^t gehörig {Rechnung getragen worben ift, leicht 
genötigt fein fann, über furj ober lang 51t Reparatur* unb 
Neubauten, bie auf ben georbneten ©efchäftSgang einer 
SMbliottjef immer ftörenb einwirfen miiffen, ju fd)reiten ober 
ber für ben jwccfbienlidjen ©ebraudt) ber 23ibliotf)ef burcfjauS 
erforberltcf)en Söequemlichfeit Abbruch ju tf)un. 

©benfo einleuchtenb ift e§, baß in ©ejug auf bie für ein 
SibltottjefSgebäube erforberlid)e #elligfeit in ben inneren 
Räumen ein guteS unb gleichförmig Verteiltes, womöglich bon 
allen (Seiten jufließenbeS 2idjt für alle Hrten Don Arbeiten 
in ber 53ibliotf)ef eine notwenbige ©cbingung ift. $)ie Littel, 
biefeSSidjt — e§ Verfielet fid), unter Slbwenbung aller fd)äb* 
liefen ©inflüffe ber (Sonnenftrahlen — bem ©ebäube ju ber* 
fdjaffen, fönnen nicht bloß öcrfd)icbenc fein, fonbern werben 
auc^ je nach ben topographifd)en SSerljältniffen toerfchiebene 
fein müffen. ©enügen 5. 93. an bem einen Crte weite unb 
ho^e, ben 93üd)errepofitorien gegenüber angelegte genfter* 
Öffnungen, fo werben biefe-an anberen Orten nicht gleichgute 
SDienfte leiften. SBie Seger bemerft, wirb ba§ Sicht für 
. 23ibliothef£gebäube in füblichen ©egenben am beften au3 
einem gläfernen $}ad)e ober au§ einer gläfernen 93ebedung 
be§ offenen 9?abel§ einer Suppel, in nörblichen ©egenben au§ 
einer großen Suppellaterne ober au§ ben Söiberlagcn eineS 
runben ober au§ ben (Seiten eine§ parallelepipebalifchen 
DberbaueS gewonnen werben. Steffen wirb eS nach ^ eu 
gemachten Erfahrungen immer geraten bleiben, neben bem 
bewährten Cberlid)t, wo e§ irgenb angeht, aud) ba£ (Seiten* 
licht mit heranziehen, unb auf biefe Sßeife eine gemifchte 
^Beleuchtung, bie man neuerbingS namentlich bei freiftehenben 
93ibliothefen Vielfach erprobt hat, herstellen. 

2Ba§ bie fünftliche Beleuchtung 44 anlangt, fo bleibt bie* 
felbe bei einer beträchtlichen Sfajatjl öon 93ibliotljefen au3 
bem ©runbe außer (Spiel, weil biefelben nur $ur Sage^eit 
geöffnet finb. Sin benjenigen 93ibliotf)efen, bereu Sefefäle auch 
währenb ber 9lbenbftunben ber 93enufcung freiftehen, bringt 



Digitized by Google 



30 



Crftet Xetl. ©cbüube, ©camte, 2RlttcI. 



man meistenteils ©aS in Antoenbung. $ie unb ba ^at man 
in ncuefter 3 C ^ cleftrifd^cö Sicht eingeführt. 

Schließlich fei noch barauf fjingermefen, baß, mie bei bem 
©ntnmrfe eines SßlaneS für jebeS anbere ©ebäube, fo auch 
namentlich bei einer Sibliotfjef bie Sbee ber architeftontfehen 
©cf)önheit ber ber gmeefmäßigfeit burdjauS hintangeftellt 
»erben muß. @S bleibt bem ^Irc^iteften bei ber Ausführung 
beS SaueS noch immer 3taum genug, baß er feinem ffunft* 
gefügte unb fonftigen fünftlerifchen ©elüften, ber Sibliothef, 
„al§ ber 9?ieberlage miffenfcf)aftlicher Hilfsquellen, auS* 
gezeichneter ©eifteSprobufte unb Vorarbeiten jur fort* 
fchreitenben Kultur beS 9ftenfchengefchlechteS", ein mit ihrer 
©eftimmung hatmonierenbeS &nfefjen toon innen unb außen 
5u geben unb ben ©efamteinbruef burch Anroenbung Don 
„h°h en ©äulen, ^o^en ®efimfen r fühnen Sögen, ftarfen AuS* 
labungen, finnreichen unb bebeutungSöoflen ©fulpturen, licht* 
toollen unb heiteren färben" thunlichft $u heben, freies ©piel 
gönnen fann, auch ^enn er ben rein praftif d)en ©efid)tSpunft 
im allgemeinen grunbfäfclich toorroalten läßt. $)aß bieß^eef* 
mäßigfeit ben AuSfchlagju geben hat, ift eigentlich eine felbft* 
toerftänblicf)e gorberung, unb bod) mürbe berfelben häufig fo 
menig Rechnung getragen, baß noch m ben früheren Auflagen 
beS SatechtSmuS bie Nichtbeachtung berfelben mit folgenben 
berben SSorten 5U geißeln für nötig befunben mürbe: Sftan 
baut $ferbe* unb SuhflöBe unb öergißt babei feiten bie 
grage, ob ber 93auplafc fomof)l als ber Sauplan bemBmecfe, 
mo^u baS ©ebäube beftimmt ift, gehörig entfpreche, unb ob 
bei bem GShttrourfe auf bie Sebürfniffe ber fünftigen ^nttjohner 
beS ©ebäubeS, beS lieben SieljeS, bie erforberliche Sßücfficht 
genommen morben fei, in fehr forgfamegrmägung^ujiehen; 
marum follte eS ba nicht billig fein, $u bedangen, baß auch 
hinfichtlich beS ffintnmrfeS öon ©ebäuben für Sibtiothefen, 
bie <3täHe ber melfenbcn Süf)e für taufenbe Don üftaljrung 
fudjenben Sitteraten unb fo manchen fd)reibfertigen Siblio* 
tfjefar, ber nämlichen grage gejiemenbe ^Rechnung getragen 
merbe! £offe man Don ber gufunft, baß bie lebenbige 



Digitized by Google 



HxfM «a»itel. «ora ©ibliot^eWgeWub«. 31 



Überzeugung t>on ber SSittigfeit eines folgen SSerlongcnS 
ottfettig zum $)urd)brud) fommen möge. 

3ut>or Ijatte fcf)on SKolbed) in feinem Seljrbudje mit 
Üftacfybrucf geäußert: „9Ran roirb, wenn man bie meiften 
neueften Schriften über 93aufunft, in melden t)on 33ib(iott)efen 
bie Webe ift , nad)fiet)t, finben, baß bie 5Trtf)iteften biefen 
©egenftanb untooüftänbig unb ot)ne fjinlanglidje <Sad)fenntniS 
beljanbelt fyaben, ober uielmeljr ofjne bie 3bee ber ©d)önf)eit 
unb $rad)t ber unbejttjeifelt fjöljern Sbee, baß jebeS 
©ebäube feiner Seftimmung entfpredjen muß 45 , 
unter^uorbnen. ÜBitt man eine Sibliotfjef bauen, fo l)at man 
ganj anbere $)inge $u bcbenfen, al§ bie $u§füf)rung eine« 
anfef)ntidt)en, äußerlich tt>of)l proportionierten, mit Säulen, 
portalen u. f. m. gezierten ©ebäubeS, beffen innerer föaum 
ebenfalls Dorjüglid) ober bodjmefjrzurSlugenluft eingerichtet 
ift, al§ auf bie bequemfte unb ficfjerfte Söeife bie mögtidjft 
größte ^njat)! 33üd)er $u betuafjren". ©leid^eitig ift tooty 
ju beachten, baß bog ©ebäube einer jeben einzelnen 93ibliott)ef 
ber biefer gegebenen befonberen ©eftimmung nad) SCRöglic^fctt 
3U entfpredtjen tyabe 4 «. 

'gSaufitfe cginriallJing bes ^iörtotljeltsfleßaubes. — &ficfi in bie 

^raii$. 

■Kit ben bisherigen 9(nbeutungen finb nur bie atfgemeinften 
SSorbebingungen für einen 5U)ccfentfprecf)enben 93ibliotf)ef3bau 
namhaft gemacht; toxi tjaben nunmehr bie benfelben ju gebenbe 
bauliche ©inridjtung näf)er in§ $luge ju faffen. 

5)ie ^Betrachtung ber SRäumlidtjfeiten an fid) fönnte aller* 
bingS eine fetyr fur$e fein, unb jtüar um beSmitten, roetf bie 
©rforberniffe, bie für ba£ ©ebäube überhaupt gelten, aud) 
auf bie einzelnen SRäume iljre Slntoenbung finben, unb ba^er 
baS, ma§ über ben ©dt)u^ bor ber ©efat)r t>on geuer unb 
SRäffe, fonrie über bie ^ettigfeit be§ ganzen ©ebäubeS im 



Digitized by Google 



32 



Gtftet Steif. ©ebäube, Seamte, «Kittel. 



allgemeinen gejagt worben ift, aud) auf ieben einjelnen SRaum 
nad) SRafcgabe feiner Söeftimmung fid) verteilen muß. 3ftbeffen 
mad)t e§ gerabe jene toerfchtebenartige Seftimmung ber 
einjelnen Sftäume erforberlid), ben inneren 2lu8bau berfelben 
nod) etwaä weiter $u Verfolgen, um ba§ im (Sntwurf gegebene 
33ilb be3 @ebäube§ $u öerbottftänbigen. @ine öffentliche 
Sötbliothef bebarf ju ihrem gefchäftlidjen Setriebe junächft 
geeigneter SlrbeitSräume für ba§ S3erwaltung§perfonal. 2Sa§ 
bie Sage berfelben anbetrifft, fo bürfte biejenige nad) Horben 
5u beborjugen fein unb 5War au3 bem ©runbe, weil fie bem 
Sluge ba§ gteichmäfeigfte unb barum 5uträglidjfte2id)t bietet, 
wa§ bei f üblicher Sage berfelben, womit allerbing§ ber 33orteil 
größerer SSärme Derbunben ift, nicht ber Satt ift. $)af$ bie 
&rbeit§5immer, benen überhaupt eine moglidjft zentrale ©teile 
anjuweifen ift, namentlich auch ba, wo bie Zäunte für bie 
Verwaltung unb ben Serfefjr mit bem Sßublifum toon ben 
eigentlichen Süchermagajinen getrennt angelegt finb, bequeme 
3ugänge nad) ben 58üd)ermaga5tnen unb bem Sefefaale bieten 
müffen, ift eine eben f o felbftüerftänblid)e gorberung, wie bie- 
jenige, bafc biefelben für bie rauhere 3>ahre§5eit 9 U * fyi$ax 
feien. 23efonber§ ju betonen aber ift eine ausgiebige Sßenti- 
tation berfelben, bamit bie gefunbf)ett§fd)äblict)en Söirfungen 
be§ 33üd)erftaube§, ber fid) auch bei forgfältigfter Reinigung 
unb Süftung immer ttrieber üon neuem fammelt, möglichft 
gemilbert werben. 3)ie nötige ©eräumigfeit möge in ben* 
jenigen gälten, wo aufcer bemßimmer be§£)berbibliothefar3 
nur ein einziger $lrbeit£raum für bie Beamten $ur Verfügung 
fteht, nicht aufcer ad)t gelaffen werben, um für befonbere 
gätte, welche eine borübergefjenbe Vermehrung be3 5ßerfonal3 
bebingen, $lafc 5U haben. £a§ 2lu§leif)e5tmmer wirb felbft 
bei Heineren Vibliothefen jur Vermeibung oon (Störung für 
bie arbeitenben Beamten com ^uftoben^immer ju trennen 
fein, wa3 nidjt überall gesehen ift; baSfelbe mufe für bie 
Benu^er ber Bibliotfjef leicht auffinbbar unb 5ugänglich fein, 
gute Beleuchtung bieten unb eine berartige s 2lu§befjnung 
befifcen, baft e§ auch bei größerem 5lnbrange, wie biefer an 



Digitized by Google 



(trfieft Settel, «om ©Ibliot^erSflebäubc. 33 



ben Sagen ber allgemeinen 23 ücf)errücf lieferung unb Seu= 
auSleihung ftattfinbet, nod) immer genüge. 

2Bo ba§ ©eamtenperfonal ein gasreicheres unb ber 
©efchäftSfreiS ein größerer ift, roerben ftd) bementfprcchenb 
nic^t nur bie $lrbeit$räume öermehren, fonbern e£ roerben 
auch ein ober mehrere ßintmer für bic ungebunbenen SBerfe 
unb 3 e itf Grifte"» nac h Sebarf eine öuehbinberroerfftätte, 
^paeffnntmern für bie Liener unb bergleidjen ^injufommen. 
5ür baS ^Jublifum enblid) bebarf e£ einer leicht f ontrottierboren 
©arberobe, menn möglich in nädjfter Sähe beS Sefefaolcö. 

$)enn ein foldjer ift heutzutage bei einer jeben 93ibliotf)cf 
— mag eS bei Heineren autf) nur ein einfaches 2efe$immer 
fein — für bie ©enufeer ein £aupterforberniS. ©erabe$u 
unentbehrlich ift er für biejenigen Söibliotfycfen, meiere 93üd)er 
nur unter erfdjroerenben93ebingungen ober gar nidjt öerleüjen, 
ba fid) in folgen gätlen ber gefamte 93erfef)r ber ©ibliothef 
mit bem ^ublifum auöfd^Iieglid^ auf tfjn fon^entriert. 3)ie 
©roße beSfelben toirb fich nach ben gegebenen Serljältniffen 
richten müffen. $>er Sefefaal einer großen 33ibliotf)ef fei hell, 
hod) unb geräumig, auSgiebig lüftbar, gut h«5^» gefonbert 
Don ben 53üd)erfälen fomie allen etroaiger (Störung Don 
außen ober innen ausgefegten Säumen, toürbeöoU in feinen 
architeftonifchenSerhältniffen, aber nicht prunfhaft, eine äße* 
jeit freunblicf)e unb behagliche $eimftätte ber 2Biffenfcf)aft. 

S)ie Söücherräume enblich müffen fo angelegt fein, baß fie 
ber ©eftimmung, bie bereits oben für baS ©ebäube im aß= 
gemeinen aufgefteßt tuorben ift, entsprechen, unter fjöchfter 
förfparniS au $la£ bie größtmögliche Anzahl toon 93ütf)ern 
in fich 5U faffen, ohne baß babei bie Überficht unb leichte 
©enufcung berfelben leibe, gür bie Aufbewahrung ber£anb= 
fchriften unb Simefien finb befonbere 3» mmer toor^ufehen. 
Unb toenn fchon für äße Säume ber ©ibliotfjef bie mögliche 
Sicherheit roünfcf)enSmert ift, fo muß eine foldje ganj öor* 
^ugStoeife für bie $anbfchriften- unb Slrchibräume, roelche 
bie ©eftimmung haben, ^umteil unerfe^tiche ©cf)äfce anvertraut 

©raefei, 8i6ttot$ef8le&rc. 3 



Digitized by Google 



34 



©rfter Seil, ©ebmtbc, ©comtc, «Nittel. 



5u erholten, geforbert Werben, ©ewötbte $)ecfenbürftenbaher 
für biefe 9täume bor ollen anberen $u empfehlen fein. 

3)ie3 wäre im wefentlid)en ba§, wa§ für einen braud)* 
baren SBibliotljefSbau hauptfäd)ftch in 83etrad)t fommt. Um 
nun ba§ im Umriffe vorgeführte 93Ub aud) an einigen SJeU 
fpielen $u erläutern, wollen mir im golgenben einen 33 tief 
in bie $rayi§ werfen unb aufefjen, wie bie 33ibIiothef§* 
baufunft bie i(jr gefteüte Aufgabe bi&tyx $u löfen verfugt 
hat 47 . G§ tt)irb fid) babei geigen, baß in neueffer 3eit 
bebeutenbe gortfdjritte 31t öer$eid)nen ftnb ; bei ber ungemeinen 
fliegfamfeit unb bem internationalen Sßetteifcr, ber gerabe auf 
biefem ©ebiete ^errfd)t, ftefjt außerbem mit Sicherheit ju 
erwarten, baß bie 3 u t un ft nod^ heitere SBerbefferungen 
bringen werbe. 

3>n früherer Seit begnügte man fid) bei un§ in berSfteljr* 
^a^t ber gäfle bamit, bereits befteljenbe ©ebäube für bie 
Söibliotfyefen in SSefdjtag ju nehmen, ofjne weiter banach $u 
fragen, ob fie aud) $ur Aufnahme Don Sibliotfjefen paffenb 
feien. 5)ie Beantwortung ber grage, ob ein ©ebäube SRaum 
genug biete, um bie ansufdjaffenben ober fd)on toorfjanbenen 
iöüdjer unb t»iettetcf)t aud) ben in ber golge ju ermartenben 
3mnad)§ aufnehmen 51t fönnen, War mciftenteüS ber £>aupt* 
fad)e nac^ at(e§, wobon man bie ©ntfdjeibung über 33enu£ung 
eineS ©ebäubeS jur SMbliotfjef abhängig machte, unb boch 
fann ein ©ebäube in $infid)t feines SRaumeS allen nur mög* 
lidjen Slnforberungen bollfommen entfpredjen, o!jne beSfjalb 
für eine33iMiothef geeignet 5U fein. 2öo man eigene ©ebäube 
errichtete, ba gaben au§fd)tießlid) äftf)ettfd)e ©rünbe ben 
2Iu3fd)(ag. Sftad) außen ^Safäfte, enthielten fie im Innern einen 
ober mehrere *J3runffäIe, worin bie 33üd)er läng§ berSöänbe 
in hohen, meift nur burd) Seitern tooüftänbig ju erreidjenbcn 
53üd)errepofitorien aufgeftettt waren. 

$)ieS ift namentlich bei ben öfteren italienifd)en Siblio* 
tfjefen ber gaH, bon benen jene (uyuriöfe S3auart auggegangen 
ift^s. g n £ e utfd)tanb war ba§ erfte ©ebäube, welche^ für 
bie befonberen ftwede einer Söibttothef — atterbingS noch 



Digitized by Google 



(£rftc5 Äapitcl. Wom ©ibltot^Kgcbtiubf. 



35 



gan$ nac^ italienifdjem 9J2ufter 49 — eingerichtet mürbe, ba8 
unter ber Regierung 9lnton UlridjS öon Hermann ®orb 




1706 begonnene nnb unter Shignft 2£iü)elm 1723 belogene 
©ebäube ber $er^oglicf)en 93tbfiott)ef 511 SBolfenbüttel (Sifj- 1 ), 

3* 



Digitized by Google 



36 



(Srfter Seil, ©ebäuöe, Beamte, SWtttel. 



roeld)e§ lange &\t al§ mofjlgeiungenc SBibliottjefSanlage 

berühmt toax. 2>a§felbe t)at in neueftergett megen Langels 

an nötiger geuerftdjerljeit — e§ mar nur in feinen unteren 

Seiten au$ fd)led)tem SDkterial maffib erbaut, im übrigen 

(äujroei dritteln) au§ gacfymerf, im Innern gan5 au£ £015 — 

burd) einen Neubau erfefct werben muffen, tüelc^er 1887 

bejogen roorben ift. 

2)a« §au« (um bie toon bem 33ibliotbefar ©cbönemann gegebene 
S3efd?rci6utt8 3U mieberbolen) bilbete ein längliche« $ierecf toon 
runb 43 m ?änge unb toon 31 m ©reite, mit einem auf ber 
9Jtittag«fette toortyringenben bequemen unb bellen £rewenjhu)le, brei 
(Stocfroert r)o<b big gum erjten 2)act)e, über meinem ftet) noct) eine 
länglich runbe Äuppel ert)ob, bereu 24 ©ogenfenfter ben inneren 
großen @aal erleuchteten. 2)iefer in länglich runber gorm, 28 m 
lang, 22 ra breit unb toter ©toefroerf boer), mar ber ^auptgebanfe 
be« SBauplane«, unb überrafcr)te jeben 33efuct)er buret) feine mürbigen 
23erbältniffe, beren $lu«fübrung nur in ben Siebenfachen ber eiligen 
SBoHenbung toegen noct) einige« gu roünfcben übrig liefe. 3&>&f 
Pfeiler, naa> ben toier ©toefmerfen mit übereinanbergeftetlten bo^elten 
borifct)en, ionifeben, forintt)ifcben unb to«canifcben ^ilaftern gegiert, 
trugen bie mit einem gre«togemälbe be« alten ©ötterhimmel« 
gefebmüctte 2)ecfe. 9?ur im erften unb gmeiten ©toefmerfe be« 
©aale« (bem jroeiten unb britten be« £>aufe«) maren 53üa?er auf* 
gefteUt, im britten bilbete bie innere JEÖanb, melcbe ben 2)acbfmbl 
ftüfcte unb bie 3nterfolumnien auöfüßenb toerfleibete, ben ©ocfel, 
ba« toieite ©toefmerf bie Saterne ber Büppel. .Broifcben ber inneren 
Santo be« ©aale« unb ben Slußenroänben be« ©ebäube« lief ein 
breiter eUiptifct)er unb bureb bie genfter ber 2lußenfeiten erleuchteter 
©ang fo umber, baß babureb in ben toier Scfen be« ©ebäube« noch 
toier Limmer, in beiben @tocfroerten gufammen alfo noch act)t fünf« 
feitige 3immer geroonnen maren, melcbe im unteren 9faume bie 
SDcanuffrtyte, bie ©i6elfammlung unb föegiftratur, im o6ern aber toer= 
febiebene miffenfcbaftlicbe gäa>r enthielten. Dben auf ber platte 
ber Ämppel, welche nur toon außen mittel« einer Senbeltre^e toon 
(Sifenftäben erftiegen werben tonnte, glänjte anfänglich eine über* 
große toergolbete hölgerne $immel«fugel, bie aber ber brüefenben 
£afr wegen balb wieber entfernt werben mußte unb ftäter burch 
bie ©pifce eine« $Blifca6leiter« erfefet mürbe. 

©inen roefentücf)en gortfe^ritt auf bem ©ebiete ber 

»iMiotljeBbaufunft bebeutete ber auf 93efef)l be£ funftfinnigen 

SönigS Subroig I. bon SBatjern nad) bem Sßlane beä Ober* 

baurateS 5>ireftor Ör. to. ©ärtner™ für ba£ allgemeine 



Digitized by Google 




5Reidj3ard)ib unb bie fföniglicf)e £of* unb ©taatäbibtiottjef 
in 9Jtüncf)en im Safjre 1832 — 1843 aufgeführte ^racfjtbau 
(Sig. 2, 3, 4), inbem an ben SBänben ber 33üd)erfä(c in 



Digitized by Google 



38 



Grfter Xeit. Gie&äube, Sfcamte, Wittel. 




S\ 1 J 



y ; vi 



■W ^ -t >♦ <» 

"n ' i H 'n — 



/ , •• / r \ 
/ l 



«ES 



/ ' V* 1 V 



/ ± 



J. 



"TTT 

\ / 



<-—>: -A- w V— ~i 




22 



0 



- : ' 



IT! 



22 



tt 



"4+ 



22 



u 



©ninbrtfl ber flgl. £of*unbStöat$bi&liot$ef SPJüu^en : Grfte$®efi$oß. 



Digitized by Google 



ütjtt» «optici. 8om Slbliot&trSflCfiäuc*. 



39 




Digitized by Google 



40 



Äbfiänben uon ungefähr 2.5 in ©alerien übereinanber an- 
gebracht mürben, bie, unter fU| burd) treppen nerbimben, 
eine $u£mi$ung ber gefantten 83anbfläd)en jur Sucher' 
auffteUung gematteten, ofyne baf$ bem oft lebensgefährlichen 
£ilf§mtttel ber Seitern gegriffen roerben brauste. 

2)aS öötfig ifoliert ftet)enbe (Sebäubc bilbct ein längliches Vier* 
td, beffen roeftlicher, roie bie Ü6rigen, 25 m $o$er groeiftoefiger 
gtügel 151m nach ber ^ubroigSftra&e gu einnimmt, toährenb ber 
ihm entfprechenbe öftliche nach bem englifchen ©arten gerietet tft. 
3roei fürgere ©eitenflügel, ber eine füblidt) unb bem ®cbäube beS 
ÄriegSminifteriumS, ber anbere nörblich unb ber SubroigSfirche gegen- 
über, jeber gu 58 m, fc^Xiefecn baS Vierecf. Hufjcrbem ftnb ber 
»orbere ' unb hintere burd) einen mittleren toerbunben , burch 
tt>efa)en im Snnem groei gleiche §öfe entftet)en, in beren jebem ftch 
ein ©runnen, mit ben Vorrichtungen für ben gall eines SkanbeS, 
beftnbet. Slufeerbem ift jefct bie §ochbrucrwafferleitung im gangen 
©ebäube eingerichtet. 2)er (Singang ift oon ber ©trafee aus auf 
einer fiattlichen greitreppe, auf beren SBrüjhmg toier ©tatuen in 
fifcenber (Stellung oon 2 m $b'he, nämlich SlriftoteleS, 2:h ut ^bibeö r 
$ippofrateS unb £omer, Äunftroerfe ©anguinettiS unb SDieoaS, 
aufgefieEt ftnb. Vom SSeftibulum aus gelangt man ItnfS unb 
rechte in bie 9?äume beS allgemeinen 9?eichSarchitoeS, roeldjeS baS 
gange (Srbgefchojj einnimmt, gerabeauS aber groifchen groei ©äulen= 
reihen über eine breite SJtormor treppe — ftatt beren man ftd) auch 
einer Webentreppe oom nörblichen $ofe aus bebienen fann — 3ur 
SBibliothef, unb jroar gunächft nach ber 3Hitte beS öftlichen, bem 
2)ienfie beS *Pu6lifumS geroibmeten glügelS. 3roei ©chroanthalerfche 
©tanbbilber aus roeifeem SDcarmor, oon benen baS eine ben $ergog 
Sltbtccht V., ben erften ©tifter ber SBibliothef, baS anbere ben Äönig 
Jubroig L, ben (Srünber biefeS ihr geroibmeten ©ebäubeS, barfteflt, 
flehen gu beiben (Seiten beS (Einganges. 2)ie roeit mehr als 
900 000 ©änbe 2)rucf= unb über 30000 §anbfchriften ftarfe 
©ibliothe! h at baS gange erfte unb groeite ©tochoerf inne, roo fie 
in 77 ©äle unb 3intmer oerteilt ift. 33 on ben brei hier mitgeteilten 
£>arftellungen (gig. 2 bis 4) giebt bie erfte bie oorbere Slnftcht 
beS (ScbäubeS oon ber 2ubroigSftra&e aus, unb bie groeite unb britte 
ben ©runbrife ber beiben oberen, ber ©ibliothef eingeräumten ©toef* 
teerte. 3ur (Srtlärung ber beiben ©runbriffe roerben folgenbe, oon 
$rn. 2)ireftor Dr. Eaubmann gütigft fontroUierteJBemerfungen genügen : 
3m erften ©toeftoerf bebeutet 1. bie Haupttreppe, 2. ben (Singang 
gur ^ibliothef, 3. ben SluSleihefaal, 4. ben £efefaal, 5. baS ©etre* 
tariat, 6. ben Sournalfaal, 7. baS 3wuner beS 2>ire!torS, 8. baS 
3inuner für §anbfchriftenbenut>ung, 9. baS 3tmmer eines Bibliothek 



Digitized by 



tfrftca Äopttct. »om ©ibltotljcteflcbtiube. 



41 



Beamten, 10. ba$2Hufifjimmer, 11. einen SSorplafc, 12. bie ©teintreppe 
jum 2. (Stoctroerfe, 13. einen SSerbinbungGgang, 14. ben Äatalog« 
faal, 15. einen ©üa^erfaal, 16. ba« 3 utinicr jur Hufbcroatyrung ber 
ungebundenen $3iui)er, 17. Äorribore im £reppenl?au$, 18. ben 93er* 
fammlungäfaal (Surften* ober roter ©aal genannt), 19. einen SBcrs 
binbungGgang, 20. Snhmabelnfä'le, 21. bie fogenamtte ©a>a^fammer 
für bie Gimelien, 22. töäume für ©üct>er, fämtlia) mit jh>ei ©alerien, 
gu roelcfcen man auf 23. ben fleinen treppen, bie aud> in baS 
obere ©toenoert führen, gelangt, 24. ©teintreppen, 25. bie ©encfelber* 
(Sammlung, 2H. ÄlofettS; im jroeiten ©todroerfe 1. eine jrocite 
©aKtfyfammer für bic roertooll gebundenen ©üdjes, 2. föäume für 
23üd>er, 2.* Dergleichen töäume, fcon oben erleua^tct, 3. (Salerietreppen, 
4. Ausgänge ber fteinernen, maffioeu Sftebentreppen, 5. bie @tein= 
treppe jum 2)aa)raumc. 

©alerien, Don benen au§ fämtlidfje SBücher mit ber $anb 

ju meinen finb, ein großer offener, burd) Oberlicht erleuchteter 

©aal, an beffen SBönben jene ©alerien herumlaufen, unb 

übereinanber geboute SUfo&en, roetdje burch Sanfter auch 

©eitenlicht erhalten, bilben ba8 roefentlichftc SKerfmal 

namentlich ber größeren amerifanifchen äMbliothefen 51 . 5)ie 

öffentlichen Sibliothefen in 93ofton unb Eincinnati, Boston 

Athenaeum, bie 2lfior*93iMiothef in üftero §)orf, Peabody 

Institute in Baltimore, enblich bie £ongreß=93ibliothef in 

353afhington finb bie hcrborragenbften SBeifpiele jenes fon* 

üentioneüen amerifanifchen 93aufttl§. ffiir geben im Solgenben 

nach ^3ooIe bie 93efcr)reibung ber SBibliotfjef be§ Peabody 

Institute, tnelc^e ba3 jüngfte unb, mie ^oole hervorhebt, 

gleichseitig ba$ am forgfältigften geplante unb am beften 

auggeführte tum allen genannten ©ebäuben ift. 

2>er ®üa?erfaal ber $ibliou>! (f. gig. 5 @. 42) ift 26 m lang, 
21 m breit unb 19 m $00). 25or bemfelben (f. gig. 6) befinbet 
flc$ ber lim lange unb 22 m breite Sefefaal, hinter bemfelben ein 
S(uf3ug, ein Slrbettöraum oon 6 m fange unb 12 m breite unb 
ba$ ©ibliou)eI$jimntcr oon ebenfalls 6 m fange unb 51/2 m ©reite. 
$)ie Klfot>en ftnb fea)8 ©todroerfc übereinanbergebaut. ©ie fpringen 
burd)gängig 51/2 m toon ber SHauer ab, ftnb je 31/2 m breit unb 
laffen einen formalen ©ang junädjft ber Sanb für ben 2>urd)gang8* 
oerte$r offen. Cbcrlid)t unb je gioei Heine ©eitenfenfter geben einem 
jeben Sllcooen reic^licr)c £>efltgfett. 2)er ganje SBau ift für 150 000 
SBanbe beregnet unb geroä'bvt einen ftattlidjcn Slnbltd; er erinnert 
an bie gotifd)en flirren be$ Mittelalter«. 



Digitized by Google 



42 



Grftcr Zeil, ©ebäube, »camte, 2Wittc(. 




Digitized by Gc 



tfrftes Hapitel. »om ©IbliotfcHßc&äubr. 



43 



£ier ift für ben flefefaal, toic mir fefjen, ein befonberer 
Staunt beftimmt; bei ber SRefjraaf)! jener »ibliotfjefen bilbet 
inbeffen ber leere Kaum in ber SKitte ber SüdjerljaUe felbft 





giß. 6. «runbrig 6er SHMiotbef &e* Peabody Institute ju ©oltlutore. 

ben Sefefaal. Srofe if)rer gtänaenben äußeren Srfdjeinung 
fjaben jeboc^ alle biefe „ @aaU93ibttot^efen " nidjt $u über* 
fe$enbe ©djattenfeiten. 9Hit 9ted)t tabelt <ßoole bie 9taum* 
t>erfd)ipenbung im 3 ei tfrum — bie namentlid) bei ber 



Digitized by Google 



44 



övftet Zill. Gtebciube, Beamte, SWittef. 



SöiMiotljef be£ Peabody Institute, lueldje baneben einen 

eigenen Sefefaal aufweist, befonberS grell ^etnortritt — , 

bie aWongel^oftigfeit unb Softfpieligfeit ber £eijung, bie 

©djtuierigfeiten ber ©rroeiterung. $)ie förmlich übereinanber* 

getürmten ©alerien erfdjmeren ba§ herbeiholen ber 33üdjer, 

nicht etma blofc megen ber 5af)Ireidjen Sreppen, fonbern meil 

man fein $\d meift nur auf Ümtuegen (buref) Umfdjreibung 

eine§ Parallelogramme^) erreichen fann. Infolge be§ Um* 

ftanbe§, bafe bei ber ^eijung unb Beleuchtung bie SBörme 

nac^ oben fieigt, leiben bie ©inbänbe ber ©üdjer in ben 

höheren ©toefroerfen ganj ungemein unb bei etroa ausbrechen* 

bem geuer ift aUeS gefährbet. ©df)lief$lich bringt bie bei ber 

SÄehrjafjl ber SBibliotJjefen übliche 83enu£ung be£ leeren 

3Wittelraume§ al§ Sefejimmer bie größten (Störungen unb 

Unbequemlichkeiten für ein rut)ige§ ©tubium mit fid). @£ 

hat baher auch bie Bereinigung ber amerifanifchen ©iblio* 

thefare jene§ ©Aftern für jufünftige bauten feinerjeit ein* 

ftimmig uerroorfen 52 . 

$ll§ (Srfafc bietet ^ßoole folgenben $lan bar (gig. 7). 

5luf einem nad) allen Seiten $in freien ?pia£e ergebe ftd) toorn 
ber ©runbpod! be$ (SebäubeS mit ben 2lrbeit8räumen ber SBiblio* 
tfyefare unb fonftigen $erwaltung8räumen. Sin biefen fcfi liegen ftdj 
gubörberft gu beiben ©eiten, bann nadj rüdfWärtS felbftänbtge 
glügel an, welcfjc f<$lie6licr) eine größere leergelaffene glädje im 
3nnem als lidjtfjpenbenben $>of im SSiered umgeben. Stimmt man 
ben ©auplafc beifpielöweife gu 60 m im Duabrat an, fo würbe 
ba« 3entraigebäube 18 m «reite unb 22 m £iefe erhalten, 
bie eingelnen in ben glügeln befinbtt^en $3üc§erräume würben 
bur$fdjnittli<$ etwa 10 m breit unb 5 m §odj gebaut, ü)re 
Sänge würbe bon bem jeweiligen SBebürfniS abhängen. 3ebe$ 
biefer gröfeeren Limmer würbe eine ©pegialabtetlung ber SBiblio* 
tfjcf in fic$ aufnehmen, ba8 eine bie Sitteratur ber fronen 
fünfte, ba8 anbere Diejenige ber ©efdjidjtc, ber ©eograptyie :c. (Sin 
im Innern nadj bem §of gu burdj ©la8 abgesoffener Äorribor 
würbe bie Eingänge gu ben einzelnen unter fidj burd) ' feuerfefte 
dauern getrennten Räumen toermitteln. ©alerien unb Sllloben 
fallen auf biefe Seife fort ; bie 33üct)er würben nur in Sanb* unb 
2>oppelrepofttorien, weltfe burcr)weg mit ber £anb gu erreichen 
Wären, innerhalb ber @äle aufgehellt. Seber biefer eingelnen Säle 
Würbe bon gwei (Seiten (bon aufeen unb toom $ofe $er) fiit^t 



Digitized by Google 



ttrftea Äapitel. Com »iüliotheWöcbfiubf. 45 



erfcatten unb mi£Xifct)en unb (Stülpen in ber 9laty ber <Singang8= 
t^üre ausgerottet als ©tubierjimmer für baS betreffenbe ftad? bienen, 
roobri ber mit ben ©chäfecn feiner befonberen Abteilung too^t ber* 
traute ©eamte ba$ ^ufclifum mit 9tot unb Xbat ju untcrftu^en 
t)ätte. $luf biefe Seife toaren ftiHe ©tubiergimmer gefcbaffen, ba 
ba$ gefchaftlicfce treiben fu$ niä)t im Sefefaale fclbft, fonbera auf 
bcn ÄorriborS abfpielen hnlrbe. 3>er allgemeine tfefefaat toürbe 




*iß. 7. VooU9 $lan eine« IHMfotijrteoebäube«. 



gan$ toegf allen, inbem bie ©enufcer ber ©ibliot^e! ftc$ auf bie 
©^ejialtefejimmcr, roelctye unter ftdj ©üdjer außtaufa^en tonnten, 
verteilen roürben. Wux für ©najflopäbien unb größere SRaä^lage* 
roerle bliebe ein befonberer 9toum referoiert. 2)a8 ©ebäube toürbe 
je nach ©ebarf in brei, bier unb mehr ©tocftoerfen aufzuführen fein, 
toobet neben ben $rety>cn ein Hufaug ben $ertehr nach oben 
erleichtern roürbe. 



Digitized by Google 



46 



Grftcr Seil, ©ebäube, tarnte, SWittcl. 



2)ie Vorteile einer berarttgen Einlage gegen bie bisher in 
$lmeri!a üblichen fmb unoerfennbar, gubörberft §tnft<$tttdj ber 
fteuerSgefahr. S)enn toenn ba$ gange ©ebäube, wie bteä nottoenbtger 
Seife gefebehen muß, aus feuerfeftem 9ftaterial aufgeführt toirb, bie 
einzelnen ©emächer aber unter ftä) burdj fefte SWauem gefdjieben 
fmb, fo fann ein ettoa entftehenber $3ranb, rechtzeitig bemerft, leicht 
auf ba8 betreffenbe 2ofal befebränft werben. 2)er leere Staunt ift 
auf ein SWinimum rebuäiert; ba bie (Merten, roie ermähnt, tt>cg* 
fallen, fo toerben bamit auch bie Nachteile ber Überheimng in ben 
oberen Steilen ber 23ibüothe!M befeitigt, alle föäume laffen fta) biel* 
mehr gleichmäßig unb ohne jene enormen Soften, welche bei ben 
üblichen Anlagen erforberlich fmb, ^et^ert ; ba8 herbeiholen ber 
SBücher für bie einzelnen ?efefäle bietet roeber ©chtmerigfeiten noch 
3eitr>erluft; leitete felbfi fmb befreit oon unliebfamen (Störungen. 
5löerbing8 erforbert eine berartig geplante ©ibliothefSeinricbtung 
ein gasreiches SBeamtenperfonal, toie e$ unferen europäifchen 
S3ibliothe!en in ber äftehrgabl berfagt ift, ben größeren amerifanifchen 
Slnftalten bagegen burchtoeg gu ©eboie fieht. v 

3>n Europa behauptete fief) jmar jene§ ältere ©ttftem 
gleichfalls bi§ in bie neuere 3eit ^erein. ©o ttrirb in ber 
berühmten bon£abrouftel843 — 1850 aufgeführten Söibtto- 
tt)ef ©t. ©enebietoe $u <ßari§ ber ganje Oberteil be§ ©ebäube§ 
Don einem einigen großen, burcr) t)ot)e§ ©eitenlicht erleuchteten 
©aal Don 1780 qm ©runbfläche eingenommen, ber in feinem 
mittleren £eile al§ ßefefaal für 420 Sßerfonen bient, ttmhrenb 
läng§ ber SSänbe boppelte frei ftefjenbe $3üd)ergerüfie unb 
barüber auf einer ©aterie SSanbgerüfte angeorbnet finb, 
melcrje jufammen 100 000 33anbe faffen. ©0 t)at ferner ber 
^ßarifer 5lrd)iteft Dueftel in ber neuen ftäbtifdjen Sibliotljef 
511 ©renoble ein bem herfömmlichen amerifanifd)en ©auftile 
in jeber SBe^tehung entfprechenbeS ©ebäube errietet, nur baß 
hier ber große $Bücr)erfaal in feinem mittleren leeren Zäunte 
bie ©d)ci£e be§ 3Kufeum§ $ur $u§fteßung bringt. 

©aneben t) Q t fief) jebodh neuerbing§ ein berbefferte§ , ben 
an ein SöibliothefSgebäube $u ftettenben ©runbanforberungen 
entfpredjenbereS ©rjftem mehr unb mehr Sahn gebrochen, 
roelcheS, unter $8cr5icf)t auf jebe architeftoniferje Söirfung, bei 
größter Sicherheit, SftaumerfparniS unb $u§behnung3fähtgfeit 
5ugleich bie Söebingungen leichtefter Überfichtl ich feit, Sugäng* 



Digitized by Google 



«rite« Anstel. Com »t&ttot&eWgebäube. 47 



litfjfeit unb 9?u^t>orfeit erfüllt, bog f ogenannte 2Ragaainft)ftem. 
35agfelbe ging Don bem SBritifdjen SRufeum aug unb ift bereite 
bei einer ftattlidjen Sln^af)! neuerer ©outen ouf bem kontinente 
in $nwenbung gebrockt, bie fid) burdjgefyenbg gut bewähren. 
$)ag SBefen begfelben beftefyt nad) ber toon liebemann 51 
gegebenen SBefdjreibung fur$ barin, bog bie 93üd)ergeftefle 
big auf bie lebiglidf) burdf) S3erfel)rgrütffidf)ten bebingte ©nt* 
fernung jufammengerütft werben, bie man fcon Sftitte ju 
9Q?itte auf etwa 2 m 51t bemeffen fjat. Sei biefer engen 
Stellung ber Siepofitorien werben bie an benfelben entlang 
laufenben ©aterien , welche ofjne ©ebraud) bon Seitern aüe 
gaetybretter erreichbar madjen, ju einem $mifd)en je $wei 
93üd)ergefteflen fyinlaufenben ©ang jufommenge^ogen, unb, 
um bei ben fcfjmalen Saufgängen unb ben niebrigen ©efdjoß* 
fyöfjen üon 2.i big 2.5 m jwifdjen benfelben bie ©eleudjtung 
nod) wirf fam ju modjen, bie 3wif djenböben aug ©ußeifen burd)* 
brocken fonftruiert, fo baß fie bem Sidjtburdjfatt berfjältnig* 
mäßig große Öffnungen bieten. 3Sn ben englifd)en unb 
fran^öfifdjen Lüftern fommt borauggmeife Oberlicht $ur 
$nwenbung, bod) leljrt bie ©rfafjrung, baß eg nidfjt ratfam 
ift, in biefem Salle meljr alg brei niebrige Südfjergefdfjoffe 
übereinanber anjuorbnen, wenn bie unteren JRaume nod) aug= 
reid)enbe93cleud)tung erholten f ollen. $)erartige93ef cfjränfungen 
finb nid)t erforberlicf), wenn außer bem Dberlidfyt aud) nod) 
©eitenlidjt jur Verfügung ftef)t. (£ntfpred)enb ben Saufgängen 
jmifdjen ben SüdjergefteÜen werben audE) bie breiten Kittel- 
gange, gegen welche bie teueren red)twinfelig anlaufen, in 
gleicher £öf)e mit burd)brod)enen eifernen3wifcf)enbeden Der* 
fefjen. ©ie nefjmen bie Serbinbunggtreppen auf, unb erhalten, 
Wo bog Oberlicht überwiegt, größere unbebedte unb mit 
SBrüftungggittern eingefaßteDffnungen, burd) welche reidi)tid)eg 
Oberlicht l)inburd)faüen fann; bei 2lnwenbung bon <Scitenlid)t 
finb biefe ben S3crfef)r einengenben Öffnungen entbef)rlicf). 

©08 jefeige ®e&äubc be« ©ritifcfjen 2)2ufeum$<>5 (f. giß. 8 unb 10 
fyat ®ir$Robert®mirfe jum Erbauer, roetc^er 1823—26 nocf> gemj naefi 
bem älteren ©ttfteme ben ©runbftocf errichtete, an roete^ en ft$ fpäter heitere 



Digitized by Google 



4 8 



Grftcr Zeil, ©cbfiubc, SBcamtc, SWinef. 




grftcg StapM. SJom ©iüliotljcfSflcbau&c. 49 

<&ebäulia?feiten wie ber 1 838 belogene nörbüc^e glügel anfcfyfoffen. 2>ic 
£>auptfarate be$ ®ebäube$ ift 1 4ü m lang unb mit 44 ioni fiten (Säulen 
toergiert. 2)a$ ©tebelfelb beö ^ßorticuS, bcm eine greitröppe fityrt, ift 
mit ©fulpturen 9t. 2Beftmacott8 gefajmütft. Tic großen Huäftetlungöf die 
enthalten im öftlia)en £eil bie ©renoiflesSöibliottyef unb bie Äoniglta)e 




giß. 9. ©runbrifl beS ^ritiiöjcit sWufcum* gu fionbon. 

(®eorg$ III.), im ft>eftlid?en £eile bic ttxrtoolle SIntifenfammlung (bi$ 
1882 quo) reidje naturtmffenfdjaftlia^e Sammlungen). 2)a$ ©ebäube 
umfa^loß einen großen $>of. Sil« bei bem enormen 3un>aa)fc ber ©ib(io= 
tfjef au# bie neuen föäume fid> balb al8 unjureia^enb ertoiefen, rourbe 
1854 auf ben ©orfa?lag be« bamaligcn SJorftetycrS ber «üa)er^ 

©racfcl, ©ibltot^cf sichre. 4 



Digitized by Google 



50 



örftcr Zeil, ©cbäube, Beamte, aKittel, 



fammtung, be« großen ©ibltott)e!ar« @ir STntrjonto ^aniggi unb 
nati) beffert eigener 3^ nun Ö 56 Durc § @i r €>obneo @mirfe biefer 
freie föaum gur (Srricbtung eine« großartigen £efefaale« nebft 93üd>ers 
magaginen au«genüfct, roelcr)e 1857 begoßen mürben. 2)iefe berühmte 
Sefetyatte, ba«3*ntrum be« gefamten ©ebäubefompleye«, bieS^iafcfo^ 
in einem lefen«roerten Sluffafce, meinem mir folgertbe Angaben ent* 
nehmen, befdjrieben $at, Biibet einen runben, reic$ in ©olb unb ©tau 
beforierten Äutotoelbau oon 421/2 m 2)urcbmeffer unb 32.3 m §öt)e 
unb wirb bura) Dberlidjt erleuchtet unb bur$ Puft^eijung erwärmt. 
9hinb um bie SBanb berfelben läuft ein ©ang, welker bie $ers 
binbung mit allen übrigen Letten be« SNufeum« oermittelt. Slu« ber 
unb in bie £efe$atte führen nur gwei X büren : eine (bie füblic$e), für 
ba« ^ßubltfum beftimmt, wirb toom $>aupteingange be« Sftufeutn« 
au« gerabenweg« erreicht, bie anbere (norbti$e) liegt jener gegen* 
über unb bient nur ben Beamten be« 2J?ufeum«. $on jenem 
9hmbgang aber außerhalb be« Jefefaale« führen not$ fteben »eitere 
nadj ben inneren Sofalitaten. 3n ber 2Witte ber $atle beftnben 
fi$ auf einem !ret«runben ^obium bie 2frbeit«toläfce be« bie Huffia>t 
fü^renben ©eamten unb feine« §ilf«toerfonal«. SSon biefem ^obium 
au« vermittelt ber erwähnte nörblia?e ©ang, oon beiben (Seiten 
bem ^ublthtm gegenüber abgefa?lo|fen, ben 3utritt ber ©eamten 
gu ben ©ücfcern unb 2$erwaltung«räumen. 3n gwei fongentrifdjen 
Greifen umfließen biefen nur ben Beamten gugän glichen Littels 
räum 25oppetyulte mit ben für ben ©ebraudj ber *öefuc|er beftimmten 
Äatatogen. 2)er gange weite föaum jenfeit be« gweiten fongentriföen 
Äreife« unb be« oor bemfel6en freigelaffenen ©ange« bi« gur weiten 
mit $8üa>erfdjränfen bebeeften Sanbflädje ift gu ©tfcpläfcen für ba« 
arbeitenbe ^ublifum beftimmt. 2)ie SBä'nbe ber §ade finb bi« gu 
einer §öt)e toon etn>a 11 m mit SRepofitorien unb ©üa^ern bebeeft; 
ber obere £eil batoon, etwa 40 000 SBänbe faffenb, ift bura) eine 
nur toon außen gu betretenbe ©alerie bem tefenben ^ublifum ent* 
rücft. 2)ie übrigen gum Neubau gehörigen föäume bienen meijt 
gur 2lufbetoai)rung toon $3üc$ern; nur im ©üben, auf bem SEege 
oom (Eingänge be« SKufeum« $er, beftnben ftdj ©arberobe, 2)iener= 
gimmer :c. Unter toorgüglidjer Sluönüfcung be« föaume« ift bei 
jenen, Wie oben erwähnt, gum erjten floate ba« 9Jcagaginfyftem mit 
Oberlicht in SlnWenbung gebracht. 2)ie Söeite groeier SBüa)crgerüjt= 
reit)en beträgt nad) tortüm ^ier toon äftitte gu 3)ütte 2.44 m. 
2)er $öt)cnabftanb ber ©aterien ift ebenfalls 2.44 m. 2)ie 
@tü£en unb ba« Xragegerüfi ber ©aleriefußböben ftnb toon (Sifen; 
letztere befte^en au« gußeifernen bura^broa^enen platten. ?äng« ber 
©üa^ergerüfte oerbleiben 27 cm breite ?id?tf$lifce, roeta^e ba« £id)t 
ooU naa> unten burd^fatlen laffen unb für bie $8eleud?tung ber 
unteren toon roefentlia^em (Sinfluffe ftnb. <Sa}iitM"tcingen in 27 cm 
£5t)e neben benfelben bienen gur Verhütung be« durchtreten«. 2luf 



Digitized by 



(Srftrt ÄQpitei. Com ©iMiot^cbaubc. 51 



bat Paletten fmb Heine Jofjcrne Sritte toorfrmben, bie $um Huffietgcn 
&enufct toerben, um an bic oberftat ©üa)errei$en gelangen $u tonnen. 

füti>plia)en Stile be3 SRufeum* imtrbe 1882— 1884 ein neuer 
ftlügel angebaut, beffen Äoftat au8 einem $ermad)tni|je SiÜiam 
SfyitcG (au$ bem 3a$rc 1823) Sefiritten nmrbenw. 2)erfelbc enthält 
im (£rbgefa)o& einen Seil ber SWanuffripte, bie 3^^ un d^f anim ^ un d 
unb einen ?efefaal für 3 cw ungen; * n ben Doergefdjoffen einen Seit 
ber ara)3ologtfa)en Sammlung unb 9tu6ßeÜung3räume für ©emalbe. 

S>ie {Einrichtung ber neuen 93ücf)erräume im früheren £ofe 
be§ 93ritifd)en SfufeumS mürbe für bic ©ibliotfjefgbaufunft 
epochemachend £a8felbc fjat aunächft f ür ben burd) ßabroufte 
ausgeführten SrmeiterungSbau ber Bibliotheque nationale 
in $ariS al§ SJorbilb gebient r mobei ein gemiffer mit ben 
Sonboner {Einrichtungen noch berbunbener Sßlafcaufmanb 
glüeflich bermieben mürbe. SRadj biefem ^arifer SWufter ftnb 
bann nicht nur in granfreid) ©ibliotbefen mehrfach erbaut 
unb eingerichtet morben, fonbem aud), unb ^mar in unmittel* 
barer Nachahmung, in S)eutfchlanb, mo man ba8 SKaga^in* 
ftjftem barum häufig fur$meg alk ba§ fran^öfiferje bezeichnet hat. 
SDHt größeren ober geringeren Slbmeichungen im einzelnen 
jeigen in Spanien bie Sßationalbibl iothef ju äRabrib, in £oflanb 
bie Sibliothefen juSlrnfterbam unb Serjben, in Schieben bic 
Königliche ©ibliotljef $u ©toefholm, in Öfterreich*Ungarn bic 
bon greih- b. gerftel erbaute ÜntberfttätSbibliothet ju SBien 
unb biejenige 51t 93ubapeft, in S)eutfd)lanb bic ©roßheraoglicf)e 
$of- unb Sanbe§btbliothcf $u Karlsruhe, bic Uniberfttätg* 
bibliothefen juSlofiocf, £alle, ©reifämalb, Siel fomie cnblich 
bic neue Königliche SJibliothef 5U (Stuttgart unb anbere ba§ 
^agajinf t)ftem , ba§ auch bei ben ©rmeiterunggbauten ber« 
fehiebener älterer »ibliothefen mie Trüffel, ©öttingen mit 
SSortcil jur ©eltung gefommen ift. 2lu§ ber, mie man fteht, 
großen ^In^af)! berartig eingerichteter SibliothefSanlagen 5<J 
möge pnädjft, um ba3 SBcfen be§ SERagajintyftemS im einzelnen 
noch metter Kar $u legen, ba§ burch bon Siebemann 60 1 8 7 8 bis 
1880 bireft nach fran^öfifchem SKufter neu erbaute ^aHifche 
SBibtiothefögebäube, meines fich nach jeber Dichtung hin bor* 
5üglich bemährt t)at unb baher Sötbliotrjefen ähnlicher ©röfce 

4« 



Digitized by Google 



52 



(Srftcr Zeit. ®c&äube, Seamte, 2Rittel. 



bei etroaigen Neubauten in bielfadjer SSeaietjung afö Sorbilb 
ju bienen geeignet ift, in einem SfaSjuge au§ ber genauen 




54 (grftec Zeil, ©eböube, Seamtc, SRMel. 



Lesesaal. 




Digitized by Google 




Digitized by Google 



Crftcr Zeil. ®ebäube, 33camtc. TOMel. 




Digitized by Google 



Grfie« ffnpitcl. «om »ibUotf^Wflebäubc. 



57 




Digitized by Google 



58 



Giftet Xeü. ©cbaube, Eeamte, «Wittel. 



2)a« toon einem eingef rieb igten unb mit ®artcnanlagen toerf ebenen 
^lafce umgebene ©ebäube (Jig. 10) ift, fo berietet o X. (3eitfdjr. 
f. Söautoefen) mit ber PängSachfc toon Seften naefi Dften, parallel 
gur 2öiU)elmftra6e, gelegt; ber 3 u 8 an fl beftnbet fic$ an ber furgeu 
SScftfeite, ber griebridjfhafee. 2)ie Entfernung toon ber ©aufluvt* 
linie biefer legieren beträgt 5.5 m, toon Derjenigen ber 2Bilr)elm* 
ftrafee 26 m. E« mar babei bie 9tüdfi$t mafegebenb, bafj bem 
©ebaube na$ ber Oftfcttc eine Erroeiterung«fcihigfeit geführt, im 
übrigen aber ba«felbe gur SBerminberung ber fteuer«gefahr möglicbft 
toeit toon allen 9fa#bargebäuben entfernt gehalten werben rnüffe. 
E« enthalt ein Erbgefa)o6 unb brei ©toeftoerfe, toon benen bie 
betben oberften gang, ba« Erbgefa^ofe unb ba$ etfte (Stottmert je gu 
V3 toon ben ©ücf?erfälen eingenommen merben. (Sin Äorribor führt 
toon bem an ber Sßeftfeite belegenen Eingange nadj ber bie SDtittc 
be« $aufe« einne^menben £reppe. ?in!« toom Äorribor liegt im 
Erbgefdjoß (gig. 11) bie $3ibliott>ef ber 2)eutfa)en SRorgenlanbifdjen 
©efeUftfaft, ba« fogenannte ^aefgimmer unb bie toon s $onicfaufd}e 
Sötbliothef, gur redeten (Seite bie SBobnung be« $au«iöarte«, ba« 
3immer für Äupferroerf e unb ba« §anbf a)rif tengimmer. 2)a« erfte @tocf = 
merf (gtfl. 12) enthalt ben £efefaal, ba« 2)ogenten;2(rbeit«ummer 
unb bie $Bertt>altung«6ureau«, bie fta) ring« um ba« mit Dberlicbt 
erleuchtete fcreppenhau« gruppieren. 3ur Ergielung einer toott* 
tommenen Kontrolle ift ba« 93ücberau«gabegimmer fo angeorbnet, 
bafe man beim ©erlaffen be« Sefefaale« ba«fe(6e burdjfdjreiten mufj. 
Slufjer ber ermähnten Haupttreppe mürbe in ber füoöftlidjen ©ebä'ube* 
ecte eine Keine fteinerne $ilf«treppe angeorbnet, um bei etmaigen 
$lu«befferungen ben S^crfc^r ber ©anbroerfer aufzunehmen ober bei 
eintretenber geuer«gefar)r al« gmeiter 2lu«gang gu bienen. 2)iefetbe 
fteht burdj eiferne i&üren mit fämtlidjen (Sälen in 3$er6inbung. 
3um 5Serfcr)r innerhalb ber SBüdjerräume felbft rourben in ben 
beiben oberen (Stocfroerten groei (in je groei §älften geteilte) eiferne 
£reppen, in ben unteren ©efd&offen beren eine, frei in bem breiten 
SDüttetgange auffteigenb, ausgeführt. Eine Unterfellerung beS 
©ebäube« ^at nur inforoeit ftattgef unben , at« fie 3ur Slnlage ber 
3entralbeigung unentbebrli^ mar. 3m übrigen tourbe gur 
Erreidumg einer tooHfommeneren 3iolierung aua? unter bem nicht 
unterteüerten ©ebäubeteit al« (Schüfe gegen Reucbtigfeit ein §ohl* 
räum toon hü cm Jpb'be angelegt, für beffen tväfttge Lüftung bureb 
eine groeefentfpreebenbe 2lnorbnung ber Neigung Sorge getragen rotrb. 

Söetm 3lu«bau be« ©ebäube« ging man toon bem ©runbfafce 
au«, nur unoeibrennlirt)e ©auftoffe 3m* Slnroenbuug gu bringen. 
2)ie 2lufgang«treppe im Äorribor ift au« ©ranitftufen $ergeftellt, 
biejenigen in ben 33üa>eit\iumen befielen, lote ermähnt, au« ©ufjs 
eifen 61 . 2)ie ©efcbofebecfen ftnb jamtUcb in 3i*gelfteintt)öl6ungen 
^rotfehen eifernen Prägern aufgeführt unb im 2lu«lethegimmer unb 



Digitized by 



(Srftc« «opttcl. «om ©ibIlot$er$ ö cbäubc. 59 



Sefefaal mit Äreuageroölben überfpannt, um bie barÜDcr licgenben 
(Sifenfonftruftionen mit tyren SBÖlbungen ju toerbetten. 3n ben 
SBüctyerräumen $abcn nur (5rbgefa)oß mib gtociteS ©tocfioerl (tyier 
als gcroölbtc SDetfe beS erfreu fetocfgi fcfk gufeböbcn erhalten, bie 
übrigen fmb bunfcbnxbcn fonftruiert. öS roaren nun für jene 
beiboi Cbcnai Untcrftüfcungcn ju fc^affen. 2)a bic erftere un* 
mittelbar über bem 80 cm $oben £ofylraum liegt, fo unterlag eS 
feinem ©ebenfen, bott je naa) ©ebürfnis Heine Pfeiler aufjumauern, 

Ü6er h>ela)e getoatste Je Präger geftreeft tourben, jtoifa^en benen man 

Äappengctoölbe eimoölbte. ©djtoieriger roar bic £>erftellung eine« 
tragfätytgcn Unterbaues für bie Jöüc^ergefteHe ber beiben oberen Stock 
roerte, roeil man bort bie Saften auf bie nur in ben SlcbSfcunften 
fte^enben (Säulen unb bura) biefe weiter auf ben ©augrunb ju 
übertragen tyatte. §ier roirb iebeS ©cftctl bura) groct naa) ber 
£iefc beS $aufeS liegenbe Präger, beren Slbftanb oon einanber 
ü.7om beträgt, getragen. 2)ie Sluflagerbrucfe btefer 9tepofitoricn= 
trager roerben bura? bie na$ ber Sänge beS $aufeS ocrlcgten 
^auptträger auf bie ©äulen übertragen. $iefc bic 2>ecfen tragenben 
©tüfcen mußten in frei ftefyenber $ö£e oon 9.* m no$ bie nötige 
ÄnicfungSfeftigfeit erpalten, ©ie ftnb al« fcotyle gußeiferne ©äulen 
oon 2 cm Sanbftärfe fonftruiert unb befielen aus je atoei fcfk 
oerbunbenen ©tücfen übercinanber. 

SebeS ©toefroerf ift in ben $Büa?erräumen bura> leiste guß= 
eiferne 3n>tf$cnbecten (gig. 13) nochmals geteilt, roeldpe oon ben 
bura) groei ©ebäubeftoefroerfe ober oier $3üa?ergef$offe in einer 
©efamtfjöfc oon 9.2 m $inbur$reia?enben työljerncn ©übergefallen 
getragen »erben. 35ie erforberlia)c ©tanbfeftigfeit §aben biefe 
baburdj erhalten, baß bie ©äulen, roeldje bic 2)ccfen tragen, ooU= 
lommen barin eingebaut mürben, ©oroeit bic in $B$cn oon 2.3 m 
übercinanber roieberfetyrenben burc$broa)enen gußetfernen 3 ro iW ens 
beefen nidjt oon ben ©eftcüen getragen roerben, alfo in ben 4.2 m 
breiten SRittelgängen aller $3üa)ergefa)offe, ift nodj eine ©alfenlage 
aus Söaljeifcn eingefügt. 2)ie ©alten finb mit ben oon ©äule $u 
©äule gefpannten SängSbalfen oerfetyraubt unb tragen Keine J.*(5ifen, 
meiere ben burajbroajenen gußetfernen platten ein fta)ere$, unoer* 
fa>iebbareS Sluflager gehören. 3roecf ber 3roifa)enbecfen ift, rote 
aus früher ©efagtem er&eUt, bic ©üajergeftetle oljne Slmoenbung 
oon Seitern überall jugänglia) ju mannen. 2)amit trofc ber niebrigen 
<$efa>ßt;ö£en bie Beleuchtung aueb bei größerer ©ebäubetiefe noa> 
ausreiße, namentlia) um audj Dbcrlia^t noa> in tiefer gelegenen 
©toefroerfen roirffam gu machen, rnüffen bie gußböben burcfcbiodjen 
fein (gig. 14). Ääntc allein £)berlm)t jur Slmocnbung, fo roäre 
bic gorm ber 2)ura?brea)ungen giemlia^ nebenfäa^lia). ©ollte aber, 
toic §ier, ©citenlia^t bura) bic Öffnungen fallen, fo mußten bic= 



Digitized by Google 



60 



(Jrftcr Seil, ©ebehtte, Beamte, Littel 



felben roftarttg gefcrjlvtjt fein unb bie @ä)lit$e parallel gum Sfc§t* 
cinfall liegen, SDiefe föicrjtung fällt gufammen mit berjenigen ber 
(Sänge groifdjen ben ©eftellen, roeldje folgenbermaßen Jonftruiert 
finb. (58 finb öon einem (Seftell gum anbern leiste gormeifen 
»erlegt unb befefligt. SSon einem (Stfen 3um anbern nnb in bie 
galge berfel6en genau t)tnein£affenb finb bie quabratifct)en ©ufc 
platten lofe aufgelegt. @ie liegen bura) t$rc eigene ©ct)roere feft 
genug, um toor $erfct)iebungen geftrfjert gu fein. 3)ie ©reite ber 
einzelnen platte beträgt I.03 in, i$re SMcfe 3 ern, it)rc ©ajroere 86.0 kg. 
2)ie einzelnen ©täbe berfel6en ftnb 2 cm breit, ber ©a^lit) groifajen 
ben einzelnen 3 cm. 3n ber äftitte ftnb bie einzelnen ©täbe noä> 
mal$ bura> einen Duerfteg oerbunben. äftit biefen 9?ormalplatten 
ftnb faft bie gefamten gußboben einfä)ließlia> ber SWittelgänge belegt 
roorben. £äng8 ber SBüdjergeftette ftnb I8.5 cm breite ©treifen offen= 
gelaffen, um ba8 Oberlicht beffer burd^fallen gu laffen, eine naa> 
auSlänbifdjen SSorbilbern getroffene 5$orfct)rung , bie ftcr) t)ier faft 
als überflüfftg berauögefteüt bat, ba bie gat)lreiäyn genfter über* 
reicr)e8 ©eitenlicr)t geben. 2Beitmafa)ige 2!rat)tgeflect)te toert)inbern 
ba$ 2)urajfaHen ber SBüdjer an biefen ©teilen. (Sifeme ©ct)ufc= 
ftangen bienen beim $>erabt)olen ber 23üa?er au8 ben oberften 
gäd)em gugleia) al8 dritte. (Sin ©ü\t)eraufgug erleichtert ben 
£ran8port ber $3üct)er au8 unb nact; ben oberen ©toefroerfen. 

3)a8 XreWent)au« roirb buraj Dberlidjt erleud?tet, roela>8 buret) 
begehbare, in einem eifernen (Sitter oon ^oa^fantig gestellten glaaV 
eifen mit 30 cm SHafa^enmeite liegenbe ©la8platten, beren geringfte 
©tärfe in ben Äerben no$ 2.5 cm beträgt, t)inburct)fällt. 2)a8 
©ebäube befifct ©a8beleuä?tung für glur unb £rer)pent)au8, Saffer* 
leitung unb einen ^Blitzableiter, weiter bie (5igentümlict)fcit bietet, 
baß unter ooUftänbigem 2$ergict)t auf äußere Ableitungen bie (Sifen= 
fonftruftionen felbft gur Ableitung ber ®lu>fd?täge benu^t ftnb 62. 

heften £atte möge ferner alä größerer S^oga^inbau bic 
prad)tDotle neue Stuttgarter 8}iMiotl)ef t)icr eine ©teile 
finben. 

SMefelbe rourbe, roie roir ber ©efa?reibung eine« it)rer ©iblio* 
tt)e!are, ?rof. Dr. ©a? ott 63, entnehmen, nact) ben Plänen be8 Ober* 
bauratS oon £anbauer 1878 im 53au begonnen unb im ©ommer 
1883 begogen. 2)ie fcon ben ©tänben bereinigten reia^lia^en 
Littel — e8 rourben 2106 048 ättart für bie Ausführung 
beftimmt — ermöglidjten e8, einen SWonumentalbau t)erguftellen, 
rocldjer ber fa>roäbifdjen §auptftabt gu t)or)er 3ierbe gereicht. 2>cr 
große SBaugrunb unmittelbar innrer bem alten (Sebäube (bem bon 
Äönig griebridj L erbauten 3m>alibent)aufe in ber fteefarftraße, 
roorin bie ©ammlung feit 1820 untergebraa?t n>ar, roät)renb bie* 
felbe oorbem feit it)rer 1776 erfolgten liberftebelung bon £ubroigg= 



Digitized by Google 



ttrftcS Rapitcl. Com »ibliotfcfagcbditbc. 6 1 




fcurg nadj (Stuttgart in bcm alten „§errcntyaufe" auf bcm ÜJiarlt= 
Jrtafce eine Unterfunft gefunben tyatte) bot föaum genug für ein 
efcenfo breite« als r/o$e$ 2Haffiö, n>ela)e$ bura) feine rteftgen Seiten* 



Digitized by Google 



62 



Cfrfler Xt\t. ©ebaubc, SBcamt«, «Wittel. 



fenfter, toerbunben mit bem ba8 £acr) frönenben Oberlicht, eine $ette 
erhält, tote fic fetten eine ©ibliothef beftfct, roelcr)e$ femer buret) 
feine $bgefcr)loffenheit toon anberen Käufern unb buret) bie Trennung 
be$ SBetroaltungögebäubeS toon ber ©ücheTfammlung, eine (Sinrichtung, 
welche un« ^ier gum erften 2Me begegnet, bie größtmöglich fte 
Sicherheit gegen geuer gewährt. (Sttoa« gurüctgenommen t>on ber 
ftectarjtraße ftreeft ftch ber große ©au in einer Sänge toon 97.go m, 
ein mächtige« Dblongum mit gtoet toorfpringenben SttoantcorpS nnb 
einem bebeutenben 9Wittelrifalit; 28.65 m ift bie größte £iefe, 
roäbrenb bie #ör)e bis gum ÄranggeftmS 25 m beträgt. SEBirfungS* 
t>oH hebt ftet) ber rote Sanbftein, toelct/er in riefigen Ouabern 31t 
Souterrain unb parterre toerroenbet tourbe, toon bem feintornigen 
gelblich weißen ab, aus roeld)em ba8 #au£tfrocfrüert befteht; bie 
gefuppelten Säulen in ben §auptcor£8, bie ^ßitaftcr auf ben «Seiten 
geben bem toielfenfterigen ©ebaube, ba$ in feiner Sftaffe tmpofant 
roirft, ein freunblict)e8 STuöfe^en, (Sine maffitoe Attila frönt ben 
Mittelbau unb $ebt it)n h<>$ empor über bie urnftetjenben Käufer, 
greunbliche Anlagen umgeben biefen Xtmptl ber Siffenfäjaft unb 
fchüfcen ihn toor bem Särm unb ©taub ber (Straße. 

Unternehmen mir einen ©ang in ba$ Snnere, fo gelangen mir, 
toorbei an bem Souterrain, in beffen toeitläufigen ©eiuötben bie 
17 000 flatafterßeine Württemberg« in langen Deihen ihre Sluf* 
ftellung gefunben $aben, too fogar noct) genügenber Daum ift für 
baS £apibarium, bie ^oa^intereffante Sammlung ber in Württemberg 
gefunbenen Stetnbenfmale ber Dömergeit, toorbei an ben $otyen 
^arterrefälen, in roelchcn für bie königliche Äunfts unb Slltertümers 
Sammlung eine toürbtge Stätte bereitet ift, toorbei an bem SKittetbau 
be8 ^auptgefcboffeS, in eine ber beiben TOcberballen, meiere ben nörb« 
liefen unb füblidjen glüget in feiner gangen 2ht$bet)nung einnehmen. 
Diefengroß breitet ftch ber ungeheure Daum nact) allen Dichtungen 
au8; in toter Stocfroerfen über einanber bauen ftd) bie (Souliffcn 
(Stänber) auf, nur mit fo toiel ©Obenraum neben ftet), als gum 
©anteln nötig ift. Sie ftnb 2.2 m t)oct>, fo baß eS mit §ilfe beS 
eifernen gußtritteS, roelct)er längs berfelben läuft, auet) einem SWann 
mittlerer (Sröße möglich ift, auf bem oberften ©rett baS getoünfebte 
Such gu erreichen. (Sine fefte, aber gierliche (Sifenfonftruttion bilbet 
baS (Gerippe beS ©angen, zahlreiche treppen in ber äftitte unb in 
ben (Selen erleichtern bie fct)nct(c ©erbinbung. 2)ie (Souliffen laufen 
rechtroinfelig auf bie genfter gu, fo baß baS Sicht auf bie $itel 
ber ©ücher fällt; 20 große unb 13 fleine gät)lt jebeS Stocfroert, 
bie erfteren 6, bie Weinen 31/2 m lang. 2)ie beiben fallen roerben 
ben 3 uroa£ &$ 40—50 fahren aufnehmen tonnen; im gangen 
ftnb nämlich ohne ben 2>achraum 6939 Ouabratmeter Daum toer* 
fügbar. Sine ftarle eiferne £r)üre trennt bie Sammlung toon bem 
33erroaltung$gebäube, welches unmittelbar hinter ber erfteren liegt, 



Digitized by Google 



«rfte* «optici. Com Stbliot&cWgcbäubc 



63 



ber toerbinbenbe breite 93ogen ift bun$ bie (Srpebttion für ba« 
(5ntleit)en naa) §aufe in ©efa^lag genommen; bie Ärbeit«$immer 
ber ©ibltothctare , ber Äatalogfaal , ber reict) ausgestattete Üefefaal 
mit bem nebenanliegen ben 3 e ^ f "faal nehmen ben übrigen 9?aum 
ein. 2)er Pefefaal bietet an brei langen, grün belogenen tafeln 
38 ©ir^lofce, ber 3eid>enfaal 19. parterre unb Souterrain nehmen 
bie Sofcnung be« Dberbibliotr)efar«, SCrbcttöIofatc be« litr)ogra*>hifa>n 
söureau« unb 2)icnem>ohnungen ein; bie bequeme Xxtppt mit 
faffettierten unb buref) 9*ofetten oerjierten SBäncen enbet oben in 
eine roeite, t)or)e, toon toter roten 2ftarmorfäulen getragene, mit einer 
5ü?armorbaluftrabc oerfebene unb mit Cbeilidjt ert)eOte £aHe unb 
bilbet auf biefe ©eifc ba« Qlantf üc! be« roirrtta) frönen ©ebäube«. 

Deg roeiteren bürfte e§ für ben Sefet toon Sntereffe fein, 

mmmefjr and) bo3 ^um grfafc ber üben gefd)ilberten alten 

SMfenbütteler SMbliotljef tjergeftellte neue ®ebäube' >4 nad) 

ber für unfere Qmde Verfaßten 33cfd)reiuung it)rc§ gegen- 

ttmrtigen Setter^, be3 £errn OberbibliotljefarS bon $eine* 

mann, fennen $u lernen. 

Xk in ben 3ar)ren 1S&2 bi« 1886 nacr) ben planen be« Ärei«* 
bauinfpeftor« #arl SRüHer unb be« ©aumeifter« ©uftao ©obnfacf 
erbaute neue herzogliche $3ibliotr)ef ju SBolfenbüttel bilbet ein 
53.50 in lange« unb in feinem Jpauptförper 34.cg m tiefe« ©ebäube, 
roeIcr)e« toon einem 1 3.50 m breiten, naa) beiben Seiten fräftig toor= 
fpringenben Mittelbau burdjfefct roirb unb jroei ?ia>tböfe toon 
12 m Sänge unb 8 m ©rette umfa^lte&t. 2)a« ©ebä'ube ift im 
©efcr)macf ber italienifdjen Stenaiffance in Ouabern aufgeführt, 
rooju bei bem Unterbau 2)olomit, bei bem Oberbau aber gelblidber 
$angel«heimer Sanbftcin toerroenbet roorben ift, roä^renb bie bie 
genfter einfaffenben Säulen ber SBorberfront au« rotem 2Kain* 
fanbftein hergeftellt |inb. 2>a« tufeere be« ©cbäube« mit feiner 
SU bem $aupteingange hinaufführenden breiten greitreppe, auf 
beren Söangen in (Sifengufe auggeführte liegenbe ?oroen ruhen, mit 
feinen hohen 33ogenfenftem unb feinem übrigen reiben arcr>iteftontfct)en 
Samuel ma$t einen ebenfo großartigen roie leisten unb anmutigen 
(Sinbrud. Über bem G&efimS be« Mittelbaues lie«t man in Oer* 
golbeter Äapitalfajrift: Bibliotheca Augusta, bie amtlia^e ©ejeia> 
nung, roela)e bie 93ü$erfammlung in ber altern 3*\t ihre« 33efter)en« 
führte, unb auf ben beiben rea)t« unb linf« batoon jroifa^en ben 
ba« ©eftmfe tragenben Säulen angebraten 93otitotafeln einerfeit«: 
Condita a. D. Augusto Domus Brunswico-Luneburgensis 
Lineae Senioris Satore, anberfeit«: Aediflcata a. D. Guillielmo 
Domus Brunswico-Luneburgensis Lineae Senioris Vltimo 
#a ber ©lieberung be« 3nnern hat man fta) in pietätSfcoHem 



Digitized by Google 



64 ©rftcr XclI. ©ebäube, ©cantte, bitter. 



(ginne im allgemeinen bem ©runtylane ber älteren, jefct toer* 
fa^nmnbenen 23i6liot$et t^unlia^ft angef Stoffen, b. man tyat einen 




3entrat6au ^ergeftellt, beffen §aiU)traum ber $errlid)e, bnrdj jtoei 
©efa^offe emporfteigenbe SJJittelfaal mit feinen ba$ gefa^macfooll 
gemalte Tonnengewölbe tragenben toter ÜDiarmorfaulempaaren, feiner 



Digitized by Google 



Grftc« flopltel. «om 93tbIiot^f« 9 cbäubf. 



G5 



ringö umhetfaufenben toergolbeten (Materie unb feiner- in baS Ober* 
gefchoj} hinaufführenden , im $intergrunbe liegenden ^raebttreppe 
bilbet. &n jeber ?angfeite biefeS ©aaleS befinbet fieb ein mächtige«, 
je auf einen ber £icbtbofe hinauSgcbenbeS Jvenftcr mit einer Annette 
auf jeber ©eite beSfelben, in benen Kopien ber berühmten ©über 
Stoff aeW, bie 2>icbtfunft, ©otteSgelabrtheit, 9Jcc^töroiffcnfc^aft unb 
SeltmeiSheit barftedenb, als ber Hauptrepräfentanten ber hier toer= 
mährten litterarifchen ©cbäfce angebracht fmb. Um biefen SDttttelfaal 
legt (ich bie im roefentlicben nach bem fran$6fifc$en 2}toga3inierungS= 
fpfteme geftaltete eigentliche 33t6tiotl;ef berart herum, bafe fte ihn 
toöttig umfchlie&t, roaS eine leichte unb bequeme 3uflänglichfeit aller 
Xcile ber öibliothef cnnÖglicht. 3)iefe eigentlichen ©ücherräume fmb 
3ir»ar einfach aber boeb mürbig unb mit etwa« mehr ÄuSgiebigfeit 
unb gormenfebönheit geftaltet, als eS jencö ©oftem in feiner ftrengen 
Durchführung mit fich bringt. Namentlich ift — auch in ©ejug 
auf bie ©iräerung gegen geuerSgefabr — h^^orjuheben , bafe bie 
burch6rochenen (Stfenböben nicht burch beibe ©efchoffe htnburchgehen, 
fonbern ein jebcS ber lefcteren toon bem anbern burch eine feuerfeft 
cingemölbte 2)ecfe getrennt ift. Slufeer ben bereite ermähnten 
Baumen ift auf baS feböne, ftifootl auSgcftoltete Ü>eftibül bm}u= 
toeifen, in beffen üflittc baS alte, t>on 2)011 ausgeführte ?effing= 
benfmal, baS erfte, mclcheS bem großen 2)enfer unb Dichter gefegt 
morben ift, in feiner urfprünglicben ftorm Stufftcllung gefunben 
bat. Rechts unb linfs toon bem 5$efiibul liegen bie ?(rbeits$immer 
für bie SBeamten unb ©enuber ber 53ibliotbef, lintS bie ftegtftratur, 
U)o bie ©üdjer entliehen merben, unb baS 3imm« beS £)ber= 
bibliothefarS, lefctercS in reicher, fchöner Holztäfelung ausgeführt; 
rechte ber geräumige SlrbeitS- unb Sefefaal für biejenigen, »eiche 
bie SBibliotbcf an Ort unb ©teile benutzen motten. $on ben 
übrigen ©onberräumen, melche fämtlich burch in ber Sanb laufenbe 
eiferne Spüren bti ctma ausbrechendem geuer ab^ufperren finb, 
mögen noch ermähnt merben bie betben ©äle neben ber Haupttreppe, 
t>on benen ber eine bie gefamte $anbfchriftcnfammlung, ber anbere 
aber bie in ihrer 9lrt faum minber bebeutenbe ©ibelfammlung 
enthält, ferner im Obergefcbofe groei rei3enb mit §auSrat aus ber 
3eit beS (Smpire ausgestattete 3immer mit ©chränfen jur 2luf- 
bemahrung gan3 befonberer (Simelien ober (Si^elfammlungen , mie 
ber ^ergamentbruefe, ©eiben* unb SltlaSbrucfe, ber älteren Stamm* 
bücher u. f. h>., enblich ber über bem 3$eftibüt liegenbe tunftfaal, 
welcher, mit ben ©ilbniffen ber ^ergöge t>on ©raunfehmeig toon 
Heinrich .,b. 3. bis auf tfarl Silbclm gerbinanb unb mit 3toei 
frönen Ölbilbern ber alten ©ibliothef gcfchmücft, gur Hufbemahrung 
ber (Sammlungen toon $anbgeichnungen, alten £>ol$fchnitten, &upfer= 
ftichen, Porträts u. f. m. beftimmt ift. 2)aS gange ®cbäube, bei 
Welchem in erfter SWei^c auf bie möglicbft erreichbare ©ia?erung gegen 

©roefcl, *3ibUot&eNJ(ct)rc. 



Digitized by Google 



66 



ßrftcr Zt\U ©ebäubc, ©eamte, aWittct. 



geuerögefahr, fobann auf einen bequemen, ben praftifchen Sli^ 
forberungen ber Se^t^eit entfprechenben 2)ienft unb enblich auch 
auf eine fchöne, ben Söert unb bie Sebeutung ber Ijier in Betracht 
fommenben §errlia>en SBücherfammlung jur 3(nfajauung bringenbe 
äußere 2)arfieflung toofle SRücfftd^t genommen ift, gereift foroobl 
ber Regierung unb ben ?anbftänben, roeldje bie beträch tlidjen Sofien 
$u bem Neubau (runb 730 000 2ftarf) anßanbloö toerroifligt haben, 
roie auch ben au8fül>renben Sirchingen 3U ^o^er ß^re. 

2£ir fließen biefen $lbfcf)nitt, inbem mir nod) über ba§ 
im Sau begriffene neue Seip^iger 53ibIiot^ef§gebäube einige 
©emerfungen anfügen, meiere mir ber ©üte be§ leitenben 
2lrd)iteften, §errn 8lrmeb Sßofcbad) in Seipjig, öerbanfen. 

35aö ^rojeft 31t beregtem Neubau, beffen $oHenbung 1S91 
erfolgen bürfte, rourbe auf bem SBege be8 öffentlichen Settbemerbc« 
unter ben beutfehen Sfrc^iteften im 3at)re 1885 gewonnen, bei 
meinem bem eben ©enannten ber erfle $rei$ jufiel. 2)ie ©efamU 
bispofition biefeS 33ibliothef8gebäube8 unterfcheibet fidj toon ben in 
ben legten 3ahr3er)nten aufgeführten bauten im roefentlichen 
baburch, bafe f)kx bie 33üd?er — im ©egenfafc 3U ben jenen eigen* 
tümlichen J)o$en Räumen mit 3ar)lreichen burdj> eiferne burdj&roa)ene 
3toifa?enbecfen hergefteüten ©efcr)offen — in boppelfeitig beleuchteten 
niebrigen SDMga^infälen aufgeftapelt roerben. 

Xiefc (Säte finb 3 m hoch unb IO.75 m breit, il>rc mafftoen 
Herfen noerben oon 3toct Leihen 2 m roeit aufeinanberftehenber 
eiferner (Säulen getragen; bie Eangroänbe finb burd) gro&e oom 
gu&boben biö jur £ecfe reia^enbe genfteröffnungen Durchbrochen. 
3e auf ber Sücittc ber genfter unb ber äftauerpfeiler jroifa^en biefen 
ftet)t ein boppelfeitig befteflteö ^Bücherregal, burd) baö parallel $u 
i^nen einfallenbe 2ict)t toollfommen unb gleichmäßig beleuchtet. 2>er 
(Sang groifchen ben jroei (Säulenreihen burch3iet)t ba8 ganje SJcagagin 
unb lä|t ben leichten unb bireften $erfchr au$ ben ©äffen jroifa)en 
ben ^Bücherregalen nach ben treppen unb Slufjügen 3U. 2)ie 93üa)ers 
regafe roerben auch tytx nur fo hoch angeorbnet, bafj man ohne 
fich eine« £ritte8 ober einer ?citer ju bebienen bie oberfte $Bücr)er= 
reihe bequem erlangen fann. (Siferne treppen unb 23itcherauf3Üge 
vermitteln ben SSerfe^r innerhalb ber ^agagine. 5118 roichtigeS 
Moment biefeS fax aufgeführten ^agaunfoftemeS fiellt fia> ber 
burch bie getroffene 2)i$pofition ermöglichte Slbfchlufj gegen geuer 
unb anbere ©efahren bar, inbem jeber ©ebäubeteil als befonberef 
GEompartemcnt gegen ben anbern mittels feuerficherer Spüren 
abgefchloffen roerben fann. Sluch bringt hier nicht, roie bei ben 
burch föofte gebildeten 3^oif^enbccfcn, ber ©taub unb (Schmur^ von 



Digitized by Google 




Digitized by Google 



68 



(hitcr Xcit. ©cbäitbe, «eamte, «Wittel. 



£>er leitenbe (Sebante toar, bte 5lrfceit in ü^aga^men, 
pebitton, äatalogfaal unb $ern>aitung8räumen, baö §erfceif Raffen 



f. 

•ss 

♦ 

s 

& 

S 
? 



o 








Q-i 




• 







I 






unb SBegftctten ber SBüdjer fo gefdje&en ju taffen, baß bic öffent= 
liefen Zäunte, n>te Sefefäle, Sorribore, Treppenhaus u. f. it> , öofls 
fommen toon biefem internen $erfef;r unberührt bleiben. 2)te in 



Digitized by Google 



Qx\m Äopftcf. 93om 93fMtoÜ)cr*Qe6äubc. 69 

gig. IS gegebene fc§ematifc$c £arftcUung möge bie (Srunbrifj* 
btöpofttion erläutern. 

2)a8 §auptgebäube ber ©efamtanlage a umfafet in feinem 
§au})tgefc$o6 ben Äatalogfaal mit anftofeenben $croaltung$räumen, 
ben Sefefaal für bie «ßrofefforen , ferner <§äle für §anbfcf>riften, 
harten u. f. n>. 3m (£rbgefa?o& befinben fta? t;tcr neben bem 
£aiu;teingang Segnungen für Beamte. 

2In biefeö §au£tgebaube fügen fia> nadj ber £iefe 3U Littels (l>) 
unb glügetbauten (c) an, bie, bura) einen Hinteren Ouerbau (d) 
toerbunben, jtoet große §öfe umfcfyließen. 3m Mittelbau befinbet 
fta) ba$ ire£pen§au8 (e) unb barem anfto&enb ber große £efe= 
faal (f)> t>en ber Wintere Ouerbau mit feinen s J)tagaunen umgießt; 
babura^ ift ber ,3ufammenfKtng ber linfös unb redjtöfeiiigen 9Jcaga3inc 
$ergefteüt. 2>cr Jefefaai §at feittic&eö £ic$t unb Oberlicht. 3>aö 
2fiagaungebäube — atfo bie (Seitenflügel unb Ouerbauten — §at 
fünf (Sefdjoffe ju je 3 m §ö$e. 

2) er gurjeit gefa?affene föaum tjt für 800000 SBänbe beregnet, 
bura? eine etroaS intenftoere 2(u$nufcung ber 2fiagajinbö&e inbem 
man bie Ofcaafe um eine ©üctycrreitje crl;i5^tc, roürbc mit ?cidjtigfeit 
für eine Million SBä'nbe 9faum ju fa^affen fein; botf) ift auefy auf 
nodj Weitere 2>erme§rung ber Sammlung infofern föücfftcbt genommen, 
al$ bie glügelbauten in ber nebenftetycnb punftierten Seife fortgefefct 
toerben tonnen, o$ne bie getroffene 2)i$pofition irgenbtoie gu 
beeinträchtigen. 

3) ie fämtlidjen 2ftagaun*, @>tubier= unb SSerroattungSräume 
toerben buref) eine 2>amjpf(ufü)eiumg ernannt, jeboa) fo, bafe 
roeber 2>amjpf noa) SBaffer, fonbern nur erroärmte 2uft in bie 
9?äume geleitet roirb. 

2)ie Soften beS SöaueS roerben fta? intt. ber (Sinridjtung auf 
2 1/4 Million SWarl belaufen. 

Friller 2CBfcf)nilf. 

gtmere £{us|Iaffung &es ^ißfiotljefegefiäubes. 

Sn Söejug auf bie 5lu§ftattung ber 33iüliotf)ef§räume mag 
Demjenigen, ber baä 9Ingenef)me unb ©cfjöne mit bem Slüfc* 
liefen unb ßroeef mäßigen 5U berbinben beftrebt ift, gern ein 
freierer Spielraum für feine Steigungen gegönnt roerben, roeil 
bie 23el)agftdf)feit für ben 93iMiot()efar unb ba3 ^ubüfum, 
roeldje baburef) mefjr ober minber erhielt roirb, auf ben ©ang 
ber in ber Sötbliotfjef $u betreibenben Arbeiten unb ©tubten 
nur förbernb etnroirfen fonn. ©3 möge inSbefonbere ben §u 



Digitized by Google 



70 



CSrftcr XcU. ©cbäubc, ©camte, SKlttct. 



ben Arbeiten unb ©tubien beftimmten Räumen, für iüelc^c 
mäßige Gnuärmung im SBinter unb erfrifcf)enbe Sütjle im 
(Sommer roünfchenStoert ift r eine $lrt SJoraug geftattet fein. 
$od) barf auch hier ba§ *flüfcliche unb ßroecfmäßige toor bem 
$lngenehmen unb ©cf)önen nie 5urücf treten. 

28a§ 5unäc^ft bie S3ertt)dtung§röume anlangt, fo toirb 
ba§ Limmer be§ Dberbibtiothefar§, ber al§ Vertreter ber 
Söibliothef täglich unb ftünblidj 33efudf)e $u empfangen hat, 
fcf)on um ber Stepräfentation nriHen mit einigem GTomfort 
au^uftatten fein. $n Slrbeit^immer ber ©eamten gehören 
große bauerhaft gearbeitete ©djreibttfche mit berfchlteßbarem 
Saften ober, toenn möglich, ©efretäre mit f (einen öerfcfjließ* 
baren ©eitenfchränfen unb aufgefegten Sägern jur Aufnahme 
&on SBüd^ern unb Katalogen, nach SSebarf auch ©cfjreibpulte. 
©elbftänbige 9tepofitorien an ben Sßänben bienen jur Slufs 
nähme be3 für bie©efcf)äft§fütjrung nötigen bibliographifcfjen 
Apparats, ber in ber Siegel um fo umfangreicher fein toirb, 
je größer bie ju toermaltenbc Sibliotfjef ift. gür bieSataloge 
finb befonberS hoh e unb tiefe ©eftettfädjer 5U fonftruieren, 
loä^renb ber atpljabetifdje Söuchfatalog auf pultartig geformten 
Sluffäfcen untergebracht wirb, meiere ba§ 9?acf)fcf)lagen 
erleichtern. ®ie ffiorridjtungen für ben 3ettelfatalog, ber an 
manchen Söibliothefen in einem Limmer für fich aufgeteilt 
ift r finb je nad) ber 93cfd)affen^eit ber üerroenbeten 
ßettel berfd)iebene. SBir luerben meiter unten bei bem $lb* 
fchnitte über ben 3^^elfatalog Gelegenheit finben, auf bie* 
felben im Sufantmenhange näher einjugehen. £ier fei nur 
barauf hingeroiefen, baß bei ber fd)neH toachfeuben 2lu§bef)nung 
gerabe biefe§Satalog§ eine reifliche Söemeffung be§ für ben* 
felben beftimmten Pa£e3 im fcorau§ nottuenbig ift. %m 
2lu§Ieihe5immer ift ber auSlethenbe ^Beamte öon bem Sßublifum 
burd) eine ©djranfe 5U trennen, innerhalb beren fich f e * n 
5lrbeit§tifd) befinbet. SHepofitorien bienen hier 5ur Aufnahme 
ber 5U üerleihenben SSerfe, unb ba ba£ 2lu§(eif)e5immer 
gleichzeitig $ur Stücfgabe ber entliehenen 93ücf)er bient, fo 
müffen befonbere gärf)er ober £tfd)e 5U beren 33cifeite(egen 



Digitized by Google 



Crftc« »Qpltcl. JBom ©i6liotöef« 0 ebäubc. 7 1 



fcorljanben fein, £äufig finb aud) im Sluäleifjeäimmer für 
ba§ Sßublifum beftimmte Kataloge auggelegt, wobei für bie 
33efud)er ©djreibpulte $ur Verfügung fielen. Slufjüge, fei 
e§ für 93üd)er allein ober audf) für SJJerfonen, pflegen bei 
mobemen Slnlagen ben 83erfef)r mit ben 93ücf)erfälen ju üer= 
mittein unb etwaige SBünfdje be8 auSleifjenben Beamten 
finben ieberjeit bermittelft be3 ©prad)roljr3 bafelbft rafdfjeS 
@ef)ör. 

3m Sefefaal muß ^unäc^ft ber bie 2(uffidjt füljrenbe 
93eamte Don feinem Sßla&e au§ alle3 überfdfyauen fönnen. 
gerner muß bie Stellung ber Sifdje eine foldje fein, baß fie 
einen ungef|inberten SJerfefjr für bie Liener fowoljl wie ba$ 
ein* unb auSgeljenbe ^ßublif um auläßt; aud) finb bie Arbeits* 
pläfce ber 93efud)er nidjt ju eng $u bemeffen. 3m §atUfd)en 
Neubau 5. 93. ift jeber ber 5 m langen unb I.25 m breiten 
$lrbeit§tifd)e be§ SefefaaleS für aefjn $Irbeit$pläfce beregnet, 
fo baß fid) auf einen Sßlafc eine ©reite toon 1 m ergiebt; in 
©öttingen beträgt bie ©iftlänge nad) Sortüm I.05 m, bie 
Siefe ber für jeben ©ifc benufcbaren £ifd)fläd)e CU2 m; 
im Sritifcfjen ÜRufeum Ijat bemfelben ©ewäl)r3mann fcufolge 
jeber ©ijjplafc eine Sänge Don 1.2- in, eine Jiefe öon O.02 m, 
bei einer £ifd)()ölje öon 76 cm unb einer ©tul)lf)öf)e bou 
45 cm u. f. f. £ie ©iftpläfce finb außerbem an m'elbefudfjten 
$3ibliotfjefen $u numerieren unb untereinanber burdf) fefte, 
unter ben £tfd)en beftnblidje ©djranfen 5U trennen. 

gür bie ©enufcung wertvoller Äupferwerfe empfehlen fid) 
befonbere Sifdje mit Sluffafcpulten, an melden ber ©ebraud) 
öon £inte auszufließen ift. £äng§ ber Söänbe be§ £efe= 
faatö werben ferner Stegale angebracht, um bie für ba» 
Sßublifum beftimmte 4>anbbibliotf)ef, welche au§ ben gebräuef)* 
tieften 5Kad)fd)lagewerfen, @nct)flopäbien, SejiciS u. f. w. 
beftefjt, aufftellen $u fönnen. Saloufien ober lidjte ßuggarbinen 
fdjüfcen ^ier wie in ben $lrbeit3räumen bor ben ©onnen= 
ftraljlen, foweit nidjt matt gefdf)liffene genfter bie§ unnötig 
machen; gußbobenläufer au§ Sorf, Sinolcum, Samptulifon 
unb anberen fdjallbämpfenben, ftaubfreien ©toffen öor bem 



Digitized by 



72 



(Jrftcr Xcil. ©cbäube, Scamte, Wittel. 



ftörenben ©eräufdj ber dritte. £a& ber flefefaal atö ber für 
ba§ Sßublifum beftimmteSftaum aud) burd) eine gefchmadöoüe 
$lu$ftattung ein ttritrbigeS äußeret ©eroanb erhalte, beffen 
Sinbrucf burdj $lufftetten fcon Süften unb berg(eid)en nod) 
er^ö^t toerben fann, erfd)eint al§ eine gorberung, bie fid) au£ 
bem, 1do§ mir oben bei ber baulichen Einrichtung beSfelben 
gejagt ^aben, Don felbft ergiebt. 2>er Sefucher fott fid) in 
bem behaglich eingerichteten SRaume roofjl fügten, ju bem er, 
toenn bieS ber gatt ift, ftet§ gern 5urüdfef)ren roirb. 



71 



(i 



u 



L 



d 



1 <5 



r 



■LI 



ftig. 19. Stellung ber 9Je*ofttorien. 

^n ben 93ücherräumen finb bie $auptau3ftattung§gegen* 
ftänbe bie föepofitorien, meiere beS^alb einer einge^enben 
Betrachtung unterworfen 5U werben öerbienen. £>iefelben 
fanben früher i^re ©teile in ber Segel läng§ ber Stauern 
eine§ 9laume§, tt>ie bie3 in 5ig. 19 unb 20, too, ttrie bei 
ben folgenben Siguren, a bie Spüren, b bie Sanfter, c bie 
9tepofitorien, d bie 2lrbeit§tifche bebeutet, toeranfdjaulicht ift. 
$)ie 2luffteKung freiftef)enber, Don ben Pfeilern au§ nad) ber 
SKitte be§ 9laume§ fyn auSlaufenber 9f epofitorien, Don melden 
immer je jroet bie Süden einanber jugefehrt haben (gig.21), 
nmrbe im Sated)i3mu3 früher nur für biejenigen Säße 
empfohlen, too man mit bem ^lafce $u geijen gelungen fei. 



Digitized by Google 



Gute? Äapitcf. Com SMbüotfafSflet'äul*. 



73 



gür bergleidjen Söffe nmrbe aud) nod) auf einen anbern 
•iftot&efjelf tjtngeroiefen, nämlid) außer ben üblichen Sßanb^ 
repofttorien nad) 9Wa&gabe ber ©efdjaffenljeit beS SftaumeS 



TT 



TT 



TT. 



6 

i 



3 




J L 



TT 



iriß. 20. eteflung ber 9ie*ofUorien. 



r 



TT7 



u 

h 

l 

\c 

7 



« rv 

..- br, — 



r 



T* 




Cf 



6 r 





1 

\d 








i 




< 




c 




L 




6 


-j 









gig. 21. Stellung ber dieyofitarien. 

freifte^enbe SRepofitorien, ebenfaff§ jroeien mitbemSiücfen 
gegen einonber gefegt, mitten im Saume ben Pfeifern gegen* 
über anaubringen, roie bieg au§ gig. 22 erfidjttid) ift. 2lu£* 



Digitized by Google 



74 



(Erfter Seil, (Betäube, »eamte, Kittel. 



brütftidj mürbe jebod) hinzugefügt, baß nur bie unabweisbare 
üftotmenbigfeit ber tnögttc^ften SßlafcerfparniS ein f oldjeS 



5er* 



fahren entfdjulbigen ließe, burd) meldjeS bie Überftdjtlid)feit 
ber im ganzen SRaume aufgehellten SHbliothefSförper bebeutenb 
beeinträchtigt, menn nidf)t gan$ jerftört mürbe. Unb e3 mar 
bieS, mie mir oben gefefjen haben, bei ber alten Sauart ber 



..I 



i 



Iii 



d 



1» 



n 



gig. 22. Stcaunß ber Hcyofitoriei!. 

Sßibliothefen in ber $h a t ber Satt. Seitbem jebod) gerabe 
jene§ immer mehr herbortretenbe 93ebürfni§ ber ?ßla^erfparni§ 
unb ber 9faumau§nüfcmig ba§ oben befd)riebene Magazin* 
Aftern gezeitigt hat, mirb grunbfä^Iid) ber gefamte Verfügbare 
9faum für bie Slufftellung ber 9iepofttorien auSgenü^t, ohne 
bafe banf ber tooflftänbig fceränberten Söaumeife bie Überfielt* 



Digitized by Google 



Grfte« Äopitd. 83om »tbliot^efdgcbäube. 



75 



lidjfeit in irgenb einer SBeife barunter 511 leiben Ijätte. $)er 
in Sig. 23 nad) ©teffentyagen bargefteflte ©runbrife ber 
SRcpofttoricn im Sieler Sü^ermoga^in möge jene 2Iuf* 
fteflungSroeife bem Sluge nochmals im Söilbe fur$ fcorfüljren. 

Sta^u Ijat bie Einführung ber 3roifd)enbecfen nod) jur 
angenehmen Öolge, baß bie übermäßige $ötje ber früheren 




3 3 




1 ' I' 



9 
da 



E35 



i 




r 



"OD 



tt — r — 

11 11 11 



II |. r- 



" < I 



1. i> ; ,1 1 

u 1- k r 11 



Sifl. 23. etefluito ber die^iofltorien im Vieler ȟtfermfloajin. 



Sftepofitorien, bei tt)eldf)en bie 33üd)er ber oberen 9tcifjen nur 
mit $üfe toon Seitern 51t erreichen waren, cingefd^ränft unb 
baburef) bie Slmoenbung ber Seitern, jene§ gefäfjrlid)ften 
©ebraudf)3ftücfe§ ber 33ibliotf)efen, ba§ fo mandjem SMblio* 
tf)efar Unglücf gebraut fjat, entbefjrlid) tuurbe (ögt. 
gig. U). 



Digitized by 



76 



(Srftet Seit, ©ebäubc, Beamte, Wittel. 



Um tt)enigftcn§ qUju Ijofje Seilern aufschließen, hotte 
feinergeit Seger als bie ztüecfmäßigfte unb (nach bamaligen 
Segriffen) bequemfte §öf)e ber 9?epofitorien 2.s3 bi§ 3.;jo m 
beäeidjnet. gür aöe barüber hinauSgeljenben ^öfjen empfahl 
ber Satecf)i3mu3 bie Slnmenbung Don erhöhten ©ängen unb 
au£ letztem unb elegantem, aber feftem ©fenmerfe, erforber* 
liefen galle§ um ber ©elberfparntö bitten auch au3 §olj 
fonftruierten ©alerten mit 33ruftroef)ren, bie mit Sftepofitorien 
Don nur ettoa 2.26 m befefct lüerben tonnten, al§ paffenb. SSon 
gleichem SKaße foHten, tüo noch ein zweiter erhöhter ©ang 
ober ©alerie erforberlid) würbe, auch bie bort aufgefaßten 
9tepofttorien fein. 

2Bie mir jeboch im jmeiten Slbfdjnitte biefeS Kapitels 
gefetjen haben, finb bie ©cfjattenfeiten ber ©alerien, namentlich 
menn biefelben mehrere ©toefroerfe hoch übereinanber gebaut 
Serben, fo erheblicher üftatur, baß biefelben gegenmärtig bei 
Neubauten faft burchgängig buref) niebrige .ßroifchenbecfen 
erfefct merben. $n ©e^ug auf bie $öf)e ber fo entfte^enben 
53ü(i)ergefcf)offe unb bamit im tuefentlidjen auch ber ©üc^er- 
repofitorien ift ein einheitlicher ©runbfa| big^er nodf) nicht 
burcfjgef üf)rt. Söährenb beifpielSroeife in ber Sßarifer National* 
bibliotfjef unb ebenfo in ©reif3tt)alb bie §öf)e ber Söücfjer* 
gefefjoffe auf 2.50 m feftgefefct ift, betrögt, lote mir fafjen, im 
33ritifchen ÜRufcum ber 9lbftanb 2.44 m unb in $aße bei 
fämtlicfjen bier ©efefjoffen fnapp 2.™ m. ©3 faßte fief) be§* 
halb ber Sieler Dberbibliothefar, @. ©tef fenf)agen «*, bie 
Aufgabe, eine fotche!ftormalfjöhe ju finben, beren geftfaflung 
um fo bringlidjer erfcf)icn, als bei einem anfcfjeinenb geringen 
SRaumDerlufa Don nur wenigen Zentimetern für ba§ einzelne 
SHepofitorium bei einer Sufammenrecfjnung fid) ein ©efamt* 
berluft ergiebt, ber an einer größern 93ibliotf)ef bem 9^aum* 
geholte zahlreicher SRepofitorien entfpridtjt unb unter Umftänben 
bem QuroatyZ mehrerer %a§xc gleicht ommen fann. 9luf ©runb 
mühfamer SWeffungen an 93üdf)em unb forgfältiger 93ered)= 
nungen ift nun ©teffenfjagen zu bem SRefultate gelangt, baß 
bei ber SWagajineinrichtung eine bauplanmäßige £öf)e Don 



Digitized by 



Srftel Xapittl. Com ©ioliot&eWßCbäubc. 77 



2.50 m al§ bic gefugte 9?ormalhöl)e ber einzelnen ©tagen, 
2.4" m al§ biejenige ber barin unter^ubringenben SRepofitoricn 

bejetchnen fei. $)em Übelftanbe, baß bei biefer £>öf)e für 
^ßerfonen mittlerer ©röße bie obcrften 33üd)erreihen faft 
unerreichbar finb, begegnet ©teffenljagen burcfj fd)miebeeiferne 
gugauftritte, welche an ben Stielen ber Stepofitorien ber* 
jc^raubt rocrben. 2So bie SHepofitorien bie ton ©teffenhagen 
t)orgefd)lagene $>öf)e nicht erreichen, roie j. 93. in £jaße, bienen 
nach bem SSorbilbe t)on Serben bie eifcrnen ©chufcftangen 
läng§ ber Sichtfdjlifce an ben Siepofitorien in burd)au8 
genügenber SBcifc jugleich al3 Jrittftangen , luobei eiferne 
©riffe, toelche an ben äwifcfyenroänben oben angebracht finb r 
ben nötigen £alt gemö^ren (gig. 14). 3m Söritifc^en SWufeum 
bagegen bebient man fid), um bie oberften Bücherreihen 
bequemer erlangen $u fönnen , mie Sortüm berichtet, fleiner 
dritte, meiere fe^r leicht auf bem eifernen gußbobeu ^in- 
gleiten unb beSi^alb auch * n ©öttingen für bie unter ben 
©alerien belegenen Stäume eingeführt korben finb. 

$ie £iefe ber SRepofitorien bemaß ber Satechi3mu§ früher 
in reichlicher SSeife unten, mohin bie größten 33änbe, bie 
Folianten 5U ftefjen fommen, auf 57 bte 85 cm, weiter oben 
auf 42 bi§ 57 cm. 93ei ben neueren öauten i^at man inbeffen, 
immer Don bem ©runbfafce möglichfter 9iaumau§nü$ung 
au§gef)enb, meift geringere Siefen angemenbet. ©0 betrögt 
23. in £aHe bie Siefe ber $oppelgeftetfe nur 50 cm; in 
^jöfje ber gußböben ift biefclbc burch angefefcte Sonfolftücfe 
für bie golianten auf 70 cm verbreitert, gn ©öttingen hat 
man bie Söüchergerüfte für Qftab 20 cm, für Ouart 30 cm, 
für golio 40 cm tief eingerichtet. 2lußergeroöf)nliche gormate 
finb in befonberen gächern mit gleichmäßiger Siefe unter* 
gebracht. 

Stußerft münfchenStuert, tueil für ^euauffteltungen unb 
Umftettungen öon höchftem Vorteile, ift eine gleichmäßige 
SBeite ber SRepofitorien, bie man mit fiortüm öon Sftitte $u 
3Wittc ber aufgehellten SRepofttorienmänbe auf runb l.o m 
feftfefcen mag, eine ©ren$e, melier auch ©teffenfjagenS SSor- 



Digitized by Google 



78 



Crftct Xeit. ©cfcaube, Seamte, SWittel. 



jc^tag r bie Entfernung auf 90 cm im Stdjten zroifchen ben 
Stielen $u befttmmen, naljefommt <}6 . 

S)er Abftanb ber horizontalen Abteilungen ober Ab* 
teilungSbretter im Sichten muß bur<f)gef)enbS nach SRaßgabe 
ber in ben SRepofitorien aufeuftellenben Verfdjieben großen 
Sänbe, Von unten nach oben 5U abnehmen, ba e§ einesteils 
bloße 9JaumVerfd)roenbung ju nennen fein mürbe, roenn 
man alle Abteilungen Von gleicher $öl)e machen moUte, unb 
anbernteilS biefe 9JaumVerfd)roenbung otjnebieS nicht 
erforberlidj ift, fobalb man nur ben für Aufteilung Don 
Söücfjern allein richtigen ©runbfa^, äße 33ücf)er nad) ber 
©röße ber gormate ju Reiben, unb bie 33üd)er Von größerm 
gormate in ben unteren Abteilungen ber SRepofitorien, bie 
Von mittlerem gormate in ben barüber gelegenen gackern 
unb bie S3üd)er Don fleinerem gormate in ben oberen Ab* 
teilungen unterjubringen , bei ber Anlage Von SRepofitorien 
als 2ftaßftab nimmt. 93et ber genaueren ^ö^enbeftimmung 
^at man in neuerer Seit gleichfalls bie ©runbfäfce öfonomifcher 
SRaumerfparniS nach SMften zur ©cltung ju bringen gefugt. 
SRach bem SatechiSmuS follte bie £öhe ber unteren, für bie 
goltanten beftimmten Abteilungen 57 cm, bie ber barüber 
gelegenen Duartantenfäcfjer 42 cm, unb ber oberen gäd)er 
für OftaV* unb Heinere 93änbe 28 cm, eher etroaS mehr als 
weniger, fein. 3>ie Erfahrung in Siel hat nun nach Steffen* 
hagen gelehrt, baß eine feft begrenzte üftormalf)öhe ohne $u 
große ©djroanfungen allein bei CftaV feftgefefct roerben fann, 
roo jeboch eine lichte §1% Von 25 cm fich als auSreidjenb • 
erroieS. darunter (auf 23 cm) ging man bei ber bortigen 
Aufteilung nur in wenigen Vereinzelten Ausnahmefällen ber 
SHaumerfparniS roegen, barüber hiiwuS (auf 27 cm) nur ba, 
roo ber Verfügbare Sftaum fotd)eS gemattete ober Vorteilhafter 
nicht 5U Verroenben mar. Sei golio unb Cuart zeigten fich 
bagegen große Scf)roanfungen , unb jmar berartig , baß bie 
Verfdjiebenen Sßiffenfchaften auch äußerlich in ber ihnen 
eigentümlichen SRajimalgrüße ber gormate einen Vertrieben 
ausgeprägten ®h ara ^ er befunbeten. Xie geroöfmltchfte$öhe 



Digitized by Google 



Grftcä ffapitet. Born 8»Iio^r»grMiube. 79 



nad} bcr $al)t ber $nmenbung§fälle betrug für golioreifjcn 
45 cm , für Quartreiljen 33 cm. Slufterbem ober famen 
#öf)en bor bon 37, 39, 41, 43, 47, 49, 51, 53, 55 em für 
golio, bon 31, 35, 37, 39 cm für Ouart. 2)ie üKajimaU 
f)öf)e überftieg inbeffen in feinem galle 55 cm für golio, 
39cmfürCuart. 93on ber in Siel gefunbenen geroö()nlid)ften 
#öf)e entfernen fid) bie ©öttinger SRafce nidjt aH^umeit. 
2)ort (teilten fid) nad) Sortüm auf ©runb einer SWeifje bon 
SWeffungen folgenbe, bei $lu§füljrung ber Südjergerüfte 5u 
®runbe gelegte SRajimalmafje für bie einzelnen gormate 
IjerauS: für Cftab 27 cm, für Duart 35 cm, für golio 
45 cm £öl)e. SBereinfadjt mirb biefe gan^egrage, menn man 
— roie bieg an mannen 33ibliotl)efen gefdjefyen ift — bei ber 
Aufstellung ber Südjer bon einer Trennung nad) biblio* 
grapljifdjen Formaten überhaupt abfielt unb ftatt bereu 
tünftlidfje $öf)enabftufung nad) feftbeftimmten Spaßen $ur 
Anmenbung bringt, hierüber werben mir meiter unten im 
Sapitel über bie3luffteüungbe§S3üd^erf^a^noc^befonber§ 
ju tjanbeln Ijaben. 

Um ba§ herausnehmen ber ©üdjer au§ bem unterften 
gadje unb beren ©inftetten nid)t ju fef)r ju erfdjtueren, ift 
eine @rf)öt)ung beSfelben erforberlid), meldje im Sated)i§mu£ 
auf 7 — 10 cm normiert mar. ffortüm fud)t bem an jaf)l* 
reiben Sibliotljefen borljanbenen-Übelftanbe, baß ba§ Süden 
beim #oten bejüglid) ®infteHen ber 93üd)er in ber unterften 
Steide läftig mirb, baburef) $u begegnen, bafcerbie^lnorbnung 
eine§ burdjgefjenben feften ©ortete bon fogar 20 cm §öf)e 
borfdfjlägt, mit meinem bie ©cfyufcftangen parallel $u laufen 
Ratten. 3)er SSerluft an nu^barer $öfje merbe burdj bie 
bequemere ©enufcung unb beffere ©rfjaltung ber 93üd)er auf* 
geroogen merben. Saufen nämlid), mie bieä in bielen gällen 
gefc§iet)t, bie ©d)ufcftangen quer bor bem unterften gac^e Ijin, 
fo ift e§ fdjmierig, bie golianten tjerau^uneljmen ober ein* 
aufteilen, otme biefelben burdf) $lnftof$en $u befcfjäbigen. £)er 
beregte Umftanb berfdjminbet fofort, fobalb bie @d)ufcftangen 
5ugleid) mit ber Saute be§ unterften gadfjeä einfefcen, in 



Digitized by Google 



80 



Ghrfter Zeil, ©c&äube, Seamte, awtttcl. 



meinem gaffe jene ^ngteid^ al§ dritte bienen fönnen. gn 
§atle 5. 3J. laufen biefelben 25 cm über ben gugeifernen 
platten parallel mit bem SSoben be§ goliantenfadjeS. Um 
jebod) babei ba§ 5ßrin$ip ber Sftaumerfparntö nid)t $u Der- 
laffen, ^at man unterhalb ber @d)u£ftangen niebrige gäcfjer 
bon befonbererSiefe 5um flauen (Anlegen befonberS großer 
gormate angebracht, bie im allgemeinen freilief) nur roenig 
gebraust merben. $n ^iel ift bagegen nad) ©teffenfjagen 
ber Dolle Staunt in ber SSeife au§genu{)t , baß bie 33üd)er 
öon unten burd) bie freien Öffnungen ber ^roifchenbeefen 
burd)gefteKt unb oberhalb über bie 2luftritt§ftangen über* 
gehoben derben. SefctereS bebingt mit 9lücf|icf)t auf bie 
golianten natürlich eine maximal beftimmte ^ö^enlagc ber 
2luftritt3ftangen unb einen minimal beftimmten Slbftanb ber* 
felben bon ber grontflädje ber legale. 

55>te ©tärfe ber SlbteilungSbretter roirb mie toon bem baju 
Dermenbeten ÜKaterial fo aud) fcon ber Sänge berfelben ab* 
fangen. Unter $tnnaljme einer größeren SBeite al§ bie oben 
al§ nmnfd)en3roert bezeichnete naljm ber Sated)i£mu§ afö 
ba£ paffenbfte äRaß 4 cm für bie unteren, meiere bie am 
meiften in£ ©eroidjt faKenben 93üd)er, bie golianten unb 
Duartanten, $u tragen fjoben, für bie übrigen 2 cm an, mo* 
bei jebod) toorau£gefe£t tt>ar, baß bei größerer Sänge ber 
Fretter bie Slmuenbung &on ©tü^en nid)t berfäumt mürbe. 
3n ®iel beträgt bie SBrettftärfe burchfd)nittlich 3 cm, in 
§aHe bei ben feften 23ud)brettern, beren jebe§ 9iepofitorium 
in ber Siegel jmei bte brei befifct, gleichfalls 3 cm. 

3u immer allgemeinerer Slnerfennung finb in neuerer 3eit 
infolge ber offenbaren Vorteile, meldje biefelben bieten, bie 
bemeglidjen 9lbteilung§bretter gelangt. SD?an pflegte biefelben 
juerft in ber Sßeife ^rjuftetlen, baß man bie ©eitenmänbe 
ber SRepofitorien mit ©infehnitten jum ©in* unb $lu§fd)ieben 
üon Duerleiften berfaf), um mit bereu §ilfe bie Fretter nad) 
$8ebürfni8balbl)öf)er, balb niebriger ftetten 5U fönnen. ©egen* 
märtig bringt man in ben ©eitenmänben ber Stepofitorien 
innerhalb berfdjieben bemeffener lotrechter Slbftänbe (in^alle 



Digitized by Google 



ISrftca finpitcl. SBom »ibliott)ct*flcbätit*. 



81 



5. 93. bon 3, in Siel bon 4 cm), am beften in jmei ateifjen, 
um bie ©efafjr beg ©paltenS ber SSange ju berhüten, ©ohr* 
föd)er an, in meiere je toier brefjbare meffingene ©teHftifte 
mit runben 3 a Pf en eingefügt werben , ouf welchen je ein 
$lbteilung$brett ruht. 2Ran ftüfct bteroeilen biefe ©tifte noch 
burd) (Einfügung Don Seiften au$ Rattern £>ol 3 u. bergl. 3n 
^atte haben nad) Don Siebemann biefe Fretter 2.5 cm ftarfe 
SJiefernrafjmen unb 1.5 cm ftarfe fid)tene Stillungen unb finb 
bei genügenber ©tärfe ungemein leicht unb bequem ju hanb* 
haben, ©ei llmftetlungen unb Neuaufteilungen leiften foldje 
bewegliche Fretter bie bequemften 3)ienfte, ba olme weitere 
©d)roierigfeiten eine größere ober geringere, f ür bie berfdjiebenen 
SRafce geeignete $öhe berfelben fjergeftellt werben fann. Dabei 
gewähren biefelben burdjauS genügenbe geftigfeit unb etwaige 
erhöhte Soften i(jrer £erftellung, bie man gegen fie geltenb 
gemalt hat, werben burd) bie erhielte (£rfparni3 an SWaum, 
bezüglich an neu $u fertigenben SRepofitorien bollauf aug* 
geglichen. Um bie Fretter an beiben gronten ber ©eftette in 
t>erfd)iebener £öl)e unabhängig toon einanber einlegen unb 
auf biefe SBeife eine erhöhte 9taumau§nüfcung erzielen $u 
f önnen, ift e§ jeboch notmenbig, benfelben nur bie halbe liefe 
ber $)oppelrepofitorien $u geben. Dag ein größerer SSorrat 
berfelben für außerorbentlidjen 3uroad)8 unb für Umfteßungen 
bereit liege, ift wünfd)en§wert. $on -iftufcen wirb e§ bei ein- 
fachen SRepofitorien fein, bie $lbteilung$bretter nid)t bi§ bid)t 
an bie 9tücfroanb be3 9tepofitorium§ anflehen, fonbern für 
ben Suftjug jwifchen ben ©rettern unb ber SRücf wanb, melier 
5ur Abhaltung fc^äbtic^er Snfeften unb äBürmer bient, nod) 
etwa§ SRaum ju laffen, eine Maßregel, bie fid) fdjon burd) 
t^re (Einfachheit empfiehlt. 93ei Doppelrepofitorien bagegen 
bleibt in ber SDJitte gewöhnlich genügenb freier Sftaum, um 
ber Suft Durchzug $u geftatten. $ter tritt leicht ein anberer 
Übelftanb ein, nämlich ber, ^ a 6 Bücher bon ber einen ©eite 
be§ $oppelrepofitorium§ in bie anbere hinüberfallen. 2)em 
beregten Übelftanbe wirb abgeholfen, wenn man nach *> em 

©taefel, ötbltotljetsieljre. G 



Digitized by Google 



82 



Srftcr Seil. ®ebffat>e, «camte, 9Hittel. 



83orbilbe be§ SSritifdjen 3Kufeum§ burcf) ein 2)raljtne& bie 
beiben $älften fcon einanber trennt. 

2Ba£ enblicf) ba§ Material, roorauS bie SRepofitorien &u 
fertigen finb, unb bie garbe berfelben betrifft, fo roirb, fo 
n)eit e£ ficf) um ba$ Material fjanbelt, hierüber eine allgemein 
gütige 23orfdE)rift nicfjt gegeben roerben fönnen, roeü bie 33eant* 
roortung ber Sfrage, ob man $u ben SRepofttorien (£t)preffen=, 
Sannen* ober ©idjen* ober roa£ fonft für ein $0(5 toerroenben 
fotte, nad) ben berfcfjiebenen lofalen SBerljättniffen ftetö Der* 
fcfjieben auffallen roirb. 3ebenfatt§ forbern bie Sftepofitorien 
ein fefteS unb bauerf)afte$ $0(5, roe(d)e§ ben Verheerungen 
ber SBürmer am roenigften au3gefe$t ift. 3n neuerer 
ift übrigen^ an ©tette be§ ^olje§ mefjrfad) ©ifen für bie 
3roifcf)enroänbe ber Stepofttorien unb für bie $lbteilung§* 
bretter ©ifenbled^, felDft (Schiefer tjenoenbet morben öT . ©d)on 
Seger f)atte feiner^eit 5U bem groecfe, bie ^oljroürmer Don 
ben 93ücf)ern abgalten, in $8orfcf)Iag gebraut, bie Ober* 
feiten ber 2lbteitung£bretter, foroie überhaupt alle fonft mit 
ben 93üd)ern geroöf)nlid) unb unmittelbar in Serüljrung 
fommenben £jol$f(äcf)en mit 2Ketaßbled)en ober ®la§tafeln 
ober bünnen ©cfyieferblättcfjen ober aud) mit platten Don 
^ßor^eHan, ©teingut unb bergleictyen fingen 5U überfleiben. 
$Iud) fjat man in ©rroägung gegeben, bie ©retter nicfjt maffib 
fertigen, fonbern burd)löcf)ern ober nur au§ einzelnen, nid)t 
bicfyt an einanber gefcfjobenen Sörettern 5ufammenfe£en $u 
laffen — afle biefe SJorfdjläge roerben inbeffen überftüffig 
bei regelmäßig roieberfetjrenber Steinigung ber Stepofitorien 
unb SBüdjer, rooburcf) ben Söefcfjäbigungen ber Sßitdjerfeinbe 
au§ bem £ierreid)e am roirffamften Vorgebeugt roirb. $um 
2(nftricf)eber9iepofitorien, roo ein folcfjer überhaupt erforber* 
lief) ift, muß eine berartige licfjte garbe geroäfjlt roerben, bie 
bem ©ctymu^igroerben nicfyt fo leicht unterroorfen ift, unb 
jugteid) aud) ber §eöig!eit im 93ibliotf)ef3raume feinen ©in* 
trag tf)ut. $>ie 2Baf)l ber garbe ber 9tepofitorien ift für ba§ 
gefäüige unb fdjmucfe $lu§fef)en be$ ganjen 9taume£ t>on 
nid)t unerfjeblidjer Sßebeutung. 



Digitized by Google 



Cfrftc« Shipttcl. 5?om 5Jtblio^eWflcbäube. 



Schließlich möge nodfj barauf aufmerffam gemalt roerben, 
bog bie Slufftellung Don 9iepofttorien mit Spüren, teils weil 
fie foftfpielig ift unb boch feinen toefentlichen Sftufcen f)at, teils 
roeil burd) bog fortmä^renbe $uf* unb 3ufd)ließen ber 
Spüren bie leiste unb bequeme $anbtjabung ber ©ücher 
geftört toirb, nid)t anzuraten ift. Überhaupt finb ©djränfe 
mit ©ttter^ ober beffer noch ©laSthüren augfchlicßlitf) in 
ben für £anbftf)riften unb (Eimelien beftimmten {Räumen, 
bie nach außen hin gefd)loffene Spüren ber befferen ©id)er* 
heit ttjegen erholten muffen, empfehlenswert. SJorljänge Dor 
ben SRepofitorien mögen gegen baS (Einbringen be$ ©taubeS 
gor nid)t unnüfc fein, fcfjaben aber ber Überfid)tlid)feit ber 
ba^inter aufgehellten 93üc^er ju fefjr, als baß man ihrer 
Slnroenbung in ben 93ibliotf)efen baSSSort reben bürfte. 

üflädjft ben föepofitorien finb bie Stifte biejenigen äftöbel, 
auf beren $lufftellung bei ber (Einrichtung einer 33ibliothef 
fjauptfädjlicf) mit 9Sücfficf)t genommen werben muß. $)iefe 
SEifrfje finb fomofjl jur Aufbewahrung Don großen golianten 
unb SartonS, als auch jum Auflegen unb 2luffd)lagen ber* 
felben beftimmt. $)aS foloffale gormat einzelner Sßerfe, 
meiere fid), allen SBünJc^en ber SMbliotfjefare entgegen, in 
feines ber Stepofitorienfädjer Don ber gewöhnlichen $öf)e 
unb Siefe einreiben laffen, Derlangt nun einmal unbedingt 
bie Aufteilung gan$ eigener Dfapofitorien mit etwas erhöhtem 
Untergeftette, bie am jtoecfmäßigften eben in ber ©eftalt Don 
Sjfdjen, bamit man ihre £>etfe gleich als eine Art Jafel $u 
bem angegebenen ßroeefe benufcen fann, hinrichten unb ent- 
Weber mit horizontalen gädjern für bie ftartonS unb liegen- 
ben 93änbe ober mit Dertifalen AbteilungSräumen für bie 
ftehenben 93üd)cr ju Derfefjen finb. 3)iefe le^teren AbteilungS* 
räume bürfen nur Derf)ältniSmäßig fdjmal fein, bamit bie 
barin aufauftetlenben ©üdjer in möglichft geraber Haltung 
bleiben unb nicht burch fchiefe unb wechfelnbe Stellung 
©d)aben leiben. 3>n ben £anbfdjriften* unb (Eimelienräumen 
finb ftatt folcher SRepofitorientifche, beljufS ber Auslegung 
Don ©djauftüden, einfache Sifche, aber mit auf ber platte 



Digitized by Google 



84 Cfrftcr Xcit. (Mc&ätibe, ©camte, SWittet. 

angebrachten, berglasten ober überbie§ ancf) nodj Vergitterten 
©djaufäften, fogenannte ©djautifcfce, genügenb unb fogar 
paffenber, bie jebod) bor ben ©imuirfungen be§ Sicktes burdt) 
Herfen $u fd)üfcen finb. ©lofee ©efdjniacföfadje unb mo^l 
faum t)on roefentlidjem 9?u£en ift e3, bie ©teile ber ©d)au= 
tifd)e burd) eine 5lrt 9Raf$hte $u erfefcen, bie jmifdtjen jmet 
bref)baren ©Reiben bier ©lagfäften in fid) faßt, toon benen 
einer nad) bem anbern burd) 3>ref)en ber ©Reiben bem 
Sefdjauer jur näheren S3efid)tigmig ber barin aufgelegten 




Riß. 24. 2>ref>6are SWof^tne für «djouftürfe. 



©tücfe näljergebrad)t werben fann (5ig- 24). Sartenwerfe, 
Wappen, Atlanten, $upferftid)e unb bergleidjen öerma^rt 
man neuerbingS ftatt in ©djicbcfäften ^äufig in ÜioHtifc^en *> 8 . 
@§ finb bie§ au§ §0(5 ober ©ifen fonftruicrteSifdje, jtüifc^en 
beren Süfcen — in bie in benfelben bcfinblidjen 5af)lreid)en 
58of)rungen eingreifenb — fleine mit Stoff umroicfelte Dloflen 
Don ^0(5 ober SCRetaü eingelegt werben, meiere für bie 
betreffenben Sßerfe al§ Sager bienen. $)ie ©röfte ber $ifd)e 
rietet fid) nad) ben S3erf)ältniffen ber SRäume, in benen fie 
aufgeteilt werben: aflju lange $ifd)e ftören bie leid)te 



Digitized by Google 



85 



$ommunifation im 2>nncrn be£ SRaumeS Don ber einen ©eite 
nad) ber anbern, cntgegengefefctcn I)in (gig. 19). ©leidj 
ftörenb für bie fiommunifation Don ber einen $l)üre 5U ber 
anbern, gegenübergelegenen roirft bie Sluffteflung breiter $ifcf)e 
mitten in ber ©anglinie: e8 ift ftetS ratfam, folgen Jifdjen 
feitttmrtS booon ifyren Sßlafc $u geben (gig. 19). 2Bo e3 ber 
SHaum geftattet, ba fönnen bie Sifdje aud) red)t paffenb an 
bie Pfeiler $u ftefjen fonimen (gig. 22). Übrigeng ift in 
5Infef)ung ber Qa^i £ifd)e 5U bemerfen, bofe ein $ifd) 5U 
Diel immer nod) efjer SRujjen als einer $u menig Sftadjtetf 
bringt (gig. 21). 93ei ben mobernen SDfagaainbauten laffen 
fid) freilid) Sifdje in ben engen ©ängen aroifdjen ben 9tepo* 
fitorien nidjt moljl anbringen, bagegen bietet ber breitere 
SDcittelgang (gig. 23) in ben einzelnen ©efdjoffen f)inreid)enbc 
©elegen^eit 5um SluffteUen fold)er. 33ei ben burd)brod)enen 
3nMfd)enberfen müffen bie ©eine ber lifcfyc, be§gleidt)en ber 
©tüf)Ie burd& Duerleiften Derbunben fein, um ba3 ©tefjen 
berfelben 5U ermöglichen. 

£jier mögen fid) einige 33emerfungen über bie Seitern 69 an* 
fcfyliefcen, bie ja nod) immer in 5af)lreid)en älteren 33ibliotf)efen 
in ©ebrauc^ finb. Um bie ©efafjr 
ber Seitern fo Diel als mögüd) ju 
befeitigen, forge man nur bafür, 
bog fie bei aüer Seid)tigfeit, bie 
fie ber bequemen ^anbfjabung 
wegen befifcen müffen, feft unb an 
bem obern Seile mit eifernen $afen 
Derfeljen finb, meldte, um ba£ Wd* 
gleiten ber Seitern beim Anlegen 
5u Dermeiben, in eine (äng£ beS 
Dor* ober brittlefcten obern 9lb* 
teilung§brette8 be£ 9?epofitorium§ Ijinlaufenbe unb am Dorbern 
^Kanbe mit einer (£ifenfd)iene motu* Dermalste Vertiefung 
(Wüte) eingelegt werben müffen (gig. 25). $)a§ paffenbfte 
2ttaß für bie 33reite ber Seitern ift etroa 43 cm, für ben 
Slbftanb ber Trittbretter 24 cm unb für bie breite berfelben 




8iß. 25. $atrnlctttr. 



Digitized by Google 



86 



(Srfter Seil, ©ebäube, »eamte, SWittct. 



12 cm. 9ioßleitem b. h- auf Kotten bewegliche ßcitcrn finb 
im allgemeinen nicht fefjr empfehlenswert: fie nehmen mehr 
Sßlafc tnSlnfpruch al§ bie gewöhnlichen Seitern unb gemäßen 
bem Sluffteigenben in ber Sieget feinen fo feften ©tanbpunft 
wie biefe; bod) brauet man bergleidjen Kollleitern häufig 
ba, wo $wei föepofitorienreiljen fo eng nebeneinanber h^ 
laufen, baß ber^ßlajj jum einlegen gewöhnlicher Seitern fefjlt. 
Sieben ben Seitern finb notf) bewegliche dritte mit etwa brei 
(Stufen feljr praftifd). 

©nblid) feien ber SoHftänbigfeit halber auch bie an einigen 
SöiMiotfjefen eingeführten £anbwagen 70 ober £anbfarren 
erwähnt, welche jum bequemen gortfc^affen größerer Saften 
innerhalb weit au§gebef)nter SBücherfäte fid) eben fo bewährt 
haben, wie bie ^lufeüge, mittels beren eine größere $lnjahl 
tfon Suchern leicht unb fchnett au£ ben oberen Räumen in 
bie unteren ©tocf werfe ober ba§ 2lu§Ieihe$immer fjerabgelaffen 
unb Pon ba mieber in bie ihrem ©tanborteentfprechenbe^öfje 
5urücfbeförbert werben fann. 

Vierter 5f(jfd)ni«. 

^rjaffung unb ^rtpeiterung bes / 3&i6fiot(Kßs{je6aube5. 

Üftachbem mir in ben Porfjergehenben 51bfchnitten über ben 
Sau unb bie Einrichtung be§ ©ebäubeS ba§ Nötige gefagt 
haben, bleibt un§ noch übrig, über bie (Srh a ^ un 9 beSfelbcn 
unb feine eventuelle Erweiterung einige ©emerfungen ht n 8 Us 
5ufügen, um bamit biefeS Sapitel 511m Slbftfjluß ju bringen. 
2öir fönnen un§ babei um fo fürjer f äffen, al§ in $rage ber 
Sänftanbfjaltung be§ 33ibliothef§gebäube§ im wefentlicfjen 
feine anberen Stnforberungen ju £age treten al§ bieienigen 
finb, welche man bei anberen ©ebäuben aufstellen pflegt. 
SlnberfeitS läßt fich ^tnftd^tlid^ ber ©Weiterung be£ §aufe§ 
im allgemeinen nur wenig fagen , beftimmte in ba§ Einzelne 
gehenbe SSorfchläge aber finb au£ bem ©runbe auSgefdjloffen, 
weil h^r nur Pon gall $u Sali unter genauerer öerücfs 
fichtigung ber örtlichen $8erf)ältniffe entfdjieben werben fann, 



Digitized by 



Grftc« Äapüel. «om »iMiotfctSgebaub«. 87 
i 

in welker SBeife crforbcrlid^ geworbener neuer Staum auf 
bie ameefmäßigfte Slrt $u gewinnen ift. 

3n2lnfef)ung ber (Erhaltung beS ©ebäubeS wirb im ganzen 
ber Sibliothefar f eltener als ber Liener , bem bie $luffid)t 
über bie Sofalitäten übertragen ift, in ben gaff fommen, fid) 
öon ber fortbauernb guten Sefchaffenheit berfelben $u über* 
jeugen. $>aher ift ber bie $luffid)t füfjrenbe Liener mit 
ftrenger Snftruttion $u berfeljen, baß er auf aße etwaigen, 
burd) bie 3*it ober burd) 3"f aß unb mit $lbfid)t toeranlaßten 
©d)äben forgfam ac^te unb , fobalb er 'bergleidjen bemerft, 
unDerjüglid) Steige barüber erftatte, foweit er nidjt felbft 
$lbf)ilfe ju fdjaffen im ftanbe ift. ©ad)e be3 SibliotfjetarS 
ift e$, in eigener Sßerfon Don ßeit 5U $e\t eine genaue 
©efidjtigung toorjunehmen, bie l)auptfäd)Iicf) mit barauf 
gerietet fein muß , bog fidE) aUe§ , wa§ jur Sicherung ber 
Sofalitäten gegen bie ©efaljren toon geuer unb geudjtigfeit 
unb gegen alle fonftigen äußeren Angriffe bient, in gutem 
unb genügenbem ©taube befinbe. Sei auSgebcfjnteren 9iäum* 
ltd)feiten, wo eine foldje SBefidfjtigung für ba§ in folgen 
fingen mehr ober minber ungeübte $luge be8 SBibliothefarS 
größere ©cfjwierigfeiten bietet, bürfte e3 fidf) empfehlen, bann 
unb wann einen im 93auwefen erfahrenen ätfann mit ju 
$ate ju aiefjen, beffen ©tiefen wohl nid)t leid)t etwa§ ©r* 
heblicheg entgegen möchte. 93ei ftaatlidfjen ©ebäuben ftefjt 
ohnehin in ber Siegel bem SBibliotljefar bie ©aufommiffton, 
welche ben 3uftanb ber öffentlichen ©ebäube 5U überwachen 
hat, 5ur©eite. ^infichtlid) berSftöbel, alfoberSiepofitorien, 
£ifd)e, Seitern unb bergleichen, fommt ber SBibtiotljefar fd)on 
öfter in bie Sage, fidj fcon ihrer 53efchaffenl)eit in fortbauernber 
SenntniS ju erhalten, um nach 93ebarf bie notwenbigen 83er* 
befferungen Vornehmen ju laffen. !3e rafdjer allerlei ©drüben 
bereits bei ihrem ©ntftehen beseitigt werben, um fo weniger 
Soften werben biefelben berurfachen unb um fo tabellofer 
wirb ber äußere 3 u ft an k btx Söibliothef erhalten bleiben, 
©rößere fich al§ nötig erweifenbe Sleparaturen foßten fchon 
um ber Sicherheit ber Südjer unb be§ $ublifum§ Witten 



Digitized by Google 



88 (frfter XctI. ©ebäube, ©eamte, «Wittel. 

■ 

iüd)t hinauSgefchoben werben. (Erweist fich ein älteres 
©ebäube als unheilbar befett, bielleid)t auch nid)t genügenb 
feuerfid)er, fo ift eS <ßflict)t nnb Beruf beS BibliotfjefarS, 
mit allen Sräften unb öden if)m 51t ©ebote ftehenben SKitteln 
bafür einzutreten, baß ben feiner Sluffidjt anvertrauten 
Sdjäfcen ein fidjerereS unb jumeift wohl gleichzeitig auch 
würbigeres $eim angewiefen werbe. 

2Bo fid) eine (Erweiterung ber Sofalitäten notwenbig 
mad)t, ba wirb immer zunächft bie Srage aufjumerfen fein, 
ob fid) biefelbe ot)ne Beeinträchtigung ber SS orteile , welche 
baS ©ebäube unb bie ffiäumlic^feiten bereits gemäßen, ^er? 
fteUen laffe. Sftamentlich wirb in Betracht gezogen werben 
müffen, ob gleich toon Slnfang an, bei Anlegung beS ©ebäubeS 
unb ber Verrichtung ber 9ftäumlid)feiten , auf eine foldje 
(Eventualität bie münfd)enSwerte 9fütffid)t genommen, unb 
fd)on bamalS irgenb eine Borfefjrung baju getroffen morben 
fei, bie (Erweiterung im Sinne beS urfprünglid)en Bau* unb 
(Einrid)tungSptaneS auszuführen. Jgn bem fefjr häufig bor* 
fommenben Salle , baft bie Bibliothef ein ©ebäube inne tjat, 
Wel^eS z ur Beherbergung anberer Sammlungen unb $u 
fonftigen ßtoeefen öl^i^S^itig mitbenufct ift, wirb man in 
ber SRegel fo lange Von einer (Erweiterung beS ©ebäubeS 
felbft abfegen bürfen, als baSfelbe in ben $u anberem 
Berufe benufcten Sofalitäten, auf beren Überlaffung fid) im 
wahren Sntereffe ber Bibliottjef Slnfpruch machen läßt, noch 
hinlänglicher 9iaum für biefe barbietet. 2Bo bagegen Weber 
eine fold)e (Erweiterung ber Bibtiotf)efSräumlid)feiten, noch 
eine Vergrößerung beS ©ebäubeS möglich ift , ba wirb fid) 
natürlich, fo lange bie $erfteflung eineS Neubaues nid^t ju 
erreichen ift, baS Slugenmerf barauf richten müffen, inwiefern 
bie inneren, t>on ber Bibliotfjef bereits in Befd)lag genommenen 
Sofalitäten im ftanbe feien , ben für bie (Erweiterung ber 
Bibliothef erf orberlichen Sßlafc bis auf weiteres zu gewähren 71 . 
Unter allen Umftänben wirb man babei jebod) bermeiben 
müffen, bie Bücher fjintereinanber in boppelten 9ieif)en, alfo 
in einer für ben ©ebraudj fehr unzweef mäßigen SBeife, auf« 



Digitized by 



©rftcS itnpttel. »om »ibltotfjf fÄqcbäuNr. 



89 



juftellen. 3m übrigen werben ber äu&erficn SRaumaugnufcung 
in einem foldjen 8a0e ofle anbercn SRütffidjten ber SSequem* 
li^feit, häufig felbft ber Überfid)tiid)feit meinen müffen. 
S)ie beweglichen SÜbteilungSbretter ber^SKepofitorien werben 
hie unb ba nod) weitern Sfaum gewinnen Reifen , neue 
SRepofitorien jebe Verfügbare ©teile in Snfprud) nehmen 
unb wo e$ ber 23au julä&t ©alerien ober nod) beffer eiferne 
3wifd)enbeden eingefügt werben, um ben überfälligen 
SBorrat in neu gewonnenen ©efdjoffen $u bergen. ©8 ift in 
einem folgen gnfle bem ©ibliothefar reiche ©elegentjeit 
geboten, immer neue SWittel unb SBege $ur Abhilfe ju 
erfinnen unb fid) als erftnberifd)er Sopf $u ermeifen. ©inb 
freiließ olle ^lu§^ilf§mittet erfchöpft, bann wirb ber 3uftanb 
einfad) unhaltbar unb e§ geht nid)t ohne fd)Were©d)äbigungen 
im ^Betriebe ber Anfielt ab. &u§ einer georbneten 33üd)er* 
fammlung brof)t ein ©fjaoS 5U werben, in welkem fith 
niemanb met)r juredjt 5U finben Vermag. ÜRunmehr ift ber 
äufeerfte 3 e **P un ^ gefommen , wo einfidjtige SBehörben ben 
Sitten be8 SBibliottjefarS um 33efd)offung neuer SRäume if)r 
Oh* nid)t länger Verfdjliefcen bürfen, Vielmehr bie SWittel 
ju einem Neubau gewähren müffen, ber beffer fd)on früher 
in Angriff genommen worben wäre. fiommt ein foldjer 5U 
ftanbe, bann tritt an ben SMbliothefar bie grage fyeran, wie 
er ben Um$ug au§ bem alten in baS neue ©ebäube auf bie 
einfache unb praftifdjfte SSeife $u bewerffteüigen l)abe. 
SSennjwar hierbei bie betreffenben örtlichen SJerljältniffe 
immer augjc^laggebenb fein bürften, fo werben bodj bie 
infolge ber aafjlreidjen Neubauten in neuerer 3?it ö"f biefem 
©ebiete gemalten Erfahrungen ihm in Vielfacher £infid)t 
Vorteilhaft ju flotten fommen 72 . 



Digitized by Google 



90 



Grftcr Xtil. ©eMiubc, ©camte, «Wittel. 



Iweitea Bapitel. 

Sott ben SBeomteit ber SBitUoftcL 

per / 3&i6fiofljefcat im affflemeinen. 

Unter einem 53ibliothefar mürbe man im Weiteften (Sinne 
be§ 23orte§ eigentlich einen 3eben ju toerftef)en haben , ber 
Ii* mit ber Bibliotbefewiffenfchaft beschäftigt. Sötan hat fid) 
inbeffen baran gewöhnt, ben tarnen eine§ 93tbIiot^efarö in 
einer engern SBebeutung nur bemjentgen beizulegen , ber ftdj 
mit ben in ber Sibliothefölehre öorgezeichneten ©ef duften 
befaßt. 3n ber $rayi§ bat biefe an fich fowobl wie in 
4jinfid)t auf anbere 93eruf$arten berechtigte SegriffSerflärung 
fogar nod) eine weitere @inf d)ränf ung infofern erfahren , als 
ber Xitel eineS 33ibliotbefar£ vielfach nur bem leitenben 
©eamten ber 93ibliotf)ef zuerfannt ober al§ Aufzeichnung an 
einzelne wiffenfcfjaftliche Beamte ber Anftalt Verliehen wirb. 
@$ läßt fich jeboch nicht leugnen, bafc eine f old)e ©efchränfung 
Weber bem begriffe, ben man fich f* on * n früherer Qtit toon 
einem Bibliothefar gemalt hat, nodj bem, welchen man fid) 
allgemein noch jefct batoon macht, entfpricf)t. Vielmehr forbert 
bie Theorie bie Beibehaltung ber gegebenen $3egriff3erflärung 
unb nur, inbem man bte£ thut, ift man in ber Sage, fcwn 
einem ©tanbe ber 33ibliotljefare 5U fprechen, welcher ben 
Snbegriff fämtlicher wiffenfchaftlidjer Söibliotheföbeamten 
bittet 73. 

£er bib(iothefarif(f)e Beruf hat fid) in neuerer 3eit mit 
{Recht mehr unb mehr zu einem felbftänbigen berauSgebilbet. 
SBährenb früher bie wichtigeren Beamtenftellen namentlich 
an ben UntoerfitätSbibliotbefen in ber 9tegel nur — burd) 
3)ocenten ber betreffenben HntDcrfität — im Sftebenamte 
Vermaltet würben, ift an maftgebenben ©teilen bie Über* 
Zeugung immer entfehiebener zum $)urd)bruch gefommen, 
bafe au* ba§ Amt eine§ BibliotbefarS , wie jebeS anbere 
wichtigere Amt, „einen ganzen äRann" beanfprucht, ber in 



Digitized by Google 



3u>citc* fiapitcl. «an Den Beamten ber »tfrlünljcf. 



91 



erfter Sinie biefem 2fmte $u leben unb bemfelben feine beften 
Gräfte 5U roibmen hat. $ie fteigenben «nforberungen, welche 
bon allen ©eiten an bie Seiftungen ber 93ibliotf)efen geftellt 
»erben, nehmen ohnehin biefe Gräfte in ftetig ftdj erhöhenbem 
9ttaße in Slnfprud) 

2öa£ nun bie ©igenfdjaften betrifft, bie man toon einem 
23ibliotf|efar $u Verlangen fjat 75 , fo finb DrbnungSliebe, 
Steife nnb Humanität biejenigen, meiere ber Sibliothefar, 
ber feinem kirnte befriebigenb toorftefyen roitt, toor allen fingen 
befifcen muß. (£3 mag ^roar fonberbar Hingen , baß ©igen» 
fc^aften, beren Aneignung aud) jebem anbem, gleich&iel unter 
Welmen SJerhältniffen, toarm anzuempfehlen ift, als biejenigen 
hervorgehoben roerben müffen, roelche $u ben f)auptfädjlid)ften 
(Srforberniffen eines SibliothefarS $u rennen finb; allein 
niemanb, bcr irgenb ©infic^t in ben bibliotfyefarifdjen 
©efchäftSfreiS h a t roirb leugnen fönnen, baß btefelben gerabc 
bem SBibliotljefar unentbehrlicher als t)ie(eh anberen finb. 
©ie finb ihm faft notroenbiger , als bie bibliothefarifcf)en 
Äenntniffe, ohne rocld)e fich immerhin noch * m leiblicher 
83tbliothefar rool)l benfen läßt, roa'hrenb ein toennfehon 
fenntniSreicfjer , boef) jener ®igenfcf)aften entbehrenber 
Sibliothefar für bie ßroeefe ber üöibliothcf fo gut roie 
ganj ohne Sftufcen bleibt. 

2BaS junächft bie DrbnungSliebe 76 anlangt, fo fagtSbert, 
gemiß im ©inüerftänbniffe mit jebem erfahrenen SBibliothefar: 
„SBem ftrenge DrbnungSliebe fremb unb unbefannt ift, ber 
entbehrt eine ber nötigften unb unerläßlid)ften ©igenfehaften 
eine§ guten SibliothefarS, unb ift 511 biefem Slmte burchauS 
unfähig, baS auch w Keinen unb geringfeheinenben fingen 
bie größte ©enauigteit unbDrbnung h^ifcht". SHeDrbnung 
bilbet in ber Shat bie ^auptgrunblage für bie SSermaltung 
einer jeben Sibliotljef ; ohne fie roirb felbft eine reich auS* 
geftattete Slnftalt unb in ber Siegel eben biefe am meiften, 
trofc aller ©elef)rfamfeit ihrer Beamten, niemals $ur regten 
Slüte gelangen noch biejenige SBirffamfeit nach au 6 en *nt* 
falten fönnen, bie man mit Siecht bon ihr Verlangen fönnte. 



Digitized by Google 



92 



ttrfter «eil. Qköäube, »eamte, SWütel 



W\t ber DrbnungSliebe muß aber ferner ber gleiß $anb 
in £anb gefjen. ©erobe bie 93ibliotf)ef3gefd)äfte bedangen 
nid)t feiten in ben aflerlangroeiligften fingen einen fo auS* 
bauernben gleiß, toie er faum irgenbroo anberS in biefer 
Söeife 33ebürfnt3 ift. 3)em unfcerbroffenen Steiße, al§ bem 
2lu§puffe einer angebowen 2lrbeit8luft unb $Irbeit§freubig* 
feit, muß eine peinliche ©etoiffenljaftigfeit ju ©runbe liegen, 
bie aud) ben geringfügigen Arbeiten biefelbe (Sorgfalt %vl* 
teil roerben läßt, toie fie ben mistigeren ©efc^äften gemibmet 
5U toerben pflegt. 3 u 9^id) muß in fämtlidjen Arbeiten be3 
33ibliotIjefar3 bie größte ©enauigfeit, ©auberfeit unb über* 
fid)tlicf)feit in mufterf)after SSeife ftet§ jur ©eltung fommen. 
gür alle biefe (Erforberniffe aber gilt eine reine unb toafjre 
Neigung be§ S9ibliotf)efar$ $u feinem 33erufe al£ erfte 33orau§* 
'fefcung. $)enn mag er nodt) fo emfig, nod) fo tfjätig fein, bic 
ffirgebniffe feiner SQcüfjen fommen im toefentlidjen anberen 
ju ©ute, für beren tt»iffenfc^aftttc^e Arbeiten er bie SBegc 
ebnet 77 . $)abet ift fetbft feine äußere Stellung nocf) heutiges* 
tag§ im 3)urd)(d)nitt eine befdjeibene. Sftocf) immer gilt 
©bertö treffenbeSemerfung: „2£äl)renb ber roeit bequemeren 
unb genußreicheren Sljätigfeit anberer ein glän^enber unb 
raufd)enber SBeifaß unb Slnerfennung §u teil toirb , muß ber 
SBibliotfjefar im erfjebenben, aber ftiüen ©efüfjl ber getanen 
*ßflidt)t ben einzigen 2of)n feiner Arbeit finben". 

$)a§ britte enblid) , roorin e§ ber 33ibliot()efar 51t einer 
geiüiffen gertigfeit gebracht fjaben muß , bie Humanität, ift 
Don feinen (£igenfd)aften biejenige, meiere bem $ublifum 
gegenüber Don ber afferer^eblic^ften Sebeutung ift. $)ie 
Humanität unb juöorfommenbe ©efäöigfeit, öerbunben mit 
©etoanbtfjeit im Umgange, #üflid)feit , Saft unb feiner 
Silbung, finb, foroeit e§ auf ben ©ibliot^efar anfommt, ofjne 
3roeifel bie $auptf)ebel $ur (£rreid)ung be§ 93ibliotf)ef£* 
jmecfeö in £infid)t auf bie ©enufcung ber Sammlung. $ie 
Söenufcung roirb trofc roerttoofler ©cfjäfce unb trofc ber fd)önften 
Orbnung, meiere jene ©d)äfce aufeuroeifen fjaben, bod) gar 
leicht in mancher SSe^ie^ung leiben, fobalb bem ©ibliotfjefare 



Digitized by Google 



SHKtte* stapittL «on ben »camten Der Oibliotfrt. 93 



jene ©igenfefjaften abgeben, ba fidj ein $eil be§ <ßublifum$ 
t)on bem 95efud)c ber $Bibliotl)ef burd) inhumane Beamte 
balb abfänden unb abholten läßt. SRan barf Don bem 
23ibliotljefar batjer mit 9tfed)t forbern, ba& er jebem anftän* 
bigen 33efudjer ber Sibliotfjef , ber fief) an ifm roenbet, mit 
3uüorfommenf)eit bie $anb biete, unb ifyrn — fotueit e§ fief) 
mit feinen übrigen ©efd^äften bereinigen läßt — feinen ganjen 
$3eiftanb ju teil werben laffe; bafc er einerfeitS alfo ben 
Sernbegierigen ratenb unb onregcnb jur Seite ftefje, unb fie 
in iljren (Stubien aufmuntere, anberfeit§ mieberum ben 
ungeklärten, aber gebilbeten unb befdjeibenen 33efud)ern mit 
greunblid)feit unb ©eroanbtfyeit im SBenefjnten unb fern öon 
oller troefnen unb abftofjenbcn ©elefjrfamfeit entgegentrete, 
um ifjncn bie Sammlung unb bereu ©djeifce 5U jeigen unb 
t)ielleid)t baburd) ben in if)ncn fd)lummernben Seim 5U 
tt)iffenfcf)aftlid)er $l)ätigfeit mit jur Steife bringen $u Reifen. 
$luf biefe Söeife förbert er ben guten Sfluf ber $lnftalt unb 
bamit augleid) beren öenuftung auf ba§ mirffamfte. 3)a3 
2lmt be§ 9MbIiotf)efar3 verlangt eben bem $ubli(um gegen* 
über oft große Opfer, unb biefe immer willig unb mit 
greubigfeit 5U bringen , ba$u gemährt bie Humanität allein 
bie Littel 78. 2£ e m biefe feblt, bem fann fein 2lmt bei aller 
Siebe unb Steigung $ur Slnftalt bie unerträglidjfte SBürbe 
werben. 

$Iuf$er biefen fcorermät)nten brei ©igenfefjoften, weldfjc 
ifjrer Unentbef)rlid)feit falber an erfter Stelle $u nennen 
waren, muß ber 33ibliotl;efar öon 9Jatur mit einem guten 
©ebäcfjtniffe ausgestattet fein. (Sin ©ibliottjefar ofme 
pDerlöffige§ ©ebätfjtniS, ber ftetS fd)riftlid)e Sftotijen al§ 
(Srinnerung^eic^en an bie taufenberlei im btbliotfyefarifdjen 
©efcfjäf töleben twrfommenben fiteinigfeiten 5ur |janb f)aben 
muß, ift in ber $l)at „ein feljr beflagenSroerter SftamT, 
beffen ofmef)in fdjon müfjeoolleS 2lmt leicht 3U einem Seben 
Voller Sorgen werben bürfte. (£r muß ferner ein gefunbe§, 
felbftänbigeS Urteil l)aben, weld)e§ iljm namentlich bei 
Anfertigung ber wiffenfdjaftlidjcn Kataloge unb bei ber 



Digitized by Google 



94 



(Srftct X<U. ©eböube, Beamte, «Wittel. 

n 



SluStoahl neuer 2lnfdjaffungen toon*ftufcen fein mirb; er mufj 
Siebe $u ben Büdnern befifcen ™, meld)e beroirft, baß if)m bie 
Sibliotfjef fo recht eigentlich an ba§ #er$ mäc^^t, unb enblid) 
einen getoiffen Sammeleifer , metcher itjm ntc^t nur bei ber 
SluSnü&ung antiquarifcher Sataloge ju ftatten fommen mirb, 
f onbern if)n aud) barauf bebaut fein lägt , neben ben neuen 
©rmerbungen bie Süden feiner Slnftatt nad) Sröften 
ergänzen , bamit fid) biefelbe 5U einer immer boEftänbigeren 
geftalte »o. 

9?ad)bem mir im bisherigen bie ©igenfdjaften eines guten 
33ibliotf)efar§ einer näheren Betrachtung unterworfen hoben, 
bleibt un§ noch übrig bie Senntniffe, meld)e berfelbe befi|cn 
rnufc, in baS 3luge ju faffen 8l . 

@£ h at 8 U a] & en S^ten Seute gegeben, bie ihre Sorbe* 
rungen an ben Sibliothefar in biefer $infid)t übermäßig 
hoch geftellt, unb toon bem Söibliothefar nichts mehr unb 
nichts meniger Verlangt h°& en > bag er ^ot^^iftor fei. 
gnbeffen Sßoltyhiftoren finben ftcf> tjeutjutage nid)t mehr, 
maS fid) auS ber ungemeinen $luSbehnung unb Vertiefung, 
melche bie Siffenfd)aften in neuerer &\i genommen höben, 
kicht erflären lägt. Unb menn eS auch gegenroärtig noch 
$J}ott)f)iftoren gäbe, mürben folche bod) feineSroegS jum kirnte 
eine§ VibliothefarS unbebingt erforberlid) fein., dagegen hat 
man anberfeitS oud) mieber fef)r unrecht baran gethan , baS 
$lmt beS 93ibliotf)efarS $u fefpr h^rabjufe^en , unb fid) ber 
Meinung hin5ugeben, bog baju jeber beliebige ©etef)rte paffe, 
ber fonft fein Unternommen 5U finben meifc. £ieS ift feinet 
megS ber gaH. $aS $lmt bedangt nicht nur eine ausgebreitete 
unb grünbliche ®elef)rfamfeit, bie bem Spanne, beffen Obhut 
bie 6r5eugniffe berfelben anvertraut finb, gemifs nicht fehlen 
barf, f onbern auch e * ne 9 ön 5 ^iQ^ne Vorbereitung unb Söilbung, 
roeldje man fich sumteil faum anberroärtS als in ber ©d)ule 
ber Sibtiothef fetbft in langjähriger Übung anjueignen im 
ftanbe ift. Sie »ibliothcfbilbct für ben Jüibliothefar bie 
eigentliche §od)fchule. 



Digitized by Google 



SwcitcS ffapitel. Con ben Beamten ber «ibltotfcef. 



95 



93or altem ttrirb e$ bon bem ©ibliothefar mit SRedjt $u 
Verlangen fein, baß er hinreidjenbe enct)flopäbifche ffenntniffe ** 
gefammelt höbe unb im Sefifce einer Überfiel be3 gefamten 
28iffenfd)aftSft)fteme3 fei: nicht um bomit ben 33efud)ern ber 
Söibliotfjef gegenüber glänzen unb mitjebem, gleichviel tt>elcher 
Safultät berfelbe angehören möge r al$ eine 9lrt Sachgelehrter 
ein SBort fpredjen 5U fönnen, fonbern um fid) vielmehr, mit 
©bert ju reben, teil$ gleite Sichtung unb gleiches 3fntereffe 
für iebe^Sac^menfc^lic^erfienntniffeanjueignen, ohne treidle 
er fid) im©ammeln bie betrübenbfte ©infeitigfeit $u ©Bulben 
fommen (offen ttmrbe, teils einige grünbliche Sfenntniffe be3 
SScfenS, ber Seile, ber ©renken unb ber mannigfaltigen 
93erüf)rung3punfte ber SBiffenfrfjaften $u erwerben, beren er 
bei bem ©efchäft beS DrbnenS ftünbtid) bebarf. Sn ber 
©nctjflopäbie finben alle übrigen ßenntniffc be§ 93ibtiotf)efcr$ 
ihren nottoenbigen SBereinigungSpunft. 

9täd)ft ber ©nctyflopäbie finb ©prad)fenntniffe ein bor* 
$üglid)e§ ©rforberniä für ben Sibliothefar. SBenn aud) nid)t 
alle SBibliotfjefare Sprachgenie^ roie SRejjofanti fein fönnen, 
fo ift bod) billig ju Verlangen, ba§ fie Don benjenigen 
©prägen, bie in ben unter ihrer Dbljut ftef>enben ©amm* 
lungen burd) eine größere Slnjahl Don Herfen vertreten finb, 
hinreidjenbe Kenntnis haben, ©o wirb, toa§ 5. 93. beutfdje 
©ibliotljefen anlangt bie Kenntnis ber beiben altflaffifd)en 
©prägen, be§ ©riedjifchen unb 2ateinifcf)en, in benen bie 
litterarifdjen ^Repräsentanten ber 5um UntoerfitätSftubiura 
erforberlidjen flaffifdjen ©djulbilbung gefdjrieben finb, 
foroie bie Senntnig be§ gran^öfifchen , ©nglifchen unb 
3>talienifcf)en , Don toelc^en iüol)l jebe mehr ober minber 
große ©ibliotfjef eine erhebliche $ln$af)l ^ruderjeugniffe 
aufjutoeifen haben möchte, geiuiß unbebingt ju ben ©rforber* 
niffen eineS 33ibliothefar3 gehören nüiffen. SDie Slnforberung 
f)infid)tlich biefer ffenntntö braucht inbeffen nicht fo toeit $u 
gehen, baß ber 93ibliotf)efar bie genannten ©prägen meifter* 
baft inne haben unb fertig 5U fprechen im ftanbe fein foll. 
$)a§ 93erftänbni3 be£ ©d)rifttum§ genügt; öermag ber 



Digitized by Google 



9G 



«hrftec Zeil. ©cbäubc, »fornte, «Wittel. 



S3iMiotI)eIar ficf) aucf) nod) in ber einen ober onbern ©pradje 
geläufig ou^ubrücf en , um f o rüfymengmerter wirb bieö für 
iljn fein. $n betreff ber übrigen oeeibentatifdjen ©proben 
mirb e§, iüo nid)t lofale 5Bett)ältniffe f)öljere $Inforberungen 
ftetten , genügen , bog fid) ber Sibüotljefar barin mit $üfe 
toon ©rammatif unb Sßörterbüdt) jurecfyt $u finben unb ba£ 
93ebürfni£ be§ erften $lugenblicfe§ ju beliebigen meif* , mo* 
gegen it)m bie Senntntö ber orienta(ifrf)en ©prägen, mit 
Slu§naf)me etma einer, menn aucf) nur oberfXäc^lid^cn, 
©efanntfd)aft mit bem #ebräifcf)en, fügtief) ganj nacfjgefefjen 
werben fann. 5lttgemeine fpraefjtoergfeidjenbe ©tubien merben 
aber immerhin für jeben Sibliott)efar bon SRufcen unb 
öorteil fein. 

3u ben bem Sibliotfjefar erforberlicfjen ®enntniffen ift 
ferner bie ber @efd)id)te ju rennen, fomot)t ber allgemeinen 
unb ber fpejietten beSjenigen Sanbeä, meinem bie betreffenben 
©ibliotfjefen angehören, a(§ unb toorjügtitf) aud) ber Sitterar* 
ßefcf)icf)te in ifjrem ganjen Umfange. Siegt e§ gemifj auf ber 
£anb, bafc gerabe bem Söibfiotfjefar al§ bem SBemafjrer be§ 
biftorifdjen Seite ber gortfcfjritte be£ menfcf)licf)en ©eifteS 
im 9ieicf)e ber 2Biffenfd)aften unb fünfte ein ernfteS unb 
forgfameä ©tubium ber ©efd)icf)te burdjauS unentbehrlich 
ift fo fann natürlich in 93e$ug auf bie Sftotmenbigfeit be§ 
©tubiumS ber ©efcf)icf)te ber SSiffenfcfjaften , bie in ben 
Söibltotfjefen iljre ^iftorifc^en S8et)älter fjaben, nidjt ber 
geringfte ßroeifel fein. 3n3befonbere ift ba§ ©tubium ber 
.^anbfdjriftenfunbe, öerbunben mit bem ber Ijier einfdjlagenben 
Dipfomatif, unb gan$ toor^ügttc^ ba§ ber Bibliographie &on 
größter SBicfjtigfeit. gmar mirb ber ©ibtiot^efar moljl feiten 
in ber Sage fein, ertjeMidje praftifdje Senntniffe in ber 
$anbfd)riftenfunbe unb ber Bibliographie beim Antritte in 
feinen 2Birfung§frei£ gleich mitzubringen, bafür müffen aber 
gute ttjeoretifdje SSorfenntniffe in biefen Sßiffenfdjaften feine 
Mitgift bilben, menn er feinem kirnte angetraut mirb. $)ie 
praftifche 2lu8bilbung biefer S^nntniffe mug ber Sötbliot^cfar 
Don ber febenbigen $lnfd)auung ber ^anbfcfjriften unb Bücher 



Digitized by Google 



Speltes Äapitcl. «on ben Beamten ber SBibliottjct 



in ber Bibliotf)ef fetbft erwarten, ^raftifd^e Bücf)erfenntni§, 
fagt äftolbech fe^r richtig , vertraute Befanntfchaft mit ben 
bieten berfchiebenen ©eiten ber Bibliographie nnb be3 Bücher* 
wefen§, bie Säfjigfeit unb ©efd)icflichfeit, feine Iitterarifd)en 
Senntntffe natf) bem notwenbigen Bebürfniffe eineS gewiffen 
SanbeS unb einer gewiffen Bibliotfjef an^uwenben, fann ber 
Bibliothefar nie erreichen , of)ne fid) hierzu burd) lange unb 
beharrliche praftifdje S^ätigfeit gebilbet 311 haben. (Er wirb, 
wenn bieg nicht früher gefächert ift , in feinem Berufe auch 
(Gelegenheit finben, fich mit bem (JntwicfelungSgang beä 
Bud)brucfe§ Vertraut ju macheu unb afleS, wa§ mit ber 
^jerftetlung ber Bücher unb ihrem ßinbanbe jufammenfjängt, 
in ben SreiS feinet SSiffenS 3U Riehen, ©ogar einige $ennt= . 
niffe in ber Äupferftecher* unb $>ol$fd)neibefunft werben ihm 
au§ bem ©runbe nicht ganj unentbehrlich bleiben, weil, gan^ 
abgefehen batwn, bafs nicht fetten mit ben Bibliotfjefen feiner 
Obhut auch ©ammtungen bon $upferftid)en unb ^ol^fchnitten 
anvertraut finb, biefe ohnehin at§ roefentlidje Beftanbteite 
fehr bieler Bücher näher in Betracht gezogen werben müffen. 

Ghtbltd) wirb baS ©tubium ber Bibliothef§wiffenfd)aft 
fpejiett ber BibliothefSlehre, begreiflid)erweife, unb wie fich 
bon fetbft berftefjt, al§ baSjenige $u bezeichnen fein, wa§ bem 
Bibliothefar au§fd)lief}lich jufommt. £ie BibliothefSmiffen* 
fdjaft ift feine eigentliche gad)Wtffenfd)aft, bie er bon ©runb 
au§ berftef)en muß unb beren gortf djritte er mit ^lufmerffam- 
feit Verfolgen unb, wenn möglich, mit (Sifer fetbft beförbem 
fott. Sh r gegenüber haben alte übrigen ®oftrtnen, beren 
vorher gebaut worben, als Borbereitung^^ unb £ilf3wiffen* 
fchaften 511 gelten. Dh ne oie Bibtiothef£wiffenfd)aft würbe 
ber Bibliothefar ein namentofer ©etehrter fein. 

SSir fönnen biefen 5tbfd)nitt nicht fchliefjen, ohne nod) auf 
eine§ aufmerffam gemacht $u haben, wa§ auf ben erften Blicf 
unwichtig erflehten mag, in SSirflichfeit aber bod) bon einiger 
Bebeutung ift, wir meinen bie Beschaffenheit ber § a n b f d) r i f t 
be§ BibtiotfjefarS. ßine gute unb beutttche ^anbfehrift ift für 
jeben Bibliotf)ef3beamten wünfchcnSwert, ja notwenbig, unb 

öraejel, Sibliotljersteljre. 7 



Digitized by Google 



98 



fcrfter 2etl. ©e&äube, 53camte, 2»tttc(. 



berjenige, melier fic nicht befifct, möge bei SBeginn feiner 
bibliothefarifdEjen S^ätigfeit e£ nidf)t für 511 gering erachten, 
fid) eine folcfje noch nachträglich anaueignen. $>enn ber 
©ibliotfjefar fchreibt ouf ber SBibliotfjef nicht für fich felbft, 
fonbem für bie Sittgemeinheit , auch nicht für tyutz unb 
morgen, fonbem für eine längere ßufunft. Sebermann muß 
im ftanbe fein, ba§ ©efcfjriebene mit 2eidt)tigfeit 5U lefen, 
wenn nidf)t ftörenbe Irrtümer unb unliebfame SJerfe^en 
entftef)en f ollen. 

3«>cifcr SCefcfjnitt. 
pie etnjefnen ^i6riofi)efi$6eamfen tnsßcfonbere. 

Sftachbem mir im borfjergehenben Slbfdjnitte bie an einen 
Sibliotjjefar &u fteKenben allgemeinen Slnforberungen näher 
befdhrieben fyaben, Wollen wir in biefem nodj) einen 83licf 
auf ba$ an einer größeren Sibliothef $ur SBerwenbung 
gelangenbe 93eamtenperf onal 84 werfen, welcf)e£ wir fennen 
lernen müffen, um toon bem ^Betriebe ber Slnftalt ein 
anfdjaulicheS Silb ju gewinnen. 

©agfelbe ift in feiner ©efamtljeit einer höheren SluffidfjtS* 
behörbe unterteilt, in beren Sereidj nid)t nur bie ©rlaffung 
aller teils unmittelbar öon ihr felbft auSgeljenber, teils unter 
ihrer Slutorität ju toeröffentlidjenber , bie ©ibliotfjef unb 
ba3 SibliothefSperfonal , inSbefonbere bie Slnfteüung be§* 
felben, betreffender ©efefce unb Slnorbnungen, fonbern auch 
bie Dberauffidjt über bie ganje Slnftalt fällt, ein ©efdfjäft, 
wel^eS fie entWeber burdE) ihre eigenen Organe, ober je nach 
SBerfd)iebenheit ber $u beaufficfjtigenbcn ©egenftänbe burch 
baju abgeorbnete, feien e§ ftänbige, feien e£ toon ßeit $u Seit 
neugewählte, ffiommiffionen beforgen laffen fann. $>a in ber 
2ftehr5af)l ber Säße Weber bie eigenen Organe ber 33el)örbe, 
noch benSommiffioneu äugehörigen SDfitglieber eigentliche 
©ad)toerftänbige finb, fo fann e§ im Sntereffe eineS gebeif)* 
liehen gortgangeS ber SMbliothefSgefchäfte nur erwünfdjt 
fein, wenn bie Snftruftionen, mit welken bie Dberaufficht^ 



Digitized by Google 



Swciteö Staphel, «on ben Beamten bcr »ibüotfef. 



99 



fütjrenben Derlen werben, ni^t gar 5U fpejictter unb 
befchränfenber 2trt finb, fo bafc baburd) nid)t etwa bem 
eigentlichen BerwaltungSperfonal bie £änbe ju feljr gebunben, 
unb namentlich ber BibliotfjefSborfteher in ber freien $anb* 
tjabung alleS beffen, waS ber $lnftalt wefentlid) jum SRufcen 
gereift, nicht ju fefjt bebormunbet unb attju ängftlid) über- 
roacf)t werbe. SlnbernteilS ift eS aber auch ben 9luffi(f)ts 
füljrenben jur ftrengften $flid)t $u machen, barauf genau ju 
achten, ba| ben befteljenben ©efefcen unb Beftimmungen in 
aßen ©tücfen nachgegangen werbe, benn bie peinlichfte 
Beobachtung ber gegebenen Drbnungen unb Borfdjriften, 
ift, wie mir bereits $u betonen ©elegenheit fanben , gerabe 
auf Bibliotfjefen eine nicf)t ju umgeljenbe SRotWenbigfeit. 
®aS eigentliche *ßerfonal wirb je nach ^ cm fltößern ober 
geringem Umfange ber Bibliothef ein gröfjereS ober fleinereS 
fein. Sei Heineren Bibliothefen fann beinahe bie gan^e 93er- 
waltung in ber §anb einer einzigen Sßerfon, beS BibliotljefarS, 
bereinigt fein, wogegen $ur Berroaltung größerer Bibliotl)e!en 
mehrere, felbft zahlreiche Beamte erforberlid) finb. fieibev 
fteht bie ber Beamten an manchen Bibliothefen in feinem 
Berhältniffe ju bem Umfange ber ju bewältigenben Arbeiten, 
einÜbelftanb, welcher auf bie Stauer ernfte Nachteile für bie 
betreffenden Snftalten mit fich bringen mufj; ja im Vergleich 
namentlich mit ben norbamerifanifchen Bibliotljefen höben 
unfere Snftalten in ber weitaus überwiegenben äftehrjahl 
überhaupt ein auffällig geringes <ßerfonal aufouroeifen 8 *. 
$)te Beamten befielen in ber äRe^rjahl ber gölle aus bem 
Seiter ber Slnftalt, bem wiffenfcfjaftlichen *ßerfonal unb bem 
Unterperfonal, nämlich ben Schreibern unb Wienern. 

$)er erfte Beamte ber Bibliothef, bisweilen Bibliotf)efar 
fa^lechthiu, meift Dberbibliotljefar , auch n)0 ^' ^ireftor 
(©eneralbireftor) genannt, \)at ein ebenfo wichtiges wie Der* 
antwortungSreicheS Slmt, welches fich na $ einer breifachen 
Dichtung hin geltenb macht. 3«^örberft in §inficht auf bie 
$lnftalt felbft. ©r öertritt biefelbe nach aufjen, leitet fie unb 
ift für alle Seile ber Berwalhutg junächft Verantwortlich. 

7* 



Digitized by Google 



100 



©rftcr Seil. Mäubc, SBcamtc, Wittel. 



©einer Auffid)t unb Pflege ift ber gan^e litterarifc^c unb 
wiffenfcfjaftliche Apparat unb ba§ in ber Sibliothef Vorhanbene 
Mobiliar anvertraut. (£r empfängt bie an ber 93ibliotljef 
eingef)enben ©^reiben, unterzeichnet bie abgefjenben ©d)rift= 
ftücfe unb führt bie ©iegel; er bewirft bie Auf Raffungen, 
tr»et§t Sahlungen an, legt bie jährliche Rechnung ab u. f. tu. 
3n gällen Von Sranfljeit unb fonftigen Abhaltungen Vertritt 
feine ©teile ber aunädjft ftefjenbe 93eamte, bem jeboch bei 
feiner Stellvertretung nid)t geftattet fein barf, Von ben buref) 
ben $>ireftor getroffenen Anorbnungen abzugehen unb Ab- 
änberungen $u machen. S3on ber Art unb SEBeife, wie ber 
SöibliothefSVorfteher feine Pflichten auffaßt, benn ifjr begriff 
ift befjnbar, ^ängt ba§ ©ebenen unb bie 93lüte einer Söiblio* 
tljef eben fo ab , wie anberfeite ihr tftücfgang unb SBerfatt 
baburd) Verfd)ulbet werben fann. SBenn berfelbe, wie bieg 
in früherer Seit, als feine ©tettung nod) augfchliefjlicf) al§ 
Nebenamt angefehen unb verwaltet mürbe, Wohl gef d)ehen ift, 
fein Amt lebiglicf) al§ eine ©inefure betrachtet, bie ihm Wohl 
gar Gelegenheit bieten foü, eigene litterarifcfyeSiebljabereien auf 
bequeme SSeif e ju bef riebigen, of)ne auf bie ^ntereff en be§ ©anjen 
Dtücfficht ju nehmen; wenn er feine Obliegenheiten auf bie 
©cf)ultcrn von Untergebenen legt unb fid) ganj auf biefe Verlädt ; 
wenn er bie 9tfafd)inerie — benn mit einer foldjen läfjt fid) 
bie SBerwaltung einer großen Söibliot^ef füglid) vergleichen — 
ge^en läftt wie fie gehen will, ohne felbftänbig unb felbft* 
thätig in ihr ©etriebe einzugreifen ober bie gortfdjritte, bie 
auf biefem wie auf jebem anbern ©ebiete gemacht werben, 
5u ihrer SBerbefferung unb Erneuerung au^unüfcen, fich Wohl 
nicht einmal bie 2Mhe giebt, biefe Sortfehritte überhaupt 
fennen ju lernen, bann roftet unb veraltet bie Slttafchine, bie 
Sibliotfjef Verfällt, ©ar manche grofje ©ammlung fjot noch 
heutigentags bie unauslöschlichen ©puren einer folgen un* 
feiigen SBerwaltungSperiobe aufeuweifen. SSie ganj anberS 
bagegen, wenn ber ©hef, m ^ £ u ft un *> £i e & e 5 U feinem Amte 
befeelt, biefem feine Volle SWanneSfraft mit greubigfeit unb 
Aufopferung wibmet. 3)ann „Warfen bie Sftäume, e§ behnt 



Digitized by Google 



Swcite* JtapUcl. 2>on ben ©eamtcn ber ©ibliot^cf. 101 

fich ba§ $au§". Die Sfteuanfchaffungen bereichern nicht einige 
beifügte Seile, fonbern heben bag ©anje; Sücfen werben, 
fo mühfam auch gerabe biefe S^ätigfeit ift, nachträglich au§* 
gefüllt, ba§ ©ntftehen neuer f orgfältig toerhütet, bie Sataloge 
»erben öerbeffert, il)re SBrauchbarfeit erhöbt, überall macht 
fich ein planmäßiges SStrfen geltenb, welches nur bem einen 
feften 3tete 5uftrebt, bie (Sammlung für bie ©cgenwart nach 
ffräften nuftbar ju machen unb jufünftigen ©efdjlechtern in 
befter SSerfaffung unb SJoßfiänbigfeit ju überliefern. (Siner 
fo Verwalteten 33ibliot(jef wirb feitenS ber Dbcrbel)örben, 
wenn bem SJorftanbe auch einige ©efchicf lieh feit im $8erfef)r 
mit biefen eigen ift, mand)e§ öerwilligt werben, wa§ iljr 
unter .anberen Umftänben üerfagt bliebe. $ie Schaffend 
freubigfeit unb Sfjatfraft be§ 2eitcr§ ber Slnftalt aber wirb 
auf ben Söeamtenförper anregenb unb belebenb einwirfen. 
3)enn nicht unpaffenb l;at man jenen baS^er^ ber33ibliotf)ef 
genannt, meld)e§ bem ©an^en Seben gebe unb c§ in gleich- 
mäßigem ©ange erhalte. Sr ift in ber Xijat biejenige Alraft, 
bie „SllleS fcerbinbet, 2We§ burchbringt, Mc§ begeiftigt, 
5ltte§ beherrfcht" 8G . 

Unb bieg führt un§ zweitens 51t bem SJerhältniffe be§ 
OberbibliothefarS 5U ben ihm unterteilten Beamten, benen 
er bie Arbeiten jujuweifen unb beren ganaeS SDienftüerhältniS 
5ur Sibliothef er überwachen fyat $)a& er biefen gegen= 
über biejenigen ßigenfdjaften entfalte, welche man bon jebem 
anbern ©hef in irgenb einer anbern SebenSfteUung ebenfalls 
verlangt, alfo gerecht unb unparteiifch unb für ihr 2Bof)l 
beforgt fei, bebarf ebenfowenig befonberer Hervorhebung wie 
bie 5lnforberung, baß er e§ fich angelegen fein laffe, ftetö ben 
rechten Sttann an ben richtigen <}$lrffc 5U ftellen unb fo bie 
einjelne Straft ber $lnftalt am beften bienftbar 5U machen. 
SSol)l aber Verbient erwähnt 5U werben, wie wünfcf)cn§wert 
c§ ift, wenn er bei bem heutigen ©taube ber Srage nach ^ er 
bibliothefarifchen Sorbilbung e§ fich angelegen fein laffe, 
©chule^u machen. Unb jwar wirb er nicht nur bie freiwillig 
in ben £ienft ber Sibliothef tretenben jungen ©elefjrten unb 



Digitized by Google 



102 ©rfter Seit, ©e&äubc, »camte, «Wittel. 

bie Hilfsarbeiter ber Anftalt, fo tueit fie ft<h' boju eignen, $u 
tüchtigen unb brauchbaren SBibliotheföbeamten ^eran^ubtlben 
jucken, fonbern aud) barauf bebaut fein, ba$ Sntereffe ber 
feft angepeilten ^Beamten für bie Anftalt unb für ihren S3eruf 
nac^ jeber Sichtung §in ju heben unb ju förbern, namentlich 
bie wichtigeren Angelegenheiten in gemeinfamer Beratung 
mit ihnen $u befpredjen, toobei benfelben ©elegenljeit gegeben 
fein muß, ihre Senntniffe unb Erfahrungen in mehr aB bloß 
untergeorbneter Art geltenb machen $ü fönnen, mäljrenb ihm 
felbft bie enbgültige ©ntfdjeibung unbenommen fein fott. 
SBerfährt er in biefer SBeife, bann roirb er nicht nur ber 
eigenen Anftalt nü^en, benn er fdjafft jufriebene unb mittige 
^Beamte, fonbern biefelbe auch §u einer gefugten ^Panjftötte 
tüchtigen bibttotfjefarifchen SadjnmchfeS machen unb fo bem 
bibtiothefarifchen ^Berufe felbft bienen 87 . 

3)a3 Amt be§ DberbibliotfjefarS bringt biefen aber auch 
brittenS mit bem Sßublifum in befonberS nahe ^Berührung. 
SBenn irgenbmo, fo bebarf er hier neben freunblicf)em ©nt* 
gegenfommen unb leutfeliger ©efälligfeit eines feften unb 
felbftänbigen SBefenS. SBenn er einerfeitS überall ©erechtig* 
feit malten läfjt, bem einen nicht toerfagt, ma£ er bem anbern 
geftattet, niemanb betoorjugt, niemanb jurüetfe^t, fo mirb er 
auf ber anbern ©ette unberechtigten unb unerfüllbaren An* 
forberungen unb 23ünfcf)en, bie fich in ungezählter 2Renge 
an il)n heranbrängen mögen fie felbft öon einflu&reidjer 
unb angefehener Seite fommen, ftanbhaft unb mürbebott 
entgegentreten w 2)enn nur ba§ 2Bof)l unb ba§ 3fttereffe 
ber Anftalt felbft ift fein Seitftern. Unb mögen auch ntandjer* 
lei ©ehäffigfeiten unb Anfeinbungen bie Solge feines 83er* 
fjaltenS fein, ba3 SBettmfjtfein erfüllter Sßflidjt ^ebt il)n 
barüber hinmeg. 

$ie feftangefteltten miffenfchaftlid^en Beamten 9° ber 
Sibliothef führen in ber Segel bie ^Bezeichnung (£ufto§; in 
neuerer 3^it pflegt, mie mir bereits an anberer ©teile 
ermähnten, auch *> er SBibttotljefartitel an einzelne ältere 
©uftoben Verliehen zu merben ; an fie fdjlie&en fich bei einigen 



Digitized by Google 



3ii>«tteS ÄQpitcl. &on ben ©eamten ber ?Mbllotf)cf. 



103 



größeren Sibfiotljefen nod) bie ©efretäre, in Dfterreid) bie 
©friptoren unb Slmanuenfen an, tt>eld)en als außerorbentlid£)e 
Kräfte bie Slffiftenten ober Hilfsarbeiter folgen, $u melden 
fid) faft an jeber 33ibIiotfjef — benn ber Slnbrang jum 
93ibliotf)efSbienfte ift ein bebeutenber — audj nod) ein ober 
mehrere Volontäre gefeilen. $We biefe ^Beamten unterftefjen, 
ttrie mir fafjen, ber unmittelbaren ßeitung beS VibliotfjefS* 
toorftanbeS, nacf) beffen Slnorbnungen bie einzelnen biblio* 
tljefarifdjen ©efd^äfte tok §erftettung unb gortfüf)rung ber 
Kataloge, Verzeichnung unb (Einfügung beS 3utuad)feS, Ver* 
fefjr mit bem Vudjbinber unb ^umteit (foroeit iljn ber Eljef 
nidfjt felbft beforgt) mit ben Vud)(jänblern, Verforgung beS 
SefefaalS, ©rlebigung beS $luSleifjegefd)äftS u. f. f. unter fie 
berteilt werben. 9Han fjat eS in biefer Veaiefjung mit SRedjt 
als roünfdjenSmert be$eid)net, baß nid)t ein 3*^9 ber biblio- 
tljefarifdjen ©efdjäftStfjätigfeit toon einem einzigen ^Beamten 
auf bie $>auer auSfdjtießlidj bemaltet roerbe, fonbem baß 
aud) ben übrigen ©elegenfjeit gegeben fei, fidjmitbemöegen; 
ftanbe bertraut $u machen. $ierburdj mirb einesteils eine 
gettriffe Sinfeitigfeit beS ^erfonalS toermieben unb anberfeitS 
ber große Übelftanb berljütet, baß in KranffjeitS* ober 
fonftigen SerfjinberungSfäßen bie Vertretung beS betreffenben 
^Beamten auf ©d)ttierigfeiten ftößt. ©elbfttoerftänblidj f>at 
jeber Beamte, roie bieS audj in mannen $)ienftantt>eifungen 
nod) befonberS borgefdjrieben mirb, bie Sßflidjt, bem Vor* 
ftanbe ber Vibliotfjef Don jeber Unterfdfjlagung, Vereitelung, 
Unorbnung ober Vef djäbigung berVüdijer, ber Kataloge ober 
beS 3>noentarS fofortige ÜDtitteilung 5U machen. £)aS $luge 
eineS geübten Veamten fcermag mannen ©djaben 5U erfpäljen, 
ber nod) im erften ffintftef)en geseilt toerben fann. Von bem 
Verftetttfein ober bem Verfcfyttnnben bon Vücfyern ift befonberS 
aud(j berjenige Veamte ju fcerftänbigen , meiner bie Sifte 
ber öermißten Vüdjer füfjrt. S3aS bie fonftigen ©rforber= 
niffe eineS guten VtbliotfjefSbeamten anlangt, fo ift im erften 
5lbfdf)nitte beS toorliegenben Kapitels barüber bereits aus* 
füljrlidj geljanbelt toorben. $nbem mir ben Sefer bafjer auf 



Digitized by 



104: 



<£rfter Zeil, ©cbäube, ©eamte, SWittcf. 



jene Semerfungen öerweifen, motten mir im golgenben nod) 
einige Semerfungen über bie Unterbeamten t)ier aufstießen. 

S5)ie SSerpftic^tungen ber ©Treiber finb auf einer Siblio* 
tfjef im wefentlidjen biefelben wie auf einem ©ureau, nur baß 
(entere bort jur £ilfeleiftung beim AuSleihegefdhaft mit 
tterwenbet werben fönnen. SDen Wienern » l liegt e3 in ber 
SRegel ob, bie für ben ©ebraud) »erlangten Süc^er auf ©runb 
ber öon einem Beamten juüor mit ber Signatur be§ 2}ud)e£ 
fcerfehenen SBefteßjettel auSjufudhen unb in ba§ Au£leif)e* 
jimmer bezüglich ben ßefefaal überzuführen, biefelben auch 
nad) gefchejjener 93enu£ung an Ort unb (Stelle jurücf* 
jubringen, An mannen großen Sibliot^efen gefefpeht ba§ 
Au§fud)en unb ©infteüen ber Söüc^er inbeffen bon ben 
Beamten felbft unb jwar innerhalb ber ben einjetnen 
jugewiefenen Abteilungen. $>ie Liener berparfen ferner bie 
nach aufwärts gefjenben 33ücherfenbungen unb nehmen bie 
5urücffommenben in Empfang, fie überbringen (fomeit bie£> 
nicht burdj bie Sßoft geflieht) bie äftahn^ettel an fäumige 
a9ibIiotfjef§benu£er am Srte unb beforgen bie nötigen 
©a'nge im Auftrage be3 $8ibliothef§borftanbe£ , fie über* 
wachen cnblid) bie ^pei^ung unb Reinigung ber SöibliothefS* 
räume , $u welchem 3wecfe einer öon ihnen gewöhnlich al£ 
Saftettan im ©ebäube felbft wofjnt, unb anbereS mehr. Sin 
guter Liener ift für bie Söibliothef ein großer ©ettrinn; er 
üermag, wie ein erfahrner ©ibliotfjefar fefyr jutreffenb gefagt 
hat, ben übrigen Beamten i^r Amt wefentlidj $u erleichtern 
unb hat für bie 93efud)er oft einen größern 2Bert als mancher 
höher ftehenbe SöibtiothefSbeamte, ber ohnehin für biefe nur 
infoweit in Betracht fommt, al§ er mit ben S3erfehr3= 
gefchäften 51t thun hat. ©adje be3 SeiterS ber Söibliothef 
ift e§, bafür $u forgen, baß bie Liener fief) in ber Xijat ftet£ 
eine§ höflichen, bereitwilligen unb bienftfertigen 93enef)men§ 
ben Beamten wie bem Sßublifum gegenüber befleißigen unb 
fitf) in ieber £jinficf)t anfteüig unb brauchbar ju erweifen 
beftrebt bleiben, wie er umgefefjrt 5U Verhüten wiffen wirb, 
baß entgegengefe^te ©igenfdjaften jumSchaben ber 23ibIiotf)ef 



Digitized by 



öwciteß Staphel, fßon teil »eamten tcr »i&Uotfjcf 



105 



unb jur 93eläftigung ber Beamten unb beS $ublifum§ $(afc 
greifen, dagegen mirb ein einfidjtöboüer Gfjcf aHeS tljun, 
um ben Wienern burd) eine gerechte unb mof)lroottenbe 
üöe^anblung unb burd) bie ©orge aud) für ifyre äußere Sage, 
bie fid) ja Don Anfang an bei iljnen infofern ungünftiger 
barfteflt, al§ ein Slufrücfen in ben meiften gäßen au§gefd)loffen 
ift r tf)rc $lrbeit3foft unb Söittigfeit $u erholten, (Sbenfo ift 
e§ $flid)t ber übrigen Beamten , ben Wienern (roie felbfc 
berftänblid) aud) ben übrigen ©ubalternbcamten) in freunb- 
lieber SBeife gegenüberautreten unb biefen if)re untergeorbnetc 
Stellung nidjt burd) ifyr Senefjmen — im eigentlichen ©inne 
ju befehlen Ijaben fie ifynen ja nichts , e§ ift bie§ ©adje be§ 
2Jorftanbe§ — abfidjtlid) fühlbar $u machen. w £enn mir 
alle — fagt görftemann fo fd)ön — finb in bie Söelt 
gefommen, um 511 bienen; baS Lienen ift ba8 |jöd)fte, ttoju 
e3 ber SWenfd) bringen fann. 3)ie meiften Don un§, bie mir 
an ben 93ibüotf)efen befdjaftigt finb, fjaben bie ©teHung einc§ 
©taat§biener§ unb foflten fid) biefe Sßejeidjnung ftet3 öor 
klugen galten; bie fjöd)ften ©taatSbeamten finb nur in£ 
Sateinifdje überfefcte Liener. 3» ber Benennung 33ibliotf)ef£* 
biener liegt alfo fpradjlid) genommen gar nid)t3 fpe§ieUe§; 
nur ber ©ebraud) giebt bem Söorte feinen befonbem ©inn. 
$üten mir un§ bafjer ba§ SSort 5U fdjroff 5U betonen; bie 
SebenSfteßung ber SBibliotfyefSbiener, ifyre Sorbilbung unb 
ifjre £f)ätigfeit fonbern fie fdjon fdjarf unb f)art genug Don 
ben miffenfdjaftlictjen ©eamteu." 

©0 biet über ben ©efd)äft£frei§ be§ $kamtenförper§ einer 
©ibliotfyef. mögen fid) hieran nod) einige Söorte über 
bie 5lrbeit§5eit unb bie jumteit babon mit abhängige Sefol* 
bung ber 33ibIiotfjef£beamten aufstießen. S 11 ä3erürffid)tigung 
ber öerfd)iebenen ©röße ber Söibliotfyefen unb bc§ baburd) 
bebingten großem ober geringem Umfanget ber ©efdjäfte 
läßt fid) jmar fjinfidjtlid) ber £>auer ber ^(rbeit^eit eine 
beftimmte Sorfdjrift nid)t auf fteDCen f bod) muß biefe 
nid)t bloß 5U ben ©efdjäften im richtigen 2}erf)ältniffe fielen, 
fonbern e§ ift aud) bei ber geftftettung ber ^eitbauer unb 



Digitized by Google 



106 



Srftev ZtiU öcböube, «eamte, «Wittel. 



ber SEBafjl ber £age unb ©tunben hauptfäcf)lich auf bte 
Bebürfniffe be§ <ßublifum§, beffen ©ebraudje eine Sibliottjef 
jumeift geroibmet fein fott, SRücffic^t $u nehmen. SBir 
toerben im Kapitel über bie 33enu£ung ber Söibliotfjefen nodj 
©elegenljeit finben, auf biefe grage etma§ näher einzugehen. 
$ln ben preußtfehen Unitoerfitätöbibliothefen (einfcf)ließtich 
ber königlichen 33ibliotfjef in Berlin) ift bie 3^ ber 3)ienft= 
ftunben betfpielSroeife auf möchentlich 34 feftgefefct. „Sofern 
e§ jeboch — fo fjeifst e§ in bem betreffenben minifteriellen 
©rlaffe^ — ber orbnungSmäßige ©ang ber @efd)äfte 
erfordert , ift ber Borftefjer ber SöiMiot^ef befugt , bie 3atjl 
ber tüödjentlidjen ©tenftftunben in entfpredjenber SBeife $u 
erhöhen. $lnberfeit§ ift ber Sorftefjer ber Bibtiothef ermüde 
tigt, toäfjrenb ber gefeilteren Unitoerfitätöferien, fofern eS ber 
orbnung£mäßige ©ang ber ©efdjäfte juläßt, bie 3 a ^ bex 
wöchentlichen 2)ienftftunben bi§ auf 24 $u ermäßigen. 2)ie 
Berteilung ber $)ienftftunben auf bie einjelnen Sage bleibt 
bem Borftefjer ber Bibliotljef überlaffen." tiefer felbft ift 
an beftimmte $)ienftftunben nicht gebunben. tüirb toon 
bemfelben inbe§ erroartet, baß er ber Bibliotljef minbeftenä 
ebenfo öiele Seit toibme, ttrie für bie fonftigen tüiffenfchaft* 
liefen Beamten borgefchrieben ift. $ie Unterbeamten finb 
toödjentüd) 48 <§tunben für bie Bibliotljef &u befcf)äftigen." 
SBäfjrenb ber Untoerfttätöferien roerben, ttrie man hieraus 
erfieljt, bie Bibliotfjefen nicht gefd)loffen, fonbern nur für 
eine fürjere 3eitbauer geöffnet. %n ber £t)at finb gerien, 
n?enigften§ fold)e bon einiger SDauer, in Anbetracht beffen, 
baß ba§ ttriffenfehaftliche Sßublifum, als ©anjeS betrautet, 
meber gerien fennt noch in ber Ausübung geiftiger Xfyat'iQ* 
feit überhaupt einen ©tiöftanb eintreten läßt, für öffentliche 
Bibliotf)efen nicht tooljl angebradjt. Unb toenn auch 9 e toiß 
niemanbem mehr al§ bem Bibliotfjefar, beffen oft einförmige 
£fjätigfeit eine aufreibenbe ift r alljährlich eine beftimmte 
®rt)olung§paufe gegönnt fein muß, fo läßt fid) boef) biefem 
Bebürfniffe — roie ba§ auch in SBirflichfeit gefchiefjt — burd) 
Beurlaubung einzelner Beamter ber Sfteihe nadj unb 83er* 



Digitized by Google 



drittes Kapitel. Sott b«t «Kitteln ber »ibliotf)ef. 



107 



tretung berfelben burdf) bic Kollegen in böflig au§retcf)enber 
Söeife ©enüge tljun, of)ne ba& bic SBenufcung ber ©ibliotfjef 
feiten^ be$ $ubltfum§ baburdf) irgenbroeldje Sefctyränfung 
$u erleiben brauet. 

28a3 fcl)lief$lid) bie Sefolbung 93 ber SibliotljefSbeamten 
anlangt,, fo lag in biefer £Be$iefjung bon alters Ijer bietet 
im Slrgen. 2Ranct)e§ ift beffer geworben , bie§ fei banfbar 
unb freubig anerfannt, anbereS fjarrt nod) ber ttmnfdjenS- 
werten ©efferuug unb Slbftettung. SWödjte man überall an 
ben tnafegebenben ©teilen immer beffen eingeben! bleiben, 
toaS ber bibliotljefarifcfje Seruf — wir fafjen e8 oben — an 
aufopfernber ©elbftberleugnung, nie berfiegenber $rbeit$luft 
unb ftet§ bereiter $)tenftferttgfeit Verlangt unb wie berfetbe, 
wenn mit ©eroiffenljaftigteit erfüllt , feines 2ol)ne8 wert ift 
Wie irgenb einer. Sßidjtöiftjubem, ttrie fünfter fojutreffenb 
fagt, ber 93ibliotl)ef8bertt>altung fdOäblidjer al§ berftimmte 
unb gebrüefte Beamte, benen bie rechte förbernbe S^ätigfeit 
abgebt. 



dritte« Bapifel. 

Sott ben Mitteln ber SttHottd. 

(Sine 33ibliotf)ef ju errieten, biefetbe nad) i^rer (Er* 
rid^tung in ftanb ju galten unb entfpredjenb ju bermeljren, 
baju gehören notmenbigermeife beftimmte ©elbmittet, bie 
entWeber in regelmäßigen jährlichen baren 3utoeifungen ober 
in einem ©tammfapital befielen, beffen $\n\en für bie 
93ebürfniffe ber Sibliot^efen berwenbet werben, (ErftereS 
wirb in ber Siegel bei allen ftaatlidjen unb ftäbtifcfjcn 
93tbliothefen ber Satt fein, wätjrenb jebe fonftige bom©taate 
ober bon einer Kommune unabhängige ©ammlung eines 
eigenen ©runbfapital§ bebarf, au§ beffen (Einfünften fie fid) 
erhält. @§ ift babä natürlich nidjt au§gefcf)loffen, baß auch 
manche öffentliche SBibliottyef fid) bon bornf)erein eine§ 
befonbern SSermögen§ erfreut ober im Saufe ber Qtxt burdj 



Digitized by Google 



108 



(Srfter 2ei(. öe&äube, ©eamte, aHittel. 



glüdflitfje Umflänbe nachträglid) $u einem folgen gelangt 
Seiber ift e§ bei un§ menig ©Ute , bog $rtoate bie Sibtio* 
tiefen burdj 3"^enbung tion baren ©elbmitteln in ihren fo 
eblen, auf bie görberung ber 23ilbung unb ©efittung gerichteten 
Sielen unterftüfcen. !3m günftigften Salle erhalten unfere 
33ibliotl)efen Heinere, meift minberroertige 93üd)erfammlungen 
toon einaelnen ©elehrten jugettriefen; bie grogartige greU 
gebigfeit reifer Privatleute 5U gunften ber öffentlichen 
©ücherfammlungen, roie fie namentlich in Slmerifa herrfcfjt — 
bog Organ ber norbamerifanifchen Sibliothefen §at jur 
5luf5ät)lung ber ©efchenfe an bie öffentlichen Sibtiottjefen be§ 
Sanbe§ eine eigene SRubrif in feinen ©palten eingerichtet — 
ift unferen Serhältniffen burchftfmittlich fremb unb roirb e& 
&orau§fid)tltch auch noch lange bleiben. 

Sieben ben regelmäßigen jährlichen ©innahmen ift e§ für 
jeben S3ibliothef§t)orftanb fehr erroünfd)t, Von 3?it ju 3*tt 
einen aujjerorbentlichen 3 u f<h u 6 für bie ©ammlung $u 
erhalten, um bamit bie befonberen SBebürfniffe, roelche fid) 
im Saufe ber 3?it bei jeber SBibliotfjef immer lieber bon 
neuem herau§fteHen unb, je länger fie anhalten, um fo bring* 
licher merben, befriebigen $u fönnen; benn gerabe bei ben 
SMbliothefen überfteigt ber öebarf bie Sftittel in ganj 
befonberem ©rabe. ©r roirb babei im roefentlicf)en immer 
tüieber auf bie roohlttiollenbe görberung ber borgefe^ten 
Söeljörbe angenriefen fein, roenn er folch eine außergewöhnliche 
©innahme ermirfen min. 9?ur in gan$ befchränftem Sflaße 
unb borübergehenb vermag er felbft für neue 2)?ittet 51t 
forgen, nämlich burch eme mit©enehmigungberDberbehörbe 
borjunehmenbe Veräußerung ber 3)oubletten, roelche bie 
SSibliothcf befijjt, fofern er biefelben nicht auf bem SBege be§ 
Saufche§ abflößt. -Jftan h n * ä^ar baneben in $8orfd)Iag 
gebraut, au§ ber §erau§gabe Don ^anbfdjriften unb anberen 
©djäfcen ber $Bibliotl)efen fomie ber Veröffentlichung bon 
£anbfd)riftenber5eid)niffen unb gebrueften Katalogen burd) 
bie Beamten eine befonbere Einnahmequelle für biefelben ju 
fdjaffen, inbeffen erft^eint ein folcher Vorfdjlag offenbar roenig 



Digitized by Google 



drittes Äapltcl. «on ben SWitteln ber Sibllotftct. 10!) 



glüdflid), menn man bebenft, bajs ba3, mic mir faljen, burdj* 
fchnittlid) geringe Sßerfonal mit ber 33ermaltung ber Siblio* 
tfjef felbft öoöauf tfjun hat unb litterarifdjen Arbeiten 
im pefuniären 3ntereffe ber $lnftalt nicht herangezogen 
werben fönnte , ohne bafj bie Snftanbfjaltung unb SBeiter* 
cntmicfelung berfelben ferner gefchäbigt mürbe. 

SBer im 99efifce einer öffentlichen 93ibtiotf)ef ift, fei e8 ber 
©taat ober eine ©tobt, mufc fief) toielmehr barüber flar merben, 
baß eine f olcf)e ohne bebeutenbe $luf menbungen an ©elbmitteln 
heutzutage ihren 3^ecf nicht mehr erfüllen fann 94 . $)ie einem 
fpejietlen Sache gemibmeten Sammlungen, beren Vermehrung 
im Sntereffe ber allgemeinen ©ibltothefen, $u beren ©ntlaftung 
fie bienen, münfcf)en8mert ift, (äffen fich noch mit toerhältniS* 
mäfjig befchränfteren Mitteln erhalten unb fortfefcen ; SBiblio- 
thefen uniberfellen ©hcuafterS a & er ' Nie namentlich bie 
9?ationalbibliothefen, Untoerfitätöbibliothefen, großen ©tabt^ 
bibliotf>efen, erheifchen bei bem riefigen Sluffchmunge, ben bie 
litterarifche^ßrobuftion in unfererßeit genommen §at, immer 
namhaftere Opfer, um ihren öielfeitigen Aufgaben auch nur 
annöhernb geregt $u merben 95 . Wit ©enugthuung barf 
man barauf fjinmeifen, bafc bie SBebürfniffe ber ©ibliothefen 
an ben mafcgebenben ©teilen ein madjfenbeg SSerftänbniö 
gefunben fyabzn unb angefid)t$ ber $luf menbungen, melche 
für Slnftalten mie ba§ Söritifche üliufeum in ßonbon, bie 
^ationalbibliothef in $ari&, bie Sgl. SMbliotfjef in ©erlin :c. 
gemacht merben, fann man nicht mehr babon fprechen, 
bafc bie SBibltotljefen anberen miffenf^aftlichen Slnftalten 
gegenüber burchgängig öernadjläffigt merben. föchten auch 
bie fleineren ©ibtiothefen immer allgemeiner mit benjenigen 
SWitteln auSgeftattet merben, melche ber heutige ©tanb ber 
miffenfchaftlidjen ©ilbung unb Sßrobuftion gebieterifd) forbert. 
©adje ber Sibliothefäborftänbe aber mirb e§ fein, in um* 
fichtiger unb fparfamer SEBeife mit ben ihnen jur Verfügung 
gefteßten SKitteln §au§ 5U halten unb bei ben Slnfchaffungen 
ba§ mirflich Sttotmenbige üon bem 2Bünfd}en§merten, aber oft 
Entbehrlichen fdjarf ju trennen, ©erabe hierbei mirb fid) 



Digitized by Google 



110 



©rfter Xtil. ©ebäube, Spornte, SRittcI. 



bic @efd)ic«icf)feit unb UrteitSfäljigteit eineä 93ibliotf>efar§ 
befonberS beutlid) aeigen. Sorfjanbeneä Sßermögen bcr 
»ibliotfjef aber toirb ein tüchtiger 95ib(iot^e!ar fclbftöerftänb^ 
lidj toie ein gemiffen^after unb forgfamer ©efd)äft§tnann 
burcf) genaue Sud)* unb $Hec§nung£füIjrung getreulich Ijüten 
unb bewahren unb ju mehren futfjen unb nichts babon fcer* 
geuben, nrie er aud) etmaige SSorredjte ber SMbliotljef, befonberS 
baSjenige ber $flidjte£emplare, forgfättig aufregt erhalten 
unb fie nad) Gräften für ba§ 2Bad)3tum unb ©ebenen ber 
2lnftalt au0nü£en roirb. 




Digitized by Google 



Dom £it^erfd)a^ 



Sott ber ©tnrirdtung beS 8üd)crfd)afK$. 

Örfler 2C0fdjtuü. 
<?on bcr ^eßrimbung öesfe£6en. 

93ei SBegrünbung einer SMbliotljef 96 ift nichts bon größerem 
SRufcen unb nichts für ben gebeif)lid)en gortgang ber ©omni* 
hing Don toirffamerem ©rfolg, alä wenn man fid) gleich fcon 
#au§ au§ borüber ganj ftar 511 werben fudEjt, innerhalb 
melier ©renken ficf) bie Sibliottyef belegen fott. GS ift bie 
©adje be§ 93ibliotJ)efar8, nacf) SKafjgabe ber über ben 3tt>etf 
ber (Sammlung toon bem ©rünber gegebenen 33orfcf)riften 
unb Slnbeutungen einen eingefyenben $JMan feft^ufteHen, worin, 
ba bod) bie für fcerfcfjiebene Qxot&t $u begrünbenbcn Sötblio* 
tiefen natürlich audE) öerfdjiebene Stiftungen Verfolgen muffen, 
nift nur befiimmt ift, auf meiere gäcf)er ber Sitteratur bie 
Söibtiotljef fid) erftretfen mufc, fonbern audf) worauf in biefen 
gädjern ba§ befonbere Slugenmer! $u richten fei. SDenn 
man barf, wag ben legten $unft anlangt, nid)t unbeachtet 
(offen, bafj bei ber in§ Ungeheuere gefjenben litterarifcfjen 
^robuftion nur wenige 33ibliotf)efen imftanbe fein werben, 
felbft blofe in einzelnen Sädfjern eine naljeju abfolute SBott* 
ftänbigfeit 5U erreichen. 3>ie Berfplitterung ber SWittel unb 



Digitized by Google 



112 



Swcitcr Zeit, S8om md)ex\$a$. 



ba£ ©ammeln toon 3^cdEIofem mit £intanfefcung toon groeef* 
mäßigem roirb ba, too man fidj ben $lan nid)t Hat bor* 
gezeichnet Ijat, nie ausbleiben. (Sine ©rroeiterung be§ SßlaneS 
wirb fpäter, falls eS bie Umftänbe empfehlen ober gebieten 
füllten, immer nod) leicht möglich fein, mogegen ba§ fpätere 
©inlenfen Don einem planlofenUmfjerfchtoeifen in einen plan- 
mäßigen ©ang bei bem Sammeln feine großen ©c^mierig* 
feiten hat, mobei minbeftenS bie nufcloS t)ergeubeten Littel 
nicht toieber erfefct merben fönnen. 3n erfter Sinie iDtrb ber 
Söibliothefar fein $lugenmerf auf bie notmenbigen biblio- 
grapljifd)en§üf§mitte( 97 rieten, bemnadE) bie ^Bibliographien 
ber einzelnen 3Biffenfchaft§5toeige , biographtfd)e Seyifa unb 
bie bebeutenberen Sftachfchlageroerfe, meldte für bie weiteren 
2Inf Raffungen als SBegmeifer unb für bie Satalogifierung 
ber (Sammlung als Ratgeber ju bienen beftimmt finb, 
ermerben fudjen. 

©obann mirb er forgfam Umfc^au ju galten haben, ob 
nidjt irgenbroo 93üd)ert>orräte Dor^anben finb, bie fid) als 
©runblage ber neuen ©ammlung eignen. 3)enn roenn aud) 
bie reiben Duellen, auS benen fo manche unferer heutigen 
angefefjenen Sötbliothefen ihre erfte Nahrung entnommen unb 
ihren erften 3"ffaß Qcfdjöpft haben, bie Älofterbibliothefen, 
toerfiegt finb, fo giebt cS bod) nod) ©elegenfjeit genug jur 
£erbei5ief)ung öon aHer^anb namentlich in Sircf)en, titaU 
Käufern fleinerer Drte unb anberttmrtS unbenufct lagernben 
33ücf)er&orräten, bie enttoeber gleich im ganzen für bie neu 
anaulegenbeSöibliotljef ober in einer für bie 3roecfe berfelben 
entfprec^enben $luSroahl fcertoenbet merben fonnen. ©emeinig* 
ltd) werben fid) bie Eigentümer foldjer SBüc^eröorräte, ba fte 
feiten erheblichen SSert barauf legen, $ur Abtretung berfelben 
leidet baburdf) bemegen laffen, baß man ihnen gemiffe Stechte 
in Söejug auf bie ©enu^ung ber neuen ©ammlung aufidfjert, 
ober fonft einige feine befonberen Soften in Slnfprud) nehmenbe 
Vorteile in «uSfidjt ftellt. ©efdjieht bie Abtretung eineS 
SüchertoorrateS botlftänbig unb ohne irgenb einen SSorbehalt 
öon fetten beS bisherigen SBefifcerS, fo muß eine©id)tung beS 



Digitized by Google 



Slerte* StapiM. «ort bcr Einrichtung be§ »üdjerfdjcitjc?. 



113 



SDfaterialg unb bie Abtrennung be§ brauchbaren bon bem 
Unbrauchbaren b. h- bemjenigen, ma§ nad) bem entmorfenen 
^ßlane für bie 33ibltothef als nicht paffenb befunben mirb, 
toorgenommen tt)erben, um burch ben SSerfauf be8 Unbraud) 5 
baren neue SWittel jur ^erbeifdjaffung bon Sßaffenbem ju 
geminnen. -Rod) borteilfjafter mürbe fid) auch, menn gerabe 
eine günftige ©elegen^eit ba$u geboten ift, ba8 Ungeeignetere 
im SBege be§ SaufchberfefjrS mit anberen Sibliothefen gegen 
3mecfmäßigere£ berroerten laffen. QuU^t ift noch m ®rmägung 
ju 5ief)en, mag man toielleidjt an Süchem auf bem SBege ber 
öffentlichen Sitte unb Aufforberung al§ burdjauS freimillige 
©efcf)enfe, benen allein fdjon fo manche Sßibliotfjef ihre Gnt* 
ftehung ju berbanfen hat ober, mo f o etmaS thunlich ift, burch 
Auferlegen bon Verpflichtungen ju litterarifchen SBeifteuern 
erlangen fann. SefctereS ttrirb atterbingS nur bei ftaatlichen 
93ibliotf)efen angängig fein, ba bie SBuchhänbler (bezüglich 
$)rucfer) nur auf ©runb gefefclidjer ©eftimmungen jur Ab= 
lieferung bon ^Pflichtexemplaren für ein einjelneg ßanb ober 
eine $robin5 herangejogen merben fönnen. 3n Se^ug auf 
fäufliche Anfd)affungen fdjeint e§ am ametfmäßigften $u fein, 
menn für eine neu anjulegenbe Sibliotljet gleich ™ WW X 
größerer 23ücf)erfompIe£, beffen ©efamtheit ober minbeften§ 
überm iegenber unb mertbollerer Seil ben für bie SMbliothef 
geftetlten Anforberungen entfprid)t, ju ermerben gefudjt mirb. 
Einmal nämlich ift bie ©rmerbung folcher Sücherfompleye 
gemiß ber jenige SSeg, auf meinem man am fdjnellften 5um 
3iele gelangt, unb bag anbere Sftat ift biefer 2Beg in bei- 
leget auch *> er bittigfte , meil man bei Anfäufen größerer 
Süchermaffen immer nur mit wenigen ®onfurrenten , bie 
auf Steigerung ber greife nie ohne Einfluß bleiben, 311 
fämpfen hat, un ^ weil bie burch ^tn ©in^eluerfauf ber 
SBüdjer einer Sammlung notmenbig entftehenben 9tegiefoften 
bei bem äftaffenfauf 5um großen Seile in SBegfatt fommen. 
Sei größeren ffäufen hat man in ber TOehrjahl ber gälle 
nur einige menige Antiquare 511 Äonfurrenten, benen bieSSage 
ju hatten einer Sibliotfjef nicht ferner fallen fann, ba biefe 

©taejet, JBtbUot$e!8le§re. s 



Digitized by Google 



114 ßiücitecXetl. Born SiUScrföa*. 

nur barauf au3gel)t, bie (Sammlung ^u erwerben, um fie 51t 
begatten, jene aber baS Erworbene wieber $u öerfaufen unb 
bei bem äBieberöerfaufe ju gewinnen beabfichtigen, baljer aucfy 
barauf angewiefen finb, bie ©ammlung fo weit als möglich 
unter ihrem magren Söerte $u erfaufen. bietet fid) $u ber? 
gleiten Anläufen größerer 93üd)erfompleje feine paffenbe 
Gelegenheit, fo ift eS fdjon öon 9hi£en, einzelne Heinere Ab* 
teilungen umfangreicherer Südjerfammlungen $u erwerben, 
roeiX man auch hierbei immer noch mit geringerer ^onhirren^, 
als bei bem wirtlichen E injelfaufe, $u thun haben wirb. $)er 
Anlauf öon bergleicf)en ausgewählten Abteilungen gemährt 
fogar ben großen Vorteil, baß man bei biefer Gelegenheit 
öerfjältniSmäßig weit geringeren 33aHaft öon unnü^en unb 
über f(üffigen 93üd)ern, beren Söieberöeräußerung öon feiten 
ber Sibliothefen faum ohne einigen SBcrluft inS SBerf 511 
fefcen ift, mit in ben fiauf ju nehmen hat, als bieS bei bem 
Anfaufe größerer Söücherfompleje notwenbigerweife ber gall 
ift. 3J?ef)r noch h at nian e§ freilief) bei Einzelläufen, auf bie 
man in Ermangelung öon Gelegenheiten 5U Anläufen ganjer 
größerer ober fleinerer Abteilungen angewiefen bleibt, in ber 
<panb, alleS Überpffige außer Spiel 5U laffen; fyex fann 
man ben gorberungen beSjenigen planes, melier für eine 
Söibliotfjef feftgeftellt ift, in jeber SSe^ieljung bie ftrengfte 
golge geben. %m allgemeinen gilt bei Einzelläufen als Sftegel, 
baß man öon ^Jriöatperfonen unb auS Auftionen gewöhnlich 
billiger lauft, als öon Antiquaren, unb öon biefen natürlich 
wieber billiger, als öon ben gewöhnlichen S3uchhänblern. 
$icf)tSbeftoweniger aber fommen genug gälle öor, wo man 
beffer thun wirb, öon Antiquaren, bie einzelnes öielleicht 
gerabe billig eingefauft haben, unb beS fchnelleren Umfa£eS 
wegen baS billig Bingefaufte auch verhältnismäßig bittig 
wieber öerfaufen, bie an^ufdjaffenben S3üd)er $u beziehen, als 
öon *ßriöotperfonen, welche ihr Eigentum auS UnfenntniS 
häufig überfd)äfcen, ober auS Auftionen, wo bie greife burch 
bie ftonfurrenj nicht feiten über ben wahren äßert ber 33 üd)er 
hiuaufgefteigert werben, $ie regelmäßig erfcheinenben Kataloge 



Digitized by Google 



»icrte« Äopitd. »o» ber fciiutcfjtung bc* JBürf)cr^atc>3. 



115 



ber antiquarifdjen 93ucf)tjanMungen bilben in Se^ug auf bie 
frühere Sitteratur für ben Sammeleifer beS ©ibliotljefarS 
eine reiche gunbgrube, bie mit gleiß unb SBerftänbniS au$~ 
Zunüfcen fein unermüblid)e£ ©eftreben fein muß. Sorgfältig 
angelegte Siften berjenigen älteren SBerfe, beren Snfdjaffung 
fich innerhalb ber fcerfdjiebenen gädjer an erfter ©teile 
empfiehlt, wobei bie Sachgelehrten am Drte if)m fidherlid) 
if>re willige Unterftüftung letzen bürften, werben ihm befonberS 
bienlid) fein, gür bie neu erfc^einenben Sucher werben bie 
©ortimentSbuchhanblungen bie gewöhnliche ^Bezugsquelle zu 
bilben fyaben, woüon im Kapitel über bie 33ermef)rung ber 
33ibliotf)ef nod) eingehenber bie Sftebe fein wirb. 

£ier biirfte ber rechte Ort fein, noch einige öemerfungen 
über 5Wecf mäßige unb unzmeef mäßige , wertöolle unb wert* 
lofe (Erwerbungen hinzuzufügen, beren (entere ber 58ibliotf)efar 
tton Vornherein, wenigftenS bei (Einzelläufen — bei 5ln* 
ftfjaffungen im ganzen ift bieS, wie wir faf)en, nirf)t immer 
möglich — » ebenfo ftreng zu meiben hat, als bie erfteren für 
ihn erftrebenSwert finb. 

SMegroecf mäßigfeit ober Un^wecf mäßigfeit, berSöert ober 
Unwert einer «nf^offung lä&t fich teils mit 9iücfficf)t auf 
bie Stellung beS an^ufchaffenben ©udjeS zur ganzen ©amm- 
lung, teil§ f)tn'fid)tlich beS einzelnen 93ud)eS an fich inSetra^t 
Ziehen. 3n erfterer Beziehung wirb freilich nichts weiter zu 
fagen fein, als im allgemeinen zu wieberholen, baß bie 5ln* 
Schaffungen nur infomett, als fie in bie ©renzen beS für bie 
Söibliothef borgezeichneten *ßlaneS fallen, z^eefmäßig unb 
wertboü fein fönnen, außerbem aber unzweefmäßig unb 
wertlos finb. ©in wennauch noch fo wert&olleS theologifcfjeS 
SBuch Wirb baher z- ©• für eine ©ammlung, bie nach &*ni 
barüber feftgefteKten Sßlane nur für juriftifche S3ücf)er beftimtnt 
ift, bod) wertlos fein. 9?od) fpeziellere Darlegungen über 
biefen ©egenftanb zu geben, ift auS bem ©runbe nicht an* 
gängig, weil jebe Klaffe öon ©ibliothefen ihre oerfcf)iebenen 
©renzen hat, bemnad) alfo auch jebe biefer Klaffen einer 
befonberen 33efpred)ung unterzogen werben müßte, was fym 

8* 



Digitized by Google 



116 



Swcitec Zeil. Com »ücfferfäafc 



natürlich $u weit führen tuürbe. dagegen läßt fich in 
$lnfel)ung be£ etnjelnen 33uche§ an fid) folgenbeS fagen. 
Sögen bie ©renken einer Sammlung eng ober toeit gejogen 
fein, innerhalb biefer ©renken roerben alle baf)in einfd)lagen* 
ben Slnf Raffungen ihre gemeinfamen äRerfmale haben fönnen, 
nad) benen fid) ihre ßroeefmäßigfeit ober Unaroetfmäßigfeit, 
ihr Sßert ober Umuert beftimmen läßt. S)iefe äRerfmale 
beziehen fid) teils auf bie inneren (£igenfd)aften ber Sin* 
ftfjaffungen, alfo ber S3üd)er, teil£ auf beren äußere ©igen* 
feejaften unb äußere SSerhältniffe. 9tütffichtlid) ber erfteren 
l ommt bie ttriffenfdjaftlicfye 2Bid)tigfeit, rürffidjtlid) ber lefcteren 
bie ättcrfroürbigfeit unb (Seltenheit in 33etrad)t. $iernad) 
•würben alle 23üd)er, bie fid) jur Slnf Raffung al§ aroeef* 
mäßig unb roertfcolt empfehlen fönnen, theoretifd) in brei 
Staffen, in tmffenfdjaftltcf) mistige, merfroürbige unb feltene 
Söüdjer, ju fdjeiben fein. 5)a in ber $ra£i§ jebod) häufig 
genug Sucher toorfommen, bie nid)t ber einen ober ber 
anberen biefer Staffen au3fd)ließlich angehören, fonbem in 
jroei ober alle brei Staffen augleid) einfdjtagen , fo roirb, 
roenn junöc^ft ein Überblid über bie brei Staffen überhaupt 
gegeben ift, nod) eine befonbere 2luf5äf)lung aller berjenigen 
Birten Don 33üd)ern, bie man in biefe Staffen einreiben fann, 
folgen müffen. 

3uerft, rote gefagt, ein Überblicf über bie brei Staffen. 

2Sa£ finb roiffenfd)aftlich mistige SBüdjer? hierunter 
begreift man foroof)l alle Cueflenroerfe, al§ auch alle bie* 
jenigen 2öerfe, gleistet ob größere unb umfaffenbere ober 
fleinere Sonographien, meiere entroeber burd) neue barin 
enthaltene eigene 3orfd)ungen ober neue 2>arftellung unb 
anberroärt§ noch nicht gegebene 3 u f a mmenfteHung ber 
gorfdjungen Slnberer ju jeber $eit in ber 2Biffenfd)aft eine 
2lrt Epoche gemacht unb baburd) einen, toennaud) nicht für 
ade geiten anbauernben, bod) mehr al§ bloß ephemeren SBert 
erlangt haben. Originale üerbtenen natürlich fcor ben Über* 
fefcungen unb Slu^jügen überaß ben SSoraug, unb lefctere nur 
bann ba£ Anrecht, ber Slaffe ber roiffenfchafttid) wichtigen 



Digitized by Google 



fBierlcö finpitcf. SSon ber Ginrldjhmß bc8 Bürfjerfrfjafcc*. 



117 



Jöücher beigezählt 511 werben, wenn fte entWeber bebeutfame 
Sigentümlichfciten befifcen, bie bcn Originalen abgeben, ober 
biefe felbft nicht jugänglid) finb. darüber, maS man für 
©poche macf)enbe SBerfe anzufehen habe, h ot baS fritifcfje 
Urteil ©ach&erftänbiger entfcfjeibcn , wogegen oft rein 
jufättigc Umftänbe, 5. 93. baß ein Söerf f 0 unb fo tiiele 
Auflagen erlebt h<*t ober in f 0 unb f 0 biele ©prägen überfe^t 
morben ift, an fid) nie 511 ber Sinnahme, baß ein f oldjeS Söerf 
5U ben wiffenfchaftlidj wichtigen gehört, berechtigen bürfen. 

^aS finb merfmürbige »üdjer? $ie ©rünbe, weshalb 
man ein Surf) unter bie merfmürbigen 5äf)lt, fönnen fe^r 
öerfcfjieben fein. Sin 23ucf) fann baburd) merfmürbig werben, 
baß feine Sntfteljung einer fef)r frühen ßeit angehört; baß 
eS öon einem befonberS berühmten ober bef onberS berüchtigten 
Serfaffer ober Herausgeber gefdjrieben unb Veröffentlicht 
ift; baß eS ferner einen auffaflcnb fonberbaren ©egenftanb 
beljanbelt, ober bie Seljanblung felbft eine auffatfenb fonber- 
bare ift; baß eS fid) burd) f e i ne äußere, fei eS prächtige unb 
f oftbare , fei eS toor^üglid) gefd)matföoHe SluSftattung öor 
anberen auszeichnet; baß eS aus einer berühmten $)rutferei, 
wie ber eineS 9llbuS, ©tepljanuS, Sljetoir, hervorgegangen, 
auf ein ungewöhnliches SKaterial gefdjrieben ober gebrucft 
ift; baß fein Umfang ober feine gorm Don benen bergemöfm* 
liehen 93ücher tt>efentlich abweicht, fein Sinbanb burd) Sauber* 
feit ober $ßrad)t unb Reichtum befonberS h ertoor ft ec ^ en ^ ift; 
enblich baburd), baß eS feltfame Sdjidfale erlebt Ijot, ober 
an benf würbige ©reigniffe unb Sßerfonen erinnert. SS ift 
nicht fo gar fd)Wer, Wenn man nur einigermaßen f)iftorifd)e 
unb tedmifche Senntniffe befifct, bie hinftchtlich ber eben an* 
gegebenen fünfte merfmürbigen 33üd)er auS bem großen 
Saufen ber übrigen SBerfe he*au§5ufinben. 

SSaS ftnb feltene Sücher? 98 $)iefe Srage ift ungleich 
fdjwieriger $u beantworten als biejenige, waS miffenfehaftlich 
wichtige unb waS merfmürbige S3üd)er ftnb. SS ift eine faft 
nid)t 5U bemöltigenbe Aufgabe, bie SKerfmale eines mirflid) 
feltenen 93ud)e$ in allen Sailen anzugeben unb auS ben faft 



Digitized by Google 



118 



Siucitcr Xtii. $om © ücfjct'f djafc, 



^ahllofen unb cinanbcr fehr häufig burchauSwiberfprechenben, 
teils burch teils burd) £)rtSöerf}ältniffe, teils unb bor* 
jüglich aud) burd) befonbere Siebljaberei bebingten Angaben 
über bie Seltenheit eines ©udjeS überall baS Nichtige heraus* 
5uftnben. 3)ie Dbjefte ber Sammlung eineS raritätenfüchtigen 
überspannten 93ibliomanen, bie nur $u oft mit unglaublich 
ho^en greifen be^n^It derben, allemal für wirflidje unb 
jumal aufcerorbentliche Seltenheiten anjufefjen, würbe fehr 
üerfehrtfein; benn waS bemeinen für ein „Opus rarissimum" 
gilt, unb WaS bon bem anberen als ein „Liber albo corvo 
rarior" gepriefen wirb , baS öerbient bisweilen nicht einmal, 
5U ben gewöhnlichen Seltenheiten gewählt $u werben. Allein 
trojj aller Unftetigfeit in ben Gegriffen einer Seltenheit lägt 
ftd) boch einiges feftfteßen, unb biefeS wirb, wenn man eS 
nur immer bebädjtig inS $luge fafft allen benjenigen, welchen 
93üd)erfenntniS überhaupt nicht gan$ fremb ift, mehr ober 
Weniger einen Stüfcpunft für ihr Urteil gewähren. SSor 
allem hat man feftzufjalten, ba& bie Seltenheit eineS SBerleS 
entWeber eine abfolute ober eine relative fein fann. SRelattoe 
Seltenheiten finb ftetS fcon fel)r untergeorbneter 93ebeutung, 
ba fie bem 2öed)fel ber SBerfjältniffe , burch welche fie ju 
Seltenheiten geftempelt worben finb, allju fehr unterliegen. 
Verbotene Söüdjer 5. 93. bleiben in ber SHegel nur fo lange 
eine 2lrt Seltenheit, als baS SSerbot eben bauert, unb SBerfe, 
bie auS einem entfernteren, bem gewöhnlichen SSerfehre 
weniger zugänglichen Sanbe ftammen, finb nur fo lange 
Seltenheiten, als jener SJerfefjr nicht ein lebhafterer geworben 
ift. $er Söert relativer Seltenheiten hängt immer öon 3^it, 
Ort unb fonftigen llmftänben ab, bie baS, waS man heute 
für eine auSnehmenbe Seltenheit fauft, fdjon morgen 5U ben 
allergewöhnlichften ©üd^ern herunterbrücfen fönnen. ' ©eSljalb 
mag eS wohl etwaS ÜberflüffigeS fein, fid) mitbemSluffuchen 
öon SKerfmalen relatib feltener SBüdjer länger aufzuhalten. 
5lnberS t>erf)ält eS fich hingegen mit ben abfolut feltenen 
S8üd)ern, bie für eine 33ibltothef üon wefentlicher Sebeutung 
werben fönnen; eS ift baljer aud) fchou lohnenber, fich m ^ 



Digitized by Google 



SicrteS ÄQ^ttcI. »cm &cr (Einrichtung bc3 53ücf»crfcf)QVje5. 



119 



ilmen unb iljren Werf malen eingefyenberaubefcfyäftigen. 2)er* 
gleichen fcltene ©üdjer finb teils foldje, bie bie§ gleich Don 
£au£ au§ gewefen, teils fo!d)e, bie bieg erft im Saufe ber 
3af)te geworben. 

3u ber erften Sflaffe biefer feltenen 93ücf)er, alf o ber jenigen, 
weldje gleid) Don $au8 au§ feiten gewefen finb, gehören 
außer Driginalfjanbfdjriften unb ben nur in wenigen 
(Exemplaren baDon entnommenen 9Ibfrf)riften fomie ben ben 
^anbfdjriften nafje^u gleid)ftef)enben (£f)irott)pen unb äfjn* 
liebem ade gebrueften 28erfe, woDon überhaupt nur wenige 
Slbbrücfe gemalt worben finb. ®8 lägt fid) bieS allerbingS 
nid)t burd)weg juDerläffig beftimmen, weit in einzelnen hätten 
bie Angaben barüber ganj fehlen , unb man biefe in Dielen 
anberen Sailen, um einem Sucfje ba§ $lnfetjen einer ©elten* 
Ijeit ju geben, abfidjtlid) Derfälfd)t fjat. gerner gehören ju 
ben Don $au§ au§ feltenen SSerfen alle biejenigen, Don benen 
ein groger £eil ber Dorfjanbenen (Exemplare gteidj anfangs 
entWeber burtf) 3"faß ohtv mit Slbfidjt , um fie ju unter* 
brüefen, Dernid)tet worben ift. Unter bie ©üdjer ber lefctern 
$lrt finb 93. bie befanntlid) mit bem tarnen Autographa" 
bejeidjneten <Sd)riften Don Sutfjer unb feinen 3ertgenoffen h u 
rennen, Don benen ein guter Seit gleid) bei feinem ©rfdjeinen 
bem fanatifcfyen (Eifer unb ber SJerfolgung Don Mnljängern 
be£ 9iömifd)en ©tufjleS fcum Opfer gefallen ift. 2113 eine 
2lrt Don Seltenheiten, bie 5Wifd)en ben relatiD feltenen unb 
ben Don £au§ auS abfolut feltenen Südjern gewiffermagen 
in ber SKitte flehen, finb fowofjl bie au8 SßriDatbrucfereien 
IjerDorgegangenen SBerfe, als aud) bie nicfjt jum XJerfaufe 
gebrueften , fonbem ju ©efdjenfen beftimmten 93üd)er an$u* 
feljen, weil fie einerfeitS baS mit ben festeren gemein f)aben, 
bag fie Don Anfang an bem grögern Sßerfeljre entzogen bleiben, 
anberfeitS aber, ba bie Auflage foldjer SBüdjer nidjt allemal 
notwenbig eine befdjränfte ift, infolge Deränberter Umftänbe 
fpäter bod) nodj (Eigentum beS SBerfeljrS werben fönnen. 

2Sn bie zweite Slaffe , bie fflaffe ber erft im Saufe ber 
3iaf)re $ur ©eltenfjeit geworbenen 53üdjer, gehört natürlich 



Digitized by Google 



120 



8t»ettct Ztil. JBom 93ücf)crf$afr. 



öor allen anberen bie Wlt^x^l ber auS benaHererften3eitcn 
ber SBuchbrucferfunft fiammenben SBerfe, beren ohnehin öon 
Anfang an nicht eben fetjr beträchtlicher Raufen, je mehr 
3af)re barüber Eingegangen finb , $u einem um fo Meineren 
$äuflein jufammengef^moljen ift. tiefem Häuflein finb 
einesteils unb hauptfächlich bie erften S8erfucf)e ber 33uch= 
brucferfunft , bie fogenannten Sfylographen ober ^oljbrude 
b. fj. 93üd)er, bie mit auf §ol$ gefdjnittenen unbeweglichen 
Settern gebrucft Horben finb, unb anbernteilS alle unter bem 
tarnen ber (SrftlingS* unb SSiegenbrurfe ober Snfunabeln 
unb Sßaläottjpen allgemein befannten $)rucfe beizählen, beren 
©ntftefjung ber $eit öom Anfange ber Jöud)brucferfunft mit 
beweglichen Settern bis jum 3al)re 1500 angehört. Wlit 
bollern Sftedjte bürfen folche 3fylograpf)en unb Snfunabeln 
als wertvolle 5lnfchaffungen jeber Söibliotfjef anempfohlen 
Werben, weil fie, abgefe^en Don ihrer (Seltenheit, jum großen 
£eile audi) fonft noch ^ ren eigentümlichen SBert befifcen unb 
mit 5U ben wenigen Südhern ju rechnen finb, auf weldje baS 
©raSmifche : „sicut in unguentis et vinis, ita in libris pre- 
tium addit antiquitas", wirtlich Slnwenbung finbet. Slufcer* 
bem fallen in bie jWeitgenannte Stoffe ber (Seltenheiten alle 
(Schriften, welche entWeber, weil fie anfangs um ihreS 3n* 
halteS willen ober Wegen ihreS geringen UmfangeS $u Wenig 
bie befonbere$lufmerffamfeit auf fid) gebogen hotten, inSBer* 
geffenheit geraten unb jumteil untergegangen finb, ober, weil 
fie wegen ihreS SBerteS jeber^eit fehr gefugt gewefen , fidh 
bem gewöhnlidhen Serfehre entzogen haben, Solche öergeffene 
unb jumteil untergegangene (Schriften finb j. 93. bie älteren 
meift nur auS einem ober wenigen ^Blättern beftehenben %lu$* 
fünften, bie fogenannten fliegenben Slätter (piecesvolantes), 
bie bem SSerfehre entzogenen Editiones principes (erfte 9luS* 
gaben) ber ©riedjifchen unb föömifchen Slaffifer, fowie bie 
ftrucferaeugniffe älterer berühmter Df^inen. $ludf) fyabcn 
ähnliche Umftänbe, wie bei ben fcon $jauS auS feltenen 
SSüchern, 5. 93. Unterbrücfung, bei anberen 93üd)ern mit 
barauf hingewirft, baß fie $u (Seltenheiten geworben finb. 



Digitized by 



ffiierte* flapitef. Sßon ber tttnridjtunfl t>c8 93üd)«frf)Q&e$. 121 



dergleichen Seltenheiten finb unter anberen bie ed)ten, md)U 
öerftümmelten Ausgaben einjelner (Schriften ber Sirenen* 
t)äter , bie man , weil fie an einigen ©teilen in bogmatifd)er 
SRücfficht Slnftofc erregt Ratten , burch anbere Ausgaben , in 
benen bie anftöfcigen ©teilen öerftümmelt ober ganj meg= 
gelaffen worben finb , $u erfefcen unb fobiel al$ möglich ju 
üerbröngen , felbft ganj $u unterbrüefen bemüht gewefen ift. 
(Snblich bürfen, aufcer ben ganj in Tupfer geflogenen Suchern 
ober @halfograpl)en, 5 U °Hen 8eiten als eine 2lrt©eltcn* 
heit angefef)en worben finb, noch Sßerfe öon großem Umfange 
unb foftbarer $lu§ftattung ebenfalls ben (Seltenheiten mit 
pge^ählt werben , weil man foldje SBerfe gewöhnlich nur in 
geringer Auflage herstellen pflegt unb bei bem h^n greife 
berfclben nur DerhältniSmäßig wenige $8ibliotf)efen bie Littel 
ju ihrer Hnfdjaffung befifcen. 

Sefct noch, wie oben ermähnt, eine fur^c Slufaäfjlung ber 
öerfchiebenen Birten Don 33üd)ern. Obenan flehen unter ben 
Suchern bie getriebenen, bie $anbfchriften ober SWanuffriptc, 
2lutograpf)en unb Sipographen, mit unb ohne artiftifcfje $u^ 
ftattung (SKiniaturen :c.), fei e§ auf $apt)ru§, ober ^Jerga^ 
ment, Rapier unb anberen (Stoffen. @3 liegt auf ber £anb, 
bafc bie älteren meift bie wichtigeren finb ; namentlich finb 
bie f ogenannten ^Jalimpfeften ober Codices rescripti anerfannt 
öon außerorbentlicf)em SSerte, ba fie 5umteil bie foftbarften 
Überrefte au£ bem flaffifd)en Slltertume enthalten, den 
^anbfdjriften junächft flehen bie getriebenen Urfunben unb 
Srieffammlungen unb alle3 bem ähnliche. Serner bie d^iro^ 
tt)pen, beutfeh $>anbbrucfe, eine Benennung, welche auf bie- 
jenigen gebrueften 33üd)er, bereu £eyt burch geftrichene 
©teilen unb Bufäfce tjon ben SSerfaffern felbft roefentlich 
geänbert unb mobifijiert worben ift, angewenbet wirb, die 
©hi r °l9Pen finb , ba fie gleid)5eitig ben urfprüngtichen unb 
forrigierten £ejt enthalten, wahrhafte unb oft fef)r wert- 
toolle ÜKanuffripte. 6§ toerfteht fid) jebod) toon felbft, bog 
nicht etwa jebe§ 93ud) mit getriebenen Slnmerfungen ober 
biographifchen SWotijen , wie e§ beren eine fch* gro&e Sftaffc 



Digitized by Google 



122 



3u>etter Xcil. Siom SBüc^en'cfja^. 



giebt, unter bie G^irot^pen $u jaulen ift; fobatb bie $ln* 
merfungen nichts am Stejte änbern, ift ba§ 33udj feine ©^tro* 
ttype. £)en ©hirottypen ber eben genannten $lrt finb bie 93ücher 
mit Sftanbgloffen berühmter ©elef)rten, in benen nicht fetten 
bie ©rgebniffe ber grünMidfjften ©tubien niebergelegt finb, 
faft gleich achten, ©benfo ftefjen in geroiffer ©ejie^ung 
aud) bie Supferroerfe mit beigefügten Driginalaeichnungen 
ber Supfer mit ben ©^irot^pen nafjeju auf gleicher (Stufe 
be$ SßerteS. hierauf folgen unter ben $)rucffd)riften bie 
fogenannten Unifa f bie unter ben toorjüglicheren Seltenheiten 
ju ben ausgezeichneteren geregnet 5U werben pflegen; unb 
roenn man fid) auch in biefer ©ejieljung geroiß manchmal 
einer Überfettung fcfjulbig gemalt hat, fo barf man boef) 
gern augeben, baß baS Unifum eineS SöucfjeS, beffen ©jiftenz 
überhaupt in 3 rae *M Otogen roorben ift , einen ganz tior* 
jügüchen SRang einnimmt. 21tterbingS unterliegt bie 
©eftimmung , toelcheS 93udt) roirflicf) ein Unifum fei , fet)r 
häufig großer ©chttrierigfeit , weil bie ^Bezeichnung eineS 
93ucf)eS als eineS UnifumS immer eigentlich nichts weiter 
fagt, als baß man neben bem Unifum beS 53ud)eS ein zweites 
©jemplar jur^eit nicht fenne, mithin aber bie Sßögtichfeit, 
baß ein foldjeS frvtiteZ unb tt>of)l gar ein britteS ©jemplar 
im Saüfe ber 3af)re noch b nm SSorfchein fommen fönne, nie 
auSgefcf)Ioffen bleibt. 9?ad) ben UniciS fommen unter ben 
SDrucffdjriften zunädjft bie Biographen unb bie 3>nfunabetn 
an bie Sfteilje, meldte (entere nicht nur wegen ihres h°h cn 
§((ter§, fonbern auch beSfjalb befonbern SBert haben, weil 
fie zumteil als forgfältige ^Ibbrücfe bon ^anbfehriften an^u* 
fetjen finb. $)iefelbe ©ewiffenfjaftigfeit im Slbbrucfe beS 
Stentes nach §anbfd)riften gehört auch S u *> en eigentümlichen 
SSorjügeu eineS großen SeileS ber Editiones prineipes ber 
attflaffifchen ©chriftftetter. hieran reihen ftch ferner bie 
Sßerfe oon teils größerem Umfange, teils foftbarer 9luS* 
ftattung mit Tupfern unb ^jolzfdmitten, bei benen namentlidt) 
bemerft zu werben öerbient, baß uniffuminierte ©jemplare, 
mit alleiniger 2luSnaf)me Don ben Säßen, wo, ttrie bei ben 



Digitized by Google 



aSicrtc* Äapitcf. SBoit t>er (Einrichtung bc§ 93iicf)crfcf)ai>c§. 



123 



naturfjiftorifchen unb ben aufba§ ffoftüm bezüglichen SScrfen, 
bie Illumination roefentürfjen (Einfluß auf ba§ beffere öer« 
ftänbniS ber Slbbilbungen hat, ober bte SKalerei ba$ SSerf 
eine§ ausgezeichneten SünftlerS ift, fonft überaß öor ben 
illuminierten ben Sorjug berbienen. $)ann folgen alle noch 
übrigen ttJtffenfd^aftlic^ wichtigen 3)rucffchriften. Cfnblid) bie 
Seltenheiten unb Sfterfroürbigfeiten, foroeit fie nicht fdtjon 
unter ben bereite genannten 33üd)em mit inbegriffen finb: 
barunter bie enttoeber auf ungewöhnliche SBBeife hergefteßten, 
ober mit ungewöhnlichen 2)rucf färben, ober auf ungewöhnlichen 
Stoffen, ober auf «Stoffen öon ungewöhnlicher ©röße gebrucften 
Söücfjer. 3 U ^ en erfteren gehören bie ganz in Supfer geftod)enen 
33ücf)er, bie S^alfograp^en, 5U ben zweiten bie ©olbbrucfe, 
$u ben britten bie 5)rucfe auf Pergament unb ©eibe unb 5U 
ben legten bie ©roßpapiere. $)ie 3)rucfe auf ©eibe finb 
immer feiten gewefen; etwa§ weniger feiten bagegen bie 
^ßergamentbrucfe , ba t>on ben älteren $)rucf fünften nicht 
allein eine Perf)ültni§mäßig ^iemlia^ große Spenge auf 
Pergament abgezogen, fonbern aud) bei einzelnen biefer 
3lb3ug auf Pergament in größerer $lnzal)l al3 ber auf 
Rapier gefertigt worben ift. ®uriofitäten, auf welche ber 
eine unb anbere ©ammler 99 wohl SSert ju legen pflegt, 
bleiben für eine Söibliotfjef ftet§ üon nur untergeorbneter 
SBebeutung. 2ßa§ übrigen^ bie fogenannten Simelien anlangt, 
fo bezeichnet man mit biefem Tanten feine befonbere 5lrt bon 
93üd)ern,fonbem berfteht barunter biejenigen berborerwälmten 
Birten, bie eine 23ibliotf)ef al§ i^re ^auptfc^ä^e oberSleinobe 
(xft/tujXia) anfielt 10 °. 

Db übrigens einzelne Supferftidtje unb ganze Supferftich* 
werfe, SKünzen unb bergleic^en, bie eigentlich nid)t in ben 
Bereich einer Söibliotfjef fallen, bod) mitzubenSlnfchaffungen 
gerechnet werben fotlen, ba§ hängt lebiglich bon bem für bie 
3)ibliotf)ef entworfenen $lane ab. 

Sßachbem hiermit gezeigt worben ift, wa§ für ©ücher zu 
ben ztoecfmäßigen unb mertbollen 2lnfcf)affungen gehören, ift 
bamit zugleich auch *> ie S^ge, n;a3 man al§ unzwecf mäßige 



Digitized by Google 



124 



Snjcitft Seit, «om aMlrfjcrirfjati. 



imb wertlofe ^fnfd^affungen a^ufefjen ^abe, beantwortet, fo 
baß barüber nichts weiter $u jagen bleibt. SWur baS eine 
fönnte füglich nod) ermähnt werben, baß, wenn eS eine Pflicht 
ber 93ibliotf)efen ift, bei ben 5lnfd)affungen auf biejenigen 
SEBerfe, welche wegen ihrer Umfänglicf)feit , Sfoftbarfeit unb 
©eltenfjeit in ber Siegel bie 2Rittel öon Sßritoatleuten über* 
fteigen, toorjüglicf) Sftücfficht $u nehmen, bie 33ernad)läffigung 
biefer Pflicht einer SMbliotfjef leidet benSBorWurf, i^re SKittel 
in nicht gan^wecf mäßiger SBeife toerwenbet $u haben, jujie^en 
fann, falls fie nämlich bie folgen 2Jnf Raffungen borfjanbenen 
Littel anberweitig $ur Erwerbung Don S3ütf>ern Verausgaben 
wollte, bie jwar an fid) ebenfalls ^wertmäßig, aber fürSßrtoats 
leute auS eigenem Vermögen leichter erreichbar finb. 

SSon ben für bie 93tbliotf)ef erworbenen S3üc^ern finb alle 
bei ihrer $lnfd)affung bereits gebunbenen Sänbe burd) ein 
befonbereS3eid)en ölS nunmehriges (Eigentum ber Sammlung 
fenntlid) ju machen, um einesteils bie ©ntwenbung oberSer* 
wechfelung berfelben ju berf)inbern, anbernteilS, Wenn einer 
trofcbem entwenbet ift, Rubere Vor feinem Slnfaufe ju warnen 
unb bie Söibltotf>ef möglicherweife wieber in feinen ©efi^ $u 
bringen. 9ftan tjat 5U biefem $wetfe ein boppelteS Verfahren 
eingefdjlagen: man brucfte ober Hebte, befonberS früher, ein 
fogenannteS 33ibliothefS5eid)en , Weltes in einem SSappen 
ober fonft einem Silbe, mit ober ohne (Schrift, ober bloßer 
©d)riftbeftanb, auf bie äußere ober innere 2Banb beS ©inbanb* 
becfelS, ober man briicft — unb bieS ift gegenwärtig Wof)l 
jur allgemeinen Siegel geworben — bemSucf) einen (Stempel 
auf. $)aScrftere Verfahren ift für öffentliche ©ibliotljefen auS 
bem ©runbe nirf)t empfehlenswert, weil mit ber bloßen ©nt* 
femung ober 5lbänberung beS (SinbanbeS eineS 93ud)eS, bie 
fid) ja boch fehr leicht, unb ohne bem 33ud)e felbft irgenb einen 
©djaben 5ii$ufügen, bewirfen läßt, auch unb jebe ©pur 
beS SibliothefS^eichenS entfernt, unb fomit ber S^ecf, 5 U 
bem man baS Richen aufgebrucf t ober aufgelebt f)at, Vereitelt 
werben fann. SSSö^renb baher für fämtliche ber allgemeinen 
Söenufcung freiftehenbe 93ibliothefen nur biefeS 5Weite 23er* 



Digitized by Google 



SSierteS Äapitet. JBon ber ©inric&tung bc8 »ücfjcrfdja&cs. 125 



fahren als baS awecfentfprechenbere in grage fommen fann, 
eignet fid) baS erftermähnte nod) immer recht wohl für 
Sßrtoatbibliotfjefen, ba ^ier einerfeitS bie ©enuftung burd) 
frembe $anb unb bamit bie ©efaljr ber Unterjchtagung bon 
$3üchern wegfällt, anberfeitS bei bem fpäter, nad) bem Tobe 
beS SefifcerS, gewöhnlich eintretenben SJerfoufe ber SBert 
ber S3önbe burd) bie eingeflebten Qeid)en (meldte loSgelöSt 
fogar einen ©egenftanb beS Sammeleifers bilben 101 ) nid)t bie 
minbefte SSerringcrung erfahren hat, maS beim Stempeln 
nicht ber gaU ift. gür öffentliche <Bibliotl)efen fällt natürlich 
jeglicheS Söebenfen gegen eine burd) baS Stempeln bemirfte 
Sßertfcerminberung infofern fort als bie93üd)er in biefennidjt 
für bie Qeit eines t urjen ÜDJenfchenlebenS, f onbern $u bauember 
Aufbewahrung angefc^afft werben. $infid)tlich ber ©teile, 
<mf meiere ber (Stempel aufaubrüefen ift, ^errfc^t Der* 
fd)iebener ©raud). Stafc in erfter Sinie baS Titelblatt ben^ 
felben erhalten müffe, ift aHerbingS allgemein anerfannt, benn 
hier fiößt er nid)t nur am leid)teften auf, f onbern bilbet auch 
für ben etwa beabfichtigten SSerfauf eines entwenbeten SBudjeS 
beSfjalb ein fdjwerwiegenbeS ^inberniS, weil ein folcher nur 
burch (Entfernung beS Titels, alfo eines wefentlidjen Teiles 
beS Suchet möglich toirb. dagegen bruefen manche 93iblio* 
tiefen ben Stempel auf bie toorbere (Seite beS Titelblattes, 
inbem fie batoon auggehen, bafc berfelbe h^ r am leichteften 
in bie klugen falle, anbere hinwieberum auf beffen SRücffeite, 
inbem fie beabfichtigen, ben Titel $u fchonen. Söenn man 
erwägt, baß ber Stempel baS Titelblatt in ber Tfjat $u ent* 
ftellen geeignet ift, namentlich, wie bieS fcorfommen fann, bei 
nicht Dollftänbig gelungenem Slbbrucfe, auf ber föücffeite beS 
Titel§ angebracht aber ganj biefelbe Sicherheit bietet, fo 
bürfte baS (entere Verfahren als baS borjüglid^ereerfcheinen. 
<£S öerfteljt fich habn öon felbft, ba§ alle Titelblätter, gleid)= 
Diel ob fte einem ganjen SBerfe ober nur ben einzelnen Teilen 
eine§ folgen angehören, fowie jebe in einer Sapfei aufbewahrte 
Schrift, jebe ®arte unb jebeS einzelne lofe 33latt einer SDtappe 
mit bem Stempel toerfehen werben muß. Übrigens begnügt 



Digitized by Google 



126 



Smittx Seit, fßom »ürfjerjrfM. 



man fid) häufig nicht mit einer einzigen Stempelung, fonbern 
pflegt auch noch ba§ ©nbe be§ $8uche§ unb eine (Stelle im 
Innern be^felben — gewöhnlich eine beftimmte Seite — 
mit einem Stempel $u berfefjen, um eine ert)ö^te ©ewäfjr 
für bie Sicherheit ber einzelnen 93änbe 5U gewinnen unb bie 
Sbentifijierung berfelben in (£ntwenbung§fätlen $u erleichtern. 
S3ei einem folgen ©rauche fommt natürlich auf bie 33ef Raffen* 
heit be§ (Stempel gan$ befonberS Diel an, ba bie Söüdjer 
fonft leicht an 2lnfehen ganj empfinblid) »edieren fönnen. 
3ftan ^at beSfjalb in granfreid), wo bie breifacf)e Stempelung 
für alle öffentlichen SBibliotljefen obligatorifdj ift, in einem 
minifteriellen ©rlaffe 102 längliche Stempel bon mäßigem 
ober ftfjlDadjem $)urd)meffer empfohlen, Weil biefe am 
leichteften auf fleinen weißen gläc^en gebrucft werben fönnen, 
ohne ben $eyt $u bebecfen. Sluch h at mön oort feuchten 
(Äautfchuf^) Stempeln ben Sorjug bor trorfenen eingeräumt, 
ba trocfene nicht genug in bie klugen fallen. SBenn bamit bie 
gorberung berbunben worbenift, baßber $>rucf be§ Stempelt 
nicht abfärben noch berblaffen bürfe unb baß bie Stempel* 
färbe unberlöfcf)tich fein unb fchnell trocfnen miiffe, fo ift eine 
foldje gorberung im ^ntereffe einer jeben 23ibliotf)ef eben fo 
wohlbegrünbet unb ber ftrengften ^Befolgung würbig wie bie 
fernere SBorfcfjrift, baß ber Stempel oft ju reinigen unb bie 
Stempelfarbe, um einen Haren £rucf ju erhalten, in einer 
bünnen unb gleichmäßigen Schicht auf ba§5u ihrer Aufnahme 
beftimmte ftiffen aufzutragen unb jebe 33efchmu£ung ber 
Söänbe 5U oermetben fei. 

(£§ mürbe jum Sd)luffe biefe§ ftapitetö noch übrig f ein > 
über ba§ Sßinben berjenigen Bücher, welche bei ihrer @r= 
Werbung noch ungebunben waren, einige Söemerfungen fu' n 5 U:: 
Zufügen. $)a wir inbeffen biefe grage in bem Sapitel über bie 
Vermehrung be§ 33ücherfcha^e§ in zufammenhängenberSBeife 
näher zu behanbeln gebenfen, fo bermeifen wir an biefer Stelle 
nur auf jeneä weiter unten folgenbe Sapitel unb wenben un§ 
nunmehr fogleich 5ur Serzeichnung ber Söibltotfjef. 



Digitized by Google 



iBterte* Änpitcl. «o« ber Gtnrifltung be8 »üflcrfcfMc* 



127 



$on ber ^erjetdinttiuj bes 3&n<6erfdiafce5. 

$)ie Arbeiten ber ^Bezeichnung 103 einer SSibliotfjef gehören 
unftreitig nid)t nur ben n)id)tigften fämtlicher 93ibliothcf§* 
arbeiten, ba Don ihrer guten ^Durchführung aKe3 abfängt, 
roaä auf eine bequeme unb leichte 93enu£ung ber (Sammlung 
Don feiten beä ^ublifumg ^auptfäe^ltc^ mit ßinflufe ^aben 
fann, fonbern auch ju ben fchroierigften ber galten (Einrichtung 
überhaupt. 2)eg^alb barf e§ nid)t SBunber nehmen , roenn 
man gerabe in biefen ©tücfen fo Dielen unb fo großen 
3fteinung§Derfchiebenl)eiten tfjeoretifcher 93ibIiot^eföIc^rcr 
forooljl al£ praftifcher ©ibliothefare, rnie fonft nirgcnbS im 
ganjen rociten 23ereid)e ber 33ibliotf;ef£lef)re, begegnet. £a= 
rüber, roa§ ju ben Arbeiten ber ^Bezeichnung ju rennen fei, 
fann 5toar feingiüeifel fein: man rennet hierzu bie Aufnahme 
be§ 33ücherbcftanbe§ unb bie Anfertigung bcr Satalogc auf 
©runb jener $ettd, bie nachträglich auch noc *) 5 U einem 
befonberen Katalog bereinigt werben fönnen. SBoljl aber finb 
barüber, tüte biefe Arbeiten aufführen finb — fo einfach 
auch *> ie 9 ÖIt 8 e öll f &en erften Anblicf fy« feinen 

mag — bod) mancherlei 3^eifel möglich u »b 5 ula ffig, unb 
roerben auch * n totreff einzelner fünfte fo lange juläffig 
bleiben müffen, al£ nicht bie SBiffenfdjaften, mit beren nimmer 
raftenbem Qmtroicfelung3gange namentlich bie ftyftematifchc 
Anorbnung einer Sßibliothef in befonber£ engem 3ufammen* 
hange ftetjt unb gciüiffcrmafccn gleiten Schritt holten foü, 
ju einer Art Don 9fuf)e gefommen fein roerben. Natürlich 
fann fyex nicht ber Ort fein, moattebic^einungSDerfchieben* 
heiten, bie in Sejug auf ^Bezeichnung (unb Auffteßung) einer 
33ibliotf)ef feither aufgetaudjt finb, aufgeführt unb unterfucht 
unb entnjeber beftätigt ober roiberlegt merben, fonbern e£ roirb 
hier Dozüglid) nur barauf anfommen, im allgemeinen auf 
bie teils burch bie Theorie, teil§ burd) bie (Erfahrung bar* 
gebotenen ©runbfä^e aufmerffam $u machen, Don benen bei 
ben Arbeiten, roenn fic if)r erreichen füllen, auggegangen 



Digitized by Google 



128 



Stocit« Seil. J8om SBüc^ct^Qfe. 



werben muß, inbem bie fpe^iettere Durchführung berfelben, 
bie bei bem jefcigen noch feljr beweglichen ©tanbe ber SStffen* 
fc^aften immer eine üerfdt)iebene fein wirb, ber ©infidfjt ber 
einzelnen praftifchen Arbeiter füglidj überlaffen bleiben fann. 

2Ba§ 5unäd)ft bie Aufnahme be§ 93ücherbeftanbe£ b. h- bie 
Aufzeichnung ber 33ücf)ertitel anlangt, fo muß fid) biefelbe 
nicht nur auf jebe einzelne @d)rift ber ©ibliothef , gleichviel 
ob oon größerem ober f(einerem Umfange, erfireefen, fonbern 
auef) genau unb toottftänbig fein. 

Die Anfertigung oon £itelabf Triften aller felbftönbigen 
Sütfjer ber 93ibliotf)ef olme Aufnahme ift anerfannt eine fo 
unumgänglich notwenbige Arbeit, baß fid) ber Sibliot^efar 
f ogar ba, wo bei @elegent)eit oon Anfdjaffung größerer Sücfjer* 
fompteye einzelne fdjon fertige Kataloge mit jur Sibliothef 
gefommen fein füllten, ihrer gemiffenhaften Durchführung 
bodj nicht entziehen barf, um fo weniger, al3 fämtliche auf 
bie Drbnung ber SBüdjer in ben Stepofitorien, fowie im Katalog 
bezüglichen Arbeiten einzig unb allein auf bie Sitelabfdjriften 
bafiert finb. (Sine foldje Sitelaufjeicfmung muß für jebe 
einzelne ©djrift auf einem eigenen 3 e ^el gefcfjehen, beffen 
Sefchaffenheit unb ©röße je nach *> er unb SSeife 
ber fpäteren Aufbetnahrung — benn biefe Settel werben 
neuerbingS immer allgemeiner jur 33itbung eineä befonberen 
Satalog§, be§ fogenannten 3ettelfatalog§, üerwenbet — an 
ben oerfchiebenen Söibliotfjefen eine oerfdjiebene ift, worüber 
weiter unten im Sapttel über ben alphabetifcf)en bezüglich 
3ettelfatalog noch befonber§ bie SRebe fein wirb 104 . (£3 ift 
babei ganz gleichgültig, in welcher Reihenfolge bie 93üd§er 
behuf§ ihrer Verzeichnung zur $anb genommen werben; benn 
e§ genügt, ba§ beliebig zur §anb genommene Such mit einer 
prom'forifchen Kummer, oon ein§ angefangen unb fo fort, 
ZU oerfehen unb bie berfelben entfprechenbe 3iffcr ouf bem 
3ettel beizufügen, um bann mit ihrer £ilfe fpäter, wenn bie 
3ettel georbnet unb beziffert finb, auch ben Söüchern felbft 
bie entfprechenbe befinittoe Drbnung unb 3ifferf)e5eid^nung 
5U geben. 



Digitized by Google 



SßterteS flnpitel. Won b«r (Jinri^tung bei ©iidkvfäafre?. 



129 



33ei ber SSichtigfeit ber Titelabfcf)riften ift eS einleuchtenb, 
baß man bei ihrer Anfertigung mit befonberS großer ©org* 
falt juSBerfe gehen muß. T)iefelben muffen, wie fcfjongefagt, 
genau unb Doßftänbig fein. @ine genaue Titelabfdjrift ift 
eine foldje, welche ben Site! beS 93udjeS in feiner Original* 
fprad)e, feiner Orthographie mit allen etwaigen gehlem unb 
(Sigenheiten, fowie in Übereinftimmung mit feinem ©djrift* 
charafter biplomatifch getreu wiebergiebt. $n Anfefjung ber 
SSottftänbigfeit ber Titelabfchrtften fann ber Segriff beffen, 
waS man öoUftänbig ju nennen hat, boppelt aufgefaßt werben : 
entweber toerftefjt man nämlich baS barunter , baß ber gan^e 
Site!, ohne irgenb meldte SBeglaffung unb mit alleiniger 
Aufnahme ber etwaigen, mit bem Snfjalte be% 93ucheS felbft 
in feinem gufammenhange ftehenben Titulaturen ber öerfaffer, 
SDJottoS, SBunfd)* unb SßibmungSformeln unb bergl. 
Dollftänbig wiebergegeben (Taf. 1), ober baß, wie ÜMbed) 
fagt, Don bem gebrucften Titel beS SudjeS nur baSjenige aufs 
genommen wirb, waS wefentlicf) unb notwenbig ift, um baS 
33uch in fich felbft b. h- ol8 ein inbtoibuelleS , burch einen 
Titel bezeichnetes ©d)riftwerf ju fennen, um eS öon jebem 
anberen Suche, unb jwar nicht nur Don jeber berfdjiebenen 
©chrift, f onbern auch öon anberen Auggaben beSfelben SßerfeS 
$u unterfcheiben, unb um mit $ilfe beS gefchriebenen Titels 
f efjen 5U fönnen, welcher tyiafy biefer ©chrift in ben Katalogen 
äufomme (Taf. 1). Sßon biefen beiben Arten ber DoUftänbigen 
Titelabfchriften ift bie erfte, wennfchon bie umftänblidjere, 
boch {ebenfalls bie Dorjüglichere, weil fie nicht nur ber Sillfür 
unb 53equemlicf)feit beS AbfdjreiberS, bie fich mx S u oft fch r 
mit Unrecht als ©acf)fenntniS ju brüften beliebt, gar feinen 
©pielraum läßt, fonbern auch für bibliographifdje 3^ecfe, 
ju beren&ienft eigentlich jebe SBibliotfjef fich öerbunben fühlen 
follte, bie geeignetfte ift, jumal ber ©runbfafc, baß baSÜber* 
flüf fige ungleich weniger nachteilig fei, als bie $u große Sürje, 
nirgenbS paffenbere Anwenbung ftnbet , als auf biefe Titel* 
abtriften. 3a eS barf bei jenem Verfahren, nach welchem 
ber ganje Titel abgetrieben wirb, noch ™fy einmal fein 

©raefei, »lbltotfct§le&re. 9 



Digitized by Google 



130 



Stüciter Seit. Sßom »fidjcrfefxifr. 



Söetoenben Robert, fonbern ber SIbfdjreiber mufe teils mit 
£ilfe be£ 93ucf)c§ felbft , roeldjeS er gerabe 5» fatalogifteren 
l)at, teils mit 3ufjilfenaf)me onbercr Duetten atteS baS, roa§ 
auf bem gebrueften Site! 5. 33. über 33erfaffer, 2>nf)alt, 
ftottung nicfjt auSreidjenb angegeben ift, naef) SRögtidjfeit 
nodf) ergänzen, unb auf biefe SBeife ben Site! auf bem 3 e ^ e ^ 
f)äufig nodf) oottftänbiger als im gebrueften 83uct)e felbft 
oeraeidjnen. 

SBorin nun biefe Ergänzungen $u beftefjen fjaben, ba£ 
mirb au£ einer furzen Slufeäfjlung beffen, roorüber ber Settel 
öorjüglicf) StuSfunft $u gebejx Ijat, am leidf)teften 5U erfefjen 
fein, üftatürlicf) fann e§ nid)t unfere Aufgabe fein, bie 
5afjlreidjen „^nftruftionen" über bie 93ücf)eraufnaf)me einer 
©ibliot^ef um eine neue $u oermef)ren, bie fdjliefslid) ebenfo 
tüenig auf allgemeine SInerfennung rennen fönnte ttrie bie 
bereite borljanbenen, fonbern worauf e£ anfommt, baS ttrirb 
eine Darlegung ber im ipefentlidjen jeber folgen 3>nftruftion 
ju ©runbe liegenben ^jauptgrunbfä^e fein, toomit Don bem 
ju beobacfjtenben SBerfafjren ein 93i!b im Umriffe gegeben fein 
fott. 3 uer ft erhält ber Settel, roie bereite ermähnt, bie 
probiforifd)e Kummer, bejüglid) bie bisherige ©ignatur be£ 
betreffenben SucfjeS, bie, um red)t in ba§ 51uge 5U fallen, in 
einer ©efe ber burd) einen Duerftrid) abgegrenzten oberften 
SRubrif, am paffenbften in ber linfen, $laft finbet, toäljrenb 
bie anbere (£cfe, bie redete, für bie fpäter ^in^u^ufügenbe 
neue ©ignatur be§ 33ud)eS Vorläufig leer bleibt. $luf bie 
(Signatur folgt in befonberer SRubrif — bie ©rö&enmajje 
ber Siubrifen Rängen natürlich ioefentlid) toon ber ©röfee 
ber 5ur SBertoenbung gelangenben Qztttl ab — ba§ für bie 
fpätere alptjabetifdje Drbnung ber 3?^ unentbehrliche unb 
immer mit lateinifcf)en Söudjftaben ju fdjreibenbe OrbnungS* 
ober ©tic£)tt>ort , b. fy. ber -Warne be£ SSerfafferS, beffen 
3uname in möglic^ft beutlidjer ©cfjrift ben SSornamen, toelcfje 
ftetS au^ufcfyreiben finb, borangefjt. geilen biefe Iefcteren, 
fo finb fie, fotoeit bieg möglid) ift, au§ Bibliographien ober 
biograpl)ifd)en SejiciS ebenfo 5U ergänzen rote bei anonymen 



Digitized by Google 



83iertc§ Äapitel. «on ber fctnrtdjtung be8 ©üdjerfdjafrc*. 



131 





BrilllOt, Jacques Charles. [Ordnonpwort] 



Ausführliche 




Manuel du Libraire et de 1' Amateur de Livres, contenant : 1° un nouveau 
Dictionnaire bibliographique Dans lequel sont decrits les Livres rares, 
precieux, singuliers, et aussi les ouvrages les plus estimes en tout genre, 
qui ont paru tant dans les langues anciennes que dans les principales 
langues modernes, depuis l'origine de rimprimerie jusqu'ä nos jours ; 
avec l'histoire des diftgrentes eMitions qui en ont 6i6 faites ; des renseigue- 
ments nccessaires pour reconnaitre les contrefacons, et collationner 
les anciens livres. On y a Joint une concordance des prix auxquels une 
partie de ces objets ont £te* port£s dans les ventes publiques faites 
en France, en Angleterre et ailleurs, depuis pres d'un siocle, ainsi 
que l'appr(?ciation approximative des livres ancieus qui se rencontrent 
frtfquemnient dans le commerce; 2° une Table en forme de Catalogue 
raisonne" Oü sont classtfs, selon l'ordre des inatit'res, tous les ouvrages 
portls dans le Dictionnaire, et un grand nombre d'autres ouvrages 
utiles, mais d'un prix ordinaire, qui n'ont pas dü Hre plac£s au rang 
des livres ou rares ou precieux. Par Jacques-Cbarles Brunet. 

Cinquieine Edition originale entiereinent refondue et augnientte 
d'un tiers par l'Auteur. 

Tom. I — VI. 

Supplement [I] Dictionnaire de g£ographie ancienne et moderne. 
Par un bibliophile, (hierfür au3füßrltd)er Uiüet$ettel.) 
Supplement [II] contenant 1. Un complument du dictionnaire biblio- 
graphique 2. La table raiäonne"e des articles par P. Deschamps et 
G. Brunet. Tom. I, IT. (hierfür auSfüfnUdjer Untct$ettcl.) 
Paris, Didot frores, fils et Cie. 1800-65, 1870, 1878-80. nr. 8°. 9 33bc. 
Tom. 1: XLVI©. l 33t. 1902 ep.; II: 2 33U. 1848 6p.; III: 2 »U. 
1984 €p. ; IV: 2 9311. 1476 Sp. ; V. 2 3311. 1S0O <Sp. ; VI: 2 9311. 
LXII, 1878 <Sp. ©Hppi. (I] VIII, 1592 6p.; [II] XV, 1138 Sp., 
1226 <£p. 3Wit Dielen eingeorueften a3ud)bnicfcractd)cit in $oItfd)nitt. 

Abgekürzte Titelabschrift. 

Manuel du Libraire et de l'Amateur de Livres, contenant: l c un nouveau 
Dictionnaire bibliographique; 2° une Table en forme de Catalogue 
raisonne. Par Jacques Charles Brunet. 

Cinquieine Edition originale entierement refondue et augnientee 
d'un tiers par l'Auteur. 

Tom. I— VI Supplements [1], [II]. 
Paris, Didot frires, fils et Cie. 1860—80. flr. 8°. 9 ®&c. 

9Hit öiclen eingebrueften 33ucf)brucfcrjctd)cn in ^oljidjnitt. 



Xof. 1. ^rofie bon steint) fünften auf Betteln. 



Digitized by Google 



132 



8u>etter Seil. SJom SBÜdjerfrfjafc. 



unb pfeubontymen Schriften bie geeigneten Erörterungen, 
fotoeit fich bie§ ohne att^u eingef)enbe unb jeitraubenbe 
gorfdjungen tfjun lägt, in betreff be§ toteren SftamenS 
anzupeilen finb, um biefen, f obalb er mit (Sicherheit ermittelt 
ift, al§ DrbnungSroort 5U benüfcen. £at ein S3ucf) feiner 
ganjen 9?atur nach feinen beftimmten Serfaffer, tt>ie 5. 33. 3«it* 
fünften unb bergleicf)en, fo erhält e§ ein fachliches DrbnungS* 
tport. Über bie Verfdjiebenen Sragen unb Söeftimmungen, 
toeldje fid) an bie Sßafjl be£ fo äufjerft mistigen DrbnungSs 
tvorteSfnüpfen, toerben tuir im Kapitel über ben alpfjabetifchen 
Katalog unS noch näf)er $u verbreiten haben, roe§f)alb toxx 
^ier , unter £inroeiS auf jenes Kapitel, fogleidj fortfahren, 
bie Slbfaffung beS Settels meiter 5U verfolgen. 

ba£ OrbnungSroort fdjließt fid) $roeiten3 ber Site! 
beS S8uc^e§ an, ber, roie mir bereits betonten, in möglicher 
SSoDftänbigfeit unb in ber (Schriftart be£ Original 5U geben 
ift, mit Beifügung ber Angabe, ob ba§ ©ud) $lu£$ug ober 
Überfefcung eines anberen SBerfeS ift unb in le&terem Salle, 
au£ melier Sprache eS überfefct roarb. 

SSie bei ben SSerfaffern , fo finb auch bei ben Überfefcern 
unb Herausgebern etlua feljlenbe SSornamen ober ber fefjlenbe 
©efamtname mit 3 u h^f enö ^ me ^ bibüograp^ifc^en 
Apparates ju ergäben. Sticht feiten fommen $oppeltitet 
vor, bereu jeber ben tarnen ein unb beSfelben SJerfafferS 
trägt. Sn biefem gaHe gilt ber allgemeinere Sitel als ber 
§aupttitel, tt>elcf)em ber jmeite, ba betbe unter ein unb ben* 
fetben SSerfaffernamen 5U fielen fommen, einfach angefügt 
tüirb. ©inb bie Sitel boppelfprad)ig auf befonberen Titels 
blättern, fo trirb berjenige auf bem ßettel borangehen, 
roeldjer ber (Sprache beS SejteS entfpricht ; ift aud) biefer 
boppelfprachig , fo tt>irb jumeift bie Driginalfpradje ben 
Vorrang haben. SBertueife finb babei faum notmenbig. Set 
Verfafferlofen SBerfen ttrirb jeber ei^elne Site! unter bem 
ihm eigentümlichen DrbnungStoorte in ben Katalog eingereiht, 
unb jtuar entmeber jeber Sitel auSfüfjrlid) ober nur ber 
§aupttitel ausführlich unb bie anberen abgefärbt unb mit 



Digitized by Google 



Viertes Äopttef. Bon ber Cinrtcfjtung be$ »üdjerfäafceS. 133 



funjugefügter S3ermeifung auf ben elfteren. (Sine ät)nlid)e 
Siegel gilt für 3ettfd)riften, meldte mehrere Site! aufroeifen. 
#ier gilt ber allgemeinere Site! durchgängig als ber §aupttitel. 
$)ie übrigen Sitel werben ber Über ftd)tlid) feit falber auf bem* 
felben Qtttel fogleid) mit beigefügt, erhalten aber baneben, 
um ba£ Sluffinben ber 3eitfd)rift aud) nad) ben lintertiteln 
§u ermöglichen, befonbere 3ettel (Unter^ettel) mit SBerroeiS 
auf bie #aupt$ettel. $)ie Sitel ber einzelnen ©djriften 
fogenannter ©ammelbänbe, b. fj- folcfyer Sänbe, in benen 
eine größere ober geringere Sli^af)! felbftänbiger ©Triften 
lebiglid) auS äußeren {RüdEfidjten ber ©rfpamiS ober 
93equemltd)feit 5ufammengebunben finb, werben einzeln 
für fid) aufgenommen, aber mit bem Sßermerfe, baß bie 
betreffenbe ©djrift (an bie erfte in bem ©ammelbanbe) 
angebunben fei. 

2luf befonberer geile ift brittenS $u öermerfen, ob ba§ Sud) 
bie jroeite ober britte u. f. tu. Auflage ober Ausgabe, ob eS 
üermefjrt unb fcerbeffert, ober ob eS ein jroeiter ober 
britter u. f. to. unöeränberter 5lbbrucf ift. 

hieran fdjließt fid) DiertenS bie Qatji ber 93änbe, Seile 
ober £efte , au£ welchen ba£ 93ud) beftel)t ; fünfteng bie 
Semerfung, an welchem Crte unb in welkem Satjre 
Sud) erfdjienen, unb toon welchem Bruder ober Verleger e£ 
ausgegangen ift. 33ei älteren b. I). allen ben Anfängen ber 
33ud)bruderfunft an Hilter junädjft fteljenben SBerfen ift bie 
Eingabe beS 5>rud* unb SJerlagSorteS , fotoie beS $)ruder£ 
unb SkrlegerS , bie übrigens in fetyr Dielen gätten einerlei 
*J3erfonen finb, erforberlid), wogegen bei neueren Herfen in 
ber Siegel bie bloße Eingabe beSSerlagSorteS unb SSerlegerS 
fd)on au§reid)enb fein mag. 9iur bei neueren *J3rad)tU)erfen 
Wirb auc^ bie Slngabe be£ 2)ruder§ neben bem Verleger unb 
beS 5)rudorte3 neben bem SBerlagSorte jtoedmäßig fein, fowie 
bei ben auf Soften ber Sßerfaffer felbft ausgeführten Druden 
überall ber 3)rudort unb Bruder ober ber SommiffionS* 
berlagSort unb Sommiffionär $u bemerfen ift. 3Bo ba§ 
Saljr be§ £)rude£ unb beS roirflidjen ßrfdjeinenS eines 



Digitized by Google 



134 



3wcitcr Xeil. SSom SBÜdjcrfdjafc. 



Sucfjeg berfdjieben fein fotlte, ba barf btefc Serfdjiebenljeit 
nidfyt unertüäfjnt bleiben. 

gel)lt ber ®rucfort ober ba$ (SrfdfyeinungSjaljr auf bem 
Sitel, fo finb biefelben auf bibliograpt>ifcf)em Sßege 
ermitteln unb in klammern beijufügen; gelingt e§ nid)t, 
biefelben feftjuftetten, fo ift im erfteren gatte o. 0. (= oljne 
Ort) ober lateinifdf) s. 1. (= sine loco) , im feiten o. J. 
(= ofyne %ai}x) ober lateinifdf) s. a. (= sine anno), bereinigt 
o. 0. u. J. ober lateinifd) s. 1. et a. on betreffender ©teile 
einjnfe^en. 

3)e3 weiteren fommt ^inju fed(j§ten§ bie ber bem 
Sudje beigegebenen Sorten, Tabellen, Supfertafeln unb ber* 
gleichen, tnäljrenb bie 2luf5äf)lung ber in ben £e£t felbft 
eingebrucften Kupfer unb £ol$fcf)nitte nur ba , roo biefelben 
einen befonberen Shmfttnert befifcen, erf orberlidj , fonft aber 
überflüfftg ift unb bie Semerhmg genügt, bafj bergleidjen in 
ben Sejt etngebrucft finb; 

fiebentenS bie Angabe, au§ tob biet Sänben ba§ SibliottjefS* 
ejemplar beftefjt, benn biefeßa^ ftimmt nicfyt immer mit ber 
Sänbe^a^l be§ £e£te§ überein, ba au3 @rfparung§rüdtfid§ten 
häufig mehrere £efte, Seile ober Sänbe jufammengcbunben 
toerben ; 

adtjtenS bie Qafy ber (Seiten, Slätter ober ©palten 
(Kolumnen) eine£ Sud)e§ ; 

neunten^ ba§ gormat beäfelben. tnar befanntlid) früher 
allgemein üblid), ba£ Format eine3 Sucf)e§ nicfjt nacfy beffen 
ttrirllidjer ©röfee ju beftimmen, fonbern nad) ber 3 a *)l ber 
ju einem Sogen gehörigen Slätter, 51t beren Ermittelung bei 
älteren SEBerfen bie fogenannten ffuftoben ober Slattfjüter 
am ©übe be§ legten Stattet einer Sogenlage , mit 3«^itf^ 
nafjme ber in jebem Sogen aufregt fte^enben SBafferftreifen 
unb SBaffer* ober gabrifaeidjen , bei neueren SEBerfen bie 
(Signaturen b. f). bie auf ber erften (Seite eine§ jeben Sogeng 
ober einer Sogenlage 5itr Se^eid^nung ber Sogen* ober Sagen* 
folge befinblicfyen 3iff ern °^ er Sudfyftaben bienten. Severe 
ergaben bei einem in ber -Kitte gefalteten Sogen golio , bei 



Digitized by Google 



«ierteS ftopttct. 33on ber (Jiitricfyung bc8 »ücfjciirfjafceS. 



135 



einem jmeimal gefalteten Duart, bei einem breimal gefalteten 
Dftato u. f. f. • Sor <£inführung be3 mit ber aflafäine 
gefertigten SßapiereS mochte jene gormatbejeichnung eine 
burdjauS berechtigte unb bibliograpfjifch vielleicht fogar bie 
einzig richtige fein, obwohl e§ nicht immer leicht mar, 
mit üoöer ©emißheit ba§ richtige gormat ju erfennen unb 
überall mit Sicherheit $u beftimmen, mag ju ben Solianten, 
roa§ ju ben Duartanten, Oftabbänben u. f. ro. $u rennen fei. 
Sluf ben erften Slicf fönnen nämlich große Dftabbänbe leicht 
für Duart- unb feljr Keine für $)uobe$bänbe, ebenfo mie fefjr 
Heine Duartanten für Dftafcbänbe unb große für golianten 
gelten ; bie nähere Seftimmung aber mirb nicht feiten baburch 
erfdfroert ober unmöglich gemalt, baß ^albe ober ganje 
Sogen t)om 2)rucfer eingefdjoben mürben ober baß manche 
Sogen boppelte Signaturen tragen ober baß bei älteren 
Söerfen, mie bie Signaturen, fo auch bie 2Baffer$eicf)en gän^ 
lieh festen u. f. m. Seit jebod) infolge ber Slnroenbung ber 
SDiafc^ine bie Sogen jumteil in folgern Umfange Ijergeftefft 
^u toerben pflegen, baß bie alte Se$eidjnung burdjaui nicht 
meljr paßt, ein Sogen bielmefjr bei brei* unb mehrfachem 
galten immer noch mitunter eine Slattgröße aufweist , bie 
ben h er ^mmlichen Segriffen öon golio entfpricht; feit 
ferner bie Sogen eine nadj) ben berfdjiebenen Sänbern unb 
gabrifen burchau§ toerfchiebene ©röße geigen, ^at fief) ba§ 
Seftreben immer allgemeiner geltenb gemacht, ba§ gormat 
nach feftbegren^ten, fünftlichen 9Kaßen $u beftimmen. greilid) 
märe eine größere Übereinftimmung in ben SRefultaten biefer 
Seftrebungen münfchenSmert. Sn (Snglanb unb ^Imerifa 
haben bie SibliothefStoereine bie Regelung biefer $lngelegen* 
heit eben fo in bie £anb genommen t0ü , mie fic auch 
fiatalogifierungSregeln aufgeteilt höben, bei un§ in $)eutfch~ 
lanb ift bie grage bor ber £janb noch eine offene. 9In 
einjelnen Sibliotfjefen finb 25 ein al§ äKayimalhölje für 
Cftab, 35 cm als foldje für Duart angenommen. gnbem 
bei gebunbenen Süchern ber ©inbanb gemeffen mirb , geht 
man Don ber SorauSfefcung au§, baß biefer ben Serluft, 



Digitized by Google 



136 



8»eiter Seil. JBom Cüd>erfc$atj. 



melden bie £ölje be3 23udje3 burd) bog 93efcf)neiben feiten^ 
be£ 33ud)binber§ erlitten ^at, im allgemeinen au§gleicf)t. 

kluger biefen neun genannten $auptpunften finb aber in 
einer guten unb boüftänbigen Sitelabfdjrift nod) einige anbere 

erwähnen, nämlidj alle etwaigen bemerfenSmerten ©igen» 
tümlicfyfeiten eine§ 2Berfe£. 3- 95. wenn baSfelbe breite SRänber 
Ijat, burd)fdjoffen ober auf anberem Stoffe al§ gewöhnlichem 
Rapier gebrutft ober ganj in Tupfer geftodjen ift unb ber* 
gleiten ; ferner ber ©inbanb be§ Suchet, ber, wenn er auch 
nid)t immer f)iftorifd)e§ Sntereffe f;at, bod) unter allen Um* 
ftänben &u einem paffenben Slnfjaltepunfte beim fdjnelleren 
$lufftnben be§ Sucf)e§ unter einer größeren Slnjahl öon 
SBerfen bienen fann ; nädjftbem bie öon einem Slnbern al§ bem 
SSerfaffer :c. be§ 93udje3 ^errü^renben Seilagen unb 3 u f ö fce, 
gebrucfte fomofjl al§ ^anbfc^riftlic^e, bei melden lefcteren 
überbieS, tt)ie bei tjanbfdjriftlidjen SBemerfungen be§ S3er* 
fafferS felbft, wenn fie Don nur irgenb erheblicher SSitfjtigfeit 
ju fein fd)einen, eine fpätere unb forgfältigere $)urd)f orfd)ung 
be§ 3 n ^ a ^ eg Vorbehalten bleiben muß; enblicf) ift e£ 
wünfctjenSwert unb für bie fpätere $lbfaffung be§ wiffen- 
fcf}aftlichen Satalogg Don 33ebeutung, wenn bei folgen Sitein, 
au§ meieren über ben Snfjalt beä 33uche3 nichts §u erfe^en 
ift, eine fur^e $Koti§, worüber baSfelbe hnnble, beigegeben wirb. 

SBeniger ausführlich brausen bie Sitelabfchriften Don 
2)iffertationen, ©4ulprogrammen unb bergleidjen ©elegen- 
heitSfdjriften ju fein. ^>ier genügt ber üftame be§ $8erfaffer§, 
al§ Welcher bei ben älteren afabemifchen Disputationen bis 
etwa um bie Seilte beS öorigen ^ah r ^ un bert§ ftetS ber $räfe£ 
§u gelten hat, ber Different nur bann, wenn er fiel) auf bem 
£itel auSbrücflich als 2lutor bezeichnet, wobei bann jeborf) 
auf ben tarnen beS ^ßräfeS 51t toerweifen ift 10 "; bie Slngabe 
beS SnfjalteS, bi e 23emerfung, wo, wann unb bei welcher 
©elegenfjeit baS ©cfjriftchen e*fdi)ienen ift, fowie bie ©rwäh- 
nung beS DrucferS ober Verlegers unb beS gormateS mit 
Beifügung ber (Seitenzahl. 2SaS enblidf) bie unb 
©efeUfdjaftSfchriften anlangt tos, meldje .l)inficht(id) beSSitelS 



Digitized by Google 



Vierte« Stotel. Eon b«r einri^tung beS »üdjeiföafce«. 137 

• 

ihrer einaehten Sa^O ön Ö c Md)* cm€X Scränbcrung unter* 
liegen, fo wirb man entweber nur biejenigen 3af)rgänge 
aneinanberreif)en, bie einerlei Sitel haben, unb allen übrigen 
mit beränbertem Site! eine eigene unb neue Slbfdprift wibmen 
ober unter Umftänben einen ^ufammenfaffenben £>aupt$ettel 
fd)reiben unb für bie fpateren Jitel fid) mit SBermeifen auf 
ben erften begnügen. 

Üfladjbcm im Öorftefjenben baSjenige angeführt roorben 
ift, wa§ 511 einer boflftänbigen Jitelobfchrift erforberlid) ift, 
bleiben nur nod) einige Söorte über bie Slrt unb Söeife , wie 
bie {Ergänzungen auf bem 3^ttel einzufügen feien, ju fagen 
übrig. @£ mochte nämlich faum ^werf mäßig genannt werben 
bürfen, wenn man fämtlicfje Ergänzungen mit bem roirflidjen 
Settel be£ Öud)e3 bermifd)en unb in benfelben burd) $aren* 
tiefen unb klammern einhalten wollte, weil, ba bie Sitcl 
nicht feiten bergleidjen *parentf)efen unb Klammern ohnehin 
fdjon felbft haben , leid)t SRißberftänbniffe veranlagt werben 
f önnten , f 0 baß man enblid) nicf)t mehr wüßte , wa§ bem 
eigentlichen Sitel angehöre unb Wa3 bloß zubeffen Ergänzung 
beigefügt fei. £aß ber ergänzte 9lame be§ 33erfaffer§, 
$erau§geber§ ober ÜberfefcerS innerhalb be£ SejteS an 
geeigneter ©teile — natürlich in ecfiger Klammer — ein* 
gefügt Werbe, galten wir aüerbingS für unbebenflid) , ba in 
biefer Beziehung ftörenbe $Berwed)felungen au§gefd)loffen 
finb, benn weber SBerfaffer nod) Überfefcer ober Herausgeber 
pflegen in 2öirflid)feit if)re tarnen auf bem Jitel in cefige 
Klammern einzufließen. Sind) XkrlagSort unb 6rfd)einungS* 
jähr mögen au§ bemfelben ©runbe of)ne weiteres an ihrer 
gewohnten ©teile ergänzt werben, ja e§ ift bieS für bie 
d)ronologifd)e Slnorbnung ber ßettel bei Slbfaffung be£ 
SRealfatalogS fogar wünfdjenSwert , ba ein rafdjereS Crbnen 
ermöglicht wirb , wenn Ort unb £$af)r nid)t erft an anberer 
©teile gefudjt 5U werben brauchen. £)ie (Ergänzung wirb 
hier ebenfalls burd) eefige Klammern bewirft, benn tiefe 
bilbet baS allgemein anerfannte äußere 3 e ^ en öon ©r* 
gün^ungen. Me umfangreicheren Qufä^e, wie Semerfungen 



Digitized by 



138 



litterarifdjer unb bibliographifcher Slrt, (Zitate unb Sftadj* 
weifungen, werben jebocf) paffenberer Sßeife al3 ?lnmerfungen 
unter bem Sejte angefügt. $)ie Xitelabfchrift bleibt bei einem 
folgen Verfahren nicht nur burd)au§ überfichtlid) , fonbern 
auch im wefentlid)en intaft unb barum in bibliographifcher 
£infid)t forreft. @£ erforbert ein berartig abgefaßter Settel 
felbftfcerftänblich eine gewiffe Übung unb ©efchicflichfeit unb 
wegen ber notwenbig werbenben ja^treic^en 9iedjerchen eine 
genaue Kenntnis ber bibliograptjifchen §ilf£mittel ; in mufter* 
hafte Saffung gebraut gteidjt er einem forgfam gearbeiteten 
SManujfripte, beffen ©auberfeit mit ber 3utoerläffigfeit wett* 
eifert; er ift fo^ufagen immer brucf fertig. 

Sine gef onberte 33ef)anbtung für fid) nehmen bie f ogenannten 
Snfunabeln ober SBiegenbrucfe b. h- bie 3)rucfer$eugniffe be§ 
fünfzehnten 3ahrhunbert§ (einige ^Bibliographen befjnen bie 
©renje bi§1536 au§) in 2lnfprucf), beren aSer^eic^nung ba§ 
fchttrierigfte Kapitel auf bem ©ebiete ber ^Bibliographie btlbet. 
2Kancf)e ©ibliothefen bereinigen berartige, in ihrem 93efifee 
befinblic^e SBerfe $u einer eigenen Sammlung mit eigenem 
©atalog unb ftcllen biefelben für fid), getrennt Pon bcn 
übrigen SBücfjern, auf, anbere weifen biefelben ben wiffenfd)aft* 
liefen gackern 5U, welken fte ihrem gnfjalte nad) angehören, 
bezeichnen biefelben baneben aber auch nod) in einem 
befonberen Satalog. 3n jebem galle alfo wirb ben 
Snfunabeln eine eigenartige Stellung juertannt unb ba§felbe 
gilt in noch erf)öf)tem ©rabe bon ben §anbfd)riften ber 
äJibliothef. 2öir werben weiter unten, Wo bon bem 3>nfunabetn* 
fatalog unb £>anbfd)riftenfatalog bie Siebe fein wirb, ©elegen* 
fjeitfinben, biejenigen Regeln jufammenjufteHen, nach welchen 
bie S3efd)reibung beiber §u erfolgen f)at. $n benjenigen 
gäHen, in welken eine Sonberaufftellung ber Snfunabeln 
geplant ift, würben biefe wie auch fämtliche $anbfd)riftett 
bei ber Satalogifierung forgfältig au§$ufd)eiben unb $u 
fammeln fein, um fpäter nach SSoKenbung ber ^Bezeichnung 
unb Sluffteöung be§ übrigen SBüd)erfdE)afce§ il)rerfeit§ bearbeitet 
%u Werben. SlnbernfaDtö werben bie an genannter ©teile ju 



Digitized by 



Sicvtc* Äapitel. «on ber Einrichtung bti »üdjcrfdja&c«. 



139 



gebenben SSorjcfjrtftcn gfeid) bon bornljerein .bei ber all* 
gemeinen Sitetaufnafjme 93erücffid)tigung finben muffen. 

9?ad)bem auf bie foeben borgefdjriebene SSeife bie Site! 
mit gemiffen^ofter ©enauigfeit angefertigt morben finb — 
benn etroa nod) $u verlangen, baß nad) bem SWufter be$ 
befannten Srancfefdjen SatalogS ber ©räflid) 93ünaufd)en 
ÜBibtiotfjef aud) Don allen ben ©ammelroerfen ober toielleidjt 
gar 3ettfd)riften eingebrueften Abfjanblungen $itelabfd)riften 
angefertigt werben foßten, märe eine gorberung, bie, fo 
äußerft midjtig aud) eine fold>e fpe$ieße Xitelaufnaljme 
für bie SBtffenfcfjaft unbeftritten fein mag, bod) nidjt bloß 
bie Gräfte einer jeben großem 33ibliotfjef überfteigen unb bie 
33er5eid)nung ber 93üd)er nie $u einem (£nbe fommen (äffen 
mürbe, fonbern audj mit ben 3roecfen e i ner *8ib(iot()ef als 
folc^er überhaupt gar nichts gemein tjat — fo gilt ber nädjfte 
Schritt ber Anfertigung ber Sataloge ,0 -', 5U beren 93etrad)* 
tung mir nunmehr überzugeben f)aben. 

Siegen ber großen SSidjtigfeit ber Sataloge — benn o^ne 
fie mirb bieöenufcung einer Söibtiotfyef gerabeau unmöglich — 
ift ber Sefpredjung berfelben in allen ©djriften über 
93ibtiotf)ef&ef|re mit 9ied)t befonbere Aufmerffamfeit gemibmet 
tuorben. Srofcbem ift man (eiber nod) nid)t im ftanbe geroefen, 
ftd) über bie Beantwortung ber f)ier einfc^lagenben £aupt* 
fragen unb namentlich über bie erfte berjelben $u einigen, bie, 
menn bie Anfertigung ber Kataloge überhaupt für eine Sebent 
frage jeber SBibltotfjcf gilt, gerabe biejenige ift, toon meldjer 
e§ hauptsächlich abhängt, ob ba§ Seben ein gefunbe§ unb 
gebei()licf)e§ fein merbe, roa§ für Sataloge nämlich eine SBiblio* 
tf)ef nötig (jabe. $ieran fließen fid) fobann 5mei anbere 
<m, in melcfjer Reihenfolge man bie Fertigung ber ffataloge 
fcorjunehmen habe, unb in meldjjer SBeife bie Sataloge ein* 
Juristen feien. 

3Ba§ bie erftgenannte Srage anbe(angt, fo ()at ber teil£ 
übertriebene, teils falfd) geleitete ©ifer t»teler 33ibliotf)efare 
&ur ©rfinbung einer fo großen Stoffe öou Katalogen unb 
meljr nodj bon Satalognamen SSeranlaffung gegeben, baß c3 



Digitized by Google 



140 



3tt*itec %t\U 53om ©ücf)ericfjafc. 



für Anfänger feine ©djmierigfeiten haben bürfte, fidj in bem 
Sataloggeroirre überall jurec^t $u finben, jumal ba§, ma§ in 
ber einen (Schrift über 33ibliotf)ef3lehre Katalog genannt 
wirb, in ber anberen Sftepertorium heißt unb umgefehrt. ß& 
fann hier nid)t ber Ort fein, alle Kataloge, bie man für eine 
93ibliothef für angemeffen unb notwenbig gehalten, tro^biefcr 
•iftotwenbigfeit unb $lngemeffenfjeit aber jumteit, wennjWar 
bie unb ba in Angriff genommen, bod) nie $ur toottftänbigen 
9(u§f üfjrung gebraut hat, aufjujä^Ien unb näher ju betrauten. 
Sftan wirb e§ genügenb finben, wenn ijkx bloß Don ben 
wirflicf) notwenbigen ober wenigften§ für eine 33ibliothef 
Wefentlid) nüfclichen bie Siebe ift, wobei freiließ nicht über* 
fefjen werben barf, baß biejenigen Kataloge, welche für 
größere 93ibliotf)efen unumgängliche^ 33ebürfni3 finb, nirf)t 
aße aud) in gleichem SKaße für Heinere SMbliotljefen not* 
Wenbig $u fein brauchen. 2Bie ade Kataloge überhaupt, fo 
jerfaflen aud) bie ^ier jur Sefprechung fommenben in jwei 
klaffen, in allgemeine (Unioerfalfataloge) unb befonbere 
(©pe^ialfataloge), fcon benen bie erfteren fid) wieber in ben 
ttnffenfcfyaftticfyen ober ft)ftematifc^en (9?ealfatalog), ben alpha* 
betif d)en(9?omlnalfatalog) unb ben ©tanbort§- (fiofal*)$atalog 
teilen, fo weit lefcterer nid)t, wie mir feljen werben, mit bem 
erftgenannten öerfc^mo^en wirb. Slußer biefen brei Uutoerfal* 
fatalogen fyat man noch, namentlich früher, bie Anlegung 
eine§ fogenannten allgemeinen alphabetischen Dfealfatalogi 
fet)r bringenb anempfohlen, in meinem nämlich alle Materien, 
worüber bie in ber 33ibliotf)ef üorbanbenen SEßerfe fjonbeln, 
in alpfjabetifcher Reihenfolge aufgeaäfjlt, unb unter jeber folcfjer 
SKaterienrubrifen bie SEitet ber betreffenben Söerfe angeführt 
werben fotten. (£3 ift biefer Satalog f)ier au§ bem ©runbe 
nic^t unerwähnt 5U laffen, weil Don feiner außerordentlichen 
Sftü£lid)feit unb be§bfllb aud) toon ber Sftotmenbigfeit, baß jebe 
Söibüothef einen fold^en Katalog befi^en müffe, üiel 9lufheben§ 
gemalt morbenift. SBenn wir nun aud) gern jugeben wollen, 
baß ein berartig nad) SUkterienrubrifen alphabetifch ein- 
gerichteter Satalog feinen großen -ftufcen hoben mag, fo barf 




i 



Digitized by Google 



«iertcS Äopttcl. «oit ber ainrt^tung be$ »üd^crfc^a^eS 



141 



man bodj, abgesehen baoon, baß toon bem großen 9^u^en allein 
bcr 93eroei§ ber Sftotroenbigfeit noch nid)t abgeleitet roerben 
fann, bie ©chroierigfeit nicht unbeachtet laffen , welche e§ 
machen mürbe, roenn man neben ben brei öorgenannten 
Äatalogen, jugegeben baß feiner berfelben entbehrlich ift, auch 
uod) jur Bearbeitung eines m'erten, eben be8 alp^abetifc^en 
9tealfatalog§, fdjreiten foHte. ©ine fold)e Arbeit mürbe bie 
Stäfte unferer SBibliothefen einfach überfteigen unb baher 
toorauSfichtlich, wenn fie auch üon e i nem Bibliottjefar nrirflich 
angefangen roorben roäre, balb roieber liegen bleiben muffen, 
roie man bergleichen Beifpiele fchon mehrfach gehabt I)at. Su* 
bem ift XDofyl ju bebenfen, baß berjenige -iftufcen für bie SBiffen« 
fdjaft, welchen man burch Anlegung fold)er alp^obetifc^er 
fRealfataloge $u erreichen beftrebt ift fich auch teilroeife burdt) 
Anfügung Don 2Katerienregiftern $u bem allgemeinen roiffen= 
fchaftlichcn Satalog erreichen lägt. Überbieg ift burch eine 
ättenge Don litterarifchen Stfachfchlagebüchern über alle Hüffen* 
fchaftlichen gächer ^inlängttc^ bafür geforgt, baß fich jeber 
©efehrte leicht barau§ unterrichten fann, roa§ über bie eine 
unb bie anbere äftaterie im $)rucfe erfchienen ift, um bann, 
mit $ilfe ber auf biefe SBeife eingefammelten üftoti^en, in 
ber ©ibliothef nach *> en betreffenben £)rucffchriften Nachfrage 
5u holten. 

SSon ©pejialfatalogen giebt e§ eine roafjre Unjahl. $>er 
GrfinbungSgeift unb fd)öpferifche£rieb ber 33ibIiotf)efare ^ot 
fich an tiefer 2lrt öon Satalogen gerabe am meiften toerfucht 
unb beren eine fo große Sln^a^I ju ftanbe ju bringen gemußt, 
baß in ben Sibliothefen faft fein Slecfchen mehr anjutreffen 
ift, für weichet nicht burch emen ©pe^ialfatalog umfichtig 
geforgt roorben roäre. freilich trifft man unter biefenSinbern 
ber jarteften bibliotfjefarifchen ©orgfalt auch au f eme Spenge 
$1 u3* unb Mißgeburten, bie in ben Bereich ber bloßen ©pielerei, 
roenn nicht ber reinen ©fjimäre gehören, roie bie feiner jeit 
fconßuberoig 110 fo roarm anempfohlenen fogenanntenüRono* 
fataloge, bie ber ©rfinber für jeben *> er Sitteratur 

nach *> en Regeln ber bibliograpfjifchen fitoalogifierung burch 



Digitized by Google 



142 



Breitet Xctl. fßom »ücffcricfjnfc. 



befonbere ©od^öerftönbige angefertigt miffen tottt , unb in 
benen nicf)t nur bie über einen ©egenftanb in ber Stbliot^ef 
mirflidt) borfjanbenen, fonbern auch bie berfelben noch fehlen* 
ben SSerfe unb $lbhanbl ungen, mie nicf)t minber bieinanberen 
©djriften eingebrucf ten betreffenben $luffäfce unb felbft ei^elne 
SBücherfteKen namhaft unb fogar rejenftert merben f ollen, fo 
baß fie alfo eine $lrt litterarifch-bibliographifcher Sftepertorien, 
mit ber ganzen ßttterargefchichte im Slu^uge al§ Überguß, 
bilben mürben, ©pridjt fd)on ber ©runbfafc, baß fein 
23ibliothef£fatalog feiner üftatur nach über bie ©renken 
hinausgehen bürfe, bie iljm fcon bem Umfange unb Snfjalte 
feiner Stbliotfjef gejogen feien , entfdjieben gegen berartige 
ÜWonofataloge, fo muß man ficf) bei näherer ^Betrachtung ber 
an foldje Kataloge gefteHten 2htforberungen nur um fo nad^ 
brüdlid)er bagegen erflären, unb barf fie, mie gefagt, getroft 
in bieSReifje ber d)imärifchen Slrbeiten toermeifen, benen feinet 
SMenfc^en ®raft gemachten ift. Qu ben toirflic^ notmenbigen 
©pe$ialfatalogen finb bei großen 93ibIiotf)efen , 'bie eine 
bebeutenbe ^In^a^t bon £anbfcf)riften , !gnfunabeln uui> 
©imelien befi^en, unb mo namentlich auch bie $>iffertationen 
unb anbere ä^nlic^e Heinere ©djriften nid)t mit unter bie 
übrigen Sütfjer eingereiht feinfollten, bloß bie £anbfchriften*, 
Snfunabeln*, ©imelien* unb $iffertation§fataloge, außerbem 
aber nur nod) in ben gällen, baß eine Sßibliotljef einen 
ober mehrere einzelne Sücherfompleje unter ber 93ebingung 
getrennter Slufftettung unb getrennter Satalogifierung $u 
übernehmen gelungen gemefen märe, bie ©in^elfataloge 
fold)er aSücfjerfompIeye $u rennen. 2öie bie Snfunabeln fo 
merben an einigen ©ibliothefen aud) bie Simelten in ben 
allgemeinen Katalog mit eingefügt, erhalten aber baneben 
ein befonbereS SSerjeid^niö unb ihre eigene SluffteHung. 2(He 
übrigen ©pe^ialfataloge gehören höd)ften3 ju ben nü^lic^en, 
nic^t aber 5U ben notmenbigen, e§ märe benn, baß bie eine 
unb bie anbere Söibliotljef, mie bie 3 en ^ a ^^i°^ e ^ c ^ ne ^ 
SanbeS, bie befonbere Verpflichtung hätte, nach e * ner 
trimmten Stiftung !)m fo fcoflftänbig al§ möglich ä u 




Digitized by 



«iertc« flaute!. Bon ber Einrichtung bc3 »üc^crf^Q^?. 143 



fammefn, 5. 93. alle in bem betreffenben Sanbe erfc^ienenen 
2)rudfchriften aufammen 5U bringen. Unter foldjen Umfiänben 
mürbe ein ©pe^ialfatalog über bergleidjen Sammlungen auch 
noch mit $u ben notwenbigen ju 5äf)len fein, kleinere 
Sibliot^efen brauchen gar feine Spe^ialfataloge. 

2Sa3 bie ^Reihenfolge ber Anfertigung ber Kataloge an* 
langt, fo ift früher fortbauernb barüber Streit gewefen, ob 
ber wiffenfd)aftliche ober ber alpfjabetifcfje Satalog $uerft 
bearbeitet werben müffe. $)ie©inen behaupteten, ber wiffen* 
fcf)aftüd)e, bie Slnberen ber alphabetifdje, unb feit $u 
biefen beiben ffatalogarten nod) ber StanbortMatalog ^in^u* 
fam f ^aben fid) auch noc h dritte gefunben, meiere ber 2ln* 
fertigung beS lederen Por ben beiben erfteren ben33or5ug $u 
geben geneigt waren. 2J?an foßte aber bod) glauben, bog in 
betreff biefer Streitfrage bei einer 93ibliotf)ef, bie wiffen^ 
fchaftlid) georbnet ift — unb bie§ foHten eigentlich ade 
93ibliotf)efen fein — , bie (Sntfchcibung nidjt gar fo fdjwer 
fallen fönnte. @§ finb babet in Se^ug auf ben alpf)abetifd)en 
Katalog jwei Säße 5U berürffid)tigen , ob nämlich ttfttMj 
neben bem alphabetifd)en 3?ttelfatalog, beffen Vorteile fich 
heutjutage feine größere 93ibliothef entgehen laffen wirb, 
auch noch e » 1 alphabetifcher 33anbfatalog ^ergefteüt Werben 
foll ober nicht. SSenn nid)t b. I). alfo wenn ein alphabetifdj 
georbneter 3^ttelfatalog allein für genügenb erachtet wirb, 
giebt e§ gar feine anbere SSa^l al§ bafj auf ©runb ber Settel 
juerft ber wiffenfehaftliche Satalog fertiggefteßt wirb, um 
biefelben nad) beffen Sßoßenbung alpl)abctifd) 5U Pereinigen. 
Soll neben bem S^ttelfatalog noch alphabetifdjer 93anb* 
fatalog angefertigt werben, fo wäre e£ aßerbingg benfbar, 
bafc jemanb bie Settel $uerft 5U biefem 3^ecfe alphabetifch 
orbnete, um fie fobann für ben wiffenfd)aftlid)en fiatalog 
Wieber auSeinanberaunehmen unb anber§ 511 orbnen. $)a 
aber nach ©rreidjung biefe£ 3^ecfc§ bie Settel, um ben Settel- 
fatalog ju bilben, boch wieber in bie alphabetifche Drbnung 
gebracht werben müßten — eine feine§weg§ müfjelofe, bie 
größte Sorgfalt fowie ^a^lreic^e Üftachf orfdjungen erforbernbe 



Digitized by Google 



144 



3iocitcr Seil. SJom ©iidjerfdjafc. 



Arbeit — , fo leud^tet ein, bafc biefeS ameite Verfahren bei 
umfangreicheren (Sammlungen einer großen SBerfchmenbung 
an 3^»t unb Arbeitskraft gleichkommen mürbe, Sto^u mürbe 
noc^ ber Übelftanb hinjutreten, baß ber auf biefe Seife fertig 
geworbene alpfjabetifche SSanbfatalog nur erft bie Interims* 
fignaturen ber toorläuftg in ber Reihenfolge ber ffatalogifierung 
prototforifd) aufgehellten SBüd^er führen mürbe, fo baß fchüefc 
lieh nach gefcf)ehener befinitiber Aufteilung auch noch e * ne 
Änberung aller in bemfelben enthaltenen (Signaturen bor* 
junehmen märe. ®S giebt nun allerbingS noch einen AuS* 
meg, um in ben balbigen Söefifc eineS alphabetifchen SatalogS 
§u gelangen, beffen Sefchleunigung infofern münfdjenSmert 
ift, als erfahrungsmäßig mit feiner £ilfe bie 93ücf)er am 
fcfjneUften aufeufinben finb, menn nämlich bie $ettel bei ber 
Sitelaufnahme boppelt gefchrieben merben. 3>n biefem galle 
fann baS eine Exemplar fofort für benalpfjabetifchenStatalog 
— fei er Settel* ober Sanbfatalog — bermenbet merben, 
mährenb baS jmeite ^unächft bie Unterlage für ben miffen* 
fchaftlichen Statalog bilben mürbe unb fpäter gleichfalls 
alpfjabetifch $u orbnen märe, um bie neuen (Signaturen bon 
ihm auS auf baS erfte ßyemplar ju übertragen. SBon ben 
bann borljanbenen jroei ßettelfatalogen fönnte ber eine ber 
auSfchließlichen Senufcung ber Beamten, ber anbere berjenigen 
beS IßublifumS bienen , mie bieS mit gutem ©rfolge 5. 93. in 
§aüe berfudjt morben ift. %n f a ft gleichem S3erf)ältniffe, mie 
ber miffenfchaftlid)e Satalog $u bem alphabetifchen, fteht 51t 
biefem auch ^ er (StanbortSfatalog, ber, bafern nur genug 
Gräfte bei einer *Bibliotf)ef borfjanben finb, gleid^eitig mit 
bem miffenfehaftlichen begonnen merben unb mit biefem gaef) 
für gach unb Abteilung für Abteilung bormärtS fchreiten fann, 
falls er nicht in biefen ganj aufgeht, ©r muß batjer in Se^ug 
auf bie 3^ it feiner Anfertigung nicht nur auS biefem ©runbe ben 
SJorjug bor bem alphabetifchen höben, fonbern auch be§^alb # 
meil er, als baS eigentliche 33ibliothefSinbentarium, auS bem 
fid) am leidjteften unb beften baS ©eftfctum ber SBibliortjef 
genau fonftatieren läßt, eine gan$ befonbere 28icf)tigfeit befifct. 



Digitized by 



SMerieS Äapttel. Sott bcr öinrl^tunfl beS ©ücf)eifdja&eS. 



145 



23a§ fdjließtich bie 2lrt unb 2Beife betrifft, Wie bie Satatoge 
ein$uridhten ftnb, fo bedangt natürlich toon ben brei Untoerfal* 
fatalogen jeber feine befonbere innere (Einrichtung, bie im 
einzelnen heiter unten 5U befprecfjen fein wirb. £ier mögen 
nur einige ollgemeine SBemerfungen , welche fidj meift auf 
einzelne atten Katalogen gemeinfchaftliche Äußerlichfeiten 
bejiefjen, iljre ©teile finben. ©ine biefer Semerf ungen betrifft 
$uerft ba§ 5ßapier unb ba3 gormat ber Satatoge. $)a§ befte 
gormat ift of)ne atten 3roeifel golio, unb nur bei Heineren 
SBibliotfjefen möchte ba§ atterbing3 etwa§ ^anblic^ere Duart* 
format suläffig fein. $ll§ Sftateriat ^at man ein gutes unb 
fefte§ Büttenpapier gu mahlen, weil biefeS öor bem wennaud) 
gewöhnlich weißeren unb fonft für ba§ $luge gefälligeren 
3ö*afcf)inenpapiere bodf) wegen feiner größeren #altbarfeit ben 
SSorjug öerbient. ©ine jweite Bemerfung gilt bem fRate, bei 
Anfertigung ber Kataloge mit bem Rapiere nicht 5U fparfam 
umjugefjen, bamit überaß gehöriger SHaum 5um Nachträgen 
ber £itel fpäter anjufdjaffenber Bücher übrig bleibe, unb 
man nicht etwa in (Ermangelung be3 5ftaume§ ba$u in ben 
$auptfatalogen ju Anlegung toon ©upplementbänberf, bie leidjt 
jur Unorbnung führen, feine 3uf(ud^t ju nehmen gezwungen 
würbe. damit fott inbeffen feine3weg§ ber Rapier* 
öerfdhwenbung ba§ Söort gerebet fein, um fo weniger, al§ 
eine ju große greigebigfeit mit bem Rapiere, auf bem wofjl 
gar am ©nbe mef)r weißer SRaum wäre, al§ Büchertitel 
ftänben, notwenbig eine Beeinträchtigung ber Überficf)tlichfeit 
ber Kataloge $ur golge haben würbe. ©§ ift für ben Biblio* 
tfjefar ^tnftc^tlic^ be§ wiffenfchaftlicfjen unb ©tanbortS* 
fatalogS, bei nur einiger SenntniS fowoljl be§ Umfanget ber 
Sitteratur in ben einzelnen gächern überhaupt, al§ auch 
befonbere ber für bie 2lu3behnung ber Bibliothef innerhalb 
gewiffer gächer beftimmten ©renken, nicht fo gar fcfjwer ju 
bemeffen, wo ungefähr etwas mehr unb wo etwa§ Weniger 
Sftaum in ben Katalogen gelaffen werben müffe, wogegen man 
ftd) in SRüdftcht auf ben alphabettfcf)en Katalog mittels einer 
mit Slufmerffamfeit Vorgenommenen durchficht atphabetifch 

©raefct, 8i6aotfjefdle&re. 10 



Digitized by Google 



146 



Breitet Zeil. JBom Sßüd^crfc^att. 



gebrucf ter Sü^eröcrjetc^niffe balb überzeugen fann, in Welmen 
33ucf)ftaben für gewöhnlich mehr Sitel toorfommen unb in 
melden weniger, in melden 93ucf)ftaben olfo im Katalog mehr 
unb in welchen weniger Sftaum für etwaige Sftachträgeaufäufparen 
fei. 2tm jwecfmäfjigften ift e3, bie ©üdtjertitel Don $au8 au$ 
nur auf bie eine unb $war bie rechte ©eite beS $atalog§ in 
angemeffenen Entfernungen t)on einanber $u fchreiben unb bie 
cmbere, bie linfe ©ette für fpätere Nachträge, wenn biefe ben 
auf ber rechten übrig gebliebenen 9?aum öoliftänbig aufgefüllt 
haben foflten, gan§ frei $u laffen. SSeniger empfehlenswert 
fc^eint bie Anlegung ber Kataloge, minbeftenS berjenigen, in 
melden bie Sitelfopien mit einiger 3lu§füljrlicf)feit eingetragen 
werben, auf gebrochenen (Seiten ju fein, weil berglcidjen 
©eiten für etwas längere Site! ju wenig SRaum in ber Sreite 
bieten, fo bafc biefe bann in ju Dielen gebrochenen fteiten 
gefdtjrieben werben müßten, woburd) t^re Überfichtlichfeit 
nicf)t unwefentltcf) leiben bürfte. ©ine britte SSemerfung 
betrifft bie früher in SöibliotfjefSfatalogen vielfach angewenbete 
unb felbft in neuerer Seit noch bon niedreren ©eiten 
empfohlene SiniierungSmethobe, ber zufolge bie Satalogfeiten 
burch eine ^Inja^l fenfredtjter Sinien in toerfchiebene SRubrifen 
ju teilen finb, in welche bie S3üchertitel in gewiffe Seile, wie 
DrbnungSnummer, *ftame beS 33er f äff er$ ober DrbnungSwort, 
Inhalt, SerlagS* ober 3)rucf ort, 3 a h r S a fjL Sormat unb ber* 
gleiten, jerftücfelt einrangiert unb fo in eine 2lrt SabeHenform 
gebracht werben. 9Wan f)at geglaubt, mittels biefer 9Wetf)obe 
ben 2efem beS SatalogS infofern einen wefentlichen $)ienft 
ju erweifen, als fie burch bleibe in ben ©taub gefegt werben 
foßen, bie Site! nach ifj*c*n einzelnen Seilen fchneÜer überfehen 
3U fönnen. 5lHein nach äftolbecf)S fehr richtiger ^Beobachtung 
wirft atteS, was bie auf einer ©eite gefdjriebenen 93üd)ertitel 
auf einen weitläufigen 9taum ausbreitet unb eine geteilte unb 
mefjrfeitige Slufmerffamfeit beS $lugeS forbert, auf biefe eher 
erfcf)Werenb als erleichternb : bie ©ewohnljeit macht, baß man 
lieber alles, waS zum Site! eineS 93ucf)eS gehört, in einer 
ununterbrochenen, Don feiner SRubriflinie geftörten Seite bei* 



Digitized by Google 



«tote* Sapttet. ®on ber einrid)tuitg l>c5 33ü^er|^Qte«. 147 

f Qtnmen fte§t. 9?ur für bie Sormatbejeit^nung unb Drbnungg* 
nummer unb außerbem, too e§ nötig ift, für bic gad)* unb 
AbteilungSfignaturen möge man eine befonbere Stubrtf anlegen. 
Slud) eine am ffopfe ber ©eite angebrachte horizontale Sinie r 
moburd) eine bon bem übrigen Snhalte abgetrennte Abteilung 
für bie ©eitenüberfchriften gewonnen mürbe, bürfte mirflid) 
jmeefmäßig fein. Sin vierter $un!t, bem ebenfalls noch «ine 
Semerfung gemibmet merben muß, ift bie taHigrop^ifc^e 
5lu§führung ber Sataloge, in betreff beren man nur $u oft 
toerfäumt §at, felbft ben mäßigften Anforberungen ©enüge $u 
thun. SBenn auch ficher nicht Verlangt roerben barf, baß ber 
Satalog ein fattigraphifdjeS SKeiftermerf fein fall, fo fann 
boch ebenfo ficher barüber fein Steifet fein, baß man eine 
faubere unb bcutlid)e, fomie reinliche unb regelmäßige (Schrift 
im©inne berDrbnung, bie für jebeöibliothef in aßen ihren 
Seilen bringenbeS SebürfniS bleibt, 5U forbern berechtigt ift. 
©ut getriebene Äataloge gereid)en einer Anftalt jur 3ie*be. 
Aud) werben bie $ftad)fuchungcn in berartigen Katalogen ben 
Sefem leichter, bequemer unb angenehmer fein, als roenn fich 
biefelben erft mtt Üfltühe burch eine fchlechte unb unbeutliche, 
ja twohl mit SSibermiHen buref) eine unfaubere ©Treiberei 
hinburchjuarbeiten haben. (Ettoaige 93erfcf)reibungen finb mit 
ber nötigen ©orgfalt $u toerbeffern; bie Art unb SEBeife, roie 
gehlerfjafteS burd)ftrichen ober auSrabiert ttrirb, ift auf bie 
Stauer für baS äußere AuSfefjen ber Sataloge immerhin öon 
einiger SBebeutung. 9?ad) bem Regulativ für bie k>taat& 
bibliotfjefen Stalin ift eS übrigens ftreng Verboten, in ben 
£auptfatalogen ju rabieren ober ©efdjriebeneS mit ©äuren 
ju tilgen; notmenbig merbenbe fforrefturen finb mit roter 
Üinte 5U machen, bamit man immer baS juerft ©efchriebene 
lefen fann. 3ur ©rreidEjung ber möglichften Regelmäßig* 
feit in ben Qexkn ttrirb bie Antoenbung Don Rapier mit 
blau üorgejeichneten Sinien, tt>eld)eS man fich mittete ber 
Siniiermafd^ine in größeren Waffen &u verhältnismäßig fehr 
billigen greifen leidet h er f le ^ en loffen fann, recht gute 
$)ienfte leiften. 2BaS übrigens ben Ginbanb ber Sataloge 

10* 



Digitized by Google 



148 



Swcxttv Ml. SJom Söürfjcrfc^Q^ 



anlangt, fo ift leidet einzufeljen, ba& berfelbe, teils tt)egen 
be§ SBerteS, melden bie Kataloge für bie Sibliothef haben, 
teils aud) Vorzüglich au§ bem ©runbe, roeil ein öfterer 
©ebraud) berfelben zu erwarten ift, ein bef onberS bauerhafter 
fein müffe. 

An biefe Söemerfungen fügt fid) enblid) noch eine le|te, 
meiere jebod) meljr bie innere (Einrichtung ber Kataloge an* 
gef)t. (ES mirb nämlich für bie 39enufcung unb gortführung 
berfelben Don erheblichem Sftufcen fein, roenn ber ©ibliothefar 
in einer furzen 9?acf)ricf)t 5U Anfang ber Kataloge anzeigt, 
roie er bei beren Anfertigung ju SBerfe gegangen fei; benn 
eine fold)e Nachricht giebt nidjt nur bem Öaien, welcher bie 
Kataloge nacf)fd)lagen tmtt, bie -Wittel, fiel) barin fdjneHer 
31t orientieren, fonbem aud) bem ^Beamten, ber bie Kataloge 
fortzuführen hat, bie erforberlid)en Anbeutungen, ttrie er 
babei ju Verfahren höbe, um mit bem jenigen, Von bem bie 
Kataloge angefertigt morben finb, überaß in Vollem ©inflange 
5U bleiben. 

üftach biefen einleitenben ^Betrachtungen über bie Kataloge 
im allgemeinen, benen vielleicht noch ^ er ^intt)eig hinzugefügt 
roerben barf, bafe auger ©ebraud) gefegte Kataloge im Archiv 
ber Sibliothef forgfältig aufbewahrt roerben müffen, gehen mir 
nunmehr zu ber Sefprechung ber einzelnen Kataloge felbft über, 
inbem mir mit bem miffenfehaftlichen Katalog beginnen. 

A. Per roijrtnrrfjaftltrfje Bafalon. 

S)ie Aufgabe beS »tffenföaftlidjen Katalogs i" befielt 
barin , bie über jebeS einzelne Sad) in ber 33ibliothef Vor* 
hanbene Sitteratur in übersichtlicher SufammenfteHung unb 
©lieberung vorzuführen unb eS auf biefe SBeife ju ermög* 
liehen, bafc man fämtlid)e auf einen ©egenftanb bezügliche 
SSerfe, fotvett biefelben Vorhanben finb , fd^nell unb fieser 
auffinbe. ©in gut angelegter unb mit SerftänbniS fort* 
geführter ftealfatalog ift für eine miffenfchaftlid^e Sibliothef 
Von auch nur einiger 93ebeutung heutzutage ein unabroeiS* 
bareS (5rf orberniS ; mo er vorhanben ift, roirb bie (Samm* 



Digitized by Google 



JBtertcS flopitel. ffion ber ttlnrit$tunQ bcß 93ücf>crtöQfrc?. 149 



tung crft mirflicf) nad) jeber fötdfjtung f)in erhoffen; mo er 
fetjlt, bleiben bie SBünfc^e mancfjeS SefudfjerS unerfüllt, bie 
ber Seamte an ber £anb eineS folgen SatalogS mit 
öequemlidjfeit bef riebigen fönnte 112 . 

2U3 ©runblage jur Anfertigung beSfelben bienen, mie 
bereite ermähnt, bie3ettel, auf meldten bie Site! ber einzelnen 
33üd)er bezeichnet mürben. $>iefetben müffen baljer jubörberft 
in entfpred)enber Sßeife georbnet merben. $>abei ftnb ^ttjei 
gälte benfbar, unb jmar entmeber ber, bog bie Drbnung Don 
©runb au$ nach einem ganj neuen ©tjfteme bemerfftettigt 
merben muß , ober ber anbere , baß etma mit einem ber für 
bie neue Sammlung erworbenen größeren ©ücherfompleje 
bereits eine ältere Drbnung mit in bie 93ibliotf)ef fjereins 
gefommen märe, bie man — moburcf) biet Wtye unb $cit 
erfpart unb bie 33ibliotljef ihrem 3^te ber boltftänbigen 
©inric^tung fdj netter jugefüfjrt merben mürbe — als ©runb* 
tage für bie neue Drbnung benu^en fönnte. 3m teueren gälte 
märe bafjer baS ältere DrbnungSftyftem mit$8ebacf)t unb fern 
Don aßen Sorurteiten $u prüfen unb, inbem man fid) nament* 
lief) bie bei bem ©ntmurfe beS ©tjftemeS maßgebenb gemefenen 
©runbfäfce möglidfjft ftar $u machen unb ju toergegenmärtigen 
bemüht märe, ju unterfucfjen, ob eS ben aneinfold)eS<5i)ftem 
5U ftetlenben Anforberungen (bie unten meiter entmicfelt merben 
fotten) bollftänbig entfpräd)e ober minbeftenS eine paffenbe 
©runblage befäße, auf ber bie etma nötigen $nberungen unb 
Sßerbefferungen , fomic alte burd) beränberte 3eitumftänbe, 
gebotenen ©rmeiterungen mit 2eid)tigfeit auf* unb fortgebaut 
merben fönnten. $auptfäd)tich märe auch barauf baS klugen* 
merf mit ju rieten, ob baS ©Aftern fonfequent burchgeführt 
fei, bamit nicht etma bie Sorteile, bie man fid) burd) ^Bei- 
behalten beS älteren ©tjftemeS $u fidlem mäljnte, burd) bie 
mit SBefeitigung ber 3nfonfequcn5en notmenbigermeife Der* 
fnüpften SWüfjen unb Arbeiten übermogen unb aufgehoben 
mürben. S)em 33ibliott)efar barf geroiß im gntereffe feiner 
93ibtiottjef nichts baran gelegen fein, bloß neueS unb eigenes 
ju fdjaffen unb beSf)alb baS ältere ©tjftem unbeachtet $u 



Digitized by Google 



150 Setter Seil, »om SBü$erfd)a&. 



laffen, fid) aber baburdfj ben 2Beg jum &kit bcr enblid)en 
toottftänbigen (Einrichtung au£ egoiftifdjer Siebe für feine 
3been$u Verlängern. Seiber liegt ja erfaljrungSmäfjig gerabe 
auf ben 93ibIiot|e!en bie ©efafjr fo nahe, bafs bie Arbeit ber 
Vorgänger unterfchäfct wirb. 9ftancf)e§ erfcf)eint ouf ben 
erften ©tief unüberlegt, ungenau, ungenügenb, wa§ bei 
näherer Prüfung ftch als im befonbern gälte burcfjauS 
begrünbet, wof)l burdjbacht, [a Völlig ^wecfentfprechenb 
erweist. D^ne fid) bie Stöühe &u geben, ba§ frühere Softem 
im einzelnen fennen $u lernen, unb ohne ben Sßerfucf) gemacht 
5U haben, fich in baSfelbe einzuleben, barf bafjer fein Stblio* 
tfjefar baSfetbe ohne weiteres für unbrauchbar, wertlos ober 
öerattet erflären. SWitunter genügt ein nur geringer Seil ber 
Seit unb ber Soften, meiere bie Völlige Neubearbeitung 
erforbert, um buref) Serbefferung ber bereits Vorljanbenen 
älteren Kataloge bie 93ibliotf)ef in einen Vollftänbig 
befriebigenben ßuftanb $u bringen, jumal aufcerbem ältere 
Sataloge buref) ben langjährigen ©ebrauet) in ber Siegel 
fehlerfrei geworben finb, mährenb neue Kataloge, auch wenn 
fie mit größtem gleifce unb eifriger Sorgfalt gearbeitet finb, 
ber beffernben £anb noch 3^** * an 9 bebürfen. gällt baher 
bie Prüfung beS älteren ©tjftemeS nur irgenbwie $u gunften 
beSfelben auS, fo wirb fid^ ber 93ibliotf)efar Verpflichtet 
fühlen müffen, baSfelbe, mit S3orbef)alt bcr erforberli^en 
Slnberungen, SSerbefferungen unb (Erweiterungen, für bie 
gefamte Söibliotfjef in $lnwenbung ju bringen, dagegen wirb 
er, bafern eine unwichtige Prüfung bie Un^ulänglid^feit 
unb SRangelhaftigfeit beS älteren ©hftemeS überjeugenb bar* 
gethan hat, in ebenbemfelben ©rabe jum Serlaffen beSfelben 
Verpflichtet fein unb fich alSbann gerabe fo, als ob überhaupt 
gar fein älteres (Softem Vorhanben wäre, barauf angewiefen 
fehen, auf ein neues 93ebacf)t $u nehmen, um banad) behufs 
£erfteHung beS wiffenfdjaf tilgen SatalogS bie Stitelfopien 
5U orbnen. 

SRag eS bem Söibliothefar auch 9 ern überlaffen bleiben, 
nach feinem belieben unb Srmeffen ein fold)eS bibliographifcfjeS 



Digitized by Google 



SBiertcS Äapüet. SJon ber einrid&tung bcS 93ttcl)erfcfjafre8. 151 



©Aftern entweber felbft entwerfen, ober bon ben fdjon 
zahlreich bort)anbenen ba§ ihm am paffenbften fd)einenbe 
au§5utt>äf)len unb für feine 3^ecfe 511 bearbeiten, fo muß er 
fidj bodj babei bon bem ©ebanfen leiten taffen , baß er nicht 
nur an bem einmal beftimmten ©t)fteme fonfequent feft£Us 
hatten habe, f onbern baß auch biefe§ ©t)ftem, ba jebc Siblio* 
tfjef in gemiffen ©renjen eine 5lrt berförperter 2Biffenfcf)aft 
barftellt, fo Diel at$ möglich mit bem ©tyfteme ber Söiffen- 
jcf)aft in föinflang $u bringen fei. ©3 fjat freiließ bie SBeant* 
aportung ber grage, tt>a§ e§ heiße, ba§ bibliograplu'fche 
©Aftern mit bem ber SESiffenfchaft fo biet als möglich in 
(Sinflang ju bringen, ihre großen ©dhmierigfeiten. S)a§ 
(£infachfte unb Sftäcfjftüegenbe tüürbe aHerbingS fein, baß 
man beibe ©interne einanber boüfommen ibentifch fein ließe; 
allein roeil bie einzelnen SBeftanbteite einer ©ibliotljef, bie 
Sucher, bon £au3 au§ nicf)t 511 bem 3^erfe gefdfjrieben finb, 
um in ba§ ©tjftem ber SSiffenfchaft, tuelcheä man ba§ 
p^ilofopl)ifd^*enct)flopäbifc^e nennen mag, eingereiht 3U 
werben, unb bafjer audf) eine große Strahl ber SöüdEjer in 
bagfelbe nicht überall hineinpaßt, fo liegt e§ auf ber $anb, 
baß ba3 bibliographische Softem mit bem pf)ilofopf)ifcf)~ 
€nct)f(opäbifchen nicf)t in bollfommener Übereinftimmung 
fielen !ann, fonbern auf bie $ra£i§ be§ 23üd)ertbefen§ bie 
fchulbige SRücfficht nehmen muß. $)iefe Siücfftcht ift e§ aber 
nun eben, bie bem $8ibliotf)e!ar ben 9Kaßftab abzugeben l;at, 
nach welchem ba§ phUofophifdh^enctjflopäbif^e ©tyftem in 
ba§ bibtiographifcf)e $u mobileren ift. $)a3 ledere toirb 
fich im allgemeinen, foroeit e§ fid) nicht nur um bie ©in* 
teüung be§ gefamten 23üdherborrate§ in einzelne gäcf)er ober 
2öiffenfcf)aften, fonbern auch um geftfteüung bon £aupt~ unb 
tjorjüglidheren Unterabteilungen biefergächer ^anbelt, an ba§ 
öftere genau anstießen fönnen, hwfichtlicf) ber fpe^ielleren 
$Iaffififation aber unb namentlich in betreff ber Reihenfolge 
ber Söüdher in ben einjelnen Unterabteitungen je nach & em 
Sebürfniffe ber 93ücf)er felbft feinen eigenen ©ang gehen 
müffen. S)enn nrie einesteils bie bon ber SBtffenfchaft überall 



Digitized by Google 



152 



Btoeiter Xeil. Born »ttdjcrfdjatf. 



gcforberte d^ronologifd^e ^Reihenfolge feine§toeg§ bei Söüdfjem 
ftet§ antoenbbar, bei biefen toietmefyr oft bie atptjabetifdje bie 
jtoecf mäßigere ift 1,3 , ebenfo mirb anbernteifä bie Don ber 
SSiffenfdjaft bei jcbem einzelnen SBiffenfc^aft^lüeige bor* 
genommene genauere ©lieberung fcon ben ©ibltotfjefen je nad} 
iljren Seftänben auf bem betreffenben ©ebiete mefjr ober 
weniger toereinfadjt werben müffen. 

^raftifdje $Rücfficf)ten alfo finb e£, bie bei ber SBa^t unb 
ber Bearbeitung be§ bibliograpljifdjen ©tyftemeS für jebe 
einzelne 33ibliotf)ef je nad) ber 93efcf)affenf)eit unb ben Steden 
biefer ben 9Ui§ftf)lag geben müffen. $5a3jenige ©Aftern ift 
ba§ befte, lüeld)e§ ben befonberen (Eigentümttdjfeiten unb 
realen ©ebürfniffen einer Sibliotfjef am jtoecfinäßigften unb 
toottfommenften entfpricf>t ll4 . äftan Ijat e§ bafjer fefjr mit 
SRedjt at§ eine toenig erfprießUdje Arbeit be$eidjnet, bis in 
ba§ Sfleinfte aufgearbeitete 93ib(iotf)ef§ft)fteme a priori 511 
fonftruieren. ift bieg big in bie neuefte Seit herein fcon 
Berufenen unb Unberufenen mit attju großer Sorttebe unb 
in at^u anfefjnlicfjer $lu3toaf)t gefd)ef)en; baß aber bieSRefjr* 
5af|l jener ©tjfteme nur einen mefjr ober minber befcfjränften 
Beifatt fid) ju erringen bermod)te, erflärt fid) auf ben obigen 
Ausführungen Don felbft. 

Unter ben faft aaljlloS borfjanbenen ©tjftemcn 115 ift baS @#tife*£ufelanb* 
idje S3lffenfd)aft§foftcm ofjne Zweifel eines ber borjüglichfien, weites baljer bem 
99ibliott)etar in bieter 33eatef)ung als ÜKufter anempfohlen tuerben barf; gleich 
iooht wirb autf) biefeS in ben bon <£ r f cr> getroffenen, mehr bem ©ebürfntffe ber 
tfjcorettjdjen SEßtfienfdjaft als bem ber SBütfjerprarjS angepa&ten fpcaicflen 9lu«* 
führungen nid)t burdjioeg feftjuhalten fein. Xaöfelbe (bon ©djity unb §ufelanb 
im „ungemeinen Wcpertorium ber SMtcratur für bie 3at)re 1785—1800" auf* 
gefteUt) gliebert bie gefamte Süteratur tn folgenbe Cber* unb Unterabteilungen : 
I. ©Triften, njeldje einzelne SKMffenfäaften behanbeln, unb jroar 

1. SSiffenfdmft im allgemeinen — SBtf f enfd)aftSf unbe — 

2. SBiffcnfdjaften im befonberen: 

A. ©practjttriffenfchaft — Philologie — 

B. gftcaltoiffenfrfjaften : 

a. «ßofUibe SBMffenfchaften : 
a. ^ofttibe Xbcologie. 

ß. Sßofitiöc SsuriSprubcnj. 

b. 9Hrf)tpofttioe b. f>. natürliche 8Biffenfcf)aften: 

et. SBiffenfchaften, welche fiel) auf btofi ufi&lt(he@egcuflänbe bestehen: 
aa. Philofopbifchc ©iffenf cf)aftcn : 



Digitized by Google 



Sterte« flovitet. SSon ber (finticfituitfl M SfldjcrldjaSe«. 



153 



««. Söiiiruj djaften beS SRenfdjen: 

aaa. nn fid) b. f>. feinet SRatur nad) : 

«««. in 9?üdftd)t auf Äörper — SWebtiln — 
ßßß. in !Rücfficf)t auf ©ecle — «p^tlofop^lc — 
bbb. tu ©cfcflfrfjaft: 

aaa. in 9tücffid)t auf (£raief>ung — ^Säbagogtl — 
ßßß. in 9tücfncf)t auf baS «er&ältniS jum ©taate: 
aaaa. als beffen ©ürger — ©taatsmtf fen* 
feftoft - 

bbbb. als beffen «erteibiger — tfriegSwiffeu* 
fdjaft — 

ßß. SlMffenf djaften ber SRatur: 

aaa. nad) 2&corie — Oiaturttuffenfdjaft — 
bbb. nad) qSrarte — Sedjnologie — 
bb. 2Hatfjematifd)e Söiffenidjaftcn — 3Mat&emattt — 
cc. #lftorifd)e ©iffenfdjaften — ©efdjid)te — 
ß. «Bifienfdwftcn, toeld>e fid) auf fdjöne flünftc bcatefjen — ©djönc 
Äünfte - 

3. ©cfd)id)te ber SBiffenf haften — 2ttterargefd)td)te — 
II. ©Triften, toetdje mehrere SSiffenföaften befjanbelu — *Bermifd)te 
©djriften. — 

#fernad) ergeben ficö folgcnbe fcdjaeljn foorbinierte Sl&teilungen ober SSHffen* 
ftfjaftSfädjer: A. «BiffcnföoftSfunbc; B. Ätiologie; C. Sfjeologic; D. Stecht*« 
nriffenfdjaft ; E. aKebijin; F. ^3f)Uofopfjie ; G. ^äbagoglf; H. ©taatStotffenfdjaft; 
I. ÄriegStoiffenfdjaft ; K. Watunuiffenfdjaft ; L. Xedjnotogte; M. SWat^emattf ; 
N. ©efa)id)te; O. ©djöne äüuftc; P. Sitterargefdjidjte; Q. «ermifchte ©Triften. 

©rtoSlmung bcrblent aud) $(. (E. ©cbleier madjcrS ©tyftem (a.b.3- 1852), 
weites nadjftefjenbe fcauptabteUungen bietet: A. Crnctjflopäble, Sitterärgefäidjte 
unb SBiograpfjie; Ii. ©ermifefite ©Triften ; C. ©pradjen* unb ©djriftfunbc» 
«Philologie; D. ©rtechifebe unb 2ateiniid>e ßitteratur; E. F. ©d)ünc SBiffen* 
fdjaften in ben neueren unb ortentalifdjen ©prägen ; G. ©tf)Öne Äünftc; H— o. 
£tftorifd)e Söiffenfdjaften; P. 9Wattjcmatifd)c unb ^r>tjfi^alifc^e iB5tffcnfcr}aften ; 
Q. 9laturgefd)icqte; R. S. aWebt^in; T. Smbuftrie, ober öronomifdje §orft* unb 
3a gb*2Biffenf djaften, Senologie, fcanbel unb ©d)iffafjtt ; U. IDMlitärnnfienfdmften ; 
V.W. Geologie; X— Z. Surtöprubenj unb ©taat§toiffenjtt)aften. ©djleiermadjcrS 
©lieberung im einzelnen bürfte fid) bagegen ebenfoioeiug mie bic öorcnuäfjnte oou 
(Srfdj für ein ©ibliothefsfnftem in allen ©tütfen eignen. 

Unter $ugrunbelegung ber in unferer £eit ju immer allgemeinerer ©ctrung 
gelangten ©d)eibung ber hriffenfdjaftlldjen Disziplinen in ©eifteSioiffenfcöaften 
unb Maturroiffenjchaften, toobei ber ©eograpfjie ber Übergang oon jenen 5" 
biefen augetoiefen hrirb, hat neucrbingS Ctto §artu)tg folgenbeS ©Aftern an 
ber £>aaifc$ett Uniocrfttät§&t&iiotf)el burcfigerinjrt. 

A. ©üdjertunbe unb Mgemeinc ©djriften ; B. Sllfgemeine ©pradjtoiffenfdjaft 
^unb orientalifdje ©pradjen; C. Äfloffifcrjc Philologie; D. teuere Ätiologie; 
E. ©djöne fünfte; F. «p^itofoprjtc ; G. «päbagogif; II. Äulturgef^tdjte unb 
# aHgemeine9ieliglonSioiffenfd)aft; I. Rheologie; K.SRcchtSioiffenfdjaft; L. ©taats* 
•Dtffenfchaften ; M. §iftoitfdje ^ilfSioiffenfd)af ten ; N. ©efchidjte; O. (Erbfunbe; 
P. ungemeine naturunffenfdjaftltche ©djriften unb mathematiiehe Söiffenfa^aften ; 
Q. $^ftt unb 3Keteorologie; R. Chemie; S. 9?aturtoiffenfd)aften; T. 2anb*unb 
gorftmirtfdjaft, Xedjnologie; U. SKebiiin. 



Digitized by Google 



154 



^weiter Xcit. 93om 93üdjcifcba&. 



2>tefe8 ©toftem, Welches, wie erwähnt, bor bcn bctbcn oubercn ben SJoraug 
befifrt, in bcr *ßraji« Anwenbung gefunbeu au hoben, läjjt ftdj burd) Bereinigung 
«teurerer berwanbter Abteilungen , wie ber #tftorifcf)en $ilfawiffenfchaften mit 
bcr©efchid)te, bcr einaelncn naturwtffenfthaftlicbeupcberau einem ©anaen u.bergl., 
leidet auch auf Heinere Sücherfammlungen übertragen. 

Sine gana eigenartige ©tellung nehmen berfebtebene norbamerifantfehe 
Sbfteme ein, unter benen befonberö ba8 2)eaimalfbftcm SRelbil 2) e web 8, 
Welche* juerit an bcr «ibliothef beS Amherst College in 3Waffacr)ufett& bura> 
geführt würbe, bei annt geworben ift 116 . 9cad) btefem Wirb bie Sibltotbet aunäcbft 
in neun bon einanber unabhängige Älaffcn eingeteilt, nämlich: 1. ^ß^Uofop^ie; 
2. Geologie; 8. ©Ökologie; 4. Biologie; 5. 9caturwiffenfcbaften ; 6. SRÜfclichc 
fünfte; 7. ©djöne fffinfte ; 8. Sitteratur; 9. ©efehiebte. gebe biejer neunÄlaffen 
aerfättt wteber in neun Abteilungen unb jebe bon biefen in neun ©elttonen, 
Wobei bieSclaffe ber Allgemeinen ©Triften ((Snctillopäbien, Beschriften uniberfellen 
CEbaratterS u. f. tt>.) bem ©anaen als Einleitung borangebt. (£§ fiub auf biefe 
SBeife 999 ©eftionen gefefjaffen , welche in laufenber SRctbe burd) Sohlen aus* 
gebrütft finb. 3 c *gttebcrt man biefe Sohlen, fo bebeuten bie (Einer immer bie 
©eftionen , bie Schncr bie Abteilungen , bie $uubcrte bie fflafien. ©o beginnt 
mit 100 bie Jftaffe ^hitofopbte, tocltrjcr, wie erwähnt, bie ungemeinen ©d)rtften 
in 10 Abteilungen unb 99 ©eftionen borangeben, mit 200 bie Xljcoiogie, mit 
300 bie ©oaiologie u. f. f. ; bie Sohl 513 würbe bemnach, um ein 33eifptel au 
(leben, bie brttte ©eftion (©eometrie) ber erftett Abteilung (2Watbemattf) ber 
fünften fflaffe (Waturwiffenfcbaften) &Uben. $ie erwähnte klaffe enthält nämlich 
bte neun Unterabteitungen 5)0 2ttathemattf, 520 Aftronomie, 530 pbhfif» 540 
Gbemic, 550 ©cologie, 560 Paläontologie, 570 SBiologie, Anthropologie. 560 
©otanif, 690 Soologie, ihre erfte Abteilung QJcatbematif bie neun ©ettionen 
511 Arithmetit, 512 Algebra, 513 ©cometrie, 514 Trigonometrie, 515 Sfegel* 
fefmitte, 516 Anatytifche ©eometrie, 517 SBürfel, 518 Cuatcmioiten, 519 ©peatelle 
Applifationen. Snfofern bie Qaf^X (in unferem galle 51 3) gleichseitig bicälaffe, 
Abteilung unb ©eftion angiebt, wirb fte bie ÄlaffiftfationSnummer genannt unb 
jebem ber Stbliotbcf auge^örigen SBucrje beigegeben, fo ba& alfo fämtliche 
geometrifdje ©Triften bte Sohl 513, fämtltdje trigonometrifebe bie Sohl 514 u.f. f. 
tragen, wobei bie einaclnen SJücber ber ©eftion unter fidj aw Unterfcbcibung noch 
bon 1 ab numeriert werben, 513 :i, 513:2 u. f. w. 

«80 eine Kuli am ©nbe bcr ÄlaffiftfatiouSnummer borfommt, a- ©• 510, 
bebeutet bicS, bafe an Jener ©teile feine ©eftion borhanben ift, fonbem bie äff« 
gemeinen ©ctjriften ber betreffenben Abteilung ^Slafc gefunben hoben, in unferem 
Salle biejenigen ber erften Abteilung (SDtathcmatif) bcr fünften ßlaffe (Statur» 
wtffenfdjaften). 2Bo an>ei Stullen borfommen, a- 500. finb Weber Abteilung 
noct) ©eftion borbanben, fonbern bie angemeinen ©Triften ber betreffenben ganaen 
fllaffe, hier biejenigen ber fünften (Staturwiffcnfcljaften) untergebradjt. 3)iefe 
fönnten, was bcn Snbalt anlaugt, eigentlich ittcr)t weiter gefdjtcben werben, weil 
fte fänttlicr) bie betreffenbe £f$atplin im ganaen bchanbeln ; aus praftifeben föücf* 
fiebten, bie ftaj namentlich bei umfangreichen 3Mbltothefen geltcnb machen bürften, 
ift jeboeh auch in folcfjcn ftälkn, aumal bie Bohlen 1—9 aur Verfügung ftanben, 
eine ©licberung borgefchen unb awar nach formalen ©eftchtspunften in Wttefftcbt 
auf bte äu&cre ftorm bcr 2)arftellung. ©8 finb baher, um bei unferem ©eifpiele 
au bleiben, in ber fünften ftlaffc folgenbc neun ©eftionen gebilbet: 501 ^hitofophte 
ber 0latumjiffenfchaftcn , 502 SRaturwiffenfchaftlfcbe flompenbien, 503 Natura 
wiffenfeboftliche SSörterbücber , 504 5Jcaturwifi*enfchaftltche effabS, 505 Statur* 
wtffenfchafttichc Qeitfchrtftcn , 506 Katuttbiffcufchaftliche ©efeüfchaftSfchriften, 



Digitized by Google 



»ievtcS «apitel. »on ber Einrichtung beS ©ücherfchafccS. 



155 



507 Narurrolffenfcbaftlicbe Erziehung, f>08 Naturtotffcnfchaftliche Helfen, 509 <9c* 
fcbichte b«r ftaturwificnjcbaften. 

(£§ lofjt ficb tiic^t leugnen, bog bas Demehfche ©Aftern manche grofee Vorteile 
bietet. tDaSfelbc ift leidet faßlich unb felbft bem ©ibliothefSroefen ftcrncvftebcnben 
toerftänblich unb erleichtert baS ftuffinben in gan$ au fcerorbentlicher SSciJe. 9lber 
auf ber onbern Seite liegt bie ©efabr nahe, baft bem elftem juliebe einesteils 
Unterabteilungen unb (Sefttonen (üuft(ict) gefebaffen. anberntetlS nicht geuügenb 
getrennt ober mit ferttertiegenben jufammengewotfeit werben. Hudj bezeichnet 
c$ (lutter nicht mit Unrecht als einen SRangel jenes ©nftemS, bafe, loäbrenb bie 
Hauptabteilungen burebgängig bon gleicher ©rö&e ftnb, bie bamit bezeichneten 
luiffenfcbaftlicben Rächer foiuobl in ©ejug auf Umfang als SeilungSfäbtgfcit fe$r 
toon einanber abweisen. ö>cTd?icr)tc j. 33. wirb in ben metften ©tbliotbefeu zwanzig 
SRal mehr ©äube aufioeifen unb ihrer Natur nach eine toett eingehenbere Xctlung 
eiforbern als ^hilofophic 2c. £>aS Xcioetyftfjc @i)ftcm, nxlcbcS nnr nach bem 
©chemo beS ÄatalogS ber öffentlichen SJtbliotbcf ju SWiltuaufee bargeftellt 
haben, ift ber äuSgangSpuntt einer ganzen Sinzahl öon ^erbeffcrungSDorfchlägen 
fletoorben, aus benen fid) wttberum felbftänbige (softeme enttuicfelteu , melchc 
fämttidj barauf hinzielen, tn ber <£d)cmatiftcrung fotuol)l tuie in ber ftufftcüung 
unb Numerierung bem ©ebächtniffc zu Hilfe 511 fommen. Sei allen folchen 
fünftlid)en <5d)ematen fiub jebod) trob beS babei bethätigten ScfjarfuuncS ©eioalt« 
famfeiten unb Snfonfequcnzen ebenfo unoermciblid) luic anberfetts bic logifche 
Reihenfolge ber Äbteilungeu unb bie ftreng toificnfchaftliche ©licberuug nicht 
mehr in erfter ßinie ©erüeffichtigung finben fönnen. $n einzelnen fallen pa&t 
baS ©hftem fogar nur für eine beftimmte Sprache, bic englifebc. SllS Beteben 
ber (Srpnbfamleit auf bem ©ebiete unferer SBiffeufchaft oerbienen bicfelbcn inbeffeu 
auf alle galle unfer 3ntereffc. SBir ioerben im Srapttcl über bie Suf Heilung 
unb Numerierung ber «üdjer auf manches bcrfelben noch eingehenber zurücf« 
lommen müffen. 

2)ie $auptregetn für ba3 btbliograp^tfc^e Softem unb 
beffen £anbfjabung laffen fid) nun etroa in folgenbem 
jufammenfaffen. 9Kan teile fid), ir»ie bie foeben angeführten 
Söeifpiele lehren, juerft einzelne, mit großen römifd)en Sud)* 
ftaben (ober 3afjlen) 5 U be^eietynenbe , größere gädjer ober 
Söiffenfdjaften ab , in benen ba§ 2öiffenfd)aftlid^£omogene 
jufammenjufteffen ift, unter ftrenger 2lbfd)eibung alleS 
heterogenen, beffen fid) tvofy bie einjelnen SBiffenfdjaftS- 
fädjer, toie bieg bei ber innigen SSerroanbtfdjaft ber SSiffen* 
fd)aften untereinanber unb ben fteten gegenfeitigen 93e5ief)ungen 
nic^t anberS fein fann, a(3 2Iu§fjilfe bebienen müffen, ba£ aber 
be§^atb nie &u bem Sadje, bem e§ jur SluSfjilfe bient, alfo 
3. S. bie ^fjilofoptjie nie jur Geologie ober umgefe^rt bie 
Geologie nie §ur ^}^i(ofopt)ie, bie fic^ gegenfeitig afö $ilf§* 
tt)iffenf^aften bienen, ^injuge^ogen merben barf. 9Wan beachte 



Digitized by Google 



156 



S^citer Seit. SBom SBüc^cr^a^. 



ober babei woljl, bag bie Abgrenjung bcr einjelnen SBiffen* 
fdjaftöfädjer nidjt nad) Moger SGßittfür Vorgenommen, unb 
biefe gäc^er nid)t al§ bto^e unb gan5 gleid)giltige ©rup* 
pierungen toon ffiiffenfc§aftlicf)'§omogenem angefefjen werben 
bürfen, fonbern bog eine wiffenfdjaftlid)e Sftotroenbigfeit Vor* 
Ijanben fein muß , welche bie ©renäen gerobe fo unb nid)t 
anberä feftfteHt. @§ muß ben Abteilungen ein wiffenfdjaft* 
lieber $lan, ein ©t)ftem, ju ©runbe liegen, meld)e§ nidjjt nur 
jene ©ren5en beftimmt, fonbern audj bie Aufeinanberfolge 
ber Abteilungen Dorfd)reibt. SDenn eine foldje Iogifcf)e Auf* 
einanberfolge ift r obwohl man fie als für93ibliotf)efen gteid)* 
giltig erflärt fjat — unb in 9üicffid)t auf bie Aufteilung ift 
fie e§ in ber £f)at , benn in 2Birflid)feit bilbet jebe£ £aupt* 
faef) eine öon ben übrigen Abteilungen burd)au§ unabhängige 
felbftänbige ©ruppe, gewiffermaßen eine ©ibliotfjef für fid) — , 
bodj in §inbüd auf bie l^ere wiffenfdjaftlid)e ©inljeit be§ 
ganjen ©t)ftem§ ebenfo wünfdjenSwert wie notwenbig , ba 
ofjne biefelbe ber ©inbruef ber Unwiffenfdjaftlidjfeit unb 
SEBiHfür nid)t abauwefjren wäre. Auf biefe SBeife wirb ju* 
gleidj allen ©d)Wanhmgen berSädjer nad) innen unb äugen, 
bie ofjne eine foldje Wiffenfdjaftlidje ©runblage nie ausbleiben 
fönnen, ein 3iel gefegt, fotveit nicf)t überhaupt bie 28iffenfd)aft 
felbft etwaigen ©etywanfungen unterliegt. $>enn wie bie 
^fjtyfiognomie ber gefamten SSiffenfdjaft früherer unb 
jefciger 3eit wefentlid) Don einanber öerfdjieben ift, fo werben 
Seiten fommen, wo fid) audj bie gegenwärtige Sßljtyfiognomie 
öon neuem beränbert, ja in einjelnen 5)i^iplinen erleben 
wir felbft bie fiel) öolljie^enben llmmanblungen. ©o fjat fid) 
in neuerer 3eit bie allgemeine ©prarfjwiffenfdjaft Don ber 
^ilologie <a(S felbftänbige 2Biffenfd)aft lo3ge»St, bie t>er* 
gleidjenbe Anatomie fid) $u einem Seile ber 3 0 °I°9i e i m 
weiteren ©inne auSgebilbet, bie ^ß^QftoIogie eine immer 
engere SSerbinbung mit ben Sftaturwiffenfdjaften gefdjloffen 
unb au§ fid) IjerauS einzelne 3^^9 e ^ bfc Sefjre Von ben 
Sonempfinbungen, bie $fi)d}opl)t)fif unb bie (£leftropl)t)fif 
ganj neu erftef)en laffen u. f. f. ©an§ befonberS aber ift bei ber 



Digitized by Google 



mcxtti Stnpitet. »on t>cr «tnri<$tmtQ be« »ü^cr^o&c«. 157 

S3eWeglid)feit bcr politifcf>en Serhättniffe ber ©taaten unb 
Sänber ba£ ^iftorif^gcograp^if^cgac^ folcf)en©chwanfungen 
unterworfen. 3>n ^Betracht berfelben muß baher ba8 biblio- 
grapljifche ©Aftern fdjon öon toorn herein fo eingerichtet 
werben , baß , wenn e§ auch nid)t gerabe jebem beliebigen 
Sßedjfel in ber 2Biffenfd)aft gleich unterliegen barf, bod^ auf 
bem einmal gelegten ©runbe Weiter fortgebaut, unb ben 
roefentlidjen SSeränberungen in ber 2Biffenfd)aft of)ne erheb* 
lid)e Störung be§ gan5en ©tyftemSorganiSmuS , entmeber 
burd) Abzweigung unb Umgeftaltung einzelner Abteilungen 
ober buref} ^injufügung neuer, bie entfprechenbe fjolge 
gegeben werben fann. 

9Wan jerfpalte jweitenS in berfelben SBeife bie einzelnen 
gäd^er wieber in ebenfalte mit Sutfjftabcn, fleinen römifcf)en 
unb griecf)ifdjen r $u be^eichnenbe größere ober £aupt* unb 
fleinere ober Unterabteilungen, unter fortbauernb ftrenger 
£anb!)abung be3 ©runbfafceS, baß nur ba§ Söiffenfchaftlich* 
homogene jufammengehöre , unb alles anbere bafcon fern* 
gehalten werben müffe. (£$ bürfen jeboch biefe $aupt* unb 
Unterabteilungen md)t gefünftelt b. t). nid)t foldje fein, baß 
nicht allein eine Art ftunft ju ihrer Auffteüung gehört 
fonbern auch eine gewiffe Äunftfertigfeit baju erforbert 
wirb, fid) in ihnen jurec^t ju finben. ©ie müffen vielmehr 
einfach un ^ ^ em praftifdjen ©ebürfniffe fo angepaßt fein, 
baß e§ feine äftühe macht, fiel) in ihnen rafcf) unb fidjer ein* 
5ugewöljnen, um über bie (Stnorbnung ber betreffenben SSerfe 
außer 3n>eifel 5U bleiben. 3)abei wirb natürlich, wie bereits 
hervorgehoben würbe, auf ben mehr ober minber großen 
Umfang unb bie mögliche größere ober geringere Au§bef)nung 
ber SBibliotljef in ber 3 u f un f* billige 9iücfficf)t ju nehmen 
fein, ba bie feinere ßerglieberung in f pejiellere Unterabfc^nitte, 
bie für eine größere 93ibliotf)ef paßt , nid)t ebenf 0 bei einer 
Heineren Anwenbung finben fann. ©elbft innerhalb berfelben 
SMbliotljef Verbietet fid) eine gleichmäßig in ba§ einjelnfte 
gehenbe ©pejialifierung fämtlicher gädjer in ber Siegel Don 
felbft. Abteilungen , bie bei ber Vermehrung planmäßig $u 



Digitized by Google 



158 



3tt>eltcr Seil. 9?om SBüdjerfdjafc. 



beborjugen finb unb borum eine ftattlidfje , trielleidjt fogar 
aufcergemöljnlidO reidje ßitteratur aufweifen, bedangen natur* 
gemäfc im ft)ftematifcf)en Satalog eine genauere ©Ueberung 
als foldje, weldje ben eigentlichen Sielen ber betreffenben 
(Sammlung ferner liegen, mit 9ßeuanfcf)affungen färglidjer 
bebaut Werben unb barum aud) nur einen geringen S3üdf)er* 
beftanb befijjen unb ftetS befifcen Werben. 3mmerf)in rnufc 
bie Anorbnung bon£au$ au£ fo getroffen, man mödfjte fagen, 
f o elaftifd^ fein, bafe, falls bie üßotmenbigfeit ju Serfpaltungen 
Don Unterabteilungen in nod) Heinere 5lbfcf)nitte burd) 
jufäßige Umftänbe gegeben wirb, biefe ofjne Umftänbe 
Vorgenommen werben fönnen. 

Sei allen Teilungen fjalte man übrigens ben ©runbfa^ 
feft, baß ftet§ ba§ Allgemeine bem (Speziellen öoranfteljen, 
unb biefeS au§ erfterem fid) entmidfeln mufc, ba§ lefctere bem 
erftern aud^ nie gleicfygeftettt (f oorbiniert) , fonbern unter« 
georbnet (fuborbiniert) werbe. 

drittens ift §infid)tlid) be§ (£inorbnen§ in bie einzelnen 
Abteilungen im allgemeinen ju bemerfen, bafc nid^t bie gorm 
b. i. bie ©inflcibung ober SDarfteffung , fonbern ber !3nfjalt 
ober bie üftaterie eineS 93udje§ barüber ju entfcfjeiben fjat, 
mof)in baSfelbe im (Si)fteme gehöre. $>ie gorm ift in ber 
Wefyxfraijl ber Satte fo unmefentlid) unb nid)t§ weiter al£ 
blofce, oft toon augenblicflidfjer Saune ber ©djriftftetter ab* 
gängige Äufcerlidjfeit, baft man beim Drbnen mannen 3ef)l~ 
griff ttjun unb biele 33üd^er an burd)au§ unpaffenben ©teilen 
unterbringen Würbe, wenn man au§ ber gorm eine§ 93ud)e§ 
allein fd|on einen <Sdf)lufc auf beffen Stellung im 8t)fteme 
ableiten wollte. AtteS, wa§ 5. $8. in Briefform getrieben 
ift , wegen biefer gorm in eine Abteilung (£piftolograpl)en 
einreiben 5U motten, würbe felbftoerftänbltcl) ebenfo öerfe^rt 
fein unb aller unb jeber 2BiffenfdE)aftlid)feit miberftreiten, 
al§ wenn man jebe in gebundener gorm (SSerfen) toerfaf$tc 
Schrift oljne irgenb welche SftücffidE)t auf ben Snf)alt unb 
lebigtid) S3e5ug nefjmenb auf ifjre AuSbrucföweife unb gorm 



Digitized by Google 



SBicrtfS flo*>ttfI. »on ber (Sinrt^tung bc« Söii($erfc$a&e«. 159 



ber Abteilung ber *ßoefie juteilen wollte. $er %n$ait be§ 
S3uc^c§ ift e§ ohne 3^ctfet hauptfächlid), ber bei ber Söfung 
ber grage, ob bog eine SJud) ben poetifdjen ©Triften unb 
melier Abteilung jene§ anbere aujugefetlen fei, in 53etrad)t 
gejogen werben mufj. RictjtSbeftoweniger aber wirb immer* 
hin and) bie gorm nid)t ganj überfein werben bürfen, 
unb in 5Weifelf)aften gällen — beren e8 nur &u üiele giebt, 
bie bem Sibliothefar ernfte ©djwierigfeiten bereiten 
fönnen — mag bie gorm mcfentlic^ $ur 2öfung be£ 
Zweifels mit beizutragen im ftanbe fein, dagegen barf bem 
blofcen Site! eine§ 93ud)e§, ber bei ber anerfannten Untüchtig* 
feit Dieter ©d)riftfteHer , ihren SBerfen paffenbe Sitel $u 
geben, nur $u oft höchft ungefcfjicft gemäht ift, bei ber ©nt* 
Reibung ber grage über bie Stellung be§ ©uc^e§ im ©nfteme 
gar feine ©timme eingeräumt werben, ©benf o ift bie ©pradje, 
in welcher ein SBuch gefdjrieben ift, für bie ©tellung be§felben 
ju ben einzelnen ^Disziplinen in ber Regel belanglos , foweit 
e§ fid) nid)t um befonbere fprad)lid)e ©igentümlid)feiten, welche 
baSfelbe ber ©rammatif ber betreffenben ©prad)e jumeifen, 
ober um bie fogenannte fd)öne ßitteratur Ijanbelt, bie ihrer* 
feitS gerabe nad) ben einzelnen ©proben unb SBölfern gegtiebert 
5u werben pflegt. 

(Snblid) muft fciertenS bem ©ibliothefar ba, wo er über 
bie Reihenfolge ber einzuorbnenben SSerfe 5U entfdjeiben ^at, 
eine gewiffe greifjeit geftattet fein. ©0 braucht er fid) nid)t 
ba, wo Don ber Söiffenfdjaft bie djronologifdje Reihenfolge 
geforbert wirb, an biefe auch überaß im bibliographischen 
©t)fteme gebunben §u fühlen, ba h^r ber alphabetifdjen 
Reihenfolge in mandhen gällen bei weitem ber Sorjug 
gegeben werben muß. 63 mag recht wiffenfdjaftlid) fein — 
unb e§ h Q * fid) beS^alb auch Qctüife fchon mancher 93ibUo- 
thefar ba^u herführen laffen — , bie altttaffifd)en Römifdjen 
unb ©ried)ifd)en ©chriftftefler , wennauch beren SebenSjeit 
nicht immer beftimmt werben fann, bod), fo weit e3 thunlich 
ift , in d)ronologifd)er Drbnung aufzuführen ; allein im 
bibliographifdjen ©tyfteme fann eine f olcfje Drbnung nicht 



Digitized by Google 



160 



* 

3iüciter Xeil. »cm 93ütf)ct1cf)afe. 



bon Sftufcen fein unb muj$, gan^ abgeben babon, baß fie jeber 
ctroaigen burdh neue gorfchungen über bießeben^ett minber* 
befannter ©c^rtftftetter herbeigeführten Sfabcrung unter* 
roorfen bleibt, ber Überfic^tlic^feit unbebingt Eintrag tfjun, 
ba man fich ohne einen befonbern alphabetifchen SSegroeifer 
in ber großen Sftaffe öon tarnen, toenn man nicht alle ba^u 
gehörigen Sa^rcSja^lcn im $opfe f)at — unb tner hätte 
bie§? — faum mit nocf) einiger £eicf)tigfeit 5urecf)tftnben 
ttrirb. 3)?an barf roof)I nid)t baran aroeifeln, ba§ e§ beffer 
ift, bie ©chriftftetfer in gemiffe ©ruppen, ttrie £iftorifer, 
@eograpf)en, $)icf)ter, aufammenaufteüen unb fie innerhalb 
biefer ©ruppen ober ohne jebe ©ruppierung alpfjabetifch $u 
orbnen, toobei roof)l faum §u bemerfen nötig ift, baß bie Der* 
fcfjiebenen Ausgaben beSfelben SchriftfteKer§ unter beffen 
tarnen felbftöerftänblich chronologifd) $u orbnen finb. 2)ie 
rein afpfjabetifche golge empfiehlt fidt) auch burdjgängig 
bei ber 5tuf5öf)Iung ber einzelnen Sänber, Sanbfc^aften unb 
$robin$en, bei ben ^Biographien, bei ßeitf Triften fomie in 
einigen anberen gäHen , bie jeboef) fämtlicf) immer nur al§ 
2Iu3naf)men üon ber Bieget ju gelten fyaben , bafs im friffen* 
fcfjaftüdhen Kataloge bie ftyftematifcfje bezüglich bie chrono* 
logifdEje Slnorbnung innerhalb ber ei^elnen Hauptfächer 
feftjuhatten ift unb nitf)t, roie bie§ f)ie unb ba geflieht, ber 
alphabetifchen ber Sorjug gegeben toerben barf llT . 

3>n ähnlicher Söeife roirb e§ auch, $utft4tlu$ ber für 
SSerfe über öerfchiebene Sprachen t)on ber Söiffenfdfjaft 
geforberten genetifchen Crbnung, im bibliographifchen Styfteme 
recht moht fein 93ett>enben babei haben fönnen , baft nur bie 
größeren Sprachgruppen genetifch georbnet, unb innerhalb 
biefer ©ruppen bie SBerfe über einzelne Sprachen nach 2Kaf$* 
gäbe ber alphabetifdhen ^ufeinanberfolge ber le^teren an* 
einanbergereiht iuerben. nmrbe 5U biel geforbert fein, 
roenn man Verlangen tuollte, baf$ eine SBibliotfjef in ber Orb* 
nung ihrer fprachnjiffenf<^afttid£)en SBerfe bie 2Biffenfcf)aft bi§ 
in ihre feinften 3üge, bi§ auf bie Schriften über bie unbe* 
beutenbften SMalefte herab, genau abfpiegeln fotte. 



Digitized by Google 



©iertcS tfapttel. S3on ber Giitri^tung be« 93ücf)erfd)afoe«. 1G1 



9?ad)bem auf biefe SSeife ein ben 93ebürfntffen ber 
betreffenben SBibltotfjef angepaßte^ <St)ftem entworfen roorben 
ift, tuerben auf ©runb be§felben bie einzelnen Settel nun* 
mehr georbnet unb jroar juerft ganj im allgemeinen nad) ben 
einzelnen Hauptfächern ; fobann im einzelnen innerhalb eine§ 
jeben berfelben nad) beffen befonberer ©lieberung. 93ei ber 
erfteren Arbeit fommt e», roie tt)ir bereits einmal aubemerten 
©elegenljett Ratten , bauptfac^lid) barauf an, bie ©renjlinie 
gmifchen ben gäd)ern nad) äRöglichfeit feft$uhattcn , mag bei 
ber engen Berührung mancher Söiffenfdjaften mit einanber 
burd)au$ nid)t immer fo einfach unb leidjtift, toie e» auf ben 
erften 93litf feinen mag. $>ie Aufgabe erforbert bc§^alb 
einen burdjgebilbeten unb erfahrenen Beamten, ber mit 
@rünblid)feit unb ©etoiffentjaftigfeit unb unter forgfältigfter 
Abwägung ber in ©etrad)t fommenben Umftänbe $u SSerfe 
ge^en muß. $)er erforberüdjen ©leichmäßigfett falber ift e§, 
tüenn irgenb angängig, bringenb ttrimfd)en§tt)ert, baß bie Arbeit 
toon einem einzigen Beamten getfjan toerbe, welcher be§ öfteren 
©elegentjeit finben bürfte, ba$ gemähte <3i)ftem burd) manche 
fdjriftlid) nteber^ulegenbe Bemerfung ju ergänzen unb 5U 
erläutern. S)a3 Drbnen im eii^clnen , n)eld)e§ an größeren 
Bibliothefen jur rafdjeren görberung ber umfangreichen 
Arbeit notroenbigerroetfe uon mehreren Beamten, öon benen 
ein jeber ein befonbereS gad) 5ur Bearbeitung jugeiDiefen 
erhält, gefchehen mu§, erheifcht feiten§ berfelben bie genauefte 
Aneignung be§ ©t)fteme§ bt§ in feine feinften Cinaelfjeiten 
hinein, forgfältige Prüfung jmeifelhafter gätle an ber $anb 
ber Büdjer felbft unb ^erbeijiehung ber einschlägigen biblio* 
grapfjifchen Sitteratur im toeiteften Umfange. $)abei ift e§ 
im Sntereffe ber (£inheitlid)feit be* fünftigen SatalogS 
tüünfdjen^mert , ja bringenb geboten, baß bie einzelnen 
Arbeiter enge güfjlung mit einanber galten unb nicht nur 
ein burdjauä gleidjmäßigeS Berfafjren in Be$ug auf bie 
äußere @d)ematifierung beobachten, fonbern aud) ba, too 
einzelne SSiffenfchaft^tueige einanber nahe fommen, eine 

©ract'el, SBibltotf)cf-31cl;rc. n 



Digitized by Google 



162 



Breitet XtiU fßom »üdjerfcfiak. 



93ereinigung ber betreffenben Sitteratur an einer ©teile, 
f oroeit biefelbe bei ber allgemeinen Drbnung noc^ in manchen 
©tücfen überfein fein foHte, bettrirfen unb für gegenfeitige 
SBertoeifung foldjer öertoanbten Abfchnitte (Sorge tragen. 
£)enn e§ muß bei ber Aufarbeitung be§ 9?ealtatalog§ ftet§ 
auf ba8 forgfältigfte barauf 93ebacf)t genommen werben , ju 
öer^üten , baß irgenbmo eine 3^ei§ung unb tnfolgebeffen 
eine getrennte Aufteilung jufammengefjöriger Sitteratur 
ftattfinbe, wie bieg gar zu leidet eintritt, wenn bie einzelnen 
Arbeiter unbefümmert um einanber ihre eigenen SBege gehen. 
S3on 3^it 5U 3^it ftattfinbenbe Konferenzen mögen bazu bienen, 
etmaige Steife! buref) gemeinfame ©eratung zu befeitigen 
unb bie formen fefter ju präjifieren, welche oon Anfang an 
für bie Durchführung im einzelnen aufgeteilt waren. 

3ft nun bie Drbnung ber ßettel auf biefe Sßeife ju ©nbe 
geführt, bann erfolgt bie Übertragung ber Sitelabfc^riften 
genau in ber ^Reihenfolge, in bie fie nad) Maßgabe ber SJor* 
fünften beä bibliograp^ifd^en ©tyftemeS gebraut morben finb, 
in ben Katalog, wobei bie Kummer, welche ba§ einzelne 
SBerf erhält, nebft ber Bezeichnung be£ gacheä unb be3 
gormateS fogleicf) auf bem betreffenben 3?ttel — an ber leeren 
©teile ber oberften SRubrif red)t3 — als neue ©ignatur 
einzutragen ift, fo baß mit ber ßrlebigung einer Abteilung 
auch bie zugehörigen 3ettel umfigniert finb. S5ie Anfertigung 
be§ Katalogs geflieht am paffenbften borerft auf lofen Sogen, 
ba biefe nicht nur ein bequemeres ©^reiben ermöglichen atö 
fertige Sänbe, fonbern auch bie Sefeitigung etwa entftanbener 
umfangreicher SSerfefjen leichter ermöglichen. @§ ift babei 
burchauS nicht, wie man Dorgefd)lagen hat, notwenbig, baß 
bie iitel auch hi er * wie au f ^u Sätteln , in ihrer öotfen 
AuSführlichfeit abgetrieben werben, vielmehr wünfchen&= 
wert , biefelben in abgefürzter Saffung wieberzugeben , um 
bie Überfichtlichfeit zu bewahren unb bie Kataloge nicht gar 
Zu fehr anfchwetlen zu laffen. £enn e§ ift öor allen fingen 
auch banach z u ftreben, baß bie Katalogbänbe, nachbem fie 
gebunben worben finb, h^Md) bleiben, um ihre 93enü£ung 



Digitized by Google 



Wertes flotter. %on tcr dnri^tung bei ȟcfrridjofcc*. 163 

511 erleichtern, $ic Site! mit bibliographifchcr ©cnauigfeit 511 
geben, möge (Sache be£ ßettclfatnfogS bleiben, bnneben aud) 
noc^ e ^ nen Steilen Satalog mit ben feitenlangen Sluff driften 
älterer SBerfe überlaftcn, märe ein eben fo aeitraubenbe* 
mie überflüffigeS beginnen. (£§ mufc bafjer genügen , menn 
bieSitel fomeit abgetrieben »erben, baß fie ben 3"h°ft W 
$3ud)e§ fidjer erfennen laffen, unb bie§ mirb in ber SDk^af)! 
ber §äfle mit Verhältnismäßig geringem 3Iuf roanbe an 9taum 
5U ermöglichen fein. GS möge beS^alb uon jebem Suche bic 
DrbnungSnummer , bann ber 9?ame be§ SerfafferS , femer 
ber 3> n h°ft * n wögltchft furaer gaffung, erforberlidjen galleS 
bie tarnen be§ ÜberfefcerS unb £>erau3geber§ , bie Auflage 
ober Aufgabe, ber SBcrlag^ ober $rutfort, bie ^^bre^ahl, bie 
3af)l ber Seile unb Sänbe angegeben merben. $en Dtamcn 
be£ SBerfafferS an bie (Spifce 5U fteden, märe im miffen* 
fchaftlichen ffatatog an unb für fich nicht geboten , ba hier 
nicht ber SSerf affer e» ift, melier bie Stellung ber 33üd)er* 
titel bebingt, fonbern ba§ bafür entfdjeibenbe 9Woment Diel- 
mehr in bem Inhalte ber <Sd)rift ju fud)en ift. ©leidjmohl 
bürfte e§ fich au§ 3^ecfmä§igfeit§rücffichten empfehlen, bie§, 
mie e£ bei ben alp^abettfcf) ju orbnenben Partien ohnehin 
geschehen muß, burdjmeg aud) innerhalb ber dpronologifd) 
georbneten Abteilungen ju thun, unb jmar au§ bem ©runbc, 
meil bie Überfichtlichfeit baburd) erhöht mirb. $)a§ STugc 
fdjmeift nämlich meit rafcher in gemofniter SSeife über bie 
buref) Stellung unb (Schrift h^^orjuhebenben Serfaffer* 
namen bahin al§ über eine 9ieif)e bon Sitein, bie if)m feinen 
weiteren £>alt gemähren. 2>er <Sud)enbe mirb bafjer ein ihm 
bem Sitel nach befannteS Such auf jene Sßeife letzter finben, 
burch unbefannteßitteratur aber fich fcJ)neUer hinburcharbeiten. 
Wlan hat nun jmar bagegen eingemorfen, baß burch eine ber* 
artige Umänberung eine§ SitelS beffen Originalität mehr 
ober minber 5U nahe getreten merbe , mährenb boef) gerabe 
Site! in ihrer ganjen Originalität für bie3nxcfe berSiblio- 
grapljie überhaupt, beren 3>ntereffen jeber miffenfehaftliche 
Katalog mit im Sluge behalten foUe, bie brauchbarsten feien. 

11 • 



Digitized by Google 



164 



Zweiter Xcit. »oin a3ücf)ericf)afc. 



Snbeffen jene Umänbcrung gefctjieljt bod) aud) in ben alplja* 
bettfcf) georbneten Seilen be§ 9iealfatalog§ unbebenflid), 
warum nidjt in ben übrigen ; überbie§ ift r wie ermähnt, ber 
wiffenfdf)aftlid)e ffatalog nidjt ber geeignete Drt für rein 
bibliograpljifdEje 9ied)erd)en. 

3m Et^elnen fei für bie Eintragungen nodj golgenbe§ 
f)erborgef)oben. 2Bo bie erfte Auflage eine§ S23erfe§ ftel)t, 
baf)in finb aud) bie übrigen Auflagen be3felben SBerfeS, 
gemeiniglid) burd) Exponenten, weldfye ber Kummer jugefe^t 
Werben, öon jener gefcf)ieben, 5U ftetten. 33efifct eine 93iblio* 
tljef nur bie jmeite ober britte u. f. w. Stuflage r fo ift biefe 
tro^bem unter bem auf bibliograpjjifdjem SBege $u ermitteln* 
ben %a\)xt ber erften Auflage einzutragen unb $war audj 
wieber mit einem entfprecfyenben Exponenten fcetfeljen, ba bie 
reine ÜRummer für bie etwa fpäter nod) ^injufommenbe erfte 
Auflage frei 5U bleiben f)at. $)iefe nämlidf) ift e§, weldje bem 
93ud)e feine Stellung in ber ©efd)icf)te be§ betreff enben 
28iffenfd^aft§5tüeige§ anweist , we§l)alb aufcer ben fpäteren 
Auflagen aud) -fteubruefe unb etwaige Überfe&ungen Ijinter 
bie erfte Auflage ju ftetten finb. Slngebunbene felbftänbige 
Sßerfe erhalten immer iljre eigene Signatur mit bem ^inju^ 
fügen ber (Signatur be§ jenigen 2Berfe§, an Welchem fie an* 
gebunben finb. Sammelwerfe werben in möglicfyft überfielt* 
lieber SSeife mit Eingabe ber einzelnen Seile an ben ifjnen 
5ugcwiefenen Stetten eingetragen, wätjrenb bie einjelnen 
barin enthaltenen felbftönbigen Schriften in benjenigen $lb* 
teilungen , woljin fie if)r Sitet wetet , nochmals aufzuführen 
finb , aber oljne eigene Signatur unb nur mit #tnwei§ auf 
biejenige be§ ©efamtmcrfe§. Sei Slaffifern werben in erfter 
9iei^e bie ©efamtau£gaben djronotogifdj zufammengeftettt, e§ 
folgen in gleidfyer Drbnung bie Einzelausgaben, fobann bie 
Überlegungen, enbltdj bie Sommentare; in ber ®efd)icf)te 
gefjen bie Duetten immer ben betreffenben 2)arftettungen 
öoran u. f. w. £aben auf biefe SBeife bie einzelnen 93üd)er 
iljre neuen Hummern innerhalb ifjre§ gadE)e§ erhalten unb 
finb bie neuen Signaturen auf bie Qettei übertragen, bann 



Digitized by Google 



SBicrtcß tfapitd. Con ber (Knridjtung bc§ ^üdjcrfdjafceS. 



tüerben nad) ©rlebigung eines Abfcf)nitte§ bie freigetoorbenen 
3ettel foglekf) für ben «ßettelfatalog alphabetifd) georbnet. 

üfteben ben Siteleintragungen finb im ffatalog noch Über* 
fünften für bie gäcf)er, $aupt~ unb Unterabteilungen anju^ 
bringen. 5luc^ ift zum Eingänge einzelner ober mehrerer 
Statalogbänbe zufammen, jenachbem ein in ficf) abgefcf)loffene3 
Sacf) ober aber eine größere Abteilung in einem ober mehreren 
33änben enthalten ift, eine überfidjtlidje gufammenfteßung 
aller jener 9tubrifen mit Skrroeifungen auf bie Seitenzahlen 
ber 33änbe, mit einem SBorte, eine fnjtematifdje 3nh ö ^ 
überfielt hinzuzufügen, bamit man fid) mit ihrer £ilfe 
fdjnetter barüber zu unterrichten fcerftelje , wo bie ben Der* 
fdjiebenen Ülubrifen zugeteilten SSüdjertitel z« fud)en unb zu 
finben finb. dagegen erhalten bie alpfjabetifchen Sftaterien* 
regifter — unb bie Anfertigung foldjer ift für jebe größere 
SBibliotfjef al§ überaus roünf djenSmert zu erachten — paffenber 
ihren Sßlafc z u ® n *> e ^ er ®änbe ober in einem befonberen 
93anb. ©benbahin gehören auch bie alpfjabetifchen tarnen? 
regifter. Über bie Art unb SSeife ber Anfertigung biefer 
SRegifter tnirb e§ faum nötig fein, toiele Söorte zu fagen, ba 
ihre (Einrichtung aufcerorbentlid) einfach unb leicht ift, unb 
ba§, ma§ fid) bei bem ütfamenregtfter boch ettoa (Schwierigem 
finben follte, in ben bem alphabetifdjen ober SNominalfatalog 
gemibmeten SRitteilungen feine nähere Erläuterung finben 
toirb. üftur in 93ezug auf ba§ SKaterienregifter mag bemerft 
tperben, baß biefe§ au§ einer alphabetifchen Aneinanber* 
reihung ber ©egenftänbe befteht, bie in ben einzelnen Sücher^ 
titeln genannt finb. $n beiben SRegiftem, bem SRaterien* toie 
bem SRamenregifter, bilben natürlich bie Sermeifungen auf 
bie Seitenzahlen ber 33änbe be§ miffenfd)aftlichen Satalogä 
bei ben einzelnen ©egenftänben unb -Kamen einen tt>efentlid)en 
Xeil ber Arbeit, ber fd)led)terbing§ mit ber größten ©enauig* 
feit gefertigt toerben muß. 

£>amit mären bie toefentlidtften (Erforberniffe für ben 
ttriffenfcfjaftlichen ffatalog aufgezählt unb mir fönnten un§ 
fogteich z ur Sefdjreibung be§ ©tanbort§fatalog§ ttienben, 



Digitized by Google 



166 8w<lt«t Xeil. SBom SBüc^crfc^afr. 



roenn nid)t in neuerer Qtit eine Einrichtung be§ erfteren in 
Aufnahme gefommen wäre, welche nic£)t nur für eine bequeme 
unb überficfjtltche Eintragung be§ neuen 3uroac^fe§ an auge- 
höriger ©teile oon allergrößter SBebeutung ift, fonbern 3U 
gleicher 3eit auch ben@tanbort£fatalogöoßftänbig entbehrlich 
gemacht ^at — mir meinen ben SHealfatalog mit fpringenber 
Numerierung ohne Stücfficht auf bie Serfdjiebenheit ber 
gormate. $)ie Anlage geflieht ganj in ber öorljin gefchil* 
berten Steife, nur bafc für bie neu htnjufommenben SSerte 
an betreffenber (Stelle im Satalog toon üornherein baburch 
$la£ geschaffen roirb, ba§ Hummern in größerer $ln$al)l 
gan$ freigelaffen roerben. 3 ur Erläuterung möge fyex bie 
Söefcfjreibung be§ auf jene $lrt eingerichteten neuen §aßifcf)en 
SftealfatalogS folgen, roie fie D. Hartwig 118 gegeben hat. 

2tm Äopfe jeber goliofeite ift eine ftarfc frätoarge Sinte quer 
bureftjegogen, 25 min oom oberen 9tanbe entfernt. 3n ber regten 
(Scfe be« bura? fie gebilbeten CblongS ift parallel mit i§r, ungefähr 
in ber 2tfitte be$ 9faume$, eine 45 mm lange fdjioarge 2inie ein* 
gefegt. Über berfelben fte^t bie «lattga^l be« ©anbeS , unter ber= 
felbcn bie erfte unb lefcte Signatur ber auf ber betreffenben (Seite 
fcergei($neten SBerfe, alfo 3. 23. Da 836 — SSO. &n ber Unten 
£ä'ng$feite jebeä SBlatteÖ finb gtoei Linien gepgen, 1 7 mm oon bem 
Sianbe unb ebenforoett »on einanber abfteijenb. Sie gefyen oben 
15 mm über bie ftarte fdjtoarge Ouertinie hinüber, naä) unten bis 
an ben Ütonb beö SBlatteö. 3n bie cifte ber bunt fie gebilbeten 
Kolumnen roirb in gleicher £»ö£e mit bem Sa)lagn)ovtc be8 ein= 
getragenen 8ua?e6, baö unterfingen ift, ba8 gormat be$ $3uc§eS 
(8", 40, 2») eingetragen, in ber gleiten tfolumne baneben bie 3^1= 
demente ber Signatur 3. SB. 836, 840 u. f. nx 2>enn biefe3a$len 
laufen unbefümmert um bie gormatc burdj. 2htf ber regten Seite 
be$ SBlatteö ift oon ber fiarfen Ouerlinie nad) unten gleichfalls eine 
£inie ge3ogen f in ber in gleicher §ö§e mit bem Sdjlagtoorte be8 
£itel8 bie Slngatyl ber SBänbe be8 betreffenben SBerfeS eingetragen 
ift. 3n ber großen 16 cm breiten 2)ttttelfolumne be8 SBlatteS 
ftetyen bie Xitel ber 93üd?er toergeia?net, über biefer Stiteltolumne, 
oberhalb ber ftarten Ouerlinie, toeldjc am $opfc jebeö iBlatteS ftdj 
bepnbet, ift mit (Sinem Söorte ber Sntyalt ber auf ber Seite oer* 
geidjneten 93ü$er angegeben 3. SB. Urfptung ber Sdjrift, Stenografie, 
Xad^grafic u. f. m. ^Beginnt eine neue Abteilung ober Unters 
abteilung ber Hauptabteilung beö ßatalogS, fo ift biefe bem 2Bort* 
laute be$ Schemas entfpred)enb in bie mittlere Äolumne unter bie 



Digitized by Google 



SBterteS Kapitel. 93on bcc ©inrldjtung be* Siid)erfd)a&e8. 



167 



©eite (be3 ftatalogS) 105 

9lu8 bem 5a*e: K 0>efd)td)te. 
9lu3 bcr Hauptabteilung: Xd. B*u*r* ©efdittfif*. 



gormat Kummer 



^arfleDfana bc# b rei ^ i q i ä f ) riaett Äriegco. 



3)änbejaljl 



2» 



2° 



4 o 



707 



712 



716 



720 



2» 



20 



8° 



an 



rso 



731 



80 



Cualdo Triorato, Galeazzo. Historia delle guerre 
di Ferdinandolle Ferdinandolli imperatori e del 
ri> Filippo IV di Spagna eontro Gostavo Adolfo re 
di Svetia e Luigi XIII, re di Francia. Successe 
dah" Auuo 1630 sino all' Anno 1640. Bologna 1641. 

Lotlchlus, Jo. Petrus. Rerum Gennanicarum, 
sub Matthia, Ferdinandis II & III imp. gestaruui, 
libri LV. Francofurti a./M. 1646. 

<£*}*mnitf, »ogistaff Wip &°n. Äbniglidjen 
gdnuebifcncn in Xcutfälanb Geführten ftrtcg*. 
thtii I. II. Stettin 1648. 

©tod&olm 1653. 

X&ett III, IV. 9?ad) $nnbfrf)riftcn im Srfjmebifcfien 
9tad)$ard)tbc IjcrauSgcgcbcn. ©tocffjolm 1855—59. 

Ricci US, Josephus. De belli» germanicis libri X, 
in quibus Bobewica, Danica, Suecica bella, et 
quidquid ubique terrarum ab a. 1618 usque ad 
a. 1648 gessere Gerniani, continua narratione 
describuntur. Venetiis 1649. 

Pufendorf , Samuel de. Cotnmentariorum de 
rebus Suecicis libri 26 ab expeditione Gustavi 
Adolfi regis ad abdicationera usque Christinae. 

Ultrajecti 1686. 

26 Söiidjer ber 6dju>ebtfrf)» u. Seutfdjett ÄrieaS* 

®cfd)id)tc t). fföntflöuftoöSlbolfSftclbjufle inS)cntfa> 
lanb an bis jur Slbbantfung bcr Ätfntgtn efirifttna. 
9t. b. 2at. über?, o. $[otj.] 3[ond)tm] 2H[öller] öon 
<S[ommerfelb]. ftrantffurt a. «Di. 16S8. 

Bougeant, Guill. Hyac. Histoire des guerres 
et des negoeiations qui proe^derent le traite* de 
Westphalie. Paris 1727. 

§tftoric be§ brcifeigiäl)rigen Krieges unb beS 

barauf erfolgten SScftptjälitcrjeu ftrtebenS. 9luS b. 
^rattjöf. überf. 9Jiit Slmnertungcn unb einer Jöor* 
rebe begleitet üou griebrid) Gbcrfjarb 91 am bad). 
Ztf. i— IV. Satte 175S-60. 

£tr auf*, Soljann Gfjriftoplj. Sebrbud) ber ©efd)id)tc 
bc§ breinifliät)rigcu tcutfdjen ÄrtcgeS unb SScfts 
Vbälifdjen ftriebenS. Satte 1782. 

&vetiev> Gart SIMttjclm ftriebr. ©efdjidjte be§ 
bvei&töiäf)riflcn ffrieg*. 93b. I. SWündjeu 181 1. 
lflt>jc»lf, $etcr i^ilipp. öcfrfjidjte 9Jlcir> 
mütand I. unb feiner Seit. »D. IV. Ne 
1889. 8°.] 

f&iditer, Sodann SBttljclm tontet. ©efd)td)te be$ 
brei&igiätjrigen ÄriegeS. Söb. I-V. »ö. HI-V 
aitd) u. b. X. ©cid)id)tc bcS »öOmtfdjcn ffviegeS. 
«üb. I— III. I: 2etpjtg 1840. 

II— V: Gtfurt 1849-59. 

Saf. 2. ?robe eine« ttuffenfflaftlttfen Äatafoß« mit feringenben Hummern. 



742 



743 



751 
Ne379. 8« 



,'60 



Digitized by Google 



168 



8n>eiter %tU. Sßom »üdjerfcf)a$. 



breite Cuerlinie eingetragen 3. ©. VIII. 93er&ciltni$. ber ®£raa?e 
3ur ©ajrift. 1. Urfprung unb (Sntroicfelung ber ©<$rift u. f. f. 
(5$ f ollen auf einer ©eite 4—6 $8üd)ertitel ftetyen, fo bafj nament= 
liety neuere Auflagen ber Serfe unb anbere Sßerfc r bie fidj an bie 
fcor^anbenm unmittelbar anfcfyliefeen ober fia> auf fte bejietyen, leitet 
eingefcr)oben roerben fönnen. 2)e8§alb finb fpringenbe Hummern 
für bie 3^Ietemente geteilt unb bie jebem betriebenen Statte 
gegenüberfte^enbe linfe @eite beö aufgefangenen 93anbeö ift ganj 
leer gelafjen. (£af. 2.) 

3)er ©tanbortSfatalog ift burdt) einen berartig eingerichteten 
tt)iffenjcf)aftltcf)en Katalog infofern tooflftänbig erfefct, al£ biefer 
bie SBeftänbe ber 23ibliotr)e£ in überfict)tlirf)er äßeife borfüt)rt 
unb bei ben burd)Iaufenben Hummern unter Beifügung ber 
gormate, bie allerbing§ bei ber $lufftedung getrennt bleiben, 
eine SRetoifion jeberjeit auf ba§ leicf)tefie ermöglicht. £ie für 
eine Sibliotfjef nötigen Uniberfalfataloge finb bar)er bei 
biefem 33erfar)ren auf tfoei, ben ftjftematifdjen unb alpha* 
betifd)en Katalog, befchränft. 9Wan §at 3roar gegen ba§ 
©erfahren, ofme Siücfficht auf bie gormate burc^jujärjlen, 
eingetoenbet, baft e§ SerfteHungen ber lederen begünftige; 
inbeffen ttrirb biefem toermeintlichen Übelflanbe auf ebenfo 
einfache roie erfolgreiche Söeife abgeholfen, roenn biegormate 
fcf)on äußerlich burd) berfchiebenartige ©ttfetten fenntlicf) 
gemacht roerben. 

2öo man jene (Einrichtung freilich nicht fennr, vielmehr 
bie Slufftellung unabhängig bom roiffenfcfjaftlichen fotooht 
roie alp^abctifcfjen Katalog Vornimmt, ba nnrb fid) natürlich 
bie Sftotroenbigteit eine§ befonbern <2tanbortfatalog§ geltenb 
machen, roe^halb im golgenben noch etioa§ auf biefen ein* 
gegangen roerben möge. 

B. 3?tr -Sfanborfahalalög. 

$)ie Einrichtung be§ €>tanbort3- ober 2ofalfatalog§ n » 
(Jaf. 3) ift überaus einfach &ebarf feiner langen S3or> 
fchriften. 2)ie £itelabfchriften auf ben lofen ^Blättern brauchen 
bloft in bie Reihenfolge, in roelcf)er bie 23ücf)er nach Sftafsgabe 
irjrer gormatberfd)iebenheit in ben Repofitorien aufgeteilt 



Digitized by 



93icrre§ flapüel. SSon ber <Jinrtd)rung beS SücijerfcfHtfccö. 169 



Caufcnbc 
Kummer 



9fu$ bem gac^e: Fa ^eograpflie. 



©anbeut 



gfofio. 

d-ioo.) 

Russegger, Joseph. Reisen in Europa, Asien und Afrika. 
Atlas. (Xert unter Fa 522. 8°.) Stuttgart 1842—41». 

Pfyffer, J. .1. X. Skizzen von der Insel Java. Sehaff- 
hausen 1829. 

Platt, Albrecht. Grosser physisch-politischer Atlas der Erde 
nach Arrowsmith, Bergbaus u. Kitter. Magdeburg 1815. 

Cook, [JaequesJ. Troisicme voyage ou vovage ä l'Ocean 
pacifique 17TC— 1780. Atlas. *(Xert unter Fa 31G. 4°.) 
Paris 1785. 

Arago, Js. Promenade autour du nionde pendant les annees 
1817—1820. Atlas. (Xert unter Fa 523. 8".) Paris 1822. 

Debombourg, <i. Atlas chronologique des dtats de 
l'eglise. Lyon 1862. 

Quart. 

(1-314.) 

Schomburgk, Richard. Reise in Britisch-! luiana i. d. 

J. 1840—1844. Th. I— III. Leipzig 1847—46. 
Cook, | JaequesJ. Troisitme voyage ou voyage ä l'Ocean 

pacifique 1776— 17S<>. Tom. I— IV. (WtlaZ unter Fa 104. 

2°.) Paris 17 s5. 

Perry, M. C. Xarrative of the Expedition of an American 
Squadron to the China Seas and Japan lsf>2— 54 (U. S. Japan 
Expedition). Vol. I-JIL Washington 1*56. 

Stedman, J. <i. Voyage a Surinam. Planches. (Xcjt 
unter Fa 524. Paris [1799^. 

Bowdich, T. E. Excursions dans les isles de Madere et 
de Porto-Santo. Atlas. (Sejt unter Fa 525. 8°.) [Paris 
1826.J 

Conze, A. Reise auf der Insel Lesbos. Mit einem Anhange 
u. 22 Taf. Hannover 1865. 

(1-520.) 

Bremner, Robert. Excursions in Denmaik, Nonvay and 

Sweden. Vol. I, IL London 1S40. 
Russegger, Joseph. Reisen in Europa, Asien und Afrika. 

Bd. I, l, 2, II, 1-3, III, IV. (2Uln§ unter Fa 101. 2".) 

Stuttgart 1841—49. 

Arago, Js. Promenade autour du monde pendant les annees 

1817—1820. Tom. I, II. (9U(q3 unter Falöf». 2 M .) Paris 1822. 
Stedman, J. <r. Voyage a Surinam. Traduit de P Anglais 

par Henry. Tom. I, II, III. (Planches unter Fa 318. 4°.) 

Paris au VII (1799). 
Bowdich, T. E. Excursions dans les isles de Madere et de 

Porto-Saulofaitesen 1823. (9ltlo§ unter Fa 31 9. 4°.) Paris 1826. 
Humboldt, A. de. Asie centrale. Tom. I— III. Paris 1843. 

£of. 3. ^robe eine« SionborMatalog«. 



Digitized by Google 



170 ^weiter letl. Jßom ©üdjcrfdüafc. 

finb, gebracht unb bann ©tücf für ©tücf entWeber nach ganjen 
gädfjern ober nach einzelnen Abteilungen fo abgetrieben ju 
Werben, bafc öon iebem gacfje ober ieber Abteilung (bei 
Heineren SBibliotfjefen auch gleich t>on ber ganjen (Sammlung) 
in bie erfte ©teile bie £itel ber Solianten, in bie jmeite bie 
ber Ouartanten unb in bie britte unb lefcte bie ber Dftaö* 
unb Heineren 93änbe ju ftehen fommen. SJlan brauet felbft* 
berftänblidf) aud^ §kx bie Sitelfopien nicht öollftänbig abju* 
fchreiben, fonbern fannfid) wefentlidfjer 2lbf ürjungen bebienen, 
weil e§ bei ben StanbortSfatalogen nicf)t barauf anfommt, 
au§ ben Sitein ben ganjen %n1)a\t eines 93uc^e§ fennen ju 
lernen, fonbern fid) blofc barüber ju unterrichten, ob ba§ im 
Satalog feinem Sitel nach Derjeidjnete 33ud) mit bem im 
Sftepofitorium aufgehellten ibentifd) fei. 5)enn bie $aupt* 
aufgäbe be§ ©tanbortSfatalogS beftcfjt barin, al§ Sn&entarium 
ber 83ibtiotf)ef§beftänbe ju bienen unb bie ©runblage für bie 
fRebifion berfelben ju bilben. 2Sünfchen§wert ift eSnur, bog 
neben ber furjen Sitelangabe noch bie Semerfung beigefügt 
werbe, ob ba§ 33ucf) mit Tupfern, Sorten, Tabellen unb ber* 
gleiten toerfefjen fei , ob e§ l)anbfdf)riftUdE)e 3ufä£e enthalte, 
ober fonft eine befonbere ©igentümlic^feit ober SWerfmürbig* 
feit fn'nftchtlich feiner äußeren unb inneren 23erf)ältniffe befifce 
unb wie e§ gebunben ift. ©anj befonbere 9iücfftdf)t muß auf 
genauefte Angabe ber SBänbejaljl ber SBerfe genommen werben. 
$>enn wenn auch felbftöerftänblich eine f olcfje ©enauigfeit für 
bie übrigen Kataloge ber 33ibliothef gleichfalls (SrforbewiS 
ift, fo ift fie für ben ©tanbortSfatalog bodfj bermafcen un= 
entbehrlich, baß berfelbe ohne fie feine eigentliche Steftimmung 
gerabeju üerfehlen würbe. 

Sei etwaigen ©rgänjungen be§ SitelS auf ben Sätteln j n 
Sejug auf ben richtigen tarnen be§ S3erfaffer§ , ÜberfefcerS 
unb §erau§geber3 , ober be£ 2)rucf* ober SkrlagSorteS — 
fonftige ausführlichere ©emerfungen fallen burchauS fort — 
bebarf e§ h^ er natürlich feines weitem $inweife§ auf bie 
ßuellen, Welchen bie ©rgönjungen entnommen finb. 9Kan 
gebraute nur bie übliche 93orfidf)t, alle berartigen Grgänjungen 



Digitized by Google 



«tertcS ftapttef. SBon ber tftnridjtung be« SüdjerfdjafreS. 171 



in klammern cin^ufc^tiegen, bamit man, burcf) biefe Slammern 
auf bie Ergänzungen aufmerffam gemacht, nicht etwa irre 
werbe , wenn man , bei ber SJergleicfjung ber im ffataloge 
aufgeführten SBücfjertitel mit ben Sitein ber 33üd)er im 
Sttepofitorium, in ben festeren Sücfen bemerfen fotlte, unb 
wegen • biefer Sücfen irrtümlicher SBeife bie Sucher im 
9tepofitorium für anbere, menigftenS für anbere Ausgaben 
ober $)rucfe halte, als biejenigen finb, meiere man im Sota* 
log bezeichnet fief)t. 

28o man e£ nid)t hat ermöglichen fönnen , alle ©ammel* 
unb Sfttfchbänbe unb jufammengebunbenen 33üd)er au£ ber 
93ibliothef ganz ju entfernen , b. h- iebe felbftänbige ©chrtft 
für fich allein binben 5U laffen, ba oerftefjt e£ fid) öon felbft, 
baß » wennautf) bie berfchiebenen jufammengebunbenen 
©cfjriften toerfduebenen gädt)ern ober Abteilungen unb ber* 
fchiebenen gormatflaffen angehören, boef) bie Sitel aller, an 
einer Stelle unb unter einer OrbmmgSnummer bereinigt, im 
©tanbortSfatalog bahin 5U flehen fommen , wohin bie erfte 
ber in einem 93anbe jufammengebunbenen ©Triften Vermöge 
ihreö SnljalteS unb *h reg gormateS geroiefen ift. Natürlich 
müffen bieSitel ber einer folgen erften angebunbenen übrigen 
©driften genau in ber Orbnung, in ber fie im Sanbe felbft 
auf einanber folgen, hintereinanber aufgeführt werben, ©benfo 
müffen burchgängig bie berfchiebenenfelbftänbigenSSerfe bon 
©ammlungen einzeln aufgezeichnet merben, bamit man bei 
ber SRebifion ba£ etwaige gehlen eines ober mehrerer Söänbe 
jogieich m ^ boller ©enauigfeit fonftatieren fönne. SBenn §u 
einem ßftabbanbe Safein ober Sorten gehören, welche unter 
öuart ober golio in befonberem Sanbe aufgeftellt finb, fo 
ift e£ ratfam, bon jenem auf biefen unb umgefehrt $u ber= 
weifen, dergleichen Serweife werben befonberS auch f ur 
eine etwaige fpätere Sfteufatalogifierung ber 33ibliotf)ef bon 
grofjem ÜRufcen fein, ba ber ©tanbortSfatalog bei einer folgen 
als güfjrer 3U bienen hat. 

©in in ber gebachten Söeife — unb unfere Semerfungen 
bejiehen fich natürlich auch au f *> en ® te ^ e Sofal* 



Digitized by Google 



172 



Breitet Xeir. £ont 5?ü3)crid)flfc. 



f atalogS oertretenben IRealfatalog mit fpringenben dummem — 
forgfälttg unb mit ©enauigfeit geführter ©tanbortSfatalog 
ift ein äufcerft fchäfcbarer SRatgeber für eine jebe 93ibliotf)ef, 
auf ben man in allen 5toeifelf)aften gallen bezüglich be§ 
3?orhanbenfein§ eine§ S3anbe§, ber JRic^tigfeit einer Signatur 
u. bergt, immer unb immer tuieber aurücffommen wirb. 
$)enn roie ber Katalog bei ber Sftetoifion als gütjrer bient, fo 
bient biefe umgefefjrt ba5u, etmaige grrtümer unb Serfefjen 
in if)m aufaubeefen unb 5U üerbeffern unb if)n auf biefe SBeife 
immer fehlerfreier ju geftalten, fo bafc er fchliefclid) eine faft 
untrügliche ßuberläffigfeit ju erreid)en Vermag. 

9?ad)bem bie Settel in ber betriebenen SBeife jubörberft 
al§ ©runblage für ben nMffenfcf)aftlichen , f obann für ben 
©tanbortSfatalog, fomeit ein foldjer befonberS notmenbig ift, 
gebient hoben , ift nunmehr ber 3^itpunft gefommen , ben 
legten ber großen Satatoge einer 93ibliotf)ef, ben alp^abetifd^en, 
in Singriff 5U nehmen, 5U beffen Sefdjreibung mir nunmehr 
überjugehen haben. 

$)ie Einrichtung be£ atp^abetifc^en SatalogS (£af. 4) 
bebarf einer SWenge toon 23orf griffen, bie, menn fie fid) aud) 
größtenteils nur auf mehr technifche Manipulationen 5U 
beziehen fdjeinen, bod) eine faft noch f orgfaltigere Erörterung 
Verlangen, als menn fie fich nur m ^ re ^ n totffenfc^aftlic^eit 
©egenftänben 311 befaffen hätten. ES mag jroar, §umal für 
ben Saien, ben $lnfd)ein hoben, als fei mit ber Einrichtung 
eineS atphabetifchen SlatalogS fehr balb fertig 3U werben. 
$>enn menn ber alpfjabetifche ff atalog ein foldjer ift, in meinem 
alle in ber 93ibliotf)ef toorhanbenen felbftänbigen ©djriften, 
ohne irgenb roeld)e 9tücfficht auf ihren miffenfdjaftlichen 
Inhalt, ihre gormatüerfd)iebenheit unb DrbnungSnummer, 
bloß in berjenigen Reihenfolge aufgeführt Werben, bie ihnen 
entweber ber 3lnfangS0ud)ftabe beS üftamenS ber Sßerfaffer 
ober bei Slnomjmen ber 2lnfangSbu<hftabc beS fachlichen 
(Stichwortes nach bem Alphabete antoeifet, fo fd^eint eine 



Digitized by Google 



Wertes «apltcf. «oit ber «Inridjtutig bcS ©üd}erfd}a&eS. 173 



A. 



v.Kiessling u. Y."\Vilamowitz-Moellcndorf. 
Aarbog, Universitets- Bibliothekets for lsS4, 1 llft. 3). . Ca 1678(3). 8°. 

1885, 1886. Christiania lSSr> — 87. „ 



Aa 2223. 8°. 

Ahaelard, Petrus. Opera, ed. V. C o u s i n . 
Tom. I, II. Paris 1849-59. Ib7. 4°. 

• 

Aeldalins, Valens. In coinoedias Plauti, 
quae exstant, divinationes et interpre- 
tationes. Francofurti 1607. Ci 984. S°. 

li. 

Baader, Joseph. Streiflichteraufdie Zeit der 1 
tiefsten Erniedrigung Deutsehlands i. d. J. 
1801— 1806. Nürnbergl878. NÜ219. 8". 



Muhl Hon, Johannes. Derediplomatica libri 
VI. Luteciae Parisioruni 1681. Matil4.2°. 

• 

Maeanlay, Thomas Babington. The History 
of England frora the Accession of James II. 
Vol.I-X. Leipzig 1849-61. Nnl453. 8°. 

- 

ö. 



Babeau, Albert. La ville sous l'ancien re- Qoaestiones selectae de biographis Oraecis 
gime.2.£d.T.I, II. Paris 1884. Ha5377.8°. f. Ma ass, Ernst. Ca 1678(3). 8°. 

» I • 

• • 

Amt), SUotyS. UrrmtMidjeJlird)cn^®efd)id)tc ber Quousque Tandem f. Vietor, Wilhelm. 
©rnffd)aft ©taj. »rcölau 1841. Ik hol s°. . Ga 2164. 8°. 

fleli, SRofcrt f. <Sd)öu'born, 9iobcrt. 

Gc 3259 a. 8°. 

: 

C 

■ 

I>. 

■ 

E. 
E. 



lt. 



SS. 



[Sdjönborn, 9ioficvt.l Xct a.ricd)Ucöc aWiiud)* 
nnufen u. bev »crjnubcrtc. SJon 9tobcrr 
SB c 1 1 flSieitb.]. 2. flufl. bc* „©riedjiidjcn 
iDiünd)l)Quicn". ^nfle[is82j. Gc3if.9a. s". 

* 
• 

Sdiriflftrüfr, 2>tc ©chaff^nuier, bon kr 9icfor= 
matten bt§ jur ©eaettmart bargcftellt »cm 
(£. au. Sd)afft)Qitfcn 1869. De 349. 8°. 



<r)Qab,3ofi[ann]^ncbr[trf)]. beitrage jurSrNii' Szy manoirskl, Julius v. Handbuch der ope- 



runfl bcS erften, äioeitcn unb »taten Surf)* 
2)iofe&. Zübinocn 1796. Id 1293. 

Olornale della libreria, della tipografia e 
delle arti e industrie aftini. Annol, 1888. 
11,1889. Milano [1869—89]. Ab 1193. 4<\ 



rativen Chirurgie. Deutsche Ausgabe v, 
d. Verfasser und C.W.F.Uhde. Th. I. 
Brauuschweig 1670. Uk 1861. 8°. 



TT. 



TvixvitGua rov tlh.rianov Tinos zl,i' l' M «S C' L arl] Wilhelm] Ferdinand] fict)e 

J.'„a ' , ^, T , j „,i Szymanowski, Julius v. L'kl861. 8°. 
öiö(cxiixt;v. Ao&tji'^oi uor Ava/.- 

TiVO)V. [102o]. an Dl 3847. S°. 



II. 

- 

1. 

ii:. 

m,e. f. <3d)rift [teilet, $te SdjoffDauicr. 

De 34 9. 8 U . 



V. 

[Vietor, Wilhelm]. Der Sprachunterricht 
muss umkehren! Ein Beitrag zur Über- 
hürdungsl'rage v. Quousque Tandem. 
2. Aufl. Heilbruun ls$6. Ga 2164. 6». 



V. 



»ijro, i>crb[iiiniib] grtebrid). Sic etooiiflctifcfi- 



[Maags, Ernst:] De biographis Graecis veformiitc ftlrdje unb il)ic gortbilbuiiß im 
quaeBUones selectae Berlin 1880 (= , ly . bc j. im ftnnton öcrn . g3 ern 1S37 . 
Untersuchungen, Philologische, herausg. ! 2 986. 

Digitized by Google 



Tof. 4. «probe eine? oluba&etiuljcn ^nnMatalOßS. 



174 



Zweiter Seil. $om ©üd}er|cf)a&. 



fold)e alphabetifdje' Slnorbnung für ben , bev nur mit bem 
Alphabete umjugehen meif, feine grofeen ©rfjttrierigfeiten 511 
haben. Allein Sie Augführung ift gar nid)t fo leicht, wie 
man vielleicht benft, unb e3 ^aben fid) bafjer aud) ade, tum 
benen man Anleitungen 3ur Einrichtung öon 93ibliothefen 
befifct, gerabe über bie 6inrt<htung be§ alphabetifdjen ff ata- 
tog§ mit Sttedjt ausführlich auSgef proben 12°. 

3unäd)ft müffen mir, ba bie Reihenfolge ber Site! fei e§ 
im alphabetifdjen 3ettelfatalog ober in bem mit £ilfe ber 
Settel anjufertigenben 93anbfatalog burd) ba§ CrbnungS* 
mort beftimmt mirb , unferem früheren Skrfprecfjen gemäfc 
auf biefeS lefctere noch etma§ näher eingeben, $ie 2Baf)l 
beSfelben hängt 3utoörberft babon ab , ob fid) ber Serfaffer 
eine§ Suchet genannt tjat ober nicht. Sft ber 9?ame im 
Söüdjertitel angegeben, fo ftnb folgenbe gäüe §u unterf Reiben. 

(£§ hat fid) erftenS ber SSerfaffer eine§33udje§ auf beffen 
Site! mit feinem mafjren tarnen genannt. 3> n biefem Salle 
roirb einfach ber gamilienname eingeorbnet, b.f). er mirb 
CrbnungSmort, mobei etmaige Sßräpofitionen (namentlich bei 
abeligen tarnen) nachgefe^t roerben , ein mit bem tarnen 
toerbunbener Artifel aber in ber Siegel an ber (Spifce be§ 
DrbnungSmorteS fcerbleibt unb für beffen Stellung bei ber 
alptjabetifchen ©inorbnung mafegebenb ift. 28äf)renb nun 
aber auf ben Sitelabfdjriften ber Üftame hinfichtltd) feiner 
Orthographie felbfttoerftänblidj nicht anberS gefchrieben merben 
barf als e£ im Suche felbft angegeben ift, mirb man für baS 
DrbnungSmort , fobalb fid) ber SName eineS unb beSfelben 
SßerfafferS auf ben Sitein toerfd)iebener 23üd)er toerfdjieben 
angegeben finbet, ma$ gar nicht fo fetten borfommt, natürlich 
nur eine gorm unb 3tt?ar bie gangbarfte wählen bürfen unb 
t)on ben übrigen SftamenSformen auf biefe fcermeifen. SBoHte 
man ba§ DrbnungSroort in jebem einzelnen Satte genau'nad) 
bem Sitel fd)reiben unb bie Settel mit ben berfchiebenen 
(S^reibmetfen beSfelben SftamenS nur 3ufammenlegen, fo 
mürbe ein foldi)e§ Serfafjren für ben 3ettelfatalog bie Über* 
ficht ohne 3roeife( erfcf)tt)eren, ba jebermann bie tarnen im 



Digitized by Google 



Eierte« Äopilel. 9>on ber «iitricfjtung bc3 «ürfjerfc^a^. 



175 



alpfjabetifchen Sfatalog nur nacf) rein alpfjabetifchen @eficf)t3* 
punften fudfjen unb burdf) bie Perfcfjiebenen gormen an ein 
unb berfelben ©teile beim SRachfchlagen ^öufig irregeführt 
roerben wirb, ©o ift aud) bei tattntfierten ober in anbere 
frembe ©prägen übertragenen tarnen für baS Drbnung§= 
roort — natürlich unter entfprechenbem Sftücfroetö — bie 
reine KamenSform feft^u^olten r ba eben nur biefe für bie 
(Sinorbnung in Betracht fommen fann, toenn anberS ber 
betreff enbeSBerf äff er in ber richtigen ©teile fte^en foH. ©ine 
5lu§nal)me bilben nur biejenigen tarnen, bei toelchen bie 
übertragene gorm bie allein herrfdjenbe geworben ift. £at 
bie Übertragung hierbei toefentliche Slnberungen in ber 
9?amen§form IjerPorgerufen, fo roirb ein SJermeiSjettet auf 
ben eigentlichen Manien an betreffenber ©teile nottuenbig 
toerben. 93ei altgriecfjifchen Manien ift bie lateinifcfye 
©<f)reibung in aßen gäHen für ba§ Drbnung3tt)ort maß* 
gebenb unb tfoax, tuie bei ben römtfcfjen ©cf)riftftellern , in 
ber jurjeit üblichen gorm beS 9hmen§; bei orientalifd)en 
tarnen ift ber gebräuchliche feftjufteOen. Mittelalterliche 
tarnen , bei melden ber gamilienname entmeber gan§ fehlt 
ober burdj ben £erfunft§ort bezeichnet toirb , fommen unter 
ben betreffenben Saufnamen $u ftehen. 

giebt in ber beutfchen ©pradje getoiffe tarnen tt)ie 
granfe, ^ofmann, ©d)mibt, ©chulfc, ©dhtoarfc, beren Schreib« 
toeife bei au§gebel)nteftem ©ebraudje berfelben eine fo Per* 
fchiebene ift, bafe e§ für bie Semper be§ alpfjabetifchen 
®atalog§ t)öuftg außerorbentlidj fehler toirb, in foldjen 
gälten ein Such fcfjnett unb fitfjer aufauftnben. ©ei älteren 
SSerfen fommt noch Satinifierung be§ üftamen§ fjt n 5 u ' 
au§ melier man mitunter felbft bei 3«h^f ei1fl ^ nie bibtto- 
graphifcher Hilfsmittel bie richtige 9tamen§form für ba§ 
DrbnüngSmort herau^ufchälen nid^t im ftanbe ift r j. 93. ob 
©chtoarjiuS in ©cf)tt)ar$ bezüglich ©chroarfc, ©chmarje 
bezüglich ©chtoar&e aufjulöfen fei. $enn e§ fdfjrieben bie 
älteren Tutoren ihre tarnen auch * n & en beutfdf) Perfaßten 
SSerfen nicht feiten ganj Perfcf)ieben, ja e§ weifen felbft 



Digitized by Google 



176 



Bioeiter Seil. 8?om 53üc^crfc^Q^ 



t)erfd)iebene 5lu»gaben eine fcerönberte JßamcnSform auf, 
moburd) bcm gufammenlcgen ber cinjelnen ©Triften eine§ 
S3erfaffcr§ erneute £inberniffe berettet tuerben. 5U§ 
erfdjroerenber Umftonb tritt für 93ibItot()cfen außcrbem 
^in^u, bog jene dornen auf ben Sßeftelljetteln ber $8üd)er 
oft ungenau jitiert werben, fo baß ber Beamte erft bie 
sßrobe auf bie üerfdjiebenen ©djreibmeifen , beifpielSmeife 
grancf, granrfe, granf, granfe, grantfiuS, grancuS, machen 
muß, ef)e e§ ifym gelingt, bie Verlangte <Sd>rift aufjufinben. 
ß& bürfte fid) be^I;atb au£ pvaftrfc^en fRürffid^tcn empfehlen, 
bergleidjen tarnen für eine befdjränfte SJnaaljl öon gätfen — 
beim im übrigen finb äfjn(id) ftingcnbe, aber ortfyograpljifdj 
fcerfd)iebene Tanten fcerfdjtebener 23er f affer ftet§ auSeinanber- 
5u^atten — auf eine einzige ortljograpfjifcfye gorm, etma bie 
alpfjabetifd) juerft fcorfommcube, ober bie anerfannt gebräudj* 
üdjfte, 5urücfyufü()ren unb Don ben übrigen auf biefe fur$ 
^u toertpeifen. (Sine foldje 2lbroeic§ung öon ber fonft üblichen 
ftrengen {Regel I)at fidj ba, roo biefelbe Vorgenommen roorben 
ift, burcf)au§ ben)ät;rt unb al§ empfehlenswert erroiefen. — Sei 
tarnen mit 3"fä& en ber reine 9Jame, bei Doppelnamen 
im Seutfdjen unb gran^öfifc^en ber alpfyabctifd) auerft bor* 
fommcnbe, ber aud) immer ber urfprünglidje unb gemöf)n- 
liefere ift, al§ Crbnung§roort, roäljrenb englifcfye Doppelnamen 
richtiger unter bem jroeiten al£ bem eigentlichen tarnen 
fatalogifiert merben, ba ber erfte gemofmlid) an (Stelle eine£ 
£aufnamen§ 3U (£f)ren eine» guten Sefannten ber gamilie 
u. bergl. angenommen iourbe. £at ein Serfaffer jmei toott- 
ftönbig öerfdn'ebene tarnen bei feinen (Schriften in 9(muenbung 
gebraut, fo empfiehlt e§ fid) ben 5ule^t gebrausten tarnen 
jum ©tidjroorte ju machen unb bon bem früheren auf tiefen 
ju Hermeifen. 3Ran l)at ^vax in Sorfdjlag gebracht, bei 
Sebeuben, roeil fid) ber betreffenbe SBerfaffer nod) einen 
britten tarnen roäfjlen fönnte, ben erften tarnen al$ ben maf^ 
gebenben anjufe^en, unb nur bei Serftorbenen ben feiten. 
s 43ei einem foldjen Verfahren müßte aberbet)uf£fiatalogifierung 
in jebem einzelnen gatfe erft feftgeftefit werben, ob ber in 



Digitized by Google 



Werte* Stapftet. ®on bcr ©inri^tung beö ©ü^erf^ote*. 177 

53etrad)t fommcnbc ©c^riftfteHcr nodh lebt ober tot ift; e§ 
müßte ferner auf jeber ©ibliotfjef eine befonbere Sifte hierher 
gehöriger Sßerfonen aufgeteilt unb Don 3eit ju 3cit forgfättig 
rebibiert werben, um im Satte beS $IbfterbenS einer berfelben 
bie früher auf ben crften tarnen gefcfyriebenen Qtttcl auf ben 
jweiten umjufd)reiben. $)a nun ber befürchtete gatt, e8 
möchte fid() ein ©djriftfteller noch einen britten tarnen zulegen, 
fid)er augerorbentlid) feiten borfommen bürfte, fo fönnen mir 
füglich bon einer berartigen, nicht gerabe feljr glücflichen Unter* 
fcfjeibung getroft Slbftanb nehmen. 

$)er auf bem Site! angegebene Üftame be§ SSerfafferS !ann 
aber auch jnjeiteng gar nid)t ber wahre, fonbern ein 
erbidhteter (pfeubontymer) ober ein burch ättetonomafie 
gefchaffener, alfo ein falfd)er fein. 3n biefem galle fann, 
fofern man ben magren fennt, ein boppelteä Verfahren ein* 
gefdEjIagen werben, ©ntweber nämlich lägt man ben falfd)en 
tarnen im Satalog für ben wahren gelten unb berfäf)rt mit 
ber Eintragung be£ £itel£ genau fo, tüte für ben erften galt 
borgefd)rieben, nur ba§ ber wahre Sfiame bem falfcfjen in 
klammem beizufdjliefeen ift unb einen Sermei^ettel erhält, 
ober man fefct ben ermittelten wahren tarnen an ©teile be3 
falfd)en, ber bann feinerfeitS inSlammern beizufügen ift f al§ 
DrbnungSwort ein unb berwetSt bon bem fallen tarnen 
auf ben richtigen. 9Kan hat ftd) , tüte un§ bünft mit Stecht, 
im allgemeinen mehr für Ginhaltung ber zweiten angebeuteten 
S3erfahrung§weife entf Rieben, inbem man bem ©runbfajje 
Ijulbigte, im alphabetifchen Satalog bie ©Triften eines 
33erfaffer£ , mögen fie unter Wahrem ober falfd^em Tanten 
ober gänzlich namenlos erfdf)ienen fein , fotüeit al§ möglich 
unter feinem wirf liefen tarnen 5U bereinigen, $>em ift nun 
§war entgegengehalten worben, baß e§ eirte SDfaffe bongätten 
gebe, in welchen ber wahre 9iame be£ SBerfafferä gar nicf)t 
ZU ermitteln fei, fo ba§ man fidh gezwungen felje, benfalfd)en 
tarnen bennod) beizubehalten, woburd) ^nfonfcquenzen im 
Satalog herbeigeführt würben. (£3 fei baher borzuziehen, 
bie 5ßfeubont)men grunbfäfclid) al£ foldf)e 5U belaffen. Sollte 

©taejcl, ©ibltotfjetSlefjrc. 12 ^ 



Digitized by Google 



178 



3locitec Zcü. SBom 23üdjerjctyafc. 



man bieS jeboch tfjun, bann müßte man ber Sonfequenj 
halber auch bie namenlofen ©Triften ftetS ohne ben tarnen 
beS auS Bibliographien ermittelten BerfafferS lebiglicl) unter 
bem fachlichen ©tidjworte eintragen, weil eS auch bort nid^t 
immer gelingen wirb, baS 9tätfel, wer ber SSerfaffer ber 
©cf)rift fei, $u löfen. Da eS aber gerabeju ber Qtved unb 
bie Beftimmung beS alpfjabetifc^en SatalogS ift, unter bem 
tarnen beS$lutorS bie if)m juge^örigen ©Triften jufammen^ 
5ufteHen , f o wirb man wenigftenS berfucf>en müffen , biefen 
3wecf nad^ Gräften $u erreichen, wenn eS audj infolge ber 
Un5ulänglicf)feit ber $u ©ebote fteljenben bibliographifdjen 
^ilfSmittel 121 nid)t immer gelingen mag, baS ^rinjip boll* 
ftönbig jur Durchführung $u bringen. Sei ©cf)riftftellern, 
meldte auSfchließlidfj unter falf ehern tarnen getrieben haben, 
fönnte eS am (Snbe — wenn man bon bem oben ermähnten 
$rin$ipe abfielt — gleichgültig erf feinen, welche^ Verfahren 
man einklagt ; bei benjenigen Berfaffern aber , meldte teils 
unter bem wirtlichen tarnen teils unter erbid)tetem gefcf}rieben 
haben, würbe bei ber erftern SatalogifierungSmeife ber $lutor 
im Katalog an $wei ©teilen, gewiffermaßen als boppelte 
^ßerfonlichfeit, erfreuten, waS ju bermeiben ift. ©in fernerer 
(Sinwanb gegen baS bon unS befürwortete Verfahren ftü^t 
fich barauf , baß man bei Beobachtung beSfelben häufig 
gejwungen werben würbe , im Katalog 3(nberungen borju* 
nehmen, unb entWeber Site!, bie unter bem falfchen Berf äff er* 
namen eingetragen waren , fobalb man fpäter ben wahren 
tarnen ermittelt, auf biefen um^ufdjreiben, ober audh um- 
gefehrt Site!, unter einen anfeheinenb wahren Berfaffer* 
namen gebraut, unter ben falfchen jurü^ubringen , Wenn 
man erfahren follte, baß man ft(f) ^infid^tlid^ beS Wtrflidf) 
wahren 9?amenS getäufd^t hätte. Derartige 3lnberungen im 
Katalog unb baS Umfdfyreiben bon Titeln würben bei Sin* 
wenbung ber anberen BerfahrungSmeife nie notWenbig werben, 
ba man fich unter allen ilmftänben mit einfädln Ber weif ungen 
uon bem einen tarnen auf ben anberen, teils bon bem falfchen 
auf ben wahren, teils bon bem wahren auf ben falfdf)en, 



Digitized by Google 



93icrte5 flaute!. 9?on t>cr (5invidjtuiiö bcS ©iic^cvfc^a^c§. 



179 



Würbe begnügen fönnen. gür ben alpljabetifchen 93anbfatalog 
mag biefer ©inwanb eine gewiffe Berechtigung haben, obwohl 
bießofjl ber in Betracht fommenben Slnberungen nid)t groß 
fein bürfte, Wenn Don Anfang an in jebem einzelnen gaHe 
forgfältig recherchiert worben ift. dagegen fällt ber ©in- 
Wanb für ben alphabetifdjen 3?ttetfatalog faft gor nid)t in§ 
©ewid)t, ba fid) f)i er burd) ßinlegung eines neuen 3ettcl3 
unb Vernichtung be§ früheren of)ne SWühe Abhilfe fdjaffen 
läßt. Kid)t als pfeubontjm gelten natürlich fold)e Sitcl, wo 
ber falfdje Käme burd) SKetonomafie gesoffen morben ift, 
unb in ber ©elefjrtenwelt unb fonft eine foldje $nerfennung 
gefunben, baß man barüber felbft ben wahren dornen gan$ 
toergeffen fyat, wie mir bie£ bei ben Kamen SKelaudjthon 
^tatt ©djwarjerb, Keanber ftatt Keumann, Slgricola ftatt 
Sauer unb fielen anbeten fef)en. £ier mürbe c§ aüerbingg 
gerabe5u öerfefjrt fein unb allem Brauche wiberfpredjen, wenn 
man bie £itel unter bem urfprünglid) magren Berfaffernamen, 
alfo 5.B. bie Sitel ber 3Welanchtl)onfcl)en (Schriften unter bem 
Kamen ©chroa^erb , eintragen unb bei bem falfdjen , aber 
allgemein gewöhnlich geworbenen tarnen bloß eine 93er* 
Weifung auf ben eigentlichen tarnen , ben Biete nicht einmal 
fennen, anbringen wollte. 

£)er britte hierher gehörige Satt ift ber, baß ein Ber* 
faffer feinen tarnen auf bem Xitel bloß burd) bie $lnfang§* 
buchftaben angebeutet l)at. ©ier wirb man in erfter Sinie 
ben ganzen Kamen auf bibliograpl)ifd)em Sßege §exau& 
jubringen unb in edigen klammern $u ergänzen fuchen. 
©elingt bie§ nid)t, fo fann Wieberum toon einem boppelten 
Verfahren bie Kcbe fein. 3" bem einen galle nämlich wirb 
einer ber 2lnfang§bud)ftaben als DrbmmgSwort angenommen. 
2Beld)er, barüber finb allerbingS bie Meinungen geteilt, 3>n 
ber Kegel wählt man ben legten berfelben, ber, minbeftenS 
für gewöhnlich, mit annähernber 2BahrfcheinIid)feit auch f" r 
ben @efd)lecht§namen angefehen werben fann, wäfjrenb man 
bei allen übrigen 2lnfang§bud)ftaben, bie boch möglidjertoeife 
eben fo gut wie jener ben ©efdjledjtönamen anbeuten fönnen 

12* 



Digitized by Google 



180 



Softer Seil. 83om 83ücf)cr[rf)a&. 



unb nid)t fd)ledjterbing3 bie fcon bloßen SSornamen ju fein 
brauchen, nur eine ÜBertoeifung auf ben legten anzubringen 
pflegt, greitidfj meist ber lefcte 93ud)ftabe häufig audj nur auf 
ben Site! be§ SerfafferS ober ettnaS ä^n(icf>e§ f)in, iue£l)al6 
mandfje 3Mbliotf)ef3lef)rer borjieljen, bem erften Sudftftaben 
baS SBorred^t einzuräumen. £)abei mürbe inbeffen bie 2ln* 
beutung be£ Familiennamens eine nod) unftdjerere fein, tueil 
ber erfte 93ucf)ftabe bodf) in ber roeit überroiegenben SKetjrzafjl 
ber S^tte auf ben SBornamen IjinmeiSt. 3)a bie ©adfje bem* 
nad) immer unficf)er bleibt, fo gefjt eine zweite $lnfidjt baljin, 
bergleidfjen Seilet als eine 2Irt ^errenlofer Site! ju betrauten, 
auf melcfje feiner ber gegebenen $lnfangSbucf)ftaben ein au§* 
fd()Iießltcf)e£ Siecht t)at, unb fie ganz nadf) ben gleid) Weiter 
für bie Site! anonymer Schriften ju gebenben 33orfdE)riften 
5U beljanbeln , inbem man bie Site! felbft unter iljrem 
DrbnungStoorte in ben Äatalog einreibt, unb bei ben fämt* 
lidfjen 2lnfang§bud)ftaben SSermeifungen auf bief e§ DrbnungS* 
roort beifügt, $)iefe3 Serfaf)ren Ijat in ber<ßra£i§ jebenfattS 
manches für ficf), toeil eS mof)I l)ödf)ft feiten öorfommen mirb, 
baß jemanb, ber ben alpljabetifcfjen Katalog nacfyfcfjlägt, bie 
9lnfang§budf)ftaben genau im Sopfe fjat unb unter biefen 
ben betreffenben Site! nadjzufcf)Iagen fudjen toirb. £)er* 
gleiten Site! mit bem bloßen $(nfang§bucf)ftaben beS 23er* 
f af jeniamenS roerben bielmefjr im geroöf)nlid)en Seben, mie bie 
tägliche (Srfaljrung lef)rt, ben anonymen faft burcfjauS gleich* 
geftettt. ^ebenfalls muß, tuenn einer ber $lnfang§bud)ftaben 
ben tarnen be£ SJerfafferS Vertreten fott , nod) ein SermeiS 
bon bemjenigen SSorte beS SitelS, meldjeS bei bem als anonym 
betrachteten Sitel baS DrbnungSroort büben mürbe, auf jenen 
angebracht merben. 

SDer vierte unb lefcte gatt ift ber, baß auf bem Site! 
5ttei ober mehrere SSerfaffer angegeben finb. £jier mirb eS 
im mefentlicfyen immer barauf anfommen, ob ba§ betreffenbe 
93ud) eine (£inf)eit für ficf> bilbet ober ob man eS nur mit 
einer (Sammlung felbftänbiger ©Triften zu tf)un fjat. trifft 
lefctereS zu, fo ift baSSSerf unter einem fadjlidfjenDrbnungS* 



Digitized by Google 



»ierteS Äopitel. «on b«r CHitri^tung bc8 »ü^eridiafceS. 



181 



Worte jufammcnjufaffen. $enn ba man fid) biefe Site! tnU 
Weber, gerabefo wie bic anonymen, bloß nad) bcm Snljalte 
anjumerfen unb baljer im Satalog juerft unter bem Orb* 
nungSWorte nachsufudjen, ober mit bem tarnen beS bloßen 
Herausgebers näher ju bezeichnen pflegt, ber Name beS 
Herausgebers aber, wie fd)on gefagt, bei ber ©inorbnung ber 
Site! nicf)t in Betracht fommen barf, fo liegt eS auf ber 
£anb r baß man in Be^ug auf baS eintragen f old)er Site! 
woljl ben ridjtigften SBeg einklagen Wirb, wenn man fie mit 
ben anonymen gleich behanbelt. ©twaigen Errungen wirb 
man burd) bie unter Jebem tarnen angebrachten Bermeifungen 
auf baS DrbnungSwort toorjubeugen fuchen. Bilbet bagegen 
baS Buch ein fcon 9Kef)reren gemeinfchaftlid) bearbeitetes 
einheitliches 23erf, fo gilt ber juerft ©enannte als Berf affer, 
tt)ät}renb bie anberen SRüdfweife ermatten. Söei Sitein öon 
Herfen, bie atS twn einem ober mehreren Ruberen felbftänbig 
fortgefefct bezeichnet finb, alfo eigentlich mehrere Berfaffer 
haben, ttjut man am beften, fie alSSitel bloß eines Berf äff erS 
5u behanbeln, unb ju ben tarnen ber Sortfe^er nur eine 
Berweifung auf ben tarnen beS urfprünglidjen Urhebers ber 
©d)rift hinzuzufügen, ©benfo werben Don Anberen beforgte 
Neuauflagen eineS Bud)eS unter bem Namen beS eigentlichen 
BerfafferS eingetragen. $at jebocf) bie betreffenbe ©djrift 
f päterhin in Sorm unb Inhalt eine fcollftänbige Umwanbtung 
erfahren, Welche fich meift fchon in ber Saffung beS SitelS 
fenntlich machen wirb, fo gilt btefelbe nunmehr richtiger als 
geiftigeS (Eigentum beS NeubearbeiterS, währenb ber urfprüng= 
liehe Berfaffer nur einen NüdmeiS erhält. 

3ßir fommen nun $u ber zweiten oben angebeuteten WI'öq* 
lid)feit, baß fich ^ er Berfaffer auf bem Sitel überhaupt nicht 
nennt, ©in fold>eS Such wirb ein anontjmcS genannt. SKandje 
Bibliographen Reiben biefe BegriffSbeftimmung etwas ber= 
engert, inbem fie biejenigen Bücher, in welken ber Berfaffer 
irgenbwo, fei eS in ber Söibmung ober ber Borrebe ober an 
einer ©teile beS $e£teS ober am ©chluffe genannt ift, nicht 
als anonyme angefehen wiffen wollen. Unb in gewiffer 



Digitized by Google 



182 



ÖlüCitcr Seil. SBom m%tx\d)Ci%. 



93e5ief)ung ijat eine folche SBefchränfung ifjre ^Berechtigung. 
GS ift nämlich f)ier, wie man mit9tecf)t betont fjat, ftreng $u 
fcfjeiben jwifchen einer rein wiffenfchaftlichen ^Bibliographie 
unb einem praftifchen 3roecfen bienenben Satalog. 2Ber mit 
ber ^Bibliographie arbeitet, beifpielSweife ber 93ibliotf)efar 
felbft beim ffatalogifieren, fyat gewöfmlitf) ba§ 93ud) in ber 
£anb. ©iebt nun bereite bie SBibmung ober bie SSorrebe 
beSfelben ben tarnen be§ S3erfaffer§, f 0 bebarf ber ©udjenbe 
in biefem gälte ber ^Bibliographie garniert unb e§ mag lefctere 
bafjer — auch ftf)on au§ 9taumrücfftchten — mit 3ug unb 
Stecht nur foldje SBüdjer al§ anonyme gelten laffeit # au§ 
wetzen ber üftame be§ 33erfaffer§ nicf)t $u erfef)en ift. 9lnber$ 
bei ben Satalogen einer SBibliotfjef. 28er biefe ju State aiefit, 
hat ba§ 93uch nicht in ber £anb, fonbern er fuc^t e§ unb 
weifc nicht, baft ber SBerfaffer fich nachträglich irgenbwo 
nennt. 3h m bafjer nur geholfen, wenn ba§ Such al§ 
anoni)me£ bef)anbelt ift. £)er SBibliotljefar mufc baher für 
feine Sataloge ben ^Begriff ber ^tnontyma weiter faffen unb, 
auch tüenn er beim ®atalogifteren ben tarnen au3 bem Suche 
felbft erfahren hat, fo baß er baSfelbe unter bem Serfaffer 
eintragen tonnte, bennod) baneben einen Sßücfmete toon bem* 
jenigen SBorte auf ben SSerfaffer fchreiben, wetd)e§ bei Sticht- 
ermittelung biefe£ (enteren Orbnung^wort geworben wäre, 
©in foldjeS fad)tiche£ DrbnungSwort wirb auch bei aften 
jenen Sitein eintreten müffen, welche einen SSerfaffer im 
eigentlichen Sinne be» 28orte§ überhaupt nicht aufweifen, 
wie periobifche Schriften, amtliche ©d)riftftücfe u. bergt, ©3 
fragt fich nun, wet<f)e§ Sßort be§ £itel§ bei berfafferfofen 
Sßerfen — ben SßariaS ber Sitteratur, wie fie nicht mit Un* 
red^t äöfjeatlet) genannt hat — fjt er 5 u auswählen fei 12 -. 

9?ach ber Anficht Giniger f;at man baSjenige SBort 5U 
nehmen, ruelc^e§ fich am & e ften eignet, bie Stefle be§ gan$en 
£itel£ 5U öertreten. Allein bie 3lnforberungen, welche biefer 
Meinung jufolge an ba§ Drbnung§wort geftefft werben 
müffen, fcheinen nicht nur weit über bie ©renken beäjenigen 
8iele§, welcf)e§ bem alphabetifd)eu Katalog geftellt ift, 



Digitized by Google 



SMertcä Stapitcl. Sßon Der Giiuic^tung öcS 93üd>erfcfja&e5. 



183 



Ijinau^uliegen, fonbern laffeu fief) auef) in bieten gätten gar 
nic^t beliebigen. ®enn wo fönnte 5. 9). in einem Sitel, wie 
„Beiträge 5m* ©efdjidjte, Sitteratur unb Sunft" — unb 
bergleidfyen Site!, ja nod) weit jufammengefefctere , fommen 
gerabe fjäufig genug öor — ein SBort gefunben werben, 
welcf)e§ bie ©teile be3 ganzen £itel3 $u öertreten geeignet 
wäre? SBenn man unter bem SSorte, weldje§ biefe ©tefle 
vertreten folf, baSjenige beS Siteig begreift, woburdj ber in 
ber ©djrift befprocfyene £auptgegenftanb am näd)ften unb 
beutlidjften bejeicf)net wirb, fo fann, ba ber öorerwälmte 
Site! brei mit einanber gleicf)geltenbc ^auptgegenftänbe , bie 
®efd)icf)te nämlid), bie Sitteratur unb bie Stunft, a(ö 3nf)att 
ber Seiträge angiebt, barüber fein 3weifel fein, bafc e3 in 
biefem gatte mit einem einigen Drbnung^worte, um ben 
Snf)alt ju bezeichnen, nicfjt abgemalt ift. (33 würbe biel^ 
tneljr jebeä ber brei SSörter, ©efd)id)te fo gut wie Sitteratur 
unb biefeä wieber ebenfo gut al£ Sunft, at£ Drbnung§wort 
ju gelten fjaben, unb ber Site! mithin auef) unter jebem biefer 
brei Drbnungämörter in ben Katalog einzutragen fein. 3" 
Welmen Sßeitläuftgfeiten bieS aber, inäbefonbere bei Sitein, bie 
noef) äufammengefefcterer SÜxt wären, führen müßte, baS 
brauet wof)l nic^t näfjer erörtert §u werben, ebenfo wie e» 
wofjl nicf)t erft nodj eineö längeren 33eweife3 bebarf, baß bie 
Slnwenbung einer folgen 9ftetf)obe, bie berartige SSeitläufig* 
feiten notwenbig im (befolge f)at, faum nod) in ben SBereid) 
be£ 5lu§füf)rbaren 5U fe{\en ift. $Iber forbert benn überhaupt 
ba£ SBefen unb ber 3toecf be3 alpf)abetifrf)en SatalogS eine 
fo!cf)e Sfuffaffung be£ DrbnungSworteS, wie oben angegeben 
Worben ift? $)er alpljabetifdje Satalog, ber bazu beftimmt 
ift, in möglicher ©cfjnetligfeit nac^juweifen, ob ein gewiffe§ 
Sudj in ber ©ibliotfjef öorfjanbeu fei ober nicfyt, unb bei 
beffen©ebrauc^eftet§t)orau§gefe^t fein muß, baß ein gewiffer 
Site! 5um 9Gad)fd) lagen borliegt, forbert eine foldje &uf* 
faffung burdjauS nicf)t, fonbern atfe£, wa£ man möglicher* 
weife bafür anzuführen imftanbe ift, beruht, wie e3 faft fd)eint, 
auf ber ganz einfachen $erwecf)§Iung be3 a{pf)abetifcf)en 



Digitized by Google 



184 3»cit« 3?om 93üc^erfc^n&. 



ÄatalogS mit bem toon biefem burd)au§ fcerfchiebenen alpha* 
betifd)en Realfatalog. Steffen Aufgabe ift e§ allerbing§, bie 
in ben toerfcf)iebenen Schriften befjanbelten §auptgegenftänbe 
in alpfjabetifcher Reihenfolge aufzählen. Sßäre bie Aufgabe 
be§ alphabetifd)en ffatalogl bie nämliche, fo mürbe nid)t bloß 
nicht einjufe^en fein, marum man neben bem alpljabetifchen 
Realfatalog aud) nod), mie e§ mirflidE) ber galt gemefen ift, 
bie Anfertigung eineS alpljabetifchen ff atalogS f orbern !önnte f 
fonbern e§ mürben bann aud) eigentlich biejenigen Sttel, auf 
benen bie SSerfaffer genannt finb, nid^t unter beren Ramen, 
fonbern vielmehr unter bem DrbnungSmorte be§ $auptgegen* 
ftanbe§ einzutragen fein. 5)a3 DrbnungSmort be§ StUetö 
fcerfafferlofer ©Triften befteht Vielmehr in aßen gälten, auf 
roeldje fid) bie Siegel anmenben läßt, au3 bem erften im 
Rominattoe borfommenben ©ubftanttoe ober bemjenigen 
SS orte, tt)eld)e§ beffen ©teile Vertritt. (£§ finben hiervon nur 
zmei Aufnahmen ftatt, hinftchtlidj beren mir un£ mit^jtaljf o, 
ff e i) f f e r unb anberen in Übereinftimmung fef)en : einmal näm* 
lieh gilt, menn Von ^met nebeneinanber ftefjenben ©ubftantiVen 
im RominatiVe ba£ erfte lebiglicf) $ur näheren Seftimmung 
be§ anberen bient, btefeg zmeite als DrbnungSmort; fobann 
mirb ftatt ber ©ubftantive, welche Seile, Ausgaben ober 
Auftagen eines SEÖerfeS bezeichnen, mieSud), Sanb, Rad)* 
trag, Anhang :c, ba§ junäct)ft abhängige ©ubftantiV jum 
OrbnungSmorte erhoben. 3 n a ^en übrigen gätlen bleibt 
unfere Regel beftehen, auch & ann — m ^ h* er treten mir in 
©egenfafc z u ^ia^lo — , trenn ein mirflid) Vielgebrauchte^ 
©ubftantivum mie Abhanblung u. bergl. DrbnungSmort 
loerben müßte. §ier ba3 le&tere bem ben gnljalt bezeichnen* 
ben Seite be§ SitelS z u entnehmen, mie tyiafyto milt, märe 
ein um fo weniger gerechtfertigte^ Verfahren, al§ bamit nur 
bem ©runbfafce ber ©egner, für ba§ DrbnungSmort allein 
ben S"h a ^ mafegebenb fein 5U laffen, in zahlreichen gälten 
©cltung Verfdjafft mürbe. 

ffommt fein Rominativ eineS ©ubftantiVS Vor, fo tritt 
an feine ©teile ein ©ubftantiV in abhängigem fiafuS unb 



Digitized by Google 



»tcrtc* Stapitti. ®on ber einridjtuitß bc8 »üdjerfcf)ot?e3. 185 



jmar bei mehreren Vortjanbenen, tt)ie bie§ ffetyffer treffenb 
augbrüeft, ba§ felbftänbigfte ©ubftantiv, b. f). baSjenige, meines 
bie anberen regiert; in aßen übrigen gätten gilt ba3 erfte 
2Bort be§ Siteig. ©inige 93ibliotfjefölef)rer , namentlich 
Sutter 123 u. a., haben biefeS lefctere überhaupt als burd)* 
gängige^ OrbnungStoort für t>erfafferIojc Site! empfohlen 
unb ihre Sluffaffung hat in ber ^jrajiS eine grofce 93er* 
breitung gefunben, inbeffen ift bodj gerabe biefeS SSort meift 
fo belanglos, bafc feine SBerroenbung beffer nur folgen gälten 
vorbehalten bleibt, tuo feine anbere 28af)l übrig ift. 

SKan hat nun gegen bie eben auSgefprocfjene 9tegel getuöhn* 
lief) eingetoenbet, baf$ ficf> ba§ ^auptfadjiuort ober, ttrie man 
e§ neuerbingS auch genannt hat, baS ^auptfinnmort Viel 
leidster im ©ebäd)tni§ behalten laffe als baS erfte ©ub* 
ftantiv 1 '^ unb baf)er, roenn man Ic^tereö Vergeffen habe, 
jebeS SKachfuchen im alphabetifchen Satalog unmöglich gemacht 
roerbe. ^nbeffen finbet biefer ©imvanb feine Söiberlegung 
barin, baft erftenS, menn auch *> er $auptf achbegriff leichter 
im ©ebädjtniffe feftgefjalten mirb, bod) ba£ bemfelben ent* 
fprecf)enbe ^jauptfachtvort ebenfo gut als baS erfte $aupt* 
nennmort ber SBergeffenfjeit anheimfallen fann, ferner bafc 
jtoeitenS, ivenn ein 93ud) nach Einleitung beS Hauptfach- 
begriff'S in ber ©ibliothef aufgefucht roerben foll, ber tüiffen- 
fchaftliche Satalog auSreidjeub fein tuirb, unb bafc enblich 
brittenS ber alphabetifche Katalog überhaupt nicht baju ba 
ift, ein SBerf nach einem unbeftimmt gemerften, halb ver^ 
geffenen Sitel nachzureifen. £e§ terer muß Vielmehr minbeftenS 
feinen £auptuenmuorten nach beftimmt bezeichnet fein. 28er 
Von bem alphabetifchen ftatalog in biefer ^infidjt mehr 
Verlangt, ber hat eS fich felbft saufet) reiben, ivenn er feine 
©Wartungen Von bem Katalog nicht befriebigt fief)t. 

üftächft biefen 33emerfungcn über baS CrbnungStvort im 
allgemeinen, möge hiev noch bie Sßemerfung ^3la£ finben, baf$ 
eS ratfam unb von entfd)iebenem Sttufcen ift, einerlei lautenbe 
unb gleichbebeutenbe, aber ortf)ograpl)ifch Verfdjiebene Orb* 
nungStoörter, toie Seiträge unb 33et)träge, oberÄaifer, Satjfer 



Digitized by Google 



186 



3u>etter 2cU. S?om ©üdjeric&nfc. 



unb ffeifer, auf biejenige ortfjograpf)ifche gorm, meldte Von 
allen bie gebräucf)lichfte ift, zurückführen. ©3 fann bem 
©ebächtniffe unmöglich bie 3umutung gemacht werben, bafi 
e§ ficf) jeben Site! -in allen feinen (Sin^el^ctten fo genau 
merfeu folle, baft ifjm felbft unbebeutenbe orthograpfjifche 
SSerfchiebenljeiten ntcfjt ju entgegen im ftanbe feien. 9Rit au3 
bemfelbeu ©runbe — meil nämlich Von bem ©ebäcf)tniffe 
nicht verlangt werben barf, bog e§ fich beftimmtmerfen folle, 
ob ein zufammengefefct au§gefprochene§ Drbnung§roort, Wie 
granjtefanerorben unb Slffefuranzgefellfchaft, auf ben Sitein 
entmeber ebenfo jufammengefe^t ober getrennt (granztöfcmer* 
Crben unb $ffefuranz s @efeöfchaft) gefd^rieben fei — muß 
e3 al§ SSorfc^rift gelten, bafj jufammengefe^te Drbnung§- 
Wörter ftet§ als ein SBort ju befjanbetn unb bemgemäft nach 
bem 2lnfang§buchftaben be3 erften 2Borte§ in ben Satalog 
einzutragen finb. SBotlte man, anberer Anficht, bie beiben 
Vorgenannten SBörter in einfache zerlegen, um bann bie Sitel 
unter ben einfachen unb eigentlich erften ©ubftantiven, Drben 
unb ®efellfcf)aft, in benSatalog einzeichnen, fo würbe bie§, 
mit ffonfequenj burcf)gefe£t, nur zu- einer nnbematürlidjen 
3errei§ung längft eingebürgerter zufammengefej^ter Sßörter 
unb ba5u führen müffen, bafc man enblich felbft nidt)t mehr 
wüßte, wo man mit ber ßerlegung unb Vereinfachung 
Zufammengefejjter SBörter, bereu e3 in allen (Sprachen eine 
große ftafy giebt, aufhören follte. 

(5£ erübrigt nunmehr noch Stnorbnung ber £itel im 
alpfjabetifchen Satalog auf ©runb be§ Drbnung§worte§ 
etwa§ näher in ba§ 5(uge 5U faffen. Sicfelbe bietet bei ber 
SKaffe ber auf 93ibliothefen in Betracht fommenben Xitel 
allerbingS eine fo große «Saljl fraglicher fünfte , baß e£ fich 
un§ Von felbft Verbietet, btefelben auch nu * * n annähernber 
SBollftänbigfeit zur Söefprechung hinzuziehen , wenn nidtjt 
ba£ Vorliegenbe Kapitel eine unVerf)ältnigmäßige 2lu§bef)nung 
erlangen unb fich in Einzelheiten gerabeju Verlieren foU. @£ 
möge baher genügen , einige ber bemerfenSWerteren fünfte 
hervorzuheben, um 5U zeigen, wa£ alle£ im einzelnen berücf* 



Digitized by Google 



Vierte* Jfapütl. SJcm bec Sinri^tung fcc3 »fitfjcrfäa&c«. 187 

fid)tigt werben mu% um ben a(p^aOctifcf)cn ffatalog einem 
Wirtlich brauchbaren Ratgeber au^ugeftalten. 3unäd)ft 
möchten mir betonen, bajj bie Umlaute ä f ö, ü ihren ©runb* 
lauten a, o, u nicht, wie bie§ mancherfeitö geflieht, gleich* 
gefteöt Werben bürfen, fcielmehr tarnen wie Söller unb 
Softer beffer getrennt bleiben; baf$ ferner ö unb u burd)au3 
augeinanber^ufjalten , bagegen j| bem t, 6 bem ff gleich 5U 
achten finb. 23on fremben 3^i^en gilt griedjifcf)e§ rj für s, 
ov für ou u. f. W., bäniftf)e§ a für a, # für ö, t;ol!cinbifc^e^ \\ 
nirf)t für t), abgefürjteg irifcheä M' ftetä für Mac u. f. f. 

2Öo mehrere orthograpfjifch übereinftimmenbe tarnen Der* 
f cfyiebener SSerfaffer 5ufammentreffen entfrf)eiben bie SSornamen 
unb, wo auc^ bfefe 3ufäHtg übereinftimmen, ba§ ©eburt3jaf)r 
ober ber ©eburtSort ber SBerfaffer über iljre Slufeinanbcr* 
folge, auch tonnen beren Sßräbifate ober Serwanbtf cf)aft3grabe 
jur ttnterfdjeibung bienen. 

3)ie fcer}d)iebeuen Söerfe eine§ unb be£felben 23erfaffer§ 
wie aud) gteid)tautenbe fachliche Stichwörter mögen in ben* 
jenigen Sibliottjefen, welche ftreng wiffenfchaftlicf) aufgeftellt 
finb, füglich — ^ bie£ D. Hartwig empfohlen unb neuer* 
bingä an ber £>altefchen 93ibliothef burchgeführt ^at 125 — 
nach ih*en Signaturen georbnet werben, woburd) ba§ Stuf* 
finben ber einzelnen Schriften für ben Senner ber Sfataloge 
ungemein erleichtert wirb , ba ja ber 9iealfatalog biefelben 
nad) ben für ihn geltenben ©runbfä^en unter fief) fchou 
orbnet bezüglich auSeinanberhält. greilicl) be^te^t fich bie 
(Erleichterung auch nur auf bie Senner ber wiffenfehaftlichen 
©lieberung ber 33ibliotf)et, bie bafjer möglichft befaunt $u 
geben ift, für jeben anberen wirb ba£ Suchen in DrbnungS* 
Wörtern wie SlriftoteleS, ßeitfehrift u. bergt, bitrcf) eine fotdje 
SBeftimmung nicht leichter. 2>ie au» reinpraftifchenörünben 
• hergeleitete St b weichung bon bem ftreng alpfjabetifchen ^}r in jipe 
Verbietet fich natürlich bei einer nicht wiffenfchaftlich georbneten 
Sibttothef ganj toon felbft. <pier werben bei ben einzelnen 
SSerfaffern bie ©efamtwerfe ben entweber alphabetifcf) nach 
bem Sitet ober auch chronologifcf) nach bem (SrfcheinungS* 



Digitized by Google 



188 



Breiter Seif, «om 93iid)er)cfjafc. 



jatjr — für beibe 2lnfi(f)ten finben fi<$ Vertreter — $u 
orbnenben einjelnen ©Triften boranjugehen Robert unb bei 
ben Slaffifern öerfdf)iebene StuSgaben berfelben (Schrift fowie 
Überfefcungen etwa nach ber alpfjabetifchen Slci^cnfolgc ber 
Herausgeber au3einanberget)alten werben fönnen. Sßei gleichen 
fad^Iid^en (Stichwörtern müffen bie folgenbenSeftanbteile be$ 
SitelS für bie weitere 2lnorbnung mit fjerangejogen werben, 
wobei möglichft ftreng alphabetifdj 51t ^erfahren ift ; in fcer* 
fchiebenen (Spraken ibenttfd^e SSörter wie Journal werben 
nad) ben einjelnen ©prägen, in benen fie borfommen, 511 
fonbern unb bann weiter ju orbnen fein. Sine folche 
(Sonberung Wirb fidf) im Sanbf atalog burd) entfprecf)enbe 
Überfdfjriften allerbingS überficfjtlicher geftalten laffen als im 
alphabetischen ßettelfatalog , wo jebodf) immerhin ein bem 
betreffenben (Stichmorte öorangehenber 3ettel auf bie Orb* 
nungSWeife beSfelben hinweifen möge. 

Sßerfonennamen als fadE)liche (Stichwörter eineS SitelS 
gehen {amtlichen übrigen ßetteln mit gleichem tarnen öoran; 
bann folgen biejenigen mit meggelaffenen unb auf biblio* 
graphifd)em Sßege nicf)t ju ermittetnben SSornamen ; brittenS 
bie mit lebiglidh burd) Suchftaben angebeuteten unb ebenfalls 
unergän5t gebliebenen SJornamen; enblicf) bie weit über* 
wiegenbe 3af)l berjenigen , beren SSornamen auf bem Xitel 
gegeben finb ober ergänzt werben fonnten. £>enn bie (Er* 
gänjung ift r wie wir wieber holt erwähnten, überall anjuftreben. 
2)a| hierbei bie Schriften beSfelben SJerfafferS beifammen 
bleiben, ift bie bringlicfjfte unb in Dielen gätlen recht fchmierige 
Stufgabe beS ©inorbnerS, ba manche Tutoren ihre Sornamen 
balb gar nidfjt, balb nur anbeutungSweife geben, ober einmal 
ihren Rufnamen allein, baS anbere mal ihre fämtlidjen 33or* 
namen anführen unb bei Überfettungen frembfpracf)ige 33or* 
namen erhalten. SSo bei Sornamen bie (Schreibung jmifdhen 
(£ unb $? fdjwanft, ift ber neueren Dichtung ber beutfdfjen 
Orthographie gemäß biejenige mit £? burdjgängig ju betoor* 
jugen, was auch bei aßen fachlichen (Stichwörtern 5U gefchetjen 
hat. gür latinifierte Vornamen moberner 2lutoren ift bie 



Digitized by Google 



«icrtc« Stapitci. Eon ber «inridjtmtg bc8 ©Üdjerfcfiafce*, 



189 



nic^t latinifierte gorm maßgebenb. Silben Saufnamen baS 
OrbnungSttort, fo fommen fie bei bem Sorhanbenfein gleich* 
namigerSperfonennamen unmittelbar bor biefe ^ufte^en. Set 
mittelalterlichen ©chriftfteßern entleibet bie Sprache be£ 
Original^ bodh gilt für bie Orthographie bie heutige. £aben 
berfcfjtebene SJerfaffer biefelben Saufnamen als DrbnungS* 
»ort, fo machen biejenigen ohne nähere Seftimmung ben 
Anfang, bann folgen biejenigen mit näheren SBeftimmungen, 
lefctere alpfjabetifcf) georbnet. $ÜS f old)e nähere Seftimmungen 
gelten inSbefonbere ^Bezeichnungen , bie Dom $erfunftSort 
genommen finb, bei Siegenten ber SRame itjteS SanbeS u. f. f. 

S)te borfteljenben Semerfungen gehen ^umteil bon ber 
S3orauSfefcung auS, baß ber alpljabetifdje Katalog einer 
93ibIiotl)ef lebiglid) auS einem einigen Alphabete befteljt unb 
nicht, ttrie eS ljie unb ba gefcfjehen ift, unnötigertueife in 
einen £)oppe!fatalog geteilt roirb, bereit erfterer bie 23erfaffer~ 
namen, ber jmeite bie fachlichen (Stichwörter enthält, rooju 
unfereS ffiradjtenS burcf)auS fein 5tt)ingenber ©ritnb borliegt 
unb tooburdj bem fignierenben Beamten bie Arbeit lebiglich 
erfcfjtt>ert roirb. 

SBaS bie Anlage beS alphabetifdjen SatalogS anlangt, fo 
fann berfelbe enttoeber , ttrie bie beiben anbem Sataloge , in 
Suchform ^ergeftettt toerben, ttjobei bie Settel mieberum als 
Unterlage bienen, ober man bereinigt, ttrie bereits ertüähnt, 
an ©teile eines folgen Such 5 ober SanbfatalogS bie Qtttd 
felbft ju einem eigenen Satalog, bem fogenannten alpha* 
betifdfjen S^ttelfatalog. daneben fommt eS auch bor , baß 
manche Sibliotljef, welcher genug Kräfte unb Littel 5ur 
Serfügung fteljen, beibe SerfahrungStt>eifen zugleich in 2ln* 
toenbung bringt, fief) alfo einen alphabetischen Sanb* unb 
Settelfatalog jugleicf) anlegt. (£in jeber ber beiben Sataloge 
hat natürlich feine befonberen So^iige unb Nachteile. SDfan 
hat am Sanbfatalog jubörberft beffen größere (Sicherheit 
herborgehoben. ©in Settel fann berloren gehen ober falftf) 
eingelegt tuerben, im Sanbfatalog bagegen berbleiben bic 



Digitized by Google 



190 



dwciter ^ctf. Jßom 93itd)erfcf)a&. 



{Eintragungen, toenn einmal gefdjeljcn, unfcerrücft unb unge* 
färbet an i^rer ©teile. 8U3 5tt>eiten Vorteil be§ S3anb* 
fatalogS be§etd)net man nicfjt mit Unrecht beffen größere 
ttberfid)tlidt)feit. llmfangreidfye Partien laffen fid) f;ier leicht 
überfein, unb tuäf)renb man im gettelfatatog oft mehrere 
Sto^enbc Don 3 e tteln mit $8efd)iüerlid)feit $u burdjfucfjcn 
gelungen ift, um au§ ben ©djriften eine£ reid^ Vertretenen 
SBerfafferS ober au§ ber SReifje gleicher Drbnunggtoörter ba§ 
^erau§5ufinben, ma§ man fud)t, ma$t man ben betreffenben 
S3ü^ertitel in einem gebunbenen Katalog bei einem nur 
flüchtigen Überblidfe Von ein paar blättern augfmbig. ®amit 
ift gleichzeitig bie größere 33equemlid)feit be§ 33anbfatalog§ 
für biete 5äÜe erliefen, dagegen rüljmt man am ßetteU 
fatalog begrünbeter SBeife bie leiste 33etneglid)feit ber ein* 
feinen Bettel, meiere, ttrie toir fat)en, je nad) Söebarf alpfja* 
bü\\(^ ober cfjronologifd) ober nad) irgenbtoeldfjen fadjlicfjen 
©efidjt^punften georbnet toerben fönnen, ofjne baß man an 
biefe Drbnung gebunben ift; biefelbe läßt fid) bielmefjr in 
beliebiger Söeife abänbern ober Derbeffern. Sßegen biefer 
ungemeinen 33etoeglicf)fett fann man jebe^eit unb mit aller 
23equemticf)feit Seränberungen unb Serbefferungen in ber 
Speisenfolge ber Site! Vornehmen, ofjne baß man ettt>a3 
toeitereä $u tljun nötig l)at, als einige tofe Stätter anber§ ju 
legen unb bie DrbnungSnummer mit einer anberen ju Der* 
tauften, toäljrenb bei bergleidEjen SSeränberungen unb SSer* 
befferungen im gebunbenen Satalog ftet3 gleid) ein llmfcfjreiben 
ber gan§en betreffenben £itet nottoenbig ttrirb. $tl§ einen 
nidjt 5U unterfdf)ä£enben SSorgug Ijat man ferner am Settel- 
fatalog bie ausgiebigere Serroenbbarfeit bon SSennei^etteln 
bei bemfelben fjerborgeljoben. ©eine gortfüljrung ift zweifellos 
eine leichtere, ba (£infd)altungen fid) ofjne jebe ©cf)ttrierigfeit 
unb in unbefdjrcinfter SOienge an beliebiger ©teile einfügen 
taffen. Xlnb menn felbft einzelne £eile ber SBibtiotfjef nriber 
(£rtt>arten plöt$licf) unverhältnismäßig antoacf)fen foEten, fo 
ift man oljne irgenb eine erfjeblidEje ©törung beS SatalogS 
im ftanbe, benfelben ganj nad) 33ebürfniS 5U ermeitern, wogegen 



Digitized by Google 



SGtcrtcS flaute*, ffion bcv fchtricfjtMtfl be$ $üd)cri'cf)nfrcs. 



191 



in biefem Salle bei bem gebunbenen Satalog, fobalb ber für 
etmaige Üftachträge bon £auS auS freigelaffene $lafc boll* 
ftänbig aufgefüllt ift , baS Umfcf>reiben nicht nur einjelner 
Blätter, fonbern fetbft größerer Abfdjnitte, ja ganjer Bänbe 
nidt)t umgangen merben fann. Aufjerbem finb aud) bie etn^ 
jelnen ßettel für fid) im BebürfniSfalle jebmeber Berichtigung 
ober ©rgänjung fähig, ©nblid) aber macht fich bei bem 
3etteIfatalog bie Abnufcung nicht fo fühlbar mie bei bem 
Banbfatalog, tuet! jeber befchmufcte ober befdjäbigte Qettd 
of)ne meitereS herausgenommen unb umgefchrieben toerben 
fann, fo baft ber gettelfatalog bei forgfältiger güfjrung einen 
fortmäfjrenben BerjüngungSp^efj burchmacht. 

Bei ber Abfaffung beS BanbfatalogS (£af. 4) 1)at man 
natürlich cbenfomenig tote bei ben beiben anbern Katalogen 
nötig, bie Stitel toon ben ßetteln in tf)rer tiotfen Ausführlich* 
feit abjufchreiben , fonbern barf fidt) , mie bort, mefentlicher 
Abfür^ungen bebtenen. ©elbflberftäubtidt) ift barauf $u fetjen, 
baß gttjifchen ben tarnen ber einzelnen Berfaffer genügenber 
$lafcäurfpäteren(£inreif)ung neuer frei bleibe, ttrie benn auch 
mit bem jebem einjelnen paumeifenben Sftaume nicht gegeijt 
roerben barf. An manchen Bibliotfjefen mirb nach bem 
©öttinger Borbilbe ™ bem Übelftanbe, bafc infolge ber 
Häufung gleichnamiger Autoren an toielen (Stellen ber Sßla£ 
leicht ju enge roirb, baburch abgeholfen, bafj man für jeben 
Berfaffer ein eigenes Blatt in bie Äatalogbänbe einlegt, bem 
nach Bebarf ein jmeiteS Blatt ^tn5ugefügt merben fann. 
2>er ©ebanfe, ben einzelnen Berfaffer auf biefe SSeife unab* 
hängig Don feiner Umgebung 511 machen unb einer Überlabung 
ber ©eiten mit einer übermäßigen ßa^t öon Berfaffernamen 
unb Bücf)ertiteln bor^ubeugen, berührt fich bereits naf)e mit 
bem ©runbgebanfen beS ßettelfatalogS, mir fc n g ^i er noc jj 
ein©chritt roetter gegangen unb jebem SSerfe ein bef onbereS 
Blatt jugemiefen mirb. 3>m übrigen gilt Dorn Banbfatalog 
alleS baS , ioaS mir früher in Be^ug auf bie Kataloge im 
allgemeinen bereits ermähnt höben, bor allem, bafc bie Site! 
recht leferlicf) gefdjrieben roerben unb namentlich bie Berfaffer* 



Digitized by Google 



192 



3tücitcr Zeit, »om Söürtjcrföafc 



namen fidj in mögtichft beutlicher ©djrtft abheben, bafc ba§ 
5ur SJermenbung gelangenbe Rapier gut unb ber ©inbanb 
mögtichft bauerljaft fei r um rafche Abnü&ung $u behüten, 
bog enblidj baS gormat auS einem noch bequem hebbaren 
golio beftelje, melcheS bie Überfidjtlichfeit erleichtert unb 
jugleicf) rafdfjeS ^luffc^tagen nicht erfchmert. 

$)ie allgemeinere (Sinfütjrung beS $tttMatatoq$ tft toer- 
hältniSmäßig jungen 3)atumS. 2Han hulbigte früher ber aud) 
im Sate<hiSmuS auSgefproctyenen 2lnftdf)t, bafc bie £itel* 
abtriften auf ben einzelnen ^Blättern ober Betteln eigentlich 
nur als bittet jur Anfertigung ber gebunbenen Kataloge $u 
bienen f)ätten unb bajs bie befcfjmerliche unb jeitraubenbe 
33enu£ung beS 3ettetfatatogS ein $ftacf)teil fei, ber, in 93etrad)t 
beS 3^cfeg ber Kataloge, bie ja bocf) nicht blofc baS ginben 
ber $öücf)ertitet, fonbern bezüglich auch baS (Schnell* unb 
fieid^tfinben berfelben mit Vermitteln füllten, erfjeblicf) genug 
er f feinen müffe , um fid) nicf)t für eine SSebor^ugung beS 
3ettelfatalogS toor bem gebunbenen $u entfcheiben. GS fei 
baljer unter allen Umftänben münfdfjenSmert , bie SWü^en 
unb Soften, melcfje baS tlmf djreiben ber Sitelfopien Von ben 
lofen blättern in ben gebunbenen Satalog erfordert, nicht $u 
freuen. 2)abei mar jebod) im ÄatedjiSmuS bereits barauf 
bingemiefen, baft man ficf) aber auch nidjt etma berSWeinung 
Eingeben bürfe, als ob, fobalb nur einmal biefeS Umfc^reiben 
ber £itelabf djriften gan$ öotlenbet fei , unb bie SMbliotfjef 
tt)re fämtlicf)en gebunbenen Kataloge befifce , bie Titelblätter 
bann überflüffig mären unb , mie eS hie unb ba mofjt $u 
gefcheljen pflege, ber Vernichtung preisgegeben »erben f önnten ; 
eS mürbe bieg im ©egenteil als etmaS fefjr Übereiltes unb 
Unbef onneneS 5U bejeidjnen fein. $)ie Sitetabfchriften auf ben 
lofen blättern behielten — fo mürbe meiter ausgeführt — 
aucf) neben ben gebunbenen Katalogen immer noch ifjren 
Söert unb mürben, obgefefjen bafcon, baß fie als eine Art 
jmeiteS (Syemplar beS miffenfd)aftlid)en fiatalogS nötigen* 
falls jur Aushilfe gebraust merben fönnten, namentlich bann 
fcl)r erfpricftltdje $ienfte leiften, menn fiel) im Saufe ber3eit 



Digitized by Google 



«iertc* Äopttet. ®on ber (Einrichtung be3 ©iictjerfcfiofee*. 193 



ober infolge beränberter Anfidjten über bie 3toecfmäßigfeit 
ber 2lnorbnung einer SMbliotfjef eine Umgeftaltung berfelben 
ober minbeftenS einzelner Seile nötig machen foHte. 3n einem 
folgen galle würben bie Titelabf Triften auf ben lofen ^Blättern, 
wenn man fie früher bernichtet hätte, bon neuem angefertigt 
iberben muffen , um mit ihrer $ilfe bie Umgeftaltung ber 
33ibliothef unb bie baburch mit bebingte Anfertigung ber 
neuen Kataloge borjunehmen. SBenn man nun aber einmal 
bie einzelnen Settel aufbewahrt, bann liegt eS bod) gewiß nahe, 
biefelben nid)t bloß für ben immerhin feltenen Sott einer 
etwaigen gan$en ober teilweifen Stfeufatalogifierung jurücf* 
aufteilen, fonbern fie bei ber Sorgfalt unb ©enauigfeit, wo* 
mit fie angefertigt würben, auch ber regelmäßigen ©enufcung 
^ujufü^ren, borauSgefefct natürlich, baß baS ba$u berwenbete 
Rapier unb bie 2trt ihrer Aufbewahrung eine folcfje bauembe 
unb allgemeinere Senufcung überhaupt ermöglicht, waS eben 
wünfcf)enSwert ift. SSon bornljerein jurücfjuweifen ift jeben* 
fatt§ auc^ &er S3orfchlag berer, welche angeraten haben, bie 
Sitelabfc^riften gleich ben gebunbenen Äatalog, ftatt abau* 
fchreiben, einf (eben ju laff en. SDennobfchon baburch bie Soften 
beS AbfdpibenS erfpart, bie ©efaljren, benen ein 3ettelfatalog 
in betreff ber möglichen Unorbnung auSgefefct ift, bermieben 
unb bie £erftettung beS gebunbenen ÄatalogS in fixerer 
3eit als auf bem SBege beS $lbfd)reibenS ermöglicht werben 
würbe , weil bog Auf tleben weniger $eit bedangt als ba» 
Abtreiben , fo gehen bod) bie Titelblätter für etwaigen 
fpäteren ©ebrauch gleichfalls berloren. ÜberbieS ift nicht ju 
überfehen, baß ein f oldjer gebunbener Satalog mit eingellebten 
Titelblättern weit fdjwerfälliger als ein abgetriebener 
werben unb beShalb für ben ©ebrauch auch unbehilflicher 
fein muß. 

Slußerorbenttich mannigfaltig finb bie ÜRittel unb SBege, 
bie man erfonnen hat, um eine ftcfjere unb bequeme £>anb* 
habung beS $ettelfatalogS herbeizuführen 127 , gaft jebe 
Sibliothel befifct in biefer ^Beziehung ihre eigene @tnrid)tung; 
boch fcheint eben biefer Umftanb, baß bisher noch 'eine biefer 

öracfet, $tbliotf>e!8le&re. 13 



Digitized by Google 



194 



ßiucücr Seit. SJom 33ü{fjerföfl&. 



(Einrichtungen fidj ju allgemeinerer ©eltung fiegreid) burd)* 
jurtngen bermocf)te, bafür 511 fpredjen, bog ein mirflich nad) 
aßen ©eiten hin befriebigenbe§, unanfedf)tbare§ 9Kufter nod) 
immer ber ©rfinbung ^arrt, wenn auch biefer ober jener 
$hifbetttfjrung§mobu$ bon ben einzelnen Anftalten al§ 
befonberS praftifd^ unb empfehlenswert gerühmt werben mag. 
Unb wenn e3 nad) Setyffer feine S^Qe ift, baß nid)t ber lofe 
3ettelfatalog ober ber fefte 93udjfatalog, fonbern irgenb eine 
fombinierte gorm ber Katalog ber 3^funft fein wirb, fo ift 
eben jene fombinierte gorm ba£ SHätfel , wetd)e§ nod) einer 
enbgültigen Söfung ^arrt. 3 U berücfftd)tigen wirb babet 
freiließ ftetä fein, baß, wa$ an einer Keinen SSibliotljef burch* 
führbar ift unb fid) ^äufig auch toofjl bewährt , an großen 
SBücfjerfammlungen oft bei bem erften 33erfucf)e fc^eitert. &u§ 
ber Sftenge ber gebräuchlichen Vorrichtungen wollen mir im 
folgenben nur einige 33eifpiele herausgreifen , »eiche geigen 
foUen, wie berfd)iebenartig biö^er Verfahren worben ift. 

3iemtich Verbreitet ift ber SBraucf), bie au§ fteifem Rapier 
beftehenben 3ette( in Sßappfäften, welche ber ©röße ber Settel 
angepaßt finb ober in entfpredjenbe Abteilungen zerfallen 
unb beren Werfet unb Vorbereite jurücf* be$. herunter* 
gefchlagen wirb, liegenb ober fteljenb lofe aufzubewahren. 
3ur (Erhaltung ber aufrechten ©teßung ber 3ettel empfiehlt 
e£ fid) nach Sortüm bie Säften burch mehrere in fleinen 
galjen toerfd)iebbare3infbledE)tafeln in öerfdjiebene Abteilungen 
5U fcheiben. Um jebe Unorbnung ber Qettel 5U öerfjinbern 
legte, wie ^jia^fo berichtet, auf ber SSerfammlung ber eng- 
lifchen Vibliotljefare in Ojforb Sftr. Powell au£ Stoerpool 
bie Sßrobe eineS in einem Saften aufbewahrten 3ettelfatalog3 
öor, bei welchem bie Settel burd) eine an ber ©eite fjinburd)* 
geführte bünne ©djnur (bezüglich $)rafjt) zusammengehalten 
würben, jugleicf) aber an ber gleichen ©teile je einen fdjwer 
fich öffnenben ©chlifc nach kern nädjften Kanbe hatten, burch 
welken einzelne 3ettel ohne Störung be£ ©anjen herauf 
genommen unb neue ebenfo eingefügt werben fonnten. ©ehr 
richtig macf)t jebod) ^ia^fo barauf aufmerffam, baß burch 



Digitized by 



»iettcS Äopitet. Son ber öinri^tunfl beS SüdjcrföofccS. 195 



eine fotc^e Einrichtung bie Herausnahme bon Betteln feitenS 
Unberufener jroar erfdjroert, aber nidjt berljinbert, überbieS 
ba§ SDJaterial ber Settel $u ftarf in Slnfprudj genommen 
roerbe. Üftach einer 93emerfung toon Sortüm ftnb unter 
anberen in ben Sibliotfjelen ber (Sorbonne ju SßariS unb 
ber ©uilbhaff ju Sonbon bie Settel mittels burchgeftecfter 
unb angefd)Ioffener Eifern bej. fö^efftngbrä^te in ben Säften 
an einanber gereift. SSerroanbt bamit ift bie Einrichtung, 
meldte Set)ffer 12S 5unäcf)ft proberoeife, aber, roie er betont, 
mit gutem Erfolge, in ber Stabtbibüothef 5uSötn eingeführt 
hat unb bie er folgenbermafcen fdf)itbert. 3)ie Satalogjettel 
O.20 m breit, O.n m $o<fy t)on leidstem, gelbgetöntem Sarton, 
tiniiert, finb an ber Sorberfeite ihreS unteren SftanbeS 
mit einem O.02 m breiten Streifen gefteifter, fog. „Satfier* 
leinroanb" beflebt unb genau in ber SWitte biefeS ©treifenS 
mit einer runben Öffnung Don O.01 m 2>urchmef|er öerfe()en; 
eine ebenfoldje Öffnung ift an ben entfpredjenben Steffen ber 
jßorber* unb ber Sftücfroanb ber ^öt^ernen Satalogfäften 
angebracht. ©obalb bie 3 e ttel georbnet aufregt im Saften 
ftehen, roirb eine ftarfe runbe ©ummifchnur, an beren einem 
Enbe ein 2Retafffnopf toon O.oiöm $urchmeffer angebracht 
ift, mittel einer taugen eifernen 9?abel burch S^tet unb 
Saften hinburchgeführt unb in eine unter legerem — bie 
Säften taufen auf Sufen — beftnbliche h^^5 erne Stammer 
eingeflemmt, roätjrenb ba§ toorbere Enbe burd) ben Snopf 
außen feftgefjalten roirb. ®te Salfierteinroanb fafert nicht 
unb ift bei normalem ©ebraudEje beS SatatogS fräftig genug, 
um ein gerreißen ber 3^tcl 31t hiubern, 5U beren Schonung 
bie nachgiebige ©ummifchnur überbieS noch beiträgt. $8et 
benjenigen Abteilungen beS SatalogS, für tt>elcf)e aufbefonberS 
ftarfen 3 ull?a ^^ 5 U retf) nen ift ^ IX ^ ^ er referöterte SRaum 
burch gelochte güffpappen tum ber ©röfee ber 3e ttet unb einer 
SDidfe toon 5 mm auSgefüfft. 

©jtafrfo»™ hat an ber Söniglicf)en unb UntoerfttätS* 
bibliothe! 311 93re£(au at§ Schujjmittel für bie in hötjernen 
Säften aufbewahrten unb aufrechtftehenb an einanber gereihten 

13* 



Digitized by Google 



196 



fettet ein auS bünnen ©tabuen gebilbeteS ©itter erprobt, 
welches in bcn obem jfianb ber 3e*telfäften eingelaffen wirb 
unb beffen ei^elne Öffnungen oon fo beträchtlicher SBette 
finb, bafc baS ^Blättern unbfiefen in ben barunter befinblichen 
3etteln burdjauS nicht gefjinbert, wohl aber bie Herausnahme 
einc§ folgen unmöglich gemalt wirb. $)er gefamte Settel 
fatatog ber genannten $3ibliotf)ef ift ferner nach S^iafcfoS 
Söefdjreibung in<3chränfen aufbewahrt, meiere als <3tef)pulte 
eingerichtet finb unb je 21 ©djublaben in brei 9teif)en über* 
einanber aufweifen. 3n i e ber Sabe fönnen etwa 1450 Settel 
toon gan$ fteifem Rapier bequem untergebracht werben. $>ie 
(Sc^ublaben höben je eine bewegliche 9iücfwanb, welche nach 
üDhfcgabe ber eingelegten 3?ttel bor* ober jurüefgefchoben 
Wirb, ©ine ftarfe ^ol^feber hebert baS völlige Slu^iehen 
ber ©chublaben ; ber hinterfte Seil berfelben, bis. $u Welchem 
jene Sftücfwanb gefchoben werben fann, bleibt nämlich immer 
leer unb im inneren beS SßulteS , um baS ©ewicfjt beS cor* 
beren SeileS, wenn er ausgesogen ift , ju fcerminbem. 2n 
Seiben reichen nach ®ortüm bie in ber äftitte burch eine fefte 
(Scfjeibewanb getrennten ßettelfäften burch bie 80 cm tiefen 
Sifche hinburdj unb fönnen öon beiben ©eiten eingefehen 
werben, ohne baß ein ^erauSnehmen ber Saften nötig ift, ba 
ber im Stifdje ftecfenbe Seil baS ©egengemidjt bilbet. 

3>n ©iefcen würbe neuerbingS auf SBeranlaffung beS 
bortigen €berbibliothefarS|jaupt 130 eine ffatalogfapfel neu 
fonftruiert unb auf ber UnioerfitätSbibliothef eingeführt, 
welche nach bem ©enannten folgenbe ©igentümlichfeiten 
befi&t (f. gig.26). 

$)iefelbe ift 18 cm hoch, 15.5 cm breit, 15 cm tief, auS 
grauer ^ßapierpappe Verfertigt unb an ben Santen mit 
Äalifoftreifen eingefaßt. $uS ben jwei feftftehenben ftarfen 
©eitenwänben (oon 0.- cm 2)icfe) laffen fid) bie SJorber* unb 
SRücf feite ber Sapfel burch fch wabere mit ftarfen Seinenbänbern 
befeftigte (Seitenflügel ein* unb auSfdjieben, fo bafc SSorber- 
unb $ücffeite für fid) bewegt werben fann. £er $)ecfel ift 
an ber SHücffeite befeftigt, fchliefet ftaubfidjer unb ftefjt, wenn 



Digitized by Google 



3?ierte§ Äopitcl. SBon beu (Jinri^tung beö ©üd)erfc§afee8. 197 



bie ^intermonb angezogen ift, fenfrecf)t auf ber ©tanbort£* 
flädje ber Äapfel auf, für bie Sftürfroanb fo augleid) eine 
©tüfce abgebenb. $ln ber SSorbermanb ift ein ftarfeS Seinen* 
banb in ben ^appcnberfel eingelaffen , um als ^anbfjabe für 
ba3 £erabnef)men ber Stapfein bon ben ©efteßen ju bienen. 
3>nbem e§ burd) bie 93eroeglicf)feit ber$8orber= unb Üiücfroanb 
möglich roirb bie ffatalogblätter, welche ftet§ in jmei gefonberte 
©ruppen au§einanberfatten, in ber bequcmften28eife5uburd)' 
blättern, ift bie SBerfudjung, einzelne 93Iätter ben Sapfeln 
entnehmen, faft au§gefd)toffen. Um jeborf) gan$ fidler 5U 
gefjen, ift auf bem Werfet jeber Stapfei nodj ein Settel mit 
ber gebrucften SMaljming angebracht, ba3 £jerau§nef)men ber 
Settel ju unterlaffen. 




Aia. 26. AiatnlonfaiMcl ber lliiiucrütiiiobiuiiotlicr $!t ©ic&nt. 



üftad) bem Sßorbilbc Don SRarburg werben an ber Untoer* 
fität£bibIiotf)ef $u§atte, roie bie££).£)artiuig bef daneben 
^at, bie Settel in ^Särf d^en jroifdjen 5tuci ftarfe blaue Rapier« 
ftreifen bon gleicher ©röfce aufeinanbcrgelegt unb bann an 
ifjrem unteren drittel mit einem bauerfjaften 53anbe, an bem 
fid) eine ©djnaHe befinbet, feft jufammengcfrfjnürt. 91uf bem 
oberen blauen ^appbeefet fteljen auf einem meinen aufgelebten 
Rapier bie SlnfangSbudjftaben ber (Sdjlogiuorter be§ erften 
unb legten ber in bem Ratete befinblid)en Settel. $)ie ©tärfe 
biefer $afete ift im SKayimum burd) bie $öf)e ber oblongen 
^appfäften beftimmt, in benen fie aufbemafjrt merben. 

JUlUi 

-erben. 



198 



3iudtcr Zeil. SJom SBiicf»crfc^a^. 



5)iefelben finb ber 93rctte unb Sänge ber 3ettcl entfpredjenb, 
außen 215 mm lang unb 95 mm tjod), eben fo breit. 3)ie 
^afete Ijaben babei im Innern genügenben (Spielraum. $)er 
Saften ift nur an brei (Seiten gefcfytoffen, unten, berSopffeite 
gegenüber, offen, jum (£infd)ieben be£ $afet§. 2lm Sopfc 
be£felben finb nad) außen mit toeitfidjtbaren $atentbudf)ftaben 
bie (Schlagwörter angebracht, roeldje aud) ba§ Sßafet im 




rtiß. 27. Mepofitorium fär ben ^ciicifnmion ber ituiucriiiät^ibltotljcf 311 

•volle n. b. 6* 

Snnern trägt. 3>iefe Säften, bon benen bie obere unb untere 
(Seitenfläche an bem offenen (£nbe ctroag au§gef dritten finb, 
bamit ba§ im Saften flccfenbe ^Jafet leicht 5U greifen unb 
Ijerau§5U5iet)en ift, finb in einem Ijöljernen SKcpofitorium 
alpfyabetifd) aufgefteflt, fo baß in jebem flehten, burdj bünnc 
Jörcttdjcn getrennten 3ad)e ein Stäfttfjen fijjt (f. 8tg- 27). 
$a§ Diepofitorium, u)cld)c§ für 450 Stifteten ^ia[s Ijat unb 
uod) beliebig erweitert werben fann, bebceft an ber SSaub 



Weites Äopücl. ©ou t*r (Stundung te$ ©ücfcrfcfafreS. 199 



be£ ©CQmtcnjimmerS eine Stäche bon I.33 m $öfje unb toon 
5.125 m Sänge unb ift O.23 m tief, ffiin tooHftänbig ähnliches 
ift mit einem jmeiten ©jemplare beS 3^^e(fota(og§ im Sefe* 
faale für ba£ 5ßublifum aufgeteilt. 

SBir begnügen un3 mit biefen 93eifpielen, um mit einer 
furzen Semerfung über Rapier unb ®röj$e ber Settel biefeu 
Slbfdhnitt bem ermünfe^ten Schiffe ju^ufü^ren. gür jebe 
$lrt ber Settel, feien e3 fteife ober biegfame, ift bie befte 
©orte Rapier gerabe gut genug. 3e ftärfer bie borauS* 
jufefeenbe Senu^ung ift, um fo forgfältiger ift bie Rapier* 
frage bor Inangriffnahme ber Sfatalogifierung in ©rtoägung 
5ujie^en, wobei ber ffoftenpunft ftetS eine untergeorbnete 
SRotte fpielen follte. $ln einzelnen 93ibliotf)efen ^at man für 
bie 33ertt)ei§5ettel farbiges 5ßapier gewählt, um jene fdjon 
äußerlich ben ^aupt^ettetn gegenüber fenntlid) $u machen, 
ein Verfahren, meines manches für fid) l)at. SBaS bieöröße 
ber 3^tel anlangt, fo ift biefe nid)t minber öerfdjieben als 
bie $lrt unb SSeife ber Aufbewahrung. SBenn ffet)ffer eine 
©röfce Don 0.i4 — O.15 m 5U 0.9 — O.io m auf alle gälte für 
auSreidjenb fjält, fo geht er öon ber auSbrücflichen SReinung 
auS, „bafc bie Sitel meift gefügt gegeben unb bibliograpfjifche 
Üfto^en faft regelmäßig fortbleiben fönnen". SSo hingegen 
auf bie mögltchft genaue SSiebergabe ber Site! fowie auf bie 
nötigen (Ergänzungen befonbereS ©ewidht gelegt wirb, ba barf 
natürlich auch Umfang ber Settel nicht attju bürftig 
bemeffen werben, falls man nicht mit bem Verfügbaren 
Sftaume in Verlegenheit fommen, ober ben SluSweg, für ein 
SBerf mehrere 3^ttel $u berwenben, at^u häufig befreiten 
foll. @iu einheitliches Settelformat hängt eng ^ufammen 
mit ber Srage einer einheitlichen StufbewafjrungSweife. Vor* 
läufig hält noch manche Vibliothef O.20 m Sänge unb O.15 m 
Vreite für baS richtige 3Wa§, wäfjrenb beifpielSweife amerU 
fanifcheSBibliothefen noch nicht einmal bie $älfte jeneS SRafteS 
für auSreicfjenb unb 3Wecfentfprecf)enb erachten. 



Digitized by Google 



200 



3tt>etter ZtiU 9?om ©ücfcrfc$afe. 



©inb bie bret llniberfalfataloge fertig, bann fommt bie 
$fteif)e an bte ©peaialfataloge, $u benen, fomeit e§ fid) um 
gebrucfte 33üd)er Ijanbelt, in erfler Sinte ber ^nfunabeln- 
f atalog gehört. Söir Ijaben bereite oben, wo fcon ber Sata- 
logifierung ber 33üd)erbeftänbe im allgemeinen bieSRebe tvax, 
barauf I)ingettriefen, bafc bie Snfunabeln eine eigene 93efjanb= 
lung für fid) erforbern unb ba§ bei ifyrer Seraeidjnung einige 
befonbere SBorfdjriften genau $u beachten finb. ß3 fjat bie§ 
barin feinen ©runb, baß jene fogenannten SBiegenbrucfe toor 
allem einen Site! im heutigen ©innebe§ SB orteS nid)t befi^en. 
$lHe§, toa§ ju einer genauen Satalogifierung eine§ folgen 
93udje§ (Saf. 5) nottoenbig ift , mufc fidj baljer ber $ata* 
togifierenbe in jebem einzelnen gatte oft müfjfam gufammen- 
fuc^en unb ben Settel baneben unter 93eiljilfe bibliograpfjifdjer 
SBerfe nod) forgfältig ergäben. $)ie auf bie £erfunft be§ 
S3ud)e§ bejüglidjen $5aten finben fid) meiften§ in ber ©djtuß- 
fdjrift (Solomon, SHubrum) angegeben, toeldje aber burd)au§ 
nitfjt immer fcoüftiinbig ift, nrie benn aud) bie 93latt* unb 
(Seitenzahlen, ©ignaturen, Suftoben, Kolumnentitel :c. tjäufig 
lueggelaffen unb bie neuen Auflagen feiten genauer gefenn* 
Zeichnet werben, gerner toerurfad)t bie geftftellung be§ 
gormateä oft große ©djnnerigfeiten, ba man in jener Seit 
bie Söredjung be§ 33ogen3 nocf) nidjt fannte, roätjrenb bie 
einzelnen Sagen toieberum felbft in einunbbemfelben SBuc^e 
fid) burd)au§ nid)t immer gleichbleiben. £)er Üftame be§ 
SerfafferS enblid) ift, fotoeit er fid) nid)t im Rubrum an* 
gegeben finbet, balb in ber SBorrebe, balb in ber bie ©teile 
jener bertretenben ©piftel ober am ©djluffe beiber unb unter 
Umftänben aud) be§ bem £e£te borangefjenben 9?cgifter§ ober 
aud) im £e£te felbft ju fudjcn, wobei Sertürner ober Unbeut* 
lidjfeiten in ber Nennung be§ $8erfaffer§ nid)t au§gefd)loffen 
finb. §äufig aber wirb man tro£ alle§ ©ud)en§ ben tarnen 
ntd)t im ©ud)e felbft, fonbern nur auf bem Söege biblio* 
grapf)ifd)er 9?ad)forfd)ung ermitteln fönnen. £abei tturb 



Digitized by Google 



SBierieS ÄQfcitet. 5?on bcr eittridjtuno be8 »üdjcrfdjafceS 



201 



1. 3luBTüfjrltrf|f Birtfjrtibuitp. 

F. Terentii Afrl Comoediae cum Aelii Donati gramraatici inter- 
pretatione. Venetiis, Andr. de Asula et Bartholom, de Alexandria. 
1483. fol. 

VrDvi\ox\\d>t Buinnwr: 283. 

V. Hain 15394. - F. 1 a (c. sign, aii) „TERENTII VITA || 
() VBLIVS TERENTIVS AFER CARTHAGINE NATVS: 
SERV1V1T RO ;| niae" etc. Vitam seq. notitia de comoedia 
etc. ; f . 3 b „AELII DONATI GRAMMATICI CLARISS1MI. 
SEX. P. TERENTII AFRI || COMOEDIAS EXAMINATA 
1NTERPRAETATIO. ij" Deinde post 3 lin. comment. 
„ANDRIAE PROLOGVS. !| POETA Quum primum animum || 
Ad /cribendum" etc.; f. 125 a „Pubiii Terentii aphri poetse 
comici über foeli i| citer explicit: ac eiu/dem poetai uita 
Venetiis |j impre^a impendio diligentiaq3 Andrea? de |j A/ula: 
Bartholomeiqs de alexandria /bciorft j| Anno /alutis domin ic». 
M. CCCC. LXXX || III. pridie nonas decembris." Eod. f. a 
registr. et inngn. typogr. f. r. cb. maj. et min. c. /. text. a 
comment. circumd. 45 1. text. 62 1. comment. 125 fl". — 2bbb. 
(4V 2 3K- ontiquor.) 

2. Hbflfhfirjfe BErrijwiBuna,. 

P. Terentii Afri Comoediae cum Aelii Donati grammatici inter- 
pretatione. Venetiis, Dionysius & Peregrinus Bononienses. 1485. 
fol. 

JProtriforirrij* Bumnur: 284. 
£o tok bei Hain 15396. — Öbbb. (3 3». 9lult.) 

Xof. 5. $robe von 3nfunabcfo&efäretptfn0eit. 

£ain§ mit SRed^t gepriefeneS unb in jebem Solle, aud) tnenn 
bie gett)ünfcf)ten eingaben in bem 5U fatalogifierenben ©udje 
5U finben finb, nad^uf cf)lagenbe8 Repertorium bibliographicum 
bie auSgeaeidEjnetften 3)ienfte leifien, ba e§ fo öorjüglic^e 
SWufter ber 23ef<f)reibung toon gnfunabeln bietet, bog an* 
erfonntermofeen ber längere ©ebraud) biefe§ 93ud)e3 ben 
Anfänger beffer, als e8 irgenbtoeldje t^eoretifd)e Regeln ber* 
mögen, in bie SKetfjobe, roie Snfunabeln 5U fatalogifiereu 
finb, einzuführen geeignet ift. $ennocfy möge ber Soüftänbig* 
feit fjalber nod) auf golgenbeö Ijingetoiefen fein. 9ßäd)ft bem 
SBerfoffernamen be$. bem fad}lid)en ©ticfyroorte unb ber Angabe 
be§ gnfjalteS ift bie bip(omatifd) getreue b. Ij. bie Drtljo* 
grapse, bie Slbfürjungen unb 3eilenabfäfce ((entere burd) 
einen fenfredjten ©trid) ) beriicffidjtigenbe Slnfüljrung ber 



Digitized by Google 



202 



$lnfang§roorte be£ SejteS, foroie ber ©chluj$fchrift unb bic 
Criüäl;nung be§ SucfjbrucferaetdjenS unb ber Stjpenform 
erforberlicfj; e§ folgt bie ^Bezeichnung be£ $rucforte§, $)rucf* 
iaijreS unb beS $rucfer£; fobann ift anzugeben, ob ba§93ucf) 
Suftoben unb Signaturen 132 habe, ob e§ foliiert ober paginiert 
fei, auS tüie Dielen 93lättew ober ©eiten, bte leeren mit ein* 
gerechnet, ba3 2}uc£) beftetje, ob bic ©eite in fortlaufenben 
Seilen gebrudft, ober in jmei ober mehr ©palten geteilt 
fei, toie Diele Seifen auf eine Dolle ^ruef feite gehören; baran 
fdjüe&en fidj Sermerfe über SRubrijierung, Solorierung, über 
Miniaturen unb £anbrubrifen, über bie 9Irt be§ ©inbanbeS 
unb ©rljaltung beS betreffenben (SjemplarS, ob e§ auf 
Pergament ober Sßapier gebrueft fei, in le^terer SBejie^ung 
roomöglid) auch, jumal bei unbatierten Druden, toelche 
SBafferjeid^en 133 ba§ Rapier habe, ba bieg jur annä^ernben 
Seftimmung be§ SDatumS nicht ohne toefentlichen $Rufcen ift. 
Sin $intt>ei£ auf etwaige (Seltenheit (editio prineeps) ober 
ben $rei£ be§ $8ucf)e§ nebft fonftigen ^iftorif^4itterarifc^en 
^oti^en trnrb immer am 5ßla£e fein, desgleichen ift bie 
§injufügung ber gitate be§ ^ainfdjen 2öerfe§ ober ber 
$anäerfcf)en Annales typographici 134 ntd)t $u unterlaffen, 
unb jmar um fo weniger, aU fich einesteils, tt>o bie jur 
^Bezeichnung Dorliegenbe S"^nabel mit ber Don §ain ober 
$anjer betriebenen in allen ©türfeit genau übereinftimmt, 
bie Sttelabfdjrift, unter ^intoeiS auf biefe Übereinftimmung, 
nid)t unbebeutenb abfür^en läfst, anbernteilS bagegen, wo 
eine folche Übereinftimmung nicht Dorljanben ift, burdf) baS 
3itat eine ftete SKa^nung jur gelegentlichen geftftettung ber 
differen^punfte gegeben bleibt. 

2BaS f chlie&lich baS Drbnen ber Bettel gu einem %nl unabeln* 
fatalog anlangt, fo ift bei ben Söiegenbrurfen beren Sejieljung 
5ur ©efd)tchte ber Suc^brucferfunft ohne 3^eifel berjenige 
s 4?unft, Don bem ihre mehr ober minber grofte SBidfjtigfeit 
5imödhft abhängig ift unb um beffentmillen überhaupt ihre 
Trennung Don ben übrigen Büchern erft gerechtfertigt 
erfdjeint. ®cnn in Slnfefjung ihreS Dörflichen fritiftfjen 



Digitized by Google 



«icrtcS Äapitef. «Jon bcr Crinrtd&tunß be$ 93üdjerfcfiafre$. 203 

SSerteS , bcn man bem größeren Seile ber Snfunabeln jtoar 
gemiß nicf)t abfpredjen barf, flehen biefe gteic^mo^t mit bieten 
anberen Druden be3 fed)5ef)nten nnb ber folgenben 3>al)r~ 
tjunberte, bie man aber beStyalb bod) nitf)t öon ben übrigen 
Söüdjern abreibet, auf jiemlid) gleicher ©tufe. 3)arum 
möchte aud), mie SRolbed) treffenb bemerft, jene SBejiefjung 
ber SSnfunabeln jur ©efd)id)te ber 23ud)brucferfunft als ber 
allein richtige ©efidjtSpunft angefef)en merben müffen , öon 
bem man bei i^rer Drbnung au^ugeljen f)at. 2lm ametf- 
mäßigften mirb e8 in biefer SRücffidjt fein, $uerft biejenigen 
Snfunabeln, bereit $)rucfer unb $)rucfort fidler befannt 
finb, öon ben unbefannteren ab5utrennen unb fobann — 
mäljrcnb öon ben lefcteren, in ©rmartung bcr öon ber SBiffen- 
fd^aft barüber fpäter nod) $u gebenben 2lufflärungen unb 
Erläuterungen, bie batierten einftmeilen in djronologifdjer 
unb bie unbatierten in alptyabetifcfyer {Reihenfolge 5ufammen= 
gefaßt merben — bie erfteren nad) $)rucf offenen, fo gut e3 
angefjt, djronotogifd) ju gruppieren, unb biefe ©ruppen mieber 
geograplu'fcf) ju orbnen, mobei ba§jentge Sanb, meld)eS bie 
ältere $)rucfoffiäin aufaumeifen ^ätte, ftetS ben Sänbern mit 
jüngeren ^rucfoffijinen öor anstellen märe. Sluf btefc 
Sßeife würbe man ein red)t beutlicfye$ 93ilb öon bem ©ange 
erhalten, ben bieSuc^brucferfunftbeii^rererftenSluSbreitung 
öon einem Sanbe jum anberen genommen hat. $lllerbing§ 
wäre für ein fotdfjeS Serfaljren eine in möglicher SSoßftänbig* 
feit.öorljanbene 3>nfunabelnfammlung bie notmenbige 33orau§~ 
fefcung, bie freilief) nur feiten eintreffen bürfte; in allen 
fonftigen gäHen mirb baljer bie Crbnung na$ ber alpfja* 
betifdjen golge ber Sänber unb innerhalb biefer ber ©tobte 
öoraujietjen fein. $)ie ^o^tafelbrucfe ober £i)lograpl)en orbnet 
man füglid) öor ben ^nfunabeln unb mofjl am ridjtigften 
nad) ber mutmaßlichen Zeitfolge ifjrer (Sntftefjung. 

$laü) ^erftellung eines folgen topograp^ifc^en ^nfunabeln^ 
fatalogS mürben bie baju öermenbeten 3ettel 5U einem alpf)a~ 
betifdjen 3^ttelfatalog ber Sßiegenbrurfe ju bereinigen fein. 
3D?an f)at baneben nod) SSeraeidjniffe ber unbatierten unb 



Digitized by Google 



204 



Breitet Seil. SBom «ildjerföofc. 



ber nur teifroeife batierten 2)rudc, ber nidjt 5tt>eifello§ 
beftimmten unb ber gan^ unbeftimmten 2)rude, ber £)rucfe 
toon befonberer (Seltenheit, inSbefonbere je ein Vermeid)* 
ni§ ber Sßergamentbrurfe unb ber fünftlerifd) befonber§ 
auSgeftatteten $)rutfe, ferner ber inhaltlich befonberS mer!* 
roürbigen $)rude, ber ttypographifd) Ijertoorragenben $)rude, 
ber ©inblattbrude unb enblid) einen ©pradhenfatalog b. h- 
ein Verzeichnis ber 3nfunabeln nad) ber ©prad£)e be$ Seyte§ 
in 33orfd)lag gebraut. 2Bo, tüte in Seiben, bie getriebenen 
Settel gebrueft unb jum @ebraud)e ber Sibliotfjef in einer 
^In^al)! Don (Exemplaren abgezogen werben, ba ift bie 
53ef Raffung folc^er (Einaelberjeichniffe überaus einfad) unb 
leicht, namentlich roenn man fie in gorm bon Heineren Settel* 
f atalogen anlegt. Sibliotljefen bagegen, welche fich auf bie 
auSfchliefcüch hanbfdf)riftliche $erftellung ber Settel befdEjränfen 
— unb biefeS Verfahren bilbet bie Siegel — , bürften burdj- 
fcfjnittlidE) roohl feiten in ber Sage fein, fo meitge^enbe 
Slnfprüdje in Vejug auf eine einzige Slaffe bon 93üd)era $u 
befriebigen. 

3)enn gar mannigfaltig finb aufserbem noch bit Vebürfniffe, 
tt)eld)e in Ve§ug auf ©pecialfataloge an fie herantreten. SSo 
Supferftiche 1:i " j unb $ßorträt§ 1 ™ in größerer Qa^i Dorhanben 
finb, werben befonbere SSer^eid^ntffe biefer notmenbig fein; 
too Sanbfarten eine reichere Vertretung gefunben höben, macht 
fich ^äufig auch bie gorberung nach einem eigenen ffiatalog 
berfelben immer bringenber geltenb. ©aju fommen an ben 
größeren Vibliotfjefen, abgefehen Don ben £)oubletten* unb 
Sefeftenliften , roeld)e nicht eigentlich hierher gehören, ein 
VerjeichniS ber öorhanbenen Seitfdjriften 1: * T , tt>eld)e§ r>kU 
fach für ben ©ebraud) be§ SßublifumS gebrudt roirb , ferner 
ber Programme unb $)iffertationen, f ofern biefe für fid) auf* 
geftetft finb, unb — last not least — ein Katalog ber 
£anbfd)riften. 

Über bie Vefjanblung ber ©<huIprogramme unb ber 
3)iffertationen herrfdjen unter ben ©ad)toerftänbigen noch 
immer berfdjiebenartige 2lnfid)tcn. 2öäf)renb bie ©inen ber 



Digitized by Google 



«iert«* ffnpttct. SSon ter Einridjtung bc§ »iicfcrföafeeS. 205 



gefonbertenäufftettung beiber baSSSort reben, weil fonft ber 
wiffenfchaftlicfje Katalog namentlich burd) bie £)iffertationen 
eine Überlabung mit jumteil minberwertigem äKateriale er= 
fahren würbe, befürw orten bie Änberen bie boßftänbige ©inber* 
leibung berfelben unter bie übrigen SBüd)er unb ihre Aufnahme 
in ben allgemeinen 9teal!atatog. hierbei oerurfacht Wieberum 
bie grage, wie bie Programme innerhalb be§ festeren unter- 
jubringen feien, erneute ©chwierigfeiten. $>a biefelben nämlich 
au§ $ wei bon einanber bottftänbig unabhängigen Seilen befielen, 
f o muß notwenbigerweife ber eine Seil bei ber SluffteQung ju 
furj fommen, inbem man entWeber bie Scf)ulnad)ricf)ten bei- 
feiteläßt unb bie Programme bemjenigen tntffenfd^aftHd^en 
gad)e juwetöt, ju welchem bie barin befinblid)e Slbhanblung 
gehört, ober aber biefe nicht berücf fichtigt unb bie Programme 
ju ben einjelnen ©d)ulen fteHt. gür ba§ erftere Verfahren 
hat fid) S. görftemann in ber SBeife erflärt, baß er bie 
©chulprogramme in Ratete gefd)nürt ben einzelnen wiffen- 
fchaftlichengächern am©chluffe angereiht wiffen will, wäfjrenb 
3- Sßefch°lbt * n e ^ ner 35efpred)ung be§ görftemannfehen 
SJorfchlag§ bafür eingetreten ift, biefelben in ber Sßäbagogif 
bei ben bezüglichen ©chulanftalten flehen 5U laffen, ba fie eben 
ffunbgebungen ber (Spulen über ihre gefcfpchtlichen, ftatiftifchen 
unb f onftigen SSerhältniffe feien unb f elbft bie wiffenf chaftlichen 
^Ibhanblungen nur al§ documenta eruditionis ber Sehrer 
betrachtet werben müßten, au3 benen ftd) ber wiffenfdjaftliche 
©tanb be8 betreffenben £ef)rerfolIegtumg unb bamit ber 
betreffenben Slnftalt beurteilen (äffe. 63 ift jeboef) nicht ju 
leugnen, bog biefe lefctere ©rflärung etwa§ ©efünftelteS an 
fich trägt; benn bie wiffenf chaftlichen Slbhanblungen ber 
Programme h a &en jweifelloS im £)urchfchnitt eine höhere 
als jene rein äußerliche unb totale SBebeutung. 2)aß , wenn 
man fie auSfchließlicf) jur Sßäbagogif fteflt, bie übrigen 
gädjer, wenigften§ jumteil, empfinbliche SSerlufte erleiben, 
barf als eben fo gewiß angefehen werben wie e£ anberfettS 
bebauertich erfcheinen müßte, wenn bie einjelnen Programme 
einer Slnftalt bei ber au£fchließlichen9tücffichtnahme auf ihren 



Digitized by Google 



206 



Sttictter Teil. SBom Südjerfrijafc. 



Snljalt innerhalb ber öerfdjiebencn Abteilungen ber SBiblio* 
tfjef 5erftreut mürben, üftun giebt e§ oUerbing§ nod) ben 
2Iu3meg, für bie tüiffenfc^aftlic^en Abfjanblungen befonbere 
Unter5ettel fdjreiben, metdje für bie gädjer al$ 33ermeife 
5u toermerten mären, mäljrenb bie Programme bei ber 
Sßäfcagogif bleiben fönnten. (Sotten ober Programme unb 
$)iffertationen jugleidfy eine folcfje Söefjanblung erfahren — 
unb man mirb bod) audj bie SDiffertationen gern bei ben 
einjelnen Uniberfitäten gebammelt fef)en — , bann mürbe ber 
miffenfd)aftlid)e Katalog ganj außerorbentlid) meitfcf)id)tig 
anjulegen fein unb burdf) jene ßitteratur bielfadj gerabe^u 
übermucfyert merben, jumat neuerbing§ ju bem nationalen nod) 
ber internationale AuStaufd) ber $)iffertationen fjinaujutreten 
begonnen tjat. 5lu§ biefen ©rünben fdjeint bagjenige 93er* 
fahren, meld)e§ ben Programmen mie ben ©iffertationen 
eine eigene Aufteilung guteit merben läßt, ba£ angemeffenfte 
5u fein. Wlan fdjeibe bie Programme nad) ben Anftalten, 
bie $)iffertationen nad) ben Uniöerfitäten unb innerhalb 
biefer nad) ben gafultäten ; für bie ©tyftematifierung beiber 
mögen gute gebrudte Ser^eic^niffe forgen. gür bie Anlage 
ber $)iffertionenfataloge ift neuerbing§ eine große Erleid)* 
terung baburd) gefd)affen, baß Don ben offiziellen Serjeid^niffen 
ber beutfdjen unb fran^öfifc^en afabemifdfjen ©cfjriften ein* 
feitig bebrucfte ßyemplare abgegeben merben, au§ melden bie 
Site! nur fjerau§gefd)nitten unb auf 3dtd aufgeflebt 51t 
merben brauchen, um für ben Katalog nufcbar gemacht 5U 
merben, eine Einrichtung, bie man mit 9fed)t aud) für bie 
Programme empfohlen fjat. 

SSenn mir un§ fdjließlidj 5U bem |janbfdjriftenfataIog 139 
menben, in meinem bie merttoollften <Sd)ä£e ber SMbliotfjef 
51t üer^eid^nen unb für ba§ Publifum nupor ju machen 
finb, fo müffen mir öon toornljerein barauf fjinmeifen, baß 
bie au§füf)rlid)ere 53efdf)reibung ber £>anbfd)riften , auf bie 
mir an biefer Stelle unfer Augenmerf 51t rieten fjaben, fid) 
in ber Sftegel ni<±)t ofjne au£gebef)ntere miffenfdf)aftlid)e 
gorfdjungen ermöglichen läßt. (£3 mirb fid) bafjer ber 



Digitized by Google 



207 



Sibliottjefar bei bcr Satalogifierung ber Bibliotljef in ben 
meiften göHen fcorerft mit einer fixeren 33efd)reibung ber 
SWanuffripte fo lange begnügen müffen, bi§ e§ ifjm öergönnt 
ift, bie einge^enbere Bearbeitung berfelben $u einem aucf) 
ftrengeren Stnforberungen genügenben ©pejialfatalog, tt>eld)e 
neben feinen fonftigen bienftlicfjen Obliegenheiten feine Äräfte 
überfteigen unb feine 3eit über bie ©ebüfjr in $(nfprud) 
nehmen mürbe, einem fadjberftänbigen ©elefjrten über* 
tragen. 2Ba§ nun jene für^ere S8er$eid)nung (£af. 6) anlangt, 
für meiere ber freilief) faft etroa£'5u fompenbiöfe ©bertfdjc 
Satalog ber ©riecfjifcfjen unb Sttömifcfjen flaffifdjen $anb* 
fcfyriften ber SBolfenbütteler 93ibliotr)ef al§ eine $lrt SRufter 
aufgeftetlt ju werben pflegt fo finb an biefelbe etroa f olgenbe 
STnforberungen 5u fteflen, fomeit fid) biefen, wie gefagt, oljne 
langen Slufentljalt entfpredjen lägt. 9?ad)bem man juöörberft 
bie #anbfct)rift burdE)gefjenb§ foliiert unb fid) bei ber Xurcf)* 
blätterung im allgemeinen über ben Snfjalt feinem 
äußeren orientiert t)at, bringe man aunädjft eine furae Eingabe 
be§ 3fafjalte3, foroie bic SlnfangStoorte be§ SeytcS unb bie 
©djlufcfcfirift. &ann gebe man an, ob ©djolien, SWarginalien 
unb bergleicfjen beigefügt finb, mer bie £anbfd)rift gefcfjrieben 
Ijabe, ober ob fie öon öerfcfjiebenen gdjreibern gefertigt, ob 
fie in fortlaufenben ober gebrochenen Qcikn (©palten) 
gefcitjrieben ift, ob fie SKiniaturen enthalte unb roie Diele, ob 
fie Unifum ober bloße Sopie ift. darauf folge — immer 
ttneber unter ber 33orau§fefcung, baft bie§ ofjne jeitraubenbe 
Unterfutfjungen unb S3ergleid)ungen gefdjefjen fann — bie 
Angabe be§ £atum3 unb SaljreS ober gafjrljunbertS, mann 
bie$anbfd)rift $u fd)reiben angefangen ober fcollenbet nnirbe, 
be§ ©toffeS berfelben , ob Rapier ober Pergament u. f. n>., 
ber Qafy i?) rer Slätter ober ©eiten , unb ob unb wie fie 
bereite au§ früherer Seit t)er nad) Blättern ober Seiten 
bejeidjnet ift. hieran fließt fief) bie Eingabe be§ gormateä, 
toeldjeS freiließ nur bei #anbfcf)riften auf Rapier mit einiger 
©idjerfjeit bemeffen, fonft aber bloß naef) bem Slugenmafte 
Don ungefähr beftimmt merben fann, fatfg man nid)t, roic 



Digitized by Google 



208 



Breitet Seit. 83om S3iid)crfdja&. 



1. Rürjrrc Befthreiburtg rtner ^anbfthriff nadj (Eberf (au3 beffen Bibliothecae 

Guelferbytanae Codices graeci et latini classici. Lipsiae 1827). 

57. Ar I Stotel Is organon, graece. 

Insuut : KcttijyoQtcti (quarum initium abest, ineipiunt eniiu a cap. VI), 
ntQt iQfAqvkius , feynXvtixa 7iQOTi(>c(, avaAviixa vgtoec, 
Tomxcc, oocpiqixol tXty%oi, quorum finis deest. Addita sunt scholia 
graeca permulta cuui margiualia tum iuterlinearia. — Meinbr. in (bl. 
min. sec. XIII. Fuit quondam Man. Chrysolorae, qui nomen in ultima 
pagina adscripsit. Usus illo est Buhle in sua edit. (Gud. gr. 24.) 

2. ftusführlid)*« Berthmbunß einer l|anbfd)rtff nad) Sthiim (au* beffen 

Beschreibendes Verzeichnis« der Amplonianischen Handschriften- 
Sammlung zu Erfurt. Berlin 1887). 

15. Pergament 2° = Anf. d. 14. Jh. 223 Bl. ; italienischer Herkunft. 

Einb.: llolzdeckel mit grünem Lederüberxug, Kramine u. Kette; vorn 

innen aus dem späten 14. Jh. : Problemata Aristotelis cum glosa , 

valent decem florenos ponderosos, magistri Wycboldi in artibus et 
medicina professi, prepositi Bratuescensis, canonici ecclesiarum Mona- 
steriensis et Osnaburgensis atque omnium sanetorum castri Pragensis ; 
hinten innen dem Catalogus Amplonii entsprechend: 17. Philosophie 
naturalis, wonach 

Item commenta egregia Petri de Ebano Paduani super 37 
libris de problematlbus Aristotelis et per consequens super 
oumibus hbris de problematibus et sunt valde rara et aeeepta. 

Anfang : Iuxta sentenciam Aristotelis in prohemio — Petrus Paduanensis 
prefatum librum — elegantissime declaravit — Nos igitur — illam autem 
exposicionem nianibus propriis mihi scribere dignum duxi, ne malorum 
scriptorum corrupeiones dampnose delectacionem meam in istiua libri 
studio minorarent librumqueprenominatumsecundum illius — propono — 
scolaribus studii Parisieusis verbotenus explicare — gracias adipisci. 
Inquit magister Paduanensis Petrus : forma in hoc opere — dicens, que 
est causa etc. Ende: talem colorem repandat vel alterum, in grosser 
Minuskel mit weiten Zwischenräumen : Expl. exposicio succiocta conipi- 
lacionis probl. Arist. quam Petrus condidit Padubanensis, ea, nullo 
prius interpretante , ineepta Parisius et laudabiliter Padue terminata 
anno legis christianorum M^CC^CX" cum laude Dei altissimi, cujus 
nomen sit benedictum per secuta, amen. 

Von 2 Händen , von denen die erste eine stark zur Cursive neigende 
Kurrentschrift, die andere eine mittelgrosse ital. Minuskel führt, 2sp. 
in vollst. Bleilinienschema ; Pergament ital., Tinte grünlich; reichlicher, 
aber einfacher Schmuck in Rot und Blau; auf jedem Blatte eine Über- 
schrift in abwechselnd roten und blauen Majuskeln. Zählung der Probleme 
durch arabische Zahlen auf dem Bande, bis Bl. 220 alte Foliierung mit 
arabischen Zahlen; Hefte zumeist ö und G, doch auch 3 und 4 Lagen 
stark; Eckwortkustoden; Zählung der Hefte durch rote Buchstaben und 
zwar von o bis x und von o rückwärts bis o, dazu Numerierung der 
Lagen durch schwarze arabische Zahlen; ein Fehler im Binden Bl. 40' 
und 128 in eigener Weise gekennzeichnet. 

III. 222' in roter Schrift: Littere partiture sunt XL, littere eudubus*) 
tractibus Vllicc ^— SOO), littere parve cum parapbis II melia et \cc 
(__ 500) *) statt cum duobus. 

Xaf. C. groben ton $aubf$rtftenfctf$retöungeu. 



Digitized by Google 



«ierteS Stapitel. Eon ber (Siitiicfjtimg be§ »üc&crfrfjatP*- 209 



bie§ ratfam ift, öoraiefjt, £öfje unb breite nad) Millimetern 
anzugeben f be§ ©inbanbeä , jebod) nur für ben galt , bog 
berfelbe befonbere @igentümlid)feiten auf mei^t , ferner be§ 
früheren 53efi£er§ unb wie bie ^anbfc^rtft in beffen ©efi^e 
figniert gewefen ift, be§ $ßreife§, für ben fie erworben worben 
ift, fowie jule^t ber (Stetten, wo etwa bie £>anbfcf)rift fdjon 
ausführlicher befdE)rieben , unb ob unb wie , wann unb wo 
biefelbe bereite benufct worben ift. 2lnber§ unb größer finb 
hingegen bie an bie ausführlichere £anbfdjriftenbefcf)reibung 
3U ftettenben Shtforberungen, bie je nad) ber 28id)tigfeit unb 
bem Hilter ber £>anbfd)rift mehr ober ntinber gefteigert 
Werben müffen (£af. 6). (Sine fold£)e Betreibung f)at nid)t 
nur alte für ba§ für5ere Verfahren öorgefd^riebenen Angaben 
ttrieberfjoit in ben ÄreiS if)rer gorfdjung $u 5ieljen, um ba§, 
wag ftd) babon nidtjt fd)on früher of)ne längeren Slufent^alt 
hatte ermitteln laffen, mit £ilfe eingefjenberer ©tubien genauer 
feftjuftellen, fonbern auch bie Beantwortung ber gragen teils 
über ben richtigen Sitel ber £anbfd)rift, ber oft große 
©d)Wierigfeiten bietet, teils über ben SBerfaffer unb bie 3eit 
ber $lbfaffung beS barin enthaltenen SSerfeS , teils über bie 
grapf)ifcf)en Senn5eid)en unb fonftigen fititerien beS SllterS 
unbatierter ober falfd) batierter £anbfd)riften ju berfuchen, 
unb mit gurate^iehung ber etwa toon einem ^anbfc^riftli^en 
SSerfe bereite Dor^anbenen $)rucfe 5U beftimmen, ob bie 
$anbfcf)rift ben toollftänbigen unb richtigen £ejt ober einen 
fpäter bermeljrten, umgearbeiteten, auS$üglidl)en enthalte, unb 
ob etwa neue 2luffd)lüffe für bie Söiffenfdjaft auS ifjr $u 
erwarten feien. SDte§ lefctere finb alleS £)inge, beren Er- 
örterung auf bie Seftimmung beS größeren ober geringeren 
SEßerteS einer £anbfdj)rift toon Wefentlichem ©influffe ift unb 
barum nicfjt mit ©tiÜfdjweigen übergangen werben barf. 

Sftach erfolgter 9lufnal)me beS £anbfdf)riftenbeftanbeS wirb 
bie Drbnung beSfelben etwa in f olgenber SSeife bor^une^men 
fein. $a bei ben ^anbfdjriften nidjt wie bei ben gewöfjn* 
liefen Büdnern ber %\tf)alt baS etnjig wefentlidje ift, fonbern 
außer biefem namentlich if)r Sllter unb ferner auef) bie 

©raefet, Si&liotf)cf§tet)re. 14 



Digitized by Google 



210 



Biociter Ictf. «om Siufiertdjafc. 



(Spraken, in benen fie berfaßt finb, tjauptfädjlid) mit in 
S3etrad)t fommen, fo ift e§ geroten, fie, mit 2lu§fd)luß ber 
Urfunben unb 21utographen , bie ihre eigene Drbnung Der* 
langen, nad^ @bert§ 93orfd)fag juerft fämtlichnach bem Sllter 
ihrer Sßerfaffer in 5toei Stoffen, nämlich in ältere unb neuere, 
abzuteilen unb bie ©c^eibegrenje biefer Staffen etwa in bie 
3eit ber ©rfinbung ber Söuchbrucferfunft, in beren golge bie 
£anbfchriften befannttich eine ganz anbere Sebeutung als 
früher erhalten haben, alfo ungefähr auf ben 2ln§gang be£ 
fünfzehnten 3ahrf)unbert§ z u Verlegen, ©obann teile man 
bie älteren tt)ieber nacf) (Sprachen unb innerhalb ber ©pradfjen 
nach ben wiffenfdjaftlichen Sägern be§ für bie Sibliothef 
angenommenen bibtiograptjifd)en <St)fteme§, unb reihe fie 
innerhalb biefer gädjer in annähernb cfyronologifdjer Solge 
an einanber, wogegen bie neueren $anbfchriften, ohne Weitere 
53erücfficf)tigung ihrer ©pracf)e, gleich bon born herein in bie 
wiffenfdjaftlichen gäd)er unb vielleicht auch einige Wenige 
Unterabteilungen jertegt, unb innerhalb biefer gädjer be^üg* 
lid) Unterabteilungen ebenfalls nad) ber ungefähren 3eitfolge 
georbnet werben fönnen. SBeniger zwetf mäßig bürfte e§ fein, 
bie ^anbfdjriften, wenn fie in größeren Partien zur SBtblio- 
tfjef gefommen fein foKten, je nach äftaßgabe ihrer §er* 
ftammung in gewiffen ©ruppen beifammen $u taffen. 9Wan 
würbe fid) zwar baburd), zumal wenn foldje ©ruppen bereite 
Don früher tyx numeriert unb wof)t gar in einem gebrucften 
Satalog oerzeidjnet Wären, ben Vorteil fid)ern, ftet§ in SBejug 
auf if)re §erftammung, beren fienntni$ bei ^anbfdjriften 
Don großer 2Bid)tigfeit werben fann, ntc^t nur außer 3toeifel 
5u fein, f onbern aud) ber etwaigen hiftorifd)en Erläuterungen, 
bie fid) bei einem folcfjen Söeifammenlaffen bie einzelnen 
§anbfd)riften gegenfeitig gewähren mögen, gewiß ju bleiben. 
2ldein man wirb biefe Vorteile in nahe gleichem Straße auch 
burd) 9lufzeid)nung ber auf bie ^jerftammung unb bergleidjen 
bezüglichen Söemerfungen auf ben £itelabfd)riften unb in ben 
§anbfd)riften fetbft erreichen fönnen , unb bafür nadE) 
feitigung jener ©ruppen unb burchunnad)fichtlid)e§3ufammen* 



Digitized by Google 



Wertes Settel. «Jon ber einri^tunß bei öiidjcrfäa&eS. 



211 



faffen alles beffen, maS an Hilter, (Sprache unb Inhalt mit 
einanber bermanbt ift , eine bequeme miffenfcf)aftliche Über- 
fidjtlichfeit über ben gefamten §anbfcf)riftent>orrat, tüte eine 
foldje bei ©ruppierung ber £>anbfcf)riften nach ihrer §er* 
ftammung nie möglich ift, erzielen. 2)ic ©^irot^pen finben 
ihre paffenbfte ©teile bei benjenigen £>anbfdjriften, 511 benen 
fie in ber nächften Se^ie^ung ftehen. S)ie Orbnung Don 
Urfunben unb Slutographen ift für geroöfjnlidj noch meit 
einfacher als bie Don $anbf Triften : bie erfteren orbnet man, 
wenn nicfjt bef onbere ®rünbe etmaS SlnbereS erfjeifchen, bloß 
nach ber ßeitfolge, bie $lutographen, ba biefe auSfdjliefjlich 
biograpfjtf djen SBert befifcen, ganj in berjenigen Sßeife, meldte 
man für bie Orbnung ber gebrueften biograpljifdjen SSerfe 
geroähft hat. 3ft nun bie Anfertigung beS ©pe^ialfatalogS 
für bie |>anbfchriften fcollenbet, fo mürben, urie bei bem 
Äatalog ber SBücher, bie $ur Unterlage gebrausten Settel 
alphabettfd) $u orbnen unb hierauf paffenber Seife, mie bieS 
im SRegutatib für bie (StaatSbibtiotljefen Stalten^ oorgef einrieben 
ift, mit bem allgemeinen alpl)abetifcf)en Katalog 51t einem 
einigen Alphabete öerfd^moljen werben fönnen. 

Sttachbem mir im $orftef)enben bie mid)tigften fünfte über 
bie Einrichtung ber Uniöerfal* unb ©pejialfataloge einer 
33ibliotf)ef namljaft gemacht ^aben, fönnten mir nunmehr 
fogleid) einen «Schritt meiter gehen unb bie befinitiöe 9luf* 
ftettung ber SJüdjer in 93etrad)t aiefjen. Gf)e mir bieS jeboef) 
thun, möchten mir 5um ©djluffe nod) eine Srnge berühren, 
bie ifjrer 2Std)tigfeit unb allgemeinen 93ebeutung halber um 
fo mef)r eine furac (Erörterung bringenb erl)eifc^t, als bie 
<Sacf)t)erftänbigen nod) immer burd)auS toerfdjiebener Meinung 
über biefelbe finb — mir meinen bie Drurflegung öon ffata* 
logen. ®o allgemein einöerftanben man nämlich aud) barüber 
§u fein febeint, baß jebe 93ibüotf)ef, meldjer eS bie SSerhält* 
niffe nur irgenb geftatten, fid) aufgeforbert füllen, ja eS als 
eine Slrt $erpfüd)tung betrauten müffe, Don ihrem £anb* 
f^riftenDorrate fei eS einen ausführlichen Katalog ober 
minbeftenS ein für^ereS 2$er5eid)niS , vielleicht nach bem 



Digitized by Google 



212 



Zweiter Xeit. SBom ©ürfjcrftfjafc. 



9)?ufter ber bereite früher ermähnten ©bertfchen ©djrif t über 
bie flaffifchen ©riecfjifcfjen unb 9*ömifcf)en £anbfchriften ber 
SSolfenbütteler 23ibliotf)ef, burch ben 3)rucf bef amtt ju machen, 
ma§ auch Von feiten zahlreicher auf biefem ©ebiete mistigerer 
SBibliotfjefen tfjatfächlich gefchefjen ift 140 , ebenfo uneinig ift 
man in ©ejug auf bie ^Beantwortung ber Srage, ob e§ nötig 
ober minbefteng ^wecf mäßig fei, in biefcr SBeife auch bie 
SJerjeidjniffe ber gebrucften S8üd)er $u Veröffentlichen 141 , 
diejenigen, bie lebiglich ba§ Sntereffe be3 $ublifum§ im 
91uge ^aben, für welches bie Verausgabe foldjer Kataloge 
unleugbar von entfchiebenem Sttu^en ift, Reiben jene §rage 
mit allem ^ad)brucfe bejaht, $lnbere bagegen mit gleichem 
9£ad)brucfe berneint. diefe Sedieren behaupten nämlich, 
baß bie auf ben drudf ber Kataloge $u Vermenbenben, nid)t 
unerheblichen unb mithiu bie $8ibliotf)ef§fonb3 bebeutenb 
fchmäternben ©elbfoften nicht im f8erf)ältniffe fielen §u ben 
Sorteilen, melden bie Kataloge, bie ohnehin leicht Veralten 
unb baher teil3 burch Supplemente ergänzt, teils enblich 
burd) gan$ neue Kataloge mieber erfefct werben müffen, 
überhaupt gewähren fönnen. 

daß gebrudte Kataloge rafd) Veralten, ift zweifellos ; nicht 
minber, baß bie fortwährende (Ergänzung burch Nachträge 
für bie Überfichtlid) feit berfelben nicht gerabe förberlich wirft; 
auch f in ^ gebruefte Kataloge foftfpielig. $Iuf ber anbern 
©eite bagegen laffen fid) biefelben, wie man fehr richtig 
bemerft h«t, infofern bequemer 51t State ziehen als gefchriebene 
Kataloge, weil fie auch außerhalb ber SBibliottjef Von jeber* 
mann benü^t werben fönnen. ©S gilt bieS allerbingS nur 
Von Katalogen bis 51t einem gemiffen Umfange; wo gan$ 
große 83üd)erfammlungen , wie bie meiften National* unb 
UniverfitätSbibliothefen , in grage fommen , ba ftettt bie 
5luSbehnung ber Kataloge unb bie Unerfdjöpf lieh feit ber not* 
wenbig werbenben (Ergänzungen ber drudlegung bie ernfteften 
Söebenfen entgegen, diefe bürfte Vielmehr nur für mittlere 
unb ©pezialbibliotfjefen in grage fommen 142 . 93ei biefen 
wirb cS fich 5tmächft barum hobeln, ob ber 33ibliotf)efar 



Digitized by 



«tertcS änpitct. «on ber einrtcfjtung bcS SBüc^crfc^atc3. 



213 



im einjelnen galle überhaupt in ber Sage ift, ohne ©efährbung 
fonftiger toefentlicher gntercffen mit bem Drucfe oon Sota* 
logen boraugehen. 2Bo bie Littel ba$u fid) nur unter 
beträchtlicher ©djmälerung ber 93iOUot^et§fonb§ ober bod) 
unter ^Beeinträchtigung ber ^ur Sefriebigung ber 33ibliothef3; 
bebürfniffe erforberlidjen ©elber befdjaffcn (äffen unb roo 
man feine 9lu§fid)t f>at, außerorbentliche ffieroilligungen ju 
bem gebauten gmede erroirfen $u fönnen, ba nrirb man jmecf* 
mäßiger SBeife auf gebrucfte Sataloge bon bomherein gan^ 
Verzicht leiften ober fid) lebigtid) auf gebrucfte Heinere 33er- 
äeic^niffe roie ber Supfermerfe, ber im Sefefaale aufgehellten 
£Büd)er, berßeitfchriften u.bergl., bei üorfyanbenem größeren 
Vorräte befonberS aud) ber 3"funabeln bcfdjränfen muffen. 
Slnberä bagegen liegt bie <Sad)e ba, roo Littel unb Gräfte 
in h^i^enbem äftaße jur Durchführung beS geplanten 
Unternehmend borljanben finb. 3n biefem Salle entfielt nur 
bie jmeite 3rage, toeldje Kataloge fich für bie Drudlegung 
überhaupt eignen. Denn e§ leuchtet ein, baß ber $lbbrud 
fich nicht auf alle Kataloge $u erftreden brauet, unb baß e§ 
5. ©. etroaS fetjr ÜberflüffigeS fein würbe, ben ©tanbortg* 
fatalog, ber nur für ben^ibliothefSbienft^ntereffehat, burch 
bie treffe 5U beröffentlidjen. £ro£bem, baß e£ eine nicht 
geringe Slnjaht bon SBtbttotr)efen für gut befunben h a t 
alphabetif^e 33er$eid)niffe brucfen §u laffen, fo meinen mir 
bocf), baß ber ^u^en berfelben im atigemeinen in feinem 
SSerhältniffe 511 bem berurfad)ten Slufumnbe an ßeit, äRüf}c 
unb Soften ftehe. äRan mirb, wenn man bem ^ublifum 
einen geschriebenen alpf)abetifd)en Katalog fei c£ im s ilu§leihe= 
gimmer ober im Sefefaale 51a Serfügung ftetlt, im allgemeinen 
fchließlicf) 5iemlich ba§felbe erreichen, roa£ man burch oen 
Drud ju erreichen hofft. Denn ber 5ßrei§, auf meldten fich 
ein gebrucfte^ ©yemptar be§ alphabetifchen ®atalog§ einer 
einigermaßen bebeutenberen Sibliothef fteßen mürbe, bürfte 
beffen toeiteren Verbreitung unter $ribatenentfd)iebenhinber= 
lieh f e " T ' f° baß °i e 93enu|er fich ™ oer Wet)x^af)i ber Salle 
mit ber @infid)t in ba§ auf ber 5Mbliotf)ef au§ltegenbe 



Digitized by Google 



214 



3wetter £etl. 9?om »fldjerftfmt?. 



Somplar begnügen bürften. (Einzelne Seile beS SatalogS 
abziehen , um etroa für biefe bie Preislage niebriger 511 
fteßen, hat natürlich bei bem alphabetischen Katalog feinen 
©inn. SWan fann baljer bei nur einiger Überlegung barüber 
nicf)t lange im unflaren bleiben, bafi nur ber miffenfd)aftliche 
Satalog eS ift f welker in biefer §infic^t bie nädtfte 93erücf* 
fid)tigung berbient. 3"bem fommt eS bei bem Sftachfdhfagen 
ber gebrueften Kataloge nicht barauf an, bafc fchnett ein 
gemiffeS Buch jur ©teile gerafft werben foll, moju aller* 
bingS ber alpfjabetifdje Satalog am beften bienen mürbe, 
fonbern vielmehr barauf, baf$ fief) ber 9?acf)fchlagenbe über* 
haupt öon bem 23eftanbe unb ©eljalte ber Sibliothef unter* 
richte. S/a^u ift aber ein miffenfchaftlicf) georbneteS 33er* 
5eidjni3 ba§ jmecfmäjsigfte SKittet. Staft mehrere ©ibliotfjefen 
alphabetifcfje Serjeidjniffe Veröffentlicht fyabzn, baöon liegt 
5umteil bieScfjulb mol)l mit baran, baft einige Vielleicht nod) 
gar nidf)t im 33efi£e Von miffenfdjaftlichen SSerjeic^niffen 
gemefen finb, bie fie hätten abbruefen (äffen fönnen. S33er ba£ 
alpljabetifcf)e dement in bem gebrueften Satalog burdjauS 
nicht entbehren ju fönnen glaubt ber mag entmeber ju bem 
miffenfdjaftlichen SBeraeichniffe ein alphabetifdjeS Stcgifter 
hinzufügen, ober allenfalls audj bie Unterabteilungen beS 
miffenfchaftlid)en StatalogS, mit Beibehaltung ber Trennung 
beS 33üd)ermaterialS in gäd)er unb Hauptabteilungen, in 
alpfjabetifche Sßer5eic^ntffe umfd)affen. 28o nun ber SReal* 
fatalog jum $lbbrutfe gelangt, ba bürfte fidf) bie (Einrichtung 
als praftifdj ermeifen, bie Abteilungen beSfelben auch einjeln 
toerfäuflid) 5U machen, um eS jebermann 511 ermöglichen, für 
einen mäßigen $reiS baS ihn befonberS intereffierenbe gad) 
511 crmerben. SDie jährlichen ober beffer mehrjährigen eben* 
fal(§ nach Sägern $u orbnenben Nachträge mürben als 
©anjeS baS regelmäßige ßumachSVer^eichniS ber betreffenben 
Bibliothef büben, baneben aber gleichfalls einzeln abgegeben 
werben müffen. ©in foldjeS Verfahren VorauSgefefct, mürbe 
eS fich nur noch barum honbeln, in welker 2luSführlicf)feit 
ber Satalog $u bruefen märe. <>ür unS ift bie ©ntfeheibung 



Digitized by 



«icrteS Äapitel. l8on bef ©inrtcfjtunfl beö »ütfcrfäafceä. 215 

bereits bamit gegeben, ba& mir bei bem SRealfatalog felbft, 
im ©egenfafce jum Settelfatalog, einer Befchränfung be£ 
£itel£ auf beffen mefentlid)fte Momente ba$ SBort gerebet 
haben. ®£ mürbe ein berartig gearbeiteter Sftealfatalog alfo 
nur wortgetreu , afferbingS unter Beobachtung peinlidhfter 
5tfribie 143 , abgebrueft ju merben brausen. £)er gebruefte 
Katalog mürbe bamit immer nod) eine ©eftaltung erhalten, 
meldte in ©ejug auf bie ©enauigfeit ber Angaben unb alles 
beffen, mag 5ur näheren (Hjarafterifierung ber $üd)er gehört, 
nid)t§ 2Befentlicf)e3 toermiffen ließe. 2öo bie Dfonomie eine 
noch meitere ©infehränfung verlangen foffte, ba ift e3 frei* 
lid) beffer, ba§ ber $)rucf gan§ unterbleibt, meil in folgern 
gaffe felbft bie geriugften auf ben &rucf bermenbeten Soften 
$u bem noc^ geringeren Stfufcen, ben ein Satalog mit un- 
genauen unb nid)t genügenb djarafteriftifchen Angaben mög* 
(ic^ermeife ^ben fönnte, in feinem S8erf)ältniffe flehen, ©in 
Sibliotheföfatatog foff unb barf fein btofceS antiquarifcf)e£ 
Bücherverzeichnis fein. 

Britto ftüfdjnW. 
3?on 5er £{itfffellimö m& 'Slumerienutfl ^ü^erfdja^es. 

Sftach Aufnahme be§ 93üdjerbeftanbe§ auf Betteln unb nadj 
gertigfteffung ber Sataloge, unter Umftänben, menn man 
abteüungSmetfe toorgehen miff, fdjon mäfjrenb bieferle^teren, 
tritt an ben Bibliotfjefar bie grage tyxan, mie er ben gefamten 
Bücherfd)a$ auffteffen foff. ©§ giebt auch fytx t>erfd)iebene 
2ßege, metd)e fämtürf^ ihre befonberen gürfpredjer gefunben 
haben unb in ber SßrajiS begangen morben finb. 3>ie ©inen 
legen auf bie Art ber Auffteffung überhaupt fein @emid)t. 
„S)erOrt, mo ein Buch ftefjt, ift böd)ft gleichgültig", fo 
lautet ein befannter AuSfprud) SaljferS, unb frühere mte 
neuere BibliothefSlehrer f^aben, ihm beiftimmenb, affe§ 
£auptgemid)t auf bie Anfertigung guter Kataloge legen $u 
müffen geglaubt, burch bie man leidet unb fidler erfahre, 
meldte Schriften unb unter melier Bezeichnung fie eine 



Digitized by Google 



210 



3wcitcr $cil. $om 53üdfjerfd)a&. 



93iWtotf)ef beft^e. D^ne bie 2Bicf)tigfcit guter Satcrfoge 511 
berfennen, meiere toiefmeJjr bei jeber $(ufftellung§tt>eife, je 
bequemer uub tooHf ommener fie berfafct finb , um f o beffere 
3)ienfte leiften, möchten mir bod) mit (Sbert fragen, toarum 
man Silbergalerien, Naturalien* unb EKünjfammlungen nad) 
ihren Staffen unb Einrichtungen orbne, Sibliotfjefen aber 
eine SluSnahme erlaube, roarum gerabe bie 33ücf)er ohne 
innere Crbnung beifeunmen ftcfjen fotten lebiglitf) mit ber 
Gntfcfjulbigung , bag man fie fcfjon im roiffenfdjaftlidjen 
Satalog unter ihren Staffen aufgeführt ^abe? (Sollen bie 
Sataloge allein gut georbnet unb eingerichtet erf djeinen? Sn 
ber ift mit ber einfeitigen §erftellung fei e£ auch nod) 
fo fcorjüglicfjer Sataloge erft ba§ fyalbe SSerf getrau, ber 
Söüc^erfc^a^ al§ foldjer erforbert ebenfo bringenb nrie jene 
ein beftimmteS, leicht erfennbare§ unb faf$Iid)e3 Drbnung^ 
prinjip. Merbingg fragt e§ ftdf) tmeberum, lueld)e§? ©ans 
fcerfeljrt märe e§ 5. SB., toenn man ben gefamten ©üd)erfd)a£ 
burcfjgängig cfjronologifch ober geographifth orbnen ober ettua 
nad) ben Skrlegem aufftetten motlte. ©in ©onberling fönnte, 
roie kernet) fehr richtig bemerft, ebenfogut auf ben ©ebanfen 
fommen, bie SfuffteHung nach & cr S^be ober bem Sftaterial 
ber (Sinbänbe ober nach bem greife ober ben SSerbienften 
ber Sücher boraunehmen. Sergteidjen ebenfo nriberfinnige 
roie unn)iffenfchaftlid)e SKethoben liefen fclbftberftänblid) 
außerhalb be£ 9taf)men§ unferer (Erörterungen, dagegen 
möchte al§ ba§ 5imäd)ft liegenbe bielleicht baSjemge SJer* 
fahren erfcheinen, bemaufolge bie Sucher nach *> er SReihen* 
folge ihrer ©rmerbung in bie Sftepofitorien eingeteilt merben. 
3n biefem gaHe giebt e§ tueber fpringenbe Hummern noch 
(Exponenten; bie Sibliothef mag noch fo rafcf) toadjfen, fie 
bebarf feiner UmfteKung noch e * ner Snberung ber Hummern ; 
ba§ 3m*mch§t>er3eichni§ fällt mit bem ©tanbortSfatalog ju= 
fammen unb erfefct biefen, moburch bie Arbeiten ber 33er* 
5eid)nung vereinfacht roerben; bie Ginfügung ber neuen 
Gnoerbungen in ben Südjerbeftanb eublich ift bie benfbar 
einfachfte Sache bon ber SSelt. £>ie§ finb auf ben erften 



Digitized by Google 



Viertes Sapitcl. $on ber ttinridttuitg bc* ©üdjerMafceö. 217 



SJIicf berfüfjrerifcf) erfd)einenbe SSortette. Unb boef) bieten 
ftd) baneben bie größten ©djattenfeiten. 2Sir wollen ntc^t 
babon fpred)en, baß bie burdjlaufenben Hummern an großen 
SMbliottyefen mit ber Qcit eine $öf)e erreichen würben, bie 
bei bem 3luffud)en ber SBüdjer burd)au§ nid)t förberlid) 
ttrirfen, baneben aud) nodj ju ja^rcic^en SBerfdjreibungen unb 
Irrtümern 5lnlaß geben bürfte. 2Bof)t ober muffen mir mit 
allem 9Jad)brud: barauf ^intoetfen, baß bie ßeit ber Erwerbung 
eine§ 33ud>e§ mit ber inneren Crbnung be§ SöücfjerfdjafceS 
überhaupt nichts ju tfjun fjat. Unmöglich fann man ba nodj 
bon Überfid)t(id)feit unb ©tjftem reben, wo bie au8 anti* 
quarifdjen Sücfyeranfäufcn hervorgegangenen Erwerbungen 
älterer Sßublifationen mitten unter ber neueren unb neueften 
Sitteratur ftef)en, tfjeotogifdje, juriftifdje, mebijinifc^e unb 
naturwiffenfd)aftlid)e Söerfe unter einanber geftreut finb unb 
mit pt)i(ofopf)ifd)en, fprachwiffenfd)afttid)en, geograpl)ifd)en, 
gefd)id)tlicf)en unb anberen ©djriften in bunter SHeifje ab* 
roedjfeln, fo baß lieber 93eamte nod) Senu^er ein 93ud^ of)ne 
93eif)ilfe be§ ffatalog§ 51t finben im ftanbc finb. ©ine in 
biefer Sßeife aufgeteilte ©ibliot^ef bilbet üielmef)r, wenn 
man abfeitS öon ben Satalogen in ihren Räumen ftefjt unb 
wanbelt, im wahren ©inne be§23orte§ ein©()ao§ f eine plan* 
Io£ 5ufammengemürfelte9Kaffe^eterogenfterStemente r meiere 
$)ewet) in treffenber SBeife mit einem 93ud)e t>ergteid)t, beffen 
einjelne ©ä^e auf befonbere ßettet gebrueft würben, bie 
tooÖftänbig burd) einanber geraten finb. 

5luS biefen©rünben haben anbereSBibüotfjefare borge^ogen, 
bie ihrer Verwaltung unterftefjenbe ©ammlung nad) ber 
alpt)abettfd)en golge ber SSerfaffer 5U orbnen. 2)iefe£ $rin$ip 
bietet alle Vorteile be§ alphabetifchen Satalog£ felbft. ©ämt* 
lidje SBerfe eineä 33erfaffer3 fielen beifammen , fo baß iebe§ 
33ud), beffen SSerfaffer man fennt, ohne weitere ©djwierig* 
feiten 5U finben ift. $)er ©tanbortSfatalog wirb bei biefer 
Slufftettung ebenfalls entbehrlich, ba ber alphabetifd)e |jaupt* 
fatalog bengwect beSfelbengleichaeittgmiterfüllt. 8lnberfeit£ 
toermöd)te fogar ein fur^eS alpfjabetifcheS Serjeichntö als 



Digitized by Google 



218 



3toettcr Seil, «om ©üc^cr^a^. 



©tanbortSfatalog ben alpljabetifcf)en Katalog felbft ju erfefcen, 
faffS bic Sitel ber Sücfjer nodj an einer anbern ©teile, etroa 
im miffenfdjaftlidjen Katalog, auSfüfjrltd) miebergegeben 
mären, melier auS ben Beteln, auf benen man ben 93ücfyer* 
befianb Verzeichnete, gebilbet mürbe. SfrciKä) toirb manntest 
überall geneigt fein, bem SRealfatalog bie ©eftalt eines 
3ettelfatalog$ $u geben , Vielmehr moljl meift bie SBudjform 
Vörden, fobafj bie Sttkl, meldje bei ber Anfertigung beS* 
felben als Unterlage btenen, fchtieglid), mie mir faljen, am ein* 
fachten unb oljne befonbere ©cf)mierigfeiten für ben alpfja* 
betifcfjen 3ettelfatalog SSermenbung finben. S)ie alpljabetifdje 
$tufftettung f)at aber auef) mieber, mie biejenige nad) ber $eit ber 
©rmerbung, ben entfdjiebenen 9?ad)tetl, bafc fie auf bengnfjalt 
ber 93üct)er burcf)auS feine 9lüdficf)t nimmt, Vielmehr nur 
ein äufserticf)eS S3anb bilbet, meld)eS ftd) um ben auf* 
gefpeidjerten ©djafc miffenfcf)aftlid(jen SWaterialS lofe fdjlingt. 
©ie nötigt ben 93enu£er gleichfalls, fttf) bie Sitteratur über 
einen beftimmten ©egenftanb auS ben Verfd£)iebenften ©teilen 
ber SSibliotfjef müfjfam ^ufammenjutragen. 3)arf bafjer aud) 
bie burd^gängige alpf)abetifcf)e $lufftellung für große, nament* 
tief) ftreng miffenf^aftlic^e93ücherfammIungennichtaI§9?orm 
bienen, fo mirb fie fidf) bod) an Keinen 93ibliotf)efen unb an 
folgen, bie — fei eS auS @rfparniSrücffid)ten ober auS 
■Mangel an Verfügbaren Gräften — fiel) nid)t in ben 93efi£ 
eine§ miffenfcf)aftlicf)en SatologS $u fefcen Vermögen, ftetS als 
Vorteilhaft unb empfef)lenSmert ermeifen. 

S)aS britte ^rinjip , nad) meinem man Verfahren fann, 
berücffidjtigt lebiglid) ben^nh a ^ ber23ücf)er unb fd)liegt fidj 
an bie Drbnung beS miffenfdtjaftlidjen Katalogs eng an. 
$)iefe Übereinftimmung ^mifd^en bem $la£e ber 93ücf)er auf 
bem Rapiere unb iljrem ©tanborte in ben Sftepofitorien ift 
nidjt nur baS ^atürlid^fte, fonbem aud) baS Solgeridfjtigfte 
unb {ebenfalls baS 9^ü^lic£)ftc r metl bie auf eine gute innere 
b.I). bem btbliograpl)ifcf)en ©tjfteme entfpred)enbe $lnorbnung 
bafierte Aufteilung Dem ©ebäd)tniffe ungemein 5U £ilfe 
fommt unb batnit eines ber bringenbften ©rforberniffe $u 



Digitized by Google 



SBtertcg flautet. SBon ter fcindcfjtuitg beS ®ü<$crfd)afces. 



219 



einer leisten imb ergiebigen biOIiot^efarifc^en ©efd)äft3* 
füljrung erfüllt, roaS burd) eine bloß auf bem Rapiere bor* 
fjanbene Drbnung nie erfefct merben fann. Slufserbem bietet 
btefe f ogenannte ftyftematifc^e Slufftettung bcn grofcen SJortcil, 
bafe bie jufatnmengefjörigeßitteratur bei einanber fteljt, fobafc 
man, rocnn man bie ©teile beS einen SBerfeS innerhalb beS 
©tjftemeS gefunben l)at — unb eS mirb bieS bei genauerer 
Kenntnis beSfelben, bie allerbingS borauSgefefct werben muß, 
nidjt fd)roierig fein — , bie benfelben ©egenftanb be^anbelnben 
anberen ©Triften fofort $u finben bermag, ba fie in unmittcl* 
barer Sftachbarfchaft aufgeteilt finb. Snbem alfo ber 93üd)er* 
fcfjafc in feiner Sluffteflung bie (Einteilung beS 9tealfatalogS 
getreu nriebergiebt , mirb er ju einer ©tätte ber ftrengen 
Drbnung, ju einem nachbeftimmtenroiffenfchaftlichen©runb* 
fäfcen geglieberten unb nach einheitlichem $(ane aufgeftellten 
barmonifchen ©an$en, innerhalb beffen jebeS gacf) eine 
befonbere Abteilung , man fönnte fagen eine ©ibliotfjef für 
fid) bilbet. ©leicfjroohl ift biefe bereits bon üftaube empfohlene 
5lufftellungSroeife in älterer unb neuerer $t\t bon berfchiebenen 
©efidjtSpunften auS angegriffen unb befämpft roorben. SSor 
allem i)at man bie Serfdjroenbung an $lafc herborgehoben, 
meiere burch biefelbe bebingt werbe. $a nämlich ber 3uroachS 
ber einjelnen gächer unb innerhalb biefer ber einzelnen Unter* 
abteilungen unb $lbfd)nitte im borauS in 58erücfficf)tigung ju 
.^iehen ift, fo wirb natürlich je geglicberter baS ©Aftern ift 
befto mehr $lafc freigelaffen werben müffen , um baS ©in* 
fdjalten ber fpäteren (Erwerbungen an ben5ugehörigen ©teilen 
311 bewirfen. 9ftuf$ man aber nicht auch bei ber alphabetifcfjen 
Slnorbnung innerhalb ber einaelnen Buchftaben unb hier 
Wieber inSbefonbere bei allen bielgebraucf)ten tarnen ju bem* 
felben Qrvede ebenfalls freien Sttaum in genügenber äftenge 
leerlaffen ? Übrigens macht bie neue Bauart ber 93ibttothefen 
eine berartige $luSnii£ung ber ^äumlichfeiten möglich , baj$ 
biefelbe in Sßerbinbung mit bem Steffen ber Bücher unb ben 
beweglichen Bücherbrettern jenen 9tod)tcil ^um großen Seil 
wieber ausgleicht. Unb ift cS fd)lie&lich unbef Reiben , wenn 



Digitized by Google 



220 



Sroeiter Seil. Sßom SJücöcrfaafe. 



man für bie Söücherfammlungen ba§ beanfprucf)t , wa§ man 
bei Sunftfammlungen unb ähnlichen gnfittuten felbfttoerftänb* 
Hdj> finbet, nämlich fo biet Staunt als bie befte Stufftettung^ 
lüeife berfelben unbebingt erforberlicf) mad)t? Sftan hat ferner 
al§ einen befonberen Übelftanb ber f^ftematifc^en Slufftellung 
ben bezeichnet, baß fie immer unb immer lieber baju zwinge, 
Zu rücfen unb ben ©tanbort balb biefer balb jener ©ruppe 
bon &it ^u $eit zu üeränbern, wobei ba§ Drt§gebäc^tnt§ 
ftet§ auf ba§ empfinblid^fte gefd^äbigt tuerbe. Steffen Ijält 
aud) biefer ©tnwanb nicht ©tid). SStenn oon uornfjerem bie 
Sßüdjer nid)t ^u bicf)t unb gepreßt , Werfet an Werfet , neben* 
einanbergefteßt , fonbern fo locfer unb lofe aneinanber gereift 
Werben, baß für eine mäßige Partie fpäter eingehenber Söüdjer 
noch ^inreic^enber $la£ bleibt, fo fommt man gemeiniglich 
nicht fo balb in bie Sage, eine Umftetlung ganzer 5Büd)er= 
reiben wegen ber ©tnf Haltungen üornefjmen p müffen. Unb 
Wenn bie£ mirflidh fdjließlich gefd)efjen muß, rücfen bie Sucher 
nicht notwenbigerweife aud) bei ber alphabetifdjen $lnorbnung? 
2Bie bort bie atpljabetifche Reihenfolge biefen Übelftanb nid)t 
fühlbar matf)t, fo wirb berfelbc auch bei ber ft)ftematifd)en 
Drbnung baburdj leidfjt befeitigt, baß bie einzelnen Abteilungen 
burdj beutliche Abzeichen an ben 9tepofitorien fenntlid) gemalt 
werben. 

barf ftd£) aber überhaupt nach (£utter§ feljr richtiger 
Söemerfung bei biefem 2lufftettung3ft)fteme ba§ ©ebächtntö 
nidjt mehr an eine befonbere ©teile ber Söibliotljef , an ein 
beftimmteS Repofitorium galten, fonbern e§ muß fidt) einzig 
unb allein bon ber Bezeichnung ber gädjer ober klaffen, 
beren Jeweiliger ©tanbort leicht §u merfen ift, leiten laffen. 
(£§ fährt babei burtf)au§ nid)t fd)led^ter. ülRan ift im Saufe 
berßeit öon bem fixierten ©hfteme, Weld)e§ ba§ einzelne Such 
an ein einzelnes Sörett, beffen Bezeichnung e§ trögt, für immer 
binbet, mefjr unb mehr abgefommen unb 511 bem beweglichen 
©t)fteme übergegangen. güfjrt fcoch jeneg namentlich an zafjl* 
reichen amerifanifchen Bibliotheken gebräuchliche ©tyftem bie 
benfbar größten Nachteile mit fid}. ©obalb nämlidh bie 



Digitized by Google 



Viertes Sftivitel. SBon ber (Siuudjtung bc« 53üd)erfd)üfce§.| 221 



anfänglich fjaib leergelaffenen Fretter — fo fd^tlbert (£utter 
ba3 @nbergebni§ — fidf) füllen , fängt bie Verlegenheit an. 
$)a bie betreffenbe Abteilung fid) auf bie if)r jugewiefenen 
Sftepofitorien unter allen Umftönben befdjränfen muß, fo fteljt 
man, fatß aud) ba§ 2lu3funft§mittet ber Slufftellung in 
boppelten SReifjen erfc^öpft ift unb SRefertoeräume nid)t fcor* 
ljanben finb, bor ber unabweisbaren (Sntfdjeibung, Kataloge 
unb SBüdjer neu fignieren unb festere umftetten §u muffen, 
eine Arbeit, bie, abgefeljen Don ber 9Müt)e unb $eit, bie fie 
foftet, aud) mancherlei Sirrungen mit fid) bringt. SBo noch 
einige Verfügbare 9Jäume fidf) auftreiben ließen , ba änberte 
man wofjl aud) $unächft gar nid)t§, lieg bie Söüdjer, Wo fie 
Waren, unb wieberf)olte nur bie Klaffififation in einem anbern 
Simmer. $)aburd) ergaben fid) aber mit bereit bollftänbige 
$ßaraHelbibliotf)efen. Um bem $u entgehen, ließen anbere 
Sibliothefen bon Anfang an Süden in ber Söeaeidjnung ber 
9iepofitorien, berf afjen biefelben alf o mit f pringenben Hummern, 
fo baß man noch fRepofitorten einrieben fonnte , eine ©in* 
ridf)tung, bie man im £arbarb ©ottege fogar auf ben ganzen 
Sau übertragen §at, inbem befonbere Anbauten eigenS ju 
biefem Swecfe borgefehen finb. $lber hiergegen fpridjt erft 
recht häufig ber SDiangel an ausgiebigem ^ßlafce. Sßie biel 
einfacher liegt bie ©adt)e in bem beweglichen ©tjfteme ! £icr 
werben bie Südfjer einfad) gerürft , Von ber nädjften Klaffe 
im Notfall nodt) etwas 5ßla£ mit bajugenommen unb aüe3 
ift wieber in ßrbnung. SDie ft)ftematifd)e, aber babei bewege 
liehe $ufftettung§Weife' 44 erfcheint alfo auch hiernach al§ baS 
entfchieben borau^ieljenbe Verfahren , an welchem un§ auch 
ber ©inWanb nicht irremachen wirb , baß bei bem häufigen 
gortrüden ber 93üd)er biefe bon ben Rauben ber Unter* 
beamten leidet befdjäbigt werben fönnten. Sin guter Liener 
wirb biefeS ©efdjäft eben fo forgfältig beforgen , wie er bie 
gebrauchten 33üd)er täglich fdjonenb h^au^unehmen unb 
einjufteKen pflegt. $ie Slufftellung ber SBüc^er im einjelnen 
Wirb im engften 2lnfd)luß an ben SRealfatalog in ben meiften 
gätten innerhalb ber Unterabteilungen bie d)ronologifd)e, 



Digitized by Google 



222 



giucitet Seil. 95om Süc$erfcl}afr. 



mitunter auch bic alpfjabetifche fein. 2Bo jener feljr genau 
gliebert, ba mirb ficf) bieS natürlich aud) in ber AufftetCung 
miberfpiegeln , tvo berfelbe nur größere Abteilungen fennt, 
bo jeigt fich biefe mehr allgemeine Drbnung aucf) im 
93üd)erraume. 

Unb bod) befteljt ein Unterschieb jmifchen bem Verfahren 
im Satalog unb bei ber Aufstellung. SSenn alle SSüd^er 
einerlei gormat befäßen, unb ni^tanberejufälligeinbiüibueQe 
gigenfd)aften eu^elner SBerfe 93. befonberS große ©elten* 
fjeit unb Softbarfeit unb anbereS berartige bei ihrer Aufs 
ftettung mit maßgebenb fein müßten, fo mürbe baS Verfahren 
ein fefjr natürliches unb einfaches fein tonnen: man brauchte 
bie 33ücf)er nur gang in ber nämlichen Drbnung , mie man 
früher bie Qtttei für ben SRealfatalog jurechtgelegt fyat, in bie 
^epofitorien 5U ftetten. SKit §ilfe ber fomof)! ben Site!- 
abtriften als auch *> en 23üd)ern felbft übcreinftimmenb bei* 
geftfjriebenen probiforifchen Hummern ließe fid) bieg ganj 
leidet aufführen, unb bie einjelnen Sücher fönnten bann aud) 
babü fogleid) ihre neue (Signatur erhalten, ba biefe, mie 
mir oben in bem Abfcfjnitte über bie Anfertigung beS miffen* 
fchaftlichen SatalogS gefehen haben , auf bie Settel bereits 
übertragen morben ift. Allein bie foeben genannten Umftänbe 
laffen eine böKige unb bis in baS fleinfte gehenbe Überein* 
ftimmung jmifchen ber Drbnung ber 93üd)er auf bem Rapiere 
unb berjenigen in ben flffepofitorien nicht $u, unb obmoht 
bereits ber SBerfud) gemacht morben ift, einer folgen Über* 
einftimmung trofc ber beträchtlichen SBerfdjiebenljeit ber 
S3üd)erformate bennoch ihr $fte($t $u öerfchaffen 1 **, f 0 ljat 
boch biefem Skrfudje feine golge meiter gegeben tuerben 
bürfen. S)enn abgefefjen oon anberen baburch herbeigeführten 
nicht unbebeutenben Übelftänben, fo ließe fid) höuptfäd)lidj 
bie mit einer Aufteilung ber S3üd)er ohne alle SBcrücffichttgung 
ber gormatc notmenbig fcerbunbene übermaßige unb faft un= 
finnige Sftaumtoerfchmenbung, bei melier man immer nur baS 
im Auge behalten müßte, baß jebeS Sach ber 9iepofitorien, 
baS allcrobcrfte fo gut mie baS untcrfte, nötigenfalls $ur 



Digitized by Google 



SSierteS ÄlapitcL 9?on ber etnri^tun« bc§ 5}üd)erHf>a&cS. 223 

2lufnafjme ber größten gotianten eingerichtet Wäre, nidjt 
Verantworten. 2Kan hat fidf) bafjer genötigt gefefjen, $u einem 
anberen AuffteKunggberfahren greifen. 3Kan ^erlegt näm* 
lief) nacf) Abfdfjeibung aller berjenigen einzelnen SBerfe, welche 
entWeber in Änfehung ihrer zufälligen inbiöibuellen ©igen* 
f chaften eine Abtrennung öon bem größeren 33ibliothef3förper 
wünfdjenSwert ober eine foldfje wegen pht)fifcf)er $inberniffe, 

93. wegen iljre§ attju foloffalen gormateS , gerabe$u not* 
wenbig machen, ben übrigen gefamten 99ücheröorrat in gewiffe 
gormatflaffen, am amecfmäßigften in brei, nämlich in Solianten, 
sDuartanten unb 93üd)er bon Dftab* unb fleinerem gormate. 
^innerhalb biefer gormatflaffen fteßt man bie $8üdf)er genau 
in ber nämlichen Drbnung, wie bie Sitelabfcfjriften auf* 
einanberfolgten, in bie für fie beftimmten Repofitorienfädher, 
bie golianten in bie golianten*, bie Ouartanten in bie 
Duartanten* unb ben Reft in bie übrigen gächer ein. 3m 
übrigen barf man fid) bon ber burd) ba§ btbliograp^ifc^e 
©Aftern beftimmten Reihenfolge feinen ©chritt weiter , al§ 
bie£ burd) bie gormatberfd)iebenf)eit ber 33üd)er unbebingt 
geforbert wirb , entfernen unb nidf)t etwa , wie manche bor* 
gef<i)lagen haben, ba f wo bei ber Drbnung ber Sitelf opien Don 
bem ©hfteme bie chronologifcfje Reihenfolge öorgefd)rieben 
ift, ber größeren $8equemlicf)feit wegen ober au§ fonftigen 
©rünben bei ber Aufteilung ber Söüdjer felbft bie alpha* 
bettfdfje wählen unb bergleicf)en. 

(Sbenfowenig empfehlenswert ift e§ , mehr al§ bie brei 
genannten gormatflaffen anzunehmen unb für bie SDuobej* 
unb Heineren 93änbe noch eine bon ben Dftabbänben getrennte 
bierteSlaffe $u beftimmen. 2)enn baburch würbe bie Reihen* 
folge ber Söüdjer, wie fie auf bem Rapiere fteht, in ben 
Repofitorien nur noch mehr geftört werben , unb mit biefer 
(Störung feineSwegg bie faum fefjr bebeutenbe RaumerfparniS, 
bie man bei einer folgen wettern gormateinteilung einzig 
unb allein im Auge höben fönnte, im richtigen Serhältniffe 
ftehen. 9Jtit bemfelben Rechte würbe man bann , wenn nun 
einmal jebe unbebeutenbere gormatberfchiebenhett gleich a ^ 



Digitized by Google 



224 



©runb jur Slufftetlung neuer gormatftaffen angefeljen 
werben joüte , audE) bie Dftab- unb Cuartbänbe non ettoaä 
außergewöhnlicher ©röße t>on benen gewöhnlichen gormateS 
Qb5uf(^etben unb befonberen eigenen gormatflaffen 5U3U- 
weifen haben. Sftan bebarf inbeffen ber (enteren üftaßregel 
nid)t, fonbern fann, wie bie $)uobe§* unb Heineren 93änbe 
ben Süd^ern im Dftafcformat, ebenfo füglich bie ©roßoftau* 
bänbe 511 ben gewöhnlichen Ouartanten unb bie größeren 
Cuartanten 5U ben golianten fteßen. 2luf biefe Sßeife gelangt 
man $u bem immer mef)r ©oben geminnenben Verfahren, bie 
üßüdjer jum 3wecfe ber Slufftellung überhaupt ju meffen. 
$)ie barau3 cntftefjenben Sorteile für bie 2lu§nü£ung be§ 
Verfügbaren 9iaume§ finb fo unoerfennbar , baß fte einer 
weiteren Ausführung nicht bebürfen. 2US äKajimalhöhe 
mürbe, wie mir fafjen, paffenbermeife für Dftob etwa 
25 cm, für Duart 35 cm angenommen werben fönnen. 
$er@efahr, baß au§ einer berartigen3ufammenftellung Don 
Dftaübänben mit Duartanten unb Don Duartanten mit 
Folianten Errungen entftehen fönnten, wirb baburd) öor* 
gebeugt , baß jenes fünftlidje 9Kaß , welches bei ber Sata* 
logifierung jebeS einzelnen SöucheS feftgeftellt wirb , fowofjl 
auf ben 3Tttetabfd)rtften wie in ben Südjern felbft in S3er* 
binbung mit ber Signatur angezeigt wirb. ©§ ift übrigens 
auch eine $)oppelteilung ber 93ücf)er in 5 w e t ^öfjenabftufungen 
bi£ 29 cm unb üon 29 cm bi£ 45 cm, mit $lu$fcheibung ber 
über 42 cm fjoljen Sßerfe unter bie feparat ju ftellenben 
großen 33änbe, befürwortet worben 14 ", inbeffen hat manbod) 
ber eben ermahnten 5lufftetfung£methobe nach bret §u meffenben 
gormaten au£ raumöfonomifd^en ©rünben burtf)Weg ben 
Sor^ug gegeben. 

93ei ber Aufteilung ber 53ücf)er gilt meiftenS als SRegel, 
baß biefelbe oon ben unterften gackern eines SftepofitoriumS 
ausgehen, alfo bie ber Reihenfolge nach erften golianten in 
baS unterfte golianten-, bie erften iQuartanten in baS unterfte 
Cuartfacf) unb bie erften Don ben übrigen 93üd)ern in baS 
erfte ber sunädtft auf bie Cuartanten folgenben gäetjer 



Digitized by Google 



5?icrtc§ Slapttcl. 9Jou ber ©inricfjtuno bc3 SBüdäcrfc^a^cS. 



225 



cingefteHt $u werben pflegen, ©ine awingenbe Sftotwenbigfeit 
^ter^u fdjeint freiließ nicf)t öo^uliegen. $)a man jebeS 2)rucf* 
Werf üon oben nad) unten lie§t, fo bürfte e§ im ©egenteil 
unferen ©ewof)nf)eiten bielleidjt entfpredjenber fein, immer 
Don bem oberften gad^e be§ 9tepofitorium§ au§ $u beginnen. 

3)ie Slufftellung muß bagegen in allen gäcfjern in gleitet 
9iid)tung unb jwar auSfdjließlid) Don ber Sinfen äur9lecf)ten 
(5ig. 28) gef)en, nid}t umgefcfyrt. 5(ud) f)ier nämlid} wirb bev 




gig. 28. »on UnK nati) rcöjt« auf» giQ. 29. $u edjlangmlinieit auf- 
tööri« laufenöc ^üdjermimmern. wärt« iouftnbe ^üdjcrnummmu 



Umftanb , baß unfer Sluge ©ebrucfte§ in biefer SSeife 511 
lefen pflegt, maßgebenb fein müffen. SSenn man angeblich ber 
3eiterfparni§ wegen $u empfehlen beliebt fjat, in f cljlängelnbcr 
äöeife in bem einen 3ad)e toon ber Sinfen jur Diesten unb in 
bem barauf folgenben umgefefjrt Don ber 9ied}ten jur Sinfen 
(Sig. 29) 5U ftellen, fo ift biefer SSorfcfytag auf alle gällc abju^ 
weifen, weil ein berartigeg ftete§ 28ed)feln in ber 9tidjtung bei 
bem 23iebereinftell£n ber öücfjer, wenn fie herausgenommen 
waren, nur 5U leidet ju Errungen SSeranlaffung geben famt. 

l)at ferner mit ©teffenljagen 147 al£ felbftüerftänblid) 
§u gelten, baß feine gormatflaffe früher al£ eine größere 

©raefet, 53t6Üotf)cf§[ct)rc. 13 



Digitized by Google 



226 



3»ücttcr %tU, $om Südjeridjafc. 



einfefcen barf, vielmehr Dftat> r Cuart unb golio gleid£)5eitig 
beginnen müffen; bog bie Reihenfolge einer gormatflaffe 
nicht unterbrochen merben barf; baß bie breigormate fotoeit 
als möglidt) jufammen gruppieren finb unb bie noch über* 
f djiefsenben Dftabbänbe ben ©<i)luß 5U machen haben ; bog 
bie ttnffenfdjaftlichen Abteilungen ober Staffen nach oen 
Gtifetten auSeinanberjuhalten finb. ©nblicf) muß noch 
barauf gefefjen toerben, baß bie Ü8üd)er nicf)t $u bicht an 
einanber $u flehen fommen, bamit einesteils für fpötere 
üftacfjfchaffungen noch P a fc gdoffen unb anbernteilS bem jur 
befferen Erhaltung ber Sucher nötigen Suft^uge jmifchen ben* 
felben ber erforberliche Spielraum Vergönnt bleibe unb bie 
Grinbänbe fich nicht an einanber reiben. Auch mad)t ein $u 
bichteSBufammenbrängenber S3üdf)er unb bie baburef) fceran* 
laßte ^Beengtheit ben ©ebrauef) ber 93ibliothef im ^ö^ften 
©rabe unbequem. 93ei ber Aufteilung mit fpringenben 
Hummern mirb übrigens bie 9iücf ficht auf bie nod) folgenben 
©infdhiebungen ein ju engeS ©teilen ber 33ücf)er innerhalb 
ber Abteilungen üon Vornherein Verbieten. Ilm ju Verhüten, 
baß bie ei^elnen 33änbe, trenn Süden jtuifchen ihnen gelaffen 
finb, fd)ief flehen ober umfallen, pflegte man früher imitierte 
S3üd)er ober ^ot^ftänber einauftellen, an beren ©teilen neuer* 
bingS ©tüfcen auS ©ifenblech (gig. 30), bie fich ourc h ^ re 
83iüigfeit empfefjlcn, mit gutem ßrf olge eingeführt 
roorben finb. jftaef) gesehener Aufteilung ber 
Söücher finb fchließlicf) an ben $>ecfbrettern ber 
9iepofitorien noch Aufftfjriften, momoglidh auf 
SBlecfjtafeln, roeldje baS SBiffenfdjaftSfadh ober bie 
§aupt= ober Unterabteilungen ber in ben SRepo* 
m. 30. fitorien auf geseilten 33üd)er anzeigen, ^u befeftigen. 
Werfjaiter gü r bie Aufteilung ber ben Repofitorientifchen 
° K \uT n * unb ben ©cfjaufäften aujutoeifenben Söerfe gilt 
bloß als SSorfchrift, baß bie großen Atlanten, 
harten- unb Supfertuerfe, fomie alle fonftigen 93ücf)er oon 
foloffalem gormate momöglich in biejenigen Sif^e ein* 
aufteilen ober 511 legen finb, melche ben SRepofitorien, in bie 




Digitized by Google 



Viertes floatet, Eon Der Gittri^tui!« bcS »iicfierföofcc*. 227 

fie eigentlich ber Reihenfolge ouf bem Rapiere nach gehören 
würben, aunächft flehen. 2>ie ©d)auftücfe finb in ben<Sd)au* 
fäften fo unterjubringen, baß ba3, tt)a£ an ihnen gerabe 
befonber§ bemcrfen§* unb feljenSroert ift, bem 83efd)auer am 
bequemften unb ficf)erften in bie Saugen fallen muß. 

5)amit wären bie wefentlirfjften bei ber $lufftellung in 
Söctrac^t fommenben ©efid)tgpunfte erfchöpft, wenn nid)t nod) 
etne§ UmftanbeS ©rwäljnung gefächelt müßte, ber in gewiffen 
gälten auf bie fo tt)ünf^en§tDerte einheitliche unb planmäßige 
9tuffteKung einer (Sammlung äußerft ftörenb ein^uwirfen Ver- 
mag, ift bie§ nämlich ber leiber nicht fo gar feiten toor* 
fommenbe Umftanb, baß unter ben jur 33ib(iott)cf gefommenen 
größeren 93ücf)erfompleyen einzelne fich befinben, bie bon 
feiten ber früheren 23efifcer nur unter ber Söebingung einer 
toon ben übrigen Süchern getrennten $luffteHung abgetreten 
worben finb. 28a£ ift mit berglcichen bebingungSweifc ab* • 
getretenen (Sammlungen anzufangen? $>a bie getrennte Sluf- 
fteUung, jumal mehrerer Söücherfompleye, ftet$ ein brücfenbe£ 
|)inberni3 gegen alle SSerfuche, ber ganzen Sötbltot^ef ben 
ßh orQ ^ er griffen ©inheit 51t geben, ift unb bleiben 
wirb, fo ^at natürlich ber 53ibliotl)cfar äße Littel aufau* 
bieten, um bon jener Sebingung ber getrennten Slufftellung 
entbunben 5U werben , unb bie jur Slbtrennung Verurteilten 
SWaffen unter bie übrigen 93üd)er mit einorbnen ju bürfen. 
2öo bie§ jeboch nid)t burd)5ufe£en ift, ba müffen wenigftenS, 
fofern nid)t eine befonbere Crbnung für bie abgetrennten 
Seile auSbrücflich toorgef ^rieben ift, biefe gauj in ber näm- 
lichen SSeife, wie ber gefamte anbere 93ibliothef£fürper, auf- 
geftellt werben, Dielleicht baß fich fpäter einmal bennotf) eine 
paffenbe Gelegenheit finbet, bie läftige Trennung pbefeitigen, 
in welchem Salle bann bie Bereinigung um fo fchneller unb 
t>oKfommener bor fich 9 e *) en ^irb, je ähnlicher fich bic 8 U 
öereinigenben Seile in ihrer ©lieberung unb Sluffteüung ftnb. 
©efjört ein folcher jur getrennten Sluffteüung unabänber* 
lieh berurteilter Süd^erfompley auSfdjließlich einer gewiffen 
Sitteraturfpejialität an, bie fich in ber 53tbliotf)ef nur in 



Digitized by Google 



228 Bwcttcr Seit. 3?om SücOcrfäafe. 



geringem SRaße ober bielfeicht nodj gar nid)t Vertreten finbet, 
fo läßt fid) übrigens nod) ein 9(uSroeg finben, um bie burd) 
bie getrennte $lufftettung augenblicflid) fdjon ober fünftig 
bebrohte (Einheit ber SBibliotfjef ^er^ufteüen unb 5U ermatten : 
man bereinige baSjenige, tt>aS ber Sibliotfjef auS ber betreffen* 
bcn Sitteratur cntroeber fdjon befifct ober bod) fpäter nod) 
erhält, mit bem getrennten $8üd()erfompIe£e, unb man tt?irb 
auf biefe Söeife einesteils bem ©cbote ber Trennung golge 
geben, unb bocf) anbernteilS ben Gt)arafter ber GSinheit 
beroaf)ren. 

Nach biefen auf bie Sluffteßung ber Südjer be^ügti^eu 
^Bewertungen haben tt)ir nunmehr bie Numerierung berfelben 
einer eingeljenberen S3etrad)tung 5U unterwerfen, um bamit 
baS Sapitel über bie ßinrid)tung beS SücherfchafceS §u (£nbe 
5U bringen. ©0 biet man auch , namentlich unter ^Berufung 
► auf biejenigen Sibliot^efen, too baS Numerieren nid)t ein= 
geführt ift unb bie fid) beffenungeadjtet in öoüfommen 
gutem 3uftanbe befinben, gegen baS Numerieren eingemenbet 
hat, fo bleibt gleichtoof)! baS unbeftritten richtig, baß eine 
Söibliothef, bereit SBudjer numeriert finb , nicht nur gegen 
etmaige Unorbnungen in ber Reihenfolge berfelben mehr als 
bie anberen gefiebert ift, fonbern auch in Seaug auf bie 
Seidjtigfeit , mit ber fid) I3eber, felbft ber im 33ibliotfjefS* 
iuefen Unerf afjrenfte , in bem Südjergennrre 5iired)t finben 
lernt, große Vorteile bor ben übrigen borauS Ijat Sutern 
Ief)rt bie (Erfahrung, baß nod) feine 33ibliothef, roeldje baS 
Numerieren ber 93üd)er einführte, baSfelbe fpäter als ettoaS 
ÜberflüffigeS ttneber aufgegeben hat, \vo\)l aber, baß in fo 
mand)cr Sibliot^ef, Wo bie 33üd)er früher nid)t numeriert 
ioaren, biefe nachträglich numeriert toorben finb. 9WeS bieS 
bürfte ttiofjl beutlid) genug für bie 3 tüe ^^ößigfeit beS 
NumerierenS fpredjen. 5ür biefeS ©efdjäft finb aber nun 
toerfcfyiebene 90^ett;oben in $orfd)lag gebraut toorben. $5a 
nämlid) baS Numerieren mit ber Hrt ber Slufftellung in 
engftem Sufammenhange ftet)t, fo ift baS bei (euerer 
beobachtete Verfahren natürlich auch au f ^ e Numerierung 



Digitized by Google 



SBierteS Siapxttt. fßon ber ßinri^tung Des ©üc$crfd&afcc5. 229 

t?on maggebenbem (Sinftuffe. 2luf bie 33erwerflicf)feit be3 bon 
3otfer mit bem be^eichnenben tarnen bc§ geftnagetungS* 
fi)fteme§ belegten 8Serfaf)ren3, nach meinem jebeSSuch burd) 
feine (Signatur an ein beftimmteS Stepofitorium unb in 
biefem an ein beftimmte§ gad) unb in bem Stocke enblich an 
einen beftimmten ${Ma£ unöeränberttd) gewiefen wirb, tjaben 
wir oben bereite hingctoiefeit unb gezeigt , bafc bei etwa ent- 
ftehenbem *JJ(afcmangel bie ©efafjr eintritt, gleich bie gan^e 
Numerierung umönbern 511 muffen. Ginem anberen Verfahren 
pfolge, roelc^eö jebod) ba3 SSor^anbenfein eines wiffen* 
fdjaftlidjen ßatalogä bereite borau£fefct, follen alle 93üd)er 
burrf) Singabc be§ wiffenfd)aftlid)en gad)e3, bem fie angehören, 
unb ber Qa\)[ bcr (Seite be§ wiffenfd)aftlid)en ÄatalogS, auf 
welker iJjre Site! aufgeführt flehen , be^etrfjnet werben. 63 
leuchtet aber ein, ba§ bei SInwenbung biefer äflethobe — ba 
auf ein unb bcrfelben Seite bie Site! mehrerer SSerfe unb 
unter Umftänben, wenn nämlid) bie 93üd^er im ftjftematif d)en 
Katalog of)ne SRütffidjt auf gormatöerfchiebenheit unb blof* 
nac^ SWafjgabe ih rer wiffenfd)aftlid)en Drbnung eingetragen 
finb, (Schriften Don ganj toerfchiebenengormatflaffen aufgeführt 
fein fönnen, welche äße einunbbiefelbe Kummer erhalten 
müffen — Errungen, benen ba£ Numerieren ja bod) gerabe 
vorbeugen foll, gar balb einautreten Vermögen. Unb foldje 
Errungen würben felbft bann nicht gän$lid) au£gefd)loffen fein, 
wenn man im ft)ftematifd)en Satalog überaß bie Folianten 
fcon ben Guartanten unb biefe Wieberum Don ben Südjern 
Heineren gormateS wie Dftab unb 3)uobe3 trennen wollte, 
unb bie betreffenbe (Seitenaahl entWeber nur ben Folianten 
ober nur ben Guartanten ober ben ©üdjern ton anberem 
gormate geben würbe. Sine (Signatur für üerfchiebene 
2Berfe ^at ftetS etma3 2Rif$tiche£anfich, abgefeljenbabon, bafc 
ba8 2luffucf)en ber 93üdjer baburdj erfd)Wert wirb. 2)a$(£ufc 
fad)fte unb Ungefünfteltfte bleibt baljer immer ba£, bafc man, 
wie wir bereits oben fjerüorgefjoben haben, bie 33üd)er al3 frei 
bewegliche, b. h- toeber an beftimmte ^läfce in ben SRepofitorien 
feftgebannte, nod) fcon beftimmten ©eitenjahlen be§ ®atalog§ 



Digitized by Google 



230 



Setter Xeil. Som ©iickrftf)at>. 



abhängige Snbibibuen betrachtet , bie nur innerhalb ihrer 
Slaffe ihre burd) bie roiffenfchaftliche Drbnung geregelte 
©teile angeroiefen befommen unb, }enad)bem biefe ©teile bie 
erfte, jroeite, britte ober bie fonft mietoieltc ift, Kummer @in§, 
3tt>ei, $)rei unb fo meiter at§ ©ejeichnung augeteilt erhalten. 
2Bo ber tDtffenfc^afttic^e ffatalog bie gormate gerieben auf* 
führt, ba tt>irb bie Numerierung innerhalb ber einzelnen 
gormate immer mieber mit @in§ beginnen müffen. 3Bo bie£ 
nid)t ber gatt ift, toiclmefjr bie Sittcratur im ff atalog ofjne 
Nücffidjt auf ba£ gormat, roeldjeS jebod) in jebem einzelnen 
galle angebeutet ift, jufammen^öngenb gegeben wirb, ba 
muß notroenbigerroeife aud) bie Numerierung, mag fie an* 
fd)lief$enb ober fpringenb fein, burd) alle brei gormate gleich- 
zeitig Ijinburcf)Iaufen , unb nur eine burd) bie 9?ücffid)t auf 
ben Naum gebotene gefonberte SluffteUung jener ftattfinben. 
3n beiben gällen giebt man , um jeber Serroechfelung ber 
gormate Dorjubeugen, außer ber ©ignatur ben Dftabbänben 
noch ßctchen 0 ober 8 Ü , ben Ouartanten Q ober 4°, ben 
golianten F ober 2°. 

$>amit ift jebod) nodj nicht alle», n)a§ bei ber Numerierung 
in 93etrad)t fommt, berücffidjtigt, fonbern e§ bleiben noch 
einige befonbere gragen jur 53efpred)ung übrig. 3 uöö rberft 
fann man aiueifelfjaft fein, ob bie 3iff^be5eid)nung burch bk 
gormatHaffen ober loo biefe für bie Numerirung feine 
Söebeutung fyafow burch bk gan^e $8ibliotf)ef, man möchte 
fagen in einem ^Itemjuge, fortlaufen foll. %n Heineren 
Söibliotfjeten , bie ihre 33üd)er Vielleicht bloß nach heberten 
jählen ober f)öd)ften§ ein paar taufenb Sänbe befifcen, totrb 
allerbingS ein folche§ gortlaufenlaffen ber Nummern ^uläffig, 
öielleidjt fogar praftifd) fein. ^Dagegen bürfte baSfelbe in 
größeren 93ibliothefen mit einem 33üd)erbeftanbe fcon 
taufenben toou 93änben beffer nicht in Slntoenbung gebraut 
werben, mcit bann bie 3tff ern f^ ou f e ^ r 5ufammengefe&te 
fein unb 511 fünf* unb mehrteiligen antoad)fen müßten. 3)er* 
gleichen vierteilige Qiftexn finb aber nicht nur hinfid)tltd} 
bc§ ©ebraud)e§ fehr unbequem, fonbern laffen fich auch au f 



Digitized by 



Sicrte* flajrttef. SBon ber ehtritfrung be§ ©ÜdjerfifjafreS. 231 



ben Südjern felbft, mobon gleich tuetter bie Nebe fein foff, 
nid^t gut anbringen. 9lm beften ift e£ bei größeren SBiblio* 
tiefen , eine Nummernreihe nur burd) bie einzelnen SBiffen* 
fd^aft^fäd^er unb, mo ber 93üdf)erbeftanb ein feljr großer fein 
fottte, nur burdf) bie |>aupt* unb nötigenfalls auch nur burcf) 
bie bezüglicheren Unterabteilungen in ber Strt fortlaufen zu 
(äffen, baß bei jebem gadf)e, bezüglich in jeber $aupt= ober 
Vorzüglicheren Unterabteilung bie Nummernreihe ftetS Don 
neuem mit @in§ beginnen mürbe. Überall aber, mo bie 
Nummernreitje ni<f)t burch bie ganze ©ibliotfjef fortgebt, 
mirb e§ notmenbig fein, $u ber gormat* unb ßifferbejeic^nung 
noch eine bef onbere Signatur , metdje ba§ betreffenbe 5ad) 
ober bie £aupt* unb Unterabteilung anzeigt , hinzuzufügen, 
roobei jebod) barauf gefeljen werben muß, baß biefe Signatur 
fo einfad) al§ möglich ift. $)a§ äßiffenfchaftSfad) mag man 
mit ben für ba§ bibliograptjifche Softem gemähten ent- 
f predjenben großen römifdjen $8ud)ftaben, bie Hauptabteilungen 
mit ben bezüglichen Meinen, bie Unterabteitungen Vielleicht 
mit griedjifchen ©uchftaben bezeichnen. ÜDian bermeibe alle 
mehr ober minber frembartige, mie mathematif df)e , aftro- 
nomifcfje unb berartige 3eid)en> fott)ie römifcfje Ziffern r bie 
teil§ in ihrer 3ufammenfe£ung tuet ju unbeholfen finb , at§ 
baß fie fid) bequem anmenben loffen, teils auch, ba fie au§ 
großen römifd)en 33uchftaben beftefjen, in einzelnen gälten 
leidet ju S3ermed)£lungen mit ben fd)on zur Bezeichnung ber 
SBiffenfdjaftSfächer gemähten großen römifchen Sudjftaben 
S3eranlaffung geben fönnen. 3ur Numerierung mähte man 
burd^auS arabifche 3iffern. ferner fragt e£ fidt), ob man bei 
bem Numerieren bloß bie SBerfe ober alle einzelnen Sänbe 
Zu zählen unb mit einer befonbern Qiftex zu bezeichnen höbe. 

ift entfchieben ba§ Naturgemäße unb Vorteilhaftere, menn 
nur bie SBerfe al§ ©anzeS , nicht auch bie einzelnen 93änbe 
f ine befonbere Nummer erhatten , ba man beren Qafyl bei 
neu erfd^einenben Süchern, namentlich bei 3«tfcf)riften unb 
(Sammelmerten, in ber Negel gar nicht im Voraus? berechnen 
fann. Nähme man aud) fpringenbe Nummern in retd)ftem 



Digitized by Google 



232 



Breiter Xelt. Jßom 93iicfjcvfcf>nfe. 



9D?af3fta6e £ilfe, fo mürbe bod) bie SSerme^rung be§ 
Süc^erjc^Q^eS namentlich an größeren SBibliottjefen einer 
Numerierung nad) Söönben bie größten Sdjmierigfeiten ent* 
gegenfe^en unb bie geregelte Fortführung ber Uataloge in 
jafjtreicfjen gällen — man benfe nur an Serienanfäufe — 
infolge unborfjergefeljener Überhäufung mit Nummern außer* 
orbentlid) erfd)meren. ©ine »eitere grage ift bie, mie bie 
für bie Nepofitorientifche unb ©chaufäften aufgetriebenen 
SBerfc $u bejiffern unb $u fignieren finb. fdjeint ba§ 
^Jaffcnbfte 511 fein, baß fie biejenige ©ignatur, gormat* 
unb 3ifferbe5eid)nung erhalten, meiere ihnen gegeben 
morben märe, menn man fie nid)t au§gefd)ieben fyätte. 
9Ü?an brauet ja nur auf ben Sitelabfdjriften mit ein paar 
Sorten ansteigen, baß bie betreffenben Söerfe nicht mit 
in Neifje unb ©lieb in ben Nepofitorien flehen , fonbern 
in ben Nepofitorientifd)en ober unter ben in ben ©djan^ 
fäften aufbewahrten Eimelien ber 93ibliotf)ef 5U fudjen feien, 
©ine foldje 93emerfung mürbe genügen, um über bie burd) 
Slu3fd)eibung eine§ 2Berfe§ in ber laufenben Nummernreihe 
eine§ NepofitoriumS entftanbene Nummerlüde $u3funft &u 
geben, unb überbieS ba§ aufgetriebene 2öer! anbermärtf mit 
2eid)tigfeit finben 5U laffen. märe beim bergatt, baß bie 
eine unb bie anbere ber größeren SSibliotljefen eine fefjr 
erhebliche Slnjahl bon(£imelien hätte: bann mürbe e3 füglicfy 
gutgeheißen merben fönnen, baß man benfelben eine felb* 
ftänbige «Signatur 5uteil merben ließe. fragt fid) ferner 
nod), mo bie ©ignatur b. h- bie gach 5 , 3iffer= unb gormat* 
bejeidjnung an ben SBüchern ai^ubringen fei. 3>n biefer 
Sejiehung ift man mol)l öon allen ©eiten barüber einig, baß 
biefe ^Zeichnungen teilf äußerlid) b. 1). auf bem unteren ober 
oberen Steile bef Nütfenf ber 33üd)er unb bei fel)r bünnen 
täuben auf ber äußeren ©eite be§ Dorberen ©inbanbbecfelf, 
fnapp neben bem Nütfen, teitö um ber größeren Sicherheit 
mitten , meil möglichermeife biefe äußere 23e3eid)nung burd) 
53efd)äbigung be§ (Sinbanbef ober fonftmie Verloren ge^en f 
minbeftenf burch ©d)mu£ unb Slbnufjung unfd)einbar merben 



Digitized by Google 



«tcrteä Äopitel. «on ber Gtnrignmg bcS Süd)eTfcf)afe3. 233 

fann , ein jweiteä äM innerlich b. fj. auf ber inneren Seite 
be8 borberen ober Hinteren ©inbanbbetfel§ ifjre paffenbe ©teile 
erholten. 33el)uf§ ber äußeren ^Bezeichnung werben auf ben 
93üdjerrücfen ober, wie fdjon gefagt, auf bie Slußenfeite be£ 
borberen ©inbanbbetfelä Heine, gleidjbiel ob einfache ober etwa3 
elegante 3fttelc^en ober ©tifelten l4S aufgeflebt, für weldje 
man neuerbingS mit9fed)t in ben berfdjiebenen 2Biffenfd)aft£* 
fächern berfdjiebene färben gemäht f)at f bamit man gleid) 
an ber garbe erfennen fönne, $u welchem gad)e ein 33ud) 
gehöre. 35ie ©tifetten erhalten bei golio, um leichter in ba§ 
$luge 5U fallen , if)re ©tefle oben , bei ©ftaü unb Cuart 
unten 14 9 , fte werben 5ur befferen Untcrf Reibung ber gor* 
mate Ijäufig aud) nod) berfd)ieben geformt. 2Ba3 fchliefclid) 
ben $dtpunft anbetrifft , wann bie neuaufgeftettten 23üd)er 
i^re neuen Söejeidmungen $u empfangen fjaben, fo erwähnten 
Wir oben, al§ e§ fid) um Sluffteßuug ber (Sammlung nad) 
ber burd) ben wiffenfd)aftlid)en ffatalog bebingten Steigen* 
folge ber Settel fjonbelte, bafc bie Sucher fd)on wäfjrenb ber 
Slufftellung i^re neue Signatur, meldte ben 3etteln bei- 
gefdjrieben fei, erhalten fönnten. Um ba§ Material ber 
Settel ju fronen, I;at man ben SluSWeg eingebogen , im 
borau§ für bie UmfteHung Siften 150 an5ufertigen , welche 
neben ber alten Signatur ber 23üd)er, nad) welcher biefe 
5ufammengefucf)t werben, bie neue enthalten, fobafc eine 
3uljilfenaf)me ber 3ettcl entbehrlich wirb. $8on bem klugen? 
blicf ber 9?euftgnierung ab berlieren bie probiforifd)en 
Hummern if)re ©ültigfeit, bod) wirb e§ faum nötig, ja ntdjt 
einmal ratfam fein, biefelben au§ jebem einjelncn Settel unb 
ben SBüdjern 51t entfernen, woburd) biefe, abgefefjen bon ber 
bamit berbunbenen SWüljeWaltung, leicht berunjiert werben 
fönnen. SSenn bie neue Signatur an befonberer Stelle mit 
anberer Sinte eingetragen wirb — bie probiforifdjen 9?um* 
mern werben übrigeng meift nur mit SBleiftift gefd)rieben 
fein — , fo bürften Serwed)felungen ber beiben Signaturen 
fd)on in $inblid auf bie neuen ßtifetten fdjwerlid) bor* * 
fommen, wäfjrenb bie (Srfjaltung ber alten Signatur bei 



Digitized by 



234 



Swetter Zeil, «om ©üd)crid)afc. 



ettoa entfteljenben Errungen jur Slufflärung btefer btenlid) 
fein rotrb. 

tEÖtr bürfen biefeu Slbfc^uitt ntcfjt fajlicfien, ot)ne nod), wie wir bicS oben 
bei ©efpredjung bcS tpiffenic^aftlic^en ^atatogd bereit« in AuSfid)t geftetlt Ijaben, 
einiger in Amerifa rjeroorgetretener AufftellungSs unb NumerierungSfbfteme au 
gebenfen 161 . Söir ermahnten bereits, bafe ber fcemptaroed berfelben borin beftelje, 
baS ©ebädjtniS $u unterftüften, unb führten baS (Sdjema beS befonnten Dc$imal= 
fbftcmeS 2Relbit Dewei)S in feinen ®runb5ügen bor. Die bur$ McfeS bebingte 
AuffteHung unb Numerierung ift überaus einfach. SSenu man weifi, bafj bie 
$unbcrte bie tflaffen, bie ßcfjner bie Abteilungen unb bie ©iner bie (Settioncn 
bilben, wobei im ganzen 999 (Seltionen berauSfommcn, unb bie »ebeutuug biefec 
brei ftaltoren im einzelnen ftalle aus bem (Sdjcma beS (SuftemcS fennt, fo wirb 
man bcifpiciswcifc SBebftcrS GngltfdjeS SBJörterbudj leidjt finben; baSfelbe mufj 
in ber klaffe $ljilologie = 400, ber Abteilung (Jngltfdje (Spradje ^= 420, ber 
(Seition SBJÖrterbüdjer — 423 ftef)en, wo es unter ben oerfdjiebencn SBörterbüdjern 
feine beftimmte «Rümmer führen wirb, $. in SRUwautee Nr. 13, fo bafe olfo 
bie ©ignatur bort 423 : 13 lautet. Der Nummer ift au&erbcm bafelbft nodj ber 
S3ud)ftabe R hinzugefügt, 423 : R. 13, womit angebeutet wirb, bafe baS 33ud) im 
Reference Room aufgeteilt ift. 

Die Vorteile ber rein numerifdjen, alpljabetifcben unb fuftematifdjen Auf* 
fteUungSwetfe fudjt 3. <Sdj warft in feinem „fombiiiierten" (Softem, melibeS in 
ber Apprentice's Library ju New f)oxt Anwcubung gefunben t)at, ju bereinigen. 

Danadj wirb bie SBibliotfjel in 25 klaffen geteilt, bereu iebe mit ben 25 
grofjen S3ud)ftaben bcS AlpbabctS A— Z (aufeer J) be^ctebnet wirb. 3cbe biefer 
25 fcauptllaffcn wirb wieberum in 9 Untcrflaffeu, jebe ber 9 Unterflaffen nadj 
ben 25 flcinen Sud)ftabcu bcS AlpbabctS tu 25 weitere Unterabteilungen aerlcgt. 
GS ergeben fid) auf btefe 95Jeife tnSgcfamt ([25 x 9+25] x 25+250 =) 6500 
Älaffen. Die 33üd)cr werben ferner ber glcidjmäfjigen AuffteHung unb ber Naum* 
eiiparniS rjalbcr gemeffen unb innerhalb jeber £>auptflaffe tn bier gormatc Duobej, 
Cftab, Cuart, golio gebradjt, bie — ein jebeS für fid} — ftreng alpfjabetifdj 
georbnet werben. %üx bie (Signierung bes einzelnen SudjcS bleut eine Tabelle 
als Nidjtfdjnur , Weld)e aus 1000 Nummern beftcl)t unb in vier ben Format» 
gibfjen eutfpred)enben Abteilungen bie oerfdjicbcnen Kombinationen, bnrd) weldje 
bie (Signatur gcbtlbct wirb, jur Dorftellung bringt. Die Stabelle beruht auf bem 
burtf) ©eredjuungen ftatiftifd) feftgcftclltcn (SrfafjrungSfafte, bafc unter bunbert 
JBttdjern im Durd)fcf)nitt 50 fid) unter Duobe$, 30 unter Cttao, 10 unter Ouart 
unb 10 unter ftolto unterbringen laffen. Die Dabette Ift bafjer fo eingeteilt, bafc 
auf bie erfte ©röfic, Duobe$, bie Nummern 0—499, auf bie zweite, Cftab, Nr. 
500—799, auf bie britte, Cuart, Nr. 800—899, auf bie bierte, 5°lw, Nr. 900 
bis 999 fommen. 999 wirb in ber Abfidjt als Gnbjarjl fefigcljalten, bamit bie 
Ijinäutommcnbe Qiftct ber Unterabteilungen 1-9 mit jenen gablcn bereinigt 
eine fortlaufeubc (bierftenige) NumericrungSrcibe bilbe. Dies Wäre nid)t ber 
Satt, fobalb 999 übcrfdjritten würbe; es mü&te beim mit fünfftelligen 8lff e ro 
bi» 9999 gcredmet werben, was burdjaus unnötig ift, ba fid) objteljin eine un= 
geheuere 3^1 bon fiomblnationcn ergiebt. 

Die Xabellc, bie wir aus Naumrürfficbten nidjt bollflänbig jur Dorftellung 
bringen lönnen, Würbe fid) ju Anfang, in ber SNitte unb (5ube folgenberma&en 
gcftalten : 



Digitized by Google 



«terteS ftapttel. Sou ber einridrtung bc3 ©üc^crfcfja^c«. 



235 



I). O. Q. F. 

Aa 0 500 800 900 

Abc 1 «• - 

Ac 2 501 

Ad 3 502 

Ae 4 - - t 

Ai 5 - 801 901 

Ala f, 5U3 

All 7 

Am 8 504 * 

Ana y 505 802 902 

Kir 245 647 849 949 

Kla 246 643 850 950 

Klo 247 n » >• 

Kna 24 S 649 

Kni 249 » 

Kilo 250 650 

Koa 251 651 851 951 

Kol 252 r. 

Kra 253 652 

Kro 254 

»«•••••■ 

Wor 490 794 897 997 

Wra 491 » 

Wri 492 795 

Wua 493 » » 

Wya 494 790 898 998 

Wyn ...... 495 « « 

Ya 496 797 899 999 

Yo 497 798 

Za. 498 799 

Zo U>9 



25ie Anwenbung bcr Tabelle ift nun folgenbe: 

Angenommen (Suropäifdjc ©efd)id)tc unb Steifen bitbeten bic $auptftaffe R, 
\o Würbe Wyndham, Wild Life in the Fjelds of Norway ju bc$cidjnen fein 
alS R 495. wenn ba§ ?3ud) Xuobcjgrö&e bättc, als R 796 bei Oftaogröfie, als 
R S98 bei Cuarts unb R 998 bei golioformat, ba bic Xabcflc unter ber Äoinbt* 
notion Wyn jene ßiffern anzeigt. Angenommen ferner, bie Hauptabteilung R 
l)ätte Weitere Unterabteilungen (1—9), \o Würbe, wenn ©tanbinaoien nad) bem 
$lane bcS ÄatalogS Unterabteilung 3 bilbete, bic «Signatur in biefem Satte 
lauten R 3495, wobei 3 mit 495 $u einer einzigen oterftenigen 8al)l ücrfdjmilat. 
SSürbe cnblid) ©tanbinaoien fclbft nod) weiter gcfdjicben (mit Bufjilfenaljme ber 
24 tieinen ©udjftaben beS AlpbabctS) unb Norwegen etwa mit b bcjeidjnct, fo 
Würbe ftd) bie Signatur au Rb 3195 erweitern. 

Unleugbare »orteile biefeS ©tiftcmeS fiub leidjte §erfteßung unb Einfügung 
neuer Abteilungen, eine mit Suaiehung oon ejponenten faft biö in baS ©nblofe 
mbglid)e Ausbeutung ber Kombinationen, berbältniSmäfctge (£infad)^eit beS 
enftemeS, bei Weldjem »terfteüige Sailen nid)t übcrfcfjrittcn werben. Snfolge ber 
burdjgeljenbS pgrunbe gelegten ftreng alpljabetifcljcn AufftcttungSweife finb letztere 
für baS Auffudjen überhaupt faft belanglos, ba ein 33ud) aueb ofjne bie Kummer 



Digitized by Google 



236 



Swciter Seil. 5ßom ©üdjerjcfjaö. 



innerhalb ber einzelnen Abteilungen meift leicht au ftnben fein wirb. 9113 eine 
©ehattenfeite ift berooraufjeben , baß innerhalb bcrfelben $aupt» ober Unter* 
abteilungen ©erfaffer mit gleichen SlnfangSbuchftaben t^refl 9?amen8 bei gleichem 
gormate ber betreffenben SBÜcf)cr burch ein unb bicfelbe 8a1)l beaetdjnet werben 
müffen; bafe femer — ba nicht bic SBerle, fonbern bie UJerfaffer bie Wummern 
erholten — mehrere Xöerfe bcSfelben 8?crfaffer8, bie einer Slbteilung angehören, 
aufammen gleichfall« nur jene einige Kummer erholten müffen. Sct)marfc futfjt 
biefem Übelftanbe burch »uchftabenejponenten abzuhelfen, n?elctje ben betreffenben 
Sohlen anaufjängen ftnb. ^nbeffen biirfte man boef) in mannen Säßen bei fet)r 
gebräuchlichen Warnen felbft bamit in ba§ ©ebränge fommen. 2Ja| man ein 
SJuch, fobalb man fidj nicht über beffen SWafe im Kataloge auöor unterrichtet r)at r 
bei ber JBerüfjrung ^uifdjcn Xuobea unb Of tat» , Cftaü unb Cuart, Quart unb 
ftolio, häufig an aiocl (Stellen Wirb fucfjen müffen, tommt audj anberWärtS bor, 
wo bie SBücrjer gemeffen werben. 

Bwifcfjcn ben Sijftemen Xcmcä unb Schtoarfc gcwiffcrma&en in ber ÜJiitte 
fle^t ba8 <Suftem 6. 81. GulterS. SluSgchenb oon bem früher ermähnten Übet* 
ftanbe, bafs bei $cwet) bte Hauptabteilungen in ihrer ©lieberung ooöftänbig 
gleich ftnb, Währenb bie bamit bezeichneten Rächer — mir nannten als Seifpiet 
©efchichte im ©egenfafce $ur <|SI;Uofo^r)tc — oon gana ocrfchicbencm Umfange 
finb, menbet Gutter ftatt ber bte Älaffen marliercnben Bahlen baS grofce SUphabet 
an. 2)abci rönnen, um auf bie beiben ertoähnten Rächer auiticfautommcn. 
beifptelSmeife ber ©efcfjichte mehrere Hauptbucfifiabcn augemiefen werben, währenb 
für Sßhilofophie jene eine genügt. 9ln bic Stelle ber 9 Unterabteilungen £cwet)3 
fefct Guttcr au« gleichem ©runbe bie 26 flehten Jöuchftabcn be§ SllphabetS. wo* 
burch er eine gana wefentltcft erhöhte Xeilung«fähtgfcit ber einzelnen Rächer 
erhält, fo bafe j. 33. ©efchichte bei etwa 5 Hauptabteilungen mit je 26 Unter» 
abteilungen im ganzen ]30 Seftionen umfaffen mürbe, ©leidjaeitig fudjt Gutter 
auch einem SKangel in ber jJiumcrierungSwetfe £emen§ oorjubeugen. (£8 werben 
nämlid) nach berfelbcn bie 95üct)er innerhalb ber Scnioncn , mie fie üon ber 
SBibtiotfjcl erworben werben, Durchnumeriert, fo ba& immer bie lefetc Stcccffton 
an ba§ Gnbc fommt. Xamit märe eigentlich, menn nur neue ©ücfjer angetauft 
mürben, bie chronologifdjc 9iethenfolge hergeftcllt. Xa aber an Sibliothefen, mie 
mir fchon bei ©cfprcchuug ber SluffteUung nach ber ftolge ber Slccefftou au betonen 
©elegcnhcit hotten, nachträglich auch ältere ätferte aur ©rgänaung angeschafft 
werben, fo hört ein fefteö CrbnungSprinaip balb gana auf. tiefem Übclftanbe. 
ber fid) übrigens burch bte Slnmeubung fpringeuber Nummern leicht befeitigen 
liefec, begegnet (Sutter burcl) bic alphabetifche Slnorbnung. Scfctere erhält er burch 
^crfcfmiclauiig ber (Schmarfcfchcn WumerterungSweife mit bem Deaimalfhfteme ber 
Mlaffeu ScwcöS. <£5 tommt ihm hierbei cor allen Tingen barauf an, auch bie 
oben hervorgehobene fchmache Seite beä (schmar&fchcn ©uftemeS, bie ibentifche 
Numerierung berfchtebencr SSerfaffer mit gleichen SlnfangSbuchftaben, au befeitigen. 
Unter Beibehaltung ber ©chmartyfchen ©caeichuungswetfe im allgemeinen merbeu 
bie ißerfafter immer burch Bahlen oon einanber gefchieben, wa§ auf ber Xeaimal* 
baft§ fidj leicht aufführen lä&t. gür bie oerfchiebenen 93ücrjer ein unb beSfelbett 
»erfaffer? oerblcibt bagegen auch hier bie planmäßige Slnmeubung oon (Syponentcn 
beftchen. Gutter teilt alfo auoörberft ba§ 3Uphabet in aehn Seile. 

jlj A— Bo ... 0 M 5 



D-F 
<i-II 
J— L . 



1 

■1 
:5 



N-K 




s 



6 
7 
8 
'J 



Digitized by Google 



»ierteS Staphel. Bon ber Einrichtung bcS ©üdjcrfdjafceS. 



237 



320 


Ori— (rril . . 


. 325 


321 


Grim — Grlz . 


. 326 


322 


Gro— Gm . . 


. 327 


323 


(iry— (iub . . 


. 328 


324 


Guc— Guk . . 


. 32'J. 



53ci einer SUofie mit nur fcfjr wenig ©iirfjern Würbe bieie Tabelle genügen, 
©in SBnet) öon Glcöelanb 58. würbe bie ^at)[ l, t»on Xamoureau 2, r»on 
<5>ouptl 3 erhalten it. f. f. Mine nun ein ©ttd) non @rau Ijtnau, fo würbe 
bie Safjt 3, ba fte grunbfäfclid) nict>t jwei berfdnebene »erfaffer be^eidincn fon. 
nidjt mefjr ausreichen. GS würbe ftd) Piclmetjr jefct eine erweiterte Teilung nötig 
machen, weldjc in folgeuber Tabelle Deranfdjaultdjt ift: 

[II] Ga— Gik ... 30 Hay-IIeq . . . :r> 

Gil— Goq . . . 31 Her— Ilik ... 36 

Gor— Guk . . 32 Hil-Hoe ... 37 

Oul— Hann . . 33 Hof— Ilor ... 38 

Hau— Hax . . 34 Hu— Hz ... 39 

Kad) biefer Tabelle würbe ©rag bie Kummer 32 erhalten, Wäfirenb für 
©oupit 3 blieb. Tie zweite Tabelle bietet 100 ßaljlen für bie Unterabteilung, 
Was in ben meiften gaöen genügen würbe, ftäme jebod) ju ©rau nod) ein 
©ud) oon ©orbon Ijinju, fo würbe eine britte, nod) weiter ^eglicbcrte Xabeüe 
aushelfen müffen, nämlid; 
[III] Gor— Got . . 

Gou— Gral 

Gram— Graz . 

(ire— Grel . . 

Greru— Grez . 

25Mr r)ätten bann 

Goupil 3 

Gray 32 

Gordou 320. 

2>aS Wäre aber ntcfjt fireng alpfyabetiid). GS ergtebt fid> bc§l)alb bie Kot* 
Wenbigleit, bie Kamen neu $u numerieren 

Gordon 320 

Goupil 321 

Gray 322. 

Sn ben meiften ftäHen würbe ftd) bie bedjäftnismü&ig geringe (Störung ber 
alpfjabetifdjcn Drbnung jebod) fo lange trtragen laffen , bis eine »JMc&rjafcl non 
gäHen bie Uinnumericrung briuglid) madjte. 

2)te erfteXabellc würbe nur bei. Heineren £vädiern in Stnwenbung 51t bringen 
fein; wo ein grofecr 3uwadjS im boraus anzunehmen ift, würbe Xabellc III, 
nad) ©cbfirfnis fogar eine üierte Xabcüe mit öicrftcaigcu ßablen bou Slnfang 
an als ©runblagc ber Numerierung bleuen müfien. Xtcfc lefcterc gefjt auf ben 
erften ©lief etwas burdjeittanber, wirb jebod) fofort beutltd), wenn mau Mc ju« 
gefügten ^cjimalftcllcn in Slfyug bringt, ©te würbe fid) folgcnbcrmafsen gcftaltcn : 
l, 12, 13, 135, 1354, 136, 14. Gin jwtfdjen 12 unb 13 ciujufdiicbcnbc* ©ud) 
Würbe, um bicS fogletd) Ijicr borweg $u nehmen, ba wir im Slbfdjmtte über bic 
Ginfügung bcS Suwadjfcs in bic ©ibliotfjef auf biefe fremben ©ijftcmc nicfjt 
wieber jurfitffomutcn werben, bic Kummer 121 erhalten u. f. f. Xa bic Sluf* 
fteflung bie alpt)abctifcr)c ift, fo tonnte man ftatt biefer ßflfjlcn aud) bie ?lnfangS* 
buajftaben ber Tutoren unb jwar foweit, bafi fie fid) ton bem borf)crgel)enbcu 
unb bem folgenben Kamen unterfdjetben , als jweiten Seil ber Signatur ein« 
fcfccn, woburd) man lauter »udjftaben erhalten würbe. Gutter Dat mit Kecfjt 
ßaljlen Dorgcjogcn, ba ©udjftaben unb ßafjlcn bereinigt ftd) am leidjtcften bem 
©cbädjtniffc einprägen. Ginc gefonbertc HufftcUung ber Formate fäüt infolge 
bes ^eaimalfbftemcS fort; biefclben Werben lebiglid) burd) bie bcrfdjiebenc 3lrt, 



Digitized by Google 



238 



S^citcr Seil. 9?om Südjcrfdjafr. 



tute bie (Stifctten ben SBiidjern aufge!(c6t merben, fennttie^ geitiad)t r ein ©er* 
fahren, metdjeS nadj unferen früheren 9lu8füf)rungcn wenig (Einpfcfjlung toerbient. 
3115 etne cntfdjiebcne <Sd)attcnfette bc§ (StiftemeS crfcfjeint bie leicht eintretenbe 
«Hotmenbtgfelt, bic 83üd&cr umzunumerieren. 

S)ic ©runbjüge ber angeführten (Stifteme finben fid) in öctönbertcr ©eftatt 
ouefj bei anberen Plänen 152 , melaje in neuerer Reit in Slmerita in ©ejug auf 
Slufftettung unb Numerierung $um iBorfcr)cin gefommen finb, lieber, gnbem 
mir biefe bo^er auf fttf) beruften loffen, möchten mir jum ©bluffe nur nodj ber 
originellen ütrt unb ©etfc Grmafjnung tr)un # mie narf) IBiScoe 153 om Columbia 
College bie (Signaturen baß öufcere SWerfmal ber bort cingefüorten d)ronotogifd)en 
9luf fieHungSmeife an fid) tragen ; eS gefdjicfjt bieS nämtidj unter ßugrunbelcgung 
folgenber XabeHe. 

bebeutet A = b. ßljr., B = 0—999, C — 1000—1499, D = 1500—1599, 
K — 1600—1699, F = 1700-1799, G — 1800-1809, H = 1810—1819, 
I = 1820-1829, J = 1830—1839, K =« 1840-1849, L = 1S50— 1859, 

M r-r 1860—1869, N = 1870—1879, O 1880—1889 u. f. f. 2>ie (Signatur 
C 472 mürbe banacr) onbeuten, bafj baS SBud) 1472 crfdjtencn ift, F 43 märe = 
1743, 1 9 = 1829. 3)er fcaubtbucftftabe allein gtebt bic ungefähre 3eit un* 
batterten ©rüden an, 5. 93. K - 1S40—1849. 3Kit bem Satire 2000 märe ba« 
«Sbftem &u Gnbe, „aber — fo tröftet ftd) JBtScoe — beoor biefe ©renje erreicht 
ift, merben anbere unb beffere <Sljftemc erfunben fein". 2Wöd)ten biefe $u etmo§ 
größerer (Sinfadjljeit jurüeff efjreu , bie jene fünftlidjen ®t>ftemc in manchem 
»ernüffen (äffen. 

Vierter 2f6fd)nift. 

«Jtou ber ^«ipajrunö bes 'gftüdjerfdjaiies. 

SBenn nun ber 93ibliotl)efar in ber btöljer gefcfjtlberten 
SGSeife ber fetner Dbfjut anvertrauten ©ammlung ein fcf)öne£ f 
bequemet unb jtüecfmö^igeg £eim bereitet unb iljr SSeiter* 
befteljen unb ifjre gebeif)licf)e ©ntuncfelung in materieller 
£infid)t nad) Gräften ju f örbern gefugt T;at ; roenn er ben 
Söücfjerfcfyaj} mit fjleife unb Umficf)t berjeid^net , in guten 
Katalogen ber 33enu£ung jugänglicf) gemalt, if)n forgfältig 
aufgehellt unb numeriert fjat, bann barf er nid)t etroa glauben, 
bafj nunmehr feine Arbeit getfjan fei , fonbern e§ gilt jefct, 
mit Slufmerffamfeit unb nie ermübenbem Gifer barüber $u 
tt>ad)en, baf$ bie gefdfjaffene Drbnung aud) in allen ©tücfen 
gcroaljrt unb bie Söibliotljef in jeber S^ieljung untoerfeljrt 
erhalten bleibe. 2)enn e§ broljen ber Drbnung unb bem 
SBeftanbe be§ foftbaren ©cf)at3e§ allerlei ©efafjren unb jtoar 
toerben biefelben Ijerborgerufen einesteils burd) bie ©enufcung, 
anbernteilS burd) ben ßinflufj ber Elemente, ober burd) ©taub, 



Digitized by Google 



SBiertf* Äopitcl. ®on bcr ©inridjtuttQ bcS 99ttcf)crfd)afee$. 239 



Snfeften, SBürmer unb bergfeid)en. Sönve bie Söibliothef eine, 
lebiglid) $ur 93eficf)tigung aufgeteilte (Sammlung wie etwa 
ein ffunftmufeum ober eine ©emälbegaleric, fo mürbe bie 
Bewahrung ber if)r jugrunbe gelegten Orbnung eine ebenfo 
einfache ©adje fein wie i(jre ©icherfteßung toor Scfchäbigungen 
feitenS ber Sefudjer. $)a aber ber eigentliche 3wccf ber 
33ibliotl)efen ber ift, benufct 51t werben, fo wirb, je ausgiebiger 
unb umfangreicher bie 93enu$ung ift, um fo größer bie ©efahr 
fein, baß auf bcr einen ©eite burd) ba§ herausnehmen unb 
Ginftellen ber 93üd)cr bereu Drbnung geftört werbe, auf bcr 
anberen ©ehe bei (Sntleihung ber $3üd)er namentlich außer* 
halb beS 93ibliothcfSgebäube§ 33efd)öbigungen berfelben, ja 
felbft SSertufte entfielen. 2öir werben bie gegen unacf)tfamc 
unb leichtfertige 33enu£er $u ergreifenben ÜDcaßnahmen weiter 
unten im Sapitel über bie Söenujjung noch näher 5U erörtern 
haben; bagegen faffen wir an biefer ©teile fogleidj baSjenige 
Littel näher in baS Sluge , Weldas ben Söibliothefar in ben 
. ©tanb fefct, fich Don etwaigen ©törungen in ber Drbnung 
bcr 33ücf)er, toon etwa entftanbenen S)efeften, über welche eine 
befonbere fiifte 5U führen ift, unb fonftigen herüortretenben 
Mängeln genaue ficnntniS $u beschaffen, wir meinen bie 
SRebifion. 

63 ift eine jiemlich auffällige ßrfcheinung, baß, Währenb 
bie SRetoifion nicht nur in allen SibliothefSreglementS eine 
5iemlid)e 9iotte fpielt, fonbern auch & em ^ublifum Safjr au $ 
!Jahr ein burch öffentliche 23efanntmachungen unb bergleichen 
Don feiten bcr 33tbIiotf)efen inS ©ebätf)tni£ jurüefgerufen 
wirb, berfelben in ben über bie 93ibliothet3lef)re hanbelnben 
©Triften meift entweber gar nicht, ober mit nur fehr wenigen 
SSorten unb oberflächlich gebaut wirb. %?nex Umftanb fpricf)t 
boch ficherlich bafür, baß bie 9tebifion in bem SöibliothefS* 
wefen Don einer gewiffen SBichtigfeit fein müffe ; eS läßt fich 
baher bie geringe ©eachtung, welche ihr in ben Söüchern über 
SBibliothefSDerwaltung gewibmet ift, !aum recht berftchen. 
MerbingS fommt eS fehr barauf an, wie man ben ©egriff 
bcr Sfiebifion überhaupt auffaßt, ©icht man in ber 9iebifion 



Digitized by Google 



240 



3u>eiter Zeit. S3om SBüc^crfc^a^. 



nur ein ©efdjäft Don ganj untergeorbneter SBebeutung, 
währenb bcffen r wenn auch nicht bem ganzen SMbltothefS* 
perfonat, fo bocf) einem Seile beSfelben eine 3Irt gerien toer- 
gönnt fei, fo h<*t man frei(id) wenig Seranlaffung, baSfelbe 
einer genaueren Sefpredjung $u unterbieten. SBenn man ba* 
gegen ba£ SBort in einer anberen unb fjöfjeren Sebeutung 
nimmt unb in ber SRebifion nicht eine $e\t ber 9lul)e für bie 
Seamten, f onbern eine f oldje angeftrengterer S^ätigfeit erblid t, 
bann erfdjeint bie ganje ©acfje in einem burchauS öerfcf)iebenen, 
ben S3orfchriften ber SBibliothefSregtementS entfprechenberen 
Sickte, in einer tKuffaffung, melier unter allen Umftönben auf 
einge^enbere Sßeife 2lu8brucf ju geben ift. Slber worin befte^t 
benn eigentlich bie SReöifion? 

5>ie9ftebifion befteht nid)t barin, baft man jährlich einmal 
fämtlidje ausgeliehenen Söüd^er einberuft unb ^urücfforbert, 
unb bie aurücferfjaltenen in bie SRepofitorien lieber einftettt, 
äugleidf) auch bie 33ibliothef£räume reinigen unbfcf)euern lägt, 
wäf)renb ber S3ibIiotf)efar behaglich feine föufje geniefct; bie 
Dtetoifion befteht Vielmehr barin, baft, nac^bem alle au£* 
geliehenen Söücher — aber ohne SluSnaljme ju gunften 
etnjelner bevorzugter ^erfonen — eingeforbert unb an ihre 
©tanborte 5urücf gebracht worben finb, eine Sßergleidjung 
barüber angefteüt tt)irb, ob f amtliche ber SMbliothef juge- 
hörigen SSerfe nicht nur Vorlauben finb, fonbern auch i n 
ber im ©tanbortSfatalog vorge^eichneten Drbnung in ben 
ütepofitorien fich Vorfinben. Db babei eine Reinigung be£ 
SofaleS unb ber33ücf)er, fowie bie ^erfteHung etwaiger 23au* 
Iid)teiten jugteich mit Vorgenommen werben, ba§ wirb für 
bie 33egriff£beftimmung ber ÜteVifion gan$ gleichgültig fein, 
obfdjon gern zuzugeben ift, bafj fehr aweefmägig 9tet>ifton 
unb Reinigung mit einanber Verbunben werben fönnen. Stfur 
muß in biefem Saite lefctere ber erfteren Vorausgehen unb 
5War au§ bem ©runbe, bamit nicht ba£, wa§ burd) bie 
SieVifion erft in Drbnung gebraut Worben ift, möglichermeife 
bei ber Reinigung wteber in Unorbnung gerate. Sn betreff 
ber SReVifion giebt e£ 3Wei Hauptfragen, nämlich wie unb 



Digitized by Google 



Stertes ffapttel. Eon ber (Jinricfjtung bc§ »üc^crtöafccS. 241 



ttrie oft re&ibiert derben fotf. Sie erfte berfetben lagt fich ba, 
too man ©tanbortefataloge, bie 53ibüothef3inüentarien, ober 
etroaS benfelben ähnliches befi^t, praftifcf) fefjr leidet beant- 
tüorten: mit bem Snöentarium in ber^anb muß ber93ib(io* 
tl)ctar retribieren, b. f). Kummer für Kummer be$ 3>nt>en* 
tarium§ mit ben Söücfjern im SRepofitorium Dergleichen unb 
bie Sönbe nachzählen, bie etroa fid) t)orftnbenben$)efefte unb 
ßrbnung§roibrigfeiten entmeber auf ber (Stelle ergänzen unb 
befeittgen, ober in einem furzen 9temfion§protofolle auf- 
3eid)nen, bamit nad) Angabe biefe§ ©erleid) niffe§ am Sd)luffc 
be§ ganzen 9iebifion§gefd)äfte§ atöbalb auf bie SluSfüffung 
ber borgefunbenen Süden 33cbad)t genommen werben fann. 
2)a§ ©efd)äft ift jmar ein ^iemltc^ mechanifd)e3 unb , wenn* 
fd)on ermübenbeg, boef) Ieid)t ausführbare*; nidjtSbefto* 
weniger barf e3 bei ber 28id)tigfeit, meiere bie SReöiftoii für 
jebe 93ibliotf)ef ^at, feinem ber 2)ieneri übcrlaffen bleiben, 
fonbern muß t>on ben roiffenfcfyaftlidjen Beamten felbft aus?* 
geführt werben. 3" größeren SBibliotfjefcn, wo bie Gin* 
rid)tung getroffen ift, baß Don ben Beamten jeber einzelne bie 
fpe^ielfe $lufftcf)t über bie Snftanbhaltung gcroiffer gädjer $u 
übernehmen hat, bürfte c§ fich al§ fefjr ^roerf mäßig empfehlen, 
baß bie 9?et>ifion jener gäd)er ntd)t toon biefem felbft ober 
toenigften§ nid)t Don ihm allein, fonbern ftct§ in SSerbinbung 
mit einem Kollegen beroerffteßigt werbe, weil auf biefe Sßeife, 
ba Dier klugen mef)r fef)en al§ $wei unb ba man bie eigenen 
Sertürner fd)Werer bemerft al§ ein Ruberer, etma fcor- 
gefommene SScrfehen leidster aufgefunben werben bürften. 
<£twa£ Schwierige^, ja etttaS fef)r Mißliches ift bie Söeant* 
W ortung ber grage, wie $u rebibieren fei bei 93ibliotf)efen, 
bie feine Snüentarien befi^en. $8ei biefen bleibt e§ wirflicf) 
rätfetf)aft, wie bie praftifdje Beantwortung ber grage ermög* 
lic^t werben fönne, unb bie einzige Söfung be§ SRätfelö ift 
bie, baß man balbigft in ben 93efi£ eine£ @tanbort§fatalog§ 
ju gelangen fudje. S3a§ bie anbere Hauptfrage betrifft, wie 
oft rebibiert werben fott, fo bebarf ohne Zweifel ber bon ber 
Grfahrung ^inreid^enb feftgeftetlte ©a$, baß bie 9Jebifion 

öraefer, SiMlotycfMcfjrc. * IG 



Digitized by Google 



242 



Breitet £eU. SBom JSüdjcrfäafc, 



regelmäßig jebeS 3fah r borgenommen werben müffe , feineä 
weiteren SöewetfeS; nur bürfte nachäuweifen fein, lüie fidj bei 
größeren 93ibliotf)e!en mit einem öüdjerbeftanbe bon hundert* 
taufenben bon SBänben eine regelmäßige jä^rüd^e 9tebifion 
ausführen laffe, ba bie 3>urcf)fidf)t unb 3)urdf)äähtung einer 
fo außerorbentlicf) großen 33ücf)ermaffe , wenn nicht ganj 
außerorbentlid)e Sräfte mit baju in Stnfprucf) genommen 
werben, faft ein $ing ber Unmöglidjfeit fein fcfjeint. 2« 
ber Xf)at mürbe bie durchficht in biefem gatte einen Sraft* 
aufwanb erljeifdhen , ber mit ben ben Söibliotljefen felbft im 
günftigften gatte ju ©ebote fte^enben Mitteln nicht im 23er* 
hältntffe ftänbe. 2)af)er hat man auch bei ben meiften größeren 
93ibliothefen bie Einrichtung getroffen, minbeftenS in ben 
^Reglements borgefct)rieben , jebeS galjr immer nur einen 
Seil ber 33üd)er in bem 9Maße $u rebibieren, baß nach einem 
3eitraume bon brei bis fünf Söhren erft bie Sftebifton ber 
ganzen Sammlung beenbigt ift. ©ine berartige Einrichtung 
muß für größere Sibliotf)efen, in Setradjt ber Soften, toelc^e 
bie Aufbietung befonberer ArbeitSfräfte berurfacfjen bürfte, 
um fo meljr als ^inreid^enb angefefjen werben, je ungenügender 
jene auS bem ©runbe immer fein würben, weit fie bie ©teile 
ber 33ibliotljefare, bon benen bie Stebifion eigentlich in eigener 
Sßerfon ausgeführt werben fod, bod) nie bollfommen erfefcen 
fönnten. ©ei Heineren 93ibüott)efen bleibt bagegen bie reget? 
mäßige jährliche Sftebifion beS gan5en 33ücf)erbeftanbeS eine 
unbebingt empfehlenswerte gorberung. 

Außer biefer regelmäßigen jährlichen SReüifton wirb eS 
gut fein, wenn bie t)i%re AuffichtSbefjörbe noch auweilen 
außerorbentltcfje 9iebifionen(@uperrebifionen) anorbnet, unb 
biefe burdj ba^u eigenS abgeorbnete Organe bornehmen läßt. 
@S brauchen ftch bergleicfjen außerorbentliche Dlebiftonen aber 
nidf)t gerabe jebeS ^aljx 5U wieberholen , fidE) aud) nid)t auf 
ben ganzen Söüdjerbeftanb $u erftrecfen. Um fo notwenbiger 
ift eS jebodf), baß eine fotdje ©uperrebifion wiber Erwarten, 
unb o^ne baß bie 93ibIiotf)ef£&eamten etwas babon ahnen, 
anbefohlen unb baS, waS beifpielSweife jur Stebifion beftimmt 



Digitized by Google 



»icrtc0 ftatftel. ffion ber <5inrid)tunQ bc3 ©üdjciidjuvcS. 



243 



ift, mit alter ©orgfalt ber prüfenben durchficht unterworfen 
werbe, bamit bieDberbehörbe eine ungetrübte ©nftdjt in bie 
SSefdhaffenfjeit unb Drbnung be§ 33üd)erbeftanbe§ erhält, 
©leidfoeitig mit ber ©uperrebifton ber 33üd)er wirb bon 
feiten ber SBeljörbe ganj paffenb eine Stebifion ber 33ibliotfjef3= 
fataloge, namentlich be§ 3ettetfatalog3, berbunben werben 
fönnen, bie nicht bloß wegen ber großen 2Bicf)tigfeit ber 
Kataloge überhaupt, fonbern auch be^tjolb bon ßett $u Qeit 
einmal borgenommen $u werben berbient, weil man fich au§ 
ben Katalogen mit am beften unb am leicf)teften über ben 
©eift ber in einer Söibliothef Ijerrfd)enben Drbnung , ohne 
weldEje jebe 33ibliothef mehr ober weniger gefäfjrbet bleibt, 
§u unterrichten im ftanbe ift. 

@£ gilt aber auch ne ^ e « btx 2lufrechterf)altung ber Orb* 
nung ben SBüdjerfdjak gegen atferfjanb fchäblicfje ©inflüffc 31t 
fd^ü^en unb jwar gunäd)ft gegen bie (Einwirfungen beS . 
©taube§ 154 . 2öir erwähnten borf)in, baß e§ ^wecfmäßig 
erftf)eine f fogleid) mit berSRebifion — unb 3War unmittelbar 
bor biefer — bie al3 Littel gegen ben ©taub unentbehrliche 
atigemeine Reinigung ber ©ibliothef bo^unehmen. 

Obwohl bie Sftotwenbigfett, bie Südjer möglichft rein unb 
frei bom <&taubt ju erhalten , aller Erfahrung jufolge eine 
burcfjaug unleugbare unb nicht nur in Sftücf ftcf)t auf ein gute§ 
9lu§feljen, fonbern audE) auf beffere Sonferbierung ber 33üdf)er 
überhaupt fo abfotute ift , baß man e§ faft für überflüffig 
halten fönnte , babon hier noch heiter $u fprecfjen , f 0 lehrt 
bocf) bie 93ibItot^etegefcf)id)te teiber $ur ©enüge, baß bie 
barauf fjinätelenben SSorfchriften nicht oft genug wieberfjolt 
unb eingefd)ärft werben fönnen. 9Ran fcheint fidf) bietfach 
ber SReinung hingeben, at§ fei bieSfteinhaltung berSSücher 
unb Slepofitorien lebiglicf) eine auf ©cf)mucf unb gierlicfjfeit 
berechnete SWaßregel, bie fich allenfalls in einer Söibliotljef 
entbehren laffe. 2lußerbem mag man bietleicht audfy glauben, 
baß bei ftarf benufcten 58ibliotf)efen ohnehin ba§ $lu£leihen 
ber Süd^er hinreichenbe ©elegenheit unb SSerantaffung gebe, 
bie 93änbe famt ihrem Inhalte f re * bom ©taube $u erhalten. 

16* 



Digitized by Google 



244 



Sweitcr Xcit. $om Sitcf)erfäa&. 



Mein ba§ eine ttmre fo irrig toie ba§ anbere. $cnn e§ 
bleiben, tta§ ben lederen gatl betrifft, felbft in ben am 
häufigften befugten unb benu£ten 33ibliotf)efen große Staffen 
toon 93üd)ern , nid)t 3af)re lang , fonbern Sahrjehnte ifür 
^a^r^e^nte ol)ne alle Nachfrage, unb bemnacf) ba, too man 
eine Reinigung ber ©ücfjcr üon 3ett ju Qdt toomefjmen 
laffen nidtjt für notroenbig hält, eine fo geraume 3eit fjinburct) 
mit allem ihren ©taube unb Sdjmufce gänjli^ unberührt, 
baß fie längft bon SOiober unb ben im ©taube großgejogenen 
Stürmern jerfreffen fein fönnen, elje man bem Schaben auf 
bie ©pur fommt. Unb tüa§ biejenigen anlangt, welche in 
ber Reinigung ber Söüc^er bloß ein görbcrung3mittel iljre§ 
äußeren ©djmucfes? ju feljen geneigt fein follten, fo derben 
biefe bei nur einiger Slufmerffamfett auf bie im ©taube unb 
©cf)mu£e üerfümmernben Söüdjer balb jur Sinfic^t fommen, 
. baß bie Entfernung be3 ©täubet unb ©chmufceä boch morjl 
noch einen anberen, einen auf bie Crfjaltung ber SBüdjer 
beregneten fttoed I;aben müffe. ©orgfame 83ibliothefare, 
toeldjen bie Sebürfniffe ber ihrer £)bf)ut übergebenen ©amm- 
lungen nicht fremb geblieben finb , ^aben bie§ nie toerfennen 
mögen, unb finb ba^er auch ftet§ bemüht getoefen, ber 
Reinigung nicf)t nur überall ba§ SSSort 5U reben, fonbern 
biefelbe auch in iljren Söibliotfjefen regelmäßig Ijanbfjaben ju 
laffen. G§ genügt aber bei einer f oldjen Reinigung burdjauS 
nicht, bloß öon Seit ju Qdt bie gußböben ber Sibliothefö* 
räume abfegen, bie 33ücf)er mit bem ©taubroebel abftäuben 
unb bie SRepofitorien mit bem 3Sifd)tud)e oberflächlich reinigen 
ju laffen, fonbern bie Reinigung muß in regelmäßigen 3eit* 
räumen, am atuecfmäßigften jährlich einmal in einem ber 
troefenen ^erbftmonate, grünblich öorgenommen roerben. S)ie 
Söücf)er müffen au§ ben Sftepofitorien herausgenommen unb 
bei geöffneten genftern — an einigen neueren 93ibIiotf)efen 
hat man außen am ©ebäube befonbere 93alfone angebaut, 
wohin bie 33üd)er %u biefem $Xücde gebraut lnerben — au£* 
geflopft unb abgemif^t, foroie bie Sftepofitorien mit einem ein 
roenig angefeuchteten £ucf)e öoüfommen gereinigt werben, 



Digitized by Google 



«icrteS Änpttcl. $on ber ttinri^tuna beS 8ü$erid)a$cS. 245 



wobei jebodö bie 33orfidf)t $u beobachten ift, baß man, bebor 
nicht jebe ©pur t>on geuc^ttgfett infolge ber Reinigung mit 
bem angefeuchteten Stiege au3 ben SWepofitorien fid) toerloren 
hat, bie 23üdher nicht tuieber an ihren ©tanbort bringt. 3n 
großen SBibliotfjefen, in benen eine berartige totale aßjä^rlid^e 
Reinigung ju großen 3 e ^ s unb SKüfjaufroanb fcerurfacfjen 
bürfte, fann biefelbe nötigenfalls aud) auf einen £urnu3 öon 
jmei ober brei 3 a h ren in ber SBetfe verteilt roerben , baß in 
jebem 3af)re ein Seil ber 53ibliotf)ef an bie Steide fommt. 
dagegen ift e§ unumgänglich notroenbig , bie J-ußböben ber 
93ibliothef§räume jährlich unter allen Umftänben minbeftenä 
einmal, in S3ibliotf)efen aber, beren ©öle bem 3utritte be§ 
*($ublifum§ geöffnet finb, möglichft oft mit aller ©orgfalt 
unb unter jutocrläffiger Sluffitfjt reinigen $u laffen. 

$)ie £anbf)abung einer regelmäßigen unb grünblichen 
Steinigung getüäfjrt jugleich bie beften unb aroeefmäßigften 
SRittel gegen eine anbere Sßlage ber öibliothefen , nämlich * 
gegen bie 33üd)ern)ürmer unb 3> n fcften 1:>5 . 8" ber Siegel 
furfjen bie SSnfeften jur Seit be£ |>erbfte3 in benSöibliotfjefen 
i^re 3uftu<ht toor bem nahenben SBinter , tt>e§hol& e§ auch, 
roie gefagt, am 5roecfmäßigften ift, gerabe 5U biefer ßeit bie 
Steinigung ber Sibliotljef öorjunehmen unb ben ©taub, „ba§ 
mahre 3)üngmittel für ba§ 3luffommen ber Snfeften", $u 
entfernen. $lllerbing£ tmrb ber ©ibliothefar fidj mit biefer 
einzigen borbeugenben Maßregel nidht begnügen bürfen, 
fonbern auf jegliche SBeife fuchen müffen, jene hartnäefigen 
unb öerberblichen geinbe ber Söücher Don Vornherein fern 
halten. %n biefer ©e^iehung ift unter anberem auch bie 2lrt, 
wie bie Südher gebunben werben, bon nicht geringer 53ebeu= 
tung. 3>n früherer 3 e ü boten namentlich bie fo beliebten 
.§oljberfel ber ©üdjer ben SBürmern einen äußerft günfttgen 
$8obcn unb eä finb bie burdj biefe§ Ungeziefer berurfacfjten 
Verheerungen in ben Überreften älterer $3ibliotf)efen au§ 
SHöftern unb $ircf)en oft nur ju beutlich fid)tbar. S«te ©in- 
bänbe finb baher burchgängig 3U bermeiben. daneben bieten 
ihnen natürlich bie hörnen SRepofttorien ber 33ibliotf)efen 



Digitized by Google 



246 



3tt)ctter Zeil. Sont 53üdjerfd)an. 



retcfjc ^afjrung. 9Kan pflegt bie Keinen 3et*ftörer allgemein 
als „£olätüürmer" 511 bejeic^nen, biefelben ftetlen inbeffen, 
rote bie Soologic lehrt, bie nod) unbottenbeten Snfeften bar, 
melcfje Sortjen , bezüglich Sftoben feigen. $m meiften ber* 
breitet unb burdt) ja^Iretd^e Birten bertreten ift befamttltd) 
bie ©attung Anobium, $u beutfeh SSerfholjfäfer, Sftagefäfer, 
im SBolfSmunbe auch £ro£f opf, Slopf fäfer, £otenufjr genannt. 
3ftan fann fid), rote £af Osenberg ,5(i !)erüortjebt , gegen 
^o^mürmer roof)I einigermaßen fcp^en, feljr fc^tuer bagegen 
ift e§, bie bereite borljanbenen $u befeitigen. 2)ie in erfterer 
Ziehung genannten (Erfahrungen faßt ber ©enannte baf)tn 
jufammen, baß ^öl^er, meiere au§ ihrem grünen 3uftanbe 
allmählich in ben troefenen übergeben, ober infolge ihrer 
SagerungSberhältniffe (cor ober nad) ber Verarbeitung) 
immer toteber bon neuem geudjtigfeit aufnehmen, eine 
befonbere 21n5tehung§fraft für bie ^otjmürmer haben, fotdf)e 
^öl^er bagegen, roeldje feljr fd)nefi unb bteibenb getroefnet 
finb unb roeldjen man überbieS burdj Imprägnation ober 
irgenb roeldjen Überjug il)ren natürlichen 3 u P flno benimmt, 
bon jenen berfdjont bleiben. 3)er SSibliotfjefar roirb alfo gut 
tfjun, bei Sfteubef Raffung Don SRepofitorien barauf ju achten, 
baß ba£ 3U ben lederen berroenbete £o!§ aud) ben eben 
ermähnten Bebingungen entfpredje unb 3ur SBorficht mit 
Ölfirnis, Sacf unb bergleidf)en überwogen roerbe. ginbet er 
bei älteren 9?epofitorien bie betreffenben Sarben im $o\%c 
bor, fo fann er nadj £afd)enberg, ba in ber 9teget feine 
erneuten Angriffe erfolgen, fobalb bie bollfommen ent* 
roicfeltcn 3nfeften i^re ©eburtSftätte berfaffen haben, ben 
oorhanbenen gehler baburch auSbeffern, bog er bie bereinjelt 
auftretenben Bohrlöcher mit ©laferfitt berftreidjen ober bei 
größerer 21u£bel)nung ber fdfjabfjaftcn ©teile biefe erneuern 
läßt, toährenb ba, roo fid) biefleinen, gefellig Iebenben 93oljr* 
fäfer bollftänbig eingeniftet haben, ber roeiteren Verbreitung 
be§ Unge5tefer§ nur baburch 3U begegnen ift, baß bie babon 
befallenen ©efteile bollftänbig ausrangiert unb bermdfjtet 
roerben. 9?ad) anberen Beobachtungen fott Anobium aud) 



Digitized by Google 



8Mertc§ Slopitct. Eon ber (Sinridjtuttß bc§ 33iicf)€rfd)afcc-?. 247 



bem ©feiftcr nachgehen unb feine ©ier befonberS gern in 
93ud)enf)oI$ (nad) ©inigen in Eichenholz) legen. 9Man ()at 
be£f)alb unb zroar, roie behauptet mirb, mit gutem Erfolge 
gu feiner Vertilgung in 93ibliott)efen folgenbeS Verfahren 
eingefchlagen lr >". (£3 ttmrben mit frifdjem Sleifter beftricf)ene 
SBuchenholzftücfe roährenb be£ (SommerS an VerfdEjiebenen 
©teilen ber 93tbliotf)ef niebergelegt, roelchc bie gnfeften balb 
für if)re ©er in Schlag nahmen. %m Sßinter friedet ber 
Söurm au§. ©obalb man zroifchen Januar unb Wlaxfr an 
bem £ol5tuel)I ober flehten Erhebungen biejenigen §olzftücfe, 
tüeldje Sßürmer enthielten, 51t erfennen Vermochte, Verbrannte 
man biefelben, rooburd) Anobium ziemlich ausgerottet mürbe. 
$er ©ohrrourm befchränft fid) jebocf) bei feinen Eingriffen 
auf baS SöibliothefSeigentum riid)t auf baS $olz allein, 
fonbern greift aud) baS Rapier ber 33üd)er fclbft an unb 
Zttar ju bem S^ecfe , um fich burch baSfelbe einen 2öeg ju 
feiner Nahrung 511 bahnen. (£r mirb auf biefe SSeife bem 
inneren ber Südtjer, roclcheS er in runben ©ängen burd)frifst, 
ebenfo Verberblid) urie baS übrige bem Rapier feinblid)e 
©eroürm, unter meinem nad) 93 1 a b e § bie ©pecieS Oecophora 
pseudospretella fid) befonberS auszeichnen folt. Unter ben 
Zahlreichen f onftigen Mitteln , meldte feit langer ßeit gegen 
baS Ungeziefer in SSorfd^tag gebraut roorben finb — Ijat 
man fid) bod) fogar veranlagt gefunben über biefen Segen* 
ftanb eigene Preisfragen auszutreiben — , fjaben fid) bie 
meiften enttveber in ihrer Elnroenbung als $u umftänblich, 
ober in il)rem Erfolge als z u unzureidjenb ermiefen. EllS 
eine einfache unb zugleich jtoecfmäfsige Maßregel erfd^eint 
noc^ diejenige, Sucf)lappen, bie mit Serpentin, Dampfer unb 
anberen bergleidjen burdh ben ©erudj bem Ungeziefer feinb* 
lid^en ©ubftanjen getränft finb , hinter bie ^Bücherreihen zu 
legen. Etud) bie Elnroenbung beS(£ebernölS(ccdrium), beffen 
erf)altenbe SBirfung fdjon bie Eliten rühmen 15y , f od für bie 
roertVoHeren$8üd)er, namentlich aber für bie $olzbänbe, Von 
benen rooljl iebe nur einigermaßen größere Jöibliotljef eine 
Slnjahl als Vielleicht fe^r fchäfcbare unb barum nicht allemal 



Digitized by Google 



2-48 



Buxiter Seit, »om ©ücSeufdjafr. 



gut befetttgenbe £enfmale au§ früherer Qtit befifct, 3fn* 
empfehlung toerbienen. -flad) bem 'State eineS erfahrenen 
©hemiferS f)at ferner Naumann 160 in Anregung gebraut, 
getrocfnete milbe Äaftanien $u SRehl ju aerftoßen unb unter 
ben SBuchbinberfleifter $u mifcf)en, burd) beffen auf biefe SSeife 
entftanbene Sitterfeit bie SBürmer tion Vornherein nod) toixU 
famer toerfd)eud)t mürben al§ burd) Serpentin unb Stampfer, 
unb neuerbingg tjat $)u 9üeu ,(il SSenjin ober gletfenroaffer 
empfohlen, ba§ — bloß am Sage — mit einem Schlamm 
auf ba§ £ol$ ber SRepofitorien, auf alte ei^en^ö^erne ©in* 
bänbe unb in ttmrmftidjige (£obice§ ober 33üd)er eingetröpfelt 
bie SBürmer gemöfjnlid) fogleid), gettüß aber bei ber jmeiten 
Slnmenbung töte. 63 ift übrigeng eine für ben 33üd)erfreunb 
erfreuliche S^atfa^e, baf$ bie ^nfeftenptage \ n fc en SMblio* 
tiefen im Sergleid) $u früheren Seiten fid) gan§ erheblich 
Verringert hat. 3)ie größere 2Bertfd)äfcung alter Sucher, bie 
erhöhte $8orfid)t beim Sinben neuer, häufigere Senufcung ber 
Sammlungen, luftigere SluffteEung, IjeßereS Sicht, enbttd) 
forgfältigere 33ef)anblung unb Reinhaltung ber 33üd)erfchäfce 
feiten^ ber ©ibliotheföberroaltungen hoben ein jebeS für fich 
baju beigetragen, einen angenehmen SSanbel §u fdjaffen, ben 
aufrecht 5U erhalten ba§ Seftreben eine§ jeben 33ibliothefar£ 
fein mirb, ber ein wahrer Sreunb ber Bücher ift. 

2öa£ 5um Sdjluffe bie ©efafjren betrifft, Welche bem 
33üd)erjcha£ burch bie (Elemente augefügt merben fönnen, fo 
toirb in erfter Sinie eine gute (Einrichtung be§ 93ibIiotfjef§* 
gebäube§ ben nmffamften ©chu£ bieten, foroeit bie§ menfd)? 
liehe Sraft vermag. 2Sir haben barüber oben au£führlid)er 
gehanbelt. £ier fönnte lebiglicl) noch 1>k 5^9* in Betracht 
fommen, ob man bie 93üd)er gegen ettvaige geuer^gefaljr Der* 
fiebern foll 1 " 2 . ^ie ba^u erforberlidje ^Ibfchä^ung be§ SBerte§ 
namentlich einer größeren Sammlung bürfte freilief) bei bem 
fcf)tt)anfenben greife gai^er $8üd)erflaffen ihre befonberen 
©djlüierigfeiten bieten unb fönnte bafjer nur eine allgemeinere 
fein, inbem auf ©runb eine§ fad)männifd)en ©utachtenS bie 
$8crfid)erung§fummc lebiglid) in Saufd) unb Sogen feftgefefct 



Digitized by 



fünftes äoj>ttet. »ort ber SkrmcijrunG be8 ©ücfjertäafceS. 249 



toürbe. 3)er SBert be£ jährlichen ßutpa^fe^ tt)ürbe fid) in 
jebem galle genau beifügen laffen. #anbfd)riften, ^nfunabeln 
unb Supferroerfe mürben ihrer Softbarfeit falber natürlich 
einer (Sin^eltayation 5U unterwerfen fein. Sei ber größeren 
Qaty bebeutenber Sibliothefen, welche monier ©taat befifct 
— man benfe nur an bie Untoerfität§bibliotf)efen — , mürbe 
bie 33erfid)erung, bie jährlich eine fe^r IjoheSumme erforbern 
mürbe, bem Staate atterbing§ Dpfer auferlegen, meldte, burd) 
eine längere 9teif>e Don fahren fortgefefct, fchliefelid) bem 
SBerte einer 93ibliotf)ef für fid) gleid)fommen motten. S§ ift 
be3f)alb, fo angebracht unb empfehlen§roert aud) unter aßen 
Umftänben bie SSerfidjerung bon Sßritoatbibliothefen fein 
bürfte, für ben (Staat Vorteilhafter, überhaupt nidjt $u ber* 
fiebern unb e3 auf bie©efahr, baft einmal eine feiner 93iblio= 
tiefen (Schaben erieibe, anfommen 5U laffen. Manche ©djäfce 
ber 93ibliothefen finb ohnehin burd) ©elb überhaupt nid)t 511 
erfefcen. SlHerbingg ift unter biefen Umftänben für bie 
53ibliothe!febermaltungen boppelte S3orfid)t geboten; fo wirb 
e§ unter anberem ratfam fein, bafj bon bem 93ermaltung£* 
perfonal, menn nid)t alle, bodt) immer einige ber Beamten 
berpflid)tet merben, bei etwaigen in ber *ftähe ber 93ibIiotf)ef 
eintretenben geuer§* ober anberen ©efaljren unberjügltd) 
auf i^re Soften $u eilen, um, wenn bie 23ibfiotIjef bon 
©dt)aben bebro^t wirb, fobiel al§ thunlich Abhilfe bagegen 
3U fdjaffen unb im allerfchlimmften gatte für bie (Erhaltung 
be§ SSertboßeren, mitß^iehung frember^ilfe, bie erf orber* 
liehe ©orge 5U tragen. 



Jünpts Bapftel. 

SBou ber Serrachrunfl btö 5Büdjerfd)a$c$. 

ßrflcr 2f&fd)nM. 

<5on öer ^ertneljnmg im allgemeinen unb iljren oerfdjiebenen ^Crfen. 

©ott eine ber öffentlichen Senü^ung übergebene Sibliotfjef 
ihrer SBeftimmung auf bie SDauer genügen unb fich ihre botte 



Digitized by Google 



250 



Sweiter Seil, ©om ©udjcrftfnUu 



SeiftungSfäljigfeit bemahren, fo muß fie ihrem Qtoede ent* 
fpred^enb Vermehrt roerben ™ 3 . $>abei fommt nun 5unäd)ft 
in grage, tuer bie Sermehrung 5U beroirfen habe. @§ fann 
toofyl feinem 3^cife( unterliegen, baß ba§ enbgültige Urteil 
über ba§, tt>a§ eine für bie Söibliotfyef zroecf mäßige SBer* 
me^rung 5U nennen fei, in ber SRegel bem SBibltothefar allein 
5uftefjen muffe, ba man toon biefem am erften ermarten fann, 
baß er nicht bloß bie ba^u erforberlicfje ©adjfenntntö befifce, 
fonbern aud) am unparteiifdjften unb lebiglich im gntereffe 
ber 93ib(iothef babei ju Söerfe gehen roerbe. SD?an hat atoar 
eingetuenbet, baß ber Söibliothefar nidjt immer im ftanbe fei, 
bie öebürfniffe be§ ${5ubUfum§, $u beffen 93enu£ung bie 
(Sammlung beftimmt unb auf roeld)e£ baljer bei ber SSaljl 
ber neuen $lnf Raffungen bittig 9iücffid)t $u nehmen ift, in 
jeber ©e^ie^ung fo genau 5U fennen, um feine @ntfd)eibung 
im möglichen ©inflange mit jenen 33ebürfniffen 5U fallen. 
3ur Slbljilfe biefeä tocrmeintlidjen Übelftanbe§ giebt e§ jebod} 
ein einfaches Littel, roelcf)c§ fid) bei zahlreichen SMbliothefen 
al§ eine empfehlenswerte Einrichtung beroäfjrt fyat, nämlid) 
bie fogenannten £>efiberienbüd)er, in iuelche bie Sefer ber 
23ibIiotf)ef ihre SSünfdje in betreff be£ neuen 3uroad)fe§ ein* 
geid^nen unb auf biefe Sßetfe bem SBibliothefar jur tf)unlid)en 
9?ad)ad)tung befannt geben fönnen. Slnberfeitö ^at man e§ 
üielfad) für nottoenbig erachtet, bem 23ibIiorf)efar für bie9?eu- 
anfdjaffungen eine befonbere Sommiffion jurfeite ju fteffen, 
bie 5. $8. an ben UntoerfitätSbibliotljefen au§ ^ojenten ber 
oerfd)iebenen gafultäten zufammengefe^t ift. Sm allgemeinen 
^aben inbeffen foldje SöibliothefSfommiffionen bei Sennern 
ber einfd)lägigen SSertjältniffe Don jeher menig Slnflang 
gefunben 1 ^. S33ir fprcd)en nid)t baoon, baß man f)ie unb 
ba fo roeit gegangen ift, biefen j?ommi)fionen ba§ Siecht ber 
auSfchließlidjen unb unbebingten Serfügung über bie inner* 
halb ber ©renken ber gafultätötoiffenfchaften 5U treffenbe 
2lu§roahl be§ 3 u toad)fe§ einzuräumen, unb bem SMbliotfjefar 
in biefer Beziehung nur in betreff ber allgemeineren, feiner 
befonberen gafultät zugehörigen unb fpe^tetl bibliograpljifch* 



Digitized by Google 



fünftes Sagtet, «on ber $Berme$rung be« ©ü($ecfäafrc$. 251 



bibltothefroiffenfdhaftIid)en Sitteratur freie £anb $u laffen. 
©ine f oldje oberüormunbfchaftliche einfdjränfung be§ öiblio* 
tl)efar§ bürfte roeber mit beffen SBürbe berträgtid) fein, noch 
auch toon bem toahren gntereffe ber Sibliotfjef geforbert 
toerben. ®ie (Einrichtung ift fcielmefjr auch bei befd)ränfteren 
SBefugniffen ber Sommiffion mit gutem ©runbe angefügten 
toorben. SSon üornherein ift nämlich bie Stellung für ben 
StbliotfjefSriorftanb babei infofern eine günftige al£ bie größere 
(Erfahrung unb bie erforberlidjen bibliogra^ifd^en unbted)« 
nifcfjen Senntniffe auf feiner «Seite ftnb unb ifjm ein Über* 
gemixt berleifjen. (Einem tüchtigen 93ibliotl)efar toirb e§ 
be^r)alb leicht fallen, bie 93ibliotf)ef§fommiffion nad) feinem 
SBitten $u lenfen unb feinen planen bienftbar $u machen, 
toobei fie ihm auch nodfj einen STett ber SSerantmortung ab* 
nimmt. 2ßie btefelbe baljer einerfeitä bei einer guten 
SBibtiotljefgbertoattung entbehrlich ift, fo ift fie anbernteifS 
bei einer fdf)lechten nu£lo3, benn ber untüchtige Söibliothefar 
hat, urie fef)r richtig gefagt toorben ift, taufenb Littel in 
|)änben, um bie ©efchlüffe ber $ommiffton nid)t anzuführen 
unb trofcbem ihr etma gerügte fanget in bie @d)uhe ju 
f Rieben. SR. tum SCRot)! hat e§ baher offen auSgefprochen: 
„SBenn irgenb eine Erfahrung in biefen fingen feftfteht, fo 
geht fiebahin, bie Beratung eincä $ibiiothef£borftanbe§ burdf) 
eine Sommiffion 51t mißraten. 2)a§ $8efte bei einer folgen 
(Einrichtung ift, ba{$ bie Stljätigfctt ber ßugejogenen gar balb 
ertahmt; benn fo lange fie nod) neu unb fühlbar ift, fd^abet 
fie nod) mehr at§ fie nü£t". ätfan t)at in neuerer 3eit in ber 
Sfjat angefangen, öon ber Ernennung foldjer ffommiffionen 
ab5ufehen lß5 . 3)enft man fid), tt>ie Wl ol bed£) herüber fer)r 
treffen!) erinnert, ben SHbliotfjefar al§ einen SDtann, ber burch 
litterarifdje unb bibliographifcf)e ©tubien gebilbet, mit ber 
@efdhtd)te unb bem ßuftanbe ber miffenfdjaftlichen Sultur 
toertraut unb burdh praftifd)e Söilbung unb Übung mit ber 
feiner 25ertoaltung übergebenen 2Mid)erfammlung befannt 
ift: toer follte unter biefen S8orau§fe^ungen beffer, atö er, 
beurteilen fönnen, nadh welchen ©runbfä^en man bei ber 



Digitized by Google 



252 



3tüciter Seil, sßom 33iUfjcrfcf)afc. 



Bereicherung unb Sermehrung be§ Sücf)erbeftanbe§ tjanbeln 
müffe, ober mie man beffer bem jährlichen 3 u roachfe ein 
paffenbe§ Verhältnis gebe fomof)l ben ©infünften ber 
©ibliothef al§ 511 bem Sebürfniffe unb ben $lnforberungen, 
meiere an biefelbe gemalt merben? SSenn man ben Siblto* 
thefar, ben eigentlichen Sorftefjer unb Sermatter ber Siblio* 
thef, unter fremben ©influß [teilt, feine SBirffamfeit fcon 
3)ireftionen unb ©ommiffionen abhängig macht, ober feine 
ShtSroahl unb Seftimmung über bie Sermehrung ber Siblio* 
tf)ef ber Seftätigung einer höheren Autorität unterwirft , fo 
wirb ber Sortgang ber Slnftalt gefjinbert unb eingefcfjränft 
unb bie SerufSfreubigfeit be3 93ibliothefar§ gelähmt. Natür- 
lich ift e ^ un ^ er ö ^ en Umftänben notmenbig, baf$ ber 93iblio= 
thefar, ber, fei er noch f° tüchtig unb unterrichtet, fich nicht 
au§fcf)lie&Iich auf fich fclbft oerlaffen barf, l}mftdjt(tc$ ber 
Vermehrung ber ihm untergebenen Sammlung nicht ganj 
ohne 2lufficf)t unb eine Slrt Kontrolle bleibe, bamit er ftdh 
öon etmaigen mittfürlid)en unb einfeitigen 2lu8fcf)reitungen 
entfernt fyalte] biefe SontroHe muß aber eine jmeef mäßige 
unb feine ba§ freie oerftänbige ©ebaren be§ 33ibliothefar£ 
hemmenbe fein. 

90?an mache e§ bem öibltothefar jur Pflicht, nicht burefj* 
au£ eigenmächtig über ben neuen 3umact)3 5U befdjließen, 
fonbern juoor vielmehr, fatfä er noch SoDegen jurfeite §at, 
mit biefen barüber ^Beratung $u pflegen unb bie oon ben 
Sommiffionen — f oroeit folc^e befielen — $u machenben S3or? 
fdjläge nach beftem S&iffen unb ©emiffen $u berücfficfjtigen, 
mie nicht minber bie SBünfche be§ *(Sublifum§ 5U fyöxcn unb 
inSbefonbere bie befcheibenen Sorftellungen anberer ©adf)* 
fenner in Erwägung ju ^te^en ; aber man überlaffe e§ bann 
auch feiner ©inficht unb feinem Überblicfe über bie Stellung 
ber Sibliottjef unb bie mähren SBebürfniffe be§ 2lugenblicf£ 
5U entfeheiben, inmiemeit ben 9fat* unb Vorschlägen, ffiünfdjen 
unb Sorftellungen Sotge unb ©ef)ör gegeben merben fönne, 
unb Verlange am atlermenigften, baß ber Sibliothefar hin* 
fichtlich ber im £eftberienbud)e 5ur $lnfcf)affung empfohlenen 



Digitized by Google 



fünftes floatet, 9Son ber Sermeljrimg bc§ SJiidjcrfrfjafceS. 253 



Sßüfyx, Wenn er eine foldje für untunlich erachtet, noch 31t 
einer befonberen Rechtfertigung bem <ßublifum gegenüber 
toerbunben fein fotte, einer Rechtfertigung, meldte bod) in ben 
tneiften Sötten fd)Wertich jemanben beliebigen, ben 93tbIio= 
tljefar aber feljr leidet 3U bem ^ßublifum in eine unbequeme 
unb fdjtefe ©tcttung bringen mürbe. 9#an fdjreibe bem 
SBibltot^efor bor, über feine Verwaltung jährlich 9f echenfdjaft 
objulegen, unb eine betaillierte Überfielt nid)t allein über bie 
33erwenbung ber Söibliotljeföeinfünfte, fonbern auch ü& er ^ rc 
richtige 33enu&ung $u gunften ber einjelnen 2Biffenfd}aft§* 
fächer in ber SBeife 511 geben, bafj ber jährliche 3uwad)§ ™ 
jebem berfelben mit 2eid)tigfeit überblicft werben !ann; aber 
man befreie ihn aud) batoon, bei ber SBerwenbung ber jährlich 
für neue 9lnfchaffungen angewiefenen gonbS, wie bieg l)k 
unb ba ber Satt ift, erft bie höh ere (Genehmigung einholen 
^u müffen. 2Ran tierlange enblich Dom Söibliothefar, baft er 
fief) nid)t nur bie forgfältige durchficht ber befferen anti= 
quarifchen unb $luftion§fataloge angelegen fein (äffe , um 
au§ ben barin feilgebotenen SSerfen ba£ für bie Söibliottjef 
2Bünfchen§werte unb $affenbe nach SUafegabe ber baju toor= 
hanbenen Littel auswählen 5U fönnen, fonbern aud) bel)uf£ 
Senntni§naf)me ber neueren litterarifdjen (£rfd)einungen bie 
t)or5Üglicheren SahreSbibliograpljten regelmäßig burchfelje 
unb überhaupt bem (Stubium atteg beffen, Wa§ auf bem 
(Gebiete ber bibliographifch=bibliothefmiffenfchaftli(^en Sitte- 
ratur erfchienen ift, bie erforberlid)e ülRuße wibme; aber man 
Vertraue bann aud) feiner gereiften (Sinfidjt unb feiner auf 
wohlerwogenen (Grünben beruhenben $anblung§weife ; 
namentlid) möge ber öenu^er mit öorfchnettem Urteile 
allezeit jurüd halten unb e£ unterlaffen, ben SSiblio* 
thefar bei jeber (Gelegenheit, fobalb er burch bie neuen 
Slnfchaffungen nid^t öottftänbig 3ufrieben geftettt ift, fo- 
gleich 5U tabeln unb ihn ohne SenntniS ber für benfelben 
mafegebenben Erwägungen wohl gar, wie bie» nur att^u* 
häufig geflieht, ber Radjläffigfeit, ja ber Unwiffenljeit $u 
befchulbigen. 



Digitized by Google 



254 



Stucitcr Zeil, SBom ©üdjerföafc. 



3)ie§ führt un3 $u ber grage, welche ^rinjipien über* 
haupt ben $8ibliotf)efar bei ber SSerme^rung 511 leiten haben. 
©3 leuchtet ein, bajs hierbei nicht etwa ber 3ufaff ober bie 
Sßifffür halten barf, fonbern bafnn genauer Übereinftimmung 
mit bem 5ßlane vorgegangen werben mufc, welcher ber 
©ammlung Von Anfang an jugrunbe gelegt Würbe. $)ems 
gemäft gilt e§ bor allen fingen, biejenigen gäcf)er, wel<i)e 
in ber ©ibliotfjef grunbfä^lic^ Vertreten finb, ben gortfdhrttten 
berSBiffenfchaft entfprechenb au^ugeftatten unb für ben gaff, 
bafc ba§ eine ober anbere gart) au§ irgenb welchen äußeren 
©rünben bei ben erften Slnfchaffungen vor ben übrigen bevor* 
jugt worben fein follte, ohne bafc ber Söibliotheföplan bieg 
Vorfcf)rieb, nunmehr einen $lu£gleidf) eintreten &u laffen, ba* 
gegen alle frembartige (Stemente aud) bei ben Neuerwerbungen 
fern §u Raiten. 

33ei S3ibliotl)efen allgemeineren (£f)arafter3 h a * ber 
SSibliottjefar ftetS ba§ ©anje im 2luge ju behalten unb 
barf, ba nach ber folgen Sammlungen jugrunbe liegenben 
enctjflopäbifcf)en Sbee feinem 2Biffenfchaft§fadhe eine gän^ 
lid() nebenfäd)li(f)e Sebeutung beizulegen ift, nicht etwa in 
mifffürlicher SEeife ba§ eine gach auf Soften be3 anberen 
Voffftänbig Vernad)läffigen ober Verfingen, wenn auch 
felbftverftanblicf) eine wichtigere unb allgemeiner benüfcte 
Abteilung erp^te SRüdffid^tna^me Verbient. üftur in einem 
gaffe wirb eine $lu§nat)me geftattet fein, wenn nämlich an 
bem ©i£e ber Sibliotljef noch eine ober gar mehrere gut 
Verwaltete unb bem ^Jublifum jugöngige ©pe^ialbibliothefen 
Vorljanben finb. gn biefem gaffe mag fidt) ber Sibliot^efar 
erlauben, einen Seil ber äftittel, bie ben Von ben ©pejial* 
bibliotfjefen gepflegten gackern eigentlich jufommen müßten, 
auf bie übrigen gäcfjer mit §u Vermenben, namentlich wirb 
er Von ber Erwerbung fleinerer Slbljanblungen, glugfd^riften 
u. bergt., beren ©ammlung jene fief) jur befonberen Aufgabe 
machen, abfehen bürfen 1 ^. Stufterbem bürfen aber audE) bei 
3entralbibliotf)efen bie augenblicklichen Söebürfniffe ber $eit, 
bie teicf)t eine bevorzugte ©teil ung be§ einen ober be§ anberen 



Digitized by Google 



fünftes flautet, Son ber SBerme&rung beS SiücfjerfdjafccS. 255 



gad)e£ Verfangen fönnen, nid)t gana außer Setrad) t unb 
SWecf)nung gelaffen werben. $>enn obrootjl e£ unberantroortlid) 
fein würbe, wenn ber33ib(iotfjefar jebe§ augenblirflid) geäußerte 
Verlangen unb ben gerabe borfjerrfdjenben @efd)mac! be£ 
5ßublifum§, fotoic bie brängenben, nidjt feiten bi§ 3ur Un* 
befdjeibenfjeit auSartenben 2Sünfd)e Einzelner fid) jur 9tid)t* 
fd)nur nehmen, unb barüber ganj toergeffen wollte, baß bie 
Sibliotfjefen ntd)t bloß für bie ©egenwart, fonbern aud) für 
bie 3 u fanft, bie 9?ad)wett, $u forgen Söeruf fyaben, fo möchte 
e§ bod) nid)t unbiÜig fein, juerft ben magren unb wefent* 
liefen Sebürfniffen ber ©egenwart, ber Mitwelt, auweüen 
fogar mit £intanfefcung ber gorberungen ber 3 u ^unft f 
geregt $u werben, gerner finb felbft in 3e«tralbibliot^efen 
bie S3erf)ältniffe be3 örte§ unb fianbeä, benen fie 5unäd)ft 
angehören, bei 93ered)nung ber Drittel, Weldje auf bie SBer* 
mefjrung be§ einen unb be§ anberen gad)e§ unb tjauptfädjlidj 
auf bie Slnfdjaffung bon SSerfen in ber einen unb ber anberen 
Sprache ju berwenben feien, nidjt außer $lnfa£ 51t laffen. 
3ene Serfjältniffe werben bietmetjr unter atten Umftänben eine 
gewiffe $Bebor5ugung be§ einen ober be» anberen Seite ber 
ßitteratur bebingen müffen. ©§ brausen aber be3f)alb nod) 
nid)t gleich ben berfdjiebenenSöibliotJjefen feftfte^enbe formen 
gegeben 5U werben, nad) benen bie Sibliotfjefareetwa gehalten 
feien, jebe§ 3>aljr ein beftimmteS Duantum ber ©infünfte 
if)rer S(nftalten auf bie SSerme^rung be3 befonberS für ba3 
betreffenbe Sanb unb ben Ort wichtigen £ei(e£ berSitteratur 
ju berwenben, wie e3 benn überhaupt nid)t im wofjlber- 
ftanbenen Sntereffe einer SJibliotfjef liegen fann, wenn man 
fid) bon feiten ber £)berauffidjt3befjörbe beranlaßt finben 
fottte, ba§ S3erfjctftni§, in weldjem bie berfcfyiebenen Söiffen* 
fd}aft3fäd)er jäfjrlid) 5U bermefjren feien, inbeftimmtenga^len 
auSjubrütfen, unb bie für bie S3ermef)rung be3 einen unb be£ 
anberen gad)e£ $u berau£gabenbe Summe im borauS auf 
fetter unb Pfennig feft^ufteHcn. 9)?an f)at 5War an einigen 
Orten berfudjt, bie für bie SBermefjrung be£ 93üdjerbeftanbe§ 
beftimmte jaf)rlid)e ©umme in einzelne größere unb Heinere 



Digitized by Google 



256 



32*tter Zeit S3» SiierSa*. 



Soften abzuteilen, unb bteielben nad) einer gewiffen Sfala 
für ben ©ebarf be» 3 u roacbie* ' n &«n einen unb bem anberen 
2öiffenfd}aft»fad)e an^uweifen. Slllein abgefefjen batoon, bajj 
bie Siidjtigfeit ber artiger $(nfage jebenfall§ mancherlei 
gewichtigen Bebenfen unterworfen werben fönnte, fo fyat man 
pdj ohnehin gleich Don oornherein bei bergleidjen SJeftim- 
mungen $u SJoricfiriften barüber, wie bei einem etwaigen 
9ttef)rbebarfe be» einen unb bem SKinberbebarfe be» anberen 
5adje£ ju »erfahren fei, gezwungen gefehen unb fomit jene 
SBeftimmungen für beionbere Salle außer StMrffamfeit gefegt. 
(S» wirb in biefer £>inficht wot)l ftet* ba§ 3 roc ^ m öBi9l te f e * n ' 
ber (Sinficfjt be£ 33ibliotf)efar» Dottel SSertrauen ju fchenfen, 
unb ifym unb feiner (Erfahrung bie Beantwortung ber Srage, 
in welchem Wiafc bie für bie Stnfdjaffungen öerfügbaren 
Littel, unter SSerücffic^tigung berSofal-, QeiU unb fonftigen 
Serhältniffe, $ur SBermefyrung ber &erfd)iebenen Söc^er ju Der- 
wenben feien, ohne ba§ freie Urteil fiemmenbe Seftimmungen, 
getroft anheimzugeben. SDer oerftanbige unb umftc^tige 
SJibttotfjefar wirb in ber 9tegel nad) feinem unb feiner Sollegen 
freien Ghrmeffen ben wahren Bebürfniffen ber 93ibliothef unb 
beS *ßublifum§ beffer 511 entfprec^en wiffen, al§ bie3 toon 
feiten ber Cberbefjörbe, bie bem Serfe^re mit ber Sibliot^e! 
unb bem ^ßublihnn mehr ober minber fem ftefjt, burd) bie 
forgfältigft erwogenen 25or)~chriften unb bie gewiffenf)afteften 
Beratungen gefdjehen fann. Sßor alten fingen wirb e§ tlmt 
niemals auf bie $al)l ber 3lnfd)affungen anfommen, womit 
er ftd) etwa ben anberen Bibliotljefen gegenüber brüften 
fönnte, fonbern lebiglid) auf beren Qwcä mößigfeit unb ©üte. 
Siefeforgfältig $u prüfen, ef)e er jum $lnfaufe fd)reitet, ift 
eine um fo bring(id)ere Pflicht für ifm, al3 bie ben 33iblio* 
tiefen für D^euanf Raffung §ur Verfügung fte^enben SKittet 
ohnehin gewöhnlich nid)t allju reich ^emeffen finb, fo bafc 
fie fetten mehr gewähren, al£ wa§ ju bem 9lnfd)affen be£ 
SRotbürftigften gerabe ausreicht. @§ würbe ber Sibliotljefar 
baf)er gerabeju eine SßfTic^tröibrigfeit begeben, wenn er jenem 
förunbfa^e nid)t bie au§gebefmtefte gotge geben unb wo^l 



Digitized by Google 



$imfte§ Galtet. ®on ber «ermc^runß bcä 93üdj«rföafre§. 257 



gor bic geringen SRittel burdj Slnfchaffen bon Überflüffigem 
unb für bie Sibliothef Sßertlofem noch mehr f chmälern mollte. 
(Sollten Um ja bic Umftänbe 5. 23. bei ber ©rroerbung einer 
ganzen Sammlung einmal gelungen hoben, etroaS bem ^ßlane 
nach für bie SBiOliottjef Unbrauchbares mit in ben Sauf ju 
nehmen, fo mürbe e£ feine Obliegenheit fein, fidj be$ Über* 
Xüf figen bei guter (Gelegenheit roieber ju entlebigen unb ba£* 
elbe, fei eS auf bem SSege beS SBerfaufeS ober auf bemjenigen 
>e£ SaufcheS, angemeffen ju üermerten. 

2öa§ nun bie öerfdjiebenen Birten ber Vermehrung anlangt, 
fo lann (entere auf viererlei SSeife bemirft roerben , nämlich 
erftenS burcf) Sauf, jroettenS burd) Saufch, brittenS — too. 
biefeS Vorrecht befteht — burcf) ©injie^ung fcon Pflicht* 
ejemptaren, enblid) mertenS burd) ©efchenfe. 

$)ie üfteuanfdjaffung burdj Sauf, bie mir aunächft ju 
betrauten hoben, unterfcf)eibet ficf) fcon ber erften 23üd)er~ 
anfcfjaffung ^auptfäc^lic^ barin, baß, mäfjrenb bort ber 
2)?affenfauf , b. h- bie (Srroerbung größerer 23ücherfomple£e 
im ganjen als fefjr jmecfmäßig empfohlen morben ift, hier 
ein folcher äRaffenfauf, minbeftenS in 23ibliotl)efen Don einem 
nur einigermaßen anfetmlichen Umfange, im allgemeinen fo 
Diel als möglich bermieben roerben muß, e§ märe benn, baß 
bergauf unter gemiffen für bie 23ibliothef befonberS günftigen 
SSebingungen abgefchloffen, unb baburch biefer ein Vorteil 
jugeroenbet merben fönnte, ber ben fonft au§ bem SDtaffen* 
laufe für bie 93ibliotfjef entftehenben 9?acf)teif minbeftenS 
aufmöge. Senn bei bem $nfaufe größerer Vücherfomptejre 
mirb fich jum Nachteile ber 23ibliotf)ef nie ganj fcermeiben 
laffen, baß eine ^Injahl bereits borfjanbener Vüdjer, alfo 
Soubletten, mit in bie Vibliottjef hineinfommen , bie feiten 
ohne einen fei eS auch nur geringen Vertuft roieber in ©elb 
umgefefct ober auf anbere SSeife für bie 23ibliothef nufcbar 
gemacht merben fönnen, ober baß ©erienroerfe babei finb, 
melche fehlenbe 23änbe aufmeifen, beren ßin^elergönjung 
bem 33ibliotf)efar oft gar nicht möglich ift, aud) menn er baS 
ju biefem Qxoedt angelegte befonbere VerjeichniS unt>oll* 



Digitized by Google 



258 



3»wcitcr leil. $8om ©iicfjcricfmti. 



ftänbiger Sßerfe fortroäljrenb im 9Iuge behält. *ftur in SRücf* 
fid)t auf fold)e 33ücf)ertomple£e , bie $ur ^Bereicherung einer 
auSnahmSroeife gerabe fef)r lügenhaften Abteilung ber Söiblio^ 
tf)ef bienen bürften , tt)trb ber SWaffenfauf aud) bei ber S3er* 
me^rung $u empfehlen fein. Slucf) ^infic^tlich be§ $lnfaufc£ 
neuer SSüc^cr au§ ben SBuchhonblungen ift jmifc^en ber 33er* 
mefjrung unb ber erften9lnfcf)affung infofern ein fefjr luefent* 
lieber Unterfcf)ieb, al§ bei ber SSegrünbung bie SSermittelung 
ber SBuchhanblungen al§ berjenigen Cuelle, au§ ber man 
in ber Siegel am tuenigften bittig fauft, fo t>iel e§ ftd) t^un 
unb mit ben ^ntereffen ber Sibliotfjef nur irgenb bereinigen 
.läßt, umgangen werben barf , bei ber SBermefjrung bagegen 
biefe Sermittelung bei roeitem mehr in $lnfprudj $u nehmen 
ift, weil eben fpäter ba£ 93ebürfni§ nach ben neueften @r* 
fd)einungen ber Sttteratur, bie feiten anber§ als auf bem 
SBege be§ 93uchhanbel£ belogen werben fönnen, fidj Weit 
fühlbarer macf)t, al§ bei ber erften ^Infdjaffung. Sft bod) 
jebe 93ibliothef bei ber SSerme^rung 5um allergrößten Seile 
auf bie neueften Sßreßerjeugniffe angetmefen. 68 würbe eine 
burcfjauS falfd) berftanbene Dfonomie fein unb ein großes 
Unrecht gegen ba§ 5ur 33enu&ung ber 93ibliotf)ef berechtigte 
<publifum, wenn ber Sibliothefar, umjufparen, inberSKehr* 
5af)l ber Salle bie Slnfcfjaffung litterarifcfjer 9Zeuigfeiten fo 
lange toerfc^ieben wollte, bi§ er ©elegenfjeit hätte, biefe buref) 
SBermittelung be3 Slntiquarg ober au§ ber Sluftion an5u* 
faufen, mäfjrenb mittlerweile ba§ Sßublifum, um nur in bem 
©ange feiner Arbeiten nid)t all^u lange aufgehalten $u werben, 
unb balb jum ©ebraud)e ber für feine (Stubien nötigen neuen 
$ücf)er p gelangen, fid) ge5Wungen fäfje, bie 33üd)er felbft 
anjufd^affen. 9Kan hat be^^alb auch * n einige äMbliotfjefös 
reg(ement§ mit öollem 9ied)te bie auSbrücfliche SSorfchrift 
aufgenommen, ba§ neue wichtige SBerfe , bie für bie Hüffen* 
fchaftlichen ©tubten bc§ SßublifumS Don ^aitptfäc^ltd^em 
Sntercffe feien , nicht erft auf Sluftionen ober nad)bem fie in 
ben antiquarifchen SBerfeljr gefommen, $u erwerben finb, 
fonbern au§ ben Suchhanblungen neu angefdfjafft werben 



Digitized by Google 



Sünfte§ Ächtet, »on ber germefjrwtß fc$ ©üc$crfäafcc§. 259 

f ollen, au&er foenn 2lu3ficf)t borhanben fei, fie auf jenem 
äßege, au§ ber Stuftion ober burch ben Antiquar, in fünfter 
Seit erlangen. 3>n§befonbere mufc biefe SSorfdjrift in ihrer 
ganjen Sraft auf bie Slnfdjaffung ber größeren unb foft* 
bareren, ber eigentlichen fogenannten 33ibliothef3toerfe, Sin* 
menbung finben, beren Stntauf für bie 93ibtiotf)efen nid^t nur 
beSljalb §u einer Slrt bringenben Pflicht mirb, meil bie 
SWittel be§ SßublifumS in ben nteiften gällen $u unsulänglich 
finb, al§ bafc baöfelbe folcfje SBerfe auf eigene Soften anju- 
fchaffen im ftanbe märe , fonbern auch meil bie ^erfteffung 
berartiger ber SBiffenfchaft unentbehrlicher Sßublifationen 
überhaupt in grage geftettt mürbe , menn bie SSerleger nicht 
einmal auf bie großen Sücherfammlungen al§ fixere Slbon* 
nenten rechnen fönnten. 

2)a§ bei ben Anläufen bon (Sortimentern 3U beobad^tenbe 
Verfahren ^ ift bei aafjlreichen ©ibliothefen biefeS, baß Der* 
jcfjtebene am ©i£e ber 93ibItot^ef befinblidje ^anblungen — 
unter Umftänben auch eine einzige — bie neu erfdfjeinenbe 
Sitteratur ber Söibltot^ef in regelmäßigen Btotfäenräumen 
jufenben. 2lu§ biefen SlnfichtSfenbungen mirb bom Ober* 
bibliottjefar in ©emeinfchaft mit einem ober mehreren 
erfahrenen Seamten au§gemäljlt unb ba§ 93raud)bare unb 
2Bünfchen3merte je nach *> en SRitteln ber Slnftalt angefauft. 
9ln folgen SSibliothefen , mo bie einzelnen gädfjer burch 
befonbere Sßeamte toermaltet werben, Serben bie lederen bei 
ber Beratung über bie sfteuanfchaffungen für ihr gacfj mit 
herangezogen. £>ie in für^eren griftcn h^ouSfommenben 
Bibliographien, meldte an mannen SBibliotfjefen bie alleinige 
©runblage bei ber Slnfchaffung ber 93ücf)er bilben, bienen 
in biefem gatle jur Vorbereitung unb Kontrolle 2lu§* 
länbifd)e SBerfe werben burd) Slgenten beforgt. G£ erforbert 
bie befonbere Slufmerffamfeit be§ 33ibliotf)efar§ , bei ber 
2tu§mahl ber 33üdjer ben $tnfauf fcon $)oubletten 5U Der* 
meiben. SBir fpredfjen nicht bon bem gaffe, baß ein ©ucf) r 
melcf)e£ bor Monaten bereite angefcfjafft ober gefcf)enft mürbe, 
in ben 2lnficf)t3fenbungen nodjmal§ mieberfeljrt unb fo au§ 

17* 



Digitized by Google 



260 



33erfef)en jum ^weiten SDial erworben werben fönnte. 3MeS 
ift bei nur einiger 33orfidjt leicht bermeiben. Stogegen 
tritt öfters ber galt ein, bog ein Such felbftänbig auf ben 
SKarft fommt, Weldas bereite in einem ber bon ber Siblio* 
tfjef erworbenen, neuerbingS im Suchhanbet fo beliebten 
©ammelwerfe enthalten ift, ober baß ein einfacher Separat- 
abjug auS einer Don ber Sibliotljef gehaltenen 3cUfd)rift 
ober eine als folche nicht gefenn^eic^nete $)iffertation , bie 
fonft burdj Saufet) in ben Sefifc ber Sibliotf)ef ju gelangen 
pflegt, borliegt, ganj ju fchweigen bon ber in Slmerifa geübten 
Unfitte, Sücher auS ber UnterhaltungSlitteratur., um bie 
Säufer irre §u führen , mit jwei ganj berfcfjiebenen Sitein 
ju berfehen ober ben alten Sitel nadf) einiger 3d* mit einem 
neuen ju bertaufdfjen, ber baS Sudf) als ein böttig anbereS 
erfreuten läßt, wogegen fidjj bie bortigen Sibltothefare burdj 
SSerjei^niffe berartiger Südfjer einigermaßen ju föityen 
fudjen 1 « 9 . Sängere Übung in bem Slnfaufe Don 83üdf)ern 
wirb ben Sibliotljefar jwar ^äufig bor ber unangenehmen 
Gntbedung, eine $)oublette erworben $u haben , bewahren ; 
namentlich finb felbftänbig erfd)ienene 2>fffertationen unb 
©eparatabbrütfe einem geübten Sluge, wenn ihm — unb 
bieg ift eben ber Vorteil ber SlnfichtSfenbungen — baS Such 
borliegt , buref) berfchiebene äußere Szityn wie Umfchlag, 
S8erlagSf)anbIung, SBibmung u. bergl. häufig bon bornherein 
als folche berbächtig; aber nicht immer ift eS möglich, ben 
wirtlichen Sauberhält feftjufteHen, weshalb eS baS ©eratenfte 
ift, in jebem nur irgenbwie jweifelhaften %oXit ben Slnfauf 
beS betreffenben SucfjeS bis jur erlangten ©ewißheit ju ber* 
tagen, Sfteben bem Slnfaufe mittels ber SlnfichtSfenbungen 
fommt auch noch häufig ber Satt bor, baß ein bemnäcf)ft 
erfcheinenbeS Sud) ober eine bei il;rem Grfcheinen nidht fofort 
angefaufte ©d^rift ober ein fremblänbifcheS Sßerf bei bem 
Suchhänbler in Seftellung $u geben ift. hierfür bebarf jebe 
orbentlich berwaltete Sibliotfjef einer Seftettlifte, um barauS 
jeberaeit überfehen 5U tonnen , ob , wann unb bei wem ein 
Such befteHt worben fei. Senn nur mit §ilfe einer folgen 



Digitized by Google 



&ünfte* Kapitel. Eon ber «ranefjniitg be8 ©üdjeifäofceS. 26 1 

Überfielt ift bic Sibliotljef im ftanbe, teils bie StuSfütjrung 
ber gemalten Sefteffung gehörig 5U fontrotlicren , teils fid) 
öor Stoben fidjer 511 ftetlen, mäf)renb fie ohne iene Über=- 
fid|t möglichermeife ©efaljr läuft, bereits befteflte 93ü(fjemod) 
einmal befteffen, unb fdjliefjlid) jmei ©jemplare eines unb 
beSfelben SBerfeS bejahten 511 müffen. 9Jtan h°* biefem 
3mede bie Stillegung eines eigenen ©eftettbudjeS toorgefdjlagen, 
in met(f)eS bie SBerfe, ju beren £erbeifd)affung öon feiten ber 
Sibliothef irgenb jemanbem Sluftrag erteilt mürbe, in chrono* 
logifc^er Reihenfolge , nad) ÜRafjgabe ber früher ober fpäter 
erteilten Stufträge, einzutragen fein mürben. Slttein eS fd)eint 
bequemer unb einfacher ju fein, menn bie 93eftettlifte mit ber 
meiter unten ju ermähnenben gortfefcungSlifte (Saf. 8) auf 
lofen Sätteln, bie man in alphabetifdjerOrbnung aufbemahrt, 
gleid) mit bereinigt mirb, maS fid) ofjne alle Benachteiligung 
ber einen mie ber anberen Stfte ganj gut ttjun läfet , unb 
überbieS ben Vorteil gemährt, baft man bei benjenigen 
93üdjern, meiere beftettt morben finb, aber nid)t auf einmal, 
fonbem nur banb* ober ^efttx>eife geliefert merben, baS 
Schreiben toon boppetten 3ctteln umgeben fann; benn ber 
Seftellsettet mürbe in biefen Säßen jugleich als gort* 
fc^ungSjettel bienen fönnen. Qubcm ift bie $urd)fid)t ber 
ftreng alpfjabetifch georbneten lofen fettet leichter unb baS 
Stuffinben eines SSerfeS, t>on bem man miffen miH, ob, mann 
unb mo ju feiner ^erbeifdjaffung Sluftrag erteilt morben fei, 
fcfjneller ju bemerffteHigen , als in einem 93eftettbud)e mit 
chronotogifdjer Reitjenfolge ber Büdjertitel. gu ermähnen 
bleibt nod), baft jebe 33ibliotf)ef fid) baran gemö^nen follte, 
alle i^re fcon ben 33ud)hänblern ober fonft auS^uführenben 
BefteHungen niemals münbtid) , fonbem jeberjeit fd)rifttid) 
ab}umad)en, bamit, menn ja in ber ©eftettlifte bie aufgegebene 
©efteltung 51t bemerfen unterlaffen morben fein follte, ber 
mit ber SBefteffung Beauftragte in ben Stanb gefegt märe, 
fid) als folgen burd) ben Don ber Sötbliotljef gegebenen 
fdjriftlicfjen StuSmeiS 3U legitimieren. !gn größeren Siblio* 
tiefen, mo bergleidjen SluftragS- ober SluSmetSjettel häufig 



Digitized by Google 



262 



Streiter Xetl. Com ffliitfieridjafc. 



gebraust merben, pflegt man biefem Qtotdt befonbere 
gormulare brucfen ober lithographieren $u laffen, tt>eld)e bei 
einem notmenbig merbenben Auftrage lebigttdf) auffüllen finb. 

©in ^lüeite§ 9ftittel jur SSerme^rung ber 93ibliotf)ef befteht 
in bem Saufte Von Südjern. 5)erfelbe fann fiel) enttoeber 
auf boppelt Vorfjanbene SBerfe beziehen, Von benen bie 
Sibliotfief ba§ eine (Somplar abgiebt, um ein ifjr fetjlenbeS 
S3uc^ al§ ©egengabe $u erhalten ober — an einer beftimmten 
klaffe Von 3Jibliotf)efen — in ber Sßeife erfolgen , baß bie 
^JSubltfationen ber !3nftitute, melden bie betreffenben SBiblio* 
tfjefen jugehören, als Saufchmittel Serroenbung finben. SBir 
ge^en 5unäd)ft auf ben erfteren gatt, bie SBerroenbung ber 
3)oubletten 1T0 , etlvaS naher ein, eine grage, bie Vorjüglid) 
bei größeren 33ücherfammlungen eine geroiffe Sebeutung hat. 
@3 bürfte nämlich faum eine Sibliotljef gefunben merben, 
bie nicht im Saufe ber galjre in ben 33efi£ Von £)oubtetten 
fommen fottte, beren SSermertung fich natürlich ber SMblio* 
thefar angelegen fein laffen muß. $)enn biefer mürbe fich 
mit 9tecf)t be§ 83ortourf§ ber unverantwortlichen Üftachläffig* 
feit fdjulbig machen, menn er jugeben tvollte, baß bie 
SDoubletten nu£lo£ in ben Behältern ber Stbliotfjef Hegen 
blieben, unb nicht vielmehr jur SSerbefferung unb Vergrößerung 
ber (Sammlung vermenbet mürben. 3 un öd)ft h a * f*<h i e ^ oc h 
ber Sibliothefar barüber $u entfdjeiben, treibe $8ücf)er über* 
haupt al§ $)oubletten behanbelt toerben f ollen. 3 U biefem 
SSehufe finb 5uVörberft bie beiben einanber ähnlichen ©^emplare 
auf ba§ genaufte §u Vergleichen ; ftimmt ber Site! in allen 
feinen ginjelheiten, Ort unb 2fah r btö @rjd)emen§, Verlag, 
SBtbmung, Vorrebe, £e£t unb Seitenzahl, $)rucf unb Rapier, 
bei beiben Vollftänbig überein, fo §at er eine 3)oublette Vor 
fich ; fteHt fich bagegen bei ber näheren Prüfung hetauS, baß 
amifdjen ben beiben ©jemplaren hinfichtlich ber angegebenen 
fünfte ein menn auch noch fo geringer Ünterfchieb beftehe, 
fo fönnen bie Sücljer nicht a(§ SDoubletten angefehen unb 
bürfen baljer aud) nicht auggefdjieben merben. SSo nun bie 
2lu§fcf)eibung ttrirflid) ftattfinben barf, ba roirb immer ba§ 



Digitized by Google 



günfte« Stattet. SBoit ber »crmcfcung bcä »üc&ertöafce*. 263 

beffer erfjaltene unb beffer gebunbene Gjemplar jurüibleiben 
tnüffen , ba§ minbermertigc bagegen bem 3)oub(ettentoorrat 
überroiefen werben, Don tueldjem ein S3erseicf)ni£, etroa nach 
ben Stoffen ber Sibliotfjef, at^ulegen ift. Sftitunter freiließ, 
befonber§ bei bielgebrauchten Suchern ober bei folgen, bie 
im Sefefaale aufgeteilt unb bavum ber 33enufcung aufcerfjalb 
be3 ©ebaubeS entzogen finb, n?trb man beffer borouf Der* 
pichten , au§ bem aroeiten (Exemplare pefuniären 9?ufcen ju 
gießen, ba§felbe bielmehr in ber Sibliotfjef jum Sorteile ber 
83efud)er belaffen. * 

3)ie 33ertt)ertung ber überflüffigen S)oubIetten fann auf 
zweierlei SBegen gefdjehen, entroeber auf bem 28ege be§ 23er~ 
faufe§ ober bem be§ $lu§taufche§. Sei bem Sßerfaufe fteljt 
e§ ben Sibliotfjefen frei, fid) 51a Seräußerung ihrer 
$oub!etten entroeber ber 21uftionen ober be§ SerfaufeS au£ 
freier £anb, fei e§ in Sftaffe ober im einjetnen, $u bebienen. 
3)ie Stuftionen bieten unleugbar ein bequemet Littel , fidj 
ber $)oubletten 5U enttebigen unb finb baljer auef) öon jeljer 
toon ben Sibliotljefen mit Sorliebe in Slnroenbung gebracht 
toorben. 5n Serücffichtigung jeboch ber meift ^o^en 
$uftion§gebüfjren unb be§ UmftanbeS, bafc eine öffentliche 
Serfteigerung in ihren ©rgebniffen öon ben t>erfcf)iebenfteu 
gufällen abhängig bleibt, fcf)eint fid) al£ ba§ 3roetfmäfcigfte 
Serfaljren ba§ ju erroeifen, ba§ jebe befinitit) aufgetriebene 
$)oublette, lueld^e ftet§ mit bem Üngültigfeitöftempel ju Der- 
feljen ift, Don einem mit ben bud)f)änblerifd)en unb antiqua* 
rifdjen Serhältniffen oertrauten Sibliotf)ef§beamten ober, 
tuenn bem SibIioti)ef§perfonal in et^elnen gällen bie baju 
erforberlitfje au§reid)enbe $enntni£ abgeben fottte, Don einem 
eigene ba$u beftimmten unb Verpflichteten <Sachöerftänbigen 
untoerjüglich tariert unb jebem Seliebigen, ber ben angefefcten 
*ßrei3 §u jaulen erbötig ift, 5um Serfaufe geftellt roirb. 2)er* 
jenige Sorrat, ber nach einer geroiffen Srift auf biefe SSeife 
nicht hat öerfauft roerben fönnen, ttrirb fobann irgenb einer 
ber renommierteren 2luftion§anftalten, bie hinfichtlich ber 
SommiffionSgebüfjren feine übertriebenen Slnfprüdje macht, 



Digitized by 



264 



Breitet Seil. «om SSiidjcrfäQfc. 



Zur 33erfteigerung jugetoiefen, falls man nidf)t öorgiefit, 
btefen SReft einer antiquarifdjen §anblung gegen ein annehm* 
bare§ ©ebot zu überlaffen. Stuf anberem SBege gelangt bie 
93ibliotl)ef 511 bem giele bie überpffigen $)oubletten ju ber* 
merten burd) ben Saufd), ber un§ ^ier befonberS intereffiert. 
Seiber ift ^ierju nicht immer paffenbe ©elegentjeit gegeben, 
ba jurjeit bei ung nod) fein Organ Dor^anben ift, meines? 
fitf) bie Siegelung eine§ folgen SaufdjöertehrS jur Aufgabe 
ZU machen unb benfetben ju unterhalten hätte, ©ine äu&erft 
praftifcf}e, SKadjahmung fcerbienenbe ©inrid)tung ^aben in 
biefer SSejie^ung toor einigen Sauren bie öibliot^efare in ben 
^Bereinigten (Staaten in Anregung gebracht, inbem fie ihrer 
83erein§5eitfdf)rift al§ Sküage eine 3 u f ammcn ft e Hung z um 
33erfanfe ober 2lu§taufd) bereitftehenber 2)oubIetten amerifa* 
nifdjer Sibliot^efen beizugeben befdjloffen 171 . 2)ur<h ein 
fol<he§ S3erzeichni§ ttmrbe ben S3ertoattungen ber einzelnen 
Snftitute bequeme ©degenljeit geboten, etncrfettS ifjre 
£)oubletten Ieid)t an ben 9Wann 5U bringen unb anberfeit§ 
manche Sücfen rafd) unb ohne t>iele Weiterungen ju ergänzen. 
SWan ift neuerbing§ auch bei un§ an mafjgebenben ©teilen 
immer mehr zu ber Überzeugung gefommen , ba§ ein 5lu§* 
taufd) ber $>oubletten ztuifdjen ben ftaatlid)en SJibtiothefen 
ftattfinben müffe. @rft toenn ber nationale $)oub(etten= 
au§taufd) in ben £auptfulturlänbern eine befriebigenbe 
Regelung gefunben Ijot, toirb e§ möglich fein, ben in granf* 
reid^ in ben vierziger Söhren aufgetauchten Sßlan, einen inter* 
nationalen 5Iu3taufd) bon 2>oubletten herbeizuführen, tt)ieber 
aufzunehmen 172 . 

SWeben ben $oubletten bilben, mie mir oben ermahnten, 
für SnjtitutSbibliothefen bie ^ubltfationen ber betreffenben 
3>nftitute noch e * n geeignete^ ^aufdjobjeft. @o ftehen bie 
beutfchenUniüerfitäten nicht nur unter fid), fonbern in neuerer 
3eit aud) m ^ ^ en franzöfifdjen in einem gegenfeitigen Saufdj* 
öerfefjr, tt>eld)er ben SSibliotfjefen berfelben alljährlich einen* 
ganz bebeutenbeiigutüadjS an offiziellen UniberfitätSf^riften, 
§abilitatton£fd)riften unb 2)iffertationen einbringt. 3)ie 



Digitized by 



fünftes äapitcl 8on ber ©ermcfjrimg beS Sücf)erfcf)afce3. 265 



83ibliothefen toon Slfabemien unb gelehrten ©efeHfdjaften, bic 
nicht feiten auf einem fpeatellen 28tffenftf)aft£gebiete au3* 
gezeichnete Schäfte bergen, beziehen ihren neuen SuxoafyZ 
ebenfalls au§fc|lie6lich auf bemfclben SSege, bem fie in ber 
Siegel aud) ihre 93egrünbung Verbauten. @& ift in biefer 
Sejte^ung ber ©cf)riftenau§taufch alfo gerabeju ein £ebel 
jur Errichtung Von ©pe^ialbibliothefen geworben. 33ei ben 
großen Slfabemien erftrecft fich ber SaufchVerfefjr über fämt* 
liehe Sänber ber SiVilifation unb bie öibliothefen einiger 
berfelben fyaben auf bem ©ebiete ber periobifdjen Publi* 
fationen gelehrter ©efettfc^aften eine fonft feiten erreichbare 
SSoHftänbigfeit erlangt 173 . 

Slufcer bem SSerfaufe unb bem 2lu§taufche Von S8üd)ern 
befifcen gemiffe Vibliotljefen — jumeift bie SanbeSbibliotljefen 
für ba£ gan^e ßanb unb baneben in einigen Staaten bie 
UniVerfitätöbibliothefen für bie betreffenbe ProVin^ — in 
bem (Smpfange Von Pflichtexemplaren ein anwerft tt)irffame§ 
unbunter aßen Umftänben fchäftbareä Littel jur Vermehrung 
i^re§ S3ücf)erbeftanbe§. Pflichtexemplare nennt man alle bie* 
jenigen ©Triften (auch Atlanten, Supferftidje unb SRufifatien), 
ttelche auf ©runb einer binbenben Vorfdjrift feiten^ be§ 
betreffenben Verleger^ ober, toenn ein fold)er nid^t genannt 
ift, feitenS be£ 2)rucfer§, meift unentgeltlich, mitunter gegen 
eine beftimmte Vergütung an ben <Btaat abzuliefern finb. 
5fteuerbing§ §at gr anf e 174 Vom hiftorifd)en ©tanbpunfte au3, 
inbem er auf bie (Entftehung unb urfprüngliche Vebeutung 
ber Pflichtexemplare jurücfging unb bereit ©ntroicfelung Ver= 
folgte, geroiffe ©nippen berfelben unterfcf)teben, nämlich für 
bie frühere Seit ba§3enfure£emplar, toeld)e§ bieförunb* 
läge ju ber üblichen genfur ber 93ü<her bilbete unb fich baher 
auf alle neu erfcheinenben Schriften bejog, unb ba£ privU 
legiene^emplar, meines al§ 33eroei§material bei bem 
Stufte ber Privilegien ber SDrucfer gegen ben 9?acf)brucf $u 
bienen hatte unb be§holb nur biejenigen Vüdjer betraf, lüetd^e 
burch Privilegien gefcfjüftt roaren. Sftacf) Aufhebung ber 
genfur in ben meiften Sulturftaaten unb S3efd)ränfung ber 



Digitized by Google 



266 



Siuciter Seil. Com Büdjcrfdjatj. 



ftaatlidjen 2(uffi<f)t lebiglid) auf bie Übertoadjung ber Preß* 
geroerbe, trat fobann an bte ©teile be§ früheren 3*nfur* 
ejemplarS ba§ ÜberroaehungSejemplar, roefcheS, roeit 
geringer an Umfang, fid) lebiglich auf bie politifche £age§* 
preffe befchränft, üon melier je ein (Somplar an bie Poli5ei 
ober an ©erichtöftetle abzugeben ift. (Seit anberfeitö bte 
Privilegien burdf) ben gemeinrechtlichen ©d)u$ be§ litte* 
rarifd)en Eigentums erfefct mürben, roelcher ebenfalls ein 
Pflichtexemplar al§ SBebingung für bie $nerfennung be3 
Autorrechts ober für ba§ Slagerect)t gegen ben 9tatf)brucf bor* 
fdjrieb, ift ferner ba£ Prtoilegienejemplar $u bem fogenannten 
©chufcejemplar umgeroanbelt korben. paffenber 
StufberoahrungSort für bie große SJienge ber abgelieferten 
(Sjemplare boten fid) ganj von felbft bie 33ibliotf)efen bar 
unb bamit toar ber Übergang ju bem ©ebanfen gefunben, bie 
Pflichtexemplare im Sfatereffe biefer roiffenfchaftltchen ©amm* 
lungen felbft $u forbern. granfe bejeic^net biefe 2lrt ber 
Pflichtexemplare, bie unS aunächft liegt unb bie ba§ ebelfte 
SKotto, nämlich bie Sörberung ber Siffenfchaft, in fiel) fdEjtießt, 
mit bem tarnen ©tubieneyemplare. (SS ift biet über 
bie Berechtigung beS ©taateS $ur (Erhebung bon Pflicht* 
exemplaren in legerem ©inne — unb biefe fommen eigent* 
lieh a ^ein nod) in SBetratht — geftritten roorben. Moment* 
lieh h a & en h n i e ^ cr 3 e ü SSerleger bie Pflichtexemplare als 
ein ihnen unbilliger SSeife auferlegtet Opfer empfunben unb 
angefochten 175 . 2lber, fo barf man fragen, ift benn toirf- 
lieh in ber SRehrjahl ber gätte baS bem Suchfjanbel an* 
gef onnene Opfer ein f o großes unb bebeutenbeS, ja überhaupt 
ein ber Siebe roerteS Opfer? SBenn man in Betracht 5iefjt, 
roie roenig eS im 5)urchfcf)nitt für ben ffoftenpunft in ba§ 
©eroicht faßt, einige ©jemplare mehr abziehen $u laffen, fo 
follte man meinen, baß ber 33uchhanbel feinen bebeutenbften 
Abnehmern , ben Sibliothefen , roofjl eine befonbere 33er* 
günftigung gewähren fönnte, jumal biefe bie beften gürfpredjer 
für ein brauchbares Sßud^ finb unb beffen Befanntfdjaft in 
ben Steifen beS publifumS oft roirffamer Vermitteln als 



Digitized by Google 



Sünfie« fiapitel. «Jon ber SSermcfrung bc§ ©iidjcrfcfafrc*. 267 

SRc5cnfioncn in wenig gelegenen Blättern, für welche bie 
33ucf)f)änbler greiejemplare jebcrjett unb gern jur Verfügung 
haben. SInberfeit§ foßte c§ber Buchhanbel, tuie^jia^fo i"« 
feljr mit 9ted)t bemerft tjflt, nicht al§ eine Bebrücfung em* 
pftnben, baß für ben ©d)ufc, ben ihm ber ©taat gegen ben 
9ßacf)brudf gewährt, eine im Serhältnte wenig bebeutenbe 
GSntfcfjäbigung Von ihm tierlangt wirb. ÜEBenn bemnad} bie 
bem S8erlag§budjfjanbel auferlegte Saft bie übrigeng bei f oft* 
fpieligeren SBerfen burdf) eine ©ntfc^äbigung für Rapier unb 
SDrucf Verringert Werben foßte, al§ eine ohne fonberliche 
Sefchwerbe 511 ertragenbe unb au§ bem juleftt angeführten 
©runbe aud) nicht unbillige beaeidjnet werben muß, f 0 ift bie 
Beibehaltung biefer 6inrid)tung um fo wünfcf)en§werter, al§ 
fie für ben (Staat von gerabeju außerorbentlicf)em 9?ufcen 
ift"". Stenn nur auf biefe SSeife ift e§ möglich, wie fcfjon 
Wteberljolt, neuerbingö Von granfe, betont worben ift unb 
immer wieber betont werben muß, bie nationale Sitteratur 
ber 3 u f un f* in ifjtem Vollen Umfange 5U erhalten. 3)enn 
gefegt aud) r man botierte bie ©taat8bibliotf)efen unb bie 
betreffenben $roVin$iaI? bejüglid) UniverfitätSbibliotljekn 
noch fo reiflich, fo baß fie fdjließlid) im ftanbe wären, jebe$ 
Such unb jebe glugfdjrift be§ Sanbe§ anjufchaffen, fo würbe 
jene burcf} eine regelmäßige Ablieferung ber Pflichtexemplare 
Verbürgte Bollftänbigfeit fchon au£ bem©runbe unerreichbar 
fein, weil ben Bibliothefen bie Kontrolle für eine f oldje fehlen 
Würbe, ba felbft unfere beften Bibliographien nicht abfotut 
VoUftänbig finb unb beifpielSmeifc bie für fpätere Reiten fo 
wertbotte Sitteratur ber glugfcfjriften überhaupt nicht ent- 
galten. ©3 bleibt alfo bie gorberung ber Pflichtexemplare 
„eine weife gefe£geberifd)e Maßregel"; bie ernfte Pflicht ber 
Bibliothefare aber wirb e§ fein, barüber 3U wachen, baß eine 
regelmäßige unb pünftliche Ablieferung ber in Betracht 
f ommenben ©Triften feitenS ber Serleger ftattftnbe. ©adje be§ 
©taat§ ferner ift e§ — unb hierauf hat juerft Hartwig 17 * 
mit befonberem ^achbrudf hi"9ewiefen — , bafür 5U forgen, 
baß bie Pflichtexemplare auch ail f outem, haltbarem Rapiere 



Digitized by Google 



268 • 8»etter «eil. »om ©üc$erfäafc. 



Ijergeftelft werben, ba gegenwärtig ja^lreid^e ©Triften, 
befonberS aber bie SageSlitteratur, auf einem ©toffe gebrueft 
toerben, ber feine $auer für bie 3utunf t Verbürgt. SBünf d)en3* 
roert ift e§ enblidfj, baß feitenS ber SSerleger bejüglidj $>rucfer 
biefer im flaatlic^enSntereffefott)o^Ibegrünbeten@inric^tung 
ba^jenige 2öol)ltt>olIen entgegengebracht toerbe, toeldjeS fie in 
fo Ijoljem ©rabe öerbient; bann erft bürften bie klagen ber* 
ftummen, tt>eldf)e in allen Sönbem unb ju allen Qtiten feit 
bem SBefteljen biefeS tooljltf)ätigen 3toönge§ über unregel* 
mäßige unb läffige Ablieferung ber 5ßf(idjte£emplare laut 
getoorben finb 179 . 

3u ben Mitteln, meldte ber 83ermel)rung be§ 93üdE)er* 
fdfjafceä bienen, gehört enblidf) noch bie 3utt>eifung &on 
@efcf)enfen. $m großen unb ganzen finben unfere 33iblio* 
tiefen, tooljl au§ bem ©runbe, weil bie bebeutenberen 
unter ihnen ftaatlidfje Anftalten finb, beren SSerf orgung man 
bafjer auch bem <&taatt überlaffen ju müffen glaubt ntd^t 
biejenige Unterftüfcung fettend ^rtoater, toelche im ©runbe 
ttmnfdjenSmert märe. SefonberS auffällig tritt biefe ©rfchei* 
nung in 93ejug auf unfere UntoerfitätSbibliotfjefen Ijerbor, 
beren 93efudf)er im fpäteren Seben nur gan$ Dereinjelt ber 
©tätte, tt>o fie ihre SSilbung genoffen, ein banfbareS geidjen 
ber Erinnerung toibmen. ©elbft $)ojenten Iaffen e§ an toerf* 
tfjätiger Teilnahme ^äufig nur affjufeljr fehlen unb finb oft 
tteit batoon entfernt, ber betreffenben AnftaltSbibliotljef ein 
©jemplar ihrer SJJublifationen regelmäßig $u übertoeifen, eine 
Sfjatfacfje, melcf)e(£bert Deranlaßte, fogar eine gefefclidje 33er* 
pf(icf)tung ber Stoßenten $ur Ablieferung il;rer ©Triften in 
3Sorfcf)lag 5U bringen, toobon er fief) namentlich für bie 
©efd)icf)te ber Untoerfttäten befonberen -Ku^en toerfpradj. 
Sßie feiten finb ferner im allgemeinen teftamentarifdje 3^ 
menbungen au3 Sßribatbibliotfjefen , bie nach bem Ableben 
ihrer 93efi£er oft gerabeju berfcf)leubert werben, £ier ließe 
ftdj manches ©ute ftiften, jroenn ber 33efifcer berjenigen 
öffentlichen SBibliotljef , roeldfje junächft liegt, auch nur ba§ 
83orfauf§recf)t für folcf)e 93ücf)er, bie itjr ertoünfeht toären, 



Digitized by Google 



pnfte« flaute!. Ißon bct »ermeljtuitfl bei SüdjerfdjafreS. 269 

bei Sebjctten fieberte. ©länjenbe SSorbilber freigebiger Unter- 
ftüfcung ber Sibliothefen feitenS SßriVater bieten bie 33er* 
einigten <Staaten ÜftorbamerifaS wo ©df)enfungen an bie 
öffentlichen SSücfjerfammlungen, Welche bort fretHd) auch einen 
Volfötümlicheren (Eljarafter tragen unb breiteren ©Richten 
ber Söewoljnerfchaft bienen, an ber £age§orbnung finb. SBenn 
bei ber fdjier in ba3 Ungemeffene ge^enben litterarifcfjen 
Sßrobuftion unferer Sage ber SRefjraafjl ber Sibliothefen 
gegenwärtig nur eine forgfältige 9lu8wal)l auS ben befferen 
ä}eröffentlid)ungen Vergönnt ift unb manrf)e§ brauchbare Such 
ungefauft bleiben mufc, weil bie — wenn auch * n ^ cr an * 
erfennengwerteften Sßeife Vermehrten — 3Kittel ju feiner 
Erwerbung nicht ausreichen, fo ift in biefem Salle bem 
SßriVatmann reifliche ©elegenfjeit geboten, etwas für ba§ 
allgemeine Sefte jur görberung ber Sßiffenfchaft ju tfjun. 
2Bünfchen§wert bleibt e£ jebodf), bafc ber ©önner einer 
S3ibIiothef, ehe er biefer 93ücf)er überweist, fidf) mitbemSSor* 
ftanbe berfelbcn in Serbinbung fefce, um $u erfahren, wa§ 
hauptfächlich tpiHfommen fei. SlnbernfattS erhält bie Söiblio* 
tfjef oft ihren ßweefen t>öQig fernliegenbe Sitteratur, bie ihr 
barum wenig nüfct, Vielmehr nur Arbeit unb unter Umftänben 
auch noch Soften für bie ©inbänbe Verurfad)t ober aber gar 
nur reine ©oubletten, wäfjrenb ba§, wa£ ihr gerabe fehlt, 
burch ben ©etreffenben vielleicht für eine anberweitige 33er* 
wenbung beftimmt Wirb. Natürlich fann bie SSerwaltung 
ihrerfeitö bem ©efcfjenfgeber im allgemeinen feine SSorfd^riften 
machen, aber fie Vermag burch SJorftellungen unb $luf* 
flärungen über ben Qxocd ber betreff enben SMbliotljef fo 
mand)e3 ju erreichen; unb ift einmal in bem ©efdfjenfgeber 
bie Überfteugung rege gemalt worben, ba§ ber Sibtiothef 
nicht bamit allein, ba§ er überhaupt giebt, fonbern Vor allem 
bamit, Wa§ er giebt, ein 3)ienft geleiftet werbe, fo ftef)t auef) 
nicht §u befürchten, bafc bie 23ibltotf)ef mit allju Viel Über* 
flüffigem überlaben werbe. $a§ wenige Überflüffige, wa§ 
fidh tro£ aller inbireften Sorfehrungen botf) noch einfinben 
mag, wirb fidf), faK§ ber ©efd^enfgeber bem öibliotfjefar 



Digitized by Google 



270 



Bweiter Zt\L SSom ©ücfcrföiUv 



hierin freie £anb gelaffen fjat, bei paffenber ©elegenljeit 
ioieber entfernen unb angemeffen für bieSibliotfjef bertoerten 
laffen. 23irb freilief) , tua§ namentlid) bei Übergabe ganzer 
Sammlungen öftere ju gefdjefjen pflegt, öon bem ©efdjenf* 
geber jur Sebingung gemalt, baß nid)t§ Veräußert unb ent* 
fernt toerben bürfe, bann ttrirb ficfyberSibliotfjefarallerbmgS 
bem auSgefprodjenen SBillen fügen müffen unb lieber ba§ 
Unbrauchbare mit Ijinneljmen al3 burd) allerlei Sebingungen 
unb Sorbeljalte fcielleidjt ba§ ganje ©efdjenf in grage ju 
ftellen unb anbere ©önner fcon ähnlichen ©Deutungen ab* 
jufdjrecfen. 

3n>eifer 2Cefd)ititt. 
gfon ben §ttgang$perseiO)ni)]en. 

Sei jebem SSerfe, tt>eldje§, gleidjbiel ob alt ober neu, 
gebunben ober ungebunben, gefauft ober gefdjenft, in bie 
Sibliotlje! fommt, muß ba§ erfte ©efdjäft be3 SibliotfjefarS 
ober be3 mit ber Siegiftratur be§ ©ingange§ befonber§ 
beauftragten Seamten barin befteljen, baß er baSfelbe in ein 
für ben 3uroacl)3 eigen§ beftimmteS Journal, ba§ fogenannte 
SkcejfionSjournal, einträgt (Saf. 7). 2)iefe£ ift getoöfjnlidj 
in Sftubrifen eingeteilt, bereu Slnorbnung jroar eine berfdjiebene 
fein fann, beren !3nf)alt aber im toefentlicfjen faft überall barin 
beftefjt, baß junäcfjft ba§ Saturn ber Eintragung, fobann bie 
laufenbe üftummer, toeldje mit Seginn eine§ neuen (5tat§iafjre$ 
immer toieber toon born anfängt, roeiter al§ ^auptrubrif Ser* 
faffernamen unb Sitel be§ 2öerfe§ in möglicher ®ürje mit 
Slngabe be£ SerlagSorteS unb ©rfd)einung§ial)rc3, be§ gor* 
mate§ unb ber 3^ bex Sänbe, ferner ber 5ßrei§, bie OueKe, 
au§ melier ba§ Sud) ftammt unb enblid) in einer befonbern 
Sftubrif fonftige auf ba§ betreffenbeSibliotfjefSeyemplarbejüg* 
lidje Semerfungen gegeben werben, I005U fpäter, nad)bem ba§ 
betreffenbe Sud) gebunben unb in bie toerfdjiebenen Kataloge 
orbnung§mäf$ig eingetragen toorben, nod) bie Seaeidjnung ber 
klaffe, welker ba§ Sud) jugemiefen toorben ift, ber Signatur, 



Digitized by Google 



fünftes Änpitcl. SJon Der «ermefjruttß bcS 8ü($erf(f)afcc8. 271 



2 
S 

o 

2 



QC 



8 



er. 
o 



c s c 
8 - ÖS 



■<-» 
o 

5? 



.© 
O 



es 

o 

o 



o 
es 

5 CJ 
^"5 



— . 


n 
o 


CO 


t- 






3 


5 



0 • 



-3 « 
cd 



■s 

8» 



o 



S5 



j<3 - > CM 



00 



l<jl>93QUi]ffi 



1 

«8 

8 



aaututnjß 

3QU3|n»3 



o 



»-» 

3 

o- 



3 

Ö 
© 

.8 u 



5 2 



I 
'S 

a 



o 

1 



S3 



■co 



S 00 



j-CO 

S CO 



~ CO 

**■" IC» 



3.? 



s 

* 

.O 



o • 
•CM 
O - 



o 



o 

CO 
CM 



— t> 
f» 

© 

«_> 

. £!eo* 



■M 

s • 

o o> 

U QO 

CJO 

a~ 

CJ 



© 



o 

OD 



o 
o 

ca 
'S 



.2 & 



CO 

CO 



~3 es? c « 
«SP +i 

•SS ^ 



1 

4» 



a 

o 

i>| 

O 1-1 

t 5 



8 



iO 

CO 



CM 

CO 
CM 



cs S 

S 



^5 

CO 

CM 



»o 



5^ 



iT5 
O 

CO 



a 
<5 

'S 
© 
= 

8 
a 

N 



00 
01 



<= 

© S 
C75 C 

■ 

© 



3 
8 

Ä 



© 

CM 



.2 S 



3* 6" 
tsc . 2 . 

O CO g O u 



2 
CS 



'S 
» 

o> 

as 
■ 

© 



CO 

CM 



'S 
8 

'S 



Digitized by Google 



272 



Breitet teil. Com ȟ^ericga?. 



bie e$ erhalten hat, unb be$ (SinbanbeS, ber ihm gegeben 
ttorben ift r hinzutreten fann 181 . 3)ie möglichft fofortige 
(Eintragung einer jeben neu hinzufommenben Schrift ift au§ 
bem ©runbe eine bringliche gorberung, roeil nur fyevbuxü) 
eine geregelte ^Buchführung ju ermöglichen ift. ©obalb bie 
neuen ©rtperbungen infolge toerfäumter Abfertigung fich Don 
Sag ju Sag mehr anzuhäufen beginnen, ift if)re fd^ließlic^e 
©rlebigung leicht mit mancherlei Irrtümern berfnüpft , bie 
anbernfallS z u bermeiben geroefen toären. 3)a femer bie 
Eintragungen mit £ilfe ber ben SKobitäten unb gortfefcungen 
beigefügten bud^^önblcrifd^en gnterimSrechnungen gefeiten, 
toelche ihren Abfertigern lieber jujufteHen finb, fo empfiehlt 
fid) eine fc^nette Aufzeichnung be§ 3 u roachfe§ cmßerbem aud) 
fdfjon im ^ntereffe eine§ geregelten SSerfeljrS mit ben 33ud) s 
Ijänblern. Sollte jebodj, U)a§ mitunter unbermeibltch ift, 
infolge aufeerorbentlicher 3"9Önge ober fonftiger bringlid)er 
Umftänbe eine SJerzögerung eintreten müffen, fo ^at ber ein* 
tragenbe S3eamte Dor allen fingen barauf acf)t 5U geben, 
ba§ ber SRarne be§ Sieferanten, ber Sßretö be§ Suchet unb 
bie Qtit ber Ablieferung , am fidjerften auf bem Umf djlage 
be§ S3ud)e§ felbft , öermerft toerbe , ba biefe brei Sftomente 
namentlich für bie fpätere Abrechnung mit ben ©ortimentern 
Don SBebeutung finb, unb baneben bafür zu forgen, bafi fein 
Such bon bem ihm vorläufig angeroiefenen $la^e fort- 
genommen loerbe. 3>n Sezug auf bie Acceffion^nummer ift 
ba£ SSerfahren ein fcerfdf)iebene8. SSährenb einerfeitS ber 
Srauch h err f<$t» jebem neu hinzufommenben SSerfe 
innerhalb eine§ @tat§jahre§ eine einzige AcceffionSnummer 
Zuerteilt ttrirb , mag e3 nun in mehreren Sänben zugleich 
erfcheinen ober in regelmäßigen Sieferungen an bie 23tblio= 
thef gelangen, Verfolgt man anberfeitö ben ©runbfafc, bie 
einzelnen Sieferungen je nach ber 3 e i* ih*e§ Eintreffend 
unter berfcfjiebenen Acceffiongnummern einzutragen, ja man 
hat biefe Siegel fogar auf bie einzelnen gleichzeitig eingehenben 
23änbe mehrbänbiger Sßerfe au3gebef)nt. 2öie auf biefe SBeife 
am ©cfjluffe be§ SaljreS bie Qaty ber Hummern zugleich bie 



Digitized by Google 



Siinftc? Äajntcl. »on t>cr «crmeljrimö bc8 ©üdjcrtäofceS. 273 



3a^t ber erworbenen 33änbe barftellen mürbe, fo fottte eine 
berartige Eintragung audf) baju bienen, bog man leichter im 
ftanbe märe, bie 33orgefd)ichte jebeS einzelnen öanbeS feft= 
aufteilen. Söenn inbeffen füfort nadf) Verzeichnung eines 
33udf)eS im $IcceffionSjournale bie üftummer unb baS betreffenbe 
SDotum auf bem Site! be^fclben mit Bleiftift ober nod) beffer 
nuf ber Sftüdfeite beS SitelS mittels ©tempelbrutfeS.bermerft 
unb biefeS Serfafjren auf jeben einzelnen ©anb auSgebefjnt 
wirb, fo bürfte hievburd) biefelbe Sicherheit geboten fein, 
tt)äf)renb gleichzeitig bie Arbeit eine einfachere ift. Sind) bie 
SSerec^nung ber jährlich z u bem alten Söeftanbe neu hi n S U5 
tretenden SBönbc^aEjl berurfacht fo gut wie feine Schwierig* 
feit, wenn für bie herauf bezüglichen 3at)len eine befonbere 
Sftubrif im Journale toorgefef)en ift, beren %\\f)ait am ©nbe 
jeber ©eite fogleid) fummtert wirb, fo baß am 8ah re 3fchluffe 
lebiglicfj biefe einzelnen ©ummen zusammenzuzählen finb. 
2)aß ber Site! nur eine ganz abgefürzte gorm aufzuroeifen 
braucht, liegt in ber Seftimmung beS 51cceffionSjoumalS 
felbft begrünbet, Weldas niemals als eigentlicher Satalog 
bienen foff, fonbern lebiglicf) bie ©efct)ichte ber (Erwerbung 
eine§ SBerfeS in allen ben genannten Einzelheiten ju geben 
hat. $)ie Angabe beS 5ßreifeS, meldte auS biefem ©runbc 
gleichfalls notwenbig ift, ermöglicht eS, baß baS SlccefftonS* 
Journal zugleich als SftedjnungSbuch ober Kontrolle für bie 
in größeren Bibliothefen etwa monatlich, in Heineren feiertet 
jährlich einzureichenben 58ud)hänblerrechnungen bienen fann, 
wobei bie erfolgte Bezahlung burch ein hinzugefügtes Saturn 
ober ein fonftigeS Qeityn fenntlich gemalt werben mag. 
$ie Seifügung ber klaffe bient ber am ©djlnffe jebeS SaljreS 
anzufertigenben ft)ftematifcf)en Überftdjt beS 3 u toad)feS im 
Sah^Sberichte, beffen $lbfaffung bon einer jeben öibliothef 
teils in ihrem eigenen Sntereffe, teils im Sntereffe beS 
SibliotfjefarS unbebingt geforbert werben muß, unb macht 
bie Anlage eineS zweiten nach Slaffen eingeteilten SÄcceffionS- 
joumalS, roeldjeS ben Stved !)at, baß ber neue 3uroad)S fidf) 



Digitized by Google 



274 



ßwcttcr XctI. «om S3iid)erfd)a&. 



flaffenroeife überfein (äffe, in ber Siegel entbehrlich. dloU 
ttenbig bleibt biefeS leitete jebocf) für biejenigen öibliothefen, 
meiere bie f^ftemattfe^e Überfielt burdf) ben 3>ruc£ befannt 
geben, inbem jene§ nach *> en öerfchiebenen Abteilungen ber 
Sibliot^ef georbnete 3utt>ach§öer3eichni§ hierfür bie geeignete 
©runblage bilbet. 

SRan I)at ben SBorfchlag gemacht, ba§ 9kceffion3journal 
überhaupt nicht in 93utf)form , fonbern in einjelnen 3etteln 
anzulegen; namentlich §at 9Kolbech gegen jene eingeroenbet, 
ba| man bei bem Dkchfud^en nach einem SBerfe in einem 
djronologifcf)en, £ag für Sag geführten SSerjeichniffe über 
ben jährlichen 3utt>ach§ oft t>iel 3eit Verliere, inbem man, 
um 5U fehen, ob eine neuere ©d)rift jur Söibliotljef geliefert 
roorben fei, gezwungen roerbe, einen ganjen Söanb be§ 
SlccefftonSjournalg ober gar mehrere SSänbe ju burchfuchen, 
ohne immer ©rfolg 5U fyaton. SJiefer Übelftanb ift jebocf) 
leidet 5U heben, toenn mit bem Journale ein furjeS alpha* 
betifdf)e§ SRegifter fcerbunben ift, roeld)e§, fofern e§ nur immer 
auf bem Saufenben erhalten unb mit (Sorgfalt geführt roirb, 
ba§ $luffucf)en eine§ 2Berfe§ ju einer leisten ©ad)e macht. 
2)ie gorm be£ S^telfatalogö ift für ein ßunDach^öer^eichniS 
auch fd)on au§ bem ©runbe roeniger angebracht, als fich bie* 
felbe für bie regelmäßige Kontrolle ber Rechnungen nid}t fo 
gut eignet nne ba§ gebunbene Journal , roelcf)e§ einen roett 
rafdjeren Überblid gemährt. Überhaupt f ommen bie SSorteile 
ber beweglichen Settel, fo roid)tig unb fühlbar biefelben f ür ben 
alphabetifchen £auptfatalog finb, hierbei roeniger in ©etradjt. 
Senn e§ gilt nicht unbrauchbar geworbene 3ettel auf eine leiste 
SSeife au^^ufcheiben unb buref) anbere ju erfe^en, lügenhafte 
5U ergäben, für neu hi^ufommenbe auf eine bequeme 2lrt 
$Ia& 5U fdjaffen unb noch fo jahlreiche £itelabfcf)riften 
ohne ©chmierigfeit unterjubringen, bie ©intragungen in ba§ 
$lcceffion§journal bejiehen fid} vielmehr ftetg nur auf einen 
furzen 3eitraum, ba§ Etatjahr, mit beffen Slbfdfjluffe aud) 
fie felbft für immer abgefdjloffen finb, um nunmehr bie 
(£igenfd)aft hiftorifcf)er Sofumente für bie ©efd)id)te ber 



Digitized by Google 



fünftes flautet. 93on ber ««meljrung be8 Sü(§ertöa$e3. 275 

Erwerbungen einer SBibliotfjef annehmen. gürbiefe, fo lange 
bie (Sammlung überhaupt Seftanbljat, fo wichtigen ©elege — 
man ^at ba3 $lcceffion§journal fehr be^etchnenb bte editio 
princeps einer SBibliothef genannt — ift bie Aufbewahrung 
in Sud^form fd)on au§ bem ©runbe bte Dörflichere , weil 
fie bie fidjerere unb auf bie 3)auer leichtere ift 1 * 2 . 

SBä^renb an Meineren 93ibliotfjefen ein $lcceffion§joumal 
für f amtliche eingegangene SSerfe genügt, mac^t ficf) an 
größeren Sammlungen ba§ 33ebürfni§ geltenb, bie 6in* 
tragung ber fäuflichen Erwerbungen Don beqenigen ber 
©efdjenfe $u trennen unb für festere ein befonbere3©efchenf* 
buch anzulegen , meinem bie gleiten Sftubrifen wie bie oben 
ermähnten jugrunbe gelegt werben, nur baß an ©teile be§ 
Sieferanten ber ©efchenfgeber tritt unb ber$rei§ in SBegfatt 
fommt. S)ie gefcfjenften 33ücf)er erhalten in biefem Satte nach 
ihrer Eintragung bie $lcceffion§nummer be§ ©efchenfbudjeS. 
2lud) bie 3^ttfd^riften , beren 3 a ^ in ftetem 2Bach§tum 
begriffen ift, laffen gemeiniglich ein eigenes SSer^eid^niS 
Wünfd)en§wert erfreuten, bei beffen 2lnlage barauf 3tücfficht 
§u nehmen ift, ob bie betreffenbe ßeitfc^rift irierteljährlich 
ober monatlich ober wöchentlich ober täglich erfchetnt. ©cf)on 
bie hierburdj bebingte fompli^iertere SRubrijierung mad^t bie 
SoSlöfung biefe§ SBer^etc^niffeS t>on bem SlcceffionSjournal 
empfehlenswert, womit noch & er Vorteil öerfnüpft ift, baß 
biefeS alpt)abetifd) anjulegenbe SSerjeidjniS fogteidf) auf 
mehrere Sa^re berechnet werben fann, inbem nur bie einzelnen 
Etatjahre auSeinanbcrzufjalten finb. ffllan erfpart auf biefe 
Sßeife bie Sftühe, jene zahlreichen Xitel in jebem ^aljre mieber* 
holen ju müffen. ^ierzu tritt an unferen UniberfitätS* 
bibliothefen noch ber Umftanb f)in^n, baß bie neu eingetroffenen 
£efte ober Sümmern bem UniberfitätSlefe&erein für eine 
beftimmte grift überlaffen ju werben pflegen, tiefer SBechfel* 
öerlehr ber Abgabe unb 9iücHieferung ber ^eriobica mit ber 
meift außerhalb be§ 93ibliotf)ef§gebäube3 befinblichen afabe* 
mifchen Sefehalle wirb im allgemeinen 3eitfcf)riften&erjeichniffe 
ebenfalls feine Erledigung finben f önnen , ohne baß — wie 

18« 



Digitized by Google 



276 



3mciter Xctl. 2>cm SBüc^crfctjati- 



bie§ mitunter gefd)icf)t — für biefen ßtneef noef) bie Ginricf)* 
tung eine§ befonbern 3ournal§ nottoenbig wäre. 

3)ic noef) unboHenbeten $af)rgcinge ber 3 c ^f^ r if^ en 
werben — in bem julc(5t genannten gaffe natf) itjrer ÜKicf- 
fefjr au§ bem Sefetoerein — in einem eigenen, mit jatjlreicfjen 




Sifl. 31. Gilt 3cüfd)riftcnfrt)ranf. 



gäcfjern ticrfefjcncn Sdjranfe in alpfjabetifcfjer Reihenfolge 
i^rerDrbnung^uiörter, meiere unterhalb ber einjelnen 3äd)er 
auf angehefteten Streifen aus (Tartonpapier unter Seifügung 
ber Signaturen fcermerft werben, aufbcttmfjrt ©ig. 31), bi§ 
fie nad) Gingang ber legten Kummer unb beS 9?egifter§, 



Digitized by Google 



günftc-3 Jtapitel. Süoit bev «ermefjumg bc3 »Udjerfdja&cS. 277 



weichet lefctere nebft bem Site! häufig erft nachträglich 
erfcheint, gebunben werben fönnen. 2Bie au£ beigefügter 
Slbbilbung erhellt , fönnen paffenberweife ©cfjiebethüren in 
21nwenbung gebraut werben, welche bie SBenüfcung ber 
©djränfe ungemein erleichtern. 5)a meift — wenigften^ an 
ben großen Sammlungen — eine ganze 9Jeif)e folcf)er ©cfjränfe 
erforberlicf) fein wirb, fo finb außen ©djilber anzubringen, 
um anju^eigen, welcher Steil be§ Alphabets in bem betreffenben 
©fronte vertreten fei. $n gleicher SSeife erhalten bie etn* 
Zelnen gaScifeln Von So^tfe^ung^merfen if)re gefonberte 
Aufbewahrung in eigenen ©djränfen unb ztvar ebenfalls in 
alphabetifd)er Slufeinanberfolge. gür bie unVollenbeten 
5ßublifationen führt man nicht feiten befonbere SBerzeicfjniffe, 
bodj werben f oldje baburd) entbehrlich gemalt, baß in Se^ug 
auf bie ^eriobica .ba§ 3 c ^f^ r 'f tcnöcr 5 c ^ n ^ felOft aufweifeu 
muß, meiere Seile noch ungebunben im ©chranfe liegen unb 
in 93e$ug auf bie noch unfertigen Sßerfe eine anbere not- 
Wenbige Sifte ber SMbltothef al£ ©rfa£ eintritt , nämlich &i e 
mit bem $lccejfion3journale in engem 3ufamment)ange ftehenbe 
SontinuationS* ober gottfe^ung^lifte ($af. 8), Welcher, tüte 
wir oben fahen, zugleich bie SefteKlifte einzuverleiben war. 
Set benjenigen SBerfen nämlich, welche nicht auf einmal, 
fonbern lieferung^ ober banbweife zur Sibliotfjef fommen, 
genügt e§ nicht ihre Sitel in ben $lcceffion§fatalog einzu* 
Zeichnen, biefe müffen Vielmehr in eine befonbere ßifte noch* 
mal§ eingetragen werben , ntit beren §ilfe ber ©ibliotfjefar 
im ftanbe ift, jeberzeit zu überfehen, welche SSerfe be§ neuen 
3uwachfe§ noch unVotlftänbig feien, unb bieSerVotlftänbigung 
berfelben auf biefe SBeife fortbauemb zu überwachen. 25a bie 
(Eintragungen mit bem Äbfcf)luffe eine§ berartigen SSÖerfeS 
ihren Qtoed erfüllt ^abett unb Von biefem 3 e üpunfte an 
gegenftanb£lo3 werben, benn für etwaige fpätere 3roeifel 
bient ba§ SlcceffionSjoumal zur Slufflärung, fo wirb biefe 
Sifte zweef mäßigerweife nicht au§ einem gebunbenen Journale 
Zu beftehen brausen , welcf)e£ burch ba§ fich immer wieber* 
holenbe Ausreichen erlebigter Sitel mit ber 3cit unüber* 



Digitized by Google 



278 



3tt»cttcr Seil. 9Som Südjcrfdjafc. 



9Jame bei 
Lieferanten 



Sitel be3 23erfc§ 



3af)ru.9?ummcr 
öe39lcccffion§» 

journais Setncrfungen 



iÖ...fdje Sudjb. 
&icr 



tJibliotbek beutfcf>er ©efc&taite, f>r$g. x>. 

3iDicbine(f«©ubcnMrft. 

Stuttgart. 



3^ jHqäKjfa^ SR., XentirfjcQkfcf). unter 
b. fäaM. u. folifdjcn Äaifern (16, 1 90; 
511m 93htben 18/1 90). 



5. Cinbnrr, Zh fceutfcfje ©efd). unter 
b. §ab$burgcrn u. Suremburgern. 
SbbX(H; III 90; ä $inben 10/III 90). 



7. (Fqrlljaof, ©ottl. 2cutfci]c©cfa).im 
10. 30. $b. T (i<i I <•<;»; 311m 
SBtnbcn is/I 90). 

8. 



1 889 90 
IIIS 



Sign. Ne 440. -3° 



8. Kitt er. ©egen* 
reformatton rc< 
Kontiert 19/TII 
90. 



9. 3ntrbinrdt-dabruhorft,$.to. Xeurfcfic 
©efd). t. 3cttraum b. ©ninbmtg b. 
pteufe. Äöntgtf>um§.' $b.T.(i9/IU 
90; öiim stfhtbai 22/III 90). 
10. ttolrr, dMixt). ^riebr. b. ©r. 
?lbtl)[fl. I (16/1 90J. 

Xttf. 8. ^robe eine« 3cttclö au« ber gortfctjungSlifte. 

fidjtlicf) unb auf atfe Salle unfauber ttrirb, fonbera au§ 
einzelnen ßctteln ^ergeftetlt inerten, meiere, naef) SKaftgabe 
ber barauf gefdjriebenen einzelnen 93üd)ertitel, in ftrenger 
alpl)abetiftf)er Drbnung aufzubewahren finb. Sluf jjebem 
ber $ettel ift auger bem Stitcl in möglidjfter ®ür$e ber 
9hme be§ Steferanten, ba§ (Stat^jai^r unb bie laufenbe 
•Mummer be§ $lcceffion£journal§, foroie ba§ Saturn ber lefct* 
empfangenen Sieferung be§ 2Berfe§ anzugeben, unb unter 
ben SBemerfungen afle§ ba^jenige hinzuzufügen, tt)a§ fid) 
auf Signatur unb (Sinbanb etma früher fcfjon gebunbener 
Seile, auf Vereinbarte 3a^Iung§bebingungen ober bereits im 
Dorau§ geleiftcte $3arzal)(ung be$iet)t. £efctere§ ift um fo not* 



Digitized by Google 



fünftes SapittU Ston ber «crmefjrunQ be« ©ütfjerfdjafceS. 279 

wenbiger, als ber ©ibliothefar, ber fidf) in ©elbangelegenheiten 
feineSfallS auf fein ©ebächtniS allein toerlaffen barf, baburdh 
einen geeigneten Slnftofc erhält etwa bereits gejagte ©elber, 
wenn bie bafiir besprochenen Sieferungen eines SßerfeS im 
Sftücfftanbe bleiben, jurüctjuf orbern. 3ft ein 99anb fertig, 
fo werben beffen einzelne Sieferungen auf bem fyttel burd)* 
ftrichen unb baS $)atum öermerft, an meinem berfelbe, 
um gebunben ju werben, auS bem ©cfjranfe genommen 
würbe; unburchftrichene Sieferungen bebeuten ftetS unge* 
bunbene. $ln ber £anb biefer Sifte ^at ber betreffenbe 
Seamte bie ©c^ränfe toon $eit §u 3eit $u reöibieren, um baS 
Sor^anbenfein fämtlicher Eintragungen feftjufteffen, etwaige 
SSerfäumniffe in ber Herausnahme fertig geworbener SJänbe 
nacf)5ut)oIen unb folche ältere Sßerfe, beren gortfefcung auS 
irgenb einem ©runbe unterblieben ift, trofc if)reS unfertigen 
guftanbeS auS$uf Reiben, um biefelben, Wenn nachweisbar 
nichts mehr $u erwarten ftetjt, burch Sinben ober in nicht 
ganj auSfi(htSlofen gällen WenigftenS burch fteifeSSBrofchieren 
einer leichteren 33enü£ung paufüfjren. 

dritter 2t0fd)niü. 

©inb bie $ur SBibliothef gefommenen SBerfe in baS 
$lcceffionSjoumal eingetragen, bie. untoollftä'nbigen in ber 
gortfefcungSlifte angemerft unb in einftweilige SSerwahrung 
gebracht, fo hobelt eS fichäunächftbarum, bie fertigen Söänbe, 
foweit biefelben noch gar feinen ober minbeftenS feinen bauer* 
haften ©inbanb beftfcen, bem Suchbinber in Arbeit 5U geben. 
33ePor bieS geflieht, werben bie neuen Eingänge an manchen 
SBibliotfjefen im Sefefaale jur öffentlidjen Anficht ausgelegt, 
um bem Sßublifum (Gelegenheit 5U geben, üon benfelben 
Kenntnis ju nehmen. $)iefeS gewift recht empfehlenswerte 
Verfahren barf inbeffen nur auf etwa $wei bis brei Sage 
auSgebehnt werben, um baS SBinben ber neuen Erwerbungen 
in feiner SSeife $u fce^ögern. £)enn eS mufc unDerrücfbarer 



Digitized by 



28ü 



Siueiter Seil. Jüom SJücfiecfdjüfc 



©runbfa& be§ 93ib(tot^c!ar§ bleiben, öotlftänbige 33üd)er nie- 
mal£, fetbft aurf) nur für fur^e Seit, ungebunben im Sureau 
ber öibliotfjef niebe^ulegen, fonbern ofjne$er5ug bemSöucf)* 
binber ju übergeben, bamit fie in möglidjft fürjefter Srift, 
mit (Sinbanb oerfeljen, ifjre $tä£e in ben JRepofttorten ein* 
nehmen unb auf 9?ad)frage be£ SßublifumS jur Senufcung 
gelangen fönnen. wirb bafjer in einigen 33ibliotf)ef£* 
reglementS aud) auSbrücflitf) beftimmt, baß fein jum Gin* 
binben taugliches 93ud) länger als eine gewiffe Seit of)nt 
©inbanb bleiben bürfe, nur ift offenbar ber bem 33udf)binber 
5itr SSieberablieferung ber gebunbenen 93üd)er $u fteflenbe 
Sermin oielfad) 5U weit IjinauSgefdjoben worben. AßerbingS 
barf bem 93ud)binber feine att^u fnappe Srtft gefteßt werben, 
bamit nid)t unter ber übermäßigen 53efd)leunigung bie ©üte 
feiner Arbeit leibe. SSenn jebod), wie bieS ja in ber Siegel 
an größeren 93ibliotf)efen gefd)ief)t, bie jum ©inbinben 
beftimmten 93üd)er nid)t bloß einem, fonbern mehreren 
fOZetftern in Arbeit gegeben werben, fo läßt fid) ber Übel- 
ftanb, baß bie ju große Stoffe ber jumöinben übermittelten 
5öüd)er eine auSgebefjntere AblieferungSfrift notwenbig mad)e, 
mit 2eid)tigfeit Permeiben. £$m $)urd)fd)nitt bürfte ein 
3eitraum Don f)öd)ften3 t>ier5e^n Sagen als ein für ben 
23ud)binber Pottftänbig auSreidjenber ^u erachten fein. 2)er 
35erfel)r mit bem le^tgenannten geftaltet fid} gewöfjnlid) 
folgenbermaßen. ©3 wirb ein gewiffer Sag ber 2Bod)e 
beftimmt, an welchem fid) ber 93ud)binber womöglich perfön* 
lid) in ber Söibliotf)ef einjufinben, unb teils bie ifjm bie 23od)e 
äuöor jum ©inbinben eingef)änbigten 23üd)er wieber ab* 
juliefern, teil» bie im Saufe ber SSoc^e neu §ur Söibliot^ef 
gefommenen Serfe in (Smpfang 5U nehmen ^at. 5)ie ©mpfang* 
nannte fowie bie Ablieferung gcfd)ief)t naef) Anleitung beS 
23ud)binberjournalS, in weldjeS Pon bem SBibliotfjefar bezüglich 
bem mit bem 53ud)binbergefd)äfte befonberS betrauten Beamten 
alle 511m ßinbinben beftimmten 93üc^er unter Angabe beS 
Datums, wann bie AuSfjänbigung an ben 33uc^binber, Welver 
bie Empfangnahme feinerfeitS 511 bereinigen f)at, erfolgt 



Digitized by Google 



fünftes Stapftet, «oit bet 8crme$runfl bc« SBüdjcrfcfja&eS. 281 



ift, unb unter ber Ziffer einer mit jebem neuen 3af)re neu 
beginnenben forttaufenben SKummernreifye eu^utragen finb. 
$tufcer bem forreft abgefür^ten Xitel be£ 2Serfe3, ber bem 
Sudjbinber augleicf) als unabänberlidje SBorfdjrift für ben 
aufaubruefenben 33anb* ober93ud)binbertiteI gelten rnufc, wirb 
man in bem Journale bie $af)i bex ©änbe, bie ^Irt unb 
SBeife be§ ©inbanbeä, ob <JJrobebänbe mit baju geliefert 
toorben finb, fottric bie 33ud)binberpreife anzugeben fyaben, 
iiberbie§ aud) auf einem frei$utaffenben breiten SRanbeetroaige 
33emerfungen, 3. 35. ob ein Surf) früher al£ 3U bem regele 
mäßigen roödjentlidjen Sermine jurücfyuliefern fei, ober 
fonftige bem 33ucf)binber befonber§ ein^ufdiärfenbe Sßor* 
fdjriften beifügen (Staf. 9). 33ei ber Ablieferung ber $3üd)er 
öon fetten be§ 33ud)btnber§ f)at ber 33ibliot()ef3beamte nad) 
gefdjetjener forgfältiger Prüfung ber SBänbe bie richtige 
Empfangnahme berfelben im Journale $u quittieren, wobei 
er bie erlebigten Kümmern burd)ftreid)t ober mit einem 



Xtefmmg 45 (99ud)bmber puffet). 



Am 8. 5>e0rnar 1890. 2ran§*>oit 

X9ir. 505. 3eit|(6riftfürwific«id)oftlid)e8oolo9ic48, , 
1SS9- 1 §lbfr$bb. mit *J>robcbb. (47) 

X 9?r. 606. C odex diplomaticus Saxoniae I, 2. 

l #lbfobb. mit v JJrobebb. (I, l) 

X9ir. 507. Analecta Bollandiana VIII, 1889. 

l ^Ibfr^bb. mit >Urobebb. (VII) 

XOlr. 508. Novum Testament um e cod. Vaticano. 

l £albtalblcbcrbb. 

X??r. 510. KftntAf, (Mc)d)id)tc Don Stauen, l $bb. 
X^r. 5U. DiUrnberrifr, ^etnrid) .v>ct;bcmanit. l $bb. 
X9tc 512. Seitfdjrtft für romanifäe Ätiologie. II 

3(«c8 richtig chatten 8/11 90. 

JB«a*r, »udjbliibcrmcifter. 



auSaubcffern 



9tr. 512 iitriicf 10 II uo; flr. 509 juviitf 1 n „ v 

1» II 90. > » 

2q8 Übrige jurücferfjalten 22/11 9o. J Qu ^ m - 

Xof. 9. ^robe eines öuflbtnberjountaW. 







915 


30 


1 


70 


2 


75 


1 


35 


5 


75 




ÖO 




50 




40 


928 


35 



Digitized by Google 



282 



Stoettcr Xcil. $om ©fldjcrfcfmtf. 



v toorgefefcten Seiden Derfietjt unb unter ber legten bo§S)atum 
ber 9lü<fgabe ber galten Sieferung anmerft. 3)ie Buchbinber* 
preife finb oon bem Bibliotheföbeamten eigenhänbig in ba§ 
Journal einzutragen, unb jtoar entmeber fogleid) beiber$lu§* 
hänbigung ber Bücher an ben Bucf)binber, tt>a$ für einen mit 
bem Buchbinbergefchäfte vertrauten Beamten feine großen 
©cfjnnerigfeiten hoben roirb, ober bei ber Ablieferung ber 
Büdner Von feiten beS Bucf)binber3 nach getroffener Berein* 
barung mit biefem. 3« Bibliotljefen, too jloei ober mefjr 
Budjbinber ba§ ©inbinben ber Bücher regelmäßig §u beforgen 
haben, muß jebem SReifter ein eigene^ Journal jugelüiefen 
toerben. $>ie Abrechnung mit bem Budjbinber, bei toeld)er 
ba8 Bucf)binberbuch bem Bibliothefar a!3 Sontroffbucf) bient r 
geflieht in größeren Bibliotfjefen, an toelc^en bie 5Red§nungen 
fcfnteöer amoachfen, ganj roie biejenige mit bem Buchhänbler, 
am jtoecfmäßigften attmonatlid), in Heineren biertet)ährlid), 
unb e§ tt>irb bie erfolgte Bezahlung in bem Bucf)binberbuche 
burcf) einen $u ben 5Dfonat§* ober Bierteljahrfummen ^inju* 
gefegten Bermerf fenntlicf) gemalt. 

liefen affgemeinen Bemerfungen über ben Berfeljr ber 
Bibliothcf mit bem Bucf)binber mögen noch einige aufammen* 
hängenbe Betrachtungen teif§ über bie ©runbfä^e, meiere für 
ben Btbliotfjefar in Be^ug auf ba§ Binben ber Bücher über* 
haupt maßgebenb fein muffen, teil§ über bie Art be§ Sin* 
banbc§, n?elcf)en bie Bibliothef3bücf)er $u erhalten höben, bei* 
gefügt loerben 183 . ^infic^tlich be§ BinbenS fyahzn für ben 
Bibliothefar in ber Sporte folgenbe brei §auptregeln $u 
gelten: junächft al§ erfte, baß fein Buch ohue irgenb einen 
©inbanb in ber Bibliotfjef gebulbet derben foff; al§ jtoeite, 
baß jebe§ Buch feinen eigenen Banb haben müffe, unb nidjt 
5toei, brei unb mehr berfcfjiebene Büdner in einem Banbe 
bereinigt werben bürfen; afe britte, baß ber'geroä'hlte ©in* 
banb in richtigem Berhältniffe 5um SBerte unb ber 3)ienft* 
letftung§fä'higfeit be§ Bucf)e§ ftefjen, auf jeben gaff aber 
biefem ljinreichenbcn ©chufc gewähren müffe. 3>n ber Sßrajte 
bürften biefe rein tfjeoretifchen ©äfce Vielleicht §\z unb ba ' 



Digitized by Google 



fünfte* flapiiel. Con ber «crmc&ning bc§ JBü#erfäa&e*. 283 



einige Einfdfjränfung erfahren, bodj foHte ber ©ibliottjefar • 
fidf) berfelben bei jeber ©elegenfjeit erinnern unb nur in 
burdfjauS begrünbeten gäüen babon abzugehen fidj geftatten. 

$ie erfte biefer Siegeln ift übrigen^ al$ eine foldje anju^ 
feljen, bie öon 9tecf)t$ roegen feine SluSnatjme leibet. Sein 
93ucf), fo Hein e§ aucf) fein möge, barf ofjne irgenb einen (Sin* 
banb , ber ja nidfjt nur jum @(f)ufce beäfelben öor äußeren 
©inflüffen notroenbig, fonbern autf) jur befferen Erhaltung 
unb bequemeren $anbljabung be§ 99ud)e3 bei bem ©ebraudje 
bienlid} ift r gelaffen merben; eine SSernadfjläffigung biefer 
Siegel mirb fidler immer mefjr ober roeniger 5ur ©efäljrbung 
ber ganzen ©£iften$ be3 93udje§ merflid) mit beitragen. Qxoax 
nehmen bie föinbänbe ber Südjer nidjt gan$ unbebeutenbe 
Soften in Slnfprucf) unb fdjmälern bie 9Rittel einer 33ibliotf>ef 
nid)t roenig; aber e§ mürbe eine burdjauS toerfefyrte ©par* 
famfett fein, roenn man, um bie Soften für ben Ginbanb 
eines 23ud)e£ $u fparen, lieber biefeS felbft auf baS ©piel 
fefcen moHte. 

9Wan tyat für bie ©Triften ganj geringen Umfanget mie 
glugf cfjriften unb bergleid)en , namentlich früher, toielfad) 
^appfapfeln in .$lntt>enbung gebraut, in melden iene un* 
gebunben aufbemafjrt merben. Jjnbeffen ^i^ e ^ n foldjer 
9?otbe{)elf niemals im ftanbe fein , bie SSorteile be§ 93inben§ 
audf) nur annäbernb 5U erfe^en. Slbgefefjen batoon, baft bie 
Drbnung innerhalb jeber einzelnen fiapfel burdf) bie Sknufcung 
gar $u leicht geftört roirb, bafc ferner eine ©cijrift/roelcfje au§ 
SJerfefjen in eine falfdje Stapfei gerat, bei ber bebeutenben 
$ln5af)l öon ffapfeln, meiere fid) für eine größere 99ibliotf)ef 
notmenbig madfjen bürften, bi§ auf meitercä al§ berloren $u 
betrauten ift, fo leiben audf) bie ei^elnen ©Triften buref) 
miebert)olte§ §erau£neljmen unb SBiebereinf Rieben im Saufe 
ber $eit ntdjt unbeträd^tlicf) , ^umal menn bie Äapfel ftd) $u 
füllen beginnt. S"§befonbere merben ©cfjriften mit breiterem 
9ianbe unb t)on fjöfjerem gormate als bie übrigen gar leicht 
au^geriffen, gefnieft ober fonftmie befcfjäbigt. $u biefen rein 
äufjerlidfjen SRacf)teiIen gefeilt fiel) ber meitere für bie Senufcer 



■ 



Digitized by Google 



284 



Breitet Seil. SBom ©üdjerfdfafc. 



ber öibliotfjef oft fefjr empfinMicfje Übelftanb, bafc ba3 2lu§= 
leiten fotd)er ungebunbener Sapfelftfjriften nur in gan^ 
befonberen $Iu§nat)tnefäflen, roeit bamit ftet§ eine ©efaJjr für 
i§re unöerfeljrte ©rfjaltung fcerbunben ift, erfolgen fann. 
©nt^alten bie Sapfein aujjerbem nid)t bloß ©Triften über 
benfelben ©egenftanb, fonbern aucf) foldje au§ ben öer- 
fcfjiebenften Sägern, fo berurfacfyen fie in einer ft)ftematifdj 
georbnetenSSibliotfjef enbütf) aud) nodj eine©törung be§ ber 
5luffteHung jugrunbe gelegten $rui5ip3, ba bie jufammen* 
gehörige Sitteratur innerhalb ber 5öibliotf)ef f)äufig in ber 
Söeife jerriffen wirb, ba§ eine ©dfyrift ftatt auf bem ifyr 
gebüf)renben ^ßta^e im Diepofitorium ju flehen öietfeidjt 
fernab in irgenb einer ber ffapfeln toergraben ift 184 . 6» 
tuirb alfo inSbefonbere bei ber fi)ftematifd)en 2lufftet(ung 
unfere erfte ©runbregel forgfältige 33eacf)tung finben müffen 
unb bei ben Heineren ©djriften berfcfjiebenen 3nl)alte§ jroecf* 
mäßiger in ber SBeife öerfafyren werben, bafc man jebe einzelne 
berfelben mit einem fteifen Umftf)Iag üerfe^en läfct , um fie 
einzeln einfteflen $u fönnen. üftur in einem Salle wirb e§ 
au£ ©rünben ber ©parfamfeit erlaubt fein, eine Bereinigung 
mehrerer felbftänbiger ©Triften ^erbei^ufü^ren unb auf 
biefe SSeife eine SuSnafjme bon unferer jmeiten oben auf* 
geftettten Siegel eintreten 5U laffen, tt)enn e3 ficf) nämlid) um 
burrf)au§ auf benfelben ©egenftanb bejüglidje unb ber %t\t 
nad) ^u einanber gehörige 5ßublifationen fjanbeft. 3>n biefem 
gaKe mag man bon einem ftrengen gehalten an ber SRegel 
inforoeit abfegen , at§ man biefe 5U einem einzigen Söanbe 
jufammenbinben lägt, ber aßen barin enthaltenen einzelnen 
©Triften bie im Satalog beftimmte ©teile im Sftepofitorium 
infofern fiebert, al§ fie aud) bort unmittelbar Ijintereinanber 
eingetragen finb. Sergleidjen ©ammelbänbe finb grunb- 
toerfd)ieben öon ben in früherer Qt\t leiber fo feljr üblidjen 
3)?ifd)bönben, in benen fidj oft ©djriften ber toerfcf)iebenften 
5lrt au§ äffen Sägern ber Sitteratur gan$ miberfinnig ber* 
einigt finben. ©old)e Sftifdjbänbe, über bie roir bereite früher 
gefprocf)en fjaben, um iljr nad)träglid)e£ 2lu§einanbernel)men 



Digitized by Googl 



fünftes Slap'ücl. SSon bcr ^crmc^nmo be3 93üdjeridja&o?. 285 

befürtt) orten, finb freiließ burcf)au§ $u toermeiben, lüä^rcnb 
©ammelbänbe ber toorerttmhnten 9lrt nidf)t nur boHe (£nt= 
fdfjufbigung haben, fonbern fich auef) für einzelne Salle fogar 
al§ fefjr mitlief) empfehlen fonnen. $lnber§ als mit ben 
felbftänbigen ©Triften Verhält e£ fich mit ben einäelnen 
ein unb bemfelben SSerfe gehörigen 33änben. Sßon biefen 
roerben au§ (ErfparungSrücffichten je nadf) ifjrem Umfange 
5tt>ei ober felbft mehrere auf unferen S3ibIiot()efen ^äufig 
einem einzigen 33anbe 5ufammengebunben. (£§ läfjt fid) hier- 
gegen im ©runbc nicf)t§ einroenben, infofern bie Verfügbaren 
Littel ber einjelnen Slnftatt eine folrf)c 2ftaf$nahme bringenb 
erfjeifcfjen. 9tur bürfte e§ auch bann geraten fein, 3citfd^riften* 
bänbe, toenn irgenb möglich, einzeln binben ju laffen, ba fonft 
im 33ebürfni§faHe mit bem Vorhergefjenben Sa^öanQC bcr 
nacfjfolgenbe angebunbene mit au§geliet)en toerben mufc, ofjne 
bafc oft ber betreffenbe (Sntleifjer feiner überhaupt bebarf, 
irä^renb berfelbe Von anberer (Seite Vielleicht Vergeblich Ver* 
langt ttrirb. 5luf mehrere Jahrgänge e » ner 8 e ttfc*)rift bejüg* 
lic^e felbftänbige SRegifterbänbe füllten au§ h önl) 9 rei fl ic ^ en 
©rünben ftet§ nur für fich gebunben derben 18 *. 

5)ie britte Siegel , bafe nämlidf) ber getoä^tte ©inbanb in 
richtigem SScr^ättniffe jum SBerte unb ber i)ienftleiftung§- 
fähigfeit be§ SöudjeS fielen müffe, ift eine fo voßfommen 
begrünbete, ja gerabe§u felbftverftänblicf)e, bog jeber einfiel^ 
Volle Sibliothefar beftrebt fein toirb , berfelben unter allen 
Umftönben unb nach i e ** r Stiftung geredet 5U roerben. £>enn 
tvaä anber§ fann ber ©inbanb überhaupt bewerfen al§ ben 
Südfjem jum möglichften <5cf)u£e ju bienen? Riefte e§ nun 
nicht einerfeit£ bie SWittcl einer 53ibIiotf)ef unnötiger SSeife 
Vergeuben, tvenn man bei ben ©inbänben überall ohne Unter* 
fchieb eine lebigli<h auf ba£ ftf)öne2lu§fehen berechnete $racf)t 
entfalten, ober anberfeitS mit ben Mitteln gan5 unpaffenb 
fnaufem, unb allen 33änben buref) bie SRei^e nur bie not- 
bürftigfte 5lu§ftattung jugeftehen moEte? SSor atten fingen 
bleibt ©oltbität unb S)auerf)aftigfeit bie ^auptanforberung, 
melche man an einen ©inbanb $u fteHen berechtigt ift unb 



Digitized by Google 



286 Stucitct Seil. Som ©ütfcrftfafc. 

jroar muß berfelbe um fo foliber unb bauerfjafter fein, je 
fixerer ein häufiger ©ebraudj be§ betreffenben 93udje§ $u 
erwarten fiefjt. 2)abei mag aüerbtng§ eine gemiffe Sicrlid)- 
feit unb bei bem Ginbanbe ein5etner feljr roerttootter SBüd^er 
aucf) eine gemiffe $racf)t nid)t ganj au§gefd^(offen bleiben ; 
ficfjerlid) bürfte e§ nid)t angemeffen fein, fetjr mertootte 
93ücf)er unb sjkacfjtroerfe gan$ einfach einbinben $u laffen. 
Gine foldje auf bie Ginbanbe bernrtiger SSerfe oerroenbete 
$racf)t roirb fogar ju iijrer befferen Grf)altung bienen, ba bie 
Grfafjrung gelehrt f)at, baß bie $lu§fidf)t auf gute Grfyaltung, 
in bestimmtem ©rabe mit ber Sßradjt be§ Ginbanbeg roäd)§t. 
£amit fott jebocf), roie fid) fcon felbft öerftefjt, bem über* 
triebenen £uju§ nicfyt im entfernteften ba§ SBort gerebet 
derben; benn eine SStbliottjef bilbet feine (Sammlung Don 
Ginbänben mit getriebenem ober gebrucftem IgnfjaUe, fonbern 
umgefef)rt eine «Sammlung gebunbener Sßüdjer, bei beren 
Ginbanbe, gleicf)biel ob man ftcf) für einen prächtigen ober 
für einen einfachen juentf Reiben Ürfad^e^at, e£ fjauptfädjlicf) 
barauf anfommt, baß er fo toottfornmen al§ mögltrf) in feiner 
Slrt gemalt tft, um ben Snf)alt be§ SBud^e^ öor fd^äMic^en 
Ginttrirfungen ju bewahren. 

2Ba§ nun bie tedmifd)e$u§füf)rungbe3 Ginbanbe^ betriff t, 
n)elcf)e ben 93ibliotf)efar mefjr angebt at§ man mitunter anju^ 
nehmen geneigt fein möchte, fo Ijat man, e^e ein 23ucf) bem 
33ucf)binber jum Ginbinben übergeben roirb , bagfetbe genau 
ju f oflationieren, ober öon bem SBudjbiuber f ofort f ottationieren 
ju laffen, b. f). ju prüfen, ob jeber £eit be§ 33ud)e§ an feiner 
richtigen ©teKe ift unb baß nid)t§ fefjlt. Gin unoottftänbige§ 
93ud) bqrf nitf)t eljer gebunben werben, al§ big bie etmaigen 
£)efefte ^erbeigefdjafft, ober minbeftenS bie möglichen SSer- 
fudje gemalt Horben finb, ba§ gefjlenbe, ofjne erheblichen 
Seitaufroanb unb otjne baß ber 33enuj$ung be§ 2iutf)e3 oon 
feiten be3 $ublifum§ burd) langet Siegeniaffen be§ befeften 
GjemplareS att^u Ijinbernb in ben SBeg getreten roerbe, f)tx* 
beijubringen. 2ft bie $8efd)affung öor ber $anb au£fidE)t§lo£, 
fo mag man in bringenben Sötten ftcf) mit ber Ginfügung 



Digitized by Google 



fünftes Stattet. JBon ber Sei-me^rung t*8 »ücfcrtöafceS. 287 



cineg galzeS an ber befeften ©teile ober bei größeren 2)efeften 
mit einfachem Sörofdjieren be§ 93ud)e8 einftroeilen Reifen 
f udjen. 3)och finb bergleidjen untooHftänbige 93üd)er bef onber§ 
im Sluge zu behalten unb eine eigene Sifte barüber zu führen, 
bamit bie, menn überhaupt noch mögliche, (Ergänzung nicht 
in SBergeffenljeit gerate. $)em 2}ud)binber muß, tt)ie mir 
fallen, bei $lu§hänbigung be§ 33ud)e3 nicf)t nur bie 9lrt unb 
SBeife be3 (EinbanbeS vorgetrieben, fonbern auch genau 
mitgeteilt merben 186 , melier Xitel bem Suche außen auf- 
gebrucft merben foHe. £>iefer 99anb- ober S3ucf)binbertitel, 
ber, mo e3 ber Sßlafc nur irgenb zuläßt, auf ben Sttücfen be8 
93anbe3 unb nur bei folgen größeren SBerfen, bie nicht in 
fcertifaler Stellung, fonbern in horizontaler Sage in ben 
Siepofitorien aufbemaljrt merben, auf ben öorberen $)ecfel zu 
ftefyen lommt , bitbet ein fefjr roefentliche£ Hilfsmittel , ein 
Sud) fdjnell unb fidler in ben SRepofitorien auf^ufinben. 
©eine Slbfaffung Verlangt bat)er ein gemiffeS fritifcheä ©efdjicf, 
meld^e§ bie zroecfmäßigfte Äürje (benn lange Sitel finb, auch 
menn ber *ßlafc baju ba fein follte , burd)au3 z u Dermeiben, 
meil fie zur fc^neßen Orientierung über ben 3nl)alt be§ 
33uche§ meniger taugen , at§ bie fürjeren) mit hinlänglicher 
SSoÜftänbigfeit unb ber möglichen $)eutlid)feit zu verbinden 
meiß. 3)ie Slngabe be3 2)rucforte§ außen auf bem ©inbanbe 
lann in einzelnen gätlcn , §. 93. mo von einzelnen SBüdjern 
fef)r Diele an berfdjiebenen Crten unb in berfd^iebenen Sauren 
erschienene SluSgaben ejiftieren — man benfe nur an bie 
SJibel, an einige alte Slaffifer u. f. m. — , fehr empfehlend 
mert fein. $>a§ £>rucfjahr ift namentlich ben 3eitf<hrif tens: 
bönben burdjgängig aufzubrucfen, ba e§ bereu 5luffinbung 
infofern erleichtert, aß auf ben Sßefteff^ctteln ftatt ber Sanb* 
jahl ^äufig ba§ Srfcheinunggjahr angegeben ttrirb. Unter 
ben ©inbänbenis' ift ber bitligfte, ber aber zugleich audf) in 
jeber 33ibliotf)ef ber gertngfte unb einfachfte fein follte, ber 
Sßappbanb, am tfoed mäßigften mit einem glatten, mehr bunflen, 
al§ h e ^ en marmorierten Sßapierüberzuge unb für SBücher 
bon geringem Umfange, untergeorbneterem SBerte unb fol<f)e, 



Digitized by Google 



288 



Stoeiter Xcit. 9Som SBüdjcrfdjafe. 



bie Dorauäfidjtlidf) nur feiten gebraucht toerben, jebenfatCS au§* 
reidfjenb. Seichtere 93änbe, bie fogenannten^jalbpappbänbe ober 
fteifenS3rofdjüren, finb nur au§naljm§meife, tt)ie ermähnt, für 
ganj bünne ©Triften wnb biejenigen bef ef ten (Exemplare, bie man 
bi§ 5U if)rer S3ertoottftänbigung bem ©ebraudje be§ ^JublifumS 
nid£)t ganj Vorenthalten unb be^alb einftroetfen unter $)ecfel 
bringen laffen toxi, jutäffig. 2luf ben^ßappbanb folgen, nacf) 
StRa^göbe be3 mef)r unb me^r fteigenben 33ebürfniffe§ nacf) 
einem befferen, tei(§ bauerhafteren, teilg eleganteren Sanbe, 
bie Drbinär? unb (Englifch'Seintoanbbänbe , bie Sranjbänbe 
b. I). bie ©d)afteber*, fitalbleber* unb ©affianbänbe, ferner 
bie Pergament- unb bie 35ud()tenbänbe, entmeber nur mit 
leinenen, lebernen unb pergamentenen Siücfen unb ©den ober 
mit ganzem Überzüge au§ biefen (Stoffen, ©tatt ber leinenen 
unb lebernen Eden fönnen bie pergamentenen überall unb 
felbft für einen S^etl ber geroöfjnlidjen Sßappbänbe al§ feljr 
praftiftf) empfohlen roerben. Sieteuerften, für bie f oftbareren 
SSerfe aber audf) geeignetften 33änbe finb bie Don Sutten? 
leber, tuelcf)e§, neben ©d)önheit unb großer 3)auert)aftigfeit, 
bie befonber§ au^geaeidjnete (Eigenfd)aft §at r baf$ e§ nid^t 
nur ba§ Sud), tt>elcf)em e§ jum (Sinbanbe bient, bor jeber 
23efcf)äbigung burd) Söüdjertüürmer fi^erfteüt, fonbern aud), 
fo lange e§ feinen eigentümlichen ©eruch behält, in biefer 
£>infid)t ein jahrelanges ^ßräferbatit» für bie ganfte Umgebung 
bilbet. 3)ie in früljefter Seit fef)r üblichen SBänbe mit $o\fr 
bedeln bagegen müffen, toeil, tuie tt>ir fa^en, ben Angriffen 
ber SBürmer öor^uggmeife auSgefefct, um jeben <ßrei§ Der* 
mieben »Derben, ©amt*, ©etben* unb anbere bergleidjjen 
Jöänbe Don ebelen ©toffen finb unb bleiben überatt blofte 
2uyu§artifet. Gbenfo bienen ©dpffer fottrie SKetallbefd^läge 
meift nur 5um ©djmude unb bürften blofc in ben gätteu Don 
$ftu£en fein, Wo e§ gilt, größeren unb foftbareren SBerfen 
eine forgfältigere Sermatjrung ju geben, ober bei 93üdjern 
Don fef)r bebeutenbem Sormate unb ferner $u Ijonbhabenben 
Söänben $u berhinbem, bafc iljr Dtelleid)t foftbarer ©inbanb 
burch unb §erfdf)ieben auf ben £ifd)en ettt)a ©dEjaben 



Digitized by Google 



fünftes fluttet, »on t>er ©crmeljning be« ©üc^crf^a^S. 289 



leibe (3tg. 32). gür ben (Schnitt ber 33üd)er eignet fidt) ber, 
marmorierte in ber fRegel am beften. ©olbene, gemalte unb 
anbere berartige Schnitte finb audf) ttneberum nur Suyuä* 
gegenftänbe. gefte 9tücfen taugen bei Seberbänben t)on 
größerer ©tärfe unb ©dauere, meiere lefctere bie 33üd)er in 
öertifaler Stellung leicht au§ iljrem |jefte bringt, beffer als 
lofe Üiücfen. 

gür bie gertigftetlung be§ ©inbanbe§ ift bem SSudjbinber 
außerbem nod) golgenbeä $ur *ßfüd)t $u machen 18 *. $)ie 
einzelnen Sogen ber 33üdjer 
muffen, roo e§ irgenb üRot tf)ut, 
planiert roerben; fie müffen gut 
gebrochen, gefaxt unb geheftet 
fein, bürfen nicf)t 5U fe^r r aber 
audf) nietjt $u wenig geflogen 
toerben,benn5Utt)enig geflogene 
$8üd)er flaffen $u leid)t unb 
geftatten bem ©taube unb bem 
Ungeziefer bequemeren 3ugong, 
roäfjrenb ba3 $u ftarfe ©plagen 
bagegen mancherlei 33efd)äbig* 
ungen im inneren be3 93uc^e§ 
^urgolge l)aben fann, unb muffen 
f 0 fparfam atö möglich bejdtjnitten 
merben. 2)enn abgefef)en babon, baß bie meinen Räuber neben 
ber ©cfjrift, je breiter fie finb, ju einer um fo größeren 
Sterbe be§ 93udfje8 bienen, fo muß audt) für ben gaff, baß fidf) 
nad) längerem unb öfterem ©ebraudje eine£ 33udje§ ein neuer 
©inbanb beSfelben nötig madt)en fotlte, für einen feiten ober 
gar brüten ©tnbanb bem Suc^binber nodt) Ijinlöngtidjcr 
©pielraum ^um Söefdjneiben gelaffen bleiben. $)ie $8üdt)er 
gar nidtjt 5U befcfjneiben, ift nidjt empfefjlenSroert, ba mibe- 
fcf)nittene SBücfjer teils am 9lnfef)en Verlieren, teils weniger 
bequem ju t)anbl)aben finb al§ befdmittene , teils enblid) 
unbefdjnittene 93lätter bem Einreißen leichter auSgefe^t finb. 
üftur tuo ba£ Söucf) ein fef)r fefteS Rapier l)at unb bie meißen 




,ltg. 32. SBu^einbonb mit 



Digitized by Google 



290 



SRänber ofmel)in fdjon fefjr fd)mal imb fnapp finb, mag 
ba§ Unterlaffen be§ Sefcf)neiben3 ftattfjaft, felbft praftifch 
fein, (Enblid) muß noch barauf gefefjen werben, baß bie 
93ücf)erbecfel genau anfdhließen, unb ber 93ud)binber bei fetner 
ganjen Arbeit aHe§ möglichft üermeibe, wa§ ba^u beitragen 
fann, ben S8ücf)erfeinben im 93ucf)e An5ief)ung unb üftahrung 
ju geben. Sei ber Ablieferung be§ 33anbe3 fcon feiten be§ 
53ud)binber§ ift e§ eine füglich faum $u umge^enbe $flid)t 
be§ 33ibliothefar§ , ben ©anb einer genauen Seficfjtigung 
unb ba§ 93ud) felbft einer nochmaligen Sollation ju untere 
werfen. 

Schließlich mögen noch ein paar Sßorte über ben ©inbanb 
Don Sorten unb Sartenwerfen, bie fich öon allen übrigen 
SBerfen ber 33ibliotf)ef in einzelnen ©tücfen wefentlicf) unter* 
fcfjeiben, am Drte fein. $)te Aufbewahrung ber harten in 
SartonS fann nur ba, wo bie Sorten au§ einzelnen öon 
einanber unabhängigen ^Blättern, namentlich au§ Heineren, 
beftehen, unb bei Sorten, bie überhaupt nicht oft in (Gebrauch 
fommen, au§ öfonomifchen SRücffidhten empfohlen werben; 
benn nichts nimmt bie Nüttel einer ©ibliotfjef mehr in An= 
fprud) al§ ein awecfmäßiger ©inbanb üon Sartenwerfen. 
£ro& biefer großen Soften aber mirb e§ bod) nicht 5U um* 
ge()en fein, baß, wenn ber öftere Gebrauch ber einen unb ber 
anberen Sorte, ^umal einer größeren, eine Aufbewahrung 
ber lofen SBlätter nicht ratfam macht, unb bie Sftatur be3 
SartenmerfeS einen wirflitf)en, feften (Einbanb ber Blätter 
hintereinanber nicht ^uläßt — unb bie§ ift namentlich bann 
ber goK, wenn mehrere Sölätter 511 einer einzigen Sorte 
gehören, unb man erft burd) ba£ Aneinanberlegen ber 
einzelnen Blätter eine pfammenhängenbe Überfidht 5U 
gewinnen toermag — , bie 93lätter jerf dritten, auf Seinmanb 
ge5ogen unb jufammengefaltet in Futteralen ober Sapfeln 
öon ©uchform aufbewahrt werben müffen. ©in folcf)e§ SSer* 
fahren be§ g^fchneibenS unb Auf5iehen§ ber Slätter bürfte 
auch bei benjenigen größeren Sorten, bie 5U irgenb einem 
Sd)riftwcrfe gehören, unb bie man bemfelben wegen ihrer 



Digitized by Google 



pnfttf Änjjitcl. S3on bcr «ermc^rung bc« !Büd)erfäa&e8. 291 

©röfje nid)t anberS af§ aufammengebrotfjen beiheften (offen 
farni, ein fefjr 5tt)ecfmä6ige£ fein, ba eine nid)t ^erfefmittene 
unb aufgewogene ffarte baburd), baß fie öftere auSeinanber* 
gefdjlagen wirb, notroenbig ©cfjoben leiben unb aHmäf)licf) 
gan$ 511 ©runbe gerietet roerben muß (gig. 33). 









r — ^i^n 

er/ 
















f 



t*ig. 33. $ro&e einer aufgejogeneu fianbfarte. 



Vierter 2C6fdjnW. 

£ton 6er cSinperfeißimg bes neuen ^uroacSfes in öie ^n^erfieffdnöe. 

dasjenige, iua§ Don bem $8u<f)btnber fertig unb ofjne 
Säbel gebunben an bie Söibliotfjef abgeliefert roorben unb 
roa§ fonftnodj, bereite mit ©inbanb oerfefjen, neu eingegangen 
tft mufs junädtft in ben fcerfcfjiebenen §auptfatalogen öer* 
getdjnct roerben. 3 u &örbcrft finb orbnungSmäfcige XiteU 
abftfjriften ber einaelnen 93üd)er auf ßetteln aufjunefjmen, 
um biefe in ben 3 e tt*tftrtalog ein^uorbnen. $)ie neu 
getriebenen 3^tel erhalten auf ber Sftücffeite bie SlcceffionS* 
nummer be§ betreffenben 93ud)e3, bamit man im 58ebürfni§* 
falle ober bei etroaigem SSertufte eine§ 23anbe* fofort biejenige 
©teile im 2lcceffion§journa(e finben fönne, meiere über beffen 
Grroerbung unb bie bamit jufammenljangenben fragen $luf* 
fcfyhtfi giebt, unb werben fobann einftmeilen beifeitegelegt, 

10* 



Digitized by Google 



292 



ßweiter «eil. »om ©üd&eiföafc. 



um nadj (Eintragung ber Slcceffionen in ben toiffenfcfyaftlicljen 
Katalog bie neuen Signaturen ju ermatten, ©obatb biefe 
übertragen finb, bürftc ifjrer Einverleibung in ben 3 e ^el- 
fatalog nitf)t§ metyr im SBege fteljen , falls weitere |>aupt* 
fataloge nic^t geführt werben. 3Bo ber ftiftematifelje Katalog 
jeboef) ben ©tanbortöfatalog nidjt mit Vertritt , fonbern ein 
eigener ©tanbortSfatalog befteljt, ba fönnen bie Settel erft 
nod) a(§ Unterlage jur (£in5eid)nung be§ 3moad)fe§ in bk\m 
bienen, tt)a§ bequemerroeife aud) ba gefdjefjen mag, tt>o neben 
bem Settelfatalog ein befonberer alpljabetifcfjer Söanbfatalog 
geführt wirb. 3)ie Eintragung ber Slcceffionen in ben roiffens 
fcfyafttidjen Jlatalog barf natürlidf) nur unter genauerer 
$8erütffid)tigung be§ bemfelben 5ugrunbe gelegten ©d)ema§ 
erfolgen. 6§ ift bieg eine burd)au£ nidf)t immer leiste Stufgabe 
be§ betreffenben ^Beamten, melier bei ber Unbeftimmtljeit 
unb Ungenauigfeit jatjtreidjer SSüdjertitet nottoenbigertueife 
ftet£ üon bem 3 n ^ a ^ e ^ex betreffenben ©dfjrift Kenntnis ju 
nehmen fyat, um banaefy bie ifjr im Kataloge gebüljrenbe 
©teile ju beftimmen. JDerfelbe erlangt übrigen^ im Saufe 
ber Seit eine getoiffe Übung barin, ein Sud) rafd) unb fid)er 
für feine 3lüecfe $u prüfen unb bemfelben ben richtigen $la£ 
in ber SMbliotljef anpfeifen l89 . $)ie geroiffenfjaftefte unb 
genauefte Fortführung be§ toiffenfdjaftlidjen SatalogS ift 
anerfanntermafcen eine ©ad)e Von größter Söebeutung für 
jebe SBibliotljef, infofern e§ fid) babei um bie (Sintjeitlidjfeit 
biefe§ mistigen SatalogS für alle 3ufunft Ijanbelt. ©3 f ommt 
ba^er bei biefer Arbeit f)auptfäd)lid) aud} barauf an , ftet§ 
im (Seifte be§ urfprünglidjen 83erfaffer3 be§ betreffenben 
$atalogbanbe§ borjugefjen unb beffen einmal 5ur ©ettung 
gebraute Sluffaffung auf alle Salle, felbft unter bem Dpfer 
ber eigenen befferen Einfielt, falls nachträgliche $lbl)ilfe auS* 
gef djloffen ift, $ur 9? idjtfdnutr ju nehmen. $)iefe ©emerfungen 
bejieljen fid) natürlich nur auf fold)e Stealfatatoge , in benen 
bie Bereinigung 5ufammengef)öriger Sitteratur bi§ in bie 
fleinften Unterabteilungen ^erab ftoftematifdh burdjgefüfjrt 
ift. (Einfacher tuirb fid) bie ©ad)e für ben ©intragenben 



Digitized by Google 



pnfteS floatet. JBon ber «ertneljrung bcs Eürfjerfäafcc«. 293 



allerbing§ ba geftalten, tvo ber 95üc^erfd^a^ nur in größere 
miffenfdjaftliche ©ruppen gefdjieben ift, innerhalb beren ber 
neue 3utuatf)8 in ber Reihenfolge feiner jebeSmaligen ©r* 
Werbung am@d)luffe angefügt mirb. ©ine f otd^e (Einrichtung 
mad)t fogar bie 33ielen fo mißliebigen @infd)altung§nummern 
t»oIlftänbig entbehrlich, ba in ber einmal begonnenen Rummern* 
rei^e be§ betreffenben 3ad)e3 nur einfach meiterjujählen ift. 
©leidjtoohl mußten mir un§ oben au3 Rüdfidjt auf ba§ 
münfdjenSmerte Rebeneinanberfteflen aufammengehöriger 
Sitteratur unb meil fonft jebe ftrengere Crbnung innerhalb 
ber einjelnen gädjer aufhören mürbe, gegen biefe§ ficherlich 
fehr bequeme Verfahren crtlären. Übrigens bietet ba§ ©in* 
galten burd)au3 nicht jene @d)n)ierigfeiten, mie e§ auf ben 
erften 93licf freuten mag. S8or allen fingen bebiene man 
fich im miffenfdjaftlichen STatalog, lt»te bereite oben bei 93e* 
fprechung beSfelben fcorgefdjlagen mürbe, ber fpringenben 
Rummern, unb» ba§ ©infügen ber Slcceffionen mirb ungemein 
erleichtert fein. Sftan hat nun jroar eingemenbet 190 , baß bie 
Süden ^mifchen ben fpringenben Rummern fehr balb auf- 
gefüllt fein mürben. 3)ie§ mirb allerbing§ an einjelnen 
©teilen öorfommen, aber um fo feltener, je jahlreidjer bie 
Rummern finb, bie amifi^en ben einzelnen Südjern freigelaffen 
finb, unb eine je größere Siijahl öon Unterabteitungen bor* 
fianben ift, auf meldte fid) ber neue 3 u ro°d)§ «erteilen fann. 
©in jmeiter Ginmanb, ben man gegen bie fpringenben Rum* 
mern fomof)l toie gegen bie ©infd)altung§metf)obe überhaupt 
erhoben hat, bcftefjt barin , baß man behauptete, biefelben 
erfchlüerten bieReoifion, ba e§ unmöglich fei, ade Rummern 
unb 23ud)ftabeue£ponenten im $opfe $u behalten ; man fönne 
be§^al6 bie Reoifion nid)t au§ bem ©ebäd)tniffe, fonbern 
immer nur mit £ilfe ber Kataloge bornefjmen, moburch tnel 
Seit oertoren gehe, hiergegen hat © t e f f e n h a g e n fehr richtig 
bemerft, baß fein berftänbiger Söibliotljefar überhaupt ol)ne 
Satalog retoibieren merbe, aud) nicht bei fortlaufender 
Rumerierung, ba e§ hier ohne ©i'ponenten ebenfalls nicht 
abgeht. SSenn enblich $ur SJermeibung ber fpringenben 



Digitized by Google 



294 



Sroeiter Xeil. Sßom Südjerfrfiafc. 



Sümmern borgcfchlagen morben ift, bie Acceffionen an ben 
©cf)luß ber Abteilungen nur probiforifdE) anjureihen, um nach 
SBerlauf eine§ beftimmten 3pitraume§ r ben man auf etroa 
äef)n 3>al)re bemeffen hat , bur<f) eine Umnumerierung beren 
beftnittoe SinDcrleibung toorjune^men , fo ift bagegen $u 
ermibern , bog bei einem folgen SSorgehen einerfeit§ bie in 
öe^ug auf bie bloße Anfügung be§ 3 u ^ ac ^f eg geltenb 
gemachten Siebenten aud) für jene 3 e itbauer befielen bleiben 
mürben, anberfeit§ bie jebeSmal erforberlidf)e Umarbeitung 
ber Kataloge foroie bie Umfignierung unb Umftettung ber 
33ücf)er eine fo enorme Arbeitölaft unb einen fo gemaltigeu 
3eitfcerluft Derurfachen bürfte, baß bie Sortführung ber 
Kataloge fidf) für ben 93iMiotf)efar $u einer matten ©iftpfjuS* 
arbeit geftalten müßte. 

SBie mir fct)on jugegeben ^aben, merben inbeffen tro£ ber 
fpringenben Hummern (£infcf)altungen nicf)t $u umgeben fein, 
meSfyalb mir auf bie Art unb SBeife, tüie biefelben bor^u* 
nehmen finb, noch etma§ näher eingeben motten. 3Me gewöhn* 
lid^e ©infc^aItung§met()obe befte^t barin, baß man ben Südjer* 
uummern Heine lateinische SBudjftaben beifejjt unb alfo 
unmittelbar hinter 1 eine la, hinter 2 eine 2a, hinter 3 
eine 3 a unb fo fort einfdfyaltet. 3)ie Anmenbung öon 53uch* 
ftaben au§ anberen unb fremben Alphabeten, begleichen 
biejenige millfürlicher unb feine SRangorbnung befi^enber 
Seiten, mie * unb f, bie namentlich in alteren außerbeutfcfjen 
Katalogen öorjufommen pflegen, ift $u toermeiben. Auch hat 
man fief) bor einer 5U großen Anhäufung ber (SinfchaltungS* 
buchftaben $u h u *en, benn Hummern mie beifpietömeife 
lOOOaaaaa mürben nicht nur Diel 5U ungelenf fein, um fidf) 
bequem fjanbljaben 51t laffen, fonbem auch für bie ©tifetten 
ber $8ücf)er $u toiel SRaum beanfpruchen. 2Kan mirb übrigens 
gar nicht nötig haben, 5U folgen Ungetümen toon ©infchaltung§* 
nummem ^u greifen, menn man bie burcf)au§ einfädle, fcon 
©bert t>orgeftf)fagene ülttethobe mählt, nach welcher bie 
(£tnfrf)altung§buchftaben f)ötf)ften§ berboppelt merben, beffen* 
ungeachtet aber mittels ihrer ßufammenfe^ung eine fo große 



Digitized by Google 



günfteS ftopitef. ©on ber SBermefjrunQ bc8 33ü<$erfcf)afce§. 295 

9tn}a^( toon (Sinfchaltunggbeaeichnungen aulaffen, bog man 
biefe felbft an nod) fo rafc^ antuachfenben Sibliothefen faum 
in mehreren SlRenfdEjenaltera aufzubrauchen ©elegenfjeit höben 
bürfte. Rad) ©bert mürbe 3. 93. hinter Rr. 13 fo einschalten 
fein: 13a, 13aa, 13ab, 13ac, 13adu. f. tu. big 13az, 
bann 13 b, 13 ba, 13 bb, 13 bc, 13 bd u. f. tu. big 13 bz, 
hierauf 13 c, 13 ca, 13cb u.f.ro. big 13cz. (£g ift hierbur d) 
bie 3ftöglid)feit gegeben, auf eine jebem fogleich üerftänbücfjc 
unb in feinem Salle bie minbefte SBernrirrung fceranlaffenbe 
$lrt jtuifchen 13 a unb 13 b eine Qafyi ö ^n 25 SBerfen, mit* 
hin jttufcfjen 13 unb 14 nid)t weniger alg 650 jöüdjer 
einschalten. Weniger empfef)lengtuert erfc^emt bie Don 
©etjinger u.a. öorgef^lagene SRobififation ber (Sbertfdjen 
SO^et^obe, flatt ber angegebenen Reihenfolge ju fefcen 13 a 
big 13z, 13aa big 13az, 13ba big 13bz, 13ca big 13cz 
u. f. f., benn man berüert hircburd), tuie ©teffenljagen mit 
Recht fagt, ben Vorteil ber ©bertfdjen SDZet^obe, tuonad) bie 
(£infd)altungen ber toerboppelten 93ud)fiaben bem einfachen 
Alphabete eingeorbnet werben, fo bog man guerft bog einfadje 
Alphabet toerbraud)en fann unb bann nod) ^mifchen je atuei 
bezüglich fymtex Jebem 93ud)ftaben mittelg SJerboppelungen 
25 ©infdjaltungen frei Xjat. SSerlocfenb erfcheint auf ben 
erften Sölicf bag toon SR ol bed) borgefdjlagene Verfahren, 
wonach bie ©infchaltunggbe^eichnung jtpar gleid)fat(g burch 
hinzufügen eineg Suchftaben zu ber Rummer gebilbet, 3U 
ben SBuchftaben aber, anftatt bafc man fie erf orberlid)en galle§ 
Zu toerboppeln hätte, eine $lrt algebraifd)er ^otenjierung 
hinjugefe^t werben foll, fo baß alfo eine berartig gebilbete 
©infchaltunggreihe fo augfehen Würbe: 2100a, 2100b, 
2100 c u. f. tu., 2100 a. 2, 2100 b. 2, 2100 c. 2 u. f. tu., 
2100 a. 3 u. f. w. hiergegen ift hauptfäd)lich einzuwenben, 
baß bog hinzufügen Don Rummern zu ben £Bud)ftaben, 
toor benen fdjon Rummern ftehen, leid)t, wenn nicht 3U 
Irrtümern, boch 311 Unbequemlichkeiten in ber ^anbhabung 
ber (Einfdjaltunggbezeichnungen Sßeranlaffung geben fann. 
3ubem wirb auch bei ber ?lnwenbung eineg folgen Sßerfafjreng, 



Digitized by Google 



296 QVKitn Seif. Som «ütferföa*. 

* 

tt>enn man bie ^oten^ierung nid)t meit treiben, unb ben 
©ebroud) jmeiftefliger 3^ff ern bermeiben, mithin öon ben 
25 93ud)ftaben be§ $Upfjabet§ jeben I)öd)ften8 bi§ jur neunten 
Sßoten^ ergeben null, ber bem ©bertfdjen eigene Vorteil ftarf 
geminbert, benn nad) SRolbed) mürbe man unter SInmenbung 
ber &infd)aUung§beäeitf)nungen Don 13 a. 2 bi§ 13 z. 9 in 
allem nur 225 93üd)er euifdjatten fönnen. 

(Sine ©djmierigfeit fd^etnt bie 93eantmortung bergrage $u 
tjaben, tüte mit ben ©nfdjaltungSbeaeidjnungen umjugetjen 
fei, b. f). meld)e Don ben f 5. 93. hinter 9?r. 13, möglidjen 650 
©nfdjaUungSnummern einem neu ^injugefommenen 93udje 
gegeben »erben foHe. $enft man fid^ nämlidj ben gatt, baf$ 
man bie 1783 erfäienene SBaltyerfäe 2Kilitär*93ibltotf)ef mit 
9tr. 13 unb bie 1850 erfcfjienene t>. 3Bifctebenfd)e SRilitär* 
Sitteratur mit 9h. 14 be5eid)net Ijätte, ma§ märe $u tfjun, 
um bie ©djoHfd)e SD?ilitör=Sitteratur Dom Saljre 1842, bie 
bod) offenbar mitten jmifdjen ba§ 2BaItl)erfd)e unb ba£ 
t>. 2Bifclebenfd)e Söerf hinein gehört, einschalten? Söürbe 
man ba3 ©cfyollfdje $8ud) mit 9?r. 13a ju bezeichnen fjaben? 
$)ie§ bürfte nid)t ratfam fein, ba e3 fonft, menn fpäter nod) 
bie 2Rittlerfd)e 2Rilitär*Sitteratur britter Sluflage fconl823, 
ferner bie (Sn^linfcfje Söibltot^ef ber $rieg§miffenfd)aften toon 
1824 unb enblicf) bie ©d)üttefd)e Militär -Sitteratur toon 
1842 I;in5ufommen mürben, unb bie ifjnen in SBirflidjfeit 
gebüfjrenben ©teilen jmif d)en 9?r. 1 3 unb 9?r. 1 3a einzunehmen 
Ratten, an (Einfdjaltungänummern fehlen mürbe, um bie 
brei genannten ©djriften am gehörigen Orte einrangieren $u 
fönnen. @£ bliebe bann nid)t3 übrig, al§ entmeber bie brei 
Südjer ganj gegen bie djronologifdje ßrbnung hinter ba£ 
©djollfdje SSerf einjuorbnen unb mit ben -tftrn. 13 b, 13 c 
unb 13d 5U bezeichnen, ober bie (£infchaltung£nummer be§ 
©cf)olI|d)en 2Berfe§ 5U änbern, unb bie überhaupt smifdjen 
13 unb 14 eingefdjalteten Silber fo 5U beziffern: 13a bie 
SKittlerfdje, 13 b bie ©nSlinfäe, 13 c bie ©c^üttefd^e, 13 d 
bie ©d)oüfd)e Sitteratur. Unb babei mürbe e£ nicht ein* 
mal bleiben tonnen, faü$ ficJ> zmifdjen biefen eingef falteten 



Digitized by Google 



fünftes Staplttl. Eon ber »ennrfjning bc3 iBüc^crf^o^cS. 297 



53üd)ern eine toeitere ©infdjattung nötig madfjen, unb 5. 93. 
5tt>ifd)en 9^r. 13 unb 13 a nod) bie beiben erften Aufgaben 
ber SJJittlerfc^en ßitteratur bon 1818, bie man bod) unmög* 
lidf) gut bon ber ju itjnen gehörigen britten 2Iu3gabe trennen 
unb Ijinter bie ©^ottfe^e Schrift 9?r. 13 d fefcen tonnte, 
eingefdjoben merben foflten. Unb f ljätte man aud) nochmals 
eine Änberung ber ©infdf)altung§nummem borgenommen, 
unb bie britte $lu§gabe Don SRittler mit 13 c, GnStin mit 
13 d, ©glitte mit 13 e unb ©djott mit 13 f be^eic^net, um 
ben beiben neuen Slnfömmlingen itjr 9tedE)t ju berfdjaffen, 
unb fie unter Dir. 13 a unb 13 b am gehörigen Orte einju* 
rangieren, tt)ie bann, roenn fpäter bon ber 93ibliotf)et nodj 
©anber£ müitärifd)e93ibUotf)ef Don 1815 angegafft mürbe, 
unb 5ttrifdjen bie 2Baltt)erfc^e unb bie 9Witt(erfd)e ©djrift 
eingefdjoben merben müßte? Um allen ebenfo unbequemen 
al§ meitläuftgen Änberungen 5U entgegen, t^ut man am beften, 
beim ©ebraudje ber 6infcfya(tung§be5eict)nungen, beren man 
ja 5toifd)en jmei Hummern junt ÜberfTuffe genug ljat, nid)t 
5U geilen, unb nie gteid) bie mit a gebilbete erfte @inf4altung§* 
nummer an5Uiüenben, fonbernroeitertjineu^ugreifen, um nad) 
born tt)ie nad) fjinten immernoch gluckt $u behalten unb neue 
(5;infd)altungen bornefjmen $u tonnen. 

i>infid)tUd) be§ $(a&e§, ben man ben Einfettungen in 
ben Katalogen ankeifen f)at, ift fd£)on bemerft, bajj in ber 
SRegel äße 9?ajd)träge, fomeit bie rechte 33Iattfeite baju mit 
ausreißt, 5unäd)ft auf biefer unb bann erft, menn biefelbe 
gefüllt fein foöte, auf ber gteid) bon Anfang an für bie fpäter 
nad)jutragenben 93ücf)ertitel auSfdjIiefctid) frei gelaffenen 
Unten ©eite it)re ©teile angemiefen erhalten fotfen. (£3 ift 
jebodf) f)ier nod) fjinauaufügen , baß, ba bie Unten Statt* 
feiten gemiffermafcen nur al§ ein integrierenber Seit ber 
rechten anaufefjen finb, bie auf biefen befinblidjen ©eiten* 
5at)ten, Überfdfyriften bon gädfjern unb Abteilungen nid^t audE) 
auf jenen mieberljolt $u roerben braudjen. $)afür müffen aber 
auetj bie auf ber Unten ©eite einjufd^altenben Stfacfyträge eine 
ben redE)t£ eingetragenen 23üdE)ertiteIn, ^u benen fie gehören, 



Digitized by Google 



298 



möglid)ft genau entfpredjenbe Stellung erholten , bamit man 
beim üftachfdjlagen ber Kataloge nid)t nötig ^at, ieberaeit 
bie gan^e möglichertoeife mit (Einhaltungen burd)gehenb§ 
angefüllte linfe 93lattfeite nad) einem einzigen 33ud)titel 
ju burd)fud)en, fonbern vielmehr im ftanbe ift, nacf) ber 
^Reihenfolge unb Stellung ber 33üd)ertitel auf ber redeten 
Seite aud) bie ber ba5u gehörigen 9?ad)träge auf ber linfen 
Seite ofjne Sdjttrierigfeiten aufeufinben. Sollte übrigen^ 
bie $eit fommen — unb fie fann unb roirb felbft bei einem 
Don £au§ au§ nod) fo weitläufig gefcfyriebenen Katalog 
nid)t ausbleiben — , ba§ Weber bie redete nod) bie linfe 
Seite für bie Ginfd)altung ben erforberli^en Sftaum haben, 
fo mu§ man fid) burd) ba§ Ginfleben eines (SrgänaungS* 
blattet, auf bem bie weiteren Nachträge einftroeilen $ßla£ 
finben, probiforifd) unb auf fo lange $u Ijelfen wiffen, bil 
burd) ba§ 5lb- unb Umfdjreiben ber öoflftönbig angefüllten 
Äatalogblätter unb burd) baS Verteilen be§ auf Ginem 
blatte befinblidjen $Rateriale§ auf jmet ober nötigenfalls 
mehrere, mit einerlei Seitenzahl (5. 93. 218) ju beaeidjnenbe, 
aber burd) hinzugefügte 33ud)ftaben a, b, c (3. 93. 218 a, 
218b, 218c) 3U unterfdjeibenbe 93lätter eine bauernbere 
Slbfjilfe gefd)afft werben fann. 

Sobalb ber neue ßumad)^ auf bie gefd)ilberte 9lrt unb 
SBeife bezeichnet ift unb bie Signaturen in bie betreffenben 
93üc^er fowie auf bereu ©tifetten gefdjrieben, finb, Rubelt 
e£ fid) nur nod) barum, bie einzelnen 53änbe ju ftempeln, 
worauf fobann bereu Überführung in bie 93üd)erräume unb 
ihre (Sinftetlung in bie 9?epofttorien erfolgen fann. 



Digitized by Google 



SedjSteS floatet. Bon t>er Senufeung be£ 93üd)erfdja&e8. 



299 



?Son ber Senkung bcs ©üd)crfdja$c$. 

(Srflcr 2Cüfd)nitt. 

^on 5er ^enu^ung im airgemeinen unb 6em 'g&enufcunö*- 

reflfement. 

23a§ mir in ben Darangegangenen Sapiteln ausführlich 
befjanbelt haben, bie §erftellung eine£ paffenben ©ebäubeS 
für bie 93ibIiotfjef, bereit nach beftimmten ©runbfäfcen bor* 
genommene ©egrünbung, ihre forgfältige Verzeichnung, 
geeignete $luffteflung , planmäßige Vermehrung, foll nicht 

einzig unb allein barauf h mau ^Ö e ^ en ' *°te ©dE)äfe e f ur 
fünftige ßeiten aufspeichern, fonbern eS fann ad ber baju 
notmenbige $lufn>anb an 9ftüf)c unb Arbeit, 3eit un b Soften 
al3 erfteS unb h«uptfäd)U^ftc§ ba^jenige ausgiebiger 

93enu£ung haben. (Sine rooljl Dermalste unb gut berroaltete 
öffentliche 93ücf)erfammlung gleist einem Kapitale, au§ bem 
man, wie §erber fo ^utreffenb fagt, für ben ©eift 3>ntereffen 
Riehen fann. ©ie foll eine befruchtenbe ©tätte ber 2Biffen= 
fchaft fein, Don welcher über bie ©renaen if)re£ SSeichbilbeS 
IjtnauS Sicht unb ©rfenntniS ausgeht unb ber geiftige gort* 
fchritt ber 2fienfd)heit 5um allgemeinen 2öof;Ie geförbert tt>irb. 
SMan i)at bie Sebeutung unb ben 9?u£en ber Sibliotljefen 
in unferer $eit mehr unb mehr erfennen unb mürbigen 
gelernt, tt)e§h<M ^uch bie J3nanfprud)nahme jener Slnftalten 
feitenS be§ SßubfifumS im Sergteich 5U ehebem eine weit 
ollgemeinere geworben ift. 9ftcht nur bie S3olf£bibüothefen 
haben in einigen Sönbern einen früher nie geahnten 5luf* 
fdjtDung genommen, fonbern aud) bie rein ttuffenfchaftlichen 
Sücherfammlungen erfreuen fich ber regften Teilnahme, im 
befonberen finb namentlich bie UniDerfitätSbibliotfjefen heut* 
^utage bei un£ nicht mehr ba§, iua£ Gbert noch * m Anfange 
biefeS ^ahrhunbertS Don ihnen gefagt h a t „ftaubige, öbe 
unb unbefuchte «Säle, in benen fich ber Söibliotfjefar roöchent* 
lief) einige ©tunben Don 9lmt3wegen aufhalten muß, um biefe 



Digitized by Google 



300 Stoeit« SetL SBom »ildjcrfänfc. 



3eit über — allein 511 fein". 2Benn nun aber gegenwärtig 
bie öffentlichen SMbliothefen burchfdmittlicf) in fo erfreulicher 
SBeife in Slnfprud) genommen werben, f 0 tft e§ ein bringenbeä 
©rforberniS, baß Seftimmungen getroffen werben, welche 
einerfeit§ ba£ SBcr^ältni^ gtotfd^en SBerwaltung unb Sßublifum 
im Sntereffe einer möglid)ft glatten ©efdjäftSfüfjrung regeln, 
anberfeitö 5um 3wecfe fyaben, ber unberührten Erhaltung 
be§ wertbollen 33üd)ermateriale§ nach SWögtichfeit SBorfdjub 
5U leiften 191 . $>enn fo gewiß unb unleugbar e§, wie gefagt, 
tft, baß bie93ibliotf)efen inerfterSinie^um ©ebrauef) beftimmt 
finb, ebenfo uii5tt»eifel^aft ift eS, baß fie, um mit SRolbed} 
3U reben , nid)t Verbraucht werben bürfen. ®§ fann* ben 
93enu£ern nicht bringenb genug an§ ^erj gelegt werben, fid) 
jeber^eit gegenwärtig 3U halten, baß e§ frembe§ foftbare£ 
Eigentum ift, welcf)e§ ihren ^änben anvertraut wirb 192 . 
Seiber ift e3 eine ebenfo allgemeine wie traurige Erfahrung, 
baß ba§ Sßublifum bei ber Senufemtg bon (Sammlungen 
nirgenb§ forglofer al3 bei bem ©ebrautfje bon Söüchern 5U 
SSerfe gel)t, unb baß nirgenb£ bie 2ftißad)tung, ja bie SRiß* 
hanbtung ber ben (Sammlungen jugehörigen ©egenftänbe 
größer fein fonn unb fo weit getrieben wirb, wie bei ben 
Sibüothcfen. Um fo mehr ift e§ bie Pflicht berer, Wethen 
bic Cbhut über ba§ SSohl ber 33ibIiotf)efen anbertraut ift, 
barauf ju fel)en, baß bie ©renken, bi§ $u benen bem <ßublifum 
in ber Senujjung jener freier Spielraum 3U laffen ift, nicht 
nur feftgefteUt, fonbern auch Überfettungen berfelben thun* 
lichft berfjinbert werben, unb baß bie ben 33ibliotljefen bem 
<ßublifum gegenüber 3uftel)enben fechte auf ba§ ftrengfte 
gewahrt bleiben. $ln biefen ©renken bürften fich allerbingS 
fünfte finben, in benen bie Siechte ber SBibliothefen mit benen 
be§ $ublifum§ mitunter 311 foflibieren fcheinen, unb e£ wirb 
bal)er namentlich barauf anfommen, baß man für bergleichen 
Soflifion§fäUe SBeftimmimgen ju finben weiß, welche ben 
beiberfeitigen 3>ntereffen im Sinne einer ungehinberten 93e* 
nufoung wie ber forgfamen Söahrung be§ SBibliotljefSeigentumS 
gleichmäßig ©enüge 31t leiften, unb bie in folgen gätten faft 



Digitized by Google 



£edj§tc8 Anstel, «ort bev 83cuu&img beä 8üc§erfd)a&e3. 301 

niemals ganj auSbleibenbenSieibungen möglidjft ju Vergüten 
im ftanbe finb. greilicfj toerberi Beftimmungen allem niemals 
au§retdf)enb fein, roenn biefe ntdjt auf feiten be3 *ßublifum£ 
fomoljl als inSbefonbere aud) auf feiten ber BibliottjefS- 
beamten in ber größten Urbanität, bie fid) beibe Seile bei 
bem gegenfeitigen SBerfeljre $ur ftrengen Sßflid)t machen müffen, 
xfyxe tuefentlidje ©tüfce finben. ift bafjer Von jebem Befudjer 
ju ertoarten, baß er fid) ben Slntueifungen ber Bibliotfjefös 
Verwaltung unb ber Drbnung be3 £aufe§ im ^ntereffe SlHer 
.mif ba§ unbebingtefte füge, in feinen $lnfprüd)eu 9ftaf$ ^alte 
unb ben Beamten ifyr oljnefjin müljfamcS, Viel ©elbft* 
Verleugnung erforbernbe§ ©efcfjäft nid)t unnüfc erfcf)tt>ere, nod) 
iljre SMenfte auf Soften beS übrigen nütbenufcenben 5ßublifum§ 
über bie ©ebüfjr in Slnfprudf) neunte. $lnberfeit§ mirb Von 
ber 33ibliotf)ef§Verroaltung in jebem galle ba§jenige Entgegen* 
fommen VorauSgefefct merben bürfen, über roeld)e§ mir un§ 
früher in bem $lbfd)nitte über bie ©igenfdjaften be£ 93iblio* 
ttjefarS ausführlicher Verbreitet l)aben. Sor allen fingen 
müffen bie gegebenen Seftimmungen mit ber größten Unpartei* 
lidjfeit unb mit gleicher (Strenge gegen $odj unb fiebrig 
geljanbhabt toerben. Vichts ift in ber Sfjat fo leidet im 
ftanbe, baS ^ublifum mit etmaigen SSeftimmungen, bie feinen 
2öünfcf)en unb Slnforberungen miberftreiten, naljeju auS^u* 
fernen unb aufrieben ju ftetlen, unb e§ ba§ möglichertveife 
burdE) einen folgen SBiberftreit erregte ©efüfyl einer menn- 
auch nur fd)einbaren Beeinträchtigung feiner Siechte Vergeffen 
511 machen, al§ roenn e§ fiefjt, baß alle BibliotfjefSbenufcer 
mit gleichem äflaße gemeffen, unb 5U niemanbeS gunften 
Ausnahmen Von ber Siegel geftattet merben. dagegen giebt 
bie Bevorzugung einzelner Sßerfonen notmenbig baflu Einlaß, 
baß fidt) baS Von einer folgen Bevorzugung nicfjt mit getroffene 
^ublifum, im ®efüf)le ber 3urücffefcung, leicht eineS un* 
geregten Urteils felbft über eine f onft burd)auS getviffenfjafte 
Bermaltung nicht erme^ren fann, unb fogar ba, tvo nid£)t im 
entfernteften an eine Beeinträchtigung feiner SRedfjte $u benfen 
ift, eine Benachteiligung argwöhnt. (Sin berartiger 2lrgmotjn 



Digitized by Google 



302 



Sroeitet Xctt. 80111 Südjerfcfjafr. 



ift aber baS affergrö&te Übel, meldjeS fid) bem gebeiljlidjen 
unb freunblidjen $erfef)re 3wifd)en bem SJSublifum unb ben 
SibliotfjefSbeamten in ben 2Beg fteffen fann. 

SSor äffen fingen nun muffen jene Seftimmungen ben 
SSebürfniffen ber ©egenwart burcfjauS angemeffen fein unb 
bürfen nicf)t etwa bon Safjraefjnt $u ga^rjc^nt bis in alle 
©wigfeit biefelben bleiben, benn waS unferen SB or fahren Diel* 
leicf)t öofffommen genügt ^aben mag, braucht barum, wenn 
mit ben ©itten ber ßeit nify me *) r * m ©inflange ftefjenb, 
notf) feineSwegS ifjre 9iad|fommen $u befriebigen. ©in gutes 
Dicglement barf ferner feineSwegS bloß in 33orfcf)riften befielen, 
bie, obfdjon wofjl unb Derftänbig burd)bad)t unb forgfältig 
erwogen, boef) fo affgemein gehalten finb, bafc ifjrer weiteren 
Biegung bon feiten beS ^ublifumS ebenfo wie bon feiten 
ber 93ibliotljefSbeamten ein affju freier Spielraum gelaffen 
wirb, biefelben muffen fcielmefjr minbeftenS für aüc gewöhn* 
lief) borfommenben fpe^ieffen gaffe bie nötigen $lnf)altepunfte 
geben, um jebermann miffen $u laffen, waS einesteils baS 
Sßublifum bon ben 33ibliott)efen Verlangen fann unb biefen 
bafür 5U leiften fyat, unb anbernteilS bie 33ibliotf)efen bem 
Sßublifum gewähren bürfen unb toon bemfelben bafür 5U 
f orbern berechtigt finb. GS genügt aber nid)t, bajs bergleid^en 
fpeäieffe 93eftimmungen lebiglidf) ben 93ibliotl)efSbeamten $ur 
genauen Sftacf)ad)tung toorgefc^rieben Werben, fie müffen aud) 
5ur Kenntnis beS SßublifumS fommen. ©0 natürlich unb 
felbftberftänblid) aud) biefe gorberung ift, f 0 ift biefelbe borf) 
feineSwegS überall 5ur ©eltung gelangt. $ie 1)k unb ba 
fjerrfdfjenbe ©itte, wenigftenS bie ^jauptbeftimmungen in 
einigen wenigen Paragraphen jufammenaufaffen unb burd) 
öffentlichen s 3(ufd)lag in ben Sötbüot^efötofalen jur Üftad)* 
ad)tung für baS ^ßublifum befannt $u madfjen, ift gewifj 
äWetfmäjgig unb lobenswert, fie reicht aber bod) nid)t auS, 
man foffte eS fid) bielmefjr bei allen SJibliotfjefen burdjauS 
5ur Pflicht machen, benjenigen, weldje Südjer ju benufcen 
wünfdjcn, ftetS ausführliche gebruefte Reglements in bie^anb 
31t geben, diejenigen 33ibliotf)cfcn , bei benen eine foldje 



Digitized by Google 



©etfjStcä Stapm. JBon ber Senufying bcS »iid&crfcfjafccS. 303 

Einrichtung bereits getroffen unb im ©ange ift, werben bie* 
felbe gewiß in bem letzteren SBerfefjre mit bem ^ublifum unb 
in ben fidler feltener als anberwärtS eintretenben Differenzen 
erprobt unb betnäfjrt gefunben höben. Die näheren 53eftim= 
mungen folctjer ^Reglements laffen fidt) bei ber SSerfcfyiebentjeit 
ber S3erl)ältniffe an ben einzelnen Slnftalten natürlich ntdt)t in 
einem für aHe93ibliotfjefen gültigen SRufter zufammenftellen, 
e£ muß bielmehr jeber einzelnen Slnftalt überlaffen bleiben, 
nad^ äRaßgabe ihrer befonberen Eigentümlich feiten ein eigenes 
58enu£ungSreglement aufzuteilen. Sftotwenbigerweife in aßen 
^Reglements wieberfefjren werben beifpielSweife SSeftimmungen 
über bie $eit, wäfjrenb melier bie betreffenbe 8ibliotf)ef 
geöffnet ift — bei Heineren unb an ©pezialbibliothefen pflegt 
bieS nur an beftimmten Söodjentagen bergall zu fein — , unb 
über bie ©tunben, in melden ber Scfefaal ber 23enu£ung 
frei ftef)t unb in melden Sücljer ausgeliehen unb %uxüd* 
genommen werben. Daran reiben fiel) fobann SSorf Triften 
barüber an, wer zur $3enu£ung ber 93ibliot^ef überhaupt 
berechtigt fei, in welker $lrt unb SBeife bie Sknu^ung im 
Sefefaale fowie bie (£ntleif)ung ber 53üd)er innerhalb ber 
©tabt, worin bie Söibliotfjef ihren ©ifc \)at, unb nad) außer* 
halb ftattzufinben h a ^ f unter wetzen Sebingungen eine 
33eficf)tigung ber 93ibliotfjef ftatthaft fei u. f. w. 2Bir werben 
in ben beiben folgenben $lbftf)nitten auf bie 93enufcung im 
Sefefaale unb baS Ausleihen ber ©ücher noch näher einzugehen 
haben; an biefer ©teile mögen ficf) an bie allgemeinen 5ln* 
beutungen über ben !3nfjalt eineS SBibliothefSreglementS nur 
noch e ^iö e Slnmerfungen über bie etwaige 33enu£ung ber 
©ibliotfjefSfataloge feitenS beS SßublifumS fowie über bie 
©eficfjtigung ber 33ibliotf)efen anfd)ließen. 

©S ift ein öon ben meiften SMbliothefen befolgter ©runb* 
fa£, baß bie ffataloge nicht ohne fpezieüe $lufficf)t bleiben 
unb nie in bem SRaße ber allgemeinen 93enu£ung zugänglich 
gemacht werben bürfen, baß fie jeber beliebige auS ihren 
Behältern herausnehmen ober zum Durchblättern Verlangen 
tonne. Diefer ©runbfa£ ift an ficf) fcoHfommen richtig. Denn 



Digitized by Google 



304 



mottle man atten 93efud)ern oljne 2lu§natjme ba§ eigene 
SRac^fd^Iagen unb Kursblättern fämtlid)er Kataloge erlauben, 
fo mürben biefe balb abgenufct fein, unb in if)nen eine£ ber 
merttoottften Sertürner gefäfjrbet merben. Ka^u fommt 
nod(), baß nic^t einmat alle ©efutfjer bie Kataloge, inibef onbere 
ben ftyftematifdjen Satatog, richtig unb mit Sftujjen ju 
gebrauten im ftanbe finb. ©leidjmotjl laffen fidj gemiffe 
Vorteile nidjt in ^brebe ftetfen, meiere fief) ergeben mürben, 
menn bie $8ibliotf)ef§fataIoge nidf)t btofj Don ben Beamten, 
fonbern auef) bon ben bie 83ibtiotf)ef befudfyenben gremben 
felbft löanb für 33anb nacf)gefdf)lagen unb benujjt merben 
bürften. gür bie Serroaltung mürbe fid) eine nid)t gering 
ju beranfd)(agenbe ©rfpamtö an 3Wüf)ema(tung unb Qzit* 
aufmanb tjerau§fteffen, für bie 93efud)er bie 58equemlicf)feit 
entfielen, nidf)t bei jeber Shdjforfdjung, ob biefe§ ober jeneS 
SBerf in ber 93ib(iotfjef bortjanben fei, bie SMbliotfjefare in 
$(nfprud) nehmen $u müffen, bielmetjr jeberjeit in ber Sage 
5ufein, ftd) im meiteften Umfange über bie 93eftönbc ber 
Söibliotfjef ju unterrichten unb gemünfd)te SBücfjer mit §ilfe 
ber Sätaloge unb be§ bienenben $erfonat§ ofjne 93emüf)ung 
ber Sibliotfjefare Ijerbeifdjaffen $u laffen. 9Jtan Ijat in ber 
Xf)at neuerbingS an einer unferer 93ib(iotf)efen ben SSerfudj 
gemacfjt, bem Sßublifum einen eigenen alpfjabetifdtjen Sütels 
fatalog unter ftrenger Übermacfjung jur 93enu£ung ju über* 
geben, mätjrenb ein jmeiter $ur au§fdjUeftfid)en Serfügung 
ber Sermaltung bleibt. SSie mir bereite früher ^erbor* 
5ufjeben ©elegenfjeit fanben, mürben fid) bie genannten SSor* 
jüge in gemiffen Sötten, namentlich bei mittleren unb Heineren 
Sibliot^efen, aud) burd) ben $)rucf ber Kataloge erreichen 
laffen. 2ßo inbeffen ber$)rucf nicf)t angezeigt unb ber Settel* 
fatalog nid)t in $mei leidet unb fidler 5U tjönbljabenben 
(Exemplaren gefdjrieben ift, ba möchte e§ fid) at§ ebenfo 
jmeefmäßig mie genügenb empfehlen, bem ?JJublifum nid)t 
gerabe etn$Red)t auf bie93enu£ung ber Kataloge einzuräumen, 
motjl aber ben SStbtiotfjefaren $ur $f(icf)t 5U machen, bafs 
fie in biefer $infid)t ben SBünfdjcn berer, meiere mit ben 



Digitized by 



©edjStc* Sopitel. Jßon ber ©enufcung bti SücfaricfiafeeS. 



305 



Katalogen um^uge^en roiffen, unb für beten Arbeiten bie 
©infidjt in bie Kataloge bon toefentlidjem duften fein fann, 
gern $u 2)ienften flehen. 

2Ba§ fdjließlid) bie ftxaQe ber ©efidjtigung bon Söiblio^ 
treten anbetrifft, fo läßt fid) barüber etroa folgenbeS fagen. 

SBie bei allen tt>iffenfd)aftlid)en unb Sunftfammlungen 
fid) eine Spenge SBefudjer einjufinben pflegen, tpelc^e bie 
(Sammlungen nid)t $u benufcen, fonbern bloß 5U befefjen 
roünf djen, f 0 empfängt aud) jebe nur einigermaßen bemerfenS- 
wertere 3Mbtiotf)ef häufig ben SJefud) bon Beuten, bie, faft 
jum größten Seile weniger bon äöißbegierbe al§ bon Neugier 
angelocft, bie Sofalitäten unb bie äußeren ©nridjtungen ber 
Slnftalt befidjtigen möchten. S)a bie $öibliotf)efen md)t bie 
Skftimmung Ijaben, befe^en JU werben, f 0 fann natürlich aud) 
bon einem bem ^ßublifum 5uftef)enben Siedete auf bie 9Jefid)= 
tiguftg nirgenbd bie Siebe fein. $)a§ ^Jublifum muß bielmefjr 
ba , wo if)tn bie 3reif)eit , an geroiffen Sagen unb ©tunben 
bie 9iäumlicf)feiten unb äußeren (Einrichtungen ber *Bibliotf)ef 
in $lugenfd)ein $u nefjmen, jugeftanben roorben, fo!d)e§ nid)t 
al£ etroa§, raa3 e£ §u forbern berechtigt ift, fonbern al§ eine 
il)m bon ber 33ibliotf)ef§bertt>altung freiwillig gewährte Sßer* 
günftigung betrauten unb fid) au§ biefem ©runbe ben in 
ben berfdjiebenen S3ibüot^efen ^tnfid^tlic^ ber Sefidjtigung 
getroffenen 33eftimmungen, felbft wenn fie bon einer bie grei* 
Ijeit ber Sefudjer aHju befdjräntenben $lrt ju fein fd)einen 
füllten, gern unb willig fügen. 3" foldjen ©efttmmungen 
gehört 5. 93. erften§, baß bie ©efid)tigung nid)t 5U jeber Qeit, 
wäfjrenb welcher bie Söibliotljef jur allgemeinen SBenufcung 
geöffnet ift, unb überhaupt nid)t ofjne weitere^ borgenommen 
werben barf, fonbern baß fid) bietmefjr biejenigen, weldje bie 
33ibliotf>ef $u befe^en wünfdjen, in ber Siegel einige 3eit 
borfjer im S3ibliotf)ef§bureau baju anmelben müffen unb 
gehalten finb, bie jur ©efidjtigung anberaumte ©tunbe genau 
einzuhalten unb fid) mit ber $>auer ber barauf ju ber* 
wenbenben 3ßit 5U begnügen. $>iefe©eftimmung ift au§ bem 
©runbe burd)au3 erforberlid), weil bie Sefidjtigungen bon 

©raefel, SBibliotf)e^lcf)rc. 



Digitized by Google 



306 



8»citer Seil. 9Jom »üdjeri"cfw&. 



feiten be£$ublifum§ — unb bie§ ift eine jmeite Sßorf c^rif t — 
unter feiner SBebingung offne $tuffid)t unb Seitung Don 
93ibliotf)eföbeamten vorgenommen merben bürfen, unb man 
biefen um iljrer mistigeren 5tmt§arbeiten mitten füglid) nid^t 
jumuten fann, baft fie augenblicflitf) unb beliebig lange $um 
herumführen toon SBefudjem bereit fein follen. Sremben, bie 
in $lnfet)ung ber auf bie ©efidf)tigung $u fcerroenbenben 3eit 
oftmals fef>r befcfjränft finb, jumal folgen, bie an einem Orte 
einen nur furzen 2luf enthalt nehmen, unb bie Sage unb ©tunben, 
auf meiere bie 93efidf)tigung ber 33ibliotf)ef anberaumt ift, mcfjt 
allemal abmarten fönnen, gteicfjmofjt aber, Don mefjr al£ 
gemö(jnlitf)er ©cfjautuft angeregt, fid) in ber 93ibliotl)ef jum 
33efef)en ber 5BtbtiotIjefSeinricf)tungen einfinben, mirb jmar 
gemife jeber 33ibliotf)efar nadt) 3Köglid)feit unb 5U jeber 
beliebigen 3eit $u bienen gefällig fein, e£ barf ifjm inbeffen 
meber Derargt nod) mof)l gar q!£ Ungefölligfeit fcerbad)t 
merben, menn er fiel) nid)t in jebem einjelnen f$alle in ber 
Sage fefjen fotlte, bie Sßünfcfye ber gremben ju befriebigen. 
SDtit ber SSeftimmung, baft feiner ber Söefudjer bieS3ibliotf)ef£* 
fäte of)ne 2lufficf)t unb Seitung eines Beamten burdjmanbern 
bürfe, l)ängt eine britte ^ufammen, nämlidf) bie, baß nur eine 
gemiffe ^In^a^l fconSßerfonen auf einmal fjerumaufüfjren finb. 
$enn e£ ift fef)r natürlich , ba§, menn ber f)erumfüf)renbe 
SBeamte bie 2luffid)t über bie feiner Seitung anvertrauten 
©dfyautuftigen orbentlid) ^anb^aben foU, bie $afy & er b n 
Seauffic^tigenbcn nid)t ju grofc fein barf, bamit ntdjt etma 
ber eine ober anbere ber Söefud£)er ©elegenfjeit finbe, fid) 
ber 9luffid)t ganj 311 entjieljen, unb Eingriffe in bieOrbnung 
ober ba§ ©igentum ber Sibliotljef ju tfjun, meiere eben burd) 
bie $luffid)t Vergütet merben fotlen. 2)ie Söefdjauer ^aben 
fid) ber Seitung be§ ^Beamten unbebingt $u fügen ; fie bürfen 
fiel) nidjt in ben ©ölen jerftreuen unb am aUermenigften etma 
ben ffierfuef) machen, ifjnen befonberS in bie klugen ftedjenbe 
Sßüdjer au§ ben SRepofitorien fjerau^unefjmen, um mo^l gar 
barin herumzublättern unb ju lefen. Slbgefeljen baöon, bajj 
bie füfjrenben Beamten ofjnefjin fcf)on gemöfjnltd) baju 



Digitized by Google 



echtes fiapitcl. Eon Der «enufcunß bcS »üdjcrfäofccS. 307 



angeroiefen finb, intereffantere SBerfe unb Vo^ügliche Selten* 
fetten, fotücit bie§ im Vorübergehen tfjunlicf) ift, Vorzeigen, 
werben fid) Rumäne Süljrer fieser auch nie abgeneigt ftnben 
laffen, anbere 93ücf)er, bie ©mjelnen ber Vefud)er Vielleicht 
befonberS auffällig finb, auf SBunfd) au§ ben ©eftetlen herauf 
julangen unb 5ur ftüd^tigen Sinfidjt Vorzulegen, ©ie toerben 
aber, wie gefagt, meber geftatten fönnen, baft fidf) bie ©efud)er 
felbft an ben Vüdjerreihen Vergreifen, noch baß bie weitere 
Vefidhtigung ber Vibliothef burd) ©inline , welche fid) mit 
ben Vorgelegten 93ücf)ern länger ju befcf)äftigen roünfcf)en, 
über bie ©ebühr aufgehalten roerbe. ginbet jemanb auf 
feiner SBanberung burd) bie ©äle ein Sud), meldjeä er näher 
fennen gu lernen ba§ Verlangen trägt , f o bietet baju ber 
Sefefaal , toof)in er e§ fief) nach beenbigter SSanberung ja 
bringen (äffen fann, bequeme ©elegenheit. 

Sn ben meiften 93tbliotf)efen ift, mag auch f ür gewöhn* 
liehen Vefidjtigungen vodfommen genügt, bie Einrichtung 
getroffen, bafj einer ber ^Beamten be3 £ilf3* ober bienenben 
SßerfonalS mit ben Rührungen beauftragt mirb. SSenn ber 
Dberbibliotljefar fid) biefem @efd)äfte felbft unterzieht , ba 
mag man e§ al§ eine befonbere Vergünftigung, al§ eine $lrt 
3lu§5eichnung gegen *ßerfonen betrachten, benen er fich vor* 
jugSroeife gefällig unb artig ermeifen $u müffen glaubt, man 
barf e§ ihm aber nicht al§ eine 9?ad)läffigfeit gegen biejenigen 
anrechnen, benen er nicht gleiche ©efäßigfeit $u gewähren fich 
veranlagt fühlt. 

23ie für bie Vefudjer beS 2efefaale£, fo fjflt man hie unb 
ba auch für bie ©chauluftigen Südjer eingerichtet , in benen 
fte ihre tarnen unb ihren ©tanb eintragen f ollen. fann bie§ 
nur gutgeheißen werben, weil bie 93ibIiot^efen in bergleichen 
Süchern eine 2lrt Sllbum erhalten, worin fich nic^t nur ohne 
erhebliche SKüfjewaltung Von feiten ber Vibliotheföbeamten 
red)t brauchbare SDlaterialien jur ©ef deichte unb ©tatiftif 
ber Säibliothefen , fonbern auch nach unb nach eine Sftenge 
wertvoller ^lutographen anfammeln. 

1 20* 

<■ 

Digitized by Google 



308 



SBtr geljen nunmehr ben einzelnen Urteil ber öenufcung 
über. Eiefelbe teilt fiel) in eine innere b. I). innerhalb be§ 
3}ibliotfjef§lofale§ unb eine äußere b. Ij. außerhalb be§ Sotalex 
ftattfinbenbe Senufcung. GErftere fjat e£ ^Quptjäc^lid^ mit bem 
©ebraucfje ber ©üdjer im Sefefaale unb an einigen Slnftatten 
audt) in ben übrigen ©ibliotfyeteräumen , lefctere mit bem 
Slu3leif)en berfelben $u tljun. SBir betrauten autoörberft bie 
SJenufcung im Sefefaale. 

3mciler Wfdjniü. 
^3on ber ^etmfcung innerljafß bes ^i6fiofjeltefle6fm6es. 

3)rei gragen finb e§, bie ifjre Söfung in bem bie öenufcung 
ber 93üdf)er im Sefefaale betreffenben Seile be$ 5Reglement£ 

erwarten ^aben. $)ie erftc ber gragen ift: 2öem foU ba§ 
SRed^t be§ 93efucf)e§ be$ Sefefaaleä jugeftanben roerben; bie 
5iueite: 28a§ fott im Sefefaale benufct merben bürfen; unb 
bie britte: SBie fotl biefe 93enu£ung ftattfinben? 

2öa§ bie erfte biefer fragen anlangt, fo fjängt bie 93eant* 
Hortung berfelben mit ber einer 23ibliotl)ef bei ifjrer Segrün* 
bung 5uertei(ten 93eftimmung auf ba§ engfte ^ufammen. 
SBenn 5. Sö. bie Söücfjerfammlungen öon Untoerfitäten, ©deuten 
unb fonftigen ftaatlidjen 9lnftalten ober Don 2Ifabemien, toiffen^ 
fcf)aftlid)en Vereinen u. bergt, naturgemäß in erfter Sinie ben 
Sftitgliebern ber betreffenben Snftitute ober ©efeüfcfjaften 5U 
bienen beftimmt finb, fo ift e§ felbftrebenb, bafj aud^ ber mit 
jenen Sammlungen toerbunbene Seferaum toor allem nur für 
bie 3nftitut§* ober $8erein§angel)örigen eingerichtet toorben 
ift. Snbeffen roirb man ba , roo genug $la£ toorfjanben ift 
ober too ber Langel an foldfjAn fid) im 93ebürfni3falle leicht 
beseitigen läßt , fotoeit nid)t etroa ftatuarifdtje Seftimmungen 
entgegenftefjen, fcon feiten einer jeben billig benfenben Siblio* 
tfjefStoenualtung fidjer jebem anftänbigenöefudjer einpäfcdjjen 
im Sefefaale gönnen unb ifjm bie gettmnfdjten Südjer, roenn 
borfjanben, ofyne Söebenfen Verabreichen. Namentlich fyat ftd) 
an unferenUntoerfttätSbibliotfjefen bie $ra ji§ fjerauSgebilbet, 



Digitized by 



Scdjste» Sapxttl. 9>on bcr Semifcung be§ SBiidjciKfjnfccß. 309 



im Sefefaale auch folgen Sßerfonen, tr>etd^c ber UniDerfität 
nid)t angehören, imaHgenteinen3utritt5ugeftatten. 3>mmer* 
hin fjanbelt e£ fid) gerbet im ©runbe lebiglid) um einen 2lft 
ber Siberalität, woDon nad) 33ebürfni§ aud) einmal wieber 
5lbftanb genommen werben fönnte. $Inber§ liegt bie (Sadje bei 
benjenigen öffentlichen 93iMiot()efen , welche Don £>au§ au3 
jum .ßroecfe allgemeiner Senu^ung gegrünbet Horben finb. 

§ier muß aud) ba§ gefamte^ubIifumba§5Rec^tbe§3^^ 
5um Sefe faale haben unb etwaige 93efchränfungen, wie fie ^ie 
unb ba au§ ©ng^ei^igfeit ftattgefunben ^aben, finb burd) 
nichts gerechtfertigt. 9?ur Unerwachfene, bie ohnehin bem 
Sßublifum im gewöhnlichen ©inne be§ 2öorte£ nid)t mit bei* 
gewählt werben, fowie foldje, bie entweber burd) ifyxe äußere 
©rfd)einung, burd) llnfauberfeit unb Sieberlidjfeit, gegen gute 
©itte unb Slnftanb Derftoßen unb geregten ©runb §ur $lu3* 
fdjließung Don bem Sefefaale geben, ober bie notoriftf) im 
SRufe fielen, baß fie ba§ 9)?ein Don bem 3>ein nicht ^u unter- 
fdjeiben wiffen, unb Don benen mithin eine Beeinträchtigung 
be§ S3ibliott)ef§eigentume§ leid)tmöglid)en galle§ $u befürchten 
ift, füllten Don bem SBefudje be§ Sefejimmerg 5urücf gehalten 
werben bürfen. 2öer fonft Don bem ^ublitum ben 3»tritt 
Verlangt, gleichviel ob Dornehm ober gering, reich °^ er arm r 
gelehrt ober ungeteilt, ber fei unbebenflich ^ugelaffen. Um 
etwaigen SRißbräuchen, bie Dielleicht mit ber greifjeit be£ 
3utritte£ §um Sefefaale Don ©inigen getrieben werben möchten, 
entgegenjuarbetten , finbcn fid) genug Littel, ohne baß e§ 
nötig wäre, ba§ 9ied)t be£ gutritteg bem ^ublifum burch 
SSerbotc 5U Derfümmern. 

Anberg al§ in betreff bes Stefucheä bc£ SefefaaleS Derljält 
e3 fich freilich mit bem gutritte be§ $ublifum§ ju ben übrigen 
33ibliotljef§räumen, W0311, wcnigftcnä in SBibliotljcfen, beren 
Bücher in SRepofitorien ohne Sßerfdjluß unb (Sicherung^ 
maßregeln gegen bie Eingriffe grember aufgeftellt finb, in ber 
Siegel ein allgemeines 9ied)t nicht eingeräumt werben barf, 
fo lange ber Bibliotfjefar, wie e§ boch in bcr Drbnung ift, 
für bie (Sicherheit, UnDerfehrtljeit unb überhaupt ben guten 



Digitized by Google 



310 



Sroctter Zell. SJom S3üct}encf)n^. 



©tanb ber 33ibliothef bie SSerantluortlid^fett ü&emeljmen 
fott «93. £)enn mem barf Vernünftiger SBeife jugemutet merben, 
bafj er für bie Ermattung einer Sammlung Verantmort* 
lidt) fei, ber bem Sßublifum ein unbefd)ränfter Sutritt 
geftattet märe, unb mo jebermann ol)ne $lufftd)t unb gan$ 
nach Selieben frei fdjalten unb malten, in ben Däumen nad) 
ollen Dichtungen fyn* unb hergeben unb fidt) nach belieben 
bie 99üd)er auS ben Depofitorien herausnehmen f önnte. Ober 
f ollen etma auffichtf üfjrenbe ^Beamte in allen Daumen, mohut 
eS bem ^ßublifum ju gehen beliebt, gegenwärtig fein? 3hre 
Qdf)[ müßte eine bebeutenbe fein, ohne bafj baburd) für bie 
Sicherheit beS 53ibliotf)efSeigentumS ober menigftenS für bie 
SlufrechterhaltungberDrbnung in ber Sluffteßung ber ©üdjer 
ftetS unb unter allen Umftänben ©ernähr gegeben mürbe. gft 
bod) fchon ber an ben UniVerfitätSbibliotf)efen ^crrfdt)cnbe 
Srauch, nach welchem ben Renten geftattet ift, bie 33üdjer* 
räume ju betreten unb, mo cS ihnen münfd)enSmert erfcheint, 
ju arbeiten unb 93üd)er für ihren ©ebraud) auS ben Depo* 
fitorien tjcrouSjunehmen unb auch mieber cin5uftetten, für 
bie Orbnung ber Seftänbe nicht immer Vorteilhaft, gnbeffen 
mag eine foldje jumteil in ber SBeftimmung jener Sammlungen 
felbft begrünbete 2luSnaf)me ben ©liebern beS afabemifchen 
SehrforperS geftattet fein, ba biefc Einrichtung jmeifelloS für 
bie Stubien ber ©eleljrten Von ganj befonberem Du^en ift. 
£amit ift aber noch nicht gefagt, bafe nun auch ^ em 9 an 8 en 
Sßublifum ber unbefchränfte $utritt $u ben gefamten ©iblio* 
tfjefSräumen unb baS herausnehmen ber 5öüdt)er geftattet 
merbe. 3n ©ibliothefen, mo lefctere in ben Depofitorien unter 
fixerem SBerfchluffeftehen, ben nur beröibliothefar 5U öffnen 
bie Littel hat, fönnte freilich e " ,e berartige Erlaubnis un* 
bebenflid) erteilt merben; maS mürbe aber biefe Erlaubnis 
nü^en, menn bie Söefudjer hö^hPenS bie 58üd)ertitel an^ufehen, 
aber bie Söüdjer felbft megen beS SBerfchluffeS §u berühren 
nicht im ftanbe mären. 

2BaS foll im Scfefaole benufct merben bürfen? 3n ber 
Theorie ameifelloS atlcS, maS bie betreffenbe Söibliothef an 



Digitized by Google 



<2ed&Ste§ flapttel. 8on ber ©enufciiitQ bc« ©ficf)erfdfja$c§. 311 



gebrucften 53üchern ober £anbfchriften befifct. Stenn Wenn 
man bic SBüdjer, wie mir faljen, an ben Üöibtiothefen cor 
allem be^alb anfchafft, bamit fie benufct werben, fo folgt 
barau§, baß and) jebeS angegaffte 93udf) wenigftenS im Sefe* 
faale — ob baSfelbe aud) ausgeliehen werben bürfe, ift eine 
anbere Srage, twn ber weiter unten bie Siebe fein wirb — 
auf Verlangen jebem Söenu^er jur (Einficht $u überlaffen ift. 
3n ber SßrajtS erleibet allerbingS ber ©afc, baß alle Südjer 
ohne Aufnahme für bie öenufcung augängltd) fein müffen, 
ganj notmenbig gewiffe ffiinfchränfungen, welche im Sntereffe 
ber 93ibliotf)ef geboten finb. ©ollen j. 93. wertöoHe $anb* 
fdfjriften an jemanb auSgefjänbigt werben, ber in bem |>anb* 
fdjriftenmefen burd)au§ unerfahren ift? £)ie £>anbf driften 
fönnten bemfelben höchftenS jur bloßen Sur^weil bienen, bie 
ifjm toielletcht bie barin befinblid)en Miniaturen berfdjaffen 
würben. Ober f ollen lebiglid) für bie ernften ©tubien ber 
©eleljrtenbeftimmte, f oftbare ffupf erwerfe unb bibliograpfjifdje 
(Seltenheiten aller 2lrt ohne weiteres jebem beliebigen Söefudfjer 
täglich unb ftünblid) überlaffen werben, nur bamit biefer eine 
oberflächliche ©djauluft bef riebige? SSürbe eS ferner mit 
ben Aufgaben einer wiffenfchaftlichen 93ibliotl)ef im ©inflange 
ftehen, wenn biefelbe Möglingen l)i%rer 2ef)ranftaltcn ben 
(gebrauch bon Überfettungen grted)ifcher unb römischer ®laffifer 
üerftatten wollte, bamit biefe unmiffenben unb trägen ©chülern 
§ur fogenannten (SfelSbrücfe bienen? ©oll ber Sefefaal $u 
einem behaglichen $eim für Sftomanlefer werben, welche bie 
wiffenfchaftlichen ©tubien obliegenben 23e|ucher einengen ober 
wol)l gar toerbrängen? W\t nickten. Vielmehr ift bie SBe* 
fttmmung, baß an wiffenfchaftlichen SMbliotfjefen ©elehrten 
ju ihren ©tubien unb Arbeiten alleS $ur SBenu^ung auS* 
gehänbigt werbe, 5lnberen nur ba§, wa£ fie wahrscheinlicher 
Söeife ju ihrer Belehrung mit 92u^en ju gebrauchen im ftanbe 
finb, als bofffommen gerechtfertigt anjufehen. ©tmaige will* 
fürliche unb bie wirtliche $8enu£ung ber ©ibliothefen beeilt* 
trächtigenbe Auslegungen, waS baS gewöhnliche $ublifum 
mit SKii^en 511 gebrauchen im ftanbe fei, brauet man öon 



Digitized by Google 



312 



3iücitcr Xetl. 8om 33ücf)erfcf)a&. 



feiten fcerftänbiger 53ibtiotf)efare, tüelc^e bie ^Reglements nid^t 
nad) bem Söortlaute allein, fonbern im <5inne einer möglicfyft 
liberalen SBerroaltung aufaufaffen roiffen, nid)t $u befürchten. 
2luc^ fönnen fold)e nötigenfalls Don einer pflid)tgetreuen unb 
tt>adf)famen ©berauffid)tSbef)örbe leicht öerf)inbert werben. 

Anberg liegt bie©ad)e natürlich burdjtoeg bei ben S3olfS* 
bibliotfjefen, beren SSerwaltungen gerabe ber Unterhaltung^ 
litteratur, auf welche biefe 3lnftalten fcfyon bei ben 21n* 
Raffungen ihrer SBeftimmung gemäß auSgebef)nte9iücfficht5U 
nehmen höben, fjinftdjtlich ber£tenu£ung ben weiteften ©piel* 
räum gönnen unb otjne weiteres jebermann bie gewünfctjte 
2eftüre f fofern fie öorfjanben, barreicf)en werben. 

SBenn eS fid) übrigens t)on felbft toerfteljt, baß unter ben* 
jenigen Südjern, welche bem ^ublifum jur 33enu£ung in bie 
£anb gegeben werben bürfen, alte biejenigen, bie noch eineS 
(SinbanbeS entbehren, nid)t mit inbegriffen finb f fo Wirb 
bod) in biefer £inficht billigerweife in betreff ber Seit* 
fdjriften, bie befanntlicf) einen Steil ihres SöerteS nur fo lange 
befifcen, als fie eben neu finb, unb oon benen boch bie meiften 
erft nac^ 33erlauf eines mehr ober minber langen ßeitraumeS 
gebunben werben fönnen, eine 3luSnaf)me infofern 5U machen 
fein, al§ fie, gut geheftet unb mit einer bie ©teile beS @in* 
banbeS öertretenben §ülle berfeljen, im Sefefaale am jwecf* 
mäßigften auf einem eigenen £ifcf)e aufgelegt unb bem 
^ßublifum 5ur Verfügung geftellt werben mögen. %lod) beffer 
ift eS, wenn, toie bie (Einrichtung in einigen ©ibliotfjefen 
getroffen ift, hierfür gleich e ^ n eigenes 2efe5immer angewiefen 
werben fann. $ln unferen Untoerfitäten haben fid), worauf 
Wir bereits gelegentlid) hinbeuteten, befonbere afabemifdje 
Sefeöereine gebilbet, benen toon feiten ber 33ibliotl)efen bie 
neuefte periobtfc^e Sitteratur für einen beftimmten Zeitraum 
jur Verfügung geftellt 5U werben pflegt. 93efd)ränfen fid) 
biefe Vereine mefjr ober weniger auf bie afabemifd)en Greife, 
fo h fl ben anberfeitS bie großen fta'btiftfjen unb ftaatlidjen 
SBibliotfjefen bie Aufgabe, jebermann, beffen Arbeiten bieS 



Digitized by Google 



313 



erforberüd) machen, ben3»tritt 5U bem ^ournalaimmer offen 
5U galten. 

SCRtt bcr §rage, n?aS im Sefefaale benufct werben bürfe, 
fief)t nod) eine anbere in fef)r genauem gnfammenhange, roie 
iriel 33üd)er nämlich einem ein$e(nen Sefer auf einmal $u 
Verabreichen feien; benn eS fann botf) unmöglich, bei allen 
toohlbegrünbeten fechten beS ^ublifumS auf bie 93enufcung 
ber SBüdjer, jebermann ofme roeitereS forbern, baß man ihm 
jebe beliebige $afy bonSänben auShänbige. 2So bie©tubien 
beS einen ober beS anberen ber SBefudjer bie gleichzeitige 
durchficht einer größeren ^Inja^l fcon 33üd)ern, namentlich 
ganzer Keinen umfänglicher ©ammelroerfe , roirflich not* 
tuenbig machen , ba mirb jmar geroiß jeber im 3>ntereffe ber 
SSiffenfdjaft bienftttullige Söibliothefar gern bereit fein, ben 
Söünfdjen beS SeferS Sßefriebigung ju gewähren. %m aü% 
gemeinen roirb aber bie SSorfcfjrift, baß ben 3?efud)ern nur 
nach gehörigem 2luSroeiS über ihre ©tubien unb bie dloU 
toenbigfeit beS gleichzeitigen ©ebraucheS einer größeren ^In^ahl 
fconSBänben eine f olc^e 5ur Verfügung $u ftellen, bie übrigen 
Sefer hingegen bon bieferSergünftigung auszufließen feien, 
inbenSlugen jebeS 33illigbenfcnben fchon barum alSburtfjauS 
gerechtfertigt erfcheinen, rueit fonft Don feiten ber 33efud)er 
mit ber jugeftanbenen Berechtigung, fich fo tiel 33üd)er, als 
eS ihnen eben beliebt, barreichen laffen $u fönnen, leicht ein 
teil§ ben$)ienft ber Beamten ohne9hi£en erfchroerenber, teils 
bie gute (Srfjaltung ber Söüdjer ohne Sftot gefäfjrbenber unb 
teils enblich bie roiffenfehaftlichen ©tubien Ruberer beeilt- 
trädhtigenber SWißbrauch getrieben rcerben möchte. 

3Me britte fixa^ ift, roie bie Senu^ung ftattfinben foEfe? 
$)ie 5lntmort lautet: (£rftenS in ben burch baS Reglement 
ba^u beftimmten ©tunben. Sftiemanb fyat baS 9ted)t, bie 
Öffnung beS SefefaaleS 511 einer anberen 3?it &u beanfpruchen, 
unb 5U Bedangen, baß ihm berßntritt 3ur 83ibliotf)ef früher 
als anberen 33efucf)ern geftattet, ober §u feinen gunften ber 
Sefefaal fpäter als $ur feftgefejjten ©tunbe gefchloffen toerbe. 
§at fich ohnehin bie $<\f)i ber ©tunben, tt>äf)renb beren 



Digitized by Google 



314 



3»uc!tcr Zeit. SJom ©üdjcrtönfc. 



bic Sefefäle ber 23ibliotf)efen geöffnet finb, im Saufe bergeit 
immer meljr eri)öf)t. 3 U Anfang biefeS 3al)rf)unbert§ waren 
beifpiel§weife bie Uniberfität§bibliotl)efen gewöfjnlid) nur 
bier ©tunben wödjentlidj geöffnet. Sftodj ©bert beflagt fid) 
bitter über biefen Übclftanb, ber bie üftü^Iicfifeit jener 
Snftitute Ijinbere. 3)ie3eit fei ju furj, al§ baß manmäljrenb 
berfelben auf ber SBibüotfyef nur ein einiges 93ud) gehörig 
lefen unb eycerpieren fönne. ©r fd)lägt bor, man möge bie 
5Bibliotf)ef wöd)entlid) aufs wenigfte ac^t ©tunben, wo e§ bie 
Sofalberf)äItniffe juließen tägtid) öffnen. SefctereS ift gegen- 
wärtig an größeren Slnftalten jumeift ber gatt, wenn aud) 
bie Sänge ber Qett r roäfjrenb welcher fie offen finb, eine 
berfdjiebene ift l<J4 . (So biel ftefjt.feft, baß bie erljöfjte 
©elegenljeit , bie SBüdjer im Sefefaal benujjen $u fönnen, 
für bie 93ibliotf)ef felbft nur ein SJorteil ift. 

$ie Erfahrung l)at nämlid) gelehrt, baß fid) überall ba, 
wo man ben Sebürfniffen be£ $ublifum§ nad) 33enu£ung 
ber 93üd)er burd) bermefjrte 3 a ^ ber ©tunben, in benen ber 
Sefefaal §um Söefudje offen ftef)t, 3U begegnen weiß, unb ben 
2(ufentf)aU im Sefefaate burd) bequeme Ginridjtungen, fowie 
burd) freunbliaje uub 3uborfommenbe53el)anblungber ©efudjer 
bon feiten ber ^Beamten möglidjft einlabenb $u machen ber* 
ftef)t, in bemfelben Sftaße ba§ $lu§leif)en Don 93üdjern ber* 
minbert, al§ bie 33enufcung be§ Sefefaa(e§ 3unimmt. $)a§ 
^jauptmittel, ba§ Sßublifum mit bem ©ebraudje ber SBüdjer 
im Sefefaale meljr unb mefjr $u befreunben, unb e& bon bem 
affju häufigen SDtitnadjljaufenefjmen berfelben aurücfyufjalten, 
befteljt aber fieser barin, baß bemfetben eine nicfyt bloß ber 
Steuer nad) I)inreid)enbe , f onbern aud) auf bequeme SageS* 
ftunben beilegte unb burdj Serien möglicfjft wenig berfürjte 
3eit, in ber e§ bie Söüdjer im Sefefaale unb oljne erljeblidje 
Unbequemlidjfeiten 511 benu^en im ftanbe ift, bereitwillig 
bargeboten werbe. 2öo bieg nidjt ber gall ift, ba werben 
bie, weldje für ifjre Arbeiten bie §ilfe ber Sibliotfjefen in 
Slnfprud) nehmen muffen, fid) natürlid) barauf angewiefen 
fefjen, fid) fo biet, al3 e£ nur irgenb angebt, 5U #aufe mit 



V. 



Digitized by Googl 



©erstes *a*Uer. Kon ber »cnufeung beS »iidjerfdjnfreif. 



315 



entliehenen Sutern toerforgen, um nid^t in ihren ©tubien 
unb litterarifchen ©efchäftigungen, roeil fie bie ba$u er* 
forberlicfjen Sßerfe roegen beS &u frühzeitig ftattfinbenben 
©chluffeS beS SefefaaleS nur fpärlidj benufcen fönnten, fort* 
tt)äf)renb unangenehm unterbrod^en ju roerben. 3n ben meiften 
größeren 93ibliotf)efen ift e£, roie ermähnt, ©itte getoorben, 
ben Sefefaal täglich, mit alleiniger Ausnahme ber©onn* unb 
gefttage, unb jmar in ber Siegel toier bis fecf)S ©tunben lang, 
5um 53efudf)e beS 5ßublifumS offen $u galten. D^ne Steifet 
fönnte biefe 3eit für gewöhnlich als öollfommen auSreichenb 
gelten, tt>enn man fie nur nicht ju oft eben auf SageSftunben 
toerlegt hätte, too ein großer £etl beS ^ublifumS unb ungliicf* 
lieber SBeife gerabe berjenige, toel^er wegen feiner Arbeiten 
bei ben Söibliottjefen mit am fjäufigften fcorfprecf)en muß, anber* 
toärtS bon $ienft* unb fonftigen ©efd^öften in 23efd)lag 
genommen ift, unb mit bem beften SSiflen ben Sefefaal nid)t 
befudjen fann. 2BaS fönnen Sefjrern, beren Sehrftunben, 
(Staatsbeamten, beren Söureauftunben mit ben Sefeftunben 
ber Sibliothef jufammenfaffen , bie (enteren nüfcen? @S 
mu§ bafjer für biejenigen, meldte über bie Anberaumung ber 
Sefeftunben im SBibliothefSlofate 5U beftimmen haben , baS 
^auptaugenmer! babei jeber^eit baS fein , bafc bie ©tunben 
auf eine Qelt öerlegt werben, in ber baS am ^äufigften mit 
ber 33ibliotf)ef tjerfefjrenbe ^ublifum am erften Sftuße jum 
SBefuche beS SefefaaleS ^at l95 . An mannen Sibtiotljefen ift 
iibrigen§ ber Sefefaal ben ganzen £ag über unb einen £eil 
beS AbenbS geöffnet. £ier ftnbet feibfiöerftänbtich eine Ab* 
Cöfung ber Beamten ftatt, beren ßa^t ben hierburdj gefteigerten 
Anfprüdjen unter allen Umftänben entfprec^en muß. Unb 
bieS führt unS 511 ber jmeiten ©ebingung , unter roelc^er bie 
$3cnu$ung beS Sefefaal^ ftattfinben barf, nämlich nur unter 
Auffielt ber Beamten. SBieroohl nach bem allgemein giltigen 
©runbfa^e jeber fo lange als- unbefcholten unb ungefährlich 
angefel)en werben muß, als nicht baS ©egenteil baöon nach* 
getoiefen ift, fo wirb eS boch ber 33orficht wegen, bamit jeg* 
licher ©cljaben unb jebe ©efafjr bon ber 33ibliotfjef abgehalten 



Digitized by Google 



316 



tuerbe, ratfam unb atücdmäßig fein, alle Befud)er be§ SefefaateS 
of)ne 9lu§na()me einer, roennaud) anftänbigen, bod) ftrengen 
2Iuffid)t ju unter roerfen 19 «. 3)iefe Sluffidjt muß fid) bem 
Befud)er gegenüber gleich bei feinem (Eintritte in ben Sefefaal 
infofern jeigen, al£ niemanbem gcftattet werben barf, äftäntel 
unb bergleidjcn, bie möglidjermeife al§§ilf§mittel $ur Bergung 
etroaiger ber 93ibUotr)ef $u entfrembenber Sudler benufcttoerben 
fönnten, mit in ben ©aal f)erein5ubringen. $ie Sluffidjt muß 
fid) aud) ferner barin ju erfennen geben , baß in ber Sieget 
niemanbem erlaubt tuerbe, eigene Büdjer, megen ber leicht 
möglichen Bermifd)ung unb Berroed)3lung mitbenberBiblio* 
tfjef gehörigen Sßerfen, mit fiel) in ben Sefefaal ju nehmen. 
2öo bie§ jebod) au§nat)m§meifc bem Befudjer unumgänglich 
notroenbig erfdjeinen fodte, ba roirb roenigftenS $u Verlangen 
fein, baß ber Befud)enbe bem 5luffid)t§beamten bie mit* 
gebrauten eigenen Büd)er am unb öorjeige , unb fid) beim 
Söieberüerlaffen be§ ©aale* be^r)alb gehörig 511 legitimieren 
toiffe. 3)ann muß fid) enbtidj bie 9luffid)t im allgemeinen 
nod) baburd) geltenb machen, baß niemanbem jugeftanben 
toerbe, bie 9lrbeitenben in ifyren ©tubien unb Befestigungen 
burd} ju lautet (Sprechen unb fonftigeS unnötige^ ©eräufd) 
511 ftören. Über bie Beobachtung aüer biejer Borfidjtgmaß* 
regeln unb über bie 2lufred)terf)altung ber Crbnung machen 
bie Beamten al§ ^püter be§ für ben Sefefaal giltigen Seilet 
im BibltotfjefSreglement. 3)enn bie Benu^er be§ Sefefaatö 
finb — unb barin beftefjt bie britte Slntmort auf bie obige 
grage — allezeit an bie genauefte Befolgung ber für ben 
Sefefaal fpe^iell gegebenen Borfdjriften be§ 9ieglement§ 
gebunben. $ln ber äReljraafjl ber größeren Bibliotfjefen ijt 
5. B. borgefdjrieben, baß jeber, ir»eld)er Büdjer auf berBiblio* 
tt)ef benu^en miß, bem im Sefefaale bic 2luffid)t füfjrenben 
Beamten auüörberft 5ln$eige uon feinem tarnen unb (Staube 
madje, bann jebe§ ifjm 511m Sefen roünfdjenSroerte Buch auf 
einem mit feiner Unterfdjrtft unb ber Angabe feiner Söofjnung 
öerfcljenen Settel aufeeicfyne, unb bie barauf empfangenen 
Büd)er beim Söeggeljen gegen biefe Qettei regelmäßig mieber 



Digitized by Google 



<2cc^ie§ ßapitel. ®ou ber »eitufcung bc§ !8üd)ertöct&e«. 317 



abliefere. Gin aurücfgebliebener Settel würbe bie S3er- 
mutung, bafj ba§ betreffenbe Surf) nicht richtig jurücfgegeben 
ttorben fei r begrünben unb im Salle wirtlichen gehlenS be3* 
felben ber Sibliotljef ba§ Stecht fiebern, gegen ben, ber ben 
Settel auSgeftellt ^at, 5lnfprurf) auf Grfafc be§ barauf 
bezeichneten 2Serfe§ $u erheben. 923o ber 3 u ^ rail 9 btä 
IßublifumS aumSefefaale fehr grojj unb mithin bie Kontrolle 
ber Sefer Don feiten be§ Sluffichtöbeamten forcier ig ift, ba ift 
eine berartige Einrichtung burd)au§ jwedmäfjig , ja unent* 
behrlid). Slnber§ bei Keinen Sibliotljefen mit wenig befugten 
Sefejimmcrn, in benen bie Sefer leidet $u beauffidjtigen finb. 
£ier wirb e§ in ber SD^e^r^a^I ber Salle genügen, wenn bie 
Sefudher be£ SefeaimmerS ba$u angehalten Werben, beim 
Gintritte in baSfelbe iljren tarnen unb ©taub in eine bort 
aufgelegte Sifte einschreiben, unb bie jurßeftüre erhaltenen 
Südher beim SBeggeljen au§ bem ©aale bem 2lufficf)t3beamten 
wiebereinzuhänbigen unb nicht etwa auf ben Sefetifchen ein* 
fach liegen ju laffen. 2)ie Anlegung berartiger Siften ift für 
jebe 33ibliotf)ef nü^lid) unb empfehlenswert, nicht nur weil 
fie ju einer $lrt SibliothefSalbum bienen fönnen , au§ bem 
ftch fpäter noch erfehen läßt, wer aöe£ ben Sefefaal behufs 
feiner ©tubien unb Arbeiten befugt habe — unb mit welcher 
©enugthuung wirb fo manche Sibliothef auf ihre Siften, in 
benen fid) Scanner bon fjiftorifchem SRufe eingezeichnet haben, 
jurücfblicfen — , foubern auch, weil au§ ihnen, zumal wenn 
ju ben Tanten ber Sefucher eine furze Angabe ber bon ihnen 
benufcten Südjer hinzugefügt worben ift, paffenbe Unterlagen 
5U ftatiftifchen 3 u f a mmenftellungen über bie am meiften 
gebrausten SibliothefSfächer unb bergleicfjen gewonnen 
Werben fönnen. Sftächftbem finb faft in allen Sibliothefen 
SSorfchriften barüber gegeben, wie ba§ Sßublifum bei ber 
Senu^ung ber Sürfjer 5U SBerfe $u gehen fyabt, nicht 
minber über ben ©ebraud) bon £inte beim Gycerpieren, 
bie Anfertigung Don Saufen unb anbere ähnliche 5)inge. 
$)a§ SSerbot be3 @ebraud)e§ Don £inte imSefefaale ift wol)l 
faum ein gerechtfertigte^ 5U nennen unb um fo weniger $u 



Digitized by Google 



318 



3n>eiter Seil, «om »ücf>etfrf)a£. 



billigen , al£ , wenn man in biefem fünfte fonfequent fein 
wollte, ber ©ebraud) toon Stinte bem Sßublifum aud) bei ber 
Benufcung bon Bibttotf)ef§büd)ern $u £jaufe Verboten werben 
müßte, ma§ natürlich fdjon au§ bem ©runbe nicfjt angängig 
fein würbe, weil man nicf)t bie geringften ÜRittel in Rauben 
fjat, um ber Beadjtung be§ BerboteS üftad)brucf $u geben. 
äRan mag bie Befletfung ber Büdner mit £inte ftreng t>er= 
pönen, unb berartige Befdjmufcungen gleid) allen anberen 
Befd)äbigungen ie nadj Berfjältntö unb oljne 9tücffid)t auf 
bie Sßerfon unb ben ©tanb beffen, bon bem bie Befdjäbigung 
ausgegangen ift, mit ber ©träfe be3 teilweifen ober ganzen 
(Srfa£e§ ber befdjmufcten unb befdjäbigten Büdjer unb 
erforberlidjen gaKe£ mit nod) härteren ©trafen belegen, man 
follte aber fein Verbot erlaffen, beffen burdjgefjenbe Beachtung 
nidjt erjwungen werben fann. Sftur bei ber Benufcung üon 
Äupferwerfen unb 3?id)nungen , beren @rfa& in ber SHegel 
mit großen ©cfywierigfeiten toerfnüpft , ja unter llmftänben 
gan$ unmöglich ift, unb beren etwaiger Befdfjäbigung unb 
Befdjmufcung ba^er, fo gut e§ irgenb angebt, vorgebeugt 
werben muß, ift ba£ Berbot ein üoüfommen geregtes. $lu3 
ebenbemfelben ©runbe wirb man aud) ba£ Berbot alleS 
2)urd)3eicl)nen§ fcon Tupfern auf geölte^ Rapier , woburdj 
bie Unterlagen , bie Tupfer , leid)t ©djaben erleiben , gewiß 
nur billigen fönnen. ©onft muß nod), befjufS ber möglirfjft 
guten Erhaltung ber Bücher überhaupt, alle§ Umbiegen unb 
galten Don Blättern, fowie atleä ©injeic^nen unb (Sinfdjreiben 
in bie Büdjer, unb wären e§ aud) wirflid)e Berichtigungen 
toon $)rucf= unb anberen Sehern , ftreng Verboten werben. 
£at ein Sefer bergteidjen geiler aufgefunben, fo mag er bie* 
felben auf befonberem Blatte bermerfen unb biefe§ bei ber 
3urücfgabe be§ Buddes bem Bibliotl)efar mit einfjänbigen, 
ber bie Berichtigung berfelben banfbar öorneljmen wirb. 



Digitized by Google 



€ed>§te§ Stattet. Eon bcr ©cnufcung De3 33üc$crfdja&e$. 319 



Brüter Stflfdjniff. 

$ie Wehningen barüber, ob e§ ratfam fei, bie 93ütf)er 
öffentlicher Sammlungen aucf) außerhalb be§ betreffenben 
58ibIiotf)ef§gebäube§ benufcen ^u laffen , ftnb geteilt unb e$ 
giebt 5aljlreicf)e Sibliotfjefen, ja 93ibliotf)efen ganzer ßänber, 
an Welmen eine SBerleiljung ber 23üd)er burtfjauS Verboten 
ift. #auptgrunb für eine foldje 9ftaßnaf)tne pflegt man , 
in ber IRegel a^ufüljren , baß burdj ba§ 2lu3leif)en bie (£r* 
Haltung unb ©idjerljeit ber $8ücf)er gefäfjrbet werbe, muß 
aHerbingS jugeftanben werben, baß in jenem Serbote eine 
erfjöf)te@ewäf)r für bie möglicf)ft unfcerfefjrte (Spaltung be§ 
SJücfjerbeftanbeg ^roeifelto^ gegeben ift. ^nbeffen ift bod) auf 
ber anberen ©eite ju berücffid)tigen, baß bie Söibliotljefen, wie 
wir fafjen, nid)t bloß $ur ßrf)altung für bie3ufunft beftimmt 
finb, fonbern üor aßen fingen aud) ben Söebürfniffen ber 
©egenwart möglicf)ft ausgiebig 9ied)nung §u tragen haben. 
2Bo neben jenem Verbote außerbem nod) bie $8enu£ung 
im Sofale auf nur furje Qeit befchränft ift r ba bleiben alle 
bie frönen unb rootjlflingenben Steben über ben SBert unb 
ben 9?ufcen, ben bie Sibtiotfjefen für bie 2Biffenfd)aften haben, 
jum größten Seile leere, ja gerabe^u trügerifcf)e SSorte, ba, 
wenn bem ©elehrten nicf)t Ijinreicfjenbe ©elegenfjeit jur 
33enu£ung ber SitteraturfcJjä^e gewährt wirb, nid)t abjufe^en 
ift, auf welche SBeife Diel 6r{)ebIicJ)e§ für bie SSiffenfc^aften 
* au§ ben 33ibtiotl)efen gewonnen werben tonnte. £>a§ 5ln* 
fammetn öon ©cf^en allein fd^afft gewiß noch feinen duften 
unb §at für ba£ lebenbe ©efdjlecht feinen SBert. 93?an finbet 
benn aud) in ber 53ibliotl)ef3gefdjicf)te genug Belege, baß 
Sibliotljefen, welche litterarifcf}e Reichtümer unb ®oftbarfeiten 
in größeren Staffen aufgehäuft haben, aber ber SBenufcung 
be§ $ublifum3 wenig ftugänglid) finb, für bie 2öiffenfd)aften 
fcon öerf)ältni3mäßig fefjr untergeorbneter unb weit geringerer 
Sebeutung bleiben, al£ üiel bürftiger auSgeftattete ©amm* 
lungen, bie jebod) bem ©ebraudje ihrer 93üd)er weniger 



Digitized by Google 



320 



Gchtüierigfeiten in ben 2Beg legen. Unter allen Umftänben 
muß baf)er bei bem erwähnten Berbote, roie bieg tfjatfädjlid) 
auch bielfach gefd^ie^t r ber Sefefaal bon früh big abenbg 
geöffnet fein , um bem Sßublifum (Gelegenheit §u bieten , bie 
Bibliotfjef $u jeber Sagegjeit unb roährenb einer längern 
9Jeif)e Don ©tunben fjintereinanber benu^en fönnen. Um 
ben auf biefe Sßeife entftef)enben ^ö^eren 5lnforberungen $u 
genügen, bebarf eg freilich eineg toeit größeren Berroaltungg* 
perfonalg, alg bieg unfere beutfd)en 93 ibliot liefen roenigfteng 
burdjfchnittlich aufauroeifen ^aben. ©leid)tt)of)l bürfte ber 
äftef^ahl ber Benu^er tDiffe«fd^aftlic^erS3ibüot^efen,nament- 
lid) ber Uniberfitätgbibliothefen, mit einer Befchränfung ber 
Büdjerauggabe auf bag Sofal, unb fei bieg aud) ben ganzen 
£ag über geöffnet, ficf)er(icf) roenig gebient fein. @g bebeutet 
eben etroag anbereg, ob ber ©elef)rte ein Btbliotfjefgbuch jur 
ungeftörten Slugbeute für feine gorfdjungen im eigenen ftillen 
©tubierjimmer benu^en barf ober ob er unter allen Umftänben 
gelungen ift, bieg in bem immerhin geräufdjbollen Sefefaale 
einer großen Bibliotfjef 5U tf)un; ob er eg für eine abfeljbare 
ßeit ju jeber Sagegftunbe alg ©rgän^ung feineg eigenen 
Slrbeitgmaterialeg fogleid) $ur §anb ^at ober ob er im 
Bebürfnigfalle erft ben ©ang jur Bibliothef antreten unb 
bort nach gesehener Befteßungtoartenfoll, big ihm bag Buch 
überreizt nnrb, bamit er bagfelbe einer, bemnäd)ft $u ttneber* 
tyolenben Sinfic^t unterwerfe. Ein Vorteil beg $lugleif)e* 
berboteg erfd)eint allerbingg burdjaug unanfechtbar, nämlid) 
btefer, baß bei ftrenger Beobachtung begfelben jebeg bor* 
hanbene Sud) auch 8 U i e ^ er &ü auf ber Bibliothef befinblid) 
ift. 2Sie oft fommt eg fonft 5. 93. bor, baß ein Benufcer, 
welcher ein Buch beftellt §at, ben unerfreulichen Befdtjeib 
erhält, bagfelbe fei berliehen. tiefer galt ift natürlich ba 
auggefchloffen, too Bücher überhaupt nicht auggeliehen Werben, 
ßroar !ann auch bei biefer Einrichtung bag Buch im Sefefaale 
bereits bon einem 2lnberen in Befdjlag genommen fein. 2)er 
©udjenbe tt)irb eg bann ebenfomenig ju benufcen bermögen, 
alg wenn eg nach außerhalb gegeben ift. $lber er wirb eg 



Digitized by Google 



<SecIj$tc3 fiapltet. ©on ber Senufoung be§ 93üd)erfcf)a&e3. 



321 



für [ich befteffen fönncn unb bann fein Qkt tt>ett rafcher 
«rreidjen al§ toenn ba§ betreffenbe 93ud^ Verliehen ift. Siefe 
jtveifellofe £h a *f a ä) e maljnt geroiß einbringlich baran, baß 
bie 3tu3leifjefrift nicht ju fe^r au3gebef)nt toerbe , bamit ein 
93ucf) bem öffentlidfjen SSerfeljre nidf)t affjulange entzogen bleibe. 
£ält fiel) biefe in Vernünftigen ©chranfen, bann ttrirb audj 
jener ^ad)tei( fiel) toefentlich Verringern. foH überhaupt 
feine§roeg§ einer jügellofen greiheit in ber Ausbeutung 
ber SBibliotfjefen ba§ SBort gerebet fein, Vielmehr finb 
nid£)t nur, nrie mir fafjen, gemiffe SBorbetjalte in 93ejug auf 
bie Sßerfonen, an meldte öüdfyer Verliesen toerben bürfen, 
mit üftotroenbigfeit geboten, fonbern auch mancherlei 33e* 
f d^ränfungen im SluSfeiljen ber 93ücher jum 3mecfe ber beff eren 
©rhaltung unb (Sicherung namentlich ber wertvolleren öeftänbe 
ber (Sammlungen gan$ unumgänglich, Sefchränfungen, bie in 
SJerbinbung mit möglichfter Erleichterung ber SBücherbenujjung 
im Sefefaotc baju bienen fotlen, bem bei un§ in ber £fj a * oft 
bi§ 5ur Ungebühr gefteigerten Crange be§ $ßublifum§, bie 
33ücf)er lieber $u §aufe al§ mit geringerer Sequemlichfeit im 
33ibliotfjef§Iofa(e ju benufcen, gemiffe Von bem SBotjle ber 
93ibliotf)efen einerfeitä unb bem ^ntereffe ber Allgemeinheit 
anberfeitö geforberte ©renken ju fe&en. 

2Ba§ nun juvörberft biegrage anbelangt, toem e8 jufte^en 
foffe, Söüdfjer 5U entleihen, fo muß fyex bie Antwort für ba§ 
größere ^ßublifum entfcf)ieben ungünstiger lauten, al§ bie§ bei 
ber ähnlichen grage über ba§ SRe^t be§ ßutritteS 5um Sefe* 
faale ber gaff fein burfte. SBenn fich auch au§ ber ©eftim- 
mung toenigften§ ber jafjlreichen öffentlichen 93ibliotf)efen 
fein ©runb ableiten läßt, bem gefamten Sßublifum ba§ SRecfjt, 
baß e§ biefelben audh burch Seihen Von Suchern benu^en 
bürfe, absprechen, fo forbert bod) jener anbere fttotd ber 
3Jibliotf)efen, aufbewahrt 5U werben, Von feiten ber Senufcer 
gewiffe ©arantien ber Sicherheit, weldje ba§ gefamte 
Sßublifum ju 'bieten nicht im ftanbe ift. 6§ liegt bafjer auf 
ber £anb, baß ba§ SRedjt ber $8enu&ung burch Seiten Von 
Süchern nur bemienigen Seile be§ 5ßublifum§ 5ugeftanben 

©raefet, miioW Sichre. 21 



Digitized by Google 



1322 



gtceitei- teil. IBom S3ütf>erfd>cife. 



werben fann, tDel^er bic bon ber (Sicherheit ber (Sammlungen 
notwenbig bebingten ©arantien leiften toermag. Söelc^c 
©arantien Verlangt aber bie Sicherheit ber SBibliotfjefen ? 
$)ie befte unb juberläffigftc ©arantie würbe allerbing§ bie 
gefunbe äRoral be3 ^ublifumS unb beffen Überzeugung fein, 
baß if)m bie 93ibtiotf)efen ihrer SJeftimmung nad) mof)l ein 
9fed)t auf 33enufcung, nid^t aber auf $lbnufcung, ein Stecht 
auf orbentlid)en ©ebraud), nimmermehr aber auf äRißbrauch 
ober $erbraucf) ber 33üd)er gemäßen: in ber 9teblicf)feit ber 
Sefer würbe ben 33ibüothefen bie fid)erfte@ett)äf)r für unber* 
fefjrte unb gute (Erhaltung if)re§ bertiehenen ©gentumS 
gegeben fein. 23o aber finbet man biefe $Keblicf)feit? 2ftit 
(Sicherheit in fo äußerft feltenen gällen , baß auf eine fo(cf)c 
SBürgfchaft, wenn fie aud) ber 33ibliotf)efar ausnahmsweise 
unb auf feine eigene ©efaljr unb SSerantwortung hin gelten 
laffen mag, bod) in ben allgemeinen SJorfdjriften über bic 
93enu£ung ber 33ibtiothefen nicht Weiter SRücffidljt genommen 
Werben fann ,97 . £)ie $8ibliothef§regfement§ müffen burchaue 1 
auf 5uberläffigere Söürgfchaften bringen, bie fid) auf bie 
äußeren S8erf)ältniffe ber fiefer ftüfcen. Sflan h Q * ^a^er ba§ 
9tecf)t ober , um mit anberen 511 reben , bie SSergünftigung, 
33üd)er au» ben 33ibtiotljefen mit 'nad) |>au§ entleihen $u 
bürfen, tebiglid) folgen ^ßerfonen $ugeftanben, welche ent* 
Weber burd) ihre öffentliche (Stellung ober burd) materiellen 
33efi£ bie ©ernähr 51t leiften im ftanbe finb , baß fie ba£ 
©eliel)ene unberfehrt jurüefgeben ober, fatt§ fie baran ber- 
Ijinbcrt fein foflten, für ba§ ©cfdjöbigtc unb SSerlorene boll* 
ftänbigen (£rfa£ gewähren fönnen. 

Selbftbcrftänblid) ift e§, baß biejenigen, Welche ber 33iblio* 
tfjef gegenüber als" garantiefäf)ig gelten unb bc^^atb SBücher 
mit nach §aufe geliehen ermatten , nun auch * m ftanbe fein 
müffen , burd) Söürgfdjaft anberen $u gleichem ©enuffe 5U 
bereifen. 9^inbeften§ möchte in betreff ber Sicherheit, um 
berentwillen ja lebiglid) ben Sefern ©orantieleiftung abge* 
forbert wirb, fein begrünbete§ Siebenten bagegen $u erheben 
fein, baß bem, für welchen ftd) ein ©arantiefähiger 5U Der* 




6ed)3te$ Äapitcl. 9?on ber <8emt$mtg bc§ »fi<$ttfäü*e*. 323 

bürgen bereit ift, gleich biefem ebenfalls $3ücf)er ofjne Slnftanb 
gelteren werben fö'nnen. £enn wenn auef), wie e§ gewöhn- 
lid) ber gaff ift, bie eingeführte Drbnung erf)eifcf)en foffte, 
bafj junächft ber eigentliche (Empfänger ber 93üd)er für bereu 
pünftliche unb unoerfefjrte SHücfgabe 511 fjoften höbe, fo ton» 
fich bod) bie Söibliothef, im gaffe bafc bie Dtücfgabe tt)eber 5U 
rechter 3eit, noch * n oer gebüf)renben SSeife ober überhaupt 
gar nitf)t erfolgt , in subsidinm an ben Bürgen Doli fommen 
fo holten, a!3 h a & e tiefer felbft bie SBücher empfangen. 2)ie 
93ibtiothef toirb bemnach unter äffen Umftänben fjiufichtlich 
ihre§ (£igentum§ fcofffommen fidler geftefft fein. Sftur in 
9*ücfficf)t auf bie S3ibIiotI;cfarc, bie für ihre ^erfon gewi& 
a(§ garantiefähig gelten unb atfo aud) ba3 Mecf)t hoben 
müffen, SBüdjjer au§ ber 33ibliothef mit fief) nach $aufe 511 
nehmen (natürlich Dorau3gefe£t, ba§ bie über ba3 Verleihen 
üon Vüchern beftimmten 23orfcf>riften aud) für bie Viblio* 
thefare mafsgebenb finb) , fdjeint ba§ SBebenfen, ob auch f* e 
für anbere at§ Bürgen auftreten fönnen, nidjt ganj untere 
brüeft werben $u bürfen. SSiewofjl e§ an fich nicht gan^ 
billig fein würbe, Wenn man bem 33ibliothefar ba§ Stecht, 
für anbere SMtrgfchaft leiften $u bürfen, abfprecfjen wollte, 
jumal Don ihm gerabe am affererften 5U erwarten ift, baß 
er im wahren S n ^reffe für bie feiner Dbfjut anvertraute 
(Sammlung mit feiner 33ürgfcf)aft fein leid)tfinnige§ ©piel 
treiben, unb biefelbe gewiß nur fixeren unb würbigen ^Ser* 
fönen gewähren werbe, fo fcfjeint e£ boch für ben Vibliothefar 
feiner Stellung wegen nicht ratfam §u fein , ben SSünfcf)en 
berer, welche fich m ^ $Hf e feiner 53ürgfd)aft bie SBibüothef 
5ur Venu^ung außerhalb be3 SofaleS zugänglich &u machen 
fuchen, affju bereitwillig entgegenkommen. 2>enn abgefef)en 
banon, baß biefe Vereitwiffigfeit für il)n ntrfjt geringe Utt* 
becfuemlidhfeiten unb Verlegenheiten herbeiführen fann, ba fich 
gerabe ber 33ibItothefar, wenn er einmal feine (Geneigtheit §ut 
Übernahme uon ^Bürgschaften bem ^ublifum gezeigt hat, ben 
barauf gerichteten ^Bitten unb Sßünfchen be§felben am affer« 
meiften au^gefe^t fehen wirb, unb bann nicht immer , ohne 

21* 



Digitized by Google 



324 



3»cttct Seil. Com 93ücfjcrfc$afe. 



anzuftofeen, im ftanbe fein möchte , bie Erfüllung oon ber* 
gleichen ©efuchen fcon fid) abzulehnen, fo bürfte auch ber 
öibliothefar in geißen, roo er fid) für läffige ^ßerfonen Der* 
bürgt hätte, unb für btefe in subsidium einzutreten ttrirflich 
genötigt toerben foüte, in bie nicf)t ganz fd)icflidje Sage fommen, 
baf$ er, ber al§ Bürge bie Bürgfchaft zu Vollziehen, 3ugleid^ 
af§ SKbliotf)efar auch über ben richtigen aSott^ug zu machen 
hätte. (Sine folcf)e Doppelrolle ^at immer ciel 3Kif$liche§, 
unb ba§ an einigen Sibliothefen beftefjenbe Serbot , bafc ber 
$8ibtiotf)efar feine Söürgfdjaft für anbere übernehmen bürfe, 
finbet barin feine Erflärung unb feine burd) ba§ Sntereffe 
be§ 33ibtiotf)efar§ felbft gegebene Begrünbung. 

$ie Kaution fann entroeber nur für einzelne Salle ober 
für längere 3>auer ©eltung haben, b. fj. mit anberen SBorten, 
bie 8ürgfd)aft gilt entmeber blof* für einzelne beftimmte 
23erfe, bie jemanb zu leiten ttntnfdjt, ober für eine getoiffe 
^Jerfon überhaupt, roeldjer baburd), fei e§ bi§ ju einem 
beftimmten Sermine, fei e§ auf ungetoiffe Seit hin unb ztüar 
fo lange, al§ bie 93ürgfd)aft nicht au^briiefüc^ oon bem 
Bürgen zurüd genommen korben ift, ba§ 5tted)t gegeben 
toirb, Büd)er unter ber©arantie be§ Bürgen au§ berBiblio* 
tfjef entlegnen zu bürfen. %m erftern Salle genügt e§ , baß 
ber Bürge ben oon bem Empfänger über bie geroünfcf)ten 
Büd)er au§zuftetlenben Empfangfd)ein mit unterzeichnet unb 
fein „Cavet" ober „Verbürgt" hinzufügt, wogegen im lederen 
Salle bie SluSfteHung eineS eigenen Bürgfchaftfd)eme» 
erforberlid) ift, ber nach ber Beftimmung einiger $lu3leifje* 
orbnungen unter Llmftänben, fall£ nämlich bie Unterfd)rift 
bem Bibliotfjefar unbefannt fein ober zu Bebenfen 2lnlaj$ 
geben follte, aud) noch e * ner gerichtlichen , notariellen ober 
f onfttgen oon einem zur güljning eine§ SlmtSfiegelS berechtigten 
(Staatsbeamten üorzunef)menben Beglaubigung bebarf. $iefe 
©Cheine müffen natürlich öon bem Bibliotfjefar forgfam, am 
beften in alphabctifcher Drbnung nach ben tarnen ber 
Empfänger, aufbewahrt merben, auch ift noc h eut befonbere» 
9iegiftcr über bie einzelnen Bürgen anzulegen. 



Digitized by Googl 



geriete* Äß^Uef. Con ber ©enufcuttQ beß «ücfyerfcfjafreS. 325 

2J?it ben ^Bestimmungen barüber, wem bic Sücher anVer* 
traut werben bürfen, ^ängt bie ^Beantwortung folgenber bret 
gragen eng Rammen, nämlich : 2)arf e§ geftattet fein, baß 
jemanb SBüdjer, bie er au§ ber SBibliotfjef geliehen §at, 
eigenmächtig wieber an anbere verborge? $)arf jemanb auf 
feinen tarnen unb ohne SBorwiffen be3 93ibliothefar£ 93üd^er 
für anbere fid) geben laffen? S)arf jemanb bie au8 ber 
SBibtiotljef erborgten Sücfyer ohne SBiffen unb bitten be§ 
SBibliothefarS auf eine SReife mit fid) nehmen , ja barf e3 
erlaubt fein, baß jemanb beljufg einer Steife feinen SBoljnort 
Verläßt, ohne Vorher bie geliehenen 93üd)er an bie 33ibliott)ef 
5urüdfgeliefert 5U h^ben, ba, fatt§ er bie§ ju thun unterlägt, 
bie Vermutung, baß er fie auf bie SHeife mitgenommen habe, 
ebenfo nahe liegt wie anberfeitö bie33eforgni§, obbie93üd)er 
auch in fixerer 33erwaf)rung jurücfgelaffen feien? 9We biefc 
gragen muffen unbebingt Verneint werben. 2)er ©rünbe 
baju finb mehrere, $ie 93ibIiot§ef hat nicht nur ben unbe* 
ftreitbaren $nf prudf) barauf , $u Verlangen , baß fie jeberjeit 
wiffe, in treffen £änben fich bie ihr augehörigen 58ücf)er 
befinben, bamit fie erforberIichenfaߣ in ber möglich fürjefien 
Seit bie 3 u *ücf lieferung berfelben bewirf en fönne, fonbern 
auch ba§ 9?ed)t, barüber, wem 33ücher anvertraut unb wa§ 
für 93ücher an ben einen unb ben anberen Verliehen werben 
f ollen, nach eigenem ©utbünfen unb nach ben be^h^b getroffenen 
Seftimmungen 5U entfeheiben. gerner ftefjt e£ nur ber SBiblio* 
thef ju, nicht aber bem, ber SBüdjer geliehen hat, $u beurteilen, 
ob ba§ im Drte Verliehene SBud) fich auch allemal ba5u eigene, 
außerhalb be§ CrteS wanbern ju bürfen. 2£er feiner ©ad)e 
ganj ficfjer 511 fein unb buref) SSeiterVerleihung geborgter 
93ücher an anbere, fowie burch ba§ Mitnehmen Von 93üd)ern 
auf {Reifen bie SMbliotljef nicht ju beeinträchtigen glaubt, ber 
mag getroft offen $u SSerfe gehen unb nichts ohne ffiormiffen 
be§ S8ibliotf)efar§ tf)un , welcher ben in biefer §inficf)t Vor* 
gebrachten SSünfdjen, wenn fie ben 3>ntereffen ber öibliotfjef 
nicht juwiber finb, fich abgeneigt 51t geigen feinen Einlaß haben 
bürfte, in ber SSorau^fe^ung unb unter ber ©ebingung, baß 



Digitized by Google 



326 



Swetter £etl. Com JBüdjerjdM. 



bie Angelegenheit i^re gefd)öftltcf)e Grlebigung im Ausleihe* 
bureau ber Söibltot^ef finbe. Verheimlichungen haben oft 
ihren ©runb nur barin, weil man aus geredeter gurcht, baß 
Don feiten ber ©ibliothefSbeamten ben Sitten fein ©ef)ör 
gefcf)enft werben fönne, biefe überhaupt aussprechen 
fid) fd)eut. 

SSaS im SBorfteljenben über baS Verleihen toon 53üd^ern 
gefagt korben ift, betrifft auSfchließlid) bie Ausgabe öon 
93üd)ern an ^erfonen beS DrteS, wo fid) bie betreffenbe 
2Jib(iotf)ef befinbet. ©S tritt aber aud) t)äufig ber gaff ein, 
baß Auswärtige ©üd)er entleihen roünfd)en. $)iefe bon 
ber leihweifenSBenufcungber Sammlung gan$ auszufließen, 
Wäre gewiß — Wenn man einmal eine Söenufcung außerhalb 
beS SibliotfjefSgebäubeS jugefte^t — eine in fcielfadjer $in* 
fidjt ungerechte unb mit bem ßroetfe ber SBibliothef nicht ju 
fcereinbarenbe 9Raßregel. SefonberS ift in Se^ug auf bie 
großen ftaattid)en SSütfjerfammfungen nid}t eingehen, weS* 
halb DrtSanfäffige bor fonftigen (Staatsangehörigen einen 
Sorjug genießen foüten. Aud) ift nicht jeber ferner SBo^nenbe 
in ber Sage, jährlich eine beftimmte Qeit am ©ifce einer 
öffentlichen Sibliothef zuzubringen. GS muffen ba^er Sie* 
ftimmungen barüber getroffen werben, wie eS mit bem S3er* 
{cif)en öon 33üd)ern an Auswärtige $u galten fei. Aud) 
hierbei wirb als allgemeiner ©runbfa^ feftgetjalten werben 
bürfen, baß mit SorwiffenbeSDberbibliothefarS Sucher of)ne 
Weiteres an ^Jerfonen ausgeliefert werben bürfen, welche Ver- 
möge if)reS Gimtes ober ihrer gefefffchaftlid)en (Stellung Don 
Vornherein ©id)erljeit bieten ; baß bagegen in allen übrigen 
Söffen boffgiltige Söürgfc^aft geforbert wirb, Welche für bie 
Angehörigen frember ©taaten aud) feitenS ber im Sanbc 
flffrebitierten ©efanbten unb Sonf uln auSgeftetlt werben fann. 
Sn fehr große Entfernungen werben Söüd^er in ber Siegel 
nur auSnahmSwcife geliehen werben bürfen, weil fonft, wenn 
man öfters Söüdjer in weite gerne fdjicfen woffte, Wegen ber 
bamit notwenbig Derbunbenen längeren Abwefenfjett berfelben 
bie übrigen Söefucher barunter leiben müßten, fallen Söffen, 



Digitized by Google 



€e$3te6 Äapltct. IBon ber Senufcung &c8 8uc§«rfdja&e5. 327 



in meldten ein SBerfanb ftattgefunben tjot, toirb bei ben mancher- 
lei mehr ober minber großen ©efahren, benen jeglidjel 93ud), 
Wenn e$ einmal Verfdjicft toirD , unterweg§ au£gefefrt ift, 
begreiflicher SBeife jeber für bie mögtidjfte ©idjerung be§ 
93ibliothef§eigentum§ beforgte Sibliothefar entfdjieben barauf 
bringen, bafc ber Empfänger bie Seförberung ber an bie 
S8ibliotf)ef jurücf^ufenbenben Sücher bloß ben anerfannt 
fitfjerften ©elegenljeiten, ben öffentlichen 5ßoften, bereu fid) 
auch ber SBibliotljefar au§fd)lie&lich jur gortfenbung bebient, 
anvertrauen nnb nicht etwa ba$u Sßrivatgelegenhetten benufceu 
barf, auch jebe wertvollere ©enbung befonberS Verfichert. 
SDie Soften aller ©enbungen fowof)l fyn al3 jurücf hat, wie 
fich Von felbft verfteljt, berjenige allein ju tragen, Welcher bie 
Sucher ju leihen wünfebt; benn e§ fann ben Sibliothefen bei 
aller ihrer Verpflichtung, Ruberen ju bienen, nicht jugemutet 
werben, bafc fie, um biefen nüfclich 8u fein, auch noch & are 
aKittel aufmenben f ollen. 

Natürlich müffen ieber öibliothef bie auSreidjenben 2Rittel 
^u ©ebote gefteüt fein, bamit fie bie Säumigen unter ihren 
Sefern, wenn auch m ^ a ^ em HHffanfdjaftlidjen $lnftalt 
gebührenben Slnftanbe, bod) mit 9Zad^brucf unb (Strenge jur 
Orbnung mahnen, unb bie trofc alleä 9Kahnen§ bennoch 
Säffigen unb SSiberfefclichcn mit Unparteilichfeit unb ohne 
2lnfef)en ber $erfon ftrafen fönne I9S . SDtefe ©trafen beftehen 
entroeber in ©elbftrafen ober im SSerlufte be§ 9ied)te3 ber 
Senufcung. 2Ba§ 5uerft bie ©elbftrafen anlangt, woju gewiffer* 
maßen aud) bie burd) amtliche Sajatton ju ermittelnben 
Grfa^ahlungen für befdjäbigte ober Verlorene Sucher 199 
fowie alle ©ebüh^en für bie burd) Sd)ulb ber 2efer nötig 
Werbenben Mahnungen gerechnet werben fonnen, fo hängen 
biefe, wie fich toon fd&ft öerfteht Von bem ab, wa§ barüber 
im Reglement im Vorauf beftimmt ift, unb bem fidj bieSejer 
mit Sinnahme be§ 9teglement3, gleichviel ob ftitlfchmeigenb 
ober auSbrücflicf), unterworfen höben. Über bie ©renken be§ 
9ieglement£ t)inau^ fann bie Strafgewalt einer öibliotfjef nie 
reichen, gür leichtere Vergehen werben ©elbftrafen, bie 



Digitized by Google 



328 



^weiter £eü. 83om ©ürficrfdias. 



aufjerbem ben 33orjug fjaben, ber Sibliotfjef einigen pefuniären 
©eJüinn bringen, in ber Siegel genügen, obwohl fie nicf)t 
ju ben mirffamften SDtitteln, tooburd) bie Drbnung unb ©id)er* 
l^eit im $öibliott)ef£f)au§ljalte erhielt ttrirb, gc3ä^lt werben 
bürfen, ba biefelben bie 5Rad)teile, meldte burd) fie toerfolgt 
toerben, im allgemeinen toenig ju Derfjüten im flonbe finb. 
Sn biefer §infid)t finb bie im 33erlufte be3 SRedjteS ber 
Söenufcung befteljenben ©trafen, tt)eld)e freiließ nur in bef onber£ 
f elfteren gällen §ur Slntoenbung gelangen bürfen, Don weit 
größerer SBirf jamfeit. tiefer SBerluft, ber auf Seit ober auf 
SDauer aU ©träfe toerf)ängt merben, unb fid) enttoeber nur 
auf einen getoiffen Seil ber Senufcung befdjränfen ober auf 
ben ®ebraud) ber SBibliotfjef überhaupt erftreden fann, ift 
o^ne3tüeife( ba3 geeignetfte Littel, grobe SBernadjläffigungen 
unb arge Sergefjen gegen bie ©ibliotfjef auf ba£ empfinblidjfte 
5U aljnben, unb biefe fcor ber SBieber^olung möglid)ft fidjer 
5U ftellen. SDie örtlichen fotoo^l al§ perfönlid)en Serljältniffe 
finb bei ben toerfd)iebenen ©ibliot^efen $u toerfdjieben öon 
einanber, al§ baß etma§ Spezielleres über bie $ntt>enbung 
ber ©trafen fid) fjier feftfteHen ließe, nur barauf möge nod) 
l)ingett)iefen fein, baß eine ftrenge Kontrolle im Sefefaale unb 
bei ber {Rücklieferung ber 93üd)er al§ erjietjenbeS Littel Diel 
ba$u beitragen fann, leichtfertigen ©djäbigungen be£ Siblio* 
tf)ef§eigentum£ unb forglofen Übertretungen ber 93ibliot^e!^ 
orbnung tfjunlidjft Vorzubeugen. 

9?id)t jeber, ber um feiner ttnffenfd)aftlicf)en Arbeiten 
toißen ba£ ttof)lbegrünbetfte 9?ed)t fyätte, bie öibliotljefen 
benujjen ju bürfen, ift fo glütf lidj, aud) im 33efi£e ber Sftittel 
ju fein, um bie if)tn burd) bie SBeftimmung ber SMbliottjefen 
getoäljrten Slnfprüdje nad) jeber Stiftung tjin in ber erforber* 
lidjen SSeife geltenb madjen 5U lönnen. Sie oft meite Seme, 
toeldje trofc aller in ber 9Zeu jeit reid)lid) gebotener SSerfe^r^ 
erleid)terung§mittel bod) für ben 23üd)eröerfel)r ein toefent* 
lid)e§ £inberni£ bleibt, ift ber ©tein be£ $lnftoße§, an bem 
bie Söünfdje fo mancher um bie SBiffenfdjaft fcerbienter unb 
ber litterarifd)en Untcrftü Jung toürbiger ©elefjrten §u f Reitern 



Digitized by Google 



329 



brofjen. ©3 bleibt benfelben in jaljlreidjen gälten faum ettoaS 
anbereS übrig als fid) auf bem SBege be§ brieflichen 23erfeljr£ 
mit if)ren Anliegen an bie ©efäfligfeit ber $üter unb Pfleger 
ber 93ibliotf)efen 5U roenben unb biefeum$uSfunftüberfold)e 
Sucher ju bitten, beren£urc§fid)tunb<Stubium für fie felbft 
unerreichbar ift. Obfcf)on e£ fid) öon felbft fcerftel)t, baß e£ 
fid) ber feines $lmte£ mit ©ruft unb Eifer ttmrtenbe Söiblio* 
tfjefar aur $f(id)t machen toerbe, biefenoft ebenfo intereffanten 
als üftufcen bringenben Anfragen bie möglid)fte 33erürffid)tigung 
3U fdjenfen, fo möchte eS bod> bei bem großen 3eit* unb 
SWüfjaufroanbe, ben bie fjier^u notroenbigen 9?ad)forfd)ungen 
in ber Siegel erf orbern, mit ben übrigen 9lmtSarbeiten beS 
93ibliott)efarS faum Vereinbar fein, ifjm bie unbebingte 83er* 
Vfttcfjtung aufzuerlegen, allen Don auStoärtS fommenben 
Anfragen unb SBünfd)en in jeber §infid)t 5U £)ienften §u 
flehen, befonberS loenn biefelben etroa übertriebene Slnforbe* 
rungen ftellen füllten. ©leid)tt>of)l muß baS feft beftimmt 
fein, baß grunbfäjjlid) feine Anfrage fcon SluSmärtigen ofjne 
eine $lntroort bleibe. 

SSir fommen jcjjt ju ber zweiten für bie 93enu{jung ber 
93ibliotfjef außerhalb beS ©eböubeS bebeutfamen Srage, roaS 
barf alle§ toerlieljen tterben? Unter 23eobad)tung ber für bie 
Erhaltung unb (Sicherheit ber Sammlung gebotenen ©in* 
fd)ränfungen einerfeitS unb ber 33erücffid)tigung ber SBebürf* 
niffe beS SefefaaleS anberfeitS nMrb bie Slntmort baljin lauten 
müffen, baß in ber Siegel alle SBüdjer auSgeliehen toerben 
bürfen, bie als Quellen ober Hilfsmittel ber 28iffenfcf)aft 
unb Sunft, nüfclidjer ffenntniffc unb geiftiger SBilbung 511 
betrauten finb, aber nur infofern, als beren 9luSleif)ung toeber 
mit befonberen Üfiad) teilen für bie SBerfe felbft öerbunben ift, 
nod) of)ne ^Beeinträchtigung beS allgemeinen ©ebraudjeS 5um 
Sftachfdjlagen im Sefefaale gefd^et)eu fann. 9luS biefer Gr* 
flärung folgt, baß alle unerfe£lid)en ober minbeftenS fd)tt>er 
lieber 5U erfe&enben loertooEen Serfe, tr>ie §anbfd)riften, 
Urfunben, ^nfunabeln unb bergleidjen, in ber SRegel nid)t 
auSgeliehen werben bürfen, baß ferner baS Verborgen Don 



Digitized by Google 



330 



Stoelter Xcil. SJom £Büc^erfcf>a^. 



foftbaren Jlupfertoerfen, ^jaubjeichnungen unb harten, toeldje 
fclbft bie geringfte Serlefcung nid)t of)ne fe^r tucfentlicfjen 
9Jad)teil bertragen mürben, fd)led)terbing§ unterbleiben müffe, 
unb bajj enblich Don ben au^uletfjenben 93üd)ern ade bie? 
jenigen, toeld)e 511m allgemeinen (Gebrauche in ber 93ibliotf)ef 
bicnen, al§ ßnctjflopäbien, 2BörterbüdE)er unb ©loffarten, 
anbere 9^a<i)fcf)Iage= unb §anbbüd)er, befonberS aud) ber ben 
Beamten unentbehrliche bibIiograp()i{c^e Apparat, fonrie gan3e 
Siethen bänbereidjer Sßerfe, manche ©ammelbänbe, ßitteratur* 
5citungen unb ©djrifteu gelehrter ©efeUjc^aften für gemöfjn* 
lieh au^gefc^Ioffen bleiben foßen. 5Tud| bürfen ungebunbene 
Väiidpx, foroie foldje, bie noch nicht geftempelt ober nodjnid)t 
in bie Stataloge eingetragen ftnb, unter feiner öebingung au§* 
geliehen werben. SSenn bei einer foldjen (£infd)ränfung auch 
bie 2Bünfd)e 3af)lreid)er Söcnu^er, bie eigennü^ig genug ftnb, 
mehr an fid) unb ihr perfönlicheS ^ntereffe al§ baran ju 
benfen, baf$ bie 93ibliotl)efen nicht bloß ihnen, fonbern auch 
fid) felbft unb auberen gegenüber Skrpflichtungen fyabcn, 
unbef riebigt bleiben muffen, fo ftnb bie genannten 33eftim* 
mutigen bod) alle berartig, bafj feine 93ibliotf)ef, bafern fie 
nicht teil§ ihre eigenen 3>ntercffen afl^u fehr gefährben, teil§ 
bie ber ®efamtf)eit be£ SßubtifumS f>iit fid6>tlid^ ber öenujjung 
ber Bücher eingeräumten Siechte jugunften einzelner beein- 
trächtigen Hütt, fid) gnutbfäjjlidje Slbroeidjungen babon 
erlauben barf. 2So erforberlid)enfalI§ einmal eine $lu£naf)me 
angezeigt ift, ba ift foldjer nur mit ber äußerften Sßorftc^t 
unb SJehutfamfeit ftattpgeben, inbem namentlich bie $e\U 
bauer ber 33enu&ung auf ba» geringfte Sftafc befchränft ttnrb. 
9tad) bem Verfahren einiger Söibliothefcn barf biefelbe nur 
biejenigen Stunben umfaffen, tuäl)renb tueldjer ber Sefefaal 
gcfd)loffen ift. SöefonberS ift jene $8orfid)t in Se^ug auf bie 
$>aubfd)riftcn nottuenbig, für bie im Salle cinei SBerlufte§ 
entfpred)cnber Grfajj in ber 9kgel gar nicht geleiftet loerbcn 
tarnt. (£inheimifd)c ^erfonen lucrben baljcr beren Söenufcung 
nur im Sefefaale ober einem anberen mitunter eigene bafür 
eingerichteten Siaume ber 53ibüott;ef felbft Vornehmen bürfen, 



Digitized by Google 



eedjatc* fiapitel. 9Jon bec Scnufcung be-3 93üc^ccffl)afec3. 331 



toobei man jur probiforif<f)en Slufberoaljrung ber SÖianuffriptc 
iuafjrenb ber Qtit if)rer 3"onfprucf)nafjme neuerbiug§ ber- 
fd^ließbare Säften nadE) Sftufter ber in gig. 31 mit abgebilbeten 
Sabe in 2lnroenbung gebraut t)at. ©3 fragt fidf) ^iemad^ 
lebiglicf) nod), ttrie gegenüber ben SB ünfdfjen 5lu§roärtiger Der* 
fahren roerben f olle. $n $iublicf auf bie unleugbaren ©efaljren, 
welche, tok gefagt, ben Suchern beim SSerfanbe nacf) au§* 
iüärt§ brofjen, l)aben einige ©ibliottjefen bte Seftimmung 
getroffen, £anbfchriften niemals unb unter feiner 33ebingung 
au^uleihen. Sin anberen Slnftalten glaubt man bie SJer* 
fchicfung nach au3roärt£ jmar ntd^t unbebingt unterfagen 5U 
bürfen, überläßt aber bie SBerleifjung nidt)t ber ffintfc^eibuug 
be§ 33ibliotl)efar§ allein, fonbern macht biefelbe bon ber 
befonberen ©eneljmigung ber Dberbefjörbe abhängig, gür 
ben Söibliotljefar mag ein fotcher Sorbehatt ben öorteil haben, 
baß er fich nicht nur, roenn infolge auSroärtiger Serfenbungen 
ber 93ibliotl)ef eingaben ern>äd)$t, aller unb %xoax oft nicht 
unbebeutenber SBerautro örtlich feit enthoben, fonbern fidf) unb 
bie 33ibliotl)ef aucf) ben manchmal läftig anbrängenben 
2Bünfcf)en SluSroärtiger nach 3 u f e nbung bon £janbfcf)riften 
unb bergleicf)en ungleich weniger au§gefefctfief)t, at§ wenn bie 
(Erfüllung berartiger SBünfdje lebigltch feinem ©utbefinben 
anheimgegeben ift. 2)ie Grfa^rung hat nämlich gelehrt, baß 
ba§ ^Jublifum ba, wo bie ©efucfje um 2)arleif)ung bon 
(Schriften erft bie ©tabten ber Formalitäten ^ö^erer ©e* 
ttehmiguug ju burc^laufen haben, mit feinen Söünfdjen jurücf* 
Ijaltenber unb, man barf tooljl fagen, weniger leichtfertig ift 
ol§ ba, roo e§ feine bitten nur in ein paar höflichen unb 
freunblic^en $tikx\ gegen ben 33ibliotl;efar aussprechen 
brauet. Sluf ber anberen (Seite bebeutet inbeffen jener 33or* 
behalt eine fo fühlbare Söefdtjränfung be£ leitenbeu 33iblio~ 
tf)efar§ gerabe in einer feiner toejentlid)ften Söefuguiffe, nämlich 
über bie $öenuj)ung ber if)m anvertrauten (Sammlung in le^ter 
Snftan^ felbft entfdjeiben ju bürfen, baß bie ermähnten $8or* 
teile hiergegen Völlig 5urücftretcn. QnOmx ttrirb bie Dber= 
beljörbe bei ihren (X*ntfd)ließungen über bie eii^elnen ©efudje 



Digitized by Google 



332 



3tt)citcr Xetl. SBom 33ücf}crfcf)n&. 



bod) im wcfentlidjcn immer auf ba§ ©utadjten be§ 93iblio* 
tljeforg 5iirücfgefjen müffcn, ber feinerfeitg — wenn anber£ 
er ben an ifjit 3U ftedenben $lnforberungen nur einigermaßen 
entfpridjt — fo biet geftigfeit be§ SßittenS befifcen wirb, um 
2Bünfd)e, benen nid)t ein bringenbe§ töiffenfc^aftüc^eg 9Jebürf* 
ni§ jugrunbe liegt ober bie über ba§ Sftafc be3 (Erfüllbaren 
hinaufgehen, aus gürforge für ben feiner $ut übergebenen 
^anbfa^riftenfrfjajj einfad) al^uweifen. Sßenn bemnadj bie 
(Intfdjcibung über ben SSerfonb öon ÜDfanuffripten ruf)ig bem 
Grmeffen be§ DOerbtbltotr)e!ar§ überlaffen bleiben barf r fo 
möge bamit 3ug(eid) auSgefprodjen fein, baß ein foldjer 83er* 
fanb unter Umftänben aud) wirflid) ftattfyaft ift. giebt 
aud) r)ier ba§ Sntcreffe ber SSiffenfdjaft ben $lu3fd)lag gegen* 
über ottju ängftlidjen 33ebcnfen unb ber einfeitigen $eröor* 
hebung be§ 3^ecfe§ ber ^Bewahrung ber Söibliotljefen bor 
bem ameiten, g!eid)Wertigen $mdc, nämlid) ihrer möglidjft 
frudjtbringenbcn Serwertung. 3)od) füllten §anbfd)riften 
— bei beren Serfenbung natürlid) ade SorfidjtSmaßregeln 
ai^uiüenben finb — aud) ben auswärtigen ©elehrten nie* 
mal§ in bie eigene 33cl)aufung, fonbern ftet§ ber öffentlichen 
Söibliotfjcf ifjre§ 2Bol)nfi£e£ ober, wo eine foldje fefjlt, ber 
Cbljut einer ftaatlidjen ober ftcibtifdjen 33ef)örbe anvertraut 
werben, um bei feuer- unb cinbrud)§fid)erem ©ewaljrfam 
unter 9luffid)t iljre im DorauS 3eitlid) feft begreife 33enu£ung 
51t finben*- 00 . 

SBtr haben 511m ©djtuffe nod) ba£ gefd)äftlid)e Serfafjren 
beim ?lu§leifjen ber Söüajer in 93etrad)t 311 jiefjen 201 . 

83or allem ift l)ier 93eftimmung barüber 3U treffen, ju 
welker Seit ber jenige, ber $8üd)er 3U leiten berechtigt ift, 
ba§ ©ewünfdjte in Empfang nehmen fönnc. liegt im 
<2imie ber mogüd) beften 33enu^ung jeber 33ibüotfjef, baß 
biefe, fo oft fie überhaupt 3itr Sßenujjung 3ugänglid) ift, aud) 
für bie, weldje $3üd)cr 3U teilen wünfdjen, offen ftelje, unb 
bie 2lu§gabc ber $3üd)cr niajt bloß auf feltenere Termine 
bcfdjränft bleibe, £amit ift freilief) nod) nid)t gefagt, baß ber 
93tbliotljefar fid) jeben 5lugenblicf in ben 3itr Öffnung ber 



Digitized by Google 



Setzte* StapiM. «on ber ©enufcung bc§ 33üc$erfrf>afre*. 333 

SBibliotfjef beftimmten ©tunben bereit finben (äffen müffe, bie 
23ünfd)e ber Seiljenben entgegenzunehmen unb ungefaumt zu 
erfüllen; im ©egenteile forbert bie billige SRücfficht auf bie 
anberen ?lmt§arbeiten be3 53ibIiotf)efar§, bafj er nicht jeben 
Slugenblicf burd) Sitten um Storleifjung Don SBücfjeru barin 
geftört werben möge. Stu§ biefem ©runbe ift e§ fetbft für 
fleinere Sibliothefen ratfam, ba§ $lu3letf)en toon Süchern 
nur 3U einer gewiffen©tunbeamDffnung§tage Vorzunehmen, 
wobei bann bie Beamten fid) füglich fo einzurichten im ftanbe 
ftnb, bafc fie, möglidhft frei öon anberen Arbeiten, zumeift ba§ 
Seifjgefchäft beforgen unb bie in biefer §infid)t fid) funb- 
gebenben SSünfc^e, otjne jempnb lange warten ju laffen, 
fc^nell fjintereinanber beliebigen fönnen. $)amit fid) biefe§ 
©efdjäft mit tljunlichfter ©efchleunigung abfertigen laffe, f)at 
man an größeren SSibltot^efen, wo ber Slnbrang ber 83üd)er* 
fudjenben in ber Siegel ein bebeutenber ift unb mitfjtn ba» 
SluSleiljegefchäft meljr 3eit unb Gräfte in Slnfpruch nimmt, 
bie recfjt jwetfmäßige Einrichtung getroffen, baß bie Don ben 
Sefern gewitschten Sucher auf 3etteln Verzeichnet, unb biefe 
Settel mehrere ©tunben, an einigen Drten auch einen Sag 
Zutoor, in einen bazu beftimmten Saften eingelegt werben 
müffen, bamit bie 93üd)er bei Seiten Don ben Sibliotfjefaren 
au£gefucf)t ober nach *h re * 9tnweifung öon bem S3ibliotf)ef§~ 
biener nach ber beigefügten genauen Signatur herbeigeholt, 
unb zur $lu£gabe in ben Seihftunben bereit gehatten werben 
fönnen. 3" einzelnen Sailen mag zwar, namentlich Wenn bie 
Sefteffzettel fchon tag8 z uöor in *> en Saften eingelegt fein 
müffen, eine folcfje (Einrichtung für ben, ber ein Such gerabe 
bringenb notwenbig hat, ihre Unbequemlichfeit unb SKifelid)* 
feit haben; allein bei bem 9?u£en, ben bie (Einrichtung im 
allgemeinen unbeftritten gewährt, müffen bie ©inzelintereffen 
Zur ücf treten, auch werben bergleidjen befonber§ bringenbe 
Sebürfniffe in ber SRegel feiten Dorfommen, wenn jeber 
33enu£er in |jinblicf auf jene Sefttmmung bie für feine 
Arbeiten benötigten SSerfe ftet§ rechtzeitig beftellt. 3 U * äugen* 
blieflichen Sefriebigung litterarifcher Sebürfniffe ift überbieä 



Digitized by 



334 



3n>eltcr teil. Com ©üc$erfd)a*. 



ber Sefefaal ba, tvofyn fid) ber 33etrcffenbe $ur ©rlebigung 
unauffchiebbarer 9?achforfchungen begeben möge. 9ln Heineren 
33ibliotfjefen, in benen bie ^In^af)! ber 23üdE)er|"uchenben immer 
nur eine mögige bleibt, ift übrigen^ jene Einrichtung cor* 
heriger ©cftcllung unnötig. 2Bünfdf)en§tt)ert ift e§ ober in 
jebem gaUe, bafc ba§ $ublifum bei feinen ©eftettungen bie 
£itel ber Verlangten Südfjer menigftenS einigermaßen genau 
aufftf)reibe, um bem SBibliotljefar fein ©efdjäft nid)t unnötig $u 
erfd)tt)eren unb in 3tt)eifctfjaften Säften ber Ungemi^eit ftet§ 
burrf) eine entfpredtjenbe Semerfung auf bcm Settel $lu§brucf 
gebe, bamit ber ^Beamte auf bie Ungenautgfeit be§ 3^ate§ 
aufmerffam gemalt roerbe unb nid)t erft lange toergeblich 
fudje. Seiber luirb noch immer gegen biefe eigentlich fid) Don 
felbft berfte^enbe Siegel oft unb ftarf gefünMgt***. 

derjenige, ber ein Sudf) geliehen erhält, muß fcerbunben 
fein, einen (Empfangfdjein barüber unb' 5toar über jebe§ 
einzelne für fid) befteljenbe SSerf einen befonbem (Schein 
(Jaf. 10) in ber ©röfce eineS DftatoblatteS aufteilen «». 
©elbft ber 93ibliotf)efar, ber ein 33udj au§ ber Söibliot^ef mit 
ficf) nac^ <paufe nimmt, muß fid) bon biefer SSerbinblid^feit 
nitf)t bi£pcnfieren bürfen, befonber§ ba nid)t, too ber Söiblio* 
theföbcamtcn mehrere finb, toetl im Salle ber ÜRot bie Sßer* 
anttt>ortfid)feit für ein ofjne (Schein t>erlicl)ene§ Such leidjt 
ben Unrechten unb ltnfd)ulbigen treffen fönnte, abgefefjen 
baöon, bafc fdjon bie ^lufrcdjterljaltung eine$ georbneten 
9lu3lcihegefd)äfte3 für jebe§ entliehene Such einen ©d)ein 
erforberlich macht. $>er Settel, ber reinlich unb beutlich mit 
Jinte (nidfjt ettoa bloß mit Sleiftift) getrieben fein mufc, 
hat obenan ben £itel be§ 2Berfc§ in möglichfter Sür5e, mit 
Seifügung ber Sänbe5al)l unb ber (Signatur, unten aber 
tarnen, <&tar\b unb SSohnung be§ Empfänger^, foftrie £ag 
unb 3af)re§5ahl be£ ©mpfange§ $u enthalten. 3> n ber 2fl ef)r* 
5ahl ber Sibliothefen derben ju biefen (Smpfangfd)einen 
gleid) gebrudte gormulare bereit gehalten , meldte entmeber 
unentgeltlich ober gegen eine nur ganj geringe Vergütung 
abgegeben tüerben. Sfaf ber Diüdfeite tonnen, tt)ie bie§ h* c 



Digitized by Google 



€ccf)§teö Ropttcl. «ott ber ©cnufrung bcS ©ücbcrf$afcc§. 335 

Unteraettfntctcr bcfcnnt ijicrburcf), nacbftcljcitbc« Werf : 

Sitel: Adlerfeld, O., Histoire militaire de Charles XII, Eoi de Swde. Tom. I. 
Amsterdam. 1740. 12° 
Signatur: Nt 321 
S<W bcr S3nnbc: l 

auS bcr SM&liotfjcf erholten 31t baben, unb ttcrpflicbtct fidj, ba9* 

fclbc feiner onberen Nerton $u leiten unb nad) ftattgefunbener Sknufoung ober 
auf Verlangen objie 93cr$ug, ipätcftcnS ober binnen 4 SJodjcn nnbcfd}äbigt 
äuriiefjuliefern. 

Crt: SHagbcburg 93or* 11. Suname: Dr. ©uftnü ©cüer 

Saturn: 2.5cbr. 1890. Staub: fiitterat 

Sffiobmtng: 5BÜfjclmftra&c 28. 
NB. ©egenmärtiger Scfjein ift bei föilcrgabc bc3 ©erfeö als Scgitimatfou 
$urücfiiibcr langen. 



Cbcr: 

Untcrjeiebncter befennt fjterburef), nadjftcbcnbcS SScrf: 

Zitel: Raumrr, It. 0., ©erringt* brr J?äbaaoa.iR. 5. J\\xfL. Cril 1, 2. 
©üftrslolj 1S77, 79. 8° 
Signatur: Ga 531 
3al)l bev 2?üubc: 2 

unter beu umftetjenb bemerften 99ebiugungen auf 2 Worfjen cr&altcn gu Ijaben. 

Crt : Öct^lg 93or* u. Suname : SXWljelm «Senf 

Xatum: 10. gebr. 181»0. Stanb: stud. phil. 

SSofjnung: Sci&cr Strafte 90. 

Siebe bte JRüdfcite. 

[Muf bcr ^interjeite finb bic .ftauptbcbtngnngen, unter benen bie $?crrcif)uitg 
eines 93ud)c$ nur ftattfinben rann, burd) Stbbrucf bcr betreff. §§ be§ ^Reglements 
angegeben.] 

Xaf. 10. ^robe t»on Gmtfangfäcincn. 

unb ba gefef^ie^t , redjt paffenb bte tüefentltd^en , ben Unter* 
jeidjnern 51t tüiffcn notmenbigen ©eftimmungen, beren fogteief) 
metter gebaut rcerben muß, mit angefügt fein. 3)enn menn 
aud) bon jebem, meiner bie93ib(iotf)ef $u benuften beabficf)ttgt, 
t)orau§gefe£t derben barf, baß er fief) mit ben auf biefe 
93enu£ung bezüglichen Seftimmungen fjinlängtidj befannt 
gemalt Ijabe, fo mag e3 boef) ntdjtS fdjaben, baß if)tn ba£ 
mcfentlicf)e berfetben bei ber itnterfd)rift eine§ gormularcS 
bon neuem in§ ©ebäd)tni3 aurüefgerufen merbe; er fann fidt) 
bann feine§faft§ entfdjulbtgcn, baß er ba3 ober jene§ nicfjt 
fo genau gemußt f)abe. £ie fämtlidjen (Smpfangfcfjeine finb 



Digitized by Google 



336 



Sweiter £ctf. «Born SBüdjerfcfjafc. 



in atphabetifdfjer Drbnung nad) ben tarnen ber Unter5eidjner 
in einem <Scf)ranfe, Saften, einer äRappe ober einem äfjnlidjen 
Sehältniffe forgfältig toon ber 23ibliotf)ef aufaubetoahren. 
3n einigen SJifcliotfjefen tuirb Verlangt, ba& über jebe§ SBerf 
bon bem Seiner ein doppelter ßmpfangfchein auSgeftellt toerbe, 
bamit man ba§ eine Exemplar batoon atpljabetifct) nach bem 
tarnen be£ UnterjeidjnerS, ba§ anbere ebenfalls alpljabetifch 
nach bem Site! beS SJucheä orbnen fönne. bürfte jebodj 
ferner fein, einjufehen, roo$u baä boppelte Drbnen ber Settel 
nü^en foCCe , ba fidt) bie SBorteile, bie man burdj bie alpfja* 
betifche Drbnung nach ben Sitein ber ©ücfjer ju erreichen 
beabfid)tigen fann, unb bie barin befielen, bafc man fog(eid) 
auSfinbig ju machen im ftanbe ift, ob ba£ ober jene§ SBerf 
verborgt unb an tuen e§ berliefjen fei , redf)t gut aud) burdj 
ba§ 9Iu£leihejournal erreichen laffen. ®ie ©Cheine müffen 
nämlich, el)e fie in SBerroaljrung fommen, in ein eigenS ba5u 
beftimmteS, rubrijierteS SBud), ba§ HuSfeihejournal, ein* 
getragen tuerben. 3)iefe§ Eintragen gefdjieht tföax gewöhnlich 
in Heineren, minbeftenS nicht fefjr pufig benu^ten Siblio- 
tiefen in djronologifcher b. fj. in berjenigen 9iei|enfolge, in 
ber bie Südjer toerlieljen Horben finb, bagegen hat man aber 
in ftärfer benufcten Söibliotfjefen mit 9ied)t toorgejogen, bie 
(Steine alphabetisch nad) ben Sitein ber 93ücf)er in ba§ 
Journal einju^eic^nen, um ba§ Sftadhfucfjen nach einem au£* 
geliehenen SBerfe 5U erleidfjtern. S)a3 Journal ift gemö^nlic^ 
in ber SBeife eingerichtet, baß neben ber taufenben Kummer 
unb bem Saturn ber ßntleif)ung ber Site! be§ 93ud)e§ nach 
bem 2(nfang3buchftaben be§ SßerfafferS bezüglich be$ faßlichen 
(Stichwortes in eine ber burdj ba§ Alphabet gegebenen 
25 Hauptabteilungen eingetragen Wirb, wobei eine genauere 
afphabetifd)e Reihenfolge berSBerfe innerhalb jebeS ei^elnen 
83ud)ftaben3, tnett $u umftänblich unb jeitraubenb, nicht ftatt* 
finbet. 5luf ben Site! folgt bie (Signatur be§ Suchet , ber 
9?ame beS Empfängers unb baS Saturn ber JRücflieferung. 
3)en gmecf rafcfjen 21uffinben3 eines au3gelief)enen 3Jud)e£ 
im Journale fudjt man übrigens mitunter neuerbingS noch 



Digitized by Google 



<2c<$3te§ flautet. 8on ber »enu&ung be§ ©ttc$erfäa&e8. 337 



fixerer baburd) erretten , baß man bie Südjer nad) ben 
£auptbud)ftaben ber (Signaturen , bie , wie wir faljen , ben 
Hauptabteilungen ber 93tbltot^ef entfpredjen — natürlich 
unter fur^er Beifügung be£ $itel§ — , einträgt. 3n biefem 
gälte brauet ber 93eamte nur bie ©ignatur 3U tDiffcn , um 
ba§ betreff enbe Sud) rafd) unb ohne bafc er burd) bie fo 
häufig Vorfommenben Irrtümer unb SSernjec^felungen bei 
Angabe be3 £itel§ unb ber (Stichwörter irre geführt wirb, 
innerhalb ber betreffenben Abteilung 5U finben (£af. 11). 
3)a£ erwähnte 33erfaf)ren bietet außerbem ben grofsen Sortcil, 
ba& am 3a^re§fc^Iuffe bie 53enufcung§baten ber einzelnen 
gäd)er fid) Don felbft ergeben unb nicht erft burdf) mühfame 
Sufammenftedungen gewonnen werben muffen 204 . 

Sei ber SRücf gäbe ber entliehenen SBerfe läßt fid) übrigen^ 
ba§ $luffud)en berfelben 5um ßroerfe ber Ausfüllung be§ 
2lblieferung£batum§ bei jeber ber genannten S3erfahrung3- 
weifen baburd) Vereinfachen, baft Von Anfang an auf bem Von 
bem ©mpfänger aufgeteilten Scheine bie Kummer notiert 
wirb, weldje baä. Verliehene 23ud) im $lu§leif)ejournal füf)rt. 
9ftan ^at vielfad) einem ©rfafce be§ $lu§teihejournal£ burd) 
lofe Qettd ba§ SBort gerebet, bie nach ©rlebigung jebeS 
ein5elnen galleS ju Vernichten mären, ^nbeffen bilbet boch 
ba§ AuSleihejournal für bie ©efdjidjte ber 93enufcung jebe§ 
einzelnen Suchet, ganj wie ba§ $kceffion£journal für bie 
©efd)id)te feiner Erwerbung, ein wertvolles Hilfsmittel, auf 
Weld)e3 man, im galle ein SBerf Vermißt wirb, jeberjeit 5uerft 
äurütfgefjen wirb, um feftjuftellen, mann baSfelbe aulefct in 
3trfulation gewefen, unb baburch unter Umftänben weitere 
5lnhaltepun!te $u ferneren 9Jad)forfd)ungen über feinen 93er- 
bleib 5U gewinnen. 

-Den ©ebraucf) eines $aujrtbud)eS beim StuSleüjcgefdjäft fuc^t ^cidcö 205 für 
Heinere ©tbliotfjefen burej) fotgenben ©orfcf)lag entbcfjrlicf) 511 madjen. 3eber 
Senufcer erhält je nad) SBebarf, b. ff. jenad)bcm er $u>ei ober metjrcrc ©üd)cr 
g,teid)aeitig $u benufoen nmitfdjt, berfd)icbcne mit Öjponcnten (a, b, c, d 2c.) 
fcerfefjcne ilartcn, auf n>c(d)en bie für ein Hauptbuch, nötigen Ötubrttcn angebracht 
ftnb. ftür je ein verausgabtes 93ud) uürb nun je eine fold)e Äartc , loctajc ju 
biefem 93cf)ufe auS flartonöabier fjergeftettt fein müfjte, an betteffenber ©tefle 
ber SBtbüotOe! eingeteilt, fo bafs berjenige, u>eld)er baS Öud) fud)t, foglefd) baS 

©raefei, ®ibUotr)eI6tcr>rc. 22 



Digitized by Google 



338 



ßtoetter teil. $8om SBüc^crfc^o^ 



o o o o o 

C* CO 10 H- 



co os co ca 
o o o © 
a> v *. » 



CO 00 

© © 

tO t- 



3 



52? « 

w & ^ 
- » - 



o 



CO 

© 



55 

© 

CO 
CO 



SS 



55 

TO 



25 
co © 



o er 

© CO 
CO tO 



CO ~» 

- s 



<° CO 



CO 
o 



* ©3 

I •-* JZÜ 

it 



- S3 



• 63 



3>& 
3 



o 
3 

er 



s: 2. S 



^3" 
Nr» J» 



ra 



:; B 

L ro 



- o 

• 5 

3 

Ä 

er 



o 

D 

■1 
P 



2 

<-» 
st? 3 



D t CT 

5 * p S,' 3. 

r ? r rff PI 

^ 3 

c 



SS 

1 



»5 



'S M 



3 



^3 

• 

3 



8. 



3 ^ 

3 -s- 

CO 

£ 



& TZ 

• 5* 



S 



3 

ar 
3 

7 



= 3 



3 

n 



er 
r» 



3 "3? ^) S 

*3 ^JS C7 

S 3 

3 C -r:> 

3 CS 
3 
» 
o 
3 



— *» 



3 
3 

tsu 

3 

c» 

3 



3 

3 

S 



-es 

o 

ra 

o 
<-« 

ra 
«1 



C 



o 

3 



3 
3 © 



c 



i3 



CO 

■SN 



r» 
er 
ra 

rl 



C 

3 
3 
3 



3; 



ra 



ra p-> ■ 
t-t ra 



I 

CV? 



5 



o: 

Ä 
ra 

S 



o 



F 



rl ^3 
— ^ 

ra ö 

» o: 
3 

ra 



ra 



03 



© 



iJ « w 

000 
3 3 3 



CJi 

/»0 



CJ> 



o 



CO CO CO 

'tO o «o 

© © © 



CO 

© 



d3 W W CV? W 63 

OOO o OO 
3 3 3 3 3 3 



CO OD X> CO CO CO 

CO © <o © © 

© © © © © © 



OS 
© 

3 



CO 

© 



CO 



Ä # ^ 



CO 

© 



CO 



CO 



«3* 



co 



— — Co ro 

^ 65 63 

f» Ä o o 

? « r r ? 



CO 



CO CO 

5 g o 



CO CO 

© © 
© © 



CO 

ra 



CO 



43 

ra 



'>-■ .er 

CO 

© 2. 



co 
o 



S3aufcnbc 
9?u inmer 



m 

rVor» 
ri ra ^ 
ra «t & 
ra 



töänbejal)! 



o 

3 
ra <"» 

Co 150 

3 



(5 Ö 

3 » 
- 1 

0 «r 



I« 

fX o 
— 3 
ra 



« 

r» 
3 



3 

3 



Digitized by Googl 



©edjStcS Stapittl ©on ber ©cnufcung beS ©üdjerfdjafceS. 



339 



töäfjere über befielt ©erbtcib an Ort unb Stelle erfahren fann. SHirb baS ©udj 
äurütfgegeben, fo erhält ber ©enufeer mit ausgefülltem Datum bei Ablieferung 
Sie betreffenbe Äarte jurücf, welche er nun für ein $weite3 ©ud) benufcen fann. 
Diefelbe wirb im Saufe ber Qtit au einem ©enufcungSjoumale für ieben einzelnen 
©eiutfjcr unb mürbe beSbalb am ©djluffe jcbeS So^fS ober #albial)reS ber 
©ibliot&et wieber ju übermitteln fein. 55er ©orfdjlag ift auSbrürflid) für «eine 
©ibliotbcfen beftimmt, für größere ©ibtiotljcfen foll unb fann berfelbe aus uafje* 
liegenben ©rünben nidjt oerwertet werben. Das bei ber OTÜcfgabe ber ©üd)er 
febe&mal nötig werbenbe #erbeiljolen ber feilte mürbe beu ©ang beS Ausleihe» 
gcfdfäftcS ungemein berjögem; ber SRangel einer übcrftdjtlidjen flufammen* 
fteHung ber auSgeliefjenen ©eftänbe — ber ©eomte Ijätte ia Weber ein Journal 
nodj bie (Steine in $finben — würbe bie Kontrolle über re^tjeitige ©in^altung 
ber ftrtften unmöglich machen ; in ©ejug auf bie ia'brlidje ©tatifrtf mürbe mau 
nad) al^böbetifajer Orbnung ber «Steine nur bie ©enufcung feitenS ber einzelnen 
©ef uc^cr obne weiteres nadjweifen , bie ©enufoung ber einzelnen tJfäc^cr bagegeu 
nur mit großer 2Rül)e aus ben ©djeinen $ur Darfteilung bringen rönnen, ganj 
abgelesen baoon, bafc mancher ©djetn im Saufe beS 3abrc8 oerloren gefeit bürfte. 

(Erwähnung oerblent an biefer ©teile aud) baS »on ©djwarfc 206 befttr* 
wortete „fombinierte" HuSlelbefoftem, wcldjeS aÜcrbingS bie Vorteile eines Qaupt* 
butf)e8 aud) nitfjt £U erfefcen öermag. DaSfelbc erforbert breierlei: 

1. ben ©djein beS ©enufoerS, auf weldjem bie Kummer, ber 9tame unb bie 
Stbreffe beS ©etreffenben, baS ?lusgabebatum, bte Jtlaffc, wclcbec baS ©udj aiu 
gehört, bie SlccefftonSnummer, baS Datum ber 3tücf lieferung unb etwaige «trafen 
$u oermerfen finb; 

2. einen am oberen (£nbe gummierten fdjmalen ^aplcrftrclfen , weldjer im 
©udje eingeliebt wirb unb in $mei JRubrtfen geteilt ift, beren eine baS SluSgabc* 
batum, bie anbere bte Kummer beS ©enufcerS enthält ; 

3. mcfjrcre ftäften, weldje jur Slufitabme ber ©eöeine bienen. 

©3irb nun ein ©urf) ausgegeben, fo fdjretbt ber Diener, weldjer baSfelbe Ijolt, 
bie Kummer beS ©enufeerS unb baS SluSgabebatum auf ben eingewebten Sßajrtev* 
ftreifen, ber nad) ©ebürfnfS $u erneuem ift, unb übergiebt baS ©ud) famt bem 
©djeine bem auSleifjenbcn ©eantten. Diefer trägt baS Datum ber <£ntlei&uug 
tn ben ©djetn beS ©cnufcerS ein unb öerwafcrt bcnfclbcn, natf)bem er baS ©ud? 
jenem ocrabfolgt Ijat, in bem SluSlciljcraften, worin fict) bie an je einem Jage 
erhaltenen ©djeine anfammetn, um am ©djluffe ber Dicnftftunben — ber 
betreffenbe Äaften ift uad) ben wiffcnfdjaftltdjen ftäcrjcrn ber 33tbltotfjeF ein* 
geteilt — in bequemer SSeife für bte ©tatiftif oerroertet ju werben, ©ämtlidie 
©djeine werben Ijierauf in ben für bic Wücfgabc beftimmten, gleichfalls narf) ben 
Staffen ber ©ibliotlje! geteilten Äaften eingeorbnet unb jwar btejenigen jeber 
einjelnen SSodje gefonbert. ©ringt ber (Jntleiber to$ ©ud) aitrücf, fo ergiebt ber 
eingellcbte ^ßapierftreifen baS Datum unb bamit bie SBodje, wann baS ©ud) 
entlteben worben ift, jugletd) aud) bte Stummer beS (SntletfjerS, baS ©udj felbft 
aber bic Signatur, meldje bte Jtlaffe anjeigt, fo baB ber ©djein beS ©udjeS leidet 
5u ftnben ift. Die oon jeber SSJodjc, nad) ©erlauf beS öorgefdjriebenen Slb» 
liefemngSterminS, übrig blcibenben Bettel werben nad) ben cinaelnen lagen ber 
SBodje georbnet unb innerhalb ber feftgefefeten grift ber JReibc nad) eingeforbert. 

^ie näc^fte toefentüc^e ©eftimmung ^infic^tlic^ ber au§* 
5uleif)enben$8ücf)er betrifft bie 3*it, auf roie lange bieöüc^er 
Derlie^en Werben f offen. 2ttan nimmt baju in ber9tegel t)ier 

22* 



Digitized by Google 



340 



Sweüer Xeil. JBom ©üf&erfdja&. 



353ocf)en als genügenb an unb in ber überwiegenben äRehrjat)! 
ber gätte mufc in ber S^at eine foldje grift als Dottftänbtg 
auSreichenb, ja eljer 5U weit als 5U fur§ geftedE t erfcheinen. 
©S fäme wenigftenS noch auf bie $robe an , ob nicht baS 
*ßublifum, welches erfahrungSmäf$ig entliehene Sucher oft 
unbefeljen ju £aufe liegen läßt, bis ber nafjenbe Stücf* 
lieferungStermin an eine befcfjleunigte Senu&ung berfelben 
malmt, burcf) ftrengere Veftimmungen baju erlogen werben 
fönnte , fid) mit bem 9luSnü£en fremben 23ücf)ermaterialeS 
burdhfchnittlicf) etwas mefjr $u beeilen. MerbingS mögen 
gälle eintreten, in benen ein Sefer in biermöcfjiger grift 
mit bem ©tubium beS geliehenen SBerfeS rxityt ju ftanbe 
fommt; bann mürbe aber, falls baSSuc^ überhaupt in einem 
abfef)baren Sermine $u erlebigen ift unb nicf)t ben Sßriüat* 
ermerb feitenS beS VenufcerS erforberlicf) mad^t, bie in allen 
Vibliothefen übliche *ßrolongationSbeftimmung gewöhnlich 
aushelfen, nach welcher baS Vud) bei Ablauf ber gewöhnlichen 
Seifjejeit mit Erlaubnis ber Verwaltung noch für eine weitere 
grift — W05U öier^ehnSage unter allen Umftänben genügen 
müffen — behalten werben barf. £>er einheimifdhe Sefer |at 
baS betreffenbe Vu<i) 5U biefem Qxotdt jur Vibliotljef jurürf* 
jubringen, um bie Verlängerung gefchäftlich erlebigen 5U 
laffen, tnbem feitenS beS auSlethenben Veamten auf bem 
©mpfangfeheine unb im SluSleihejoumal ein entfpred£)enber 
Vermerf ju machen ift. Auswärtigen wirb in biefem galle 
baS Vorherige (Sinfenben ber geliehenen Söerfe auS bem 
©runbe nicht als Verpflichtung auferlegt werben , weil bie- 
felben DorauSfidhtlich burch baS £jin* unb £erfcf)icfen nur 
leiben fönnten. £at bagegen injwifchen ein anberer Sefer 
um bie^arleihungbeS Vud)eSnachgefucht, fo öerfteljt eS fidj, 
baß ber erfte Sefer baSfelbe nidht länger behalten barf, fonbern 
mit feinen 2öünfcf)en bem ©efud)e beS anberen nadhftehen 
muß. Überhaupt ift jebem Seiher gleich beim ©mpfange eineS 
VucfjeS bie Verpflichtung a uf auerlegen , ba§ er, falls bie 
Burücf lieferung eines öerliehenen SöerfeS ber Vibliothef noch 
t)or Ablauf ber gewöhnlichen Seihfrift nötig fdheinen follte, 



Digitized by Google 



(Scc^teS Äopitel. Con ber Scmifcung t>c« 93ü$crfd&afcc«. 341 

aud) toorljer auf Verlangen ba§ ©eliehene aurücfgeben muß. 
£)enn e£ märe bod) immer etmaS mißliches, roenn bie S3iOIio^ 
ttjef gunften berer, treidle 93üd)er Don xijx geborgt haben, 
mäfjrenb ber £auer ber Sei!) jeit auf bie Verfügung über if)r 
Eigentum gan$ beraten unb nicht im ftanbe fein füllte, im 
gatte eines mirttid) bringenben 93ebürfniffe£ baS Verliehene 
entmeber jur 93enu^ung fettend eincS 2lnberen ober jum eigenen 
©ebraud)e aud) nod) bor Ablauf ber gefefclid)en Seifoeit 
^urüdtforbern $u bürfen. SnSbefonbere muß ba£ 9ted)t ber 
93ibliotf)ef, fämtlidje berlietjene 33üd)er aud) nod) t>or Ablauf 
ber gemöhnlid)en Seif^eit jurüdberlangcn ju bürfen, bef)ufS 
ber Slbljaltung ber Dfebifion mit größter (Strenge gemährt 
werben, ©obalb bie SRebifionSjeit nahe Ijeranrürft, unb bon 
feiten ber SBibliotfjef bie SBiebereinlieferung aller ausgeliehener 
53üd)er, am jmedmäßigften burd) Sefanntmac^ung in einer 
ober jiDeien ber im Drte unb Sanbe am meiften berbreiteten 
3eitungen f au£gefprod)en morben ift, muß jebermann gehalten 
fein, alles, ma§ er aus ber Sibliotljef in feinen $jänben hat, 
im Saufe ber legten adht£age boröeginn ber ^ebifion ohne 
©äumen jurürfaugeben. ©elbft bie midjtigften unb bringenbften 
miffenfd)aftfidhen Arbeiten, bie unter anberen Umftänben bie 
größtmögliche 33erüdfid)tigung berbienen mürben, bürfen bon 
niemanbem 5itm 33ormanbe unb jur (Sntfdjulbigung , ba§ 
©eliehene noch länger $u behalten, gebraucht merben, mogegen 
e§ imgafle befonberS brängenber Umflänbe bem 33ibliotf)efar 
mofjl toerftattet fein barf, ben, melier ein ober baS anbere 
SSerf 5U feinen miffenfdjaftlichen Arbeiten notmenbig brauet, 
nic^t gerabe bi$ 5um bößigen Ablaufe ber gefe{5lid)en9iebtfion^ 
jeit barauf märten 3U laffen, fonbern bemfelben ba£ ©emünfdjte 
aud) Vorher unb amar balbmöglidjft gegen ©rneuerung beS 
(£mpfangfd)eine3 mieber au^uhänbigen. 

©ine anbere Söeftimmung muß fid) über bie 3 Q h* *> er 
Sücher au£fpred)en, mie Die! einer $erfon auf einmal geliehen 
merben bürfen, ma£ um fo notmenbiger 5U fein fd)etnt, je 
öfter e£ mof)l überall borfommt, baß manche Sefer nicht nur 
in ihren SSünfd)en unb gorberungen fehr unbefcheiben, fonbern 



Digitized by Google 



342 



aud) faumfelig genug finb, biejenigen Sßerfe, n?el(f|e fte 
bereite benufct haben, nicf)t fogleich an bic SMbliothef %uxüä* 
äuliefern, fonbern bie benufcten wo möglich $u gongen Raufen 
anwarfen laffen, um fte bei paffenber ©elegenheit gtetd^ 
miteinonber auf einmal 3urücf$ugeben. 3>n9fttcf ficht auf folcfje 
faumfelige Sefer wirb e§ gut fein, über bie Qalji ber au3* 
3uleif)enben öüdtjer etwa§ feft^uftellen. (£§ mürbe jebocf) 
gewiß al§ Sef>Igriff an jufeljen fein, wenn man, um bergleidjen 
^Mißbrauchen zu fteuern, beftimmen wollte, baß, wo nid)t ba§ 
tuirflicfje S3ebürfni3 nach einer größern $lnzahl beljuf£ wiffen* 
fchaftlirfjer Arbeiten nachgewiefen werben fönnte, nie meljr 
al£ ein bi§ jmei SSerfe an eine Sßerfon auf einmal berliefjen 
werben bürfe. 2)ie Qafy ber Südjer f oll nicht zu fefjr befcf)ränft 
werben, ber Söibliothefar aber wof)l barauf acj)t haben, baß 
fie ^ie unb ba nicht alljufe^r anwachfe, unb baß nament- 
lich burcf) biefe§ Slnwachfen nicf)t anbere ^ßerfonen in ber 
Senufcuug ber93tbliotf)ef befjinbert werben, gür bie gewöhn* 
liefen gäKe mag bie^aljl öon acht bi§ ^öc^ften^ z e h n gleich- 
zeitig zu benu^enben ©ücfjern Weber zu groß noch 5U Hein fein. 

3)a§ 2e£te, worüber nod) Söeftimmung getroffen werben 
muß, ift bie $eit, nämlich Sag unb ©tunbe, wann bie 53üd)er 
wieber einzuliefern finb. Dbfdjon e£ fef)r nafje liegt, bie 
Sftücfgabe ber 93üd)er mit ber Ausgabe auf gleiche Qdt zu 
Verlegen, unb bemnad) hier nicf)t§ weiter barüberju erwähnen 
fein würbe, fo macht bodj in größeren tnel benu^ten 93tbüo= 
tiefen bie Siücfgabe ber 33üd)er zur $eit bex betoorfteljenben 
Dieöifion infofern eine Slu§naf)mebeftimmung notwenbig, at§, 
wenn bieSHücfgabe nur auf bie für gewöhnlich ba^u angefe^te 
©tunbe befdjränft bleiben follte, in biefem gatle wegen be§ 
allzu großen 3ubrange§ fo cr Setter bie Rücfgabe für biefe 
ebenfo befcfjwerlid) unb läftig fein würbe al§ bie ßurücfnafjme 
für ben 33ibliotl)efar. (53 wirb ba^er in biefem gatle öon 
9?u£en fein, bie ©renzen ber ßeit zur ßurücflieferung weiter 
auszubeizen unb außerbem feft^ufe^en, baß bie Seiner ba§ 
©elieljene in einer gewiffen Reihenfolge, etwa in alpfjabetifcher 
Crbnung ihrer Tanten, 5. $8. bie mit ben SBudjftaben Sl bi§ 



Digitized by Google 



©ecfjstc« Äapltef. «on ber ©cmifciiitg be3 ©üdjerfcfjafccs. 



343 



mit 3W anfangenben in ber erften unb bie übrigen in bcr 
feiten $älfte ber Sßodje surücfyubringen Ijaben. Sei ber 
SBiebereinlieferung ber Sucher mufj bon feiten be3 SBiblio* 
tljefarS bie jftüdfgabe nic^t nur im $u£lei(jeiournate burdj 
^in^ufügung be§ betreffenben $)atum§ bemerft, fonbern audf) 
ber ©mpfangf dfjein bem Sefer al§ Segitiiraition ober Duittung 
über ba§ richtig jurücfgebrac^te 93ibliotl)ef3eigentum lieber 
eingel)änbigt »erben, ©in jurücfgebUebener ©cfjein würbe 
immer bie SSermutung begrünben, baß ba£ ©eliefjene öon 
bem Seiner nocf) nid)t jurücfgegeben roorben fei, tt)e§* 
Ijalb biefer felbft im eigenen igntereffe au f fcj e gtuSlieferung 
be8 ©dE)eine§ ftet§ mit (Sorgfalt achten möge. ÜRandje 33er* 
roattung behält inbeffen bie aufgeteilten ©Cheine grunbfäfclidf) 
5urücf f um bei ber nacfjträglidt} borauneljmenben Prüfung ber 
abgegebenen Südjer — im Crange ber ©ef djäfte lögt fidf) eine 
f otd)e tyäufig nicf)t fogleid) burdfjfüljren — etfoaige ©djäbiger 
be§ 33ibliotf)ef§eigentum§ auf ©runb ber fcon ifjnen au§* 
geftettten ©djeine jeber^ett öeranttt>ortlicf) matten $u fönnen. 
3um 3 e ^ en StüdElieferung erhält in biefem Salle jeber 
©d)ein einen ©tempel, ber Slbliefernbe mürbe fidt) alfo bor 
feinem SBeggange ftet§ baüon überzeugen müffen, ob fein 
©dfjein geftempelt korben ift. 



Digitized by Google 



(ßrflfr *bftr)mff. 

1 (€>. 1). Justus Lipsiiig, De bibliothecis syntagma, Cap. I (abgebrucft 
beiSWaber) unterbleibet fogareine bretfadjeSlnroenbung bcS SSorteS: „Bibliotheca 
tria ßiguificat, locum , armarium , libros. Graeca vox — föfjrt er fort — 
Latinie in usum etiam venit, et quamquam librariam dicunt, tarnen magis 
est ea Toce tabernam capi, in qua vernales libri exstant", ganj tt)ie bieS 
noer) gegenwärtig bei beut franibftfcfjen librairie ber ^att tft, meines auef) nur 
bie SBuefjbanblung bejeidjnet. £ajj übrigen« felbft bent griedjifajen SBortc 
ßißfoodt/xT) urfpriinglidj bie SBcbcutnng eines SerfaufSIagerS nid)t fem ftanb, 
gebt — worauf bereits Com et er f)ingeiotefcn $at — aus bem Cnomafticon be« 
«ßottur, fjerüor, n>ofelbft eS Hb. 9, cap. 5 Ijei&t: h' Ös tojv xoivwv, ßißho- 
vrjxat , t) o>$ bvjioMg y i]ötv , ov rot ßip/ua anua , xai avTO 
avrov' oih(o yäg tov roVror, ov ra ßtßkia oi 'Attixoi <bvoua£ov 
atoTreg xai jovg äkkovg rojiovg; ex tojv nijiQaoxo/tievojv. 

2 (<S. 5). ©crapeum, 3bg. VII, 184G, ©. 370—371. 

3 (S. 6). 8 oller, 2ie ©ibtiotr)efioifTcnfcr)nft II. ecrapenm, 3r)g. IX, 
1848, <5. 131. 

4 (<S. 6). Xafc eine JBibliotrjcf au fgeftellt fein mu6 # um ben Kamen 
einer folcfjcn überhaupt 511 »erbieitcn, betont auet) SRolbect), toenn er fagt: 
„Ta§ blofec 93orI)anbenfeln einer SWcngc an einem Crte befi nblidjer, in Äaftcn 
eingepaßter, loic ©rennljolj oiifgeftapelter ober auf eine anberc SSeife tt>ie @üter 
unb $anbe(Si»areii aufgehäufter 93fict)er madjt nod) feine Söibliotfjet aus. 2>icS 
roirb fie erft, n>enn eine bebeutenbc Eücfievfommlnng aioccfmä&ig in einem ober 
mehreren »üefjerfälen aufgeteilt wirb". (Über ©iblio^cISiuifienf^aft. @. 19.) 

3roril>r Äöftfjmtf. 

5 (®. 7). Scinpeum, ^fjg. IX, 1848, ©. 131, 132. 

6 (©. 8). 3. qßefcfjolbt, lieber ©ibüotbelroiffenfdjaft unb ©ibliot&efens 
lerjre. ^efcfjolbts «inniger, %l)Q. 1851, 9lr. 1. — gür bie ©ibüotrjersfunbe 
mürbe fict) etwa folgenbcS Schema ergeben: 

I. Einleitung. itttcrariirfjcS. SUafftftFation ber ©ibtiotr)cfcn. 
II. ©cfcfjicfjte u. Statiftif öffentlicher ©tbltotfjefen 

1. in einjelncn 8eiträumcn, 

2. in einzelnen Säubern. 

% . 



Digitized by Google 




31 unterfangen. 



III. ©efcöiaite unb ©tatifttf Don ^rtbatbibltotrjcten. 

IV. 93iograpl)fen bon ©ibliotljetaren. 

Xie genauere ©lieberung ber SJibltortKßteljre fie!)e im folgenben Wbfdjnitt. 

jprtttfr Jtuituntn. 

7 (©. 9). @o (56er t in <£rfdj unb ©ruber« (SnctoHopäbte „93i6Uotr)cftDiffcn* 
fdjaft"; Sßefcfjolbt in ben früheren fluflagen be$ &ated)i8muS. ßoller, welker 
jene beiben $aupttetle gleichfalls angenommen b,at, giebt folgenbeS @ä)ema ber 
©tbltotljclSttrifienfdjaft (b. i. SJibtiotfjcfSleljre nacb, unicrer Sluffaffung) : 
Einleitung: Segriff, ©eftimmung; 2Htttel ju iljrer ©rreittjung. ©efdjldjte ber 

«Bifienftfaft. 

I. <£inrtdjtung?funbe. 

1. $&rc «orauSfefcung : baS Sofal. 

2. Stnorbnung beS aWatcrtalS. 

a) HuffteHung. 

b) Äonftgnierung. 

3. Slatalogifieruug. 

Stufjang: Supplementarifrfje« ©ejajäft. 
II. ©ermaltungSfunbe. £ota$ton. 

1. innere öertoaltung. 

a) Erhaltung ber «tbliotljef. 

b) <£rmcrb bcS 9?euen. 

c) qScrfonal. 3m allgemeinen, »ilbung unb ©cfc&äft ber 
©ibliotljefare. 

2. 5B3tr!famtcit nadj Slufecn. 
»enufeung ber ©ibliotficf. 
©djlnfe: Xte Statuten. 

©gl. 8oHer, $ie »ibliotfieirotfienfcfiaft Im Umriffe. ©.7. — Dcrfelbe, 
$ie ©ibllotfjeimiffenfdjaft, im ©crapeum IX, 1848, ©. 2S7. — ©ine beachten«« 
merte Synopsis of Library Ecotioniy, melcbe 1853 ber SBerfammlung ber norb« 
amerifanifeben ©ibliotfjetare ju 3?etr> j)oil borgclcgt mürbe, ftnbet fid) in ^JefctjolbtS 
SInjeiger, 3$g. 1854 Dir. 27 abgebrutft. 

8 (<S. 10). ©erapeum, 3ßg. II, 1841, @. 61—62. 

9 (©. 10). <£. ftörfiemann untertreibet gelegcntticr) ($ie Bcrbinbung 
jmifc^en ben beutfdjen ©ibliotb^fen. Gentralblatt, $f)g. I, 1884, auf @. 7 u. 8) 
brei Seiten be« ©ibIiotb,cr8lcbeHS, erftenS bie Crgantfation (in SBcjug auf Sotal, 
^erfonal, miffenfc&aftlidjeS Stiftern, ßatalogifierung u. f. m.), arocttcnS bie Söcr* 
meljrang unb brittenS bie ©enufcung, toobet er aKcrbingS Icbiglltf) &ibtiotr)cfarifcf)c 
@efcf)äftd6eric^te im ?lugc fjat. ftür eine fbftematiicfie ÜJarftenung ber gefamten 
99ibliot§ef$leljre ift eine ©onberung ber meb,r äufjerlidjcn 23eftanbtcile einer 
©ibliotb^ef, nämlia) ir)rc« §aufe§, ibre$ S3ermattung5perfonat3 unb tfjrer bittet 
ton ber 2efjre über ben ©ürf)erfcf)a& felbft burcf)au§ angezeigt; c§ gewinnt babura) 
nidjt nur baS ©cfjema im allgemeinen an üecrfiet)tlicr>fcit , fonbern autf) bie 
©lieberung be« adelten $auptteil5 erfetjeint in fid) abgesoffener, etnljeltlicfjer. 

J&itxltx Hfcftfmttf. 

10 (S. u). S. 7—17; «Hatfjträge basu gab 3. ^cfrljolbt i m feiger, 
Stög. 1846, @. IX ff. 

11 (©. Ii). 8oUer, Sic ©ibliotb.efuuiicn^aft. Scrapeum, 35g. IX, 184S, 
©. 33-86, 129-137, 157-160, 268—271, 285—287 ; XI, 1850, @. 126-128. 
137—143; XII, 1851, @. 92—95. 



Digitized by Google 



34G 



Slnmerfungen. 



12 (S. 11). $e$qolbt§ Sinniger, 3h9« 1864, SRr. l, 90, 164, 264, 358. 

13 (©. 12). <JS fei Oier fogleicb noch auf bie alpfjabetifche 3ufammenftenung 
Don »ibltotfielSlitteratur hingemicfen, welche A. R. Spofford in bat Public 
Libraries in the United States of America. Special Report. Bureau of 
Education. Pt. I, S. 733—744: Library Bibliography gegeben l)at. 

14 (©. 12). SHdjarb Slungeronle OttngerötHe), gewöhnlich nad) feinem 
©cburtSort ffitcfiarb bc 33urti genannt, geboren (nad) SWorlen) 1281 ober (nadj 
GodjeriS) 1287 in Eiuty ©t. ©bmunbS in ber ©raffdjaft ©uffolf, war banaler it. 
©chafcmetfter beS flöntgretefis unter ©buarb III., bann 93ifd)of oon Surham (baljer 
Richardus Duuelmensis) unb fiarb am 14. Slpril 1345. ©in enthufiafttfd)er 
SBüdjcrfrcunb ooHenbcte er nad) ber allgemeinen Sinnafime nod) fur$ oor feinem 
Xobe fein Philobiblon, seu de amore librorum. S8gl. (£. @. 95 o gel, ©rinne* 
ntngen on einige oerbienftoolle ©ibliopfiMcn bc8 bicrjeljnten unb fünfzehnten 
SabrbunbertS I. »Urtjarb oon SBur^j. ©eropeum IV, 1843, ©. 129-141, 154—160, 
wofclbft aud) über bic #anbfcf)riftcn unb Ausgaben ausführlicher gefjanbelt wirb; 
bc$gl. 8° Her, 2)tc 93iblioifjc!wiffcnfd)aft. ©erapeum XI, 1850, ©. 127—128. 
Sieben ben bort angeführten alteren SluSgaben beS SBucbeS nennen mir hier nodj 
bie englifdje Überfefcung [oon John B. Inglis], t. 3. 1832, bic fran$öin'd)c Don 
Hippolyte Coch er is mit bem lateinifdjcuUrtert, $ari§ 1856, bic auf biefen beiben 
bcrufjcnbe amerifaniiehe SluSgabc öon S. Hand(Albany 1861), öor allem aber bie 
neueftc 9lu8gabe (Xert nebft Überfefoung) oou Ernest C. Thomas, Sonbon 1888. 
33gl. aud) Ernest C. Thomas, Richard de Bury and his Editors. The Library 
Chronicle, Vol. I, 1884, S. 148—153, 170—173. — 2)crfclbe, The Alanu- 
scripts of thePhilobiblon. Gbcnba, SBol. 11, 1885, ©.129—137.— au f ma nn , 
3u bem ^bitobiblon 9Itd)arb§ bc SBuvn. Gentralblatt f. 3hß. VI, 1889, 
©. 337—347. Güte cingehenbe SBürbigung OtidjarbS finbet fid) bei Morley in 
beffen English Writers. fßol. IV, gonbon 1889, ©. 38—58. 2>te 2lnfed)tung 
ber IBerfaffcrjdjaft 9?id)arb§ erfolgte feitenö bcS micberholt genannten genauen 
StennerS beS ^^ilobiblon Ernest C. Thoraas in The Library, Vol. I, 1889, 
©. 335—340 unter ber Sluf|d)rift: Was Richard de Bury an Impostor? 

15 (©. 12). 9taub£, geboren 1600 au ^ari§, geftorben 1653 ju Slbbeblllc, 
war einer ber gclehrteftcn Scanner feiner 3?it unb begeifterter ©ibliophile. §hm 
gebührt u. o. ba§ SBcvbicnft, bie ÜDfaaarine als bic erfte aMbliotfje! in ftranlretd) 
1643 ber öffentlichen iBenufnutg iugängig gemacht au haben, ju einer $cit, in 
welcher überhaupt nur erft brei anbere SBtbliothcten (bic Slmbroftaua in aWailanb, 
bie oon Slngelo Dtocca gegrünbete Slugciica in {Horn unb bie ©obleiana in Drforb) 
bem ^ubtifum offen ftanben. SHud) bic ©ibliothcfen ber Siarbinäle ©agnt unb 
SBarberini foiuic ber Königin (Sfjriftinc oon ©d)wcbcn brachte SRaube" in Drbuung. 
Ginc iateinifcfje Übcrfefcung feiner ©ebrift finbet ftcfi in Maderianae collectionis 
accessio nova. Ilelmstadi 1703, 4°; eine eingehenbe Slnaltifc unb ^Beurteilung 
beSfelben bei Roller im ©erapeum XI, 1S50, ©. 139—143. „3Benn ber ©ibllo» , 
tl)cfar", fagt ©Rethorn (I, ©. 73), „ben Dcaube* nidjt fennt, feine ©Triften, fo 
feiten fic ftub, nicht feunt unb uiityet, bann barf man beinahe aufhören, ihn für 
einen gcfdjicften, unb mit hinlänglichen Äenutniffen 51t feinem ®efd)äfte begabten 
Söiicfjcrauf feher ju fdjä^en." 

16 (©. 13). 9camcuttid) auf jtoet ber bei $oeter abgebrueften ©apriften oon 
Joa. Garn erius (Garnier) unb Fr. Rostgaard mirb meiter unten (Wnm.116) 
bei 93cfprcd)ung bc§ iüiffcnfd)aftlid;en Äatalog§ nod) bcfonberS ^inautoeifen fein. 

17 (©. 13). 2>a& ©chclhornS (1788—91 au VUin erfd)icncnc§) ©ud) ttiegen 
feiner ©hifeitigfeit mcber ein ooüftänbiger Unterridjt noch überhaupt eine. Wie 
es ber Sßcvfaficr aufgefafjt loiffen null, „tompenbtöfe Slnlcitung" genannt werben 



Digitized by Google 



Slnmerfungen 



347 



tonn, ergiebt fid) oit3 folgenbcr Überficht feine« SnbaltS: Äapitel I. 2*on ben 
Wiehtigften ©üdjeru, bic bem ©tbltothefar oorjüglicb nufcbar, oft unentbehrlich 
fmb. ffapitcl II. «Jon noch einigen befonberen ©chriften, bic bem ©ibliothetar 
itutibnr finb. Kapitel III. ©ou üöibliotbefcn, unb ber bem Sibliotbelar nötbigett 
unb nüfcltcben Scuntnifc berfelben. Sapitel IV. fßon ben §anbfchriften, bic in 
S3ibliotbefen aufbewahrt werben unb aufbewahrt 51t werben oerbteneu. Slapitel V. 
SQon gebrueften SBüdjern unb ihrem oerid)icbenen Sß3erthe ($Bon ber ©üdjerfunbe. 
unb beu wic&tigftcn .Füllmitteln baju; oon fcltcnen Suchern; <2eCtenr)etteit beS 
erften $rucfc$; Ausgaben ber SBibcl, SUttograpfien Sutt)er5 , flircbcnPäter). 
Äapttel VI (7 (Seiten!). 9Jon ber Einrichtung unb Crbnung einer ©ibliothci, 0011 
Verfertigung beS GatalogS berfelben, »cbft befonberen SBemerfuugen für ben 33iblfo= 
thefar. — £cr Xitel beS ©ucbcS foHtc Pielmcbr lauten: Anleitung jur SBücbers 
unb fcanbfehriftentunbe. gür ben «Irehtoar war ber niemals erfehieneue brittc 
Seil beSfelben befttmmt. . 

18 (©. 14). ftriebrid) Slbolf (Jbert, geboren ben 9. $uli 1791 ju Xaiufja 
bei fieipjig, bcfudjtc fett 1800 baS 2cip,jiger SJcifolaigumHafium unb* feit t 808 bic 
Unioerfitäten fieip^ig unb Wittenberg, warb 1 81 2 3Jiagifter, nahm feit 1813 an ber 
Dßenbearbeitung ber Seip^iger tluioerfitätSbibliothct teil, nadjbem er bereits als 
©cf>üter an ber bortigen ©tabtbibliothef beic&äfttgt worbcu, würbe 1814 ©efretär 
an ber Sfgl. Sibliotbcr in Bresben, 1823 Cberbtbliotbclar in SßJolfcnbüttel, oon Wo 
er 1825 als Vertreter beS hodjbctagteuCbcrbibliotbcfarS Seigcl nacbXreSben ^urücf* 
lehrte. Seit 1825 zugleich and) sum ^rtoatbibliotbefar beS ÄbnigS beförbert, würbe 
er 1826 §ofrat, 1828 Cberbibliothetar, ftarb aber oiel ju früh für feine SSiffen* 
fdjaft bereits am 13. SWoocmbcr 1834 an ben folgen eines Sturzes oon einer 
SibltothelSlcitcr. tf. ftalfenftetn in erfeg u. ©ruber* Gncuflopäbic. Slrtüet 
„<£bert", wofelbft aud) ein SBcrjeichniS feiner Schriften. 

19 (©. 14). Sie erften £>eftc pon ©ebrettiuger finben fich remittiert in ber 
£berbeutfcben Allgemeinen ßitcraturjettung 1808, 9ir. 73, in ber leiten 2eipjtger 
fiiteraturjeitung 1808, ©tücf 87 unb in ben $cibclbcrger IJabrb. ber Sit., 3. 
Shg-, 1810, £ft. 2, ©. 45 ff. Ungünfiiger als bie genannten »cfprechungen war 
bie ßrittf ber erften brei §cftc (b. i. beS erften öanbeS) in ber Senaten 8W» 
gemeinen Sitcratur^eitung 0. 3. IS21, 9ir. 70, 71, gegen welche ©djrettinger feine 
im 5WeitcnS3anbe wiebcvabgcbrucfteSlntilritif richtete. GtneS3cfpred)ung beS ganzen 
ÜBerteS gtebt SHolbed), Über »iüliotfjcfswtffcnfrhaft. Sluljang, ©.231—248. 

20 (©. 15). £a8 Ü)i ol bechfehe Such, beffen bauifdjer Sitcl „Om offentlige 
Bibliotheker, Bibliothekarer og det mau har kaldet Bibliotheksvidenskab" 
lautet, war anfangs in bem ^weiten unb brüten SBanb ber [Nordisk Tidskrift 
for Historie, Literatur og Konst gebrueft worbett, woraus eS mit wenigen 
^Berichtigungen unb Scränberungcn, aber burch 2lnf)ängc über ©chrcttiugcrS 
tBibliothelSfoftem unb beffen Äatalogthcorte fowic über bic grujje tgl. Öibliothcf 
in Äopenhagen Permehrt herausgegeben würbe. SDcolbcd), geb. 17 03, feit 1804 
SlmanuenftS, feit 1823 erfter 53ibliothcfSfe!retär, feit I8i9 ^rofeffor ber üitteratur* 
flcfchtchte in Kopenhagen, ftarb 1S57. 

21 (©. 15). 2luSführlid)e Sicjenfion Pon ^e&fjolbt im ©erapeum, Shö- TI i 
©. 59—63. Xerfelbe beurteilt bic ©d)rift Gonftantiuö offenbar ju ftreug, wenn 
er fte ein „bödjft unzulängliches 53ud), ein SDiachwcrf" nennt, welches nicht auf 
beutfehen iBoben, bem beficre <Scf)vifteu über bcnfelDen ©egeuftanb entfproffen 
feien, hätte übertrogen werben forte«. Der SBcrfaffer, beffen wahrer Dcame 
Seopolb Sluguft Gonftantiu freffc lautet, erfennt ieinerieits bie SSortrefflichfeit 
ber beutfehen ©chriften auf biefem (Gebiete ebenfo riicfhaltSloS wie befefteiben felbft 
an, Wenn er au ben Verleger ber bcut)cr)en Überfettung fehreibt: „Cependant il 



Digitized by Google 



348 



» 

21 tun errungen. 



(le volume) n'e'tait ecrit que pour la France, oü un pareil guide man- 
quait, et non pour l'AUemagne qui poss?*de dans les ouvrages des 
Ebert, Molbech, Schrettinger, Kaiser et autres les meilleurs modeles de ce 
genre". Slud) 3oHer finbet $cfcbolbtS «Beurteilung „au bitter". $a« Such nntrbe 
übrigens fogar nod) 25 Sa^re nad) feinem erften Srfdjeinen oon Dionisio 
Hidalgo in baä ©pnnifchc überfefct. flfctfjolbtS 9tn$., 3hg. 1865, 5Rr. 229, 
557, 943; 1806, Kr. 227, 495, 841.) 

22 (©.16). Eingefjcnb befprochen ift 8oüer§ Such bon ^ße^^olbt im 
Sinniger, 3bg. 1846, ©. I— XVIc unb oon *R o u m a n n im ©erapeum VII, 1846, 
©. 869—376, aiid) bon biefem ßünftig. (Stenglein (im ©erapeum XVII, 
145) nennt c§ „ein tfvcix furjeS, ober trefflidjc3 ©ebriftdjen". 3n Green, Library 
Aids (1S83) ©. 41 macht F. L[eypoldt] bie Scmcrfung: ,,It is proper to State 
here that Dr. Zoller is preparing a new, enlarged edition". Sebauerlicher SBetfe 
ift btefe erfreuliche Slnfünbigung einer neuen Auflage nicht in Erfüllung gegangen. 

23 (©. 1 6). SuliuS <P e h o l b t , geboren ben 25. 9?ooember 1812 ju Srcäben, 
ftubierte in Seip^ig unter ©. Hermann Philologie unb hurftc fett 1838 ununter» 
broeben als Sibltottjcfar ber dringlichen ©ecuubogcnitur«93ibltothel in feiner Sater» 
ftobt, bis er fidj 1887 $ur Kube fcfctc. ^cfebolbt bat fich um bie Stbliograp&ie 
ijodjöerbtent gemacht. qSc^bolbtö Sinniger 1878, ftr. 614, 1884, 9lr. 1184. Gin btö 
jum 3ahre 1863 rcicbcnbeS cfironologifcbcS Serjeicbnt« feiner ©Triften ftnbet 
fich ebenbafelbfi , 36g. 1868, 9ir. 602, 661, 793, 884. Sie Pom üaUcnifchcn 
ttnterrtchtSmtnifter Bonghi 1875 geplante Überfettung be§ StatecbiSmuS in ba3 
3taltentfche gelangte wegen beffen SRücTtrttte« nidjt jur Ausführung, ftatt beffeu 
erfchten fpäter bie ©djrift : Alcuni Pensieri suir Ordiuamento delle Bibüotecbe 
tratü dall' opera Bie Bibliothekenlehre del Dott. Petzholdt riassunti e 
tradotti per ctira di F. Garbell i. Brescia 18S0. 8°, Welche auf 26 Seiten 
wentgftenS einige fünfte über bie XitelPcv^etdjnung, Kataloge u. f. W. aus bem 
ÄatecöiSmu? bem italieniidjcu ^Jublifum betannt gab (Anzeiger 1880, 9er. 1119). 

24 (©. 17). ©ct^ingerS Sibltotbcfstcdjnif wetet fd)ou eine fcfjr mangelhafte 
Einteilung auf; fic fdjeibet A. 21b* unb Ginteilung ber Südjer, B. Aufteilung 
einer Sibliotbcf, c. Äataloge unb $ülf$bücbcr, D. ©runbfüöe für baS Crbnen 
in alphabetischer $olge, E. Erhaltung unb Verwaltung einer Stbltotbef. 9tulanb 
(Cberbibltotljerar in SBür^burg) nennt fic baber im ©erapeum XVI, 1855, 
©. 35G „ein ungeachtet mancher Anpreifuugeu gana PcrunglücftcS unb unnötiges 
Süchtcm". £er Samberger Sibliotbctar ©tcuglein, »elcher ibr eine au3* 
führlicbeSefpredjung cbenba, 3hg. XVII, 1856, ©.145—153 : Über Einrichtung unb 
Sratalogiftrung bcrSibliothefen mit befonberer Schiebung auf bie©djrift: ©eijinger 
(3oh- ©corg), StbliothefStedjnif, wtbmctc, gelangte fogar ju bem Ergebniffe, 
bafj ©ott alle beutfehen Sibltotbclare bor einer folgen SibliotbefStecbmf bewahren 
möge. Sergt. baju ©eijtngerS Entgegnung, 3"* neueften Sentit über Ein* 
rtchtung unb ßatalogtfirung pon Sibltotbcfcn, cbenba XVII, 1856, ©. 327—329 
unb ©teng lein § Abfertigung ber Anttfrittf be§ §rn. ©ciäingcr, ebenba XVIII, 
1857, ©. 379—381. 

25 (©. 19). Erwähnung berbicut an biefcv ©teile ber perftänbnisooa ge* 
f chrlebcnc Sluffafe uon © t a m m e r , SBeiträge jur StbliothefStcdjnif mit befonberer 
Söerücffichtigung ber ©djulbibltothefeu, in ber ^citfdjrift für ba8 ©ömnaftalnjefen. 
»f. 5. 3hg. I (= XXI), 1867, ©.417— 445. <Sot>a\m 9t. 3a nna fch, 5)ie «olfS^ 
©ibliotfiefen, ihre Aufgabe unb ihre Crganifattou. Xeutfrf;e3eit»u.©trcit*gragen V, 
1876, £>ft. 67. Slu^crbem feien noch bie folgenben neueren ©chriften wenigftenö furj 
genannt. — 3-^raft, Über ©cbülerbtbliothcfcn an ben SPolfS* unb ©ürgerfdjulcn 
in Cftcrrcid), Xcutfchlanb unb ber ©efnueiä. 2. Slufl. SSten 1882. 8°. — 



Digitized by Google 



Slnmcrfungen. 



319 



^. Sangtfialer, SBcgiocifer bei Anlegung ober (rrgänaung bon Äinbcr=, 
3ugenb* unb iBolfSbibltothefen. $bcbcn. I— III. 2tnj is$4— 87. 8°. — 
Ä. §uber, Über Sugcnbichriftcn unb ©chülerbtbliotbeicn. SBien 1886. 8°. — 
@. ©llenbt, Satolog für bie ©djülerbibltotbeten Oberer fiebrauftaltcn, nad) 
©tufen unb nach löifienfcbaftcn georbnet. 8. SluSg. #alle 1886. 8°. — Eli Ufte r* 
f atalog für SBolfSbtbltotbefcn. herausgegeben oom ©emeinnüfeigen 93crcine 311 
Bresben. 2. Slufl. fieip^tg 1886. 8°. — Gbrifttan 9tüpprecfit, Söibliotrjct« 
fcanbbucfi für funftgeioctblidjc ©rfmlen. 2Rünchen 1889. 8°. — 2Rufter« 
f ata log für herein«*, SJoltS* unb ©chulbibliotbefen. 9?ebft einer Anleitung 
jur (Errichtung bon SHbliotfietcn mit Formularen. Gearbeitet auf ©runb bc* 
gelieferten aWaterialS oon etioa 900 3tt>cigöeretnen ber ©efellfchaft für JBerbreiruug 
oon SBolfSbilbung. 2. Slufl. #annooer*2tnbcn 1890. 8°. 

26 (©. 19). Über ©raff au er ftc^c «pefcbolbt im Sinniger 1883, Kr. 69. 
Über Kettig oergl. feiger i*S3, Kr. 320; fittcrarifebe* Gentratblatt 1884, 
9ir. 3, ©. 98; Gentralblatt für SBibliotbefstoeien I, 1884, ©. 284. 

27 (©. 20). Edwards ift berfclbc SJerfaffcr, melier bie Libraries and 
Folinders of Libraries. London lvS65, 8° unb Lives of the Founders of the 
British Museum 1570— 1870. Part. I, II. London 1870. 8° gefchrieben bat. SBergl. 
Ernest C. Thomas, In inenioriain : Edward Edwards. The Library Chronicle, 
Vol. III, 1886, ©. 54-57. — ftad) bem Gentraiblatt für ©ibliothcfsroefen, 3bg. 1, 
1884, ©. 126 fönte ein neues Library Ilandbook oon ben betben Röttgen 
2Hitglicbern ber englischen Library Association H. It. Ted der, Librarian of 
the Athenaeum Club, unb E. C. Thomas, Late Librarian of the Oxford 
Union Society, beibe $u Sonbon, balbigft ber treffe übergeben werben, boch ift 
baS in 2luSfict)t gefleHtc SBerl noch nicht erjebieneu. 

28 (©. 20). (Sine Übcrftcbt ber italicnifcheu fiittcratur über bie 33ibliotbefS* 
lehre enthält Oilbfchnitt C Biblioteconomia) bie Bibliotheca bibliographica Italica. 
Catalogo degli scritti di Bibliologia, Bibliografia e Biblioteconomia pubblicati 
in Italia, conipilato da G. Ottino e G. Fumagalli. Koma 1889. 8°. 
3u ber bort gegebenen Slufräfilung fei noch. Giulio Bonazzi, Dell' Ordinamento 
delle Biblioteche. (40 ©.) Parma 1889. 8 U hinzugefügt. 

Sieben ben im Xejtc angefübrten Schriften berbient ber oon ©bert berfafite 
StrtUel „$ibliotbcteioifienfa)afr in (*rfd) unb ©ruber» (rncbtlopäbie auch heute 
noch ©eachtung, auch fei bcrjcuige in ber fceutfeheu (Sncoltopäbic hier mit enoäbnt. 
2luS ber fremblänbtfchcn i'ttteratur beben h)ir ben oortrcfflta)en Sluffafc oon 
William F. Pool e, The Organization and Management of Public Libraries 
in bem angeführten großen Söerle be§ Bureau of Education Public Libraries 
in the U. S. of America, ©. 476—504 heroor, Desgleichen ben erfeböpfenben ?lrttlcl 
„Libraries 0 in Vol. XIV ber 9. Auflage ber Encyclopaedia Britannica, [edited 
by Baynes and Smith] oon ben beiben SBibliothefaren H. R. T[edder] unb 
E. C.T[h o m a s], looburd} ber feiner Qcit beachtenswerte, anonyme Sluffafc Libraries 
($e$b. Slnjciger 1S60, Kr. 679) in The English Cyclopaedia of Arts and Sciences, 
condueted by Charles Knight, Pt. XVII, Col. 203—224 unb Pt. XVIII, 
Col. 225—253 überholt morben ift. Sludj möge ber 9tcbe, mit luelcbcr ber Eber* 
bibliotbetar be§ Söritifchen SPfufcumS John Winter Jones (oergl. über btefen 
ausgezeichneten 5 ac h man " Riehard Garnett, The late Mr. John Winter 
Jones. Transactions and Proceedings of the 4. and 5. Annual Meetings 
of the Library Association U. K. London 18S4. 4°. ©. 59— 67 ) ben internationalen 
Äongre& ber SBibliothclarc 1 877 in fionbou eröffnete, tocgen ber feffelnbcn 8lrt 
unb Söeife, toie bie juiduigeren fragen ber 93ibliothel8lcbre oorgefübrt toerbeu, 
ber 93eachtung biefe^ ober jenes üefer» empfohlen fein. 5)iefelbe finbet fity ab* 
gebrueft im Library Journal, Vol. II, 1878, ©. 99—119. 



Digitized by Google 



350 



ttnmerfuitgen. 



Xic fonftiflcn in amcrifauifdjcn unb englifdicn Scitfd^riftcn erfdjieneneit 
Huffäfcc über 23ibltotöef5tO€fcn finb unter ben ©ttdjwbrtcrn „Librarian, Library" 
aufgezählt in bcsfclbcn William Frederick Poole berühmten Index to Periodical 
Literature. Boston^ (James U.Osgood .Vc Co.) 3. ?lufl. 1882. grofi 8°, worin 
232 ^eriobtea für b\t§ laufenbe 3<tfjrf)unbert bis jum l. Sonuar 1882 herauf 
©erittffichtigung gcfuuben haben. £te £itel ber fettbem öeröffcmlidjten Journal* 
nuffafec ftub in bem neucrbingS erfdnenenen erften (fünfjährigen) ©upplemcnt* 
fcanbe ju jenem „äiSunbcrwerte bibliographifdjer ftorfchung unb bibliographifcbeu 
ÖleifeeS", betitelt: Poole's Index to Periodical Literature. The first Supple- 
ment from January i, 1882, to January l, ls*7. By W. F. Poole and 
W. J. Fletcher, \rith the Cooperation of the American Library Asso- 
ciation. BoHton 1888. 6°, nachgetragen. £ie im Library Journal bis 1883 
publizierten aahlrcidjen Slrttfcl aus ber SMbltothefSlehte ^at in überftcbtlidjer 
(Mrupptcruug Samuel S. Green in feinen Library Aids. Kevised and enlarged 
Edition. New- York (F. Leypoldt) 1&83. 8°, uebft anberen braudj&aren 
Motten nach ifjrcn Atteln befonbcrS jufammeugeftent ((Ecntralblatt f. 93., 3h0- I, 
1881, ©. 79—80). 9luf eine gvöjserc Stnaahl berfelbcn, foiuie bie wichtigeren in 
fonftigeu 3*itfd)riftcn, namentlid) ben btbliothctSwiffenfehaftlid)en gaebjouinalen, 
eifdjienenen 9luffäfce, fowelt bicfelben für unferc Qieit in 33etrod)t fommen, gc= 
benfen wir im Solgenbcn an biefer Stelle bei ben einzelnen Kapiteln furj hin* 
juweifen, Crbcubafelbft werben aud) btejenigen fclbftänbigen Schriften, welche 
bie betreffeuben Xeitc ber SHbltothefSlefire monographtfdj bcfianbcln, jowett fte 
un§ befannt geworben ftub, oerjeichnet werben. £fer fet fogletd) nod) auf einige 
bie 33iMiotI)ef§lef)re in ihrem gefamten Umfange berüdfidjtigenbe SlrtifcC eines 
ungenannten SBcrfaffcrS (nod) SBöhmcr: Bericht über bie o. $onicfautfd}e SBibliothcI 
ber Uniberfität $aQc*SSittenbcrg, ©. 65, «Inm. 49 war es ftörftemann) im 
©crapeum, 3hg. lir, 1842, SHr. 15, ig, ©. 220-256: Einige prafttfebe $e* 
merfungen unb SKJünfdje über bie öffentlichen süibliothetcn in ^ßreu&en, aufmerf« 
iam gemacht, bie »tele« enthalten, was ber 93ead)tung nod) immer überaus wert 
erfdjeint; oergl. baju: 93cmcrtungen über bie öffentlidjen SMbltothelen , mit 
Diüdficbt auf ben Sluffab in Dir. 15 bcS ©crapeums, oon bem bamaligen Xübinger 
UntoerfttätSbibliothelar Älüpfel, ©erapeum 1842, 9ir. 19, ©. 289—297. 9<ur 
bie allgemctnften Umriffe bietet ber al* Programm ber ^ermöglichen Stealfdjule 
SU ©aalfclb crfdjienene Slufiafc öon g. SDcüller, Über bie Einrichtungen 
öffentüdjer SBibltothefcn, mit bejonberer iücrütffid)ttgung ber ff. $of* unb Staats* 
bibltothcf ju aHündjen (1879). 

29 (©. 21). S.qSehholbt im feiger, Shg. 1840, 9er. 1; 1845, ©. IV ff. 
unb öfter, bcjoubcrS: Wetrolog bcS ©erapcumS, 3hg. 187 1, Sßr. 282. 

30 (©. 22). Xcr ^rofpeft $u ben „Sahvbüdjern" fiubct fid) im Anzeiger, 
Shg- lS-io, 9er. 1. Über biefen lefcteren fclbft oergl. bcfonberS ißcfeholbt, $cr 
Sinniger f. 93. 1840-1879. (Sbcnba, $hg. 1880, Nr. l.unb £um Jlbfdjteb. 
(rbeuba, 3hg. 1 SS4. 9ir. 1184. 

31 (©. 23). Über bie ßtele beS (SentialblatteS fiehe ben erften Mrtifcl 
beöfelbcn: ^ur Einführung, 3hg. !• 1884. 3)nft bie 3cttfd)rtft ftd) in für^efter 
^eit einen anertannten ^la|j unter ihren awitbcwerbcrlnncn errungen hat, tonnte 
bev Herausgeber, mit bem 3lu^brucfe bcS taufe* gegen feine IWitarbeiter, bereits 
am ©djluffc bcS ^wetten ^ah^gangcS fclbft betonen. 9lud) auSlänbifd)c 8eugnific 
liegen nad) biefer SRid)tung f)in üor. Tins excellent bibliograpbical periodical, 
fogt $. iü. The Publishers* Circular (1887, ©. 1283), almost indispensable to 
libraries (1887, ©. 388), crowded with information useful for the librarian 
and the bibliographer (1887, ©. 617); therc are few publications which 
more thoroughly answer to their title than this periodical (1886, ©. 1646). 



Digitized by Google 



51 unterfangen. 



351 



32 (©. 24). 5" 5HHifretdj erfdjten bereite 1 S44 Le Bibliothecaire. Archive« 
d'bistoire littlraire, de biographie, de bibliologie et de bibliographie, 
redigees par Möcene et Photius (SerapenmV, 1844,©. 363; $efcö. Än$ciger, 
3fjg. 1S44, 9*r. 470, 36g. 1^5, 3. XII). Ci« 1883 bilbete Le Cabinet historique bfl8 
Organ ber Slrduoare unb Sibltotijefare ; ba*felbc ging in bem genannten 3a&rt ein. 
Stn feine Stelle trat ba8 im Xejte erwäbnte Bulletin des bibliotbeques et des 
archives, roeldje* auf amtlidjen SRittcilungen bet franjoitfebeu Unterricht!» 
beerben berufjt. 3?ergl. Gentralblatt f. 3!)g. I, 1SS4, S. 491 — 492. <*r* 
mäfint fei nod) ba§ bem »ibliotljcfdiuefen reebt McnUcöe, wenn aueb unicren 
unmittelbaren 3 Me <fot ferner Iicgenbe Annuaire des bibliotbeques et des 
archives, publik sous les auspices du Ministere de l'instruction publique. 
Paris, Hachette, n>eltf)e§ aufeer ben Beamten bie Kataloge unb 3m>entare ber 
franjöftfdjen ©tbltotljefen öcrjeidjnct. 

33 (©. 24). ©ine au3fii&rlid)e Stnjeige be8 jiuciten 3nljrgange$ be* ipanifdjcn 
Anuario bringt ba* dentrolblatt f. 3bg. I, 1884, @. 482—488. 

34 (12. 24). Über Bianchis Giornale fiebe $c&bolbt3 feiger, 2^g. 1867, 
Ufa. 726, 1868, 9lr. 674. 

35 (©. 24). Biagis Rivista fiaben D. garttvig im Sentralblatt f. 3?., 
Sfjg. V, 1888, 283 unb H. Kephart tm Library Journal, Vol. XIII, 
1888, &. 205—206 angezeigt. 

36 (©. 25). The Library Chronicle ift im SentralMatt f. 36g. I, 
1884, @. 200—201 Iura befproebeu. 

37 (@. 25). The Library ift angezeigt ebenba, 3&g. VI, 1889, 8. 44—45, 
88-89. 

38 (<£. 25). 9tad) einer ftotij im Gentralblatt f. «. (3&g. VI, 1889, 
@. 569) mar aud) für Äonaba bie GJrünbung eines eigenen bibliogropfiifd)« 
bibliotfjetarifcbcu ftadjblattcS: Canadian Bibliographer and Library Chronicle. 
A monthly Journal for Book-People, including Autbors, Publishers, Manu- 
facturers, Seilers, Buyers and Readers of Books inS 5luge gefaxt. 

gtftex $ fif. 

<Ertf*r flbfrfcniff. 

39 (S. 26). fieger in ©rfd) unb ©ruber» ©ncbflopäbie unter beut Stirt> 
ftjorte „©ibliotbef". ©. aud) 9lnm. 47. 

40 (©.27). $ie ftottoenbigfeit ber ifolierten ßogc einer Stbltotbcf mirb 
Ijeiüjutage atliettig anerfannt. 3" 9Sari8 5. fjat man bie 3foticrung & er 
Bibliothcque nationale in neuerer ßeit fogar mit grojjen Dpfcrn erfnuft, ohne 
tnbeffen jene toöllig freiftefienbe Sage IjcrfteUen ju fönnen, mie ftc bie mobemen 
33ibliotfief§bauten aufeuroeifen pflegen. SWit ber Sfolierung mufj fretltd) ftets 
eint folibe feuerftdjere Bauart §anb in §anb geben. Cornelius Walford, 
The Destruction of Libraries by Fire. Transactions and Proceedings of the 
2. Annual Meeting of the Library Association U. K. London 1880, <S. 65—70. 

41 (©. 27). SHit 9Jcd)t fügt Poole „Any plan for library construetion 
is faulty which does not foresee and provide for future enlargement". 

42 (6. 27). Vitruvs Slmucifungen über bie Anlage öon SBibliotftcfcn unb 
bereu <&id)erung gegen fteudjtigfcit finben fid) In befien ©fiebern de Architectura, 
tpo er Uber 6, Cap. IV (vulgo VII) fagt: „Cubicula et bibliothecao ad 
orientem spectare debent , usus enim niatutinum postulat lumen , item in 



Digitized by Google 



354 



?inmerrungen. 



50 (©. 86). ftr. b. ©ärtner, ©ammlung ber (Enhvüvfe ausgeführter ®e» 
Baute, fifrg. l, 2: SBibliotficf unb ttrd)io*@ebäubc in SWün^cn. (20 Soliota fein 
In Stein graoiert.) SIHündjcn 1844-45., 

51 (S. 41). Sine SRetfie gana bor$üglid}er Slbbilbungen omertfontfdjcr 
5Btbltotljef$fäle (namentltd) foldjcr oon Colleges and Seminaries) finbet fid) int 
Circular of Information of the Bureau of Education 1887, 9tr. 2, bgt. ferner 
J. L. W h i t n e y , Catalogue of the Illustrations and Plans of Library Buildings 
in the Boston Public Library. Library Journal, Vol. XI, 1886, ©. 409—417. 
Slud) The Library Journal felbft bringt rcöelmä'ijlg öefdjrcibunßen unb Slb» 
bilbunßen neuer amcrifanlfdjer ©ibliotljet$gebäube. 

52 (©. 44). lit ffleform bcr amcrttantfdjen ©auart befürmortete bereit« 
Justin Winsor in feinem Sluffafce Library Buildings, obgebmCft in bent 
tuieberbott enoöbutcn 2öcrfe Public Libraries in the U. S. of America. Bureau 
of Education. Part I, ©. 465—475, worin er neue $(äne aufftcHt, oor allein, 
aber William F. Poole, «Bibliotbctar früher ber Public Library, Jefct bcr 
Newberry Library in Chicago (feine ©iograpfjte ßiebt W. J. Fletcher im 
Library Journal, Vol. XII, 1887 , ©. 281—283). Pooles bieSbejfiglicöe 
©djriftcn finb The Construction of Library Buildings. SBortrag abßebrucft im 
Library Journal, Vol. VI, 1881, ©. 69—77, in ben Circulars of Information 
of the Bureau of Education 1881, 3?r. 1 unb im American Architect, Sept. 17, 
1881 (Vol. X, ©. 131). — Progress of Library Architecture. SJortrQß ab* 
gebrurft im Library Journal, Vol. VII, 1882, ©. 130—136. — Remarks on 
Library Construction. To which is appendcd an examination of Mr. 
J. L. Smithmeyer's pamphlet entitled „Suggestions on Library Architecture, 
American and Foreign". Chicago 1884, 8° (Centrolbtattf. ». I, 1884, ©. 99-200, 
f. aud) Library Journal, Vol. VIIT, ©. 270 ff.). — Small Library Buildings. 
SBortraß abßebrucft im Library Journal, Vol. X, 1885, ©. 250—256. — daneben 
mößen nod) folgenbe bie Strdjitcltnr ber ©ibliotfieicn bebanbclnbe Strittet genannt 
fein: William Archer, Suggestions as to Public Library Buildings. Trans- 
actions and Proceedings of the 4. and 5. Annual Meetings of the Library 
Association U. K. London 1884, 4°, ©. 51— 5S. — W. Henman, Free 
Library Buildings, their Arrangement and Eittings. Transactions and 
Proceedings of the 6. Meeting of the Library Association U. K. London 1886, 
4°, ©. 100. — W. J. Fletcher, Library Buildings. Library Journal, 
Vol. XIV, 1889, ©. 30—40. — Normand S. Patton, Architects and 
Librarians. ßbeuba, ©. 159—161. — Addison van Name, Keport of Library 
Architecture. ©benba, ©. 162—174. 

£er ©efdjluf; ber amerilnnifdjen ©ibltotficfare erfolgte 1881 auf bcr $onferen$ 
ju SKaföington unb riefitete ftd), tt)ie aud) Pooles genannte ©chrtft a. b. 3- 1884 
gegen ben »on J. L. Smithmeyer tu ljcrfömmlic&em Stil entworfenen, 
fonft äu&erft großartigen $lan für beu Neubau bcr ©ibliotbef bcS flongreffeS 3U 
SSJofbington. Library Journal,Vol.VI, 1881, ©. 77-81, Vol. XI, 1886, ©. 50—58, 
mit Sibbilbungcn; ogl. aud) Gentraiblatt f. 3bg. III, ©. 369; IV, 320; 
V, 452; VI, 172; VII, 108. 9?ad) ben oeröffcntltcbtcn ©runbriffen fönte ben 
awittclbunft be§ äweigefdjofftßcn oblongen 33aue3 ein ßiojser fiefefoal bon 100 ftufr 
im Xurcömeffer in ftorm eines CctoßouS bilben, ber, burd) 6o6e8 ©citenltdjt 
crfjcat unb oon 56 «Hoben untßcben, 260000 »änte faffen mürbe. Sin ben 
fiefefaal fdjliefcen ftd) ftiablenförmig bie 93üd)erra'umc an, toeldje fämttid) burd) 
innere §öfe ju>eifeUtge$ 2icf)t erfjalten. 2>ie oier ©den beS oblongen ©ebäubeS 
neljmcn bier Heinere Säle ein, baoon aloei für fcltenerc SWanuftribte beftimmt. 
5m Cberßejö)ofic mürben in bie ftront bcS ©ebäubeS bie 93ern>altungSräume unb 



Digitized by Googl 



Slnmeriungcn. 



355 



baS SWagaain bc» 9lutorred)ts£ebot3, an bie Seite unb nad) rütfwärts Säle für 
«Berte bet gtabbifcöen Jiiinfte au liegen lommen. Xcr fiongrefe genehmigte 6mttl)» 
me^erS «Pläne unter bem 15. Slpril 1886, ber 99au würbe begonnen, burd) einen 
neuen 93efcrj(u& bcS StongrefieS oom 18. Sunt 188S aber wegen enormer Über» 
Idjrcitung ber in ben $oran)*cblägcn aufgeteilten Stoften, bie fidr> bis $ur S3olU 
enbung beS Kaufes bon 2— 2 1 /« o«f 7— 10 SDUOioncn XoHar3 erhöbt fiaben würben, 
inhibiert unb ber bisherige Slrä)iteit cntlaffen. Unter bem 2. Cltobcr I8bö würben 
bic Engineers of the Army beauftragt, neue ^Släne im Sluicfiluffc an baß bereits 
fterttggeftelltc au entwerfen, um eine SBerringcvung ber ©aufoften berbciaufüfjrcn. 
Library Journal, Vol. XIII, 1888, <S. 213, 217—218, 343. $ie oon ©cneral 
Casey eingereihten SBorfdjläge fugten bicfcS 3^ boburcO au erretten, ba& bic 
<Smit!jmel}crfcl)cn ^läne im aagemeiuen btoax beibehalten, im einzelnen aber ciit= 
gcfdjränlt würben, woburcö bic norf) aufauwenbenben Äoften nad) Gafcns einem 
ißorfcfilage auf 6 üWiflioncu, nad) einem ^weiten, nod) weiter tocreinfadfjtcn auf 
4 SWinioncn Tonart ermäßigt werben fonnten. Elfterer fanb bie gufttmmung 0€ g 
ftongreffeS, fo bafj ber Sikiterbau gefingert würbe. Library Journal, Vol. XIV, 
1889, ®. 30—34 (mit ?lbbilbungcn), 173—174. 

$cr SBortlaut bcS auf Slntrag Don Edniands an« <pf)iCobcl|>r)to gefaxten 
unb ein 3abr fpäter auf ber Äonfcrcna au Giucinnati einftimmig wicberfjoltcu 
Wichtigen 93eid)luffcS ift: „That, in the opinion of the Association, the time 
has come for a radical uiodification of the prevailing typical style of library 
building, and the adoption of a style of coustruetiou better suited to 
economy and practical utility". Foole felbft nennt bic bisherigen ©cbÜubc 
,,absurd, extravagant, combustible, and inconvenient". 

3m 3tufd)luiie bieran fei nod} beS bon Eirfkr Magnnsson, Spiral 
Library Buildings. Library Journal, Vol. XI, 1886, ©. 331—339 angeregten 
©ebautens ©rwäfinung getfian, SBibliotbclen in ber 32ci)e au bauen, bajj ftd) bic 
9täume fpiralförmig um einen freiSrunben fiefeiaal als 8cntrum winben, wo* 
burd) 2lnbauten ieberjeit ohne (Scöwicrigteit au bewerfen igen wären, ©gl. baju 
Poole im Library Journal, Vol. XI, ©. 359—362. 

53 (S. 46). 2)lc aus ber ganzen bauliefieu (Hnricötung fldj ergebenbe Über* 
ficiaung ber oberen Dläumc illuftrierte auf ber fionferena au 23af()ington ber 
©ibliotijcfar beS fiongreffcS Spofford burd) baS Skifpicl biefer felbft: ,,If you 
go", fügt er, „into the upper galleries of the Library of Congress, on any 
day of the winter, and take a book from the shelves, the chances are that 
it will almost burn your band. It has often occurred to me that if these 
warped and shrivelled and overheated voluuies were not inanimate beings — 
if they could only speak — they would cry out with one voice to their 
custodians: ,,Our sufferings are intolerable". In the library I speak of, 
moreover, there is only the injury resulting from the rising heat to which 
the books are subjected, since no gass is burned. When to the fearful and 
almost incandescent heat, that gathers under every ceiling, is added the well- 
known destruetive influence of coal-gas, burned through many hours of 
cach day, the efTects upon the books and bindings are simply deplorable". 
SlnberfcitS eraeugt im (Sommer bie (Sonne unter bem gläfcrncn £ad)e eine über« 
grofec, ben SBÜdjeretnbänben ntdjt mittber fcbäblicfic #ifcc. „Books caunot live 
-where men cannot live", bemerlt Poole. „In excessive heat the lcather 
of bindings slowly consumes, and its life departs. In libraries bindings have 
no such aggressive and destruetive an enemy as excessive heat. A well- 
known architect of Boston recently called upon me, and, conversing upon 
this subject, which was new to him, said that he frequently went into the 

23* 



Digitized by Google 



35G 



Slitmertungcn. 



galleries of the Boston Athenaeum to consult books, and when he came 
down found his clotbes covered with a fine read powder. He asked if 1 
knew what that powder was. I replied that I had often observed the same 
fact in the same locality , and I had no doubt that it was the a s.h e s of the 
bindings which had been consumed by excessive heat." 

54 (©. 47). to. Xiebemann, $ie UnitoerfitätM3ibliotßef in #aüe a. b. ©. 
3citTct)rift f. ©auroefen, 3bg. XXXV, i88ö, (£ol. 331—354, mit ©latt 47—49 
m «tla*. ©eitere Huffäfce begfelben ©erfaffcrS fmb Gentralblatt f. ©., 3bg. n, 
1885, ©. 198 angeführt. 

55 (©. 47). Über ba$ ©ritifetje SWufeum Banbeln u. a. bie in ber foeben 
erwähnten 3ufammenfteIIuug beS GentralblattcS f.©. (II, 1885, ©. ]97) unter I 
genannten ^lufjä^e. ©gl. au&erbem spefebolbt§ Slnsetger 1861, 9^r. 826. 

56 (©. 50). Louis Fagan, The Life of Sir A. Pauizzi. Vol. I, II (Londou 
18S0, 8°), I, ©. 350 ,,The first sketch for the New Reading-Room was drawn 
by Panizzi liimself ou April 18, 1852, and sbown to Mr. Winter Jones on 
the same day" unb Henry Kl Iis in einem an ^ani^i gcudjtctcn ©d)reiben toom 
21. Slpril 1857 (ebenba ©. 366) „Without lessening the merits of Mr. Smirke 
and Mr. Fielder in carrying out its plans, the contriver and real architect 
throughout has been Antonio Panizzi*'. 

57 (©.50). £jia$ro, £ie ©ibltotftet unb ber Scfcfaal bcS ©ritifdjen 
SRufeumä. «Prcu&ifdje Öafirbüdjcr, 33b. 48, 1881, ©. 846—376 (2>ajU $e$f)olbt3 
Slnjeiger 1882, Kr. 455, 541). — £eu pan bc§ fiefefaaleS unb ein ftacfimtle 
ber eriten ©lijje ^ani^ji? enthält A List of the Books of Reference in the 
Reading Boom of the British Museuni. 2. Edition, 1871, 6°. $n fiberficb> 
lieber ©kife (bie einzelnen Stellungen in tocrfdjiebenen Sarben bargefteHt) fü^rt 
bie (£tnrid)tung bcSfclben üor ber für bte ©enufccr bc§ SefefaaleS bestimmte Plan 
showing the Arraugement of the Library of Reference in the Reading Boom 
of the British Museum. North Library. (W. B. Bye fec, Vincent Brooks 
Day & Sons lith.) 

58 (©. 61). Über biefen neueften Slnbau unb Whites ©ermäd)tni$ fiefie 
Ernest C.Thomas, The New Building at the British Museum. The Library 
Chronicle, Vol. I, 1881, ©. 16-18. 

59 (©.51). Über bie meiften berfelben banbelt mit au3ge$cid)neter ©ad)= 
fenntnte flortüm in ber Allgemeinen ©aujettmig, $l)g. 4 9, 1884, £cft 6, 7. 
©ergl. aud) Gentralblatt II, 196. Über SBien f. nod) ©raf fauer in $ef$fi. «inj. 
1880, Kr. 118, to. ftcrftel, ebenba, Kr. 225, 353; über fiarlSvube ©rambad), 
$te ©roftfjerjogUdje §of* unb üanbeSbibliotfoef in ftarldruQe. 1875. KcuerblngS ift 
aud) für bie Äaiferlidje UniüerfitätS= unb fianbcSbibltothcf $u Strasburg eiuKcubau 
in $lu§fid}t genommen, für tocldjcn ber 2aube3au$fd)ufj retdje bittet bewilligt Oat. 

60 (©. 51). ©. Slum. 54. 

61 (©. 58). ©ei bem ©au ber ©ibliotfjcf gelaugten nad) toon Xiebemann 
(togl. Sinm. 54) 352 609 kg au ©ifentonftrutttonen jur ©erwenbung, wa* auf 
l cbm Kaum 16. 6 kg au§marf)t. 

62 (©. 60). SU§ ©li&abtcitcr btent bie (rifenfonflruttion im Innern befi 
©ebäubeS unb $war wäbltc man bret ber bis $um 2ad)e reidjenben ©äulen *u 
biefem Bwetfe auä. 3lu$iül)rltd)cre§ fiebe bei Xtcbemaun a. a. O. ftol. 347—349. 

63 (©. 60). Xb. ©[cfiott], Sie jtÖniaUd)e öffentlidje ©ibliotbct ju ©tutt* 
gart. Über £anb unb SUieer, ©b. 53, 1884/S5, Kr. 13, ©. 286—287. ©gl. 
aud) [Ib. ©d)ott,] Xcr Kcubau ber Ä. öffentlichen ©ibltotbef. ©d)mäblfa)e 
SJxonit, ©eilagejum ©d)tDäbtfd)cn aKerfur, Kr. 183 toom 2. 3lug. 1863. — ferner 
Wochenblatt für ©autunbe Vlll, 1886, Kr. 91 ff.; Mgcmeine ©au^eitung 1888, 



Digitized by Google 



?mmerfungen. 



$ft. 6. — <£nblid) bic ftcftfdjriften jum 25jäbrigcn «RcgterungSiubiläum flönfg 
«QriS tum Württemberg „Stuttgart 1864 bis 1889", S. 36-38, unb „Siürttem» 
berg unb fein ÄÖnig" 1804 bis 1889, S. 61, 8s. Stuttgart 1889. 

64 (©.63). Über Solfcnbüttcl f. bie ßentralblatt f. 33., 3bg. Hi 1885, S. 198 
genannten Sluffäfce. SBgl. and) bie cbenbott S. 520—21 gegebene f urje 93cfd)reibung. 

dritter Äbfcfjntti. 

65 (6.76). (*. ©teffenfjagen , Über <Hormalhör)en für ©ütfjcrgefcrjoffc. 
©ine bibliotrjeftea^nifcfje Erörterung. Stiel 1885. 8°. 

66 (S. 78). 3m ©ritifdjen SWufeum beträgt ba§ lichte Sängenmafe ber 
einäetnen 9tebofitortcnfä'd)cr nad) ffortüm 93 cm, in Scnben nad) einer 9ioti$ im 
Gcntralblatt f. C. (II, 333) bie Sänge ber SlbtetlungSbrcttcr, beren jebeS 9tepo* 
fttorium bort 8 befi&t, 90 cm. 

67 (9. 82). (Jtfeme 3mlfdjenwänbe haben j. ©. naefj Äortüm bie JRcpc* 
fttorien ber neuen Stöntglidten ©ibltotbef in Stodrwlm; ©ifenblcchplattcn über 
^oljrafjmcn geftretft unb mit rotem Öeber überwogen bienen nad) bemfelbcn als 
©uebbretter im ©rtttfetjen SWufeum unb 2 cm ftarfc, an ber oberen fläche mit 
SBadjStucf) bcflebtc Sd)icfcrplattcit als ebcufolcbc im New Kecord Office in 
fionbon. 

68 (S. 84). Über bic erwähnten MoUtifdje f. ben C. Ik. gezeichneten Slufiafc 
in ber Teutfdjcn 33aujcitung 1883, 8. 102, woictbft aud) nod) einige anbeve 
berartige (Sinrtcbtungcn befproeben finb. 

69 (S. 85). Tie SlnWcnbung oon Settern wirb auS ben Sibliotbelcn Wobt 
nie giinalitf) oerfcbwiubcn; nod) in ber gegen £nbe ber fiebsiger 3ar)re neu 
erbauten UnioerfttätSbibliotbcf ju STopcnbagen madrt 5. SB. bie #öbe ber einzelnen 
Stodwcrfc, wie Jtortüm bcrirfjtet, ben ©ebraud) berfclbcn erforberlid). Slnbcr* 
fcitS ift bic Saht ber älteren SMbliothetSgebäubc, in weldjen man bie Settern 
nicht entbehren tonn, nod) immer eine beträchtliche. 

70 (S. 86). Cin folcficr $anbwagen fürtet fidj abgebilbet unb näfjcr ertlärt 
bei tfortüm in ber Mgcmcincn Eaujcttung, 3bg. 49, 1884, S. 61. 

Vierter Ä&rdjniff. 

71 (3. 68). 3m SJritifdjen SRufcum r)at man bem neucrbingS wieber herbor* 
tretenbeu ^lafcmangcl burd) bewegliche SMicbcrgeftellc, welche oor ben fcftftchcnbcn 
JBüd)crrcgalcu angebracht finb unb. ba fic auf Stöbern laufen, bei bem ©cbraurfje 
btefer bcifcitcgcfd)obcn werben föuucit — eine Grfiubung Henry Jenners — , 
bis auf weiteres abgeholfen. Gcntralblatt f. 3bg. IV, 1SS7, 3. 364. 

72 (S. 89). ?t. 1 11 1 1 e rl i n , Tic Überfteblung ber Ä. öffcntltdjen ©ibliotbct 
$u Stuttgart im Sommer 1883. Gentralblatt f. 3bg. H, 1885, S. 59—61. — 
Sö. $aaS. Tie Übcrficblung ber f. f. llniwrfität3*53iblioiljcr *u «Sien im 
September 1884. Gbeuba, S. 312—321. SSgl. auch ^cfcholbts Sinniger 1884. 
Kr. 1182. — <£. Steffen tjagen, Über «Rormalhöfjcn :c, S. 33-35. 

3?ueitc* Kapitel. 

(Erjter Jtbrrfmttt. 

73 (S. 90). Ter bibliotbefarifcbc Staub tritt in einigen Säubern, nicht $um 
9?ad)teilc ber oon ihm ocrtrctcncn Sache, auch nach außen hin burd) biblio« 
thcfarifd)e Bereinigungen unb Berfa mmlungcu als ein gefdjloffeneS 
©anjc auf. Tiefe lejjtcreu bienen nid)t nur ba^u, baS eigentliche StaubeS* 
bewu^tfein im 93ibltothct-?bcamtcu ju heben unb 511 bewirten, bat bcrfclbc fidj 



Digitized by Google 



358 



Humerfungcn. 



in erfter fiinic als SMbliotbcfar, in zweiter erft als ^rod^flclc^rtcr fühle, fonbent 
haben aud) nad) »erfdjiebcncn 9ti(^tuiißcn hin greifbaren 9iut>cn für bic 33ibliotr)ef5* 
wiffenfdwft im allgemeinen unb bic SBtbliothcISlchre tnSbefoubcre hcroorgcbracfjt. 
Die auf euglifchen unb amcrifanifd)cn SScrfantmlungen gehaltenen Vorträge unb 
»cfprechungen $. 53. haben manches Aapilcl ber ©tbliotbcfMebre gctlärt unb 
bereichert; bie SSirrfamrclt ber öon ben Bereinigungen auSgehcnben periobifdjen 
5acr)blättcr ift eine anerfanut »crtrcfflichc ; bic buref) öerciute Strafte (ber bc« 
äefehnenbe amerifanifche 9lu3brud lautet Cooperation) ju fianbe gebrachten 
bibliograpfjifchen Arbeiten finb jumteil (iuir erinnern nur an ben Cooperative 
Index to Teriodical Literature) »on blcibcnbcn Säkrt für unferc 2Biffcnfd)aft 
unb Iaffen noch »iclcS ©ute errjoffett, unb fd)llcfjlid) barf aud) bie Slnregung, 
welche ber gegenfettige perfönlidjc ??crfct)r ber 33ibliotbcfarc auf ben SJcrfammlungeu 
bietet, bei Beurteilung bcrfclbcn itictjt aufecr ?ld)t gclaffcn werben. (Sehr treffenb 
ift in biefer ©cjicljung baS, was Justin Winsor als SJJräfibent ber fedjöten 
SWgemctncn SJcrfammlung ber uorbamerifanf)d)en öibltotfjefare in 93uffalo aus* 
gefprodjen bot. #wciflcr, fagt er, tyabcw wohl bic ftragc aufgeworfen, was bemt 
93tbliothe!arc aniät)rltd) ju öcir)anbcln hätten; c§ müftte ihnen bod) mitbcr3eit 
ber Stoff ausgeben. „Wag fein", erwioert SÖinfor, „aber wir lehren »on 
unferen Sufammcntunften heim mit erfrifchten Straften unb nehmen mit uns 
hinweg ein frcunblidjeS gegenteiliges Sntcrcfic, einen Slnflug »on anbereu Sbecn 
al§ unfere eigenen, erweiterte ©cfidjtSpunftc unb grüubüchcrc ^Utfictjtcn, als 
mir fte aus ben (hfabmngcu unferer tlcincu Slutonomicu f am mein tonnen. 
XaS ift ber 9?ut>cn, baS ber eigentliche ©ewlnn unferer jährlichen 3>crfammlungcn. M 
(Library Journal, Vol. VIII, 1883, ©. 163— 1G5, Geutralblatt f. 33., 3bfl. Ii 
©.412—418.) GS ift in Xeutfdjlonb nod) nicht gelungen, einen allgemeinen 33iblio» 
tbefSocretu in baS 2cbcn au rufen. 3war D Qt c § ntc^t an SBcftrcbungcn gefehlt, 
biefem 3icle näher $u rammen, bort) finb bicfelbcn bisher erfolglos geblieben, 
bereits 1874 machte 9t ul l mann in feinem ©djriftchcn : 2ie ©ibliothefS« 
ciurtcl)tung*fuubc jirnt Sbctlc einer gcmeiuiamcn Crganifation, bie 33ibliotbetS« 
wlffciifdjaft als foldjc einem bcfoubeicu UniocrfitätSftublum in $cutfd)lanb unters 
morfeu. ftreiburg 1^74. 8° (2.7, 8,27, 28) ben U>orfd)lag, eine Skrfanunlung 
»011 ^ibliothcfarcn 51t berufen, auf welcher bic übcrcinftimmcnbc Organifation 
ber beutfd)cu üüibliothcfcu herbeizuführen unb bic frragc ber £>croubilbung ber 
ibibliothersbeamten 511 regeln wäre. 91 IS ©cgcnftänbc cinfadicr Beratung ohne 
ftreng binbeube 3)cid)Iüfic würben jene fragen fehr wol)l geeignet gewefen fein, 
eine bibliothcfarifd)e ißerfainmlung auf beutfehem 33obcu ju befcl)äftigcn. Demi 
es ift ja recht eigentlich ber 3iocd foldjcr Söerfammlungeu, neben anregenbeu 
unb bclchrenben Giitöcloorträgcn auf bem SBcgc rein alabcmifcher ©rörtcrungen, 
bie fd)licf$lid) immerhin in einem Qicfamtbefdjluffc, wobei inbeffen auch baS 
$otum ber Minorität 511m «luSbrud su gelangen Ijat, öuiammcngcfa&t werben 
mögen, neu auftaud)enoc ajicinuugen unb <£länc 511 bcfpred)cn unb baueben 
ftrittige fünfte unferer SSiffenfdiaft 5ur fllärung su bringen. Da jebod) nach 
StullmannS Slnficht bie auf ber ^crfammlung gefaxten ^cfd^lüffc fowohl »on ben 
Obcrbehörbcn wie »011 ben 23ibliotljciarcn als „»ollfiänbig fouberän" angefeheu 
werben follten, eine ^orberung, Welche öiel 4U weit ging unb, weil bie »rechte 
ftaatlidjcr Organe cmpftnblid) berühreub, gcrabcäii auSftdjtSloS fein mufete, fo 
war »on »ornhereiu für etwaige Slngriffc eine fefte S3afi§ gegeben. Der 33orfd)lag 
würbe bemt aud) »ou ©tcffcnf>agcit nad) biefer Ditchtung hin mit ©rfolg 
angcfoditen unb als unburdiführbar »erworfen. Dcrfelbc betonte u. a., ba| ein 
angemeines bcutfd)cs ^ibliothclSrcglcmcnt nur nad) »orangegangener SBerftäubigung 
ber Siiiiclftaaten auf nbminiftratioem ffiJcgc »om 9{cid)c ausgehen lönnc unb 
oa& bic bcfd)lofjcucn SReformcn befouber^ aud) mit ber ©eibfrage au !ämpfcn 



Digitized by Google 



Süunerlungeu. 



359 



fjaben Würben, ba Ijter bie Dbcrbefjörbcn mit gug unb Stecht ein gewichtige» 
SSort &u fpred)en hätten. 3a ©teffenbagen ging nod) einen ©d)ritt weiter unb 
50g bie 9lu8fiÜjrbarfeit bec SJcrfammlung fctbft in Swcifcl, weil babel bie Ober* 
bibliotljelare mit ben Untergebenen auf eine (Stufe gefreut fein mürben, eine 
Anomalie, weld)er biefelben fdjwerlid) geneigt fein bürften, fid) *u unterwerfen. 
G>efd)efje bicS aber aud) wirfUd), fo fei e§ immer nod) fdjwer, an bie 2Höglid)fcit 
einer 83erftänbigung auf bem SBcge beS ÜJcajoritöt8befd)luffe8 ju glauben. ©0 
febr batjer bie 93erfammlungen bie perfönlid)e Slnnäfjeruug" ber Jöibttotljctare 
förbent Würben, bürfte bod) für bie ©adje felbft im ©ruube wenig ^erauSfommen. 
©iefje d. ©teffenfjagen. ßur Kcform unferer üffcutlid)cn SMbltotfjefcn, 
3. ©rcnjboten, 3bg. 34, 1S75, ©emefter I, 53b. 2, ©. 219 ff., au&crbcm beifen 
abweifenbe Kejenfion öon KuümaunS ©d)rift in ber Senatfdjcn 2iteratur$ettuna 
1875, Kr. 6, ©. 104. Kullmann oerteibigte ftd) gegen Ic^tcrc in feiner Sinti» 
fritif bejüglid) zweier bibliotöelc-wiffcnfdjaftlidjerDieformproiefte, im Sinniger 1875, 
Kr. 177, wogegen ©teff entjagen eine 3)uplil unb ?tltenfd)lu& f ebeuba 1875, 
Kr. 355, Kuli mann Wieberum cincKcplif 1875, Kr.60G oeröffeutlidjte. $n einer 
„ber erften in Xcutfdjlanb tagenben 5Mbliotl)ctarucrfammlung" gewibmeten jweiten 
Sonographie: Über bie $erfte(luug eines gebrueften ©encrallatalogcS ber gro&en 
3Kanuf(riptenfd)ä&e im bcittfdjcn Keid)e. ftreiburg 1875. 8°, fitbrtc Stull mann 
feine 33crtcibigung (©. 8—10) gegen ©tcffent)agcnS ?luffa& in ben (Srenjboten 
unb fügte fobann nod) ein brittcS Obicft t)in$u, weld)eS neben ben beibeu früheren 
geeignet fei, auf baS Programm einer S3tbltotr)cfarDcriammluug gefc&t ju werben, 
nömlid), wie fdjon au* bem Xitel ber ©d)rift Gcroorgetjt, bie Anfertigung etucS 
flcbrucften allgemeinen beutfdjcn ftanbfdjriftcnfatalogS, ein ^Jlan, ber wieberum 
fdjarfe Angriffe erfuhr (f. $3ibliograübMd)e Slbocrfaria, 2)eel III, 1876, ©. 67—73: 
2>u K ieu, £wce bibliograpbifebe Utopiecu u. $ctfj. «nj. 1875, Dir. 171). Stud) 
Wtebert)olteKuümann feine Anregung im Anzeiger 1876, Kr. 854: £te ©ibliotfjcfar* 
tocrfammlungcn in £cutfd)lanb, worin er am ©d)(uffc bie 53itte auSfprad), bajs 
biejenigen Kollegen, weldje gefonnen wären, mit it)m „einen Aufruf $u erlaffcn 
bct)uf8 ber Anbahnung oon bcutfdjeu ©ibliott)efarbcriammlungen", Ujm foldjeS 
mitteilen möd)tcn. Xiefelbe blieb icbod) ohne ©rfolg; nur ein einiger melbetc 
fid). (£in £>inweis KullmaunS (Allgemeine 8citung 1877, Kr. 32, SBeilage, 
©. 473) auf bie furj auoor fiattger)abtc Sicrfammlung amerifantfdjer SJibliotbefare 
in 93t)ilabelpt)ia, auf weldje bereits ©ttbel im oorangebeuben 3af>re (Ungemeine 
Scttung 1876, Kr. 265, öcilngc, ©. 4050, audjabgcbructtimöörfcnblattf. b. bcittfcrjeu 
18ud)r)anbel 1876, Kr. 224, ©. 3107—68) mit einigen ben oorau§fid)tlid)cu Kuweit 
g'crabc btbllotr)eIariid)cr «eriammlungcn betonenben $3cmertungen aufmcrliam 
gcmad)t fjatte, blieb gleidjfallS wirfungSloS. Julius ^e&bolbt unterftü&tc in 
feinem Anzeiger ben ^Slait regelmäßiger bibliötfjefariicr)cr üBcrfammdiiigcn nadj 
Straften, fo in feinem Artilel SöibUograpt)ifet)c unb bibtiotbetwtffcnid)aftlid)e 
KcminiSccnacn. Slit^eiger 1877 , Kr. 1 unb 3um K&ineriiüitifdjcn unb ©uro* 
päifdjen ©tbliotbetwefcn, ebeuba, Kr. 314. Kid)t jum Vorteile tonnte es freiltd) 
ber ©ad)e bienen, baB ein berbiffener, grau in grau malcnbcr SluoittimuS in 
bcmfclbcn So^gange beö üln^eiger? Kr. 1094: Sur pcrfönlidjcn ©tellung ber 
33tbliotl)efarc, e« u. a. an ber 3^it fnnb „Wenn fid) bie iUbüotljctarc in Vereinen 
berbönben $ur gegenfeittgeu ©tärfung unb Hebung ifircr Sutcreffcn, uamentlid) 
5itr Slbwebr unwürbiger Umcrorbnungcn unb cnergifdjer SBefäntpfuitg unan* 
ftänbiger (sie) ©tellungcn - . ©obalb anftatt ibealer ©eftrebungen ber Slampf 
um ©onberintereffen al* alleiniger tnugeftellt würbe, mu&te bie Bewegung, 
Wie es tbatiädjlid) gcfd)nb, im ©aubc ocrlaufcn. ii>on neuem bat jwar nidjt 
eine birefte Slnregung, wofjl aber einen und) 3nl)alt unb ftorm gewid)tigcn 
Hinweis auf bie ©ad)c görftemann In feinem Sluffafcc: Xk ?ievbinbuug 



Digitized by Google 



360 



Slumerfungcn. 



jttrifdjcn ben beutfchen ©ibliothefen. Gentralblatt f. SB., 3hfl. I, 1884, ©. 7 gegeben. 

beutfdjcn SBtbiiothefare", Reifet eS bafclbft, „haben fid) bis ie&t ju folgen 
Äongreffen gor nid)t berfammelt, obgleich gerobe für ihre Bereinigungen mancher 
Übelftanb nicr)t ju befürchten wäre. £ie SBerfammlungen würben feinen im« 
förmlichen Ilmfang erreichen; fie mürben feinem Staate unb leiner ©tabt jur 
Saft faOen ; ©el ttouSbilbungcn würben räum oorlommcn ; ba§ Sofal wäre leicht 
ju begaffen; feinblich einanber gegenüberftchenbe SBibliotbefarfchulen gtebt eS 
nicht. es fäme t)iti in ber Zfyat auf einen SBerfud) an, beffen ©Clingen freiließ 
befonberS oon ber ^Serfön Ii ehielt beffen abhängen mirb, ber bie erfte Derartige 
löerfammlung beruft. es fönnte manches erforie&liche barauS hervorgehen, 
namentlich tt>enn fich baS empfehlen ber eigenen aRetfjobe als ber allein fclig» 
machenben nicht $u fehr borbrängt. darüber barf man ftd) inbeffen nicht täufchen, 
bafj Hochmut unb Trägheit ober perfönliche Abneigung aiict) hier manche fem 
halten mirb, bie man gern als leilnehmer fä'he." 3)ie Erreichung beS ßteteS 
fd)elnt gegenmärttg noch immer in unbeftimmter gerne $u Hegen. 

Sn^orbamerifa f anb bte erfte angemeine SSerfammlung bon ©ibliothef aren 
infolge eines oon Jewett, Poole u. a. gezeichneten SlufrufS am 15.— 17. ©ept. 
1853 in SRcm $orl ftatt. Siehe Edmund M. Barton, The flrst Conference 
of American Librarians. Library Journal, Vol. XI, 1886, ©. 217—219 unb 
William F. Poole, Address of the President. Conference of Librarians at 
Milwaukee. Library Journal, Vol. XI, 1886, ®. 199—204 (Gentraiblatt f. SB. 
IV, ©. 42—43). eine aioette tagte erft roteber 1876 (4.-6. Oftober) aus Sin» 
lafe ber SluSfteHung in ^r)itabelpr)ia. #ier lourbe bte „American Library 
Association" gegrünbet. 3n begeifterten SBorten feiert ein Fachmann biefeS in 
ber Zfyat für baS amertfanifche ©ibliothefSmcfen epoefiemachenbe Ereignis 
„Through all Coming Urne", ruft er auS, „1876 "will be looked upon as the 
most eventful year in the bistory of libraries — the year in which the 
librarian claimed and reeeived at the hands of the public his place among 
the recognized professions." Dewey, The American Library Association. 
Library Journal, Vol. I, 1877, ©. 245. — l)erfclbe, On Library Progress. 
The Library, Vol. I, 1889, ©. 367 — 376. ©. aud) A. Ernouf, Causeries 
d'un bibliophile. L' Association des bibliothecaires americains et l'American 
Library Journal. Bulletin du Bibliophile p. p. Techener, XLIV, Annee 1877, 
©. 543—553. bereits im September beSfelben SaöreS erfchien bte erfte Kummer 
beS SBcretnSorganeS, beS Library Journal, toelchcS über bte feitbem faft regel* 
mäjstg jährlich ftattfinbenben angemeinen ©erfammtungen ausführlich Bericht ju 
erftatten pflegt. Sßerfammlungen fanben feitbem ftatt (2) 1877 in «Rem j)oxt, 
(3) 1879 in 93oftott, (4) 1881 in äöajhtngton, (5) 1882 in Gtnctmtati, (6) 1883 
in SBuffolo, (7) 1885 in fiafe ©eorge, (8) 1886 in 2Hümaufee, (9) 1887 in fcöoufanb 
ÖSlanbS, (10) 1888 in Catsna üKountainS, (n) 1889 in ©t. fiouis. 

$cr erfolgreiche ©erlauf ber SBerfammlung amertfanifcher 93tbltothefare in 
«ßhllobclbhia gob Me Slnregung $u bem internationalen ffongrefi bon 
S3ibtiothefarcn, mclcher unter bem SBorfifce beS bamaligen DberbibliotfjcfarS 
beS ©ritifchen äNufeumS J. Winter Jones oom 2.-5. Oftober 1877 in fionbon 
tagte unb jar)lretcr)c ^Beteiligung nid)t nur feitcnS ber SWehrjahl ber eurobätfefien 
Staaten, jonbern auch SWorbamertfaS fanb. Cctber mürbe $eutfchlanb nur 
Offizien bertreten, beutfcr)e SBtt>liott>etare maren bagegeu ntd)t anmefenb. $aS 
Programm marb beröffentlicht u. b. X. Conference of Librarians, Oct. 2—5 
1877. Order of Proceedings. [London] 187? Kol. 3krgl. Library Journal, Vol. I, 
©.32 5—326, 397—398, II, ©.04—65; Journal gc*n. de l'impr. 2. Sc"r. T. XXI, 
1877, P. 2. Chronique, 9?r. 42, ©. 173—174, Bibliografia italiana 1S77, Cronaca, 
9?r. 22, ©. 66—87. £te gehaltenen Vorträge finb ntebcrgelegt in Library Journal, 



Digitized by Google 



Stumerfungen. 



361 



Vol. II, 1878, ©. 99—219, bie Berhanblungcn cbenba. ©. 245-290. (Einen 
oefonbercn Bericht erstattete im Sluftrage beS italteuifchen 2KtnlftcriumB beS 
öffentlichen Untcrrid)t§ B. S. Mondino, Breve Relazione nelprimo Congresso 
internazionale dei Bibliotecaiii, tenuto in Londra in ottobre 1877. Palermo 
1878. 4°. 

3n ber ©c&lu&fi&ung befc^roffeu bie engltfdjen Si6Itotr)ef nre bie 
Begrünbung eines BibliothefSDeretnS für ©rofjbritonnlcn, welcher fich fofort fon* 
ftituierte unb unter bein Sßräfibium beSfelben J. Winter Jones als Library 
Association of tbe United Kingdom inSfiebcn trat. Die©tatutcn finb abgebrueft 
im Library Journal II, ©. 282-283, VI, 317—318. Die Bereinigung t)at fpäter 
ber Steifte nach in (l) Cjforb (1878), (2) aWandjefter (1879), (8) ©binburgh (1880), 
(4) fionbon (1881), (5) Gambrtbge (1S82), (6) fitberpool (1883), (7) Dublin (1884), 
(8) ^Itomouth (1885), (9) Sonbon (1886), (10) Birmingham (1887), (ii)©la8gow 
(1888), (12) Sonbon (1889) getagt. Daneben fanben monatliche Bcrfammlungeu 
in Sonbon ftatt; auch bilbeten [ich fiofal-SomittccS. Über bie Sßublifationen ber 
©efefifdjaft Würbe bereits an anbercr Stelle (©. 24, 25 beS DerteS) berichtet. R. C. 
Chris tie, The Work and Aims of the Library Association. The Library, 
Vol. I, 1889, ©. 353—366. 3n ftr auf reich würbe oon bem gelegentlich ber 
kartier SSeltauSftellung 1878 aufammengetreteuen Congres bibliographique 
(Joiurnal g^neral de l'imprinierie. 2. S<5rie. Tome XXII, 1878, Partie 
2. Chronique, 9?r. 29, ©. 122) jwar ber Bäunftf) auSgefprodjcn, bafj eine Bei* 
fammlung franjöiifcficr Bibliotbctare im barauf folgenben %af)xe ftattfinben foUc, 
um u. a. ein für iämiltdje Bibliotljefcn beS SanbeS giltiges bibliograpfitfchcS 
©Aftern ju beraten, ber 23cfcr)lufe hat inbeffen nicht bahin geführt, eine Bereinigung 
ber bortigen Bibttothefarc in baS Öcbcn $u rufen. 

74(©. 91). Die frage ber ©elbftänbigfeit beS bibltothefarifchen 
Berufs war jwar oon fiehrern ber Bibliotbefswiffenfchaft feit langem in 
beiohenbem (Sinne entfehieben, gleidjwohl beburftc es in Deutfdjlanb, namentlich 
bei ben Uniöcrfito'tSbibltotbefcn — bie beutfehen Dcrritortalbibliotbcfcn umreit 
öon Slnfang an in biefer Beziehung günftiger gefteüt — noch mannigfacher 9ln* 
regungen unb Stampfe, ehe auch biefe, ftatt einem anitgliebe ber afabemifchen 
fiehrerfchaft (in ber SHcgel einem orbentlidjen ^Srofeffor), fachmännifch gejdjultcu 
felbftänbigcn Seitern unterteilt würben. 

©ebon ©cfjrettingcr (Cchrbud) ber Bibliothef*S3iffenfchaft, 33b. II, ©.192) hatte 
es feinerjett offen auSgcfprochen, „baft nicht jeber littcrarifch gebilbetc Wann ohne 
weiteres für eine Bibliothctarftelle gefchiett fei, fonbern bafe auch ber grünblicfn'^ 
©elehrte, ja fogar ein ^olhhiftor, erft nodj hte$u eines befonbent ©tubiumS unb 
einer ebenfo langwierigen als unerläßlichen i*rajis bebürfe". Unb (Sbcrt (Über 
Öffentliche Bibltothcfen ©. 57) fagte bereits im %af)xe I8ii in feiner einfiehtigeu 
SSeife : „Stuf alTen beutfehen Untoerfitätcn ift bie Berwaltung ber afabemifchen 
Btbliotbetcn nur folchen 2Näuncrn glcichfam als 9cebengefd)äft- übertragen, blc 
bei ber Unwerfttät fdjon ein anbercS 2tmt betleiben. Dies fommt oiclleicht baher, 
Weil man biefeS 2lmt für $u unbebeutenb unb leicht hielt, ober weil man eS mit« 
unter nicht fo falariercn fonnte, bafc es allein unb für fich einem ©clehrten feinen 
Unterhalt gcjtchert r)ätte. Sin manchen Drten mögen aUcrbingS auch betbe Sälle 
eingetreten fein. Diefe Berbinbung beS BibltothcfariatS mit anbereit 5'lmtcrn — 
mochte ber ©runb baoon auch fein, welcher er wollte — tonnte offenbar für bie 
Bibltotfjefen felbft feine erfreulichen Solgen haben", ©bert hält es für beutlich 
erwiefen, baß berjenige, ber baS bibliothefarifche Slmt mit 9tufcen unb (Srfolg 
oerwalten follc, ftd) ihm auSfcfjticBIicf) Wibmen muffe unb forbert, unter Hinweis 
auf eine weiter unten $u erwähneube Siu&crung beS §ugo BlotiuS, bo| ber 
Bibliothefar bon auberen, 9?ebcnbcfcf)äftigungcn gänzlich frei fei. $n äfjnlttficr 



Digitized by Google 



362 



tfnmerfungen. 



2Set|"e Ijaben fidj fobann Eon ft antin unb anbere geäußert. Srofcbem erhielt 
ftc^ baS alte #erfommen. ©rneut nrieS im erften Safjrgange beS ©erapeumS 
1840, ©. 85—87 ber S3amberger ©ibliot&efar 3 öd in feinem Stuffa^e : Über bic 
mögliche ©elbftänbigfeit ber Sßorfteljcr tum Unioerfität$*93ibiiotf)efcn unter gleicher 
©efolbung mit ben orbentlidjcn ^Srofeftoren, nadjbrütflidj barauf Ijin, bafc „bic 
aufjerorbent lidjeit ftortfdjritte ber metften SBiffenfdjaften, unb befonbcrS ber im* 
enblidjc Umfang ber SBibliotbcf^iffenfcbaft bringenb ba$u aufforbere, bie 93orfteljer 
ber Untt>erfttät§=S5tDIiot^cf en aufelbftänbigen53ibliotbcfarenau ergeben, 
unb ifjnen jene ©erufSadjtung $u berfdjaffen*, welche ben 93orftebcrn anberev 
JBibliotfjefcn gesollt wirb". Sludi ber Jüerfaffcr ber bereits an anberer ©teile 
rülmtcnb Ijcrborgefjobcucu törtifelferte : Gtnigc praftifdje SJemcrfungen unb $Minfdjc 
über bie öffentlichen 33iblioib,efcn in ^Sreu&en, Äapitel VII, £ie SBtbltotljefare, 
im britten Sabrgangc beS eerapeumS, 1842. ©. 249 ff. fprad) fid) beutlidj gegen 
bic 83em>altung ber CberbibliotfjetarfteHen burd) Sprofcfjoren im ÖJebenamte aus, 
tueldie, oljnc für tbre bibliotbcfartfdje SluSbilbung audj nur baS ©ertngfte getljan, 
nodj itjre ©cfäbjgung na^gemiefen ju Ijaben, ttie Dii ex machina 511 einer fo 
tuidjttgcn ©tellung gelangten, ein ©erfahren, mcldjeS feljr $u beflagcn fei. Sbenfo 
erflörtc eS fpäter G. So Her im neunten Safjrgange beS ©erapeumS, 1848, 
©. 83 ff. $ie ©ibtiotbefmiffenfdjaft I, für bringenb nötig, ba& bie ftmter auf 
93tbliotfjefen nur an SWänner vergeben Würben, benen bie 33ibltotI)ef als 93ibliot$ef 
fclbft Qtotd fei unb bie fict) ba§ ©tubium ber ©ibliotfjcfswiffenfcfjaft $ur SebenS* 
aufgäbe gemalt hätten. Unb im ©erapeum XXI, 1S60, ©. 141 betonte ber 
bamalige SBüraburger Cberbtbliotfjefar 9htlanb mit ©ntfdjicbenljcit: „Wiemanb 
f amt sugleidj UnwcrfttätSlcbrcr unb ©ibltotbcfSmaim mit bem gleiten ©rfolg fein. 
CsntWcber $at man einen Sßrofefjor unb feinen SBibliotbetor, ober einen 33iblto* 
tficlar unb feinen ^Srofcffor. $er treue SBibltotbelSbicnft füllt baS gan$e Sebcn au§". 

©teidjwobl fanb bie cntgegcngciefete Sluffaffnng, nad) welcher namentlid) bie 
Scitung ber UitiocrfitätSbibliotljcten awafrfjUefelict) £o$entcn anjubertrauen fei, 
nadjbcm bie ^rage in ber Sfjeortc längft ipvudjrcif geworben War unb in ber 
«ßrajtS teiliocifc bereit? im ©inne jener iljrcr Cöfung entgegenging, toon neuem 
einen berebten ©ertetbiger in $rofcffor c i it 3 c 31t fietp^ig, weldjer in feinem 
fonft burdjauS bcadjtenSwerten Sluffafce : Nüttel unb Aufgaben unferer UniDerfttätS* 
bibliotljefen, Scitfdjrtft für bie gefammte ©taatswiffcnfdjaft. 93b. 26, 1870, 
©.261— 314 (and) Bübingen 1870 feparat erfdjicnen) oon ber Überzeugung aus* 
gcfjenb, bafe (©.305) be§ ObcrbibliotbcfarS Slrbeit nttfjt unmittelbares £>anbanlcgcn, 
fonbern Seiten unb Überwachen fei unb baü eS ber Scitung großer Hüffen* 
fdjaftlidjer Snftitutc nodj nie gcfd)abct f)abe, wenn an ber ©pifee ein SWann ftanb, 
ber aud) für anbere wiffenfdjaftltdje Slufgaben Sutercffe unb SBerftänbniS bewahrte, 
bie 5tnficf)t auSfpradj, bafc ben am Söegc bc§ Dberbibliotfi,efarS licgenben ©efabren 
ber „reine SMbliotbcfmann" oiel fdjioerer entQcfje alö „ber ®clcf)rte, ber SBibliotljef* 
lettung unb Scbrcrbcruf üerbinbef unb 51t bem pofitioen ©rgebuiffc (©. 307) 
gelangte, „ba& ber SMbliotfjcfar einer llutücrfität§bibliotb,cf jtoedmäfeigenoeife 
jugletd) Sojent fei". $»ein^eS Slnftcbtcn fanben inbeffen allseitige fräftige Qnxüd' 
lüctfung. SJladjbcm bereits in einigen flcincren Sirtiteln ber Jlblnifdien3eitung, 3bg. 

1870, SRr. 322,0, I871, Wr. n, 2 im ücrtoanbten ©inne gefprodjen war, wibcrlegte 
ein toortrefflirfjcr SluffaU in ber ?lugSburgcr 5ingcmcinen 3 c it"«9 1871, 9^r. 21, 
Vellage, ©. 342—344 4">cin5eS Slusfüfjrungen in äufeerft fadjeerftänbiger Steife; 
nodj au§füt)vüd)cr ober gcldjn^ btcS in 9lnton ÄlettcS anonym erfdjlencnen, 
Dortrcffltdjcn ©djriftdien: 2)ie ©elbftänbtgfeit bcS bibliott)cfarifdjcn ©erufeS, mit 
9?üdfid)t auf bic bcutfdjen UntDerfitätS=23ibliot^efcn. ©cfdjricben am 24. gebruac 

1871. Seip^ig 1671. 8°, tucltfjcS im ©egenfatte 511 £>cin$c ber „erfcnntniS, ba6 
bos 93ibliotl)ctSfaä) überhaupt ein Scbcnsberuf fei unb, wenn eS gebeiben fott. 



Digitized by Google 



9lnmcrfungen. 



363 



Wirflid) als ein foldjer betrautet werben rnüffe" (S. 15) fowie ber „Überzeugung, 
bafe es überhaupt eine ©ibtiotbetewiffenf d)af t giebt unb ba& man bieftäbig* 
feit jur 9lu§fUlIung eines blbliotbelarifdjen SlmteS nid)t oljne weiteres bei jebent 
beliebigen, wenn aud) fonft nodj fo tttebttgen ©clebrten borauSfcfcen barf (S. 19) 
aum Xurdjbrud) ju oerfjelfen fuct>tc. Xte bter ntcbcrgelegtcn ©runbfäfce fonben 
beifällige 3ufümmung in «ßefcbolbts feiger, 3bg- 1871, 9?r. 240 fettenS beS 
Herausgebers, in ber Hagemeinen ßeitung 1871, 9ir. 85, Beilage, ©. 1453—1454: 
£>te ItnioerfitätSbibliotbcfcu unb ebenba 1872, 9Jr. 227, ©eilage, <5. 3482: Snv 
Umgeftaltung ber beutfdjen UnioerfitätSbibliotbefcn, femer im fiiterarifdjcn 
Gentraiblatt 1871, Str. 16, Sb. 413; bcSglcidjen in bem Sluffafce Qur Sleform 
ber öerwaltung unferer UniocrfitätSbibliotbefen, ©renaboten, 3bg. 30, 1871, 
l. Semefter, ©b. 2, S. 857, mti&rcnb ^eiitje ebenba 1871, 2. Scmcftcr, S3b. i, 
S. 848—350 feine ierteibigung füljrtc. 28tc ^einje für £cutfd)laub, fo gelangte 
für Cfterreid) 9lbalbert ScittclcS (erfter Scriötor ber f. I. UniüerfitütSbfbltotbcf 
au©raj) in feinen ©lunbjügcn einer 9teform ber bftemidjifdjcuStaatS^tbliotbclen, 
©ra$ 1872. 8° in Söiberiprud) gegen bie anberwettig laut geworbenen ftorberungen 
$u bem Srgebuific „einer lociicn SBerquidung beS alabemiicfjen ÜebramteS mit bem 
33ibliotljefsamtc M , tnbeffeu mit bem auSbrürflictjeu 3"f«lK. «ba& in Öftcrrcict) bie 
Xinge eben ganj anbcrS liegen al$ in Tcutfdjlanb". Ojiefcb. Änj. 1671, 9ir. 793.) 

5n ebenio llarcr wie überaeugenber 5öeifc beurteilte einige Sabre fpätcr Gmil 
<2 teffenb agen in ben ©renaboten, 3bg.34, 1875, l.Scmcfter, SBb.i, 3ur JHcform 
unferer öffentlichen $Jibliotf)cIcn 11, S.459. biefe littcranfcbc gebbe, wenn er fagte : 
„(SS lann für ben unbefangenen Beurteiler feinem 3u>cifcl unterliegen, welche 
Stimme in biefem Sötbcrftrcitc ber Meinungen baS gröfecre ©cmid)t für fid) bot. 
2)ort bot man ftdr) berufen geglaubt, ein mafcgebeube* Urteil au fällen ofjne 
näheren Ginblicf in baS ©ctriebe einer grojicn ©ibliotbef unb obue genaue Slennt* 
niS ber tcd)nifd)cu Sluforbcrungcn, tucldjc an ben Detter eines foldjen ^nftituts $u 
rieten finb. $icr feben wir 5ad)leute für bie böd)ften Sntcrcffcu i^reS ©erufcS in 
bie Sd)ranlcn treten, ^»cittjutage, wo in allen ©crufSjweigen nur berienige bie 
ftüfjrung bcaniprudjen barf, weldjer aud) ba§ tcd)iiiid)c ÜRatertal bcr)crrfcfjt, wirb 
fJiiemanb mebr, ber nirf)t ooreingeuommen ift, bie 33ercd)ttgung jener oeralteten 
unb überlebten 9lnfd)auung begreifen, mcldjc ba* £>cil ber SMbliotfjetcn bon nicfjt 
tcd)nifd)er Seite abhängig marfjt. Soll ber Cberbibliotbefar „leiten unb über* 
wadjen", fo wirb er aud) baS „.^anbwerl" aus bem ©runbe beriteben müffen". 

SRadjbem ?lnton Älcttc in bem Sluffa^e: Tic Sclbftänbigfcit beS biblio* 
tfjefarifcrjcn SBcrufcS. ÜNit 9iürfitd)t auf bie bciitfrf>cn Stabtbtbliotbefen, in: £ic 
Statt. SSodjcn^cilage ber ftranlfurtcr treffe 18S0, 9tr. 4, ©. 29; 9Jr. 6, ©. 46; 
U^r. 8, 6. 61 nod) ein ^wettec- lUal feine Stimme erfjobcu, fprad) aud) Julius 
^e^^olbt, wcld)er ber Bewegung jjur ^erbetfübntng ber bibliotbcfarifd)en 
Sclbftänbigfcit ftetS fi)möatl)tfd) gegenüber geftanben, nod) ein SBort au bereit 
gunften in feinem Sinniger 1880, 9ir. 352, Über ^Srofefforen als Cbcrlcitcr bon 
93tbtiotljeien. w SWan bat angefangen", beifct eS baiclbft, „bie 5öibliotl)efSämter in 
bie &änbe gcfdjultcr 93ibliotl)crarc ju legen, unb wenn bicS aud) nidjt überall 
gefdjeben ift, fo ftcf)t gleid)wol)l öu boffen unb ju erwarten, ba& fid) bei ben 
SJeljörben, bie über bie Vcic(ung ber ©ibliotbefarfteHen ju cutfdjcibcn baben, 
nad) unb nad) überall bie Überzeugung werbe 33alm bred)en, nidjt bie ©elcl)rfamfeit 
aaein befolge jur «crwaltnug eines oberften 33ibliotf)et$amteS, foubern aur «er« 
waltung eines foldjen 9lmtcS eigne fid) au*id)Uei>lid) nur ein gefdjultcr JDiann 
toon gad)." tiefer 3luffafiung bat aud) baS (Scutratblatt mebrfad) Sluebrutf 
gegeben unb fogleid) im elften, oon ber SRcbaftion gefdjiicbcuen Slrtifcl: 3" r 
©infübrung (^bg. I, ©. 3 ff.) bie gragc in folgenbeu Korten berübrt: „9Jod) 
bor wenig Suftrcn fonnte eö als aWeifclf)aft crfd)eineit, ob in üetreff ber «er* 



Digitized by Google 



364 



Slnmerfungen. 



waltung ber Untbcriitätäbibliotljefen c§ beim Sitten bleiben werbe, b. 6. ob au et) 
fernerhin bie SJorftänbc ber Unibcrfttätsbibliotbefen au§ ber gabl ber ^rofefforen 
genommen »erben würben, ober ob nn bte ©bifce ber ©ibliothefSbeamten OHänncr 
geftcHt werben folttcn, weldje fadjmännifd) borgebilbet, ihre gan$e firaft ber 
Verwaltung bcS ihnen anvertrauten SnftitutS jn wtbtnen Ratten, $eutigentagcö 
tann e8 nidjt mehr zweifelhaft fein , bafr biefc ftroge beftnitto entfdiieben ift. 
Tcnn überaß wo in ben legten Sauren in ben Sänbern, in weld)cn bie beutfehen 
Xtnlücrfttätäeinridjtungen befielen, Untbcrfitä'tSbibltothetariatc, bie bisher im 
SRebenamte ocrwaltct würben, neu bejefct werben mufeten, finb unter bem SBeifatlc 
unb auf baS Slnbrängcn ber Uniocrfitätcn fetbft, gadjbtbliothefare angefteHt 
worben. Jieie (Einrichtung wirb man, wenn noch irgenbwo Neigung ba^u bor« 
Rauben fein iollte, nicht mehr riiefgängig machen fömicn". aWocfiten biefe JEÖortc 
fict) ooH unb ganj bewahrheiten. 

. 75 (©.91). (Erwähnung oerbient an biefer Stelle subörberft, waS Hugo 
Biotins 1579 (in consilio, quod de augenda et ornanda bibliotbeca Caes. ad 
Kudolphum II dedit, bodieque inter Msta bibliothecae Caesareae adservatur) 
bei Bure, Gottb. Struvius, Epistola ad Christ. Cellarium, p. 104—105 (»gl. 
^cfcbolbt39fnjciger,$l)g.l846,<S. XI), unb bei Lambeccius , Corntnentariorutn 
de bibliotheca Vindobonensi Lib. I (Vindobonae 1665), ©. 53 ff. Über ben 
©ibliothefar gefagt rjat : „Reqniri itaque videtur, ut bibliothecarius a reliquis 
muneribus sit Uber, linguarum multarum babeat cognitionem , sit justus, 
laboriosus, fidus, industrius, non pauper, non superstitiosus, amans rei 
literariae, et natura in promovendam rem bibliothecariam propensus". — ©o* 
bann nennen wir bie noch immer lefenswerte SRcbe, weld)e ber 9lbb£ 3- ©• Cotton 
des HouBsayes oor mehr als 100 Sauren au§ Slnlafj feiner (Ernennung aum 
Sibltothcfar ber ©orbonne in latcinifrf)er ©brache gehalten hat, Oratio babita 
in comitiia genernlibus Societatis Sorbouicae die 23. Decerubr. 1780, Parisiis 
1781 (bei Ph. I). Pierres). (fcine fraitjöfifdjc Überfcfeung gab Gratet-Duplessis 
1839, ^JariS (Techoner), ferner im Bulletin du Botiquiuiste 18S7, 1. ©ebt., and) 
ferbftänbig in bemfclbcn Safivc unter bemlitelJ. B. Cotton des Houssayes, 
Des devoirs et des qualitt's du Biblioth^eaire. Discours prononce" dans 
l'assembl^e g£n£rale de Sorbonne le 23 decembre 1780. Traduit du latin 
en fran<,ais, avec quelques notes par Gratet-Duplessis. Paris. 8°. ©ine 
cnfllifcfje Überfcfeung würbe im Book-Lore, Vol. II, 3?r. 7, bie Ijiernadj gefertigte 
bcutfdje Übcrfefcung in tJSe^olbtS Sinniger 1885, 9ir. 1800 oerö ff entlieht. 

ferner fjeben wir herbor: 
©ibUotbeiarifcbe ©riefe, in «pc&6olbts Hnjcigcr, 3hfl- 1B52, 9ir. 825, 940; 1853, 
9Jr. l. 

3- $efe&o!bt, 9lu3 ben (Erfahrungen eines fünfunbowanjtgiährtgen Sibtiothcfs 

lebend, ©benba 1S63, <Wr. 356. 
58ibliotf)cf«crfa^rungett. ©renftboten, 36g. 37, IST«, l. ©emefter, 33b. l, ©. 251 

bte 265, oud) abgebrueft im 33örfcublatt f. b. bcutfd)en öucbhanbcl, 3hg. 45 r 

187S, 9ir. 47, ©. 766—768 U. Kr. 53, ©. 87 S — 880. 
Giuseppe Amenduni, Dell' ufticio del bibliotecario. Napoli 1879. 8° (20©.). 
J. D. -Mull ins, The Librarian and bis Work.* Transactions and Procee- 

dings of the 3. Anmial Meeting of the Library Association U. K. 

London 18S1, ©. 69—76. 
R. K. Bowker, The Work of the Nineteenth-Century Librarian for the 

Librarian of the Twentieth. ©benbort, •!. and b. Arnum! Meetings, 

London 1884, 4°, ©. 149—152. 
Theophrastus junior, Of Librarians. The Library, Vol. I, 1889, (2.24, 107. 



Digitized by Google 



Siumertungen. 



365 



2ajj aud) jenfctt bcS OjcanS in ben «eteinigtcn Staaten SRotbamctüaS bie 
Sadjmännet jene bcbeutungSDoIIe ftrage nad) bcn (Stgenid)aftcn eines fluten 
©ibliotljefatS cingeljenbet JBeadjtung roett gefunben fiaben, ift fclbftuerftäublid). 
G» ift bicS aUetbingS Dielfad) nur oom Stanbpunfte ber freien öffentlichen 
©tbliotfjefcn aus gefdjeljen, beten Siele jumteil anbere finb als biejenigen, roeldje 
unfeten ftteng miffcnfdjaftlidjen gtö&crcn europäifdjen ©üdjcrfamntlungen gefteeft 
finb. ©teidnuo$I bieten Jene Vorträge unb Sluffäfce aud) für unfere SJerbältntffe 
beS SBcadjtenSwertcn übetauS SBictcS- ©S feien genannt 

Lloyd P. Smith, Tbe Qualifications of a Librarian. Library Journal, 

Vol. I, 1877, <£. 69—74. 
Samuel S. Green, Personal Relation s between Librarians and Readers. 

Sbenba, Vol. I, 1877, ©. 74-81. 
R. B. Poole, Tbe Librarian and his Constituents. Crbcnba, Vol. XI, 1886, 

©. 229—232. 

F. M. Crunden, Business Metbods in Library Management, ©benba, 
Vol. XII, 1887, <S. 335—338. 

76 (©. 91). Smith a. a. £>. : ,,His (the librarian's) motto should be: 
A place for every thing and every tbing in its place". 

77 (©. 92). C. Hartwig im (Scntralblatt f. ©. I, 45: „ßaum ein anbetet 
«eruf ift ein mebt nut bcn nnffcufcbaftliibcn ©ebürfntffen feiner amtmcnid)en 
bienenber als bet bibliotf)efartfd)c". 

78 (©.93). PesHoussayes (nad) ber Übctfctyung in ^Scfc&olbtS Sinjciger): 
„$et ©«matter einet SBtbliotfjet fönte alle öefudjcr mit einet unucvbroffcnen, fo 
höflichen unb freunblidjcn Mufmerlfamfett empfangen, bafj fein empfang jebem 
einzelnen nut als bet Stusjlufs einet tein jKtfönücrjen «lufmerffamteit ctfdjcint* 1 . 

Smith a. a. €.: ,,The treatment which tbe stranger, as well as the 
habituä, reeeives should be that of a gentleman, and in his turn he will 
behave like a guest in a gentleman's house". 

Samuel S. Green a. a. €.: ,,A librarian should be as unwilling to 
allow an inquirer to leave the library with his question unanswered as a 
shop-keeper is to have a customer go out' of his störe without making a 
purchase". 

3)etfelbe cbenba: ,,Reccive investigators with sometliing of the cordia- 
lity displayed by an old-time inn-keeper. Hold on to tbeni until they 
have obtained the Information they are seeking, and show a persistency in 
supplying their wants siinilar to that manifested by a successful clerk in 
ertecting a sale". 

F. M. Crunden a. a. C: ,,The modern librarian niust be a scbolar 
and a gentleman ; but, more tbait that, he must bc a good bu&iness man". 

• SSJie man fid) frütjci aud) jenfeit bcS CaeanS einen »ibliot^cfat mofil öor» 
ftelltc, bapon giebt Crunden folgcitbc eigbtyltdjc ©djilbetung: ,,It is not many 
years since the populär mind pictured the librarian as an elderly man of 
severe and scholarly aspect, with scanty gray hair, bent form, and head 
thrust forward from the habit of peering through his spectacles along rows 
of books in search of some coveted volume. He was supposed always to 
have led a studious and ascetic life , to have had his boybood and youth 
in a previous State of existence, and, since becomiug a librarian, to have 
lived wholly in the world of books, without any knowledge, thought, or 
care regarding the world of men and tbings". 

SBenu man in Slmetita bem SJibliotbefar ncucrbingS aud) nod) eine paba» 
gogifchc SSitlfamlett — a library is a school, and the librarian is in the 



• 



Digitized by Google 



36G 



Slnmcrlungen. 



highest Sense a teaeher, fagt Melvil Dewey (Library Journal, Vol. I, ©.6) — 
jugeroiefen hat, bic fid) nicht nur auf inbireltem üöcge burd) eifrige Unterftüfcung 
ber Stubien Slnbcrer gcltenb $u machen habe, fonbern audj bie »ilbung bcS 
$o(fe$ bitrdr) Vorträge unb Schrfurfc bireft förberu muffe, fo mag eine foldjc 
ftorberung in ben bortigen Skrbältniffen i^rc (hllärung fmben, audj namentlich 
in bem äUefcn ber greien öffentlichen Sibliothcfcn änmteil mit begrünbet fein, 
bie ja gcrabe bie breiteren 6d)id)ten be§ JBolfeS in ben RrciS ihrer fo überaus 
nü&lichen unb erfolgreidjeu Skftrebungen gebogen haben, ben fielen unjerer 
»ibliotfjeten liegt eine folehe SBeru;cnbung ber öibliotheKbeamten natur* 
gemäß ferner. 

79 (3. 94). <Sef>r treff eub fagt hfetü6cr W. de M. Hooper, The Evolution 
of the Hobby. Library Journal, Vol. XI, 1896, ©. 225—228: „Above all 
must he (the librarian) have a hobby for books. While he is not a 
bibliopole, a book-seller, he must be a book-buyer, and must study the 
art; and to do that he must be a bibliophile in his love for books; a 
bibliognoste in his knowledge of title-pages, colophons, editions etc.; 
a bibliopegist in his knowledge of their exterior and material forma, 
their bindings; a bibliographer, learned in the lore of special subjects. 
All these are necessary to his education as a bibliologist ; while he must use 
his discretion and avoid the danger of becoming a bibliotaphe, — a hoarder 
and concealer of his treasures under glass cases and in dark places, — a 
bibliothecal miser, in fact; or a bibliolatrist, and falling into too great 
worship of them ; orabibliomaniac, andcoveting their possession toogreatly". 

80 (S. 94). Sd)luffe biefer SBemerfungcn fei nodj barauf hingetotefen, 
bafe man in neuerer ßett fogar oerfuebt hat, bcr grage nad) bcr burdjfdjnittltdjen 
ScbcnSbauer ber JBtbliotficfare auf ftatiftifdjcm SBcge näher $u treten. (£8 hat 
bieS Cornelius Walford in feinem auf einer ÜHonatäöcrfammlung bcr englifchen 
SBibllotfjcfare gehaltenen Vortrage, On the Longevity of Librarians, abgebrueft 
im Library Journal, Vol. V, 1880, ©. 67—71 gethan unb feine Buhörer burd) 
ein günftigeS Ergebnis in SBejug auf ©rofcbritannicn — für anberefiänber fehlten 
ihm bie Unterlagen — erfreut. 

81 (©.94). Öriebriet) 9lbolf (£ b c r t , Xic ©ilbttrtß beö S9tMtotr)cfar«. 2.9lu8g. 
Scipjig 1820. 8°, mit Stecht ein „golbneS Büchlein" genannt. — 91. SJubil, 
©orbereitungsftubien für ben angehenben 33i0ltotf)cfar. SSSten 1834. 8°. — 2> er f., 
IBorfdjulc für btbliothefarifdjca ©efdjäftSleben. 2Jcündjcn 1848. 8°. 

82 (£. 95). Ernest C. Richardson, Encyclopaedia and Librarians. 
Library Journal, Vol. X, 1885, ©. 211—213. — Scrfclbe, Wh y Librarians 
Know.* ©benba, Vol. XI, 1886, ©. 204—208. — Tedder öcrlangt öom 
SBibliotfjclar bor allem an indexing mind, b. h- einen regiftricrenben Sinn; 
fiatt bic flenntniffe bei ftd) aufjuftauen, foH er in bem einzelnen Salle »ijfen, 
wo Sluöfuuft ju finben ift. 

83 (S. 97). §tcr finbet feine richtige ©teile bai oben 9lnm. 17 ermähnte 
IBud) oon Sdjelhom. — Jfir ba§ Stubium ber Bibliographie unb SBibliothcfS» 
miffenjehaft mar auf ben ^»od>fcf)ulcn bis in bic jüngftc Seit herein leine ®e* 
legenheit geboten. 9cur gnnj betctnaelte SluSnahmcn haben in oorübergefoeuber 
SSeifc r)ic unb ba ftattgefunben. So trug im Saufe be§ %af)zz$ 1865 Äarl 
(£ f t r e i et) c r an ber §auptfd)ulc $u SBarfdjau einen 5hufu§ über ©ibliograpbie 
toor (^cfcholbtS Sinniger 18G5, 9er. 879) unb in bemfelbcn ^ahre hielt ber 
bamoltgc SBtbliotficfar ber Unioerfüät Neapel Tommaso Gar ffiorlcfungen über 
Söibltoloßie bafelbft, bie er brei Öaljre fpäter unter bem Xitel: Letture di 



Digitized by Google 



Knmerfimgen 



367 



Bibliologia fatte nella R. Universita degli studi in Napoli durante il primo 
semestre del 1865. Torino 1868 in $ntcf erfcheincn liefe OßcfoholbtS Slnacigcr 1868, 
9ir. 152, 158). KeucrbingS ift in S)eutfchlanb bic Slufnabme bibliothetswiffen* 
fd)aftltdjer ©tubien in ben ÄreiS anerfonntcr atabemifcher gehrgegenftänbc 
WenigftenS an einer Unioerfität erfolgt, währenb man in onberen ßänbcrn bem 
befterjenben ©ebürfniffe in bexfchlebenartiger Söeife abzuhelfen bemüht gewefeu 
ift. ©S hängt biefe erfreuliche Neuerung mit ber grage nadj ber theorettfehen 
SBorbilbung bcS 33 ibtiotfjetarS übertäubt auf ba§ engfte jufammen unb 
fte ift ju einer brenneuben geworben, feitbem, wie wir fahen, bie ©clbftänblgtcit 
biefeS SJerufeS immer allgemeiner anerfannt werben ift. (ES fyaUn bafjer in 
ber Siegel bie JBorfedjter für eine foldje ©elbftänbtgteit pgleta^ aud) bte bem 
©ibliothetar an gebenbe SBorbilbung in ihre ©efpred)ungcn mit einbezogen. 2lud) 
hier mar e§ wteber (Sbert, welcher einer ftadjbrüfung ber SMbtiothefare ein» 
brutgltct) baS Bort gerebet hat unb anbere finb ihm fjicrin gefolgt, ohne an« 
augeben, auf ©runb meines genaueren ©tubienplancS eine foldje Prüfung 
fchlie&lich abzulegen fei. dr\t Otullmann hat im atoeiteu fcette feiner mehrfach 
erwähnten ©chrift: SHe ©ibliothefcinrtd)tung8iunbe $um Seile einer gemeinfamen 
Drganifation, bie SB iblio tt)ef ätüiff enf dt)a f t als foldje einem befonbern Untberfüäts» 
ftubium in 2>eutfdjlanb unterworfen, einen folcfjen ©tubienplan im einjelncn 
aufgeftellt. fcerfelbe foHtc in ber SSeife anr ©erwirlltajung gelangen, „ba& an 
einer ober, Wenn es fpäter baS Sebürfnis »erlangt, an mehreren unferer $oa> 
fdjulen bon bewahrten gadjmännern rein auf bie SMbliothefSwiffenfchaft beaüglid;c 
JBorlcfungen gehalten Würben", nad) beren SBoHenbung „nach 3Jcafjgabe berfelbeu 
oor einer ©raminationSfommiffion, bie aus ben betreff enben Eoaenten au bilben 
Wäre, bejüglid) ber Oualififation aum bibUothcfarifchen ©erufe eine Prüfung 
abgelegt werben müfjte". 

J)em gegenüber hat ©teffenhagen in feinem gleichfalls bereit« zitierten 
Mrtilel: Sur Stcform unferer öffentlichen ©tbltothefen II ©renaboten, 3t)g. 34, 
1875, l. ©emefter, 93b. I, ©. 456 ff. geltenb gemacht, bafj ber bibliothels* 
Wiffcnfd)aftlid)e UniberfitätSunterricht mit bem fiefj baran anfchliefjenbcn ©ramen 
allein nitf)t für auStcicbcub erachtet werben tonne, well baburdj im günftigften 
§ane eine blofj tr)eovetifcfjc ©orbilbung gewöljrleiftct Würbe. 2)ic f$rage ber 
praltifdjen 2)urdjbtlbung , welche für ben 93ibliott)ef3bicnfi bic $auptfadje 
bleibe, fei bomit nod) nicht gelöst. (fs fei fcljr wobt bentbar, bafe man bei 
aller theorettfdjcn SBorbilbung bod) nicht bie befonberen öigenfehaften unb Sähig» 
leiten befifce, welche gerabe ber SBibltothelsbienft forbere unb welche erft bei 
praftifcher fcfjätigfctt ftdj bewähren tonnten, ©ei ober einmal mit bem wob> 
beftanbenen Gramen ber Slnfprud) auf Slitftellung berbunben, fo gebe cS lein 
2Ktttel, bie ungeeigneten (Elemente, welche firfj in ber $rarjs nicht bewährten, 
abauftofjen. 9luS biefen ©rünben empfiehlt ©teffenhagen , an baS ^nftitut oer 
technischen Hilfsarbeiter, wie fte au einzelnen 33tbliothctcn neöen ben ctatSmäfjigen 
Beamten eingeführt finb, anaufnüpfen unb baSfelbe weiter anzubauen. $icfc« 
Snftitut gewähre bie aWöglichleit , cinerfcitS bie untauglichen Elemente attö= 
aufdjeiben, anberfeits bte tüchtigen Jträfte heran 51t jichen. 27?an möge es alfo 511111 
Sßrtitäipe erheben, nur foldjc ficute im ©ibliothcISbicnftc aitauftellcn, welche bic 
praltifche SBorfchule als Hilfsarbeiter an einer gut bcrwaltcten SMbliorhef mit 
(Srfolg burdjlaufen hätten. len bibliothefSwiff cnf dja f tlidien Uni« 
berfitätSunterricht will ©teffenhagen babei aur^cit noch nicht anr IBcbingunß 
machen, wohl aber ben UnlbcrfttätSuntcrricht überhaupt, ber grünb* 
lid) abfoloiert worbeu fein müffe unb wofür bie Xoftorpromotion als 2Rajjfiab 
5U bleuen habe. 



Digitized by Google 



368 



Slnmcrfuitgcn. 



TiefeS Don ©teffenhagcu befürwortete ©erfahren hat ftd) an ben bcutfdjen 
Bibliothefen t^atfäd^lict) audj mehr unb mehr eingebürgert. Tie einzelnen 
Bibliotfjeten nehmen Bolontärc bcjüglid) Hilfsarbeiter an, welche fid) juoor einem 
afabemtfd)en ^achftubium gewibmet haben. 3n ber flieget wenben fic^ Sßfjiloloflen 
unb ^iftorifer auf biefe Söeife bem BibltoihetSbienftc ju; febr richtig madjt 
inbeffen ©teffenhagen barauf aufmertfam, bafi ber Surift, ber SOTebiainer unb 
ber Theologe an einer wiffcnfdjaftlid) georbneten Bibliothet, befonbcrS ber 
foftematifd)en flataloge falber, cbenjogut am «Plate feien. 3n ueuefter £eit ift 
nun, wie bereits erwähnt, auf biefem ©ebicte bei uns nod) ein weiterer ©d)rttt 
nad) oorwärts infofern getban worben, als an einer Uniocrfttät, in (Döttingen, 
unb $war bon bem gegenwärtigen bortigen Cberbibltotbcfar $rof. Dr. T $ i a $ f o 
(früher in Breslau), bibiiotbctswificnfcbaftlidje Borlcfungen gehalten werben. 
Giue berartige, iiberbicS bcfdjränttc afabemifrf)e SSirtfamlcit beS CberbibltothcfarS 
innerhalb feines BerufSfreifcS auf bem ©ebtetc ber Bibliotbeiswtffenfdjaft fclbft 
tann natürltd) nad} feiner Seite bin Bcbcnlcn erregen. 95Jir bezeichnen biefe 
Einrichtung üielmebr als einen gortfdjritt, u>eit tjierburd) allen benen. Welche 
fpätcr $um Bibliotbcl3fad)e überzugeben gebenfen unb namentlid) aud) ben 
Botontärcn unb Hilfsarbeitern ber betreffenben Muftalt, ©elegenbeit geboten Wirb, 
fid) bie nötigen tbcoretifeben Bortenntnfffc $u erwerben. SBenn irgcnbwo, fo 
lönnte an biejer ©teile ber Hebel cingefefct werben, um ju bem fo oft unb oiel« 
fad) geforberten bibliot^etarifdjcn ftodjcramcn ju gelangen, inbem bie Slfpiranten 
cor befinitwer Stnftellung fid) über ben erfolgreid)cn Befud) fo(d)er Borlcfungen, 
bie aud) nodj auf ber einen ober anbern grofsen llntoerfität eingeführt »erben 
tonnten, fowte über i^rc bisherige praftifcr)e StuSbilbung an einer Bibliotbe! in 
einer Prüfung aus zuweifen Ratten. Bergl. aud) flarlßodjenbörffer, £ur Reform 
beS BibliotbctSwcfcnS in ben ©renaboten, 3bg. 45, 1886, 1. Quartal, ©. 262—268 
(baju bie Bewertungen bon £>. Hfartwtg] im Gentralblatt f. B. III, ©. 158). 
Tie Beibehaltung bcö »orbergebenben befonberen §ad)ftubiumS erweist fid) ba» 
gegen für beutfd)e st>err)ält«iffe nad) lote uor als notwenbig. 2Btr ftimmen in 
biefer Beziehung mit ben 9lnfid)tcn überein, welche fowobl ftodjenbörffer a. a. D. 
als aud) befonbera ©[djulz] im ßcutralblatt f. JB. I, ©. 490 geäujjert bat: 
,.9iur wer eine grünblidjc wiffcnfd)aftlid)e §ad)bilbung bcfi$t M , fagt lefcterer, 
„wer bie «Dictbobc wtffenfd)aftlid)er Slrbeit lennen gelernt unb baoon genügenbe 
groben abgelegt bat, ift im ftanbe ein guter Bibtiotbefar $u fein. 2Beffcn 
©eift gefd)ärft ift im eruften ©tubium eines ftadjcS, ber ift fähig, aud) auf 
anberen wiffcnfcbaftlicbcn ©ebicten fid) 5« orientieren unb bie litterarifd)c Be* 
wegung zu Verfölgen. Tiefe ftenntnifie auf irgenb einem SBiffenfdjaftSgcbicte 
finb bem Bibliotfjctar notwenbig; ohne (gillficht in bie 2lrt unb bie Söcge wiffen» 
fdjaftlidjer gorfdjung ift ber ißibliothefar ein uutergeorbneter 9iegifirator M . Ter 
llmftanb — fo mödjten wir uod) hinzufügen — , bafe ber ©tbliothefar mährenb 
ielner ©tubienzeit ben ©eift einer SBtffcnfdjaft 00H unb ganj erfaßt hat, bewahrt 
ihn aud) oor ben in einer mehr entt)tlopäbifd)cn ©ilbung liegenben ©efahren 
geiftiger JCerflad)ung unb plan» unb ibccnlofer Hcribbilbung. 

Hat er fid) aber auf ber Unioerfttöt bie ftrenge 2Kethobe unb banad) teils 
auf theorctifd)cm teils auf praftifdjem Söcgc bie nötigen blbliotheISwiffenfd)aftlid)en 
Jöorlenutniffe angeeignet, bann möge er baS Erworbene bor allem aud) ber 
»ibliothcfswiffcufdjaft felbft ju gute lommen laffen. Tcnn fie bietet thm mit 
©infdjlu& ber Bibliographie (ocrgl. ß. Söcnbcler, 28iffenfd)aftlid)e ©iblio« 
graphic — eine Slufgabe unferer ©ibliothelSbcamtcn, 9Jcue q3reujnfd)e 3«itung 
1886, 5lr. 97 unb 98, 1. Beilage unb D. Hartwigs] Bcmertungen baju im 
Gcntralblat: f. B. II, ©. 244) ein reid)eS gelb für fd)riftfteacrifd)e Shättgtat, 



Digitized by Google 



Slnmerlungen. 



i>tc bem Btbliothefar nic^t öcrweljrt fein foll, wenn anberS er feinen $lafr in 
ber geteerten SBelt, innerhalb beten er ja lebt unb webt, mit Ehren behaupten 
foll. $at bodj baS ttalientfche UnterrichtSminifterium, wie früher baS fpanifdje, 
unb wie es bie ^orifer ?lfabemie ber SßMifenfdjaften regelmäßig tbut, für gute 
bibltographifcfic Söerfc fogar Prämien geftiftet (Gentralblatt f. B. n, <5. 196; 
qßefcholbts Slnjeiger 1885, 9lr. 1944). S2Jer anberS aber foll berufen fein, ber* 
artige Sirbetten mit wirtlicher ©achtenntniS auszuführen als in erfter Stnie ber 
Bibliothefar? 9lber auch ju anberen Beröffentlicbungen , befonbcrS litterar* 
getcr>tcf)tft<r)er unb tec^ntfcr)er 9lrt, bietet fein Beruf ausgiebige ©elegenbett. SWit» 
tcilungen aus ben ©cfjäfcen ber ihm unterfteHten Btbliother, Beitreibung feltener 
Bücher berfelben, Söcrtcr)tc über bie ©efehiebte ber Slnftalt, ihre Einrichtungen, 
ifjr SöacbStum, ihre Benufcung u. f. w. finb lohnenbe ©egenftänbe bibliotbefarifcher 
©djrtftftellerei. pflegt ein 93ibtiotr)etar banebeu in feinen SKufieftunben audj 
noch biejenige SStffenfcbaft, bie er auf ber Unvocrfität erlernt tyat, wer möchte 
bieS an ifjm tabcln. wenn cS unbeidjabet bem eigentlichen Berufe, ben er ftc$ 
erforen hat, gefdjieljt? ES bat tüchtige Bibliotbetare gegeben, bie neben einer . 
anerfannten Sttirffamfelt in ihrem Berufe unb neben einer fruchtbrtugenben 
Ebätigtcit auf bcm (Gebiete ber Bibliotbetswiffcnfdjaft auch innerhalb, einer 
befonbem Söiffenfdjaft Grfprie&licfieS geletftet haben unb noch leiften. (Bergl. 
Literary Librarians. Library Journal, Vol. VII, 1882, @. 29—30.) Tedders 
oiclberufcner SluSfprudj „The librarian who writes is lost" bebarf ebenfo 
fehr ber Ginfcbränfung, toic er fclbft baS geflügelte SSort bcS 2Nart ^atttfon 
,,Tlie librarian who reads is lost'* mit SRecöt in gewiffe ©renken gewiefen hat. 

3n Englanb mar es befonbcrS ber ebengenannte Bibliothefar beS Athenäums 
iu ßonbon H. R. Ted der, welcher bie Erhebung ber Btbtfotbcfare für ihr 
Unit ftets befürwortet hat, fo u. a. in feinem lejcnSwerten Vortrage Librarianship 
as a Profession. A Paper read at the Cambridge Meeting of tbe Library 
Association Sept. 18S2. London 1884. 12° (befproeben öon <S [chul j J tm Zentral» 
blaitl, 488 ff., qßcfcb- SIU3. 1885, 9tr. 1942), f. auch Transactions and Proceedings 
of tbe 4. and 5. Annual Meetings, London 1884, 4°, <S. J 63— 172. Seinen 
Bemühungen war cS auch hauptfächlich mit $u banfen, bafe feiten» ber englifdjcn 
Library Association bie Einführung befonberer BibltotbefSeramina befchloffen 
unb oenoirllicht würbe. Scacbbem baS „Comniittee on the Training of Library 
Assistants" bereit» 1881 ein ober mehrere gadjeramina in Borfdjlag gebraut 
hatte (f. Monthly Notes 1881, 9lr. 8), würbe öon bem genannten Bereine 
fpäter ein enbgültiger Sßlan aufgeftellt, ber fict) in The Library Chronicle, Vol. I, 
1884, ©. 183—186 unb in beutfeber Überfcjmng im Gentratblatt f. B., 3hg- II, 
1886, ©. 33—34 abgebrueft finbet. 3m $uli 1885 fanb bann bie erfte Prüfung 
ftatt, über Welche in Library Chronicle, Vol. II, 1885, €>. 93—96 (oergl. 
Gentraiblatt f. B. III, ©. 114) berichtet ift. Xte ju beantwortenben fragen 
belogen fich auf 2itteraturgefchichte, Bibliographie unb BibliotbefStebrc. Über 
ba§ Ergebnis ber Prüfungen werben Diplome oerteilt. 

3n graut reich, wo bie Ecole des chartes ju Ataris Wie bem angehenben 
Strcbioar unb #iftortfcr fo auch bcm fünftigen Bibliothefar erwünfdjte ©elegen» 
heit bietet, fich nüfcliche Borleuntuiffc für feinen Beruf $u erwerben, ift feiten» 
ber UnterrichtSoerwaltung i. 3* 1884 eine münblichc unb fchriftliche Staats« 
Prüfung junger 2eute jur Erlangung bcS SähigfeitSjeuguiffeS für ben $icnft an 
granaöfifchen UnioerfttätS* unb £epartcmcutS*5nfultüt«*Bibltotbcfen angeorbnet 
XQOthtn C^holbtS Slnjeiger 1884, 9er. 674). 3m SWai genannten SahreS fanb 
bie erfte Prüfung ftatt, worüber ^euguiffe au^geftcOt würben. (Le Livre 1884, 
Sulinummer.) $ic betreffenben Bcftimmungen finben fid; in Le Livre, Annee 

©raefei, BibliothcfSlchre. 24 



Digitized by Google 



I 



370 Slnmerfungen. 

Vir, «Rr. 74 unb tn bcutfc^cr Übcrfefcung in q3c&holbt8 Sinniger 1886, 3h\ 2513. 
%i\x bie Bibliotheque nationale würben, auf ©runb eines $efretc8 bcS Spräfibcntcn 
ber ftepubltf. noet) bcfonbere ©eftimmungcn über baS Don Slnmärtern auf §ilf§* 
arbetter« unb UnterbibllotbefarftcIIen abjulegenbc (fronten getroffen, welche im 
Slitjeiget 1886, 9?r. 2464 in ber Überfefcung abgebrueft finb. 5Racfi § 12 beS 
betreffenben EeirctcS («ßefcbolbts Sinniger 1885, 9er. 2064) fann nämlich nicntnnb 
v Sljpirant werben, ohne im 93cfh)e beS 3eitgniffe8 eine« Bachelier es Lettres ober 

es Sciences &u fein unb mit (Erfolg eine Aufnahmeprüfung abgelegt ju haben 
unb nadj § 18 beSfelbcn SefretS wirb niemanb jum Unterbibliotfjefar ernannt, 
ber nicht wenigftens ein Sahr Slfpirant gewefeu ift unb oon feiner Befähigung 
in einer Prüfung $robe abgelegt hat. 

3n Stallen nahmen bi§f»er bic beiben Scntralbibliotbetcn beSCanbeS: bie 
Biblioteca Nazionale (Vittorio Eraanuele) $u 9iont nnb biejettige ju ftlorcna — 
boch nur biefe — Volontäre (alunni) an unb biibcten bicfelben für ben 33ibliotf)cfS= 
bienft au«. $>tc genauen S3orfcbriftcn über bic öerfchiebenen (£ramtna, 
welche bie SBiblioibcfSbcamtcu auch in Stalten ju beftchen haben, finb in bem 
Regolamento per le Biblioteche pubbliche governative approvato con regio 
Decreto 3464 del 28 Ottobre 1885. Roma (öcrgl. Gentraiblatt f. 93. III, 1886, 
<S. 40/41) niebergclcgt, wooou in WbolbtS Sinniger, 3hg« 47, 1886, 9fr. 2462. 
2579 eine bentfehe Übcrfe^ung joeröff entlieht worben ift. ©crgl. auch Guido Biagi, 
Gli Esami per i Bibliotecari. Kivista delle Biblioteche, Vol. I, 1888, ©. 4 — 9. 

SKerfcn mir fcbließlich noch «inen ©lief auf bic bereinigten Staaten 
SßorbamerifaS, fo muffen wir fytexbti im Sluge behalten, baß bie Scrhälruiffe 
bafelbft iufofern anberS liegen, als bie bortigen freien öffentlichen ©tbliot&ctcn 
nicht wie unfere großen SanbcSbibliothcfen im wcfentltchen, unfere UnioerfitätS* 
bibliothefen auSfcblicßlich, baju beftimmt finb, gelehrten wiffenfdjaftltcheu 33e* 
ftrebungen 51t bieneu, foubent oor alleu fingen baS SJcbürfniS ber großen SWaffe 
nach ßeftüre p befriebigen. XarauS ergiebt ftd) naturgemäß eine SBerfchicbcnheit 
ber an bie SBorbilbung ber Beamten im ollgcmeinen ju ftcllcnbcn Slnforberungen. 
XaS ©cbürfniS einer fijftcmatifcften (Bdjuluug ber angehenben ©tbliothefare hat 
fich ieborf) aud) jenfeit bes OjcanS tbtnio fühlbar gemacht Wie bei uns unb 
fid) bort jogar auerft fiegreirf) 93ahn gebrodjen. J. D. Mull ins, The Standard 
of Library Service. Library Journal, Vol. III, 1878, <B. 52—53. — James 
L. W h i tn ey , Selcctiug and Training Library Assistants. (Sbcnba, Vol. VII, 
16S2, ©. 136—139. ©inen befonbcrS thätigen görbercr fanben bie hierauf 
berichteten Bemühungen in Melvil Dewey, ber bereits 1879 In feinem Bortra^c 
Apprenticeship of Librarians. Library Journal, Vol. IV, <S. 147 — 148 bie 
(Errichtung eines Librarian's College im Slnfchluffc an eine große SBibliothel 
gefürmortet hatte. 1887 mürbe unter feiner Ccitung am Columbia College ein 
SchrfurfuS über SBtbltotbcfSWijfenfchaft (School of Library Economy) eröffnet, 
Worüber im Library Journal, Vol. XII, 1887, ©. 78—80, 166—169 Bericht erftattet 
ift. £cr fiebrfurfuS ift feitbem regelmäßig jährlich wicbcrholt unb immer $01)1* 
reicher, namentlich auch oon grauen, weldjc in ben Free Public Libraries als 
©eamte mit Erfolg thätig ftnb, befucht Worbcn. Miss Mary Wright PI um mer, 
The Columbia College School of Library Economy from a Student's Stand- 
point. Library Journal, Vol. XII, 1887, <S. 363—364. — Dewey in The 
Library I, <&. 374 ff. — lerf.. Civil Service Examinations for New-York 
State Library. Library Journal, Vol. XIV, 1889, <5. 118—121. WcucrbtngS 
ftnb ienc flitrfe infolge oon Peweys Überftcbelnng als Xireftor ber New York 
State Library und) Sllbono borthin oerlegt worben. (Library Journal XIV, 
1889, <S. 4, 133, 446, 479; XV, 1890, ©. 23-25.) 



Digitized by Googfe 



Stnmerfimgcn. 



371 



Sroeifer anfthnttt. 

84 (©.98). 9)iüüer, einige allgemeine ©cincrfungen über ©ibliotfief* 
»erwaltung tn S3ejug auf «jterfona Verwaltung, ©crapeum, 3&,g. II, 1841, 

©. 123—127. 

85 (©. 99). <E. Weber, Slmerifanifcbe »ibliotbcren. Gentralblatt f. 
3fjg.ni, 188(T, ©.121—129 crllärt baber bebeuteubc JBcrmebrung be5 ©camten* 
förperö unb ber S)icncrfc^aft unb entfpredjenbe ©rfjöfiung ber Dotation unterer 
©ibltotljeten für aeitgemäfje gorberungen. „Unfcrc meiften gro&en Snftttutc 
(fowie bie Bibliothfcque nationale)", jagt er, „(jabeu auf 100000 ©änbe nur jWet 
bis brei »ebienftete, wäljrenb bie Astor Library («Relo SJort) unb baS »rittfdjc 
SWufeum auf bie gleite 9ln$afcl 93änbc jefin ©ebtenftete aufweifen unb ©ofton 
biefe 3a f )l " od ) um ba8 breifadje übertrifft. £a8 ift offenbar ein fd)rcienbe3 
SOitfwcrfjaltniS. Unfere ©ebienfteten Öaben oollauf ju tfaun, bie ©tbliotf)el in 
Crbnung $u galten unb fönnen beim beftcu Hillen nidjt überbieS nodj eine 
entfprecfienbe ©enufcung ber SBtbliotbelcn eiiiclcn." 

86 (©. 101). Stuf eine forgfä'ltige unb genaue Überwadjung ber ©ibliotbct«* 
gefdjäfte feitenä beß JßorftanbcS felbft in ©inaelfieitcn legt Winter Jones, gewijj 
eine glaubwürbige Autorität, in feiner (JrÖffnungSrebe bc$ internationalen 
©ibliotljeiarlongreffcS $u fionbott bejoubereS ©ewtdjt. „Librarians", fagt er, 
,,ought to be good adniinistrators, to be prepared to exercise a strict and 
personal superintendence over the library statt; and to give their attention 
to details, howewer ordiuary or minute. This attention to details will amply 
repay all librarians who exercise it." 

87 (©. 102). Stuf einen folgen ©ibliotljclSborftc&er wirb bie abfdjrecfenbc 
©cfiilbcrung £offmann& oon ftatlerSIeben, bie er in feinem Sluffafcc: 
Uniberrttät§s©ibUot6efen unb tljre ißerwaltung. ©erapeum, Sfjg. I, ©. s— 8 
gegeben bat, fiajerlid) nt er) t zutreffen. 

88 (©. 102). ,,Tbe Librarian", ertlärt Justin Winsor in einem 
Slrtilel: A Word to Starters of Libraries. Library Journal, Vol. I, 1877, 
©. 1—3, worin er oon unnötigen ©clöftignngen ber ©ibliotljelSDorftänbe feiteuS 
be« $ublttutnft Tjanbelt, ,,is one of those people who 6nd the more expected 
of them the more they do." 

89 (©. 102). £er ©ibliotbefSborfteljer (ann manage SBÜnfdje gar nitf)t 
erfüllen, audj wenn er baju geneigt wäre, weil bie ifjm $ur Verfügung ftehenben 
Littel baju ntdjt auSretdjcn. ©cljr treffenb äctdjnct ©. ftörftemann (©cbarf 
unb Mittel ber ©ibliotljefen. Gentratblatt f. ^ftg. IV, 1887, ©. 97—106) bie 
Sage, in meldje jener in biefem Salle häufig fommt, wenn er (©. ior>) fagt: 
„$icfc§ Sttifwerljältniä awifefieu bem ©cbarf unb ben SWittclu Ijat namentlid) 
allerlei flciue fieiben für bie JBorftcfjer ber ©ibliotbefen im ©cfolge. (Jine SWengc 
oou ßicbcnäwürbigfeiten geljen leidjt über fte oou 2Runb ju 2Kunb: SKangel nn 
fräfttgem Stuftreten, engbcraige©cfd)ränftbcitunb©lcid)gültigfett, ju grofec Stngft« 
liebfeit bei brobenben (Etat§überfd)reitungen, ©eoorjugung eigener ßtebfjabereien, 
ftcblen ed)t miffenfd)aftlid)cn ©inneS, oeraltete Slnf djauungen, Sllterfdjwädje u. bgl., 
Me§ finb fo jiemtid) gcwöönlicbe SGorwttife, bie fiinter iörem JRürfcn folporttert 
werben; nun, [it müffen ficr) barüber, wenn fie Wirflid) oou ber ©runblofigfctt 
biefer Vorwürfe überzeugt pnb, mit bem alten Xidjterworte tröften : „©ollen £td) 
bie ^ob,lcn nidjt umidjrein, mufet 1u ntd)t Sfruwf auf bem jlirajtnrm fein!"" 

90 (©. 102). 2>ic Senenuung ber 4ttbnotf)ef$beamten, bie, wir wir faben, 
aud) in ©ejug auf ben SSovfteljev fdjwauft, ift fdwn be» öfteren jum Oegenftaub 
frittfdjer SBetraduungcn gemadjt wovben; fo toon Xf). IDiüller in bem oben 
erwähnten Slufjafce, ©crapeum II, ©. 126, oon Älette, Xic ©clbftänbigfcit be« 

24* 



Digitized by Google 



372 



Slnmcrfungcu. 



bibliotljef artigen 93crufe3 ©. 24 unb neuerbingS in einer furjen öeforedjung ber 
Äölnlfcben Seitnng tom 8. ÜWä'r$ 1889, welche fid> namentlich gegen bte amtltdje 
öeiciefmung ©uitos wenbet. 

91 (©. 104). Über bie 93tbliothcf§biener bgt. 3.<Pefrholbt in feinem oben 
ermähnten Sluffafee: 9lu§ ben Erfahrungen eines 25jährigen 93ibliotbefteben8 # 
Sinniger 1863, 9lr. 356. — 1> e r f e 1 be , 9lu§ ber 33ibltotheiSbrajri§ : jur Stufioärter* 
frage, ebenba 1873, 9ir.697. — ©. tjörftemann, 5)ieSBibliotr)ef«bteuer. ©cntral* 
btatt f. 93. III, 1886, ©. 190—196. 

92 (©. 106). Xcr bezügliche ©rla& beS flönigtief) qSreu&iföen 2Ninifterium* 
ber getftlidjen, Unterrichts» unb 9?e^btainal«&ngelegenbeiten §errn b. ©o&Ier ift 
abgebrueft im ©entratblatt f. 93., 3 hg. IV, 1887, ©. 31—32. 

93 (©. 107). £ie ©ehaltSberbältniffe ber 93tbltotbetSbeamten ftnb aus ben 
©tats ber Unterrtd)t8t>erttmltungen ber einzelnen Sauber erfidjtücf) , bie in ben 
betreffenbeu ©taatSbauShaltSctatS üeröffentltcht werben, ßur attgemeinen Orten* 
ticrung bieneu aud) fcfyon einige für beftlmmte 3oh« gemachte Sufammenftellungen 
im ©entralblatt für 93tbüothef8wefen. Über ^5 reu Ben fiehe SB. bie Überfielt 
ber Seiftungen beS ^reufetfdjcn ©taateS für öffentliche 93ibUothelen nad) bem 
©taat$hauShalt8*©tat für b. 3- 1883/84 unb SHittheilungen ber competenteu 
93ebörben. ©entralblatt f. 93., 3hg. I, 1884 , ©. 27—31. Slu&erbem: £ur 
93efolbungSfrage ber ^reufjiidjen 93ibliotl)ef$beamten. ©entralblatt, 3hg. II, 1885. 
©. 81—86. 3*gl. auch bie Berichte über bie Söerhanblungeu im ^reujjifdjen 
SlbgeorbnetenhauS, ebenba, 3hg« HI» 1886, ©.240—241; VI, 1889, ©. 176—179; 
beSgl. bie 9?otii über ben ©tat ber ff. $reu&ifd)en UnterrtdjtSöer waltung b. 3« 
1888/89, ebenba, 3hg- V, 1888, ©. 144—145; unb über benjenigen »on 1890/91 
ebenba, 3hg. VII, 1890, ©. 107. (Sine Überficht ber fieiftungen beS93aUerifd)en 
©taate& für Öffentliche 93ibItothefen (9iacb bem ©tat für 1884/85) finbet fidj im 
©entralblatt, 3hg. I, 1884, ©. 278—280. — Über bie ©ehaltSberbältniffe ber 
öfterreieftif d)eu ©eamten bgl. : ©ine Petition ber f. I. öfterretdjifdjen 
SBibliothetSbeamten. ©entralblatt f. 93., 3hg. III, 1886, ©. 136-146, ba$u 
ben ©taatSboraufdjlag für ben Slufmanb beS 93ibltothefSwefen8 ©iSleithanienS 
\>xo 1886, ebenba, 3hg. II, 1885, ©. 512—515 unb baS ©efefc bom 30. Sl^ril 
1889 betr. ben SRang unb bie {Bezüge ber 93eamtcn au ben UntberfitätSs unb 
©tublenbibliothefcn , abgebrueft ebenba, 3hg. VI, 1889, ©. 315-316. $ie 
9)efolbung ber englif djen 93ibttotbcfare ift u. a. au§ bem 93ubget ber eng* 
lifchen ©taatsbibltotljefen: beS 93rttifh=2RufeumS in Sonbon unb ber National» 
bibliothef iit Dublin, ©entralblatt f. 93., 3hg. II, 1885, ©. 192—196 erfuhtlid); 
bgl. ba$u bie 9loti$ ebenba, 5hg. I» 1884, ©. 160 unb Robert Harrison, 
The Salaries of Librarians. Transactions and Proceediuga of the 1. Annual 
Meeting of tho Library Association U. K. London 1879, ©.90—95. diejenige 
ber franjöf if d)en giebt nach bem ©taatähaushöltSetat f. b.3. 1884 baS ©entral* 
blatt f. 93., 3hg. I, 1884, ©. 63—72. Slmtlidje «Materialien über bie franaöfifdjen 
UntoerfitätSbibltothcfen bringt in eiugehenber SäJcife regelmäßig bie Statistique 
de l'enseignement sup^rieur. Paris, Imprimerie nationale, 4°. 

dritte* Qapltti. 

94 (©. 109). Über bie ?lufwenbungen ber ücrfd)iebenen ©taaten für bie 
öffentlichen 93ibliotbefeu geben bie in ber üorhergehenben Slnmerfung uerjeiebneten 
8ufammenfteaungen glcirf^eitig mit Sluffdjlujj. gür Greußen bgl. noch 
O. Hartwig, $u öeu üSerhanbluugcn beS §aufe§ ber Sibgcorbneten über baS 
^reufeifche 93ibliothef§iuefen. Geutialblatt f. 33., 3hg. I, 1884, ©. 173—182. 
§ür %x auf reich f. nod) ©cntralblatt f. 93., 3hg. III, 1886, ©. 545. gür 



Digitized by Google 



3lnmerfungen 



373 



©elgien ebenba, 3bfl. IV, 1887, %. 83—64. $ic (Summen, h>etd)e Italien 
für ©Üdjeranfdjaffungen unb SBudjbinbcrlöfjnc j. 83. 1887 fcerroenbete, finb im 
Gentralblatt f. Stög. IV, 1887, ©. 230 aufgeführt. 

95 (<2. 109). <L ^örftemann, SBcbarf unb SWittel ber ©ibliotfielen. 
Scntratblatt f. 93., 3&g. IV, 1887, S. 97-106. 

^weiter 'gelf. 

feierte* $tapiiel. 

<Erfl*r Bbfifjnitl. 

96 OS. 111). Formey, Cooseils pour former une bibliothique peu 
nonibreuse, mais choisie. Berlin 1746. 8° (öficrS aufgelegt). — JulesRichard, 
L'art de former une bibliotheque. Paris 1683. 8°. — H. B. Wheatley, 
How to Form a Library. London 1866. 12° (254 ©.). 

97 (©. 112). 2118 allgemeine Hilfsmittel bei ber ©efefiaffung beS litterarljcäcu 
SBibliotfjcfSapparatS jeien genannt : 

SuliuS ^e^ljolbtS Bibliotheca bibliographica, Seidig 1866, 6°, »eldjc 
eine rcid)c Überfielt über bie biblioQravr)ifcr)e l'ittcratur mit Iritifdjen S3cmcvfungcn 
bietet, unb Leon VallSe, Bibliographie des bibliographies. Paris 1883, 8"; 
Supplement 1887. 8° (»gl. Gentralblatt, gfig. I, 1SS4, ®. 35—36'. 

3n engerer $e$ielmng fomincn für ben genannten ßiuccf u. a. fiauptfädjlid) 
in 93ctrad)t 

R. A. Guild, Librarian's Manual; a Treatise on Bibliography, com- 
prising a Select and Descriptive List of Bibliographical Works, with Sketches 
of Public Libraries. New- York 185*. 4°. — A. R. Spofford, Works of 
Reference for Libraries , in beut Dom Bureau of Education herausgegebenen 
SBcrlc Public Libraries in tbe U. S. of America. Special Report. Washington 
1876. 8°. Pt. I, 8. 6S6 — 710. — J. Ii. Slater, The Library Manual: 
a Guide to the Formation of a Library and the Valuation of Rare and 
Standard Books. London 1883. 8°. 

©in rcid)öaltigeS SjcraeicfmiS t>on ©ibliograMicn aller Slrt giebt C. N. 
Caspar, Directory of the American Book, News, and Stationers Trade. 
Milwaukee 1889. 8°. <2. 1266 ff. Sturze äitfammcnftcUungen ber ttudjtigfteu 
allgemeinen Citteratitr finben ftd) ferner bei Samuel S.Green, Library Aids, 
<S. 42ff., bei ©rafiauev, ^>aiit»bncf) u. f. m. @. 60-86, bei Gbuarb 93ratlc, 
SBegmeifer jnr £ueHcn* u. Sitternturfunbc ber fitrchcngcfcbictjtc. ©otha 1S90, 

@. 104 — 107, 153—157, 162—164. 

§ür bie amerifanifdjeSttteraturmbge nocbbcfonbcrS auf Paul Leicester Ford , 
American Bibliography (Slufeahlung öon ©ibliograpbteu, äatalogen, Slutoreiu 
regiftern 2C.), Brooklyn -N. Y. 1889, 6° bingciuiefcn fein. (<S. aud) Stnm. 166.) 

98 (S. 1 17). 21. $3 u b i f , 3"* Äcnntnifj feltcner Südjer. Scrapeunt, $ög. H> 
1841, ©. 145—155. — 5>gl. aud) bie bcmcrfcnSiuerten Slusfübruugeu »on 
31. (£. ltmbreit, Tic SBtbliopnflie in Xcutfdjlanb als Ökgeuftanb nationaler 
©cbeutung. ecrapeunt, 3fjg. IV, 1843, ©.113—124, 142—144. — 2. greller, 
Sctläufige ©ebaufeu eines JöibliotfietarS. ©craöeum X, 1849, ©. 353 -3G3, 
369—377. — E. Rouveyre, Connaissances necessaires k un bibliophile. 
Paris 1879, 8°, namentlich ©. 139— 15G. 

99 (<S. 123). Über ben ©ürfjevfammler verbreitet ftd) in ebenfo unterfjaltenbcr 
toie anregenber SKcife Percy Fitzgerald, The Book Fancier or the Romance 
of Book Collecting. London 1S6C. 6° (312 £.). 



Digitized by Google 



374 



Slnmerfungen. 



100 (S. 123). Sie ©ibltotfjeten fjabcn oud) 9lu«ftellungen iljrer mcrf* 
loürbigftcn ober loftbarften ÜHcrfe nic^t berfdmtäbt. So fanb j. SB. fdjon am 
24.-28. Sunt 1847 eine foldje in ßeipjig feite«« bet bortigen Stobt» unb 
untocrütatsbibliotbef ftatt, mobei <)3rad)tipcrtc bet ©udjbruderfunft ältefter unb 
neuefter $cit, 9Wauuffriptc, #ol$fdmttte, Slutograpben u. f. tu. ausgelegt waren. 
Naumann im Serapeum, 3f)g. VIII, 1847, 6. 193—199. SWerfwürbigfctten 
sablrcidjer omerilanifdjer öffentlicher SBibliotbcrcn zeigte 1984 bie SluSfteuung ju 
Berkeley (Catalogue of the Loan Book Exbibition, held at the University 
of California, Berkeley, May 26—31, 1884. Sacraraento 1884. 8°), ttKÜjrenb 
bereits int oorangeljenbcn 3al)re 1883 bie engltfcficn 33ibliotl)cfare auf ber 93er* 
fammlung 51t Üibcrpool eine Exliibition of Library Appliances and Bindings etc. 
(Transactions and Proceedings of the 6. Annual Meeting of the Library 
Association u. K. London 1886, 4°, S. 181—190) unter reger Beteiligung ber 
einteilten Stnftaltcn in« 9Berf gefegt Ratten. — ©ine SluSftcllung Derjenigen iljret 
$anbfd)riftcn, locldje fünftlertfcr)en Sdjmud tragen, bcranftaltete am 22. unb 
23. CI tober 1886 bie JBcrmaltung ber Uniöerfitätöbibliot&ct au SBnfcl (Geutrai* 
Matt f. 53., 3bg- IV, 1887, S. 41—42), eine iolcr>c bon $anbfd)riften unb 
SBüdjerlt, bie fid) auf Stenographie begeben, ba« SBritifdje aRufcum im «ßobember 
1887 (©benba, 3fig. V, isss, S. 39), alte unb felteuc Drude untren ferner 1888 
getegentiid) be§ Unwerfitätsjubiläum« $u Bologna aufgelegt ((Jbcnba, 36g. VI, 
18S9, S. 90) unb bie SdjaufteHung mertwüibigcr Stüde ber au« bem STCadjlafTe 
bc« Lord Asburnham erworbenen Sammlungen bon Libri unb Barrois feiten« 
ber ^arifer Mattonalbtbliotbcl in ber Salle du Parnasse francais fiatte nad) de 
Vries im Gentralblatt f. 36g. VI, 1889, S. 206—209 einen glän$enbcn erfolg 
(Leopold Del i Bie, Notice d'un eboix de manuscrits des fonds Libri et 
Barrois exposes dans la salle du Parnasse francais. Paris 1888. 8°). (Ebenfo 
ermarb fiel) bie iigl. öffcutlid;e Bibliotlje! $u Stuttgart infolge ifjrer Xettnalpne 
an ber grapfjifdjcu «uäftcllung bafelbft 1889 berbieutcu SBeifall. $ie Slrt tbrer 
Jöerhjaltung brachte bie öffentliche SBtbltotbci $u Cfjicago auf ber ^artfer SBett* 
audfteOung bou insö in einem grofjeu Baubc $ur Xarftcllung, metdjer 215* 
bilbungen ber *Bibliotf)c!«räumc, Crbnungen unb Öormulore entfjielt unb bent 
genannten ^nftitnt al« ?lnerfennung eine golbene SWcbatllc einbrannte (Central* 
blatt f. SB., 3bg. VII, i8yu, S. 109-110). 

101 (S. 125). A. Poulet-Malassis, LesEx-libris francais, depuis leur 
origine jusqu'a nos jours. Nouvelle Edition. Paris 1875. 8°. — J. Leicester 
Warren, A Guide to tbe Study of Book-Plates (Ex-libris). London 1880. 
8°. — 9tf. $arrn>ife, Ex libris. Geutralblatt f. 93., 3Gg. I, 1884, S. 3Q3— 306. 

102 (S. 126). SMefcr (Srlafj bc$ bamaltgeu franjöftfdjen SRinifter« bc« Öffent* 
lidjen Untcrrid)t§ A. Fallieres an bie SWatrc« bc« tfanbc« bom 24. Dezember 
1884 ift in beutfdjer Übcrfc^ung obgebrudt in ^e^tjolbtd Sinniger 1885, ttr. 1498. 

Bnmirr JAfiftyniff. 

103 (S. 127). Garl Djiafcfo, 3ttftruction für bie Drbnung ber Xitel im 
alpbabctifd)en ^ettelfatntoö ber Stöniglidjcn unb Uniücrfität«=$Bibliotfjcf ju 33re«lau. 
Berlin 1*8«. s°, beiprodjen im Geutralblatt f. 93., 3bg. III, 1886, S. 289-295; 
IV, lssT, S. 118— 121 ; in ^cfcbolbt« Sinniger 1886, 9?r. 2467, in ba§ Stalienifctje 
uberfefot Don Angelo Bruschi. Firenze 1887 ((icntralbl. IV, 373); aud) fteljt bie 
95cröffcntlid)ung einer cnglijdien Übcrfctyung ober rid)tiger einer amcritanlfd)cn 
93erbiiltuificn angepaftten ^Bearbeitung bcrfelbeu bnrri) ben SBibliotbelar ber öffent* 
lidjcn «öibliotbcf 31t SWilwauIec K. A. Li 11 derfel t in 5lu«fid)t (Library Journal, 
A r ol. XIV, is^y, 2. _MS-2f>o). 2 b \Q\}lo fübrt bie einfdjlägige Sittcratur an. 



Digitized by Google 



?lnmerfungcn. 



375 



ou§ loeld^er Me bon einem Gomitee bebeutenber SBibitograbhen unter Panizzis 
Vorfi^e entworfenen berühmten 91 ffatalogtfierungSregeln be§ ©ritifd^cn 9Äufcum8 
a. b. 5. 1841, biejenigeu Jewetts für bie Sniithsonian Institution ju 
Washington, Veröffentlicht in einem Sniithsonian Report, auf roeldjen wir in ber 
folgenbeu Slnmcrlung nod) näher einzugeben hoben werben, Charles A. Cutters 
Kules for a Printed Dictionary Catalogue in ben Public Libraries in tho 
U. S. Special Report etc. Pt. II, 1876. 8°, 2. Editiou. Washington 1889. 8°, 
bie früheren unb bie reoibterten Regeln ber Library Association of the United 
Kingdoin, jene obßebrutft in ben Monthly Notes II, 1881 . ©. 81 ff., im Library 
Journal, Vol. VI, 1881, (5.315—316 unb in bcutfdjer Überfefrung in Sße&boIbtS 
feiger, 3hg- 1882, 9tr. 115, biefe im Library Cbronicle, Vol. II, 1885, @. 25 
5k> 28 unb in bcutfdjer Überfettung in $e$holbt§ Slnjetgcr, 3hg. 1886, Sir. 1715, 
foiute bie Regeln ber ameritonifd)eu ^Bereinigung publiziert aiS Condensed 
Rulcs for an Author and Title, Catalog. Prepared by the Cooperation 
Conunittee, A. L. A., Library Journal, Vol. VIII, 1883, ©. 251—254, tüteber* 
abgebrutft bei Cutter, Rules. 2. Edition, ©. 99—103, oud) an biefer ©teile 
genannt werben müffen. SReitcrbtng« fmb ju ber Don $iia&Io gegebenen 3«' 
fammcnfteQung nod) hinjugetommen 

F. R. Perkins, Sau Francisco Catalogulng for Public Libraries. 2 Pta. 
With Classification. San Francisco 1884. 8°. — Melvil Dewey, Rules for 
Autbor and Ciassed Catalogs as used in Columbia College Library. Roston 

1888. 8°, in zweiter Sluflagc oIS Library School Rules. Roston 1889. 8° unb 
Henry R. Wheatley, How to Catalogue a Library. London 1889. 8°. — 
©crgl. oud) 8lnm. 120. 

Gin SScraeidmiS ber biOtioßtap^ifct)en Hilfsmittel zum 9luffinben ber auf ben 
Titeln fehlcnbcn ober uid)t au&gcfdnicbenen Sornainen giebt Cbas. H. Hu 11, 
Helps for Cataloguers in tiuding Füll Names. Library Journal, Vol. XIV, 

1889, @. 7-20. (»crgl. auch Slitm. 120.) 

104 (©. 128). Dnfe jum SBchufe ber 9iuf nannte beS 33üd)erbefianbe8 ber 
%\ttl ein uub beweiben SBuchcö an jcöcr einzelnen ©tbltothel immer wieber bon 
neuem ocr$cid)nct werben mufe, bat man fd)on oiclfari) als einen Übelftanb em* 
pfunben unb gcfcuuzcicbnct. ,,At the present tinje", fagt Melvil Dewey, 
Co-operative Cataloguing. Library Journal I, 1877, <S. 170—175, ,,if a 
specially valuable book is published it finds its way to at least a thousond 
libraries, in all of which it niust be catalogued. When the title is once 
properly copied, and revised, tbe result should be made easily accessible to 
tbe other nine hundred and ninety-nine librarians." Unb görftemanu, 
Sic Jßcrbinbnng zwifdjen beu bcutjd)eu ©ibltothelen. Gentralblatt, Shg. I, ©. 9 
nennt c§ eine »ungeheure SUcrjcbwcubung bon Slrbcitvtraft , bafj auf beu Oer» 
frfnebenen 33tbliotheten biefclbc Arbeit oorgenommen wirb, bie einmal für 
alte oorgeuommen werben tonnte". (££ fütb be§halb aud) bie manuigfadjften 
&orjd)lägc jur Slbfnlfe gemacht worben, ohne bafc jebod) bisher irgenb einer Oer* 
WtrIUcht worben wäre. So empfahl u. a. 93urd)arb internationale uniforme 
&ataIogzcttcl einzuführen, fönte jebem eridjcinenbeu Söudje zwiidjen 2itel* 
blatt unb Rmfd)iag ein gebrnefter Slatalogzettei, beffen genauere S3efd)rcibung 
uub Slbbilbung fid) in <£eHljolbt$ Anzeiger I8S0, 9h- . 6*6 fiubct, beigegeben, 
SBibltothelcn aber bei Entnahme eines ©rcmplarä fünf Stürf foldjer Bettel jur 
Jlufertigung ber beriduebenen Kataloge jur Verfügung geftefft »erben. 2)er 
oou beut bibIiographifd)en Komitee be» Söiffenfdjaftlidjen ÄlubS in 82Jien am 
22. Januar 1880 einftitnmig befürwortete unb bon ber Sritif (bgl. Äehfcr» JBe* 
fpreeftung bc^felben im »örfenblait 1881, 9ir. 222, S. 4123—25) günftig auf» 



Digitized by Google 



37G 



Slnmerfungcn. 



genommene ©orjcrjlag blieb inbeffen erfolglos. Slucb, Guillaume Deppin % 
hatte auf bcr fiouboner internationalen Konferenz in einer furzen ©cmerfuug: 
Note on Co-operative Cataloguing, Library Journal, Vol. II, 1878, ©. 1S8 
ber ©erbtelfältigung ber Xitel baS Sort gcrebet, bic Henry Stevens in feinem 
cbenba gehaltenen Vortrage : Photo-Bibliography ; or, a Central Bibliographical 
Clearing-vHouse, Library Journal, Vol. II, 1878, S. 162 — 173 feinerfeitö 
namentlich auf bie l^nfunabeln unb loftbaren alten Xrucfe angetoenbet totfien 
wollte, beren Xitel burd) ein jeurraleS bibliographifcheS ©ureau auf photo* 
grapbifcf>em SBege in bertleincrtcm ÜKafeftabc abzunehmen uitb im Xruct ju ber* 
otelfälttgen mären. 9?ach 5 ö r ft e m a n n a. a. €. mürbe eine Vereinfachung in ber 
Seife ju errctd)cn fein, bafj bie Stttcratur bcr bebeutenberen oerftorbenen @cbrtft* 
ftcller oon oerfchiebenen ©ibltothelSDermattungen mit bem nötigen Dtaume für 
SRacbtrage unb für bic $injufügung ber 6igtiaturen nad) übercinftimmenben, 
einfachen Regeln übcrfidniid) bearbeitet unb in einem Süöcrfc oereinigt mürbe, 
beffen gormat bem für ©lattfataloge üblichen zu entfpreeben hätte, ^tc ©iblio* 
thelcn mürben bicfeS Siicrt in ber SEBcife für ihre 3 wc ^ e nufobar ju machen 
haben, bafj fte bie einzelnen ©lättcr beSfelbcn auSfdjnittcn unb mit ben (Signaturen 
berjeuigen ©üdjer oerfehen, welche fid) in ihrem ©eftye befinben, im alphabetifdjen 
Äataloge an Stelle ber oon ben oerfchiebeuften £änben gcfdjriebencn, oft bcr« 
febmierten ©lättcr einlegten. £amit märe freilich nur eine tcilmeife Slbhilfc 
gefchaffen ; bie aHefjrzohl ber Settel müfitc nach mie oor gefchrieben merben. 8Wit 
©urdjarb ftunmt im mefentlichen SohanneS fronte, Xer Xrucf bcr Äatalog« 
titel uub bie ©efammtzugangSliftc. Gcntralblatt f. ©. IV, S. 60-66 tiberetn, 
meint er oorfcrjlägt, bafi auf bem SSkgc internationaler ©creinbarung unb einzcl» 
staatlichen Xefrets ober gcfchloffenen ©örgehenS bcr ©ibliotbcfsoenoaltungcn 
Verleger unb Xrutfer ju oeranlaffeu mären, jebem neu crfchciuenbcu ©Jcrfc eine 
beftimmte Anzahl oon Xitclabbrütfcu in oorgcjchriebcucr gorut unb Slbfaffung 
beizugeben. Xie #auptfchmierigtcit wirb, wie auch ftranlc anerlcnut, immer 
bic fein, Xitclabbrüde zu erhalten, btc nach ciuheitlidjcr 9iorm abgefaßt finb. Unb 
gefe&t auch, c§ fämc burch internationale ©ciftänbiguug ein foldjc« einheitliches 
SBerfah^n zu Staube, fo märe bomit mieber bcr Übelftanb gefchaffen, bafj bic 
neuen Xitel bcr bisher an ben einzelnen ©ibliotfjcfen üblid)cu SatalogificrungSs 
weii'e , btc bclanntlid) je nad) ben oer jdjicbencn Sänbern , ja fogar je nad) ben 
oerjehiebeuen ©ibltotbcfcn eine oend)icbcne ift , nicht entfprecheu würben. G§ 
bleiben aljo mancherlei Sebioicrigteiteu befterjett , welche fict) ber befriebtgeuben 
Söjung biefer \$xaw entgegenftcUen. 

Qu ben erwähnten ©eftrebungen, bie SuualogifierungSarbcitcn an ben einzelnen 
©ibliothelen zu oereinfadjeu unb auf bem Sikge bei XrutfcS zu erleichtern, 
gehören auch bic ^läne zur jpcrftellnng oon c i a in t f a t a l o g e n ber ©tbliotficfcn 
eines £anbeS. Sdjon Naud£ empfiehlt in feinem Advis pour dresser une 
biblioth&que beu ©ibliothelen bic Sammlung möglicljft jahlrcidjcr Äataloge, 
um auf btefe SHeifc einen ^cntraUatalog äufamnicujubringen, oermittelft beffen 
bem (belehrten nad)gewic)'cn werben tonne, wo ein ©ud), baS er fudjc, zu pnben 
fei. 3n bem fdwu wicbcrholt erwähnten Sluffafce im Scrapeum III, 1842, 
Einige pvaltifcfje ©emerfungeu unb göünidje über bic öffentlichen ©ibliothefcn 
in ^reufcen S. 247 fchlägt gör fte mann jum Grfafce einer 3eutral=2anbe§» 
©ibliothef bie ^crfieUung eines alphabetischen ©cneralnomtnalfatalogS aller 
öffentlichen ©ibliothelen bcS Staates oor, in welchem bei jebem ©üebcrtitcl bic* 
jcitige fianbeS-, UnwcrfitätS--, Stabt*, Schub ober fiirchenbibliothel zu nennen 
wäre, wcld)c fich im ©efi^ie bcSfclbctt befinbet. ftür Slmerifa plante Anfang bcr 
fünfziger Sahrc unfern ^ahthuubertS bcr ©ibliotljefor ber Smithsonian Iustitu- 
üon zu Wusliington Charles c. Jewett einen ©efamtlatalog ber ©ibliotbefen 



Digitized by Google 



Sinnt er fangen. 



377 



beS CanbeS, welcher unter Ceitung unb ©eibilfe beS genannten SnftituteS unb 
unter Änwenbung ber (Stereotypie für bie e i n s e l n e n X t 1 e l oerwirtltcbt werben 
foü"te. Jewett backte fich bie SluSfübrung feines planes in berÜBcifc, bafs bie 
©mithfonian ^nftitution bie Siegeln für einen folgen ©eneralfatalog aufstellen 
hätte, was auch gefchab; baß anbere dmertfamfc&e ©tbliothefcn, welche bie 
JöeteiUgung wünfehten, i^re 23ücr)erbcftäube hiernach aufnehmen laffen fönten 
unb ba& bie ©mitfyfoninn ^nftitution gegen eine pefuniäre Unterftü&ung baS 
Eigentumsrecht auf bie $u ftereotnpyrenben Xitel erhalte, um biefe $u einem 
©efamtfataloge ju oereinigen. SKtt $ilfe ber ftercotopterten Xitel Würbe ber 
Äaralog jeberjeit auf leiste unb billige 8lrt neuaufgelegt werben lönnen, wobei 
bie inawifebeu oon ben ©ibltotljelen erworbenen neuen SBÜdjer auf SinjeU 
platten immer wieber eingcfd)oben, läftige (Supplemente alfo entbehrlich mürben. 
Charles C. Jewett, Od the Construction of Catalogues of Libraries, and 
their Publication by means of Separate, Stereotype«! Titlea. With Rules and 
Examplea. Washington 1852. 8°, 2. edition 1853. 8° (Shmithsonian Report), 
neucrbiugS oon Guido Biagi in baS Stalicntfche überfefct: Ch. C. Jewett, 
Bella Compilazione dei Cataloghi per Biblioteche e del modo di pubblicarli 
per mezzo di titoli separati stereotipati. Regole ed esempli. Prima versione 
dair inglese. Firenze 1888. 8°. Xie grage eines ©efamtfatalogS hat fpäter 
James G. Barn well, A Universal Catalogue : its Necessity and Practicability. 
Library Journal, Vol. I, 1877, <2. 54—58 beS »eitern erörtert, gär Italien 
hat einem folgen Narducci ba£ 2i*ort gerebet unb in ber Schrift ,,Di uu 
Catalogo generale dei manoscritti e dei libri a stampa delle Biblioteche 
governative d'ltalia proposta al Signor Ministro della pubblica Istruzione 
nella quäle si da' per saggio l'articolo „Boccaccio". Roma 1877, 4° feinen 
$lan bem SHinifter beS öffentlichen Unterrichts unterbreitet, Welcher in bem 
,,Regolamento organico delle Biblioteche governative del Regno d'ltalia" 
(abgebrudt in $cfcbolbtS Sinniger 1876, 02r. 378, 472) für bie öffentlichen 
fflibliothelcn bcS fianbeS bereits eine gemeinfame ©runblage gefchaffen hatte. 
Narducci oer^cidjnet in jener gcfjtift bie fömtlichen in 32 italienlfchen ©iblio* 
tbclen oorhaubenen SWaunffriptc unb 9luSgabcn ber Söerfe SBoccaccioS in mög* 
lichfter fiüiic unb fo, bajj bet jebem einzelnen SBerfe bie einaclnen SluSgabcn 
mit in ^areuthefe hinzugefügter Kummer ber betreffenben ötbliothelcn, tu benen 
bie filuSgabcn oorhanben, aufgeführt finb (?lnjetgcr 1878, 9er. 69). Genauer 
hat bann Narducci bie Stnlage feines Catalogo generale alfabetico dei libri 
stampati delle Biblioteche d'ltalia in einem an feine italienischen SloUegen 
erlaffenen Btuubfchreiben üom i. Cf tober l öS l bargelegt, welches fich in93c&bolbtS 
Sinniger 1881, Sir. 1087 abgebrueft ftnbet, unb bie 9?üfelichfeit bcSfelben jjwci 
3at>rc fpäter in feinem SHerf d)eu ,,Dell' Cso e della Utilita di un Catalogo 
generale delle Biblioteche d'ltalia. Relazione e proposta a S. E. il Sig. 
Comm. Prof. Guido Baccelli Wiuistro della Istruzione pubblica seguita dalla 
prima sillaba dello stesso catalogo. Roma 1883. 4° (Gentralblatt f. 
3hg. I> 1884, ©. 75) aufs neue oerfochten. 

Slueh in Xeutfchlanb machten fich Seftrebungeu gettenb, welche baSfelbc 3iel 
ju erreichen fuchten. Suoörbcrft glaubte ein 5lnonümuS in feinem Sluffafce 2>ie 
beutfehen »ücherfammlungen als ©anjeS. 3m gleiten JRetch 1878, I, <S. 903 bis 
907 ben SWangel eines einheitlichen JtatalogS fämtlichcr beuticher SBibliotljefen 
für baS Wiffenfchaftlittje $ubtitum baburch auSglcidjcn 511 tonnen, baB er baS 
„Slnfragcoerfahreu" jur Einführung empfahl, ©ine mit ber königlichen ©tbliotbef 
ju ©erlin ju Oerbinbenbe Utterarifctje §auptfteHc folltc jebe Slnfragc eines beutfehen 
©elchrten nach irgenb einem oon ihm gemünfdjten ©uche beantioorten unb bie» 
ienige »ibltothel ermitteln, wo baS Such ju finben fei. Xamit Wäre aÜerbingS 



Digitized by Google 



378 



Mnmcrfungen. 



bat (Belehrten ein Xeil if>rcr Arbeit jur SBefdjaffung be8 iljren ©tubten un« 
cntbe&rticfjcn aHaterialS abgenommen unb auf eine ftaatltd) unterhaltene 53ef)örbe 
übertragen; ba« Sefjlen einer gcmeiuiamen Überfielt über bie ©cftänbe ber 
einzelnen SMbliotl)cfen würbe fid) für jenes 9luStunft$bureau aber erft rcdjt 
fühlbar machen, ©efeittgt iuürbe bfefer Übelftanb burd) ben bon $einrtd) 
b. % r e i t i d) f e , 2)ic Äönigltdjc ©tbliotljet in 93erlin. $reufeifd)e Safjrbüdjer, ©b. 53, 
1884, ©. 473—492 gcmadjtcu ißorfdjlag, Slbfcbriften ber Kataloge ber grö&crcn 
«pnbatbtbliotb.eIcn ^rcufcenS in ber Siöuiglidjen 93tbliotf)ef su Berlin uicberplegeu. 
©cgen ein fold)eä$*orf)aben hat inbeffen Sgiafcf o, XieGentralifation ber Kataloge 
beutfdjcr Stbliothefen. Centralblatt f. 95., 3f)g. I, 1884, ©. 261— 267 mtttöedjt 
fcfiwcrc SBcbenfen erhoben, wcld)e befonberS bahin lauten, bafs ber Umfang ber 
auf borwiegenb mechanifdjeö Slbfcbrciben oerwenbeten Slvbeit enorm, bie Äofteit 
bebeittenb, bie Vorteile fcfjr broblcmatifd), namentlid) aur Gkbfje ber ?lrbcit in 
gar feinem SHerhältuiS ftcfjcnb fein würben. 2)jtn^fo empfiehlt baljer feiner^ 
feitS bie £>erftcUung eines gebrudten SRca IfatalogS aller öffentlichen ^ibltottjcfen 
Xcutfd)lanbS. „hinter bem Xitel jebcS SudjeS ftänbe in Klammern ein Skr* 
äeicfmtS ber 93ibliotf)clen , in benen baS 93ud) fid) finbet, natürlich nid}t mit 
ihrem Pollen «Hamen, fonbern nur mit ben für fic feftgefe&teu Siglcn; bei 
93üdjeru, welche in allen Sammlungen ober in beftimmten ©nippen berfelben 
fid) flnben, würbe je ein einfaches, uod) fcft$ufctycnbeS 3cid)eu genügen." Sei 
Lieferung befonberer ^emplarc auf bünttem, jähem Rapier mit leerer StÜtffcite 
würben bie einzelnen SMbliothcfeu in ben Stanb gefefet, fidi einen eigenen 9teal* 
latalog ihres 53üchcrbcftanbcS bind) tferfcöneibeu ber Blätter anzulegen; regele 
mä&ige Grgänaungcn würben bou ber 3entralfteQe geliefert, fo bafe bantit $uglctcb 
baS gebmtftc öcfomtäUWadiSregifter benuirtlidjt wäre, WcldjcS Öroule empfohlen 
hat. 3m 9ln)"d)lufie an bon Xrettfchtes SSorfdjlag unb unter beigefügter ^olernif 
gegen Xjiatylo befürwortete Karl Kodjenbbrffer, Gin Ütefamiutf atalog ber 
bcutfdjcu ©ibliothefen. ^rcufetichc 3ahrbüd)er, 33b. 54, 1**4, ©. 168—174 Me 
£erfteHung eines alpha bctifd)cn (*iuheit*fntalogS ber beutfd)cn Jöibliottjeten 
mittels bebrurftcr Bettel, befielt Stnubort bie Königlidjc SMliothef au 93erlin 
fein folltc. einen prartiidjen Grfolg hat bisher feiner ber gemachten SBorfcfilägc 
ju erreichen bermodjt. 

105 05. 129). (£arl Sblbio Köhler, Xie Litterae votivae ber SBiblio» 
graphie. Spctil)olbtö Sinniger 1 8%, Dir. 27 17. — X e r f c l b e , Slbbrcmertc Xitularuren, 
&Ubmung*formcln unb 3eitbcucnnungen in ben älteren atabemtfehen Schriften. 
Gbenba, «Hr. 2715. 

106 (©. 135). Tic „ Library Association of the United Kingdom" fjat 
für bie Formate folgeube Skaeicbjtungctt unb $tff)cumafjc als gültig angenommen 
(feiger 1885, 9lr. 1717): 



©rofcfolio über 


18 3oH engtifef) 


= 46 


ein 


golio unter 18 


>< 


>• 


-- 46 




Klciufolio „ 


13 


" 


i' 


= 33 


« 


©roüouart ,. 


15 


n 


<■ 


= 38 


•< 


Cuart „ 


11 


tt 


»• 


= 28 


n 


filetnpuart „ 




•• 




= 20 


" 


föiofioftao „ 


11 


" 


n 


= 28 


" 


Cltab 


y 


m 


« 


= 23 


* 


Sileiuoltao 






« 


= 20 


K 


Xuobea 






n 


= 20 


>• 


Xccimooftab ift 


6 




>• 


= 15 


r> 


a)iinimo unter 6 




n 


~ 15 





Digitized by Google 



Stnmerfungen. 



379 



iBcrgl. aud) Size-Notation at the Bodleian. The Library Chronicle, Vol. I, 
1884, ©. 191-193. 

2)a§ Bollettino bcr Biblioteca nazionale centrale <li Firenze ntifct 
<8rnjetger 1886 91r. 2471) f otgenbermafccn : 

Solio: ©eitenfibfie über 3S cm 

Cuart: „ Don 28—38 „ 

Cltao: „ „ 20—28 „ 

©ebej: „ „ 15—20 „ 

24«: m „ 10-15 „ 

32°: „ unter io „ 

3n Stmerifa loar frijon früljer Jewett u. q. für ba§ 9Rcffcn ber ©iicfjer ein« 
■getreten. Xie SBeriammlung bcr amcrtfamfdjen ©tbliotbefare p ^Sbüabelpljta 
bcfdjlofe auf einen Vortrag toon Evans, The Sizes of Printed Books. Library- 
Journal, Vol. I, 1*77, <S. 58—61, tuclcfter baS SWcfien cmpfanl, in auftimmenber 
ÜSeife bte grage burd) ein befonbercä Komitee prüfen JU laffen, oergl. ebenba, 
<2. 106—109, 139, 174, 178—181, 183, 222, 2G7. 365, 377 ; Vol. II, ©. 37; 
III, ©.19; ferner .1. B. Iluling, The Sizes of Printed Books. Library 
Journal, Vol. I, 1877, S. 168—169, aud) George Watson Cole, A Quicker 
Method of Measuring Books, ebenba, Vol. XII, g. 345—349. Xie nad) ben 
«efdpffcn jenes GomiteeS eingeführten SJCafec ftnb folgenbe: 

Folio abgefüllt F . . . . über 30 cm 

Quarto „ Q . . . . unter 30 cm 

Octavo „ O . . . . „ 25 cm 

Duodecimo „ D . . . . „ 20 cm 

Sixteenmo „ S . . . . „ 17 V2 cm 

Twenty-fotirmo „ T 15 cm 

Thirty-twomo „ Tt I2 l /«cm 

Forty-eigthmo „ Fe 10 cm 

Narrow „ nar .... ©reite geringer at§ s /s ^»ö^c. 

Square „ sq . . . . ©reite gröfecr al» $>öfie. 

Oblong „ obl . . . . ©reite größer als .^bfie. 

Sluf bie mannigfadjen ©cfiuucrigleitcn, mclcfic fieft in ©cjug auf bic SKeffung 
bcr ©ücber ergeben, bat Poole gclcgcntlid) bc$ obengenannten 5$ortrng$ oon 
(h>an§ fiiugeiöicfcn. ,,If we adopt the measurement", fagt er, „shall we 
measure the text, the paper, or the Dinding? The measure of the text 
would best meet the requirenients of bibliography ; the measure of the 
paper would give the best deseription of the individual copy catalogued, 
and the measure of the covers would be the most expeditious and sunimary 
mode of treating the subject. The measure of the paper, howewer, and of 
the Cover, is often determiued by the stupidity of a miserable bookbinder, 
whose Chief ambition seems to be to tili Iiis bin with shaviugs. My 
Instructions to binders are not to cut books at all, unless they have special 
directionsj and in re-binding never. The whole subject of adopting a 
new mode of designating size is not whithout its difficulties." (£§ lüirb 
eben nid)t§ anbcrcS übrig bleiben als ben (ffnbanb 31t meffen, ben ber SBucfibtnber 
ftreng nad) 5ßorfd)nft unb unter SJcrincibung 311 rctdjltdjcr Sk'fefineibung an» 
äuferttgen Ijat, bamit ba? Slbgcfdnuttcnc burd) bic Xctfc au§geglid)cn luerbc. 

107 (£. 136). So nad) ©tinfeing, 0>efd)id)tc ber 91ccf)t£urifjcitf($aft I, 
ÜHüntfjen 1880, ©. 152 unb anbereu Xaiafcio unb bie neuere ^rajis bei uns in 
Xcutfdjlanb. Xie Sttegcl be? ©ritlfdjen SDtufeuntö, lueldjcr fpäter bie Library 



Digitized by Google 



380 



?lnmcrtungcn 



Association of the United Kingdom gefolgt ift, lautet : „Consider the 
respondent or defendant of a thesis as its author except when it 
unequivally appears to be the work of the praeses", bod) möcfjte Benjamin 
Robert W h e a 1 1 e y , On the Question of Authorship in „ Academical 
DIssertations". Tran sactions and Proceedings of the 4. and 5. Annual Meetings 
of the Library Association of the United Kingdom (London 1884, 4°) ©. 
37—42, auch abgebrutft bei Henry B. Wheatley, How to Catalogue a 
Library <S. 105—121 biefer 93eftimmung nod) ben 8ufafr gegeben totffen: „The 
defendant or respoudaut is the author when either occurs separately od 
the title-page, but when together, the defendant must be so considered". 
8rocifeUo§ ift ber Gräfes in bet weitaus übermiegenben UWeljräaljl bet Salle ber 
iDirtltcfjc SBerfaffer unb es würbe baber nid)t richtig fein,; bemfelben biefe JBer« 
fafferfc^aft ntebt jUiuerfennen. 

$afc i. 8. bei ber folgenben Xiffertotion De latitudine et longitudine 
Wittebergae et de calaegia Ptolemaei dissertatio geographica praeside D. 
Jo. Friderico Weidlero mathematum superiorum professore ordinario 
publice proposita a Justino Elia Wüstem anno Tennstadiensi Thuringo 
liberalium artium magistro die XXIX Novembris anno 1755 Wittebergae 
prelo Ephraim Gottlob Eichsfeldi Academiae a typis, ber ^räfeS SBeibtcr 
tljatiädjlidj ber ©erfaffev ift, beweist ein aufällig, nämüd) infolge bcS plöfclicficH 
SlblcbcnS beS Gräfes, beigefügtes aweite* Xitclblatt, wclcfteS lautet Jo. Friderici 
Weidleri ph. etj.u. d. mathem. super, prüf. ord. ... dissertatio de latitudine 
et longitudine Wittebergae et de calaegia Ptolemaei auspieiis dei opt. max. 
post viri celeberrimi obitum in auditorio philosophico die XVIII. Decembris 
1755 horis matutinis consuetis publice proposita ac defensa a Justino Elia 
Wüstemann o Tennstadiensi Thuringo liberalium artium magistro. Vitte- 
bergae prelo Ephraim Gottlob Eichsfeldi Academiae a typis. Unb in ber 
nadjfteöenbcn Xiffertatiou De baroiuetro itinerario et aliquot altitudinibus 
barometro exploratis commentationem praeside Friderico Wilhelm Ueun 
LL. AA. M. die XXVII Octobris 1770 in auditorio majori defendet Carolus 
Augustus Fridericus Dankwart, Dresd. Misu. LL. Cult. Vitembergae, 
litteris Caroli Christiani Dürrii befeuut fid) ber ty>räfc8 $eun in feiner an 
einen £>ervn oon ©crSborf gcvidjteten SSibmung fclbft als ber Sßetfaffer, Wenn 
er fagt: ,,Publicus ac fidelis, suinmae illius, qua Te, Domine generosissime, 
colo, pietatis testis sit hic libellus. Noli igitur indignari, me eo audaciae, 
aut, si mavis, confidentiae progressum, ut hanc Dissertationem Tibi traderein, 
eamque Nomini Tuo inscriberem .... Cum enim inprimis argumentum, 
quod pertractandura elegi, sit ejusmodi, cujus intelligentiorem, quam 
Te, arbitrum non invenirem, et de quo speeimen, admodum quidem exiguum, 
edendi, Tua benignitate adeptus sim potestatem, hoc grati animi testi- 
nionium Tibi uni me debere intellexi". 

Übrigens brauchte bev ^räfcS burd)au3 nitfit immer ein ^Jrofeffor ju fein, 
Welver bic Disputation leitete, mitunter ift ber tfaubibat fclbft Gräfes. 
Dissertatio de baccalaureo, quam annuente incly ta philosophorum Lipsiensium 
facultate praeses M. Christianus Schultze, Halä-Saxo, LL. cultor, 
re<spondente Johann-David Güttnero, publico ac placido Examini exhibet 
ad dieru 13. Juli 1078. Lipsiae, stanno Wittigaviauo (Dergl. aud) bie Correbc 
bev £ifjertation). bisweilen fommt überhaupt fein Gräfes oor, 5. $3. Dissertatio 
medica inauguralis de aquis medicatis Burgbern heiuieusibus quam divino 
sub praesidio autoritate et decreto gratiosissimae facultatis medicae in 
alma Universitate Altdorfina pro summis iu arte medica honoribus et 



Digitized by Google 



Slnmerfungen. 



381 



privilegiis doctoralibus rite consequendis solenni eruditoruni exainiui 
subjicit Carol. Frider. Georg. Petzius, Neostadio-ad Ayschuni Francus 
ia auditorio Welseriano ad diem XXIX mens. Aug. A. C. 1713. Literis 
Jodoci Guilielmi Kohlesii. Acad. typogr. 

9ieuerbtng8 %at Qaxi eplbio itöfiter, £ie Sluctorfdjaft unb flatalogifteruug 
bcr olabcmifcfieit Jiffertationcn in ^efrfjolbt? feiger isse 9Jr. 2678 bcu Wach* 
Wei8 ju unternehmen Derf udjt, bafj bcr s }>räfe8 nur bei ben Disputationes privatae 
b. ben für bie gemeiufamen Übungen mit ben (Stubenten gebruefteu Schriften 
ber SBerfaffer fei, bajj bie eigentlichen Disputationes publicae biegen ftet« bon 
ben 2)oftoranbcn abgcfafjt feien. 3n #inblicf auf ba8 au&brücfltdjc gleichzeitige 
Zeugnis bc8 Iöomafiu3, welches burd) bie SluSfagen emberer ^Sräfibcn beftätigt 
wirb, ntüffen wir jebod) 91. Moquette, Qwv ßrage ber ?lutorfchaft älterer 
Tiffertattonen. Gentralbtatt IV, 1887, ©. 835—342 (ocrgl. ba$u ÄbblerS SKeplil 
ttnb ffloquetteö £uplit ebenbo ©. 466—469) beipflichten, »wenn er jenen SKacbwei« 
nlS mißlungen anficht unb bie alte Ötegel aufrecht erhält. Ötoquette geht fogar 
\ owett ju behaupten „Selbft wenn ber Xitel berfidjert, ber ffiefponbeut fei ftutor 
bcr Disputation, fo ift bic5 im allgemeinen Scbwiubel; fcltenc Sluänaftmcn 
freilich lommen bor". Seifpiele Wie biefed: Observationes juris Romani et 
Saxonici quas praeside D. Georgio Stepbano Wie sau diu professore in- 
stitutioBum ordinario ... die XIII. Octobr. 17 SO publica diseeptatione 
defensurus est auetor Carolus Cbristianus Demiani Budissa-Lu^atus. 
S pe c i m e n XI. Vitebergae typis Adanii Christiani Cbarisii ^eugen aQcrbiugS 
bafiir, bafj felbft bie auSbiücflichc Angabe beS Xcfenbeuten, er fei bcr *Bcrfaffer 
nid)t in allen gälten über jeben 3Weifel erhaben ift, wenn man bie folgenbe, 
in bemfclbeu Sah" erfchieneue Etffertatton bagegen hält: Observationes juris 
Romani et Saxonici quas praeside D. Georgio Stepbano Wiesandio 
professore institutionell ordinario ... die IX Decembr. 1780 publica diseepta- 
tione defensurus est Georgius Carolus Ricbterus Dresdensis. Specinien XII. 
Titebergae typis Adami Christian! Charisii unb bebenft, bafs Georgius 
Stephanus Wiesandius jene beiben unb bic por&ergegangenen 10 Specimina als 
„libellos variis occasionibus scriptos", wie er in bcr SJorrebe fügt, in feineu 
^u ßeip^ig 1782 erfchicncncu „Opuscula" peretnigt hat, wobei er lebtglid) er« 
Wähnt, bafj jene Observationes „a juvenibus erectioris ingenii publicis dis- 
ceptationibus fuere defensae", £iim€d)luffe aber ben Seferbcr Opuscula bittet 
,,ut meum qualecunque Studium bene interpreteris". 9tuch boS folgenbe 
33ctfpiet büefte 9ioqucttc3 Behauptung unterftflfeen. Schediasma rhysicum de 
Infantibus supposititiis, vulgo &kd)felbälgeu, quod Ampliss. Facult. Pbilos. 
Consentiente, sub Praesidio M. Johann. Val. Merbitz ii Dresdensis, ad 
disputandum publicö proponet Johannes Gothofredus Jahn, Meisens. 
Misn. Pbilos. Baccal. A S. S. Theo). St. A. A R. die XXIII. Aug. 1671. 
Lipsiae, Typis Andreae Richten. £afi nämlich aud) hier bic ©orte A. A Ii. 
b. i. Auetor A Respondens leere ^hrafe finb, jeigt bcr Xitel ber neuen $(uf= 
läge ber Xiffertation, nach welchem unzweifelhaft ber $räie§ SDierbifc ber wirtliche 
stferfaffer ift. ©r lautet Biga Disputationum physicarum, Quarum Prima de 
Infantibus supposititiis, vulgö 3öecfifct*3Jälgen, altera de Nymphis, Germanis 
3Baffer*9liren, Incl. Facultatis Philos. Lipsicns. indultu publice habitae a 
M. Joh. Valent. Merbitzio, Dresd. Jam verö ob Exemplarium inopiam 
recusa 1678. Sutntibus Johannis Christophori Mitbii, Typis Christophori 
Baumanni. Sahn wirb f)kv, Wie man ficht, nidjt einmal erwähnt, nur auf ber 
erften Seite beS Xejte« ^eißt e§ Respondente Joh. Gothofred. Jahn, Mels. 
Misn. Philos. Baccal. A S. S. Th. Stud. die 23. Aug. 1671. $c3öal6 nun 



Digitized by Google 



382 



Slnmcrfungcn. 



aber fogletdj bie gan$e SHegel abjuänbcni unb bcn Gräfes ftctS als SBcrfaffer an* 
jufeben, nuc bicSbie unbba geflieht (2Jtccf lenburg, (Scntralbl.If, ©.307—368)» 
erfdjetnt aus bem ©runbe bebcnflicfj, ipeit aubcrfeitS bic Angabe ber Wefponbertt 
fei Sluctor, fid) and) uneberum bewahrheitet, u>ic folgeube SJcifpiele lehren : Auspiciis 
rectoris niagnificentissinii serenissimi prineipis regi Friderici August! eleo- 
toratus Saxon. heredis Thouiae Munzeri eloquentiam ineptam praeside 
Jo. Guilelnio Bergero eloqu. et humanit. p.p. ... die [vacat] Julii 1714 
generatim exponet respondens auctorM. Christianus Guil. Aurbachius, 
Molhusinus. Vitembergae Saxonum literis Jo. Godofredi Meyeri. $a& biet 
Siurbad) als lüirfticfjer ^?crfafier 411 gelten bat. beioetfcu bie ferneren Schriften : 
Auspiciis rectoris ... Thomae Munzeri eloquentiam ineptam praeses 
M. Christianus (iuilelnius Aurbachius Molhusinus die XXVIII. Julii 
1714 speciatiin exponet respondente Jo. Christophoro Hey. Vitembergae 
Saxonum literis Jo. Godofredi Meyeri; ferner Auspiciis rectoris ... Thomae 
Munzeri eloquentiam ineptam dissertatione III. speciatim exponet M. 
Christianus Guilehnus Aurbachius Mulhusinus ... respondente Joanne 
Vlischio die V. Octobris 1715. Vitembergae Saxonum literis Jo. Godoßr. 
Meyeri; eublidj M. Christiani Guilclmi A urbachii, Molhusini . .. Disserta- 
tiones oratoriae de eloquentia inepta, Thomae Munzeri Don aJcunjerS närriidjer 
JBerebfamfeü generatim dt speciatim in alma Leucorea expositae antehac et 
Ventilat ae jam desideranlibus amicis revisae et multis novis accessionibus 
locupletatae. Vitembergae Saxonum, typis & sumptibus Jo. Godofredi 
Meyeri, anno 1716. Cber Disputritio prior de Galla Placidia Augusta quam 
praeside Joanne Daniele Rittero d. [vacat] Decembr. 1743 publice tuebitur 
auetor M. David Ituhnkenius Stolpa Pomeranus Vitembergae prelo 
Ephraim Gottlob Eichsfeldi ocrglidjcn mit Disputatio posterior de Galla 
Placidia Augusta quam praeside Davide Ruhnkenio philosophiae magistro 
d. [vacat] Decembr. 1743 publice tuebitur Christopherus Klaerner Bern Stadt o 
Silesius Vitembergae prelo Ephraim Gottlob Eichsfeldi. €ber Dissertatio 
juris Lusatici de jure repraeseu talionis in linea collaterali ob § 19 rec. imp. 
a. 1521 in Lusatia superiore obvio. Quam illustris ictorum ordinis 
auetoritate praeside Christiano Aug. Gtinthero jur. et philos. doct. a. d. 
IV. Octobr. A. C. 17b6 H. L. Q. C. defendet auetor Carolus Theophilus 
Behrnauer Gorl. Lusat. Lipsiae ex ofticina KJaubarthia, in beren 
an ©efjrnauer gerichteten ©püoge ber Gräfes ©üntber erflärt: „Reddo Tibi 
libellum, qui totus est Tuub: id quod vel argumenti, in quo txaetando 
versatur, ratio demonstrat. Nam, si nonnullas verborum lituras exceperis, 
neque addendo neque detrahendo quidquam in eo mutavi". ©8 bleibe alfo 
bei ber gegebenen 9tegel, bafe ältere Xiffcrtationen gewöhnlich als getftigcS ©igen» 
tum beö Gräfes ju betrachten [inb, bafe aber bie auSbrücflicbe Sicrftchernng bcS 
SRefponbenten, er fei ber SBerfaffer, burd)gängig für btefen cntfdjeibc, roeil fonft 
in jablreichen fällen überaus umfangreiche 9tcd)erchcn notwenbig fein ttwrben, 
um bie stferfafferidmft feftjuftellen, ohne bafi man in ben meiften Satten fclbft 
bann jur »öden (Sicherheit gelangen bürfte. 

$tc (Sitte, bafe ber Gräfes bie Differtationen für ben Xiffcrcnten berfafstc, 
hat nach SRoquctte an manchen Unloeriitatcn bis in bie neuere Seit herein fort« 
beftanben. 2Htt Öicctjt hält JRoquctte eine aftenmäfcigc Untcrfuchung bariiber, 
wann bie einzelnen llniöerfttätcu baju übergegangen finb, öon ben $oftoranben 
eine fclbftfinbigc 2trbcit ju bedangen refp. ob bie« mit bem gortfatt be8 $rä'fi* 
btumö jufnmmctifcillt für uuinfcbcn&ucrt. $118 ©ren^e, bt8 $u tDcldjer jenes 
^ertomntcu ftet) aagemeiuer behauptete, nimmt aud) Daiafcfo bic 2Ritte be8 



Digitized by Google 



SXnmerfungcn. 



383 



18. 5af)rfmnbert8 , Äetoffer Gentvalblatt f. 3fjg. n, 1865, <5. 13 beffen 
SBenbe an. 

©cöüc&ücf) möge nod) ermäbnt fein, baft fid) aud) ältere auf <£d)ulcn ab* 
gefjanbelte Etffertattonen finben. $)a& bter lebiglidj bec präftbierenbe Sctircr 
bejügUd) ber 9lutorjd)aft in grage fommen lann ift felbftberftänbltd), 53. 
Mutationem AugustaDae confessionis privato Philippi Melanchthonis ausu 
temere suseeptam dissertatione menstrua eaque prima in auditorio illustris 
archigymnasii Tremoniensis majore praeses M. Joannes Daniel Kluge 
gymnasiarcha et professor theologiae publicua modesto commilitonum 
scrutinio exponit respondentc Zacbaria Hermanno Barop Tremoniano. 
Ad d. XX. Decembr. anni saecularis 1730 ab bora matutina octava ad 
deeimam. Tremoniae Litteris Forbergianis , roo^u nod) bei fortlaufeuber 
qjoginierung aus bem Sja&re 1731 brei Sortierungen fommen, bei roeldjcn neben 
ßluge otS ^rafeS in ber ametten Joannes Fridericus Quitmannus, in ber 
brlttcn Carolus Nicolaus Borberg, in ber bterten Joannes Franciscus Fley 
als 9lefponbcnten figurieren. 

108 (<3. 136). Otis II. Robinson, On Indexing Periodieal and Mis- 
cellaneous Literature in bem meftrenuäfjnten SEÖerfe Public Libraries of tbe 
U. S. of America, Pt. I, <5. 663—672. — Uenry B. Wheatley , Thoughts on 
the Cataloguing of Journals and Transactions. Transactions and Proceedings 
of tbe 4. and 5. Annual Meetings of the Library Association U. K. London 
1884. 4°. <S. 190—196. 

9118 Hilfsmittel für ba§ Äotnlogifieren öonöcfelifdjnftSfdjrtftenbea.Seitfdjrlftcn 
empfehlen fidj aus neuerer 8dt u. ö. befonbcrS Lonnes SWüller, Sie ii)tffcn= 
fdjaftlidjcn Vereine unb ©efcüfdiaften Eeutfdjlanbs im 19. Safjrfj. ©ibltograpfjtc 
t^rer 9?eröffentlid)ungcn 2C. »erlitt 1883—1887. 4°. — Samuel H. Scudder, 
Catalogue of Scientific Serials of All Countries including the Transactions 
of Learned Societies in the Natural, Physical and Mathematical Sciences. 
1633—1876. dambribge-1879. 8°. — Henry Carrington Bolton, A Cata- 
logue of Scientific and Technical Periodicals (1665 to 1882). Smithsonian 
Miscellaneous Collections 514. Vol. XXIX (1887). Washington 1885. 8°. 

109 (©. 139). Sn eingeljenber Steife verbreitet ftdj über bte einzelnen Strien 
öon Katalogen C. A. Cutter, Library Catalogues in bem SBerfc bcS Bureau 
of Education. Public Libraries in the U. S. of America, Pt. I, ©. 526 — 622. — 
SBgl. aud) Melvil Dewey, S. B. Noyes, Jacob Schwartz, John J. Bailey, 
Catalogues and Cataloguing. @benba, Pt. I, ©. 623—662. — Giuseppe Fuma- 
galli, Cataloghi di Biblioteche e Indici bibliografici. Firenze 1887. 8°. 

110 (©.141). ^ermann ßubetoig, 3ur ©ibUot^elonomie. $re§beni840. 8°. 

A. 2>er U)if fenfdjaf tltdje Satalog. 

111 (©. 148). Giuseppe Biadego, Dei Cataloghi di una pubblica 
Biblioteca e in particolare del Catalogo reale. Roma 1874. 8°. 

112 (©. 149). 9S?o fein rotffenidjafiltdjer Jtatalog uorljanben ift unb tie 
fonftigen Äatalogc für baS qßu&lifum unäugängltd) finb, ba mag tuo&l gelten, 
WaS Frederic V in ton, The Chief Need in Libraries. Library Journal, 
Vol. III, <5. 49—50 gefügt fjat: ,,t)ur great libraries, and vastly more that 
of the Old World, are the cemeteries of learuing, the citics of buried 
knowledge. Let Schliemann, let Cesnola dig. In every one of them are 
thousands and thousands of books which have never been opened, becam*- 



Digitized by Google 



384 



Slnmerfungen. 



nobody knows they are there, for want of a catalogue, or at least a cata- 
logiie of subjects". 

113 (©. 152). (5. 5 örftcm onit , etjftcmatifc^c, aty$a&etiföe. (bronotoglfcfje 
Slnorbnung. ßentralblatt, 3bg. I, 1884, ©. 293—803. — Statt llbUra, Übet 
bie Drbnung bcc »üdjertttet im Hjftematifdjen Jtataloge. (Ebenba, Stög. I, 
©. 461—467. — 2>ie tBereinigung beS alpbabertfcbctt unb foftcmatifcben ^rinjipS 
gelangt nomentlid) in ben fogeitannten Dictionary Catalogues bec Stmcrilaner 
5um SluSbrucfe, idcIc&c in Öorm von SBörterbüdjern unter einjelnen au>fjaoetifc& 
georbneten <2ttdjn>örtern bie betreffenbe fiitteratur aufführen. 2lud) bier bat man 
Stlaffifi^teriuig biefec fadjltdjen 6tid)u)Örter nadj miffenfc^aftlia)en $rin$ipien 
oorgefdjlagcu, fo Fred. Ii. Ferkins, Classification in Dictionary Catalogues. 
Library Journal, Vol. IV, 1679, ©. 226—234, bodj niebt ofine heftigen Söibcr» 
fprud), tueldjen W. J. Fletcher, Some Points in Indexing. (Sbcnba, ©. 243 
bis 247, fogar auf bic füftcmatifdjen ffataloge überhaupt auSbcfmt, inbem er 
fagt: ,,I am surprised that any librarian of experience should advocate a 
classined catalogue, for I supposed the result of all experience in this line 
had been to sbow the futility of attempts to classify literature strictiy for 
cataloguing purposes". «ReuerbiugS r)ot ber SBtbliotljefar ber «öniglidjen 
3)ibliotb,ct in Trüffel F. Nizet, Les catalogues de bibliotheques publique«. 
Bruxelles 1888, 8° (24©.) ebenfalls ben „Catalogues ideologiques" (Gentralbl.V, 
©. 147, 233) baS SBort gerebet unb feine 5Haffififation§metl)obc feit 1876 an ber 
genannten S3tbliotf)ef burebgefübrt unb Hubert ©teiuad) Bat in einem im 
Gentraiblatt f. 93.. Sfig. VI, 1869, ©. 526—530 uneber abgebrutften Sluffafce ber 
$eutfdjen 33aujettung 1SS9, <S. 130 : £ie SlufftcllMtg unb ffatalogifieruug tea> 
nifeber IBtbüotbeten, ben nacb ©tidjloörtern alpfjabetifdj georbneten Öadjlatatog 
befonbcrS ben genannten 33ibltotfjefen empfofjlcu. $ic 93ortette, tocltfje ein gut 
gearbeiteter füftematifdjer Statalog mit alpbabetifrfjcm Subej bietet, werben inbeffen 
fötale Kataloge, toeldje 8"famincugefiörige8 &un$ baS Sttpbabet oft „graufam 
auSeinanberretfjen" müffen, niemals erreichen. 

114 (©. 152). Über bie ©rünbe ber $krfd)iebenartigfett ber ©üfteme an ben 
»erjdjiebenen ©ibliotbefcn unb tfjre 93ered)tigung fpridjt ftd) J. Winsor, A 
Word to Starters of Libraries. Library Journal, Vol. I, 1877, <S. 1 ff . in 
treffenber SSeife folgenbcrmajjen auS: „You must not be surprised to find 
some diversity of views among experts. They arise frora different experiences 
and because of the varying conditions under which a library may be 
administred. The processes of one library can rarely be transplanted to 
another without desirable modifications, arising from some change of con- 
ditions. This aecounts for a great deal of variance in the opinions of librarians; 
but it by no means follows that each of two Systems under 
proper conditions may not be equally good, when both are 
understood and an equal familiarity has been acquired with 
each. Choose that which you naturall y take to; run it, and do not decide 
that the other is not perfectly satisfactory to him who chose that. Whichever 
you have chosen, study to improve it, and you will probably do so, in so 
far as it becomes fitted more closely to the individuality of yourself and 
your library". «gl. and) bie ©emerluugen [0. Hartwigs] im Gentralblatt f. 83., 
50g. IV, 1887, ©. 556— 55S. 

115 (€>. 152). 9?on älteren ©tyftemen ift namentlidj baSjenige beS Johannes 
Garnerius (Garnier), meldjeS biefer ber Crbnung ber Scfuitenbtbliotbef ju 
^artÄ ju ©runbe legte, unb meines 1678 felbftänbig erfebien, $ur »crübmtbeit 
gelangt. EaSfelbe fiubet fid), lote oben bereits crtoäbnt, als Systema biblio- 



Digitized by Google 



Slnmerlungcn. 385 

thecae collegii Parisiensis Societatis Jesu in ßoelerS Sylloge abgebrudt, Wo 
aud), U)ic gleichfalls bereit» bemerlt würbe , Fr&ienc Kostgaard, Projet 
d'une nouvelle möthode pour dresser le caialogue d'une bibliotheque selon 
les matieres, avec le plan (2 Edition. Paris 1698) Slufnaljme gefunben hat. 
beffen einzelne JBorfdjläge wie j. ©. bie Slnorbnung ber Hauptfächer nad) bett 
großen Sudjftaben .beS SllbbobetcS, ctjronologtfcbe Reihenfolge ber Südjer, Slrt 
ber Eintragung ber ©ammelbänbe u. bergt, aumteil nod) beute ©eltung hoben, 
©elbft ber beigegebene $lan , worin in bier Kolumnen bie oier ocrfdjiebenen 
gormatc neben einanber gefteUt werben, um aufammengebörige SBerfe trofr 
etwaiger gormatberfchiebenbett auf einmal überfeljen ju fönnen, ift im ©runbe 
nur bie SJorftufe ju bem im Xeyt erläuterten neueften ©erfahren, bie oier 
Jfolumnen (unter SBegfalt bon $)uobej) ganj ohne Stücfficbt auf baS Format ju 
einer einzigen fortlaufenben $u bereinigen. Stuf Garnier bat man ein im borigen 
3abrbunbert in ftranlreid) $u allgemeiner ©eltung gelangtes ©bftem aurüeffübren 
Wollen, Weld)eS namentdd) bou Brun et in beffen Manuel du librafre et de 
l'amateur de livres oerbeffert worbeu ift, ber in ber Einleitung $u %. VI feines 
genannten SBerteS 9?ä^ereß über beffen ©efd)id)te berietet, $ie betannte Einteilung 
umfaßt 5 £aubtgruopen : Theologie, Jurisprudence, Sciences et Arts, Belles- 
Lettres, Histoire. 

Erwähnt fei aud), WaS Johannes Lomeier, De bibliothecis (ediüo II) 
<5. 400, 401 über einige ältere ©öfteme fagt: Quibusdam haec librorum in 
certas classes distributio arridet: ut in prima sint Biblia sacra et libri 
Theologici ; ut scripta Patrum, Scholasticorum et aliorum : itemque jus 
Canonicum, historia Ecclesiastica, Chronologia sacra etc. In secundä 
libri Philo80phici, juxta Philosophiae divisionem ; itemque artes Mechanicae, 
quae ex Philosophia dependent. In tertiä Medicina, Chirurgia etc. In 
quartä Juris civilis prudentia. In quintä bumana historia pro ratione 
temporum et locorum. In sextä Oratores, Poetae, Grammatici. In 
septima universalia sive encyclia, Thesauri, apparatus Bibliothecae, 
Dictionaria. Alii in Bibliotheca novem ordines constituunt, quorumprimus 
continet libros universales. 2. libros philologicos. 8. libros philosophicos 
4. libros theologicos. 5. libros juris civilis et canonici. 6. libros medicos 
7. libros mechanicos. 8. libros diseiplinarumpartialium. 9. libros diseiplinarum 
compositarum. 

3n 3)cutfd)Ianb ftanb lange Seit ba§ ©bftem 3oh. SOWd). grandeS (f 1775), 
beS SerfertigerS ber berübmten, namentlich oon Ebert gebriefenen Äataloge ber 
83ünaufd)en SBibliottjet, Welches berfelbe mit bem Übergange ber genannten ©amm* 
Iung an bie 5cÖniglid)e ©ibltotljef ju Bresben an biefer $ur Durchführung brachte, 
in bo^em Stuf eben, ftricbridj §at in feinen Äritifdjen Erörterungen oon bem 
53erieid)nen unb Slufftelten öffentlicher Slbtiotbcten, flcipjig 1835, 8° bie fdjmadje 
©eite beS Örancfefcfien CrbnuugSbrinaipeS, welches als baS „brartifd)=i)omogene- 
©bftem ©d)riftcn aus allen lotffenfd)aftlid)en S)t§aiplincn r bie fidt) auf irgenb 
etwas be$iel)en, jufammenwerfc, rid)tig bcrauSgefunben unb begrünbeter SBeife 
angegriffen, ©letcfjwobl bleibt ba§ ©an$e in feiner 2lrt eine fietftung, bie ein 
berufenerflenner jenes ©^ftcmeS, E. % ö r ft e m a n n , auf ©ruub langjähriger eigener 
Erfahrungen, bie er mit bemfelbcn gemadjt, fogar ein 3ReifterWer! genannt bot, 
an bem jwar SWancficS geänbert worben, wa» nad) Slblauf etncS ooüen %af)t* 
IjunbertS nicht mehr fo bleiben tonnte, beffen ©runbtage aber im ganzen bis 
heute unangetaftet geblieben fei. tfriebrieb felbft hat bann mit einigen 9tb» 
Weidjungen ben ©chfifcfchen 99iöttotl)ct3plan abgebrueft, worin bie einzelnen SBiffen* 

©raefei, ©ibtiothelSlebre. 25 



Digitized by Google 



386 



Olnmertungen 



fcftoften, mie mir fahen, ftrctig für ftd) georbnet finb. $a8 foorbtntcrtc Softem ift 
mit IRecht heutzutage baS allgemein übliche gemorben. — ©djletcrma cfierS 
im Xerte angeführtes ©oftem finbet ftd) in beffen jtocibnnbigcm SSerfe 53iblto* 
gratfjtfäeS Softem ber gefammten^iffenfehaftsfunbe. 33raunfcf>metg I852,8°flßcfch. 
«Inniger, S&0. 1853, 9er. c.ö, 793) bargeftellt. eine reic^^altifie Überficht bibliogra* 
J>btfc&er©üft€me, philofophifch'cncbflo^äbtfcher fomot)! als rein bibliothefarifdher, aus 
ber älteren Seit bis auf bie neuefte, fomie ©ftzjen berfelben finben fid) in Julius 
$ e & b o 1 b t S bereits genannter Bibliotheca bibliographica (Setöjtg 1 866) , ©. 20—65 
angeführt. 2>er ©enannte hatte bereits früher in feinem Stufiger 1860, 9lr. l, 70, 
122, 231, 319, 391, 465 iinb 1861 9?r. 651 (Nachtrag) Überfluten oon biblio* 
grap^ifeben ©toftemen gegeben, roeldje 1860 in Bresben auch felbftönbig evf Lienen 
finb, beSglciefjen 1864 im «njeiger 9lr. 645, 938 einen „©eitrag jum Äbfchnitte 
beS bibliograpfjifdjen ©tjftemes in ber ©ibliothcfenlehre" t>eröffentlid)t. Daneben 
berbient Ermahnung K. Coli an, Om bibliografiska systemer och bibliotheks- 
methoder. Helsingfors 1861, 8°, mortn eine gebrängte Überftcfjt ber Debeutenb* 
ften in Deutfdjlanb , 5ranfreia> unb (fcnglanb befolgten ober öorgefdjlagenen 
©bfteme oom 16. Sahrhunbcrt an bis in bie neuefte Seit geboten wirb. (?(u$* 
fü&rltdjcr WuSzug in Sße&holbtS Wnzetgcr 1862 9er. 853). 9tud) Tomuiaso Gar 
hat in feinen fdjon zitterten Letture di Bibliologia eine befonbere ßufammens 
fteüung »erfchiebener oon ber £ett ßonrab ©e&nerS bis auf bie ®egenmart ent* 
toorfener ©ufteme geliefert; begleichen Giuseppe Ottino in feinem Manuale 
di Bibliografia. Milano 1885, 8°. 

93on beu in neuerer 3cit in Xrucf crfd)icncncn ©wftemen Öffentltctjcr 93tbtio* 
thefen ermähnen mir namentlich oen ^Slon für bie fünftige StuffteHung ber 
Hamburger ©tabtbtbltothef , abgebnteft in 5hg. VIII, 1847, 9er. 22—24, IX, 
1848, 9er. l—io beS Sntcltigenablattes beS ©craöeum, morin and) meitere ©üfteme 
beftefjenber ©ibliotljcten zu finben fntb, neben welchen noch Xhtencmann, 
Über eine rotfienfehaf tltdje Slnorbnung einer SBibliothcf . (£benba, 3hg- VIII, 51fr. 20, 21 
©. 155 — 158, 161—166 genannt fein möge. — C£. Sörftemann, ©rSflidj 
©tolbergifdjc 93ibliothcf zu Sücrniflerobe. Storb&aufen 1866, 8° fl5efchol&t*5 
Slnzciger 1866, 9er. 153, 537). — G. ©tef fenhagen, Die neue Crbnung unb 
tfatalogifirung ber Sltßcncr 9cationalbtbliothef. Dritter ©cricht (enthaltenb baS 
bibliographische ©tjftcm biefer 2lnftalt). ^e&holbtS Anzeiger 1670, 9?r. 821. — 
Sari 8QUÖ c| ucifter, ©Aftern beS 9feal*5fatalog5 ber Untoerfttät3*33ibliothet 
jpeibclbcrg. §cibelberg 1885. 8°. — [0. Hartwig,] ©cöema beS SfcealfotalogS ber 
ftöniglid)en UnioerfitätSbibltotfjef zu fcallc a. b. ©. Seidig 1888. 8° (»eifjeft III 
beS (SentralblattcS f. 93.). 

hieran möge ftd) , ohne baf$ mir natürlich auf eine Jtritif hier eingehen 
fönnen, bie 9lufzär)lung noch einiger auf einzelne Disziplinen bezüglicher Schemata 
anfchtie&en, welche, wenn auch Durchaus uidjt in jeber Beziehung als URufter, 
fo bod) oielf ad) als 93eifpiclc unb SBcgweifer bei ber Crbnung berfelbcn zu bienen 
geeignet fmb: o. 31 uf f e&, ©hftem ber bciitfchcn ©efdjidjtS* unb $nterthum8* 
funbc entworfen zum 3mccfe ber Slnorbmwg ber Sammlungen beS germantfehen 
a'iufeumS. Seidig 1653. 4°. — ©Iiijc eines bibltograpt)tfcr)cn ©tjftemeS ber SurtS« 
örubenä. Wholbt§ Slnjeiger 1860, 9?r. 4G6. — ^Jfaff, Cibliographifdjc* 
Softem ber 9ied)t«s Staats* unb ©cfcnfdjaftSmiffcnfchaften. Gbenba 1861, 9er. 2. — 
9>crglcid)enbe Überfid}t bibliogralJhifchcr ©hfteme ber JhnegSmiffenfchaft. GDenba 
1862, 9ir. 658. — ©liije eines bibliographilchcn ©oftcmS ber Philologie, ©benba 
isß;i, 9er. 600 u. 658. — ©erglcidjenbe 3u|ammcnftcnung oon 6ibUogra^^ffcr)ett 
©ijftcmen ber Citteratixröcfcf;icf>te. &bmba 1665, 9lr. 2, 82, 162, 356. (3?gl. auch 
ben ©cfjlnfs ber nächften.nnmcrtung.) 



Digitized by Google 



Slnmerfungen. 



387 



116 (3. 154). Deweys ©bftcm finbet ftdj bargefteHt in bem oft ermähnten 
SScrfc Public Libraries in the U. S. of America, IjrSg. oom Bureau of 
Education. Pt. I, ©. 623—648 : A Decimal Classification and iSubject Index ; 
ferner in ber fclbftänbigcn Sdjrift: A Classification and Subjcct-Index for * 
Cataloguing and Arranging the Books and Pamphlets of a Library. Boston 
1876. 8°, fpäter erweitert unb öerbeffert in fetner Decimal Classification and 
Relativ Index for Arranging, Cataloguing and Indexing Public and Private 
Libraries. 2. Edition. Boston 1885. 8°. $em Systematic Catalogue of the 
Public Library of the City of Milwaukee 1885. Milwaukee 1885 — 86. 8° 
meldjem unjere Starftellung gefolgt ift, liegt ba§ 2)ewci)fcbc €uftcm mit einigen 
#nberungen ebenfo in ©runbe tote ber »ibltotljcf ber Young Men's Association 
of Buflalo u. Q. 

$ie Untcrftfifcung be§©ebäd)tntffc8 $at gana befonber* im Sluge J. Schwartz, 
A Mnemonic System of Classification. Library Journal, Vol. IV, 1879* 
<S. 1—7, Weldjer boS gefamte Gebiet ber SBiffenfcfioftcn auöörberft in brei gro&c 
Hauptabteilungen Iiistory, Literature, Science unb jebe bcrfelbcn ioteber in 
7 Unterabteilungen gliebert, fo ba& er im ganjen 21 Älaffcn erhält, bie nad) 
ben gro&cn ©ueöftaben bc5 SllpljabctS (A— W) georbnet werben. $cber berferben 
entfpriefit (mit SluSnafjme oon K, mcldjeS Language oertritt) bem' Slnfangg* 
bud)ftaben ber betreffenben filaffe, j. IB. Älaffe A = Arts, B = Biography, 
C = Customs, D = Drama. 3ebe ataffe Ijat ferner 9 8eftionen, bei beitcii 
bem 9lnfang8bud}ftaben gleidjfaHS eine befonberc Stolle jugerotefen wirb u. f. f. 
Schwartz (SMbltotbefar ber Apprentices' Library in 9iew ?)orf) bat bie oor* 
liegenbe ftragc nod) oerfdjlebenartig bcbanbelt, bod) mäffen mir und ein toeitereS 
(Eingeben auf feine $been an biefer (Stelle oerfagen. SSir oerweifen auf feine 
Sluffä^C A New Classification and Notation. Library Journal, Vol. VII, 
1882, ©. 148 — 166. — An Alphabetico-mnemonic System of Classifying 
and Numbering Books. Library Journal, Vol. X, 1885, <&. 25 — 27, 77 — 78, 
149—150, 174—175. 

Slufcer C. A. Cutter, auf ben mir bei bem Äapttct über bie Numerierung 
ber 93üd>er näljer einzugeben baben merben, f)at F. Beecher Perkins ba8 
Xeweofdjc (Softem sunt (^egenftanb ber ffrittf gemadjt unb bem SWangel beöfelbcn, 
bafe mand)e in ber Stttcratur gut oertretene Abteilungen pfammengemorfeu 
werben müffen, baburdj abjufjclfcn gefud)t, bafj er jeber bebeutenberen Abteilung 
eine unbefd)ränfte Slnja^l oon Unterabteilungen jugemiefen ju feben münfefitc. 
©ein eigenes oon bem Dewcüfcfjcn Secuta Ifyftemc unb bei* 3etcfienfpradjc SutterS 
unb ScbwarfcS oerfdjicbencS Stiftern ift niebcrgclcgt in ber 3d)rtft A Rational 
Classification of Literature, for Shelving and Cataloguing Books in a Librarv. 
with Alphabetical Index. Revised Edition. San Francisco 1S82. 8°. Ginc 
anertennenbe SBcfprcrfjung bcSfclben giebt J. N. Larned, Classification. 
Library Journal, Vol. VII, 1SS2, ©. 125—130. 

3)e§ weiteren erwähnen mir nod) folgenbe Sluffäfce : 

Lloyd P. Smith, The Classification of Books. Library Journal, Vol. VII, 
1882, S. 172 — 174. — J. Edmunds, New System of Classification and 
Scheme for Numbering Books. Philadelphia 1883. 4°. — W. C. Lane, 
Report on Classification. Library Journal, Vol. X, 1885, ©. 257—202. — 
F. B. Perkins and J. Schwartz, The Dui-decimal Classification and 
the „Relativ" Index. Gbenba, Vol. XI, 1886, ©. 37—43, 68—74. — Melvil 
De we y , The Decimal Classification, ©benba, Vol. XI, S. 100—106, 132—139.— 
B. Pickman Manu, The Dui-decimal Classification. Sbenba, Vol. XI, 
©. 139—141. — J. Schwartz, Alphabetical Classification: an Anti-criticism. 

» 

25« 



Digitized by Google 



388 



Slnmerfungcn. 



©benba, Vol. XI, ©. 156—160. — C. A. Cutter, Close Classification with 
Special Kcference to Messrs. Perkins, Schwarte, and Dewey. (£benba, Vol. XI, 
®. 180—184. — W. J. Fletcher, Close Classification versus Bibliography . 
Cftenba, Vol. XI, ©. 209—212. — C. A. Cutter, A Notation for Sinall 
IJbraries. Gbcnba, Vol. XII, 1887, ©. 324—326. — W. J. Fletcher, 
Library Classification : Theory and Practice. ©benba, Vol. XIV, 1889, 
©. 22—23, 77—79, 113—116. — R. Bliss, Report on Classification, (gftcnba. 
Vol. XIV, 1889, ©. 240—246. — Henry Wilson, Classification in Public 
Libraries. Transactions and Proceedingsof the 2. Annual Meeting ofthe Library 
Association U. K. London 1880, 4°, ©.79— 84. — ErnestC.Thomas, OnSome 
Recent Schemes of Classification. (Sbcnbo 4. and 5. Annual Meetings. London 

1884, 4°, ©. 180—184. — J. J. Ogle, Outline of a New Scheine of Classi- 
fication applicable to Books. The Library Chronicle, Vol. II, 1885, ©. 160. — 
Wm. Archer, Remarks on Classification, ©benba, Vol. III, 18S6, ©.86—96. 

Qlnftelne Disziplinen bebanbcln Lord Lindsay (President of the Royal 
Astrononiical Society in London), A Proposed Modification to the Amherst 
Classification in Mathematics, Astronomy and Physics. Library Journal, 
Vol. IV, 1879, ©. 149—152. — C. A. Cutter, A Classification for the 
Natural Sciences. (Ebenbo, Vol. V, 1880, ©. 163—166. — Serfelbe, Classi- 
fication of the Book Arte, ©benba, Vol. VII, 1882, @. 168—172. — 5)cr* 
felbe, Classification of the Recreative and Athletic Arte. Gbenba, Vol. X, 

1885, ©. 6—8. — SDerfclbe, Two Classifications of Philosophy. Gbenba, 
Vol. X, ©. 79 — 82. — Benjamin Lomax, On the Classification of History. 
Transactions and Proceedings of the 3. Annual Meeting of the Library Asso- 
ciation U. K. London 1881, 4°, ©.67— 6S. — Jaines Blake Bailey, On Classi- 
fication for Scientific and Medical Libraries. The Library Chronicle, Vol. III, 

1886, ©. 109—114. — John Brownbill, Science and Art: a Theory of 
Library Classification, ©benbo, Vol. III, ©. 133—136. 

117 (©. 160). ©o bat <E. ©teffenijagen in ber griedjtfdjen 3Jational* 
bibliotfjef ju Sltbcn (ogl. beflen 2)ie nene Drbnung unb Sratalogifiruug Der 
Sltbener 9tationalbiblioti)cf. qje^olbtS 2lnjetger 1868, 9ir. 704, 1869, 9ir. 762, 
1870, Dir. 821) bic einzelnen U)iffenfd)aftlid)en ftädjer atyljabettfdj georbnet, aUer« 
bingS, ürie er (cbenba 1874, 9?r. 451) gefteljt, nur, toeil „bte Drbnung ber 33tblio* 
thet ben lolalen Serljältniffen unb ber Dualität ber S3eamtenlräfte angepaßt 
U)erben mufete". 

118 (©. 166). O. $artioig, ©cfiema u. f. to. ©. 10— ll. 

B. $er ©taubo rtSIatalog. 

119 (©. 168). «Kad) ftricbrtd), Ärtttfcbe Erörterungen, ©. 95 war £enb* 
reidj auS Sandig, Sßrofeffor an ber ftranffurter llnibcrfität, ber erfte, meleber 
ben ©tanbortSfatalog einführte, inbem er fid) 1665 gegen ben großen Äurffirften 
erbot, mit #Ufc feines Stoibers bte furfurftUcöe SMbltotbe! binnen SafireSfrift in 
Crbnung ju bringen unb mit bop&eltcn Katalogen ju ocrfeljen, einem atyöabetiidjen 
unb ©tanbortSfatalog, ein ©erforedjen, meldjcS fccnbretd) aud) uurflid) einlöste. 

C. $er alpbabetifd)e Äatalog. 

120 (©.174). W. N. DuRieu, Jets over den alphabetischen Catalogus. 
Bibliographische Adversaria. 's Graveuhage 1873, 9tr. 6. — ftcrler, SluS 
ber^raris I. Gentralblatt f. 23., 36g. I, 1884, ©. 476—479. — Slbolf Äetof fer. 
Über bie Sinridjtung ber alpl)abctifd)en §aumlataloge öffentlicher ©tbttotbelen. 
©benba, Stjg. II, 1885, ©. l— 19. — SKctflenburg , 3u Dr. tfcüfferS Sluffafc 
über bic aürf)abcttfd)en $aupt!ataloge. (Sbcnba, ©. 91—96. — ßarl ©teiff. 



Digitized by Google 



Stnmerfungen. 



389 



Über bic (Einrtdjtung bcr otyfiabctifdjcn £>aul>tiatatoge öffentlicher Vibltotnctcn. 
Gbcnba, ©. 17» — 181. — Xficobor »on ©rienberger, Sur Äotalogificnnig bcr 
fogenamttcn Jtrbptoiwmen. (Sbenba, ©. 327— 328. — SWecf tenburg, Uber atybo* 
ttcttfct)e Stnoibmmg. Übenba, ©. 345— 382. — J<5n A. Hjaltalfn, Remarks 
on Rules for an Alpbabctical Catalogue. Library Journal, Vol. II, 1878, 
©. 182 — 185. — Benjamin R. "Wheatlcy, Thougths on Title-Taking, Trite, 
Trivial, or Tentative. Library Journal, Vol. V, 1880, ©. 133—138. — 
C. F. Blackburn, Hints on Catalogue Titles and on Index Entries, witb 
a Rough Vocabulary of Terms and Abbreviations, chiefly froib Catalogues. 
London 1884. 4°. (9JgI. aud) 3lnm. 103.) 

121 (©. 178). Gin 93cr$cic&nt§ bcr gangbarften qsieubontjmen* unb Mnomjmen* 
Iertfa giebt neben e fcl) o l b t § au§füfirlid)cr 93cfprcd)ung in bev Bibliotbeca biblio- 
graphiea©. 102 ff. ©rafiauer in feinem #anbbud)e ©. 94—95, wo$u nod) $u 
bemerfen, bafj feitbem Srnil SSellerS Lexicon Pseudonymorum 18S6 in ^Weiter 
Auflage unb Halkettand Laing mit 93b. IV, i8S8. boflfiänbig erfdjienen finb, 
bnfe ferner $u Barbier unb Querard 18*9 bon Gustave Brun et ein ©uWtctncnt 
beröffentlirf)t würbe, unb bap bic SBibliogropbie bcr Slnonbma burd) ein im ©r* 
fdieinni begriffenes Söcrf W. Cush in g, Anonymst a Dictionary of Revealed 
Authorship. Cambridge 8° eine »eitere «ereirfjcrung erfahren fiat. 

122 (©. 1 82). Über bic Scbonblung bcr Sütonbma unb bcrfafferlofcn ©cbrtftcn 
bgt. u. a.: Qux Slnorbnung bon Siteln anonymer ©cbjiften in atybabetifdjcn 
Katalogen. S|5e^r)otbt§ Mutiger 1861, 9?r. 410. — Henry B. Wbcatley, 
On the Alpbabctical Arrangement of tbe Titles of Anonymous Books. 
Library Journal, Vol. II, 1878, ©. 166—187. — Albert Körner Frey, Tbe 
Cataloguing of Anonymous and Pseudonymous Literature. Library Journal, 
Vol. XII, 1887, ©. 192—194. — Äctoffcr, ßeutralbl. II, ©. 15—16. — 
SWecftcnburg, Gcntralbt. II, ©. 369—382 (Vertreter be§ .fcaiWtfinnworteS). — 
$äiafcfo, Suftruction 2C, ©. 15—22. — Cutter, Rules etc. § 52 ff. 
(2. ed. § 68 ff.) 

123 (©. 185). Cutters Siegel (§ 52) lautet: „Make a first-word entry 
for all anonymous works, except anonymous biographies, wbieb are to be 
entered under tbe name of tbe subject of thelife". £te letztere 93cfttmmuug 
bewegt fid) ganj auf bem ©ebietc bc§ olpfiabetücfien JReallatalogS. 

124 (©.185). EiefeHnficnt bat, wicerwäbut, befonberS aWedlenburg ber* 
fod)teu. Hjaltalfn a. a. 0. will überfjaupt arte abstraften ©ubftantwc als 
Xitel anonymer 5öcrfc grunbiä&lin) ausmerzen unb bafür lonfrctc begriffe fefccn 
unb $War fort immer baSjcuigc 93Jort Crbnung§wort fein, loclefjcä ben ©egenftanb , 
am fpejiellftcn anbeutet 5. 93. A Treatise on tbe Diseases of tbe Brain wäre 
unter Brain 31t fefcen. $a& babei aflcrfianb Swcifel unb Snfonfequenoeu fid) 
fteHen würben, ift ebenfo gewiß wie es augcnfdjeinlid) ift, ba& man bamit aud) 
wieberum auf ba$ ©ebiet beS wtffcnfdjaftlicfien StatalogS bollftänbig fjiuüterareift. 

125 (©. 187). £>[artwig] Im Ccntralbfatt, $f)g. III, 1866, ©. 294 unter 4. 

126 (©. 19t). S3gl. Cefterlcty, Sic SReorganiiatton ber Unwcrfitäts* 
93ibltotf)c! au ©öttingen. <pc&fiolbt§ feiger 1875, 9tr. 871 (©. 373-375). 

127 (©. 193). 9ig(. 11. a. Nouveau Systeme pour les catalogues de biblio- 
theques, d'arcbivcs etc. Journal gdneral de l'imprimcrie, 2. SCr., T. XVIII, 
1874, P. 2. Chronique, Wr. 43, ©.226—227; abgebruert in ^efcf)olbt§ «Ujciger 
1874, 9?r. 921. — Henry W. D. Dun lop, On a new Invention whieb renders 
Slip-Catalogues available for Public Reference. Library Journal, Vol. II, 
1878, ©. 160—161. 

12S (3. 195). 3(. Scljffer im Gcutralbtatt f. 93., $fig. II, 1885, ©. 5. 



Digitized by Google 



390 



Slnmerfungen. 



129 < S. 195). fl. £$ia$!o, (Sine (rtnriehtung jum Schufr oon 3ettel= 
fatalogen. qk&bolbts Sinniger 1879. 9?r. 679. 

130 (S. 196). $crm. fcaupt, eine 9?oti$ über flapfeln jur Aufbewahrung 
beS SlättcrtatalogS. Gcntralbtatt f. 99., 3hg. V, 1888, S. 362—364. 

13t (S. 197). C. Hartwig, Schema beS SRealfatalogS ju §alle. S>. S. — 
t>. £t e bemann in ber Seitfchrift f. Saumefen 1*85, S. 350—351. 

D. Spejialtataloge. 

132 (S. 202). William Blades, On Signatures in Old Books. The 
Library, Vol. I, 1889, S. 121—131. 

133 (S. 202). William Blades, On Paper and Paper-marks. The 
Library, Vol. I, 18<9, S. 217—223. 

134 (S. 202). £cr genauere Xitel ber beiben genannten SSJcrfc ift L. Hai n , 
Kepertorium bibliographicum, in quo libri omnes ab arte typograpbica inventa 
itsque ad annuui MD typis expressi ordine alphabetico vel simpliciter 
enumerantur vel accuratius recensentur. Vol. I, 1,2, II, 1, 2. Stuttgartiae 
1826—1838. 8°. — G. W. Panzer, Aunales typographici ab artis inventae 
origine ad annum MI) post Maittairii Denisii aliorumque curas Vol. I— V, 
ab a. MDI ad a. MDXXXVI Vol. VI— XI. Norimbergae 1793— 1 SOS. 4°. Tie 
Annales typographici Maittaires, auf welche Ganser feinrociSt, waren ju$aag, 
t'lmfterbam u. Sonbon 1719— 1741 in fünf Skinben erfreuen unb uon Denis, 
Söten 17 89 mit einem Supplemente oerieben tuorben. Sandten fiub $u erroäbnen 
beSfelben ^anjerS Slnnalen ber ältetn beutfehen Sittcratur. 93b. I, II u. 3ufäfce. 
Dürnberg u.Scipjig nss—isos, weldje Pon Gmil eller in beffen Kepertorium 
typographicum. «flöibtingcn 1864 ergänzt unb berichtigt würben. — ©ine ausführ* 
liehe Slnwcifung für bibliograpbifd) genaue ßatalogifterung üon SSiegenbrucfen 
giebt ©. 3)1 i l d) f a cf , 2Bie foll man Snfunabeln ocraeidjnen. ^efcbolbtS Sinniger, 
3bg. 1882, 9ir. 3, 114; begleichen Stntou GinSlc in feinem empfehlenswerten 
Söerfchen: Xie 3ncunabcl=$3ibliographie. Sluleitung ju einer richtigen unb ein» 
heitlichcu S8cfd)rcibung ber SBtcgcnbiucfc. 38 tat 18S8. 8° («Publifattonen be§ 
«ercinö ber öftcrreicftifcficn Eudjbänbler VI). Scrgt. auch Dr. g. 2K., £ur 
UWetbobtf be§ SammelnS ber Sncunabcln. 233ien (SJerlag ber Cftcrr. öuchhänblers 
tforrcipoubcua) issö. 8°, S. 14—15. 

3n granfreid). wo mau bic fcerfteuung eines fämtliche fran^öfifefie Bücher* 
fammlmtgcn umfaffenben SnfunabelntatalogS plant, hat ju beffen JBerwtrfuchuug 
ber 2Wtitiftcr bes öffentlichen UnterridjtS Kene" Goblet unter bem 15. gebruar 
1S86 ein Circulaire relative au cataloguc des incunables des bibliotheques 
de France au bie SKalreS beS SanbcS crlaffcn, welchem ebenfalls eine pon 
L. Del i sie berfafete Snftrultiou über bic äatalogificrung Pon Snfunabelu bei* 
tiefügt ift. Xicfelbe ift abgebmeft im Bulletin des bibliotheques et des archives 
III, 1886, 9fr. 1, S. 1—40; ba$u V, 1888, S. 49—52. S. auch L, Delisle, 
Instructions pour la rldaction d'un inventaire des incunables conserves dans 
les bibliotheques publiques de France. Lille (Danel) 1886. 8° (39 ©.). 

135(8. 204). Simon Ca fdjifccr, SSte foll man Äupfcrftich* unb §olj« 
frbmttrataloge perfaffen? OTittheilungen b. SnftüutS für bfterrcichifche ©efd)tcht8* 
forfchung. 53b. V, 1881, S. 565—617. — ©in Hilfsmittel auf biefem ©ebtete ift 
ucnerbingS im (Erf (heilten begriffen, nämlitf) E. Dutuit, Manuel de Paiuatenr 
d'estampes. Tom. I. Paris 18S9, S° unb feitbem mehr. 

136 (S. 204). SlloiS Storp f, $cr £ilf§apparat ju einer ^orträtfammlung. 
^c&bolbts Slnjcigcr, $hg. iss2, 9ir. 312. — R. R. Bowker, Report on Index 
to Portraits. Library Journal, Vol. XIV, 1889, S. 174—176. — Jas. T. 



Digitized by Google 



Slnmerfungcn. 



Mitchell, The Index to Portraits. List of Portrait Collections. Gbenba, 
Vol. XV, 1890, ©. 14—15. 

137 (©. 204). Über bic flatalogificrung ber Scttfdjrtftcn f. Slnm. 108. 

188 (6. 206). ÖörftemannS SBorfc^läßc jur ©c^ul^rogromm^ofle finben 
ftd) in befien bereits früher (©. 19 bc§ XcjtcS) erwähnten Schrift: Über Gin* 
ridjtung unb SBenoaltung oon ©djulbibliotfjcfen , ujieberabgcbrudt in PefcfoolbtS 
Hnjeiger 1865, 91r. 666, too aud) PcfcbolbtS ©cgenborfdjläge angefügt ftnb. 
— Rarl Äodjenbbrffer, £ur Gatalogifirung ber Programme. Gentrai« 
blott f. 93., 3bg. II, 1885, ©. 96—98. — f$. ©djnorr o. GarolSfclb, 
3>te (Sdjulbrogramme unb bie 33ibliothefen. (Jbenba, 3hö« IV, 1887, 3. 20 
bis 21. — Die hierher gehörige 2itteratur mit ©infdjlufj ber bisher cridjtcnencn 
93tbtiograbbien ber Programme ift aufammengeftetlt in ber auf btefe ftrage 
crfdjöbfenb eingehenben Slbhanblung bon (£. ftr. SWüller, Xen!fd)rift über bie 
^erftefiung eines im Auftrage be8 #gl. breufjtfdjen SRtnifteriumS ber getftl. 2C. 
Angelegenheiten unb mit Untcrftüfcung ber bödjften ItnterridjtSbehbrbcu ber 
Staaten beö beutfdjen SRctc^ö herausaugebenben ÄatalogS aller bisfjer crfdjienencn 
Programmabbanblungcn ber höheren 2ehranftalteu SeutfcblanbS. Gentralbtatt 
i 53-, 3hg. V, 1888, @. 511—528. ^injuaufügen ftnb nod) au ben bort 
erwähnten 83erjeid)niffen 2. gr. ftefenbelf) , $>a$ Programmen * ^nftitut im 
©rojiberäogtbum 33abcn uebft einer SufammenftcHung fämmtltd>er, feit 1837 bon 
ben babifdjen 2bceen unb öMjmnafien oeröffentlid)ten programmbeilagen. SBeilage 
$um Programm be« ©ümnaftumS $u fiatjr 1863. — 3a!ob Äöbler, 3>ie 
Programmbeilagen ber babifdjen höheren 2ehranftaltcn mit alyhabettfdjem 83er« 
äetdjniS ber 93erfaffcr unb Überftcht ber bebanbelten ©egenftänbe. SBeilage junt 
Programm bc§©rofjb. ©bmnafiumS au iRaftatt f. b. 3. 1888 (dentralblatt f . 93., 
3&g. V, 1888, <§. 542—644), befouberö aber bic injioifdjen erfefiienene bortrefflidje 
33ibliograbbte bon 9tubolf SHufjmann, <£öftcmatifd)e§ 3?cracicf>ni* berSlbfjanb» 
iungen, toeldje in ben ©djulfcfiriften fömtlld)er an bem Programmtaufdje teit- 
nchmenben 2ebranftalteu oom %af)vt 1876—1885 crfdjicnen finb. DJebft jtoei 
ffiegiftern. Seidig (Seubner) 1NS9. 8° ((Scutralblatt f. $3., 3bg. VI, i$89, 
<B. 414—416). ©cit Cftober 1889 crfdjetnt auaj ein 93iblioQrapfiifcr)cr ÜHonatS* 
beridjt über neu erfdjfcncue <2dml* unb Untbcrfttät$f$riften, herausgegeben bon 
ber Seutralftcnc fttr $>iffcrtattonen unb Programme oon ©uftab &orf in 2cipaig. 

Snfolgc ©rlaffes bcS £erw SDMnfftcrS o. ©ofjler bom 6. 9loo. 1885, betr. bie 
£crftellung gebrudter SahreSberaeidjniffe ber Untoerfttät8fd)rtften [in Preufcen], ab* 
flebrutft im eentralblatt f. 53., 3bg. n, 1885, <£. 501 ff., unb beS «nfchluficS ber 
aufeerbrcufnfdicn beutfdjen Uniocrrttäten gelangt feit bem 15. 9luguft 1885 aud) für 
5:eutfd)laub ein SobreS^crscichniS ber an ben beut|d)en Unioerfttäten erfebienenen 
(Bdmften unb jioor für ben jebeSmaligen 3<ttraum bom lö.Slug. be3 laufcnbcn bis 
aum 14. 9lug. be8 folgenben Söb^eS jur 3lu8gabe. 3« ^ranlreid) erfebeint feit 
l v >2 jäbrlicb regelmäßig ber Catalogue des dissertations et Berits acaddmiques 
Itroveoant des echaoges avec les Universit€s <5trangeres et re^us par la 
Bibliotheque natioDale (Paris, C. Klincksieck) unb baneben feit 1885 
auf ©runb eine« minifterietten (SrlaffeS oom 25. guni 18S5 (mitgeteilt im 
acutralblatt f. 133., 3hg. II, 1885, ©. 322 ff.) ber förantretd) allein betreffenbe) 
Catalogue des theses et Berits acad^miques (Paris, Hachette & Cie.). ©Iet0>« 
faüS iäbrlid) fommt ber nur eine beftimmte gafultät berütfr»a)tigcnbe Äatalog 
Oon A. Mourier et F. Deltour, Catalogue et analyse des theses frangaises 
et latines admises par les facultas des lettres avec index et table aipha- 
bet ique des docteurs (Paris, Delalain freres) herauf. 

139 (©. 206). 2)te 5ur einfübnuig in bie .ftanbfdjriftenfunbc geeignete 
Sitteratur ftehe bei griebridj 2 ei ft , Xlrfunbenlebre. Äatcd)t5n>u§ ber XtplomatiF, 



Digitized by Google 



392 



Sliimertungen. 



«ßaläograpfiic, Chronologie unb ©pbragiftit. ßeityig (3. 3. SBeber) 1882. 8°. 
Xajii bte beiben Icfirrcidjcn Sluffäfce oon ©abriet 2Rei er, ©emerfungen über bie 
©eftimmung beS MlterS oon £anbfd)riftcn. Centralblatt f. ©., 3&g. II, 1865, 
©. 226—231 unb 2Btc follen #anbfdjriftenfataloge betroffen fein? (Jbenba, 
S. 463—471 ; beSgleidjen bte bort einer befonberen Äommiffton fadjoerftänbiger 
2lutorttäten ^rranfreie^*, borunter Leopold Del i sie, ausgearbeitete Note'sur 
la rt'dactiun des catalogues de manuscrits. Bulletin des bibliotheques et 
des archives I, p. 94 ff. unb banadj felbftanbig erfdjienen. $ari$ 1884. 8°. 

140 (3.212). ©gl. Sluguft ©lau, ©eräeidjntjj ber fcanbfdjrtftenfataloße 
ber bcutfdjen ©tbliotljelen. Gentralolatt f. ©., 3fig. III, 1886, ©. 1—35, 
49—108, fett beffen ©eröffenttidjung tititüifdjen nod) eine ganje Weibe weiterer, 
jumteil äufserft toertooUer $>anbfd)rtften!ataloge erfd)ienen ftnb. 33ir nennen 
nut neben bem lurjcn albbabetifdjen ©erjeidjniffe ber ^ßergamentfdjrtften ber 
2öür$burger UniOcrfitä'tSbibliotficf (1886) ben tfatalog ber #aubfd)rtften ber 
UnioerfttätSbtbltotbet in #eibelberg, beffen 1887 ^ubüjierter erflcr ©anb bte öon 
St. ©artfd) ocr$etd)neten altbeutfd)en #anbfd)riften enthält, ferner ftrtb. 
2eitfd)U&S ffatalog ber $anbfd)rtften ber ff. ©tbliotljcr $u Bamberg (ßeipaig 
1887, 8°), 2ötlf)elm @d)umS »efdjretbenbeS ©erj»cid)nitj ber Stntbiontanifdjen 
$anbfd)riften*(£ammlung $u Arfurt (©erlitt 1S87, S°), 9Waj ffeufferS öc« 
fd)reibcnbe8 ©eraeidjnifi ber §anbfdjrfften ber Stabtbibliot^cf $u $ricr ($ft. 1, 
irier 1888, 8°), Sofebt) (StänberS Chirographorum in regia bibliotheca 
Paulina Monasteriensi catalogus (VratislaviaelS89, 4°), ben Catalogus codicum 
Graecorum qui in bibliotheca urbica Vratislaviensi adservantur a philologis 
Vratisl. compositus (Vratislaviae 1889, 8°), bie Sortierungen ber ^»anbfdjrtftcn* 
©craeicfiuiffe ber berliner Äbntgtidjen ©ibliotbef (f. 3- Älatt, $te $anbf($riften* 
©craetefintffe ber Jröntglidjcn ©ibltotbcf $u ©erlin. Gcntralblatt f. ©., 3fig. VII, 
1890, ©. 177—196) U. f. f. 

%üx bte ©djtueij f. ©abrtel «Dieter, ©eractdjnife ber fcanbfdjriftcnfataloge 
ber fd)n>ei$crLfd)cn ©ibltottjelen. Sentralblatt f. ©., 3bg. IV, 1887, 6. 1—19. 

^ür 0 fterretd) * Ungarn f. 21. ©0 Ibmann, ©er$cidmif$ ber öfterretdj« 
ungartfdjen #nnbfrf)riftcntatatoge. (Scutralblatt f. ©., 3bg. V, 1888, ©. 1—37. 

SBäbrenb für £>eutfd)lanb StuHmannS bereits 187& gctnadjtcr ©orfdtfag 
jur $erfteHung eines gebrueften ©enera Katalogs ber 2«auu}frtytenfd)äfce im 
Xcutfcfjen 9teicr)c bisher feine ©ertoirf lidjung fanb, bat man in ftranfreidj 
feit 18S4 einen Catalogue g£n6ral des manuscrits des Bibliotheques publiques 
de France (Paris bei Plön) in Singriff genommen unb bereits rüftig geförbert 
(Eentralblatt f. ©., 3!)0. IV, 1887 , 6. 263—266; V, 1888, S. 373— 374, VI, 1889, 
©. 522). ©erfdjiebene fcanbfdjriftcntl äffen ber Bibliotheque nationale baben 
felbftocrftänblid) fajon oon früher fier banebett mancherlei Bearbeiter gefunben 
unb neuerbingS 5. ©. oon Delisle, Oniont, Robert u. 0. Bulletin des 
bibliotheques et des archives, Tom. I, 1884, <&. 82—84, 173 u. f. f. drft in 
jüngfter $cit erfebienen bie brei ©Önbe oon H. Omont s trcfflid)em Inventaire 
somniaire des manuscrits grecs de la Bibliotheque nationale unb Leopold 
Delisles Catalogue des manuscrits des fouds Libri et Barrois. 

©on gebrueften englijdjen ^anbfdjriftenoeräeidjniffen Baben blejcnigen ber 
©ibliotljct ^u CSambribge, ber Bodleiana ju Cjforb, oon India Office in fionbon 
unb bcS ©ritifdjeu 3KufeumS, tucltfjeS leitete audj in regelmäfeigen 8 l oifd)enräumen 
einen Catalogue of Additions to the Manuscripts in the British Museum heraus« 
giebt, oerbienten ©cifaU gefunben unb ber SßMffenfdjaft fdjä^bare Dicnfte geleiftet. 

^ür bie i t a 1 1 c n i f d) e n ©ibliotfjef en bürften bic oon bem ÄultuSminifterium 
beS ftönigrcidiS IjerauSgegebcnen Indici e Cataloghi für bte 8«t"nft eine ganj 
befonbere ©ebeutuug gewinnen. 



- 



Digitized by Google 



SInmcrfungen. 



141 (©. 212). William May, The Printing of Library Catalogues. The 
Library Chronicle, Vol. III, 1886, ©. 70—73. 

142 (©. 212). Sieben $ahlrcid)cn ©tabt=, ÄotyorationS* unb SBe^örbcn* 
bibtiotfielen f)at in Xcuifdjlanb u. a. bte Xübinger UuiberfitätSbibliothcl fett 
1854 einen gebrutften Satalog erfdjeinen Iaffen. ©ebruefte 3ugang8üeraeidjniffc 
geben Stormftabt, 2)rc8ben JRtdjter), ffarlSrube, ©eimar, Söüraburg unb 
anbete. §ür btefdjnjebifchcnSBibliotbefen fommt neuerbingS ein im Auftrage ber Ägl. 
SBibtiot^ct ju ©todholm bon E. W. Dahlgren rebtgierteS fijftematifdjeSGtefamt* 
aMüad)§beraeldjni§ f)txau$, meldjeS 9?ad)folge berbtent. (Gentrolbl. f. Shö- IV, 
©. 355—356; V, ©. 456 u. f. w.) ©in ^eractdjmS ber im fiefefaale aufgehellten 
©üdjer f)at it. a. ©reSlau, Seitfchrtftenberaeidjniffe haben $aUe, Stiel u. f. tt>. ber* 
öffentlitfjt. 9lud) baS SJeraeidjniS ber Periodica au§ ben ©ebieten ber fiitteratur, 
Äunft unb SBtffenfdjaft im SJeftfce ber Sgl. öffcntltdjen ©ibliotljel ju Bresben bon 
^3. (5. DHdjter (1880) oerbient ^ier genannt ju toerben; augleid) fei auf bat 
beachtenswerten $orfd)lag ßmil genfer?, Über ein ©eiammtoeraeidmife ber an 
ben beutfcöen öffentlichen ©ibliothcten gegoltenen Periodica, dentrolblott f. 
3^g. VII, 1890, ©. 81—85 hingennefen. JBon auSlönbifcben Sibliothefen mögen 
bie 3citfd)riftenuer5eid)nifie ber UnibcrfitätSbibliothefen au Sopenfjagcn unb Crforb 
ermähnt »erben. ©Jon f>at in (Snglanb neuerbingS oud) luieberum bannt 
begonnen, bie ßataloge beS ©ritifchen SRufeumS burd) ben $rucf befount ju geben, 
nad)bem bereit« an üerfchtebenen 8ctteu, fo 17S7, 1813— isi9. foioie aum britten 
2Rale in ben bierjiger fahren biefeö SahrljunbertS Anfänge in btefer iBcaiehung 
gemacht toorben nrnren, bie fd)lie&lid) immer nrieber fteefen blieben. $ra %af)tt 1879 
empfahl nämlich The Council of the Society of Arte nad) Anhörung fjttbox* 
ragenber SBibliothctare in einem ©eridjt an ben qSrinjen bon SöaleS als ©runb* 
läge für einen Uuioerfalfatalog ber englifcbcn gebrurften SHtteratur ben S)nt(t 
beS tfatalogS beS 93ritifd)en aJiufcumS oon neuem unb amar in ber Überzeugung, 
„bafc ber bebeutenbc Ilmfang beS SatalogS gegen beffen Srucflegung feineu ©runb 
bilben fönne". ^JkfcholbtS «naetger 1879, ftr. 546 (nad) „The Publishers' 

• Circular, Vol. 42, 1879, ©. 285—287), 9er. 892, 981. 2)aS atiefenunterneljmen 
njurbe thatföchlid) in Singriff genommen unb feitbem rttfiig geförbert; man hofft 
biefe „»ibliothet bon Äatalogen" nod) im Saufe beS gegenmärtigen SafirhunbertS 
fertigjufteHen. R. Garnett, The Printing of the British Museum Catalogue, 
a Paper read at the Cambridge Meeting of the Library Association of the 
United Kingdom, Sept. 5 1882 (aud) als ^rtbatbruef felbftänbig erfdjieneu), 
beröffentlicbt in ben Transactions and Proceedings of the 4. and 5. Annual 
Meetings etc. London 1884, 4°, ©. 120—128; bgl. aud) Library Journal, 
Vol. VIII, 1883, SRr. 12, ©. 340. — Serfelbc, Note on Printing the British 
Museuni Catalogue. Library Journal, Vol.X, 1885, ©,200—206. — ©.oudjThe 
Publishers* Circular Vol. 48, 1885, ©.139 unb $efcljolbt§ Stufiger 1885, 9tr. 1572 ; 
(Ecntralblatt f. 33., 3hg- n, 1885, ©. 147; V, 1888, ©.147; VI, 1889, ©.378—379. 
— 9teben bem £rude beS ©eneralfatalogS gef;t ein foldjer bon ©beaialfatalogen 
ber ©ibliothel einher, n>ie ber 1884 crfdjienene Catalogue of Books in the 
Library of the British Museum printed in England, Scotland and Ireland, 
and of Books in English printed abroad, to the Year 1640. Printed by Order 
of the Trustees. London, 3 vols. bcloeiSt (Gentralblatt f. 53., 3hg. H, 1885, 
©. 205—206). ftür bie im fiefefaale aufgehellten »ücher crfd)ien bereits 1859 
bie List of the Books of Reference in the Reading Room of the British 
Museum [compiled by W. B. Rye] jum ©ebraud) be§ ^SublifumS, ioeldje 1871 
eine aloeite unb 1889 eine britte Auflage erlebte, loo^u 1881 nod) bie Hand- 
List of Bibliographies , Classified Catalogues, and Indexes placed in the 



Digitized by Google 



394 



Slumerfmuen. 



Heading Room of the British Museum for Reference 'compiled by G. W. 
Porter] 1S81 binjurrat, bie 1889 in ^weiter Auflage erfajienen ift. — $ie 
Varifer «Wotionolbibiiot^ef {Zf>. ©d)0tt, Xie SRationalbibliotbe! in $ariS, $efe* 
bolbtS $ln$eiger l*r*2, 9?r. 696, Bulletin des bibliotheques et des archives, 
T. I f 188-1, ©. 84— Sj) gab bereit* 1743— 53 einen 6bänbigen gebrueften 
Äatolog: Theologie, Belles-lettres, Jurisprudence berauS; 1S55— 79 11 Sanbe 
ber Histoire de France, 1857—73 2 »änbc ber Sciences m^dicales, moöon 
fpoter nod) ein brütet ©anb crfd)icncn ift i^ariS bei Xibot & Co., 1889). Übrigens 
Üt bte Saf)l ber bie Bibliotheque nationale betreffenben fonftigen gebrueften 
uttb autograbbterten flataloge eine äu&erft bcträdjtlidje. »gl. E. Pierret in 
Le Li vre 1889, 9?r. 113, ©. 134—160. 

9US SWufier eine« gebrudten ßatalogS einer 3oe$taU>ibltotbef fann berjenige 
ber überaus rctebbaltigen , ja auf t&rcm ©ebiete gcrabeju einzig baftebenben 
il<t6liotbe! bon Surgeon (ieneral's Office ber bereinigten Staaten in 23afbiitgton 
gelten, welcher als Index-Catalogue of the Ubrary of the Surgeon-GeneraTs 
Office, Vnited »States Army. Authors and Subjects. Washington (Government 
Printing-Office) unter ber Leitung bon J. S. Billings im Crrfdjeinen begriffen 
ift unb bereits eine JReibc ftattlidjcr Sä'nbe aufweist. Sgl. Centrarblatt f. S. 
VII, 1890, ©. 66—67. 3m übrigen finb in ben bereinigten «Staaten aablreicbc 
gebruefte Kataloge aud) bebeutenberer öffentlicher ©ibliotljcfeu erftbienen, roelcbe 
burd) rcgelmäfitge 3uuttcb8oerjeid)niffe iljre (Srgänjuug finben. 

143 (©. 215). 2>er gebrudte Äatalog foH abfolut juüerläffig fein; barum 
evforbert er in ber£r)at bie grö6tmöglitt)eü>cnauig!citunbö>ciütffeu^aftigfeit, roorin 
fid) ber .fcciauSgcber gar nidjt genug tbuu fann. ,,If you are troubled", fagt 
ber befanntc ©ibliograpb Henry Stevens (Indexes to Periodicals. Library 
.Journal, Vol. I, 1877, ©.359—3(33), ,,with the pride of accuraey, and wish it 
completely taken out of you, print a catalogue." 

Griffet JUbfchntU. 

141 (S.221). 3. ©ermar, «ollen in öffentlichen SBtbliotbelcn bie 
93üeber nad) einem lüiffenfdiaftlictjcn Göftemc aufgeteilt merben, ober nicht? 
©erapeum X, 1849, ©. 257—266 bemeint nicht nur biefe gragc auf baS ent* 
fd)iebcnfte, fonbern empfiehlt fogar fcblicjiltcb, — bie oorgefübrten ©rünbc erfebeinen 
uns allerbingS Durchaus nidjt burdjfdjlagcnb — überall in öffentlichen ©tbliotbefcn 
bie iv>ftcmatifcl)c 5lufftcllung in bie fuftcmlofc 511 oenoanbcln. 

3n ei fdjüpfcnber Söeife bcbanbelt bie^ragc Melvil Dewey, Arrangement 
on the Shelves. Pt. I, II. Library Journal, Vol. IV, 1879, ©.117—120; 191 
bis 194 äugunften ber ftiftcmatifdienSlufftcllung. ,,Iu fact I believe", fagt er u. a., 
,,there are no two opinions aiuong us as to the necessity of adopting the 
hubject-order as the basis of all arraiigements." SRad) feiner Überzeugung 
bat bie ÜHiebcrung in baS eiu^elufte &u geben. „We take it for granted, 
without fear of question, that the best arrangetuent of a library is that 
which shows quiekest what it contains. What it contains means not the 
size, binding, date or authors' names, but what it has on each subject." 
Hub wenn mau cingciocubct babe, bafc bieö ja aus ben Katalogen ju erfeben, 
bie iu'icbcr baber tvofebcm attberö gcftclU toerben fbuntcu, fo antioortet Xemcb: 
,,I answer that 110 catalog ever did, ever will, or ever can take the place 
of the books themselves. The best work is done by seeing the books and 
by Boeing tbcni together". Die inbaltlid) fid) am nädjften ftebenben SBücber 
milffeu und) auf beut 9jepofitorium fid) am uiid)fteu fteben unb umgefebrt „the 
fnrther away in locatiou the fartber away in subject. All niy experience 



Digitized by Google 



Slnmerfungen. 



395 



and study of Ulis qucstion tends strongly towards close classing on the 
shelves, though some authorities advise that only rough classing be ad- 
mitted on the shelves, leaving the rest to the catalog". Xa aber eilte in 
bag einzelne gebenbe Alafftfiäievuno ntdjt mögltd) ift oljuc beweg Ii dje «luf» 
ftcllung, fo ergebt Dcwcu aud) btefe $ur feiten gorbcruug unb »erlangt bon einer 
SHbliothet aufter quite minute classing by subjects eine relative 
location, with a füll alphabetical index to the Classification. 2Ba3 bie 
Crbnung ber einteilten ©eftionen anlangt, fo empfiehlt $ewcu bie cbronologtfd)e 
mir für aets and serials (©erienwerfe), wo naturgemäß bie sweite Serie ber 
erften folgen müffe, wie bie öortfcfcung einer 3citfebrift bereit Anfange; im 
übrigen möge atyfjabettfcf) nad) ben Slutorcn ober nad) ber ?leceffton georbnet 
werben. $ewcb ift geneigt, fid) für letztere $11 entfeheiben Applied to a final 
arrangeiuent under a ciose subject Classification, it (the aeeession arrangeraent) 
is the cheapest and siini)lest, and perhaps the best". Xoburtt) gerät er aber 
in SBtberfpnid) mit bem Gnbjwetfe* ber ftlafftfilation fclbft, weldje in leitet 
erfeitnbarer Crbnung baö oorfüljren foll , waS bie S3tbliot§ef in einem jebeu 
wtffenfdjaftlidjcu gadjc aufjuweifen bat. $a§ flarftc Sßilb gcwäbrt fidjer bie 
djrottolog if d)e 9lufftellnng ber 3Jüd)ev in ben einteilten ^äefiern, man würbe 
bem gaiuen ^rinaipe untreu . wenn mau bafür btc Slufftcüung nad) ber Gr* 
Werbung twrftic&en wollte, beim erroorben werben gewbbnlid) uidjt nur neue unb 
neuefte, fonbern nadjträglidj auf antiquariiehem 2l*egc aud) alte nod) fcfjlcnbe 
©üdjer, bie bann mitten unter bie neuefte Sittcratur ju fielen fommcu unb 
bie Überfid)tlid)feit itöreu würben. 

Slucb C. A. Cutter, Classification on the Shelves. Library Journal, 
Vol. IV, 1870, ©. 234-243 fpridjt fid) für bie ft)ftcmatifd)c SluffteOungSWeife 
in JBcrbinbung mit beut bewegltd)en ©tofteme au3. Gr legt ben Untcrffbicb 
äwifdjen bem ftjiertcn unb letztgenannten ©nfteme burd) einen redjt anfdjaulidjcn 
Jßcrgleid) bar, inbem er beibe mit einer 33ricfabrcfjc in parallele ftcltt. 3m 
erfteren gauc wenbet mau fid) an einen 9)toun, ber feinen feften SBobnfife in 
3b\ 129 Grace Street babe. im ^weiten galle etwa an bett Hauptmann ber 
3. Gompagntc be§ ö. {Regiments, weldjeS fid) auf bem 9Marfd)c befinbet. 

2luf Seite Deweys unb Cutters ftefjt aud) George Watsoii Cole, Some 
Thoughts of Close Classification. Library Journal, Vol. XII, ©. 35<» — 360. 

£en cntgegengcfct,Ucn ©tanbbunft bat neuerbingv wieber Äerlcr, 2lu5 ber 
«BranS. IL Gentraiblatt f. JB., 3bg. VI, i*si>, ©. 76-80 berteibigt unb gute 
Stataloge al3 bie £>aubtfad)e bingcftcllt. 92atürlid) fann bie Slufftcllung md)t 
alle Sorteile beS gefdiricbctren iiatalogs bieten, folange man eben niebt ein 53ud) 
on jwei ©teilen augleid) fcfccn fann. ©oll mau aber borum unb nur weil fic 
ntdjt aüeu »nforiidjcn gereebt wirb, bon ber fnftematifdjcn Crbnung glcicr) ganj 
abfefjen? 

145 (©. 222). 9iad) Gbcrt ftcüte Sambccciufl in ber f. f. Sibltotbcf ju 
SBien bie ©üdjer, wcldjc bou einer SRatcric baubeltcn, obne alle Üiütffidjt auf bie 
Formate auf, bodj utadjtc bereits fein 2lmt§nad)folgcr Daniel von Dicffel jene 
Sflafjrcgcl wieber rütfgängig (Gbcrt, lieber öffentliche SMbliotbcfcu, ©. 30). 

146 (©. 221). Xicfelbc I)at St. g-. 2B. 3«»0entciftcr nad) ben im Xejt an< 
gegebenen äNafteu an ber £eibclbcrger UntberfitätSbtbltothc! burdjgcrübrt. 

147 (©. 225). Gmil ©t er fen bogen, iteber ftormalböbeit K . ©. 4—5. — 
£erfelbe, 25ie neuc3lufftcl(ung ber Uniocrfttät^©ibliotljc! $u Stiel. Äielib83. 8°. 

148 (©. 233). Slu&er ben Gtifetten bat man au mandjen flcincren 
©ibliotbelen aud) nod) ba§ SKtttel oerfebiebeuartiger Ginbänbc mit 51t ^)ilfc ge« 
nommen. ©0 beriebtet ©. 2K. 91 m t b 0 r , Goburg unb feine Umgebungen, ©. 36—37, 



Digitized by Google 



396 



Slmnerfungcn. 



bafc an ber nad) ben oier $atu(täten georbnetcn $>cr$oglid)cn ©cfdjäftSbibliot^eT $u 
Coburg bic pI)iIofoj>r)ifd)en SSJerle gelb, bie t!)cotogifd)en fdjtoarj, bic juriftifefcen 
rot unb bic mcbiainifdjcn grün gebunben rourben. 

149 (©. 233). X)tc fcöbc, in Weld)er bic ©Wetten bei Cuart unb Dttao 
an^uHeben feien, fcfct Gutter (im Library Journal III, 251) für erftere« auf 
o cm, für IcfctereS auf 7 cm fefi. 

150 (<S. 233). C. Wartung, iSdjcma u. f. u>. ®. n. 

151 (©. 234). 3m Änfctjluffc an bic oben 9lum. 116 genannten <Sdjriften 
eiloäljnen tofr Jjicr nod) befonberS Melvil Dewey, Principles underlying 
Numbering Systems. I. Paper. Library Journal, Vol. IV, 1879. ©. 7— 10; 
II. Paper. Crbcnba, @. 75—78. — J. Schwarte, A „Combined" System for 
Arranging and Numbering. Library Journal, Vol. III, 1878, ©. 6 — 10. — 
CA. Cutter, Another Plan for Numbering Books. Library Journal, Vol. III, 
©. 248—251. — Ecrfelbe, How to Get Books; with an Explanation of 
tbe New Way of marking Books. Boston 1882. 8°. Unabhängig Oon Dewey 
getangte John Fitzpatrick jum XejimalfDftcm. Plans for Numbering, 
with Especial Reference to Fiction. A Library Symposion. Library Journal, 
Vol. IV, 1S79, S. 38—47. 

1 52 (<S. 238). SBir Dcrtoctfen namentlid) nod) auf (tfnnt. 1 1 6) John Edmands, 
toeldjcr unter ?lmocnbung oon grofecn $3ud)ftabeu für bic 22 Klaffen, bic er auf» 
ftellt, unb fleincu S3ud)ftabcn für bie — l)öd)ftcnö 22 — Unterabteilungen einer 
jeben bcrjelbcn über 400 Seftionen evr)ält, bereu 93üd)cr atyfjabetifd) georbnet finb, 
ioobei fid) auf ©runb ber oierftenigcu ©djioarfcfdjcn XabeHc 0—9999 bic atpl)a= 
bctifdjc ßrbmtng für oier SOTillioncn SSJerfc bequem burdjfüljrcn laffen toütbe. 

158 238). W. S. Biscoe, Chronological Arrangement on Shelves. 
Library Journal, Vol. X, 1885, g. 246—247. 

Pirrftr Jlbfdmiit. 

154 (<2. 248). Annales du bibliophile, du bibliothecaire et de l'archiviste, 
1662. 9k. 7, <S. 98—101 : De la poussi« re des bibliotheques et du nettoyage 
des livres. 

155(2.245). H.A. Ilagen, Insect Pests in Libraries. Library Journal, 
Vol. IV, 1879, S. 251—254. — E. Rouveyre in feinem bereit« ermähnten 
Connaissances necessaires ä un bibliophile ©. 91 ff. — W. Blades, The 
Enemies of Books. Revised and enlarged by the Author. London 1880. 8°. 

156 (©. 246). ©. 2. Za fdjenberg , 9Ba5 fmb £otaiotirmcr unb wie eroefirt 
man ftcr) ifjrer? .fcaüc a. <S. 1883. 6°. <ßgl. aud) beffen qjraltifdje Snfeften« 
funbe. Bremen 1879—80. 8°. %. II, @. 75 ff. 

157 (£. 217). Gcntralbtatt f. 93., 31)g. II, ©. 35-36. 

155 (S. 247). So bnttc nad) $efttjoibt bic flbntglidjc ©eienfefiaft ber Söiffen* 
fcftafteu tu ©Otlingen im 1774 auf bic ©cantmoitintg bcr fragen, tote btefe 
Ocdd)iebenc Slrten oon bcn ©ibliotbcfcn unb 9lrd)ioen fehäbttchen Snfcften c§ gebe, 
tucldjcä SWatcrial in ben ©üdjcni jebe biefer 9lrtcit bcfonberS liebe, unb toeldjeS 
bic äiocdinäfeigften, bind) bic (£rfal)rung beftätigten SDiittei gegen biefc 3>nfeltcn 
feien, einen ^rci§ aitdgefc^t (öött. Slit^. 1774, ©. 737 ff.) unb 1842 mürbe oon ber 
Bibltopftlcngcfcflfdjoft in SWon§ bcmicnigeu, bcr barüber SluBfunft gebe, „quels 
sernient les moyens sflrs, faciles et peu dispendieux, de conserver les livres 
et les prtserver de l'attaque des insectes? Les proc£de*s indiques devront 
s'appliquer aux vastes bibliotheques puMiques comme aux petites collections 
particulieres", eine «ßretömebainc im gierte oon 100 Francs augeftanben. 



Digitized by CoOgl 



Slnmerfungen. 



159 (<5. 247). „Cedri oleo peruncta materies nec tineaiu, nec cariem 
sentit", fdjretbt Plinius in feiner SRaturgeidjtdjte. 

160 (©. 248). 9i au mann im ©erapeum VII, 1846, @. 375. 

161 (©. 248). Du Rieu im Gentratblatt f. 83. I, 1884, ©. 428. 

162 (©. 248). 3. ^efcljolM im feiger 1872, 9ir. 482. — SHad) einem 
Grlafe beS 3MiniftcrS ber geifilidjen, Untcrrid)«* unb aWebi$inalangclegenhcttcn 
». 1881 finb bie Gdjulbibltot&elen in qSreu&en gegen gcuerSgefa^r ju ber* 
fidjern. Um jebod) unnötigen Äuftoanb ju bermeiben, fott bie ©erftdjerung eines 
SietgungSwcrteö bei feltencu SBüajern unb §anbfd)riften bermieben »erben. 3)ie* 
felben finb entroeber in ber SBcrficberungS^oUcc audbriieftie^ als bon ber &er* 
fidjerung ausgeflogen $u bejeidmen, ober befonberS au einem nidjt übermä&lgen 
Betrage aufeufü&rcn. (^e&fjolbts Hnjciger 1882, <Rr. 403.) 

fünfte* $tapit*L 

<5rß?r Äbftfjnitf. 

163 (<5. 250). Robert Harri son, Selection and Acquisition of Books 
for a Library, ©ortrag gehalten auf bem internationalen Stongreffe ber SJiblio» 
tbefare $u fionbon. Library Journal, Vol. IT, 1878, <S. 145—150. — James 
M. Anderson, Selection and Selectors of Books. Cortrag gehalten eoenba. 
Library Journal, Vol. II, 1«7S, ©. 150—152. — How we Choose and Buy 
New Books. Symposium. Library Journal, Vol. XIV, 18S9, ©. 386-338, 372. 

164 (<©. 250). @tc$e 9t. b. SWo&l, ©taatSrcdjt, «öllcrredjt unb «ßolit«. 
©b. III, 1869, <S. 209. lögt, audi bie Ausführungen # et na e§ in feinem meljr« 
erroa&nten Sluffafce. ßcüfdjrift f. bie gcf. ©taatßmiffenfdjaft XXVI, 1870, 
<S. 297 ff. unb fttette, $te ©elbftänbigfeit be« bibliotbrtarifajen Berufes. 
<Sifur3 i, @. 27 ff. 

165 (©. 251). »eifatelSfccii'e in 3ena. $efrl)olbt§ Sinniger 1871, 9tr. 123. 

166 (<S. 254). SBenn irgenbroo fo ift bei bem Sammeln ber glugfdjriften, 
beren (Jrtjaltung fdjon im fiiftorifchcn Sntcreffc tDÜufd)en&wert erfdjetnt, Teilung 
ber Slrbeit unb ber Äofteu uonucnbtg. Charles A. Cutter, The Preservation 
of Pamphlete. Library Jouroal, Vol. I, 1877, S. 51—54 h>eiät baljer fcör rtdjtig 
ju local pamphlets to local libruries, professional or scientific pamphlets to 
special libraries, miscellaneous and all sorts of pamphlets to the larger 
general libraries. Über tt)re Slufbetoabrung bgt. What we do witli Pamphlete. 
Symposium. Library Journal, Vol. XIV, 1889, ©. 433—434, 470—471. 

167 (<S. 259). 2>ie »iblioit)efen unb bie Bewegungen auf bem Gtebiete beS 
beutfefien SBudtfanbelS. Gentralblatt f. SOg. I, isö4, ©. 41—46. 

168 (©. 269). SBon ben wichtigeren j>crtobifd)en ^Bibliographien Pücrgl. 
auch Slnm. 97), welche bem SJibliothelar Ü6cr bie neueften litterartfdjen Gr« 
ieficinungen in fämtlid)cn ©ebieten ber SBiffenfdjaft auf bem fiaufenben ju 
erhalten haben, beben wir befonberS fotgenbe &etuor: 

gfir 2) e u t f d) I a n b bie t-erf djtebenen ^Bibliographien ber S- G. § i n r i d) 8 fdjen 
SBerlagSfjanblung in 2etp$ig, nämlid) bie Stilgemeine Bibliographie für Xeutfdj* 
tanb. 2ööd)entltd)e8 SJerjeidjnijj aller neuen ©rfdjeiuungen im gelbe ber fliteratur; 
bie 9Konatlid)e Überftdjt ber bebeutenberen ©rfdjeinungen be§ beutfdjen Sud)* 
Sanbelß; bie SBiffenfd)aftlid)e Überftdjt ber bebeutenberen Grfdjcinungen beS 
beutidjen SBud)hanbel§ ; ben ^ierteijabrS^atatog aller neuen (Srfcheiuungen im 
gelbe ber fiiteratur in Tcutfdjlanb. s Jtad) ben SBificnfdjaften georbnet; baS 
tjatbjä^rlidje SBerieid)nife ber Jöüdjer, SJanbfarten je, ben fünfjährigen S3üd)er* 
ßatalog, ben fünfje^niäbrigen 5Bud)er*<£atalog unb bie fünfjährigen Öie^ertorien. 



Digitized by Google 



398 



Slnmcrfungcn 



3n mcfjrjiiljrigen S^itabfdftmttcn fafjt ffanfcrS JBonftä'nbigeS ©ü$er* Serif ort 
bie in Eeutfdilanb erfd)ienencn ©üdjer sujammeu; beSgleidjett SB. §einftu§, 
3tttgcmeine$ $üd)cr*2ertfon unb <L ©corg unb 2. €ft, edjtagtoort Katalog 
1S83— 1887, in fadjlicfjcr Slnorbnung, legerer feitbem aud) balbjäbrüd). ferner 
finb ju nennen bie oonft.9l.$)roo!hau§ bcrauSgcgebencMgcmeineSBtbliograpbic. 
3Wonat(td)cS 3$craeid)ni& ber loic^ttgcrcii neuen (grfdjcinungcn ber beutfdjcn unb 
auSIänbifd)cn Siiterotur fomie bo3 täglid) (mit Slusnaljme ber «Sonn» unb gefttoge) 
crfdjeinenbe offizielle Crgan bcö «ÖrfcnocretnS ber bcutfdjen Sudjfjänbler, baö 
»örfenblatt für ben beutftften öuäVwnbel «nb bie mit tljm oerroanbten ©efcbaftÄ* 
jroeige, tocld)e8 leiber für bie SMbliotljefen nidjt mefir auf birettem SScge bureb 
5lbonnement $u erlangen ift, bie bei Grufe in £>annoocr erfd)ctnenbe ^raftifefte 
93üdjerfunbe. SSöcbentlidjcS «eraeirfjmfs aüer neuen ©üdjer unb Sanbfarten, 
georbnet nad) <sd)lagmorten u. a. 

%iix Belgien Bibliographie de la Belgique. Journal officiel de la 
librairie paraissant chaque inois. Bruxelles bei Maöceaux; Revue biblio- 
graphique beige reMigee par une reuniou des cerivains, suivie d'un 
bulletin bibliographique international publie* par la Soci6t6 beige de librairie. 
Bruxelles (feit 1889). 

gür Snglonb The Publishers' Circular and General Kecord of British 
and Foreign Literature, London (am 1. unb 15. iebeS 3RonatS); The Book- 
seller, A Newspaper of British and Foreign Literature, London (monatlich); 
The English Catalogue of Books, London bei Sampson Low & Co. (jäbrlid)). 

ftür ftranfreid) Journal gene>al de l'impriraerie et de la librairie 
(Bibliographie de la France), Paris, au Cercle de la librairie unb Bulletin 
inensuel de la librairie francaise, publie* par C. Reinwald, Paris (Reinwald). 

3ür Italien Bibliografia italiana. Bollcttino dclle pubblicazioni italiane 
ricevute per diritto di starupa dalla Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze, 
Milano. 

gür bie 9Heberlanbc Nederlandsche Bibliographie. Lijst van nieuw 
versehenen boeken, kaarten etc., 's Gravenhagc, Mart. Nijhoff. 

%üx öfierrcid) Cfterrcicfjifdjcr. Äatalog. $er£cld)nifs aller in Dfterreid) 
erfdjiencncn 93üd)er, gcitfdjrtftcu k., Sßicn, Verlag be§ herein« ber öfterreid)ifd)en 
Suthtjänbler (balbjäbrltd)). 

pr SRufilanb iKuffttdje SMbliograbbie, rebig. bonft. £iffou>8fy, @t. $cter3= 
bürg (mouattid)). gür ^Jolen Wislockis Przewodnik Bibliograäczny 
(monatlidj). 

gür $änemarf,ittom)egen unb ® d) ro c b e u Norsk Boghandlertidende. 
üdgivet af den norske Boghandlerforening ved M. W. Feil ber g unb Nordisk 
Boghandlertidende. Kopenhagen (Delbanco). 

ftür bic Stfimeii SBibliograöbie unb literorifdjc (Xfironil ber ©djmeij, 
SBafct bei ÜJeorg (monatlid)). 

gür Korbamcrifa The Publishers' Weekly. The American Booktrade 
Journal, wlth which is incorporateel the American Literary Gazette and 
Publishers' Circular, New- York; aitjjerbem The American Catalogue and 
The Publishers' Trade-List Annual, ebenba. 

2>af)tn$u treten bie 2 i 1 1 e r a t u r $ c i t u n g e n ber toerfefiiebenen ßänbcr, meldje 
für ben 93ibliotl)efar tocgen ber barin entbaltcnen S8efored)ungen neuerer ©erfe 
öou Wext finb, fo für 3)eutfd)lanb namentlid) ba§ 2itcrartfd)c Gentralblatt, 
herauSg. t>ou tjr. 3arntfe, Xcutfd)e Siteraturacitnng , begrünbet Don 
3f ö b t g c r , bic ©örttnger belehrten 2lu jeigen ; für ©nglanb Athenaeum, Academy, 



Digitized by Google 



2(mnerfuiigen. 



399 



für ifrtmfrdd) Revue critique d'histoire et de litterature, Polybiblion, für 
Italien Rivista critica della letteratura italiana je. 

5)ie neueren (£rfd)etnungen auf bem ©ebiete ber a d) toiffenf djaften finbeu 
ifjre tntifdje Erörterung unb miffcnfdjaftltdje ©eleudjtttng in einer grofeen Slnjabl 
bon Journalen, fo, toaS $cutfd)lanb anbetrifft, namentltd) in SanreSberidjtcu 
tote bem botaniidjen, bem tfjeologifdjen, bem joologtfdjen, ber ©efdjio^tStoiffenfdjai t, 
bemienigen über bie (Jrfdjeinuitgen auf bem ©ebiete ber germanifd)en 9Sf)ilologte. 
über bie Sortfdjritte ber einzelnen ©Mffcnfdjaften tote ber flafftfrf)en SlltertumSs 
totffenfdjaft, in ben facf)miffcnfc6^ftltd)en öitteraturblättern tote bem tfjeologifd)en, 
bemjenigen für germanlfdie unb romantfdje ^Ijilologie, für orientaltfdje ^öilo* 
togie unb fad)toiffenfd)aftlidjen Sitteroturjeitungcn tote ber tfjcologifdjen, in SOitt» 
teilungen toie benjenigen aus ber ^iftorifdjen ßitteratur, in ben 9tepertorien wie 
bem Repertorium annuum litteraturae botanicae, SRunbfdjauen tote ber pljilos 
logifdjen, Söottjenfdjriftcn wie benjenigen für flafftfdje Ätiologie unb anbereu 
3eitfd)rtften, bic bem ©ibliot&efar in mandjen ftällen jur Information su bieneu 
geeignet ftnb, toenu eS aud) feinen Aufgaben felbfttoerftüttblidj fem liegt, biefelben 
ettoa tote bie Vertreter ber betreffenben $l$$it>lincn burcfjjuarbeüeu. SWäficv 
berühren iljn bagegen bie eigentlichen periobtfdjen ftadjbtbliograpljten tote — nur 
befdjränfen und auf 9lnmt)aftmad)ung einiger ber befannteren beutfdjen — ber 
monatliche Slnjeiger über Dlooitätcn unb 2lntiqttarta aus bem Miete ber URebi^in 
unb 9?arurtoif|enfd)aft , ©erlitt bei $trfrf>toalb , ber Sinniger für bie neuefte 
päbagogtfcfje ßitteratur, öon StÖfcner. Seidig bei Ällnffjarbt , bie aUgc* 
meine ©ibliograptue ber Staats* unb föecbtStotffenfdjaftcn bon D. Sücüljlbredjt, 
©erlitt bei $utttammer unb 2Hüf)lbrecf)t, bie orientalifdje ©ibliograpfije bon 
St. SMller, ©erlin bei JWeuter, bie mebtainifcfje ©tbltograpljie oon 91. *3Ür$s 
bürg, ÜeiOäig bei 93reitIopf unb Härtel, ferner bie bei ©attbeuljoed 1 unb Shtpredjt 
in (Döttingen erfdjeinenben Bibliothecae, fo bie Bibliotheca medico-chirurgica, 
philologica, theologica (früher aud) historica, historico - naturalis) , bie bon 
ßoloarü in ©erltn oerlegte Bibliotheca philologica classica, bie polütedmtfdje 
©tbltotfcef, fieip^ig bei Guanbt unb #änbel, bie Naturae Novitates oon grieb= 
lönber, ©erlin, bie monatliche Überfidjt ber wichtigeren (Srfdjeimmgen beS ©ua> 
hanbelS auf bem ©ebiete ber ÜKebiatn, ^(»armacie unb beren ^ittStotffenfdjaftcu, 
$rier bei StephanuS jc. (©. aud) Sinnt. 97.) 

169 (<&. 260). James L. Whitney, A Modern Proteus. Library 
Journal, Vol. VIII, 1883, ©. 172—193, aud) fetbftäubig crfdjiencn unter bem 
Xitel A Modern Proteus, or a List of Books published under niore than odo 
Title. New- York 1884. 12° (106 <S.). The Library Journal bringt regele 
mäßige Siften foldjer ©ttdjcr. — (Sogar eine gaitj neue 9lrt, ©üd)er ^er^uftellen, 
fdjeint ncuerbingS ben ©ibliotljefaren ©eranlaffung jur ©orftdjt betm Ginfaufe 
merben ju foITen. 9iad) bem Gentralblatt für ©tbliotfjetStoefen, 3hg. VI, isso, 
e. 467—468 !ommen nämtid) in neuerer Seit, jumteil ohne einen barauf 
bezüglichen ©ermerf, namentlid) 3ettfd)riften unb biinbereidje «Serie in ben 
fcanbel, oon benen ganje ©änbe djemifd) toieberljergeftellt mürben (eS timnen 
unter Sugrunbclcgung eines UrbrudeS mittels d)emifd)er ©ehanblung SIbjüac 
bis ettoa 100 (Stücf genommen toerben) unb bie trofcbem als gleichwertig mit 
ben burd) ©udjbrucf hergefteüten geliefert toerben. 9luf biefe SSetfe tottrbe u. a. 
ergänzt : fiiebigS Slnttalen, ©ird)oto8 3trd)io, Beitfdjrtft für analottfdje Hernie, 
für oerglcidjenbe <2prad)forfdjung, Urlaubs (sdjriften, ^einfiuS Kataloge jc. 

170 (2. 262). Cornelius Walford, A Proposal for Applying a System 
of „Clearing" to Duplicate Volumes in Public and Private Libraries. Trans- 
actions and Proceedings of the Library Association. 3. Meeting, London 



Digitized by Google 



400 



Slnmerlungen. 



1S80, ©. 104—106. — Edmund Mills Barton, The Best Use of Duplicates. 
Library Journal, Vol. X, 1885, ©. 231—234. »ergl. aud) bic im (Zentral* 
Matt f. 83., 3^g. VI, 1889, ©. 318—319 abgebrudtc trefflidjc «erorbnung beS 
£ftemtd)ifd)en ShiltuSininifterB betr. bic ?lu$fd)eibung ber in ben UniberfitätS* 
uub ©tubienbibliotbefen borbanbenen Doubletten. Sei 83egrtinbuug ber Strafe« 
burger UniberfitätS* unb SanbeSbibliotbel fiaben oon bcutfdjen ©(bweftcrbtbliotbefcn 
itberlaffene Doubletten einen fd)Önen ©runb au ber nunmeftr großartig wieber 
erftanbenen ©ammlung gelegt. 

171 (©. 264). Dem Library Journal würbe 1886 probeWcife ein Bulletin of 
Duplicates for Exchange or Sale of Books wanted augelegt, beffen Snfcraten* 
acile für ©ubffribentcn beS Library Journal auf 5 Gents , für) anbere auf 
10 6ent8 feftgcfetyt war. Die iRebaftion beS Bulletin fönte als Vermittlerin 
bienen. — What we do about Duplicates. Symposium. Library Journal, 
Vol. XIV, 1889, ©. 369-871. 

172 (©. 264). Den internationalen Doublettcntaufd) beantragte Ätej. 
SJattemar in ber ©ifcung ber franjöftfdjen Deputiertenlammer bom 10. Äprtl 
1842. Jöecgl. ©crapeum, $bg. III, 1842, ©. 238 Mnm. 

173 (©. 265). Unter ben beutfdjen Sllabcmicbibliothefen berbient namentlid) 
biejenige ber 2copolbinifd) S G:aroUnifc&en beutfdjen Stlabcmie ber ftaturforfdjer, 
beren gegenwärtiger ©u) $atte a. b. ©. ift, befonberS heröorgeboben ju werben. 
D. ©rultd), fietben u. greuben einer wanbernben 83ibliotbc!. Gentralblatt f. 
Sfjg. n, 1885, ©. 117—185. — Dem Daufdjbcrlebr unter ben Wiffenfdjaftlidjen 
i^efeüfcrjoften bient fogar ein eigenes, mit aufjerorbentlicfien Mitteln ausgefluttetes 
unb oorjüglid) geleitetes 3nftitut, bie berannte Smithsonian Insütution in 
Washington. 

174 (©. 265). Ö^anneS granlc, Die Slbgabe ber $flid)teremplare toon 
Drutferaeugniffen mit befonberer 93erütfftd)tigung $reuf$cnS unb beS Deutfdjen 
*Reid)eS. SBcrlin 18S9. 8° ($eft 3 ber ©ammlung bibliotfiefswiffenfdjaftlidjer 
Arbeiten, hcrauSg. »on Äart Daiablo). Die auSgeaetcbnete unb erfdjöpfenbe 
Arbeit ftranfeS enthebt nnß weiterer Diotiacn über bic Ablieferungen in ben 
einaelnen ©taaten, bie bort mit ©enüfoung ardnoaltfcber Duellen eingeljenb 
bebanbclt finb. 9?ur fooiel fei bier aur Erläuterung ber im Dcjtc gegebenen 
Definition ber ^rüc&tcremplare nod) binaugefügt, bafe Atlanten, itupferftidje unb 
SWufitalien nur in einigen ©taaten ausnahmslos ber gefefclidjen 9lblieferungSpflid)t 
unterliegen a- »a^ern, wo nad) $rante ©. 142—143 neben ben gewöhn» 
lidjen Drutfwerlen, ,3cttfd)riften jc. auch SBerfe ber aeidjnenben Äunft unb $War 
aufeer je einem an bie fi. #of* unb ©taatsbtbltotbet au SWündjeu abaugebenben 
(Sremblare in einem aweiten ©yemplare an bie ffiibltotbcl beS Ä. Jtupferftidj« 
fabinettö bafclbft , bie mnfilalifd)en Sfompofittonen bagegen in einem aWetten 
tfremplare an bie 93ibliothef ber Ä. SWufilfdjule abaufübren finb. $n ^reu&en 
(ftranfe ©. 217 ff.) gilt bagegen bie SBeftimmung, bafe alle Drucffchriften ohne 
SluSnafjme, SEupfenocrfe unb Sanbfartcn aber nur bann als ablief emngSbflidjtig 
onaujeben finb, wenn fic tu Begleitung eines gebrudten DerteS, gleicbbtel bon 
welchem Umfange unb welcher ©ebeutung, ericheinen. 

175 (©. 266). Die <Pflid)tcremplare oor bem SRcidjStage. JWagaain f. b. 
beutfdjen «utbfianbel 1874, 9?r. 5, ©. 65-73. Daau q3e&bolbt im 3lnaeiger 
1^74, 9tr. 490. — GS bat u. a. fionrab SBeibling, Die ^Jflidjtejemplare in 
Dcutfdjlanb. ©öricnblatt f. b. D. 95. 18S7, S3b. III, 9?v. 218, ©. 4678—80; 
Dir. 222, ©. 4787—4790; 33b. IV, 91r. 257, ©. 5630 ben ©tanbjuinft ber83udj» 
bänblcr beitreten uub bie 9lblteferung§bflid)t „eine retfitswibrige Saft" genannt; 
frcrfelbc mufete aber boeb jum ©ebluffe feiner »luSfü^rungcn (©. 4789) augefteljen, 



Digitized by Google 



«Imuerfungcn. 



401 



baft „ber ßinwanb bei - SBibliotbcfSoerwaltungen , oon tote großem SBcrtc e* fei, 
bie gefamte litterarifdje ^Srobuftion nad) ÜJiöglidjfeit ansammeln unb fo ba§ 
aeiftige »olfSgut bor ber ^eruidjtung unb Betreuung ju bewabren, fteta ein 
flewifjeS ©ewidjt behalten unb bei ber fdjwadjen Dotierung unterer Öffentlidkn 
Sibliotljefcn ber ©efeitigung ber SBerpflidjtung im SSege fteb>n" würbe, 9Bcnn 
fd)liefjlid) SBetbling für teuerere Uöerte eine Vergütung bou 50% ibre§ SBettcS 
r-erlangt, fo cntfprtcfjt biefe ftorberung aud) unferer im £ejtc nngcbeuteteu 
Ittufdjauung. Sit« ©egner ber Slbgnbe oon ^fli^tcfcmplaren finb in jüugfter 
Seit ferner aufgetreten 2llbred)t i r et» r) o f f , £ur ©cfd)id)te ber s £flid)teremplarc. 
SBörTcnbtatt 18S7, 95b. IV, 9Jr. 248, <2. 5398—5400. weldjer bie Slrt unb Söeife 
ber (Sntftehung „btefer wofjl einzig nod) enftierenben «Naturalabgabe" barlegt, 
ba biefc ba$ ©efjäffige berfelben nod) auffälliger ju mnd)en geeignet fei unb 
Slbolf Qhtbifc, $ie $flid)teremblare. (£in SBorfdjlag $ur Stefeitigung berfelben. 
(Söenbort 1888, 33b. I, 9?r. 36, <5. 749—750, beffen SBorfdjlag barin gibfeit, bie 
3wang3bciträge ber Verleger an bie 93ibliotncten burd) freiwillige Sieferungen 
ber ©djriftfteller $u eiferen, ein £aufd), womit bem (Staate freilid) ftfiledjt 
{jettug gebient wäre. 

176 (©. 267). Shirt Tsiafcf o im Vorworte ju granfe; oergl. aud) 3)jtafefo§ 
Slrtifel: 3urgragc ber $füd)tcrcmplare in £cutfd)lanb, ^örfcnblatt, Stög. 18S7, 

93b. IV, <ö. 5361—52. 

177 (S. 267). A. R. Spofford, Copyright in its Relation» to Libraries 
and Literature. Library Journal, Vol. I, 1877, <5. 84—89. — R. A. Macfie, 
Copyright in its Relation to the Supply of Books to Libraries and the 
Public. Transactions and Proceedings of the 3. Annual Meeting of the 
Library Association U. K. London 1881, 2. 107—113. 

178 (<£. 267). C. Hartwig, £ie ^flttfitcremblare ber beutfdjen 23ucfif)änbler. 
«Irtifet in ber berliner „W bom 19. 2Kärj 1880 (ftr. 78). — 9ievgl. aud] 
benStuffafc be? (Benannten: 2a§ ältefte unb baö jüngfte Rapier im (Sentralblatt 
f. Ä V, 1888. 2. 197-201. 

179 (S. 268). S*Mr fiaben an biefer Stelle nod) ber in $>eutfd)(aub jutagc 
getretenen 93eftrebungeu ju gebenfen, bic Siegelung ber grage ber Pflichtexemplare, 
wetdjc nad) bem 9teid)§gefcfc bom 7. 9)Jai 1874 ber £anbe3gefefogebung berblteben 
ift, auf ba§ SRctd) $u übertragen unb eine 3cntralfammelftelie ju fdjaffen, an 
weldje fämttidje im Weid)e erid)ieneue ^Sublifationcu absufüfjren wären. Tie 
burd) ba8 ^refegefefe bom 24. IWärj 1870, wcld)c§ nur bon ben uidjt rein wtffcn* 
fd)aftltd)en, artiftifrfjen ober tedjmfdjeu 3ettfcrjriftcit ein Übcrroad)ung§ereuü;lar fiir 
bie DrtSbefjbrben »erlangt, oerurfadjte 2lufliebung ber ^flid)tcjcmplare in Sacfifen, 
beffen ^ßrefjgefefc, bom 14. SDiär^ 1851 bamit ertofeb, beranlafjte, nadjöem im 
Verlaufe bon neun 3> Q b re n bie fdjäblidjen ö^ßen jener 2luffiebung immer beut* 
lidjet fidjtbar geworben waren, ben DreSbener 5Rat§ard)ioar Ctto S)iid)tcr ju 
einer glwflfdjrtft: Gin Sflotfiftaub bei ben ©äd)fifd)en ©ibliothefen. Bresben 

1879. 8°, worin bie SjJiebcreinfübrung gewiffer, Wennfdjon befdjränfter 3wang§* 
maßregeln geforbert würbe. %m 2lnfd)luffe an biefe (5d)rtft oeröffentltdjtc ber 
^allifdje CberbibliotlKfar £tto Hartwig feinen oorhin erwäfinteu 9lrtifel in 
ber berliner ^oft" oom 19. 2)tära 1880, wieberabgebriteft in ^efcfiolbtS Sinniger 

1880, ^r. 456, 570, Worin er nidjt nur für9Jeibefialtuug biefer K burd) ben consensus 
gentium, unter benen bicr alle bebeutenben Äultumblfcr ber Grbe ju oerfteb^en, 
geftüfctcn" ©inridjtung eintrat, fonbern aud) bereu 2lu§bet)nung auf ba§ gefamte 
Steidj unb ben ©rlaB eines 9?eid)8gefefcc§ befürwortete, burd) weldjeS alle S3ud)s 
fjänbler ober aJudjbrurfcr Xeutidjlanb§ ocrpfltrfjtet würben, oon iebem SJBerte, ba$ 

©raefet, ©ibliotbelöle^re. 26 



Digitized by Google 



402 



Anmcrlungcit. 



fic berlegen ober bruefen, ätoei Eremplarc ouf gutes unb bauerhaftes kopier 
abzuziehen unb — wie in 9iorbamerifa jeber 8ucbhänbler bei Strafe gehalten 
fei zwei Eyemplare an bie tfongrc&bibliothet zu SSafhington cinzufenben — fo 
bas eine an bie 8ibltothef bcS S>eutfchen 9leiä)StageS, baS zweite an bie öffentliche 
8ibliotr)e! bcS betreffenben fianbes ober ber betreffenbeu ^rooinz, worin ber 
Verleger bez.£rucfer feinen SBobnfifc habe, abzuliefern. Segen ber Schwierigsten, 
welche ftet) bem einzelnen ©ibltotfjcfar zur regelmäßigen Erlangung ber Pflicht« 
eremplare entgegenzufteHen Pflegen, foHte bie Äaif erlief) 2>eutfchc qjoft mit ber 
Einziehung berfelben beauftragt werben. $urdj biefe Ausführungen angeregt, 
befürwortete Äarl Stehrbact) in feinem Auf fa&e : (Sine bcutfdje flteicfjsbibliothef, 
enthalten in ber Allgemeinen 2iteranict)en Eorrefponbenz, Organ beS AÜgemeincn 
Xeutfchen Scrjriftftcller*8crbanbeS. 8b. VI, Mr. 7, S. 89—92, toieberabgebrueft im 
8örienblatt f. b. 2). 8. 1880, 8b. III, 9er. 161, S. 2869-72 — oergl. baju Jn Sachen 
ber Dfctchsbibtiothe!, Aug. fiiterarifdEie Eorrefponbcnz. 8b. VI, Str. 8, S. ios—109 
unb Sprcchfaal in Saasen ber SReichSbibliothef, ebenba Dir. 10, S. 146—149 — 
bie Übernahme ber Äöniglichcn 8ibliotbet in 8erliu an baS 9fcich unb bie Eni* 
faltung biefer zur DteichSbibliotbcf, welche bie ^flkhtercmplare ju erhalten hatte, 
tiefer le&tercn ftorberung wtberfprach ein ft. in S M. gezeichneter Artitel: Sur 
tjrage Don ber ©rünbung einer Xeutfchen OlcichSbibliothef unb bie fogen. Pflicht* 
eremplarc im 8öricnblatt 1880, 8b. III, 9er. 177, S. 3110—12, welcher einzig unb 
allein in einer fefjr reiben Dotierung baS SOcittcl erblicfte, bie Erreichung ber 
höchftcu Qitlc bei ber ©eftaltung unb Erhaltung einer 8ibliotl)cf beS Scutfdjen 
Meiches ju fichern. $ic in ber Öitcrarifchcn Eorrcfponbeuz aufgetauchten weiteren 
Vorfchlage, ben Sifr ber geplanten SlelchSbibltothet nach ßeipzig ober ^ranffurt 
ober Dürnberg, welches lefctcre auch »ßcfcholbt im Anzeiger 1880, 9er. 886 als 
ein bem 8ritifchen 3Jcufeum ähnliches Jnftitut in Empfehlung gebracht hatte, 
waren oon oornhercin ausficfjtSloS unb fanben u. a. burch 2>ziafcfo in ben 
^reufeifchen Jahrbüchern, 8b. 48, 1881, 3. 374 unb burch Ebuarb Engel im 
awagajtn für bie Literatur bcS Ju= unb AuSlanbeS 1882, 9er. 03, S. 738—739 
ihre 3urücfweifung. Auch ber Allgemeine 3>eutfchc Schriftftelleroerbanb fah in 
ber Erweiterung ber Berliner fiöuiglicbeu 8ibliothcf zur iHetchSbibliothef baS 
einzige ÜJUttel, zu bem erftrebteu 3*clc au gelangen, infolge einftimmigen 
»cichluffcS auf bem Schriftftcllcrtage in Söcimar (26. September 1880) richtete 
ber genannte herein unter bem 30. SJcarz 1881 eine biesbezügltchc Eingabe au 
beu JHcichStanzler, welche in v J>e&holbtö Anzeiger 1881, 9er. 434, im 8örfenblatt 
1861, 8b. II, 9er. S9, 6. 1663 unb im 2Jcagazin für bie Sitcratur beS Jn* unb 
AuSlaubeS lbsi, 9er. 21, S. 323—324 abgebrueft ift. Ein greifbares Stcfultat 
würbe jebod) nicht erhielt. 8ergl. noch ^cfcholbts Anzeiger 1682, 9ir. 577, 
1^63, 9er. noi, 1684, 9er. 1161. 8ielmehr gingen anbere 8cftrebungeu bahin, 
bie 8crltncr königliche 8ibliothcf als foldje ju erhalten unb auszubauen. 
So wies ber Abgeorbnete Äropatfchef in ber Abenbfifcung beS v Jireujjifchcn 
AbgeorbuetenhaufeS Dom 15. Dezember 1880 $war barauf hin» ba& es eine 
nationale Pflicht fei, eineScntralftelle zu fehaffen, wo alles bon gebrueften 2ittcratur= 
bculmäleru, was fich irgenbwie auf Xeutfchlanb beziehe unb noch nicht in feftett 
.^änben fei ober ihnen wieber entgleite, $u bauernbem Eigentum ber 9catiou 
gebammelt werbe, wünfehte aber im ©egenfafee iu bem il>orjchlage, bie königliche 
8ibliothe! in baS Eigentum bes SRcicheS überzuführen, bafe biefe lebiglid) zu einer 
Xeutfchen 9cationalbibliothet in bem bezeichneten Sinuc auSgcftaltct werbe, ohne 
baf; fic aufhöre ein königlich ^eufeifcheS Juftitut zu fein. $enn „nicht barum", 
io crflärtc 5lropatid)ct fpäter, w fann cS fich zunächft hanbcln, alle heut erfdjeinenbeit 
Sebriftcn aufzulaufen, fonbern bie Hauptaufgabe mufe boch eS fein, bie Scntmälec 
ber Vergangenheit bor bem Untergang zu retten unb in möglicher SBoUfianbigfcit 



Digitized by Google 



2tnmeitungen 



403 



äu iommcln." ^Bcvgt. bic betr. SBcrhanblungen bc§§aufc§ ber Slbgcorbncten unb 
bcn Slbbrucf einiger Slrtilcl Äropatf df>ef § auä bcm „Scutfchen Sägeblatt" looin 
29. Sloril unb 6. 2Wai 18M) unb Fehrbach 8 Entgegnungen ebcubafelbft (oom 
3. 2H(ü) in ^c^olbtS 8tnaeigcr I8si, 3lv. 626. lamit war inbeffen bic gonjc 
5rage auf eine anbere $aft§ geftellt. £en Slnlauf älterer Schriften, )'o wttnfdienS' 
wert unb oerbtenitlich bereu Erwerb fein motzte, hatte jene Bewegung vorläufig 
wenigstens überhaupt nict)t im Uluge, fonbern ihr einjtgcö 3»^ war, ourch 3lbs 
lieferung bon ^fltchteremplaren im Gebiete bcS ganaen SRcictjc^ au eine 3entral= 
ftefle bcm für bie 3utunft brobenben Untergänge neuefter ©eifteScraeugniffe oor* 
jubeugen. Sie oermochte biefeS 3iel, teie gefagt, nicf)t au erreichen, Selbft Heinrich 
o. Xreitf djte, welcher in feinem im 53. SJanbc ber 'spreußtfeben 3al)rbüe^cc 
8. 473—492 unb banadj auch felbftänbig (Serlin bei ©. 9teimer 188 1) erschienenen 
Sluftafce: 2ieStönigltcbe©ibliotbct in ©erlin bem^roiette einer SReicbSbibliotbcl, 
welche nach ieuter SWeinung oon ber Nation eine freubige SKinoirfuug erwarten 
tonne unb Uber bie ^füdjteremplare beö gefamteu beutfeben ShicbbanbelS fotuic 
über ungleich größere SJJittel gebieten würbe al§ eine yreußifcbe Sammlung, 
awar warme Sumpatbtcn entgegenbrachte, erflärtc ben ^Slan als „für iet)t un* 
ausführbar". 3n einer ©cfbrec&ung bcS Xrcttfer)fcf eben SlrtitclS würbe inbeffen 
in ber Streu* Leitung, 3bg. 1^4, 9ir. 12s u. 129 Beilagen auch btcfeS „für 
jcj)f noch angefochten unb oou flr[opatfcbcl?J geforbert, Greußen müfic aus 
eigner Straft bafür forgen, baß bie Äonigltcbc Bibliotbef, obne trgeubmie bic 
Heineren Uniocrfitätsbibliotbefen ju beeinträchtigen, aur anerfannt erften 2)entfd)cit 
SBibltotbct merbe. tiefer bort angebeutete 9Beg ift inawifeben tbatfächlich in 
energifeber SSeifc betreten unb bie fiöniglidje ©ibliotbel burdj großartige «Wittel 
in beu Staub gefegt loorben, jener hoben SBeftimmung erfolgreich au^uftreben. 
3lber ber SMaugcl einer 3 c »tralftelle für ^flichtcremplarc aus bcm gefontten 
9tcict>c bleibt nach lütc oor beftchen unb bamit ber Schaben, welcher ber fo 
wünfdjenswertcn Erhaltung ber nationalen fiitteratur täglich barauS erwächst, 
baß jene trofc allem asiberfbruefi woblthätige unb burch baS allgemeine wiffen* 
fchaftlicbe Sntcreffe gebotene Einrichtung in einem beträchtlichen Seile ber DleicbeS, 
baruntcr Sachien mit ber 9)<etropolc beS beutfehen «crlagSbucbbanbclS Scibaig, 
aufgehoben ift. 

180 (6. 269). S. hierüber bic im Gentraiblatt f. JB., 3&0. III, 1886, 

S. 243, 505; IV, 1887, S. 280, 370, 420; V, 1888, S. 457 ; VI, 1889, ©. 45, 

•169; VII, 1890, ©.72—73, 111—112, 213—214, gegebenen Wottjen ; bergt, 
auch T. E. Stephens, The Rise and (irowth of Public Libraries in America. 
Transactions and Proceedings of the 6. Annuel Meeting of the Library Asso- 
ciation. London 1886. 4°, S. 16—30; fürEnglanb oergl. ebenba VI, issy, 8. 4fi. 

Zweiter Bbfrfjmtf. 

181 (S. 272). Eine 9lnaahl amerifanifcher Bibliotfiefarc (oergl. auch in 
Bcang auf bic Bebanblung ucucrworbcncner Bücher How wc Treat New Books. 
Symposium. Library .Journal, Vol. XIV, 1889, <2. 109—111, 305—306) hat 
für bas 2lcceifionSjournal ein fpäter ocroielfältigteö unb täuflich ju fiabenbeä 
WloteÜ ausgearbeitet, welche^ Melvil Dewey in feinem ooitvcfflidjen ^luffa^e 
A Model Accession-Catalogue. Library Journal, Vol. I, 1*77, S. 315—320 
ausführlich befchrieben hat. 55aä Such, welches 360 Seiten mit 5400 Linien 
umfaßt, ift oon bem Slmeritanifchen Library <"o-Operation Committee für 
4 1 \. Dollars unter ber ?lbrcfic Library Supplies, Nr. 1 Tremont Place, Boston 
5U beatchen (Library Journal I, 454;. — Ein anbere« 2J?oi>eU giebt Francis 

26 * 



Digitized by Google 



404 



ttiuncrfungcu. 



T. Barrett, A Form of Stock-Book, or Accessions-Catalogue. Trans- 
actions and Proceedings of the Library Association. 1. Meeting, London 
1879, @. 79— bl. 

182 (<S. 27"»). £a3 SlccefftonSjournal Ijat feinett geringeren ©egner gefunben 
aU Justin Win so r, ben oerbienten 93ibltotI)cfar ber Harvard Universitär, 
meld)er in einem turnen Sluffafce Shelf-Lists vs. Accession Catalogues. Library 
Journal, Vol. III, 1878, ©. 247—248 bic fiSerctnignng beöfelben mit ber Shelf- 
List (bem ©tanbortSfatalog) befürwortet, mit ber SBegrflnbung, ,,that tbe pure 
accession catalogue demands an araount of labor which produces no corre- 
sponding advantages". #attc fdjon bte Ötebaftton be8 Library Journal fefbft 
bon einer ,, danger of giving up an old well-tried feature of library economy 
until aniple experience proves the wisdom of so doing" gefprodjen, fo trat 
in einem bem 28inforfd)en gleicbbctttelten Sluffafoe William F. Poole im 
Library Journal, Vol. III, 1878, ©.324— 326110$ auMÜbrlicfcer für bte ©eibcljaltung 
beö «lcceffion3journal§ ein. SBäfjvenb Winsor ben Äatalog ou§ ben SJibliotbefen 
berbannen miß „because of the amount of labor required to keep it up", 
miß Poole benfelben beibehalten miffen, „because of the amount of labor it 
saves. The accession catalogue", farjrt Poole fort, „is a permanent record 
for all time. Nothing can be added to its past entries, and nothing taken 
from them. The shelf-lists, in which it is proposed to make the accession 
entries, are temporary records. They are soon worn out by use, and are 
constantly in process of change. At each rearrangement of the library, or 
of a class, they are wholly superseded by new shelf-lists. What then 
becomes of the accession entries? They must be copied". SEßofiin mir in 
biefer frrage neigen, tarnt nad) bem Sejrte nid)t ametfclbaft fein ; mir tagen mit 
Poole ,,hold fast that which is good". 

Über bte SJerseidjitung ber 3eitid)riften im Sonrnal f. Hannah P.James, 
•Current Magazine Check-Lists. Library Journal, Vol. XIV, 1889, <S. 377—378. 
— K. R. Bowker, Current Magazine Check-Lists; another Method. Gbenba, 
<S. 404—405. — The Management of Periodicals. Symposium, ©bettöa, 
Vol. XV, 1890, ©. 5-7. 

driftet Äbrtfjmtf. 

183 (282). A. R. Spofford, Binding and Preservation of Books in ben 
Public Libraries in the United States of America etc. Pt. I, ©. 673—678. — 
Justin Winsor, library Memoranda. (Ebenba <£. 711 — 714. — Cornelius 
W a 1 f o r d , On Binding of Books for Public and Private Libraries etc. Vortrag 
gehalten auf bem internationalen ffongrcfc ber ©ibliotljefare, abgebrudt im 
Library Journal, Vol. II, 1*78, ©. 201—203. — Sir Redmond Barry, On 
Binding. (Jbenba ©. 203—207. — R. B. Poole, Book-Binding Memoranda. 
Cbenba, Vol. XIV, 1889, <B. 261—264. — J. Y. W. Macal ister, Notes on 
Binding, and a Suggestion. Trausactions and Proceedings of the 4. and 5. 
Annual Meetings of the Library Association U. K. London 1884, 4°,®. 187—189. 

184 (<5. 284). $er ermähnte Übelftanb mürbe beftefien bleiben, menn man 
nad) Edward S. Holden, On the Treatment of Pamphlets in Special 
Libraries. Library Journal, Vol. V, 1880, <5. 166—167 einen <2d)ranl mit 
Steljbaren Ääften einridjten mollte, morin Me qjampfiletc nad) Ätaffen georbnet 
nieberäulegen mären. 

185 (S. 285). Norman C. Perkins, How to Bind Periodicals. Library 
Journal, Vol. XII, 1887, @. 354—356. — E. Palumbo, Norme generali 



Digitized by Google 



?lnmcifungcn. 



405 



per la Legatura dei Periodiri nclle pubbliche Bibliotecbe. Rivista delle 
Biblioteche, Vol. I, 1688, ©. 44-41». 

186 (S. 287). John Edmands, Lettering of Books. Library Journal, 
Vol. XII, 1887, 6. 322—323. 

187 (©. 287). Edward B. Nicholson, On Buckrani as a Binding- 
Material. Library Journal, Vol. II, 1878, <g. 2o7— 209. — £crf., Buckrani, a 
Palinode. Transactions and Proceedings of tho 3. Annual Meeting of the 
Library Association L*. K. London 1881, 8. 117 — 111). — F. P. Hathaway, 
Bindings for a Public Library. «benba, Vol. IV, 1879, ©. 248-249 embfiefjlt 
0(8 ,,the inost serviceable materials for bindings in a public library l. calf 
parchment 2. good marocco 3. levant 4. linen buckrani". 

188 (6. 289). 3" r Crienticrung in bcr Xedjnit ber ©udjbinberet fei it. a. 
fiingennefen auf (S. ©auer, ganbbudj ber 93ud)binberei, SSeimar 1881, 8°. SWit 
Slilaä; 2. ©rabc, 3ü~uftrirte§ »udjbinbcrbud). 3. Huflagc, boit SRobcrt IDiefc, 
£aüe 1882, s°. 9Nit SltlaS; $aul Slbam, ©bftematifebe« 2cb> imb fcanbluid) 
bcr S3itd)binbcrei unb bcr bamit aufammenljängenben ftädier in Sfieorie uitb 
^8raji§, 2>re$bcn 1885, 8° unb bcSfelben *Berfaffcr§ neueftcö Söcvl Ter 93tia> 
etnbanb. Seine Xedmtf unb feine ©cfcfiidjte, Seidig 1890, 8°. Unter 9lbnm8 
(»udjbtnbcrmctfterS in Tüffelborf) Sdniftleüung erfdjeint neucrbingS audj eine 
befonberc SWonatäfdjrift für ©urfjbinbcrei unb Dcrnianbte ©emerbe. Sfunftgeloerb* 
Iidje ©lättcr für 93ud)binbcr, »udjbäublcr , «ibUotbefcn unb ©üdjcrlieb&aber, 
3&g. I» 1 ff-. I89u, SScrlin bei ftr. ^fcilftilcfcr. »on fremblänbtfdjcn 
<Sd)riften fei .T. W. Zaehnsdorf, The Art of Bookbinding. Ix>ndon 

1880, 8°, Josef Cundall, On Bookbinding, Ancient and Modern. London 

1881, 4°, G. Brun et , La reliure aneienne et moderne. Paris 1884, 8°, 
Uzanne, I,a reliure moderne. Paris 1887, 8° genannt. Gine btbliographifdje 
Sufammcnftcflung hterhergehbriger Üitteratur gtebt s. T. Prideaux, Biblio- 
graphy of Works on Binding. The Bookmart 1889, 9?r. 72, <g. 653— »»59. 

Ptertfr 3Äbfd)nttf. 

189 (£. 292). Über btc $lrt unb SBeife, lote ein Sibltotfjerar bon bem 
Snfjalte eines ©urfjeS für feine foejicllcn 3toecfe Äenntnis nimmt, bat Justin 
Winsor (Library Journal, Vol. III, ©. 121) folgenbc treffenbe, auf eigener 
©rfafjrung beuifjenbe 5kmctfuugen gemadjt. Crr fprirfjt öon feiner Söirlfamfcit 
in 93ofton. „There was never", fagt er, ,,any significant book, or one whose 
title did not wbolly teil what it was, tbat came in and passed to its shelf 
without ray giving it more or less of an examination, enough for me to 
ticket it away in its proper pigeon hole in my memory. After years' 
practice I had acquired a facÜity in fathoming a book which sometimes 
surprised me. One gets to learn where to look for the salient points — 
the sentences tbat give the gist of the chapter or tbe volume. I always 
read prefatory matter. It teils von what you are to expect in tho book. 
You measure the writer by las manner of dealing with himself. You note 
what he knows of the bibliography of his subject; and you skim along the 
foot-notes through his text to sce how he uses his authorities, and how 
careful he is. Iiis contents-table maps the subject out to you, as he 
understands it. His appeudix >hows you if he knows how to utilize his 
drippings. A taste of a chapter or two, and you get his flavour as a writer." 
Ter SBibliotfjefar f)cit eben, wie aud) W. E. Forster in feinem bemerfenä= 
lüCrten Sluffafcc Some Compensations in a Librarian's Life. Library Journal, 



Digitized by Google 



406 



Slnmerfungen. 



Vol. X, 1885, ©. 195—200 ausgeführt bat, fefnc bcTonbcrc 9lrt 99ii(^er ju leien. 
SÖÜrbe er lefen, fo bemerft 5 0r f tcr » wie ein gctuöbnlicber fiefer, intern er fidj